Übertragung einer angefallenen, aber von dem Erben noch nicht
angetretenen Erbschaft auf die Erben dieses Erben (successio in
delationem); in der Technik eine Vorrichtung zur Übertragung
von Kraft (Energie) von einem Motor auf eine Arbeitsmaschine oder
auch von einer Kraftquelle auf einen Motor. Kraft kann auf
verschiedene Weise und durch verschiedene Mittel übertragen
werden, von denen einige eine Kraftübertragung auf weite
Entfernungen gestatten während andre nur auf kurze
Entfernungen hin Kraft abzugeben geeignet sind. Folgende Arten der
T. sind in Gebrauch: 1) T. aus festen (starren oder biegsamen)
Körpern: a) Wellenleitungen (mit Riementrieben,
Hanfseiltrieben, Zahnrädern, Kurbeln, Exzentriks, Stangen
etc.) können zur Kraftübertragung auf große
Entfernungen nicht benutzt werden, weil die Kraftverluste durch
Reibung mit der Entfernung so stark wachsen, daß etwa auf
2000 m Entfernung die ganze eingeleitete Kraft durch Reibung
aufgezehrt wtrd, also die übertragene Kraft = 0 ist. Dagegen
sind sie zur Verteilung der Kraft der Motoren auf die einzelnen
Arbeitsmaschinen innerhalb der Fabriken u. Werkstätten fast
ausschließlich in Anwendung (T. im engern Sinn,
Fabriktransmission). b) Gestänge, d. h. lange, aus vielen
Teilen zusammengefügte Stangen, welche hin und her bewegt
werden, sind gleichfalls zur Fernleitung von Kraft nicht geeignet,
weil sie, vertikal verwendet, zu schwer werden und als horizontale
oder geneigte Gestänge vieler Unterstützungen durch
Rollen oder schwingende Stangen bedürfen, welche teils die
Anlage kompliziert machen, teils große Reibungsverluste
herbeiführen. Sie finden zur vertikalen Kraftübertragung
in Bergwerken als Pumpengestänge und Gestänge der sogen.
Fahrkünste Verwendung (in ältern Bergwerken sind auch
noch horizontale Gestange vorhanden). c) Der Drahtseiltrieb (s.
Seiltrieb) eignet sich sowohl zur T. innerhalb einer Fabrik als
auch zur Kraftübertragung in die Ferne (von einer
Kraftstätte nach verschiedenen Fabriken hin bis zu 10,000 m).
Seine Verwendbarkeit ist jedoch durch seine tief
herabhängenden Seiltrümmer in den Fällen
beschränkt, wenn diese entweder zu hohe und kostspielige
Pfeiler für die Leitrollen verlangen oder über belebte
Gegenden (besonders Städte) hinweggeführt werden
müßten. Mit den Seiltrieben nahe verwandt sind die
Seilbahnen und die Seilförderungen. d) Die Kettentransmission
kann auf mäßige Entfernungen, wie sie bei Berg- und
Hüttenwerken zum Materialtransport (horizontale und geneigte
Kettenförderungen) vorkommen, sehr gut verwendet werden. 2) T.
durch Flüssigkeiten (tropfbare oder luftförmige): a)
Druckwasser, wie es entweder durch natürliche Gefälle
oder durch Druckpumpen erzeugt und in Röhren bis zum
Verwendungsort geführt wird, bietet ein vorzügliches
Mittel zur Übertragung eines großen Druckes auf
bedeutende Entfernungen dar, welches in Verbindung mit einem
Akkumulator (s. d.) noch den besondern Vorzug hat, die Arbeit von
verhältnismäßig wenig leistungsfähigen Motoren
eine Zeitlang in solcher Menge aufspeichern zu können,
daß danach auf kurze Zeit sehr hohe Leistungen hervorgebracht
werden können. Hieraus erklärt sich die ausgebreitete
Verwendung der hydraulischen T. bei Bahnhofs-, Hafen-,
Speicheranlagen, Bessemerwerken etc. zum Betrieb von Aufzügen,
Kränen, Schiebebühnen etc. Auch in Bergwerken leistet die
hydraulische T. teils als hydraulische Gestänge für
Pumpen, teils zum Betrieb unterirdischer Maschinen (Pumpen,
Fördermaschinen, Bohrmaschinen) gute Dienste. b) Komprimierte
Luft ist als kraftübertragendes Mittel für weite
Entfernungen besonders da zu empfehlen, wo die Luft nach der
Arbeitsleistung noch eine weitere Verwendung zur Ventilation finden
kann, also besonders bei dem Bau von Tunnels und beim Bergbau zum
Betrieb von Gesteinsbohrmaschinen. Ein Nachteil der
Lufttransmission, welcher nicht unbedeutende Arbeitsverluste zur
Folge hat, ist der Umstand, daß die Expansionswirkung der
Luft in den Arbeitsmaschinen nur in beschränktem Maß
angewendet werden kann, weil sonst leicht Eisbildung störend
auftritt. c) Verdünnte Luft kann wegen ihres geringen
nutzbaren Druckes (etwa ¾ Atmosphäre) nur für
mäßige Leistungen und geringe Entfernungen zur
Verwendung kommen. Mit Vorteil wird sie bei kontinuierlichen
Eisenbahnbremsen gebraucht. d) Die Verwendung von gespanntem Dampf
zur Kraftübertragung ist in Fabrikanlagen, also auf
verhältnismäßig geringe Entfernungen, sehr
gebräuchlich, aber auch für weitere Entfernungen bis 1500
m anhängig, obwohl dabei ziemlich bedeutende
Kondensationsverluste auftreten. Außer bei unterirdischen
Bergwerksmaschinen werden lange Dampfleitungen in amerikanischen
Städten zur Kraftverteilung benutzt, in welch letzterm Fall
der Vorteil erreicht wird, daß der Dampf entweder direkt oder
nach der Wirkung in den Maschinen auch zu Heizzwecken Verwendung
finden kann. e) Leuchtgas ist bezüglich seiner Verwendung zur
Krafttransmission wegen seines hohen Preises als ein Notbehelf
anzusehen. Voraussichtlich wird jedoch in Zukunft durch billiges
Heizgas (Wassergas) ein vorteilhafter Ersatz geschaffen werden. 3)
Die Elektrizität erscheint als das Mittel, welches von allen
auf die weitesten Entfernungen Kraft übertragen kann. Dennoch
sind die Entfernungen auch bei ihr nicht unbegrenzt. Auch ist die
Elektrizität wegen der an den Maschinen auftretenden Funken
nicht überall verwendbar (z. B. in Bergwerken mit schlagenden
Wettern). Der Gesamtnutzeffekt der wichtigsten Transmissionsarten
beträgt nach Lauriol:
Länge der Transmission in Metern
Art der Transmission
Elektrizität Druckwasser Komprimierte Luft Drahtseil
Nutzeffekt
100 0,647 0,54 0,45 0,96
500 0,646 0,52 0,45 0,93
1000 0,642 0,51 0,45 0,90
5000 0,610 0,47 0,42 0,60
10000 0,570 0,39 0,38 0,36
20000 0,500 0,22 0,35 0,13
Die Kosten der T. sind im allgemeinen nicht anzugeben, da sie in
zu hohem Maß und in jedem einzelnen Fall von lokalen
Verhältnissen abhängig sind. Vgl. Meißner-Hartmann,
Die Kraftübertragung auf weite Entfernungen (Jena 1887);
"Anleitung zur Einrichtung von Triebwerken" (Braunschw. 1889).
Transmissionsriemen, s. Treibriemen.
Transmitter (engl., "übersender"), s. v. w.
Mikrophonsender.
Transmittieren (lat.), überschicken,
übertragen.
Transmontan (lat.), jenseit der Berge, besonders der
Alpen, daher s. v. w. ultramontan.
800
Transmutation - Transportschraube.
Transmutation (lat.), Umwandlung;
Transmutationshypothese, s. Deszendenztheorie.
Transmutieren (lat.), umwandeln; davon transmutabel,
veränderlich, umwandelbar.
Transoxanien, Land, s. Bochara, S. 97.
Transpadanische Republik, der von Bonaparte 1796 nach der
Schlacht bei Lodi (10. Mai) jenseit des Po (d. h. von Italien aus,
also nördlich desselben) aus der österreichischen
Lombardei nach dem Muster der französischen Republik
errichtete Freistaat, ward schon im Juli 1797 mit der
Cispadanischen Republik zur Cisalpinischen Republik (s. d.)
vereinigt.
Transparént (franz.), durchscheinend,
halbdurchsichtig; besonders von Gemälden, Sprüchen etc.
auf Papier oder feinem weißen Baumwollenzeug gebraucht, das,
mit Öl getränkt, mittels dahinter zweckmäßig
angebrachter Erleuchtung in hell glänzenden Farben
erscheint.
Transparénz (lat.), s. Durchsichtigkeit.
Transpiration (neulat.), s. v. w. Hautausdünstung;
transpirieren, schwitzen.
Transplantation (lat.), die Überpflanzung von
Geweben auf andre Körperstellen behufs Anheilung. Die T. wird
entweder bei unvollständiger oder bei vollständiger
Trennung vom Mutterboden ausgeführt. Im erstern Fall
vermittelt ein Stiel, welcher die Blutgefäße
enthält, die vorläufige Ernährung des losgetrennten
Gewebstücks, wie bei vielen "plastischen Operationen" (s. d.),
z. B. der künstlichen Nasenbildung. Im andern Fall heilen die
Teile auf einem geeigneten Boden ohne weiteres an und werden durch
Gefäße ernährt, welche sich von dem neuen
Mutterboden aus in dasselbe entwickeln. Es ist seit alters bekannt,
daß ein Hahnensporn sich auf einer wund gemachten Stelle des
Hahnenkammes anheilen läßt, und die Chirurgie hat von
dieser Erfahrung den Gebrauch gemacht, Hautstückchen oder
Haarwurzeln auf Wundflächen überzupflanzen, um diese
dadurch zum Überhäuten zu bringen. Das Verfahren findet
bei Unterschenkelgeschwüren ausgebreitete Anwendung. In
neuester Zeit ist sogar die T. ausgeschnittener Nervenstücke
an Tieren geglückt, ein Erfolg, dessen Verwertung für den
Menschen ausgezeichnete Aussichten für die Heilung mancher
Lähmungen eröffnet.
Nach dem Volksglauben werden auch menschliche Schwächen und
Krankheiten auf Tiere und Pflanzen übertragen. Die Juden
legten beim jährlichen Versöhnungsopfer alle Sünden
des Volkes auf einen "Sündenbock" und jagten denselben in die
Wüste. In ähnlicher Weise wurden die Teufel, welche die
Besessenheit erzeugten, auf Säue übertragen, und
ähnliche Zeremonien der Sünden- und
Krankheitsübertragung findet man noch heute in Sibirien,
China, Amerika etc. Bei den Totenfeierlichkeiten der Drawida legt
man die Sünden des Verstorbenen und seines ganzen Geschlechts
auf zwei Büffelkälber, die man ebenfalls in die
Wüste jagt. Im Mittelalter bildete sich die Lehre von der T.
zu einer besondern Heilmethode aus. Man legte kleine Tiere auf
Geschwülste u. dgl. und nahm Hunde ins Bett, damit sie den
"Krankheitsstoff" oder die als persönliches dämonisches
Wesen gedachte Krankheit an sich ziehen sollten. Besonders
üblich war aber die T. auf Pflanzen und Bäume. So glaubte
man Fieber und andre Krankheiten durch bestimmte Zeremonien in
hohle Bäume (Holunder) einsperren zu können, indem man
das zu diesem Zwecke gebohrte Loch nachher sorgfältig
zupflöckte. Auch konnte die Überweisung durch einen
bloßen Spruch geschehen, oder man knüpfte die Krankheit
in drei Knoten eines lebenden Weidenzweigs. Besonders üblich
war das Durchkriechen (s. d.) durch zu diesem Zweck gespaltene
Bäume oder durch die Wurzeln oder durch enge Spalten
megalithischer Denkmäler, in dem Glauben, daß dadurch
das Siechtum gleichsam von dem Baum etc. abgestreift und behalten
werde. Im übrigen kam es darauf an, daß die Pflanze,
welche die Krankheit übernommen hatte, lebenskräftig
blieb, weil sonst ein Rückschlag zu befürchten stand,
weshalb man vielfach die sehr zählebige Fetthenne (Sedum
Telephium) hierzu wählte. Der Kranke mußte sie mit einem
Spruch ausreißen und dann zwischen seinen Beinen wieder
einpflanzen.
Transponieren (lat.), an eine andre Stelle versetzen; in
der Mathematik: die Glieder einer Gleichung von der einen Seite mit
entgegengesetzten Zeichen auf die andre bringen; in der Musik: ein
Tonstück mit strenger Beibehaltung aller Tonverhältnisse
aus einer Tonart in eine andre übertragen.
Transponierende Instrumente, solche Blasinstrumente,
für welche diejenige Tonart als C dur (ohne Vorzeichen)
notiert wird, welche ihrer Naturskala (Obertonreihe) entspricht. T.
I. sind die Hörner, Trompeten und Klarinetten unsers
Orchesters. Auf einem Horn in D klingt der als c'' notierte Ton wie
d', auf einer B-Klarinette dasselbe c'' wie b'. Das Umstimmen
einzelner oder aller Saiten der Violine (meist um einen Halbton
nach oben), welches einige Violinvirtuosen angewendet haben (die
sogen. Scordatura), verwandelt die Violine ganz oder teilweise in
ein transponierendes Instrument.
Transpórt (lat.), die Fortschaffung,
Wegführung von Dingen von einem Ort zum andern; in der
Buchhaltung s. v. w. Übertrag (Vortrag) der Summe einer Seite
auf die andre.
Transportausweis, der amtlich ausgestellte Schein,
welcher Ausweis über auf dem Transport befindliche und einer
besondern Steuer- oder Zollkontrolle unterstellte Waren gibt (vgl.
Passierzettel).
Transporteur (franz., spr. -tör), ein mit
Gradeinteilung versehener (quadrierter) Viertel-, Halb- oder
Vollkreis von Metall, Papier, oft durchsichtig von Horn oder Glas,
zum Nachmessen und Ablesen oder Auftragen von Winkelgraden beim
geometrischen Zeichnen, auch Hilfsinstrument bei der
topographischen Aufnahme mit der Bussole; oft auch wohl mit einem
System von Linealen verbunden, durch deren Öffnung
gleichzeitig der am Gradbogen ablesbare Winkel graphisch auftragbar
gegeben wird.
Transporthäuser dienen in Österreich zum
vorübergehenden Aufenthalt für Mannschaften auf
Reisen von und zu ihren Truppenteilen. Die Garnison- und im Krieg
auch die Feldtransporthäuser stehen unter eigner Verwaltung,
während die Truppentransporthäuser von den betreffenden
Truppen verwaltet werden.
Transportpapier, s. Warenpapier.
Transportschiffe, Schiffe einer Kriegsmarine, welche
bestimmt sind, Truppen und Kriegsmaterial über See zu
transportieren. Seemächte mit vielen und wichtigen Kolonien
bedürfen derselben am meisten; gegebenen Falls werden
geeignete Handelsdampfer, die bereits in Friedenszeiten zu dem
Zweck designiert sind, als solche requiriert.
Transportschraube, in horizontaler oder wenig geneigter
Lage in einen Kasten eingeschlossene Schraube mit steilen
Schraubenflächen aus Eisen- oder Zinkblech, welche die Wand
des entsprechend geformten Kastens nahezu berühren. Der Kasten
besitzt an beiden Enden eine Öffnung, und die durch eine
Riemenscheibe in langsame Rotation versetzte Schraube
801
Transportsteuern - Trapa.
bewegt sich in der Richtung, daß das durch die eine
Öffnung eingeführte Material allmählich ans andre
Ende des Kastens befördert wird. Die T. wird namentlich in
Mühlen zum Transportieren von Getreide, Mehl und Grieß,
in Pulver- und Ölmühlen, Aufbereitungsanstalten etc.
angewandt, um das Material von einer Maschine zur andern zu
führen.
Transportsteuern (Transportverkehrsteuern), Abgaben,
welche in Gebührenform (Konzessionsgebühr,
Stempelabgaben, Tonnengelder etc.) als echte Gewerbesteuer (s. d.)
oder als Aufwandsteuer in Form von Zuschlägen zum
Transportpreis erhoben werden. Vgl. Eisenbahnsteuer.
Transportversicherung soll dem Versicherten Ersatz bieten
für den Verlust oder Schaden, welchen der versicherte
Gegenstand auf dem Transport erleidet. Man unterscheidet See-,
Fluß- (Strom-) und Landtransportversicherung. Die
Seetransportversicherung ist die wichtigste der drei und zugleich
diejenige Versicherungsart, welche zuerst rationeller ausgebildet
und (in Italien bereits im 14. Jahrh.) gesetzlich geregelt worden
ist. Auch die neuere Gesetzgebung, so das deutsche
Handelsgesetzbuch (Artikel 782-905), wandte ihr eine eingehende
Aufmerksamkeit zu. Die Seeversicherung hat vorzüglich deswegen
mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil bei
vorkommenden Unfällen ein Nachweis der Verschuldung schwer
oder überhaupt nicht zu erbringen ist und die Gefahr, nach
welcher die Prämie sich zu richten hat, nicht allein von
Naturereignissen und von der Route, sondern auch von der Ladung
(Art, Menge), Bemannung (Zahl, Brauchbarkeit), von der
Seetüchtigkeit der Schiffe etc. abhängig ist. Über
die letztern werden unter andern vom Germanischen Lloyd in Hamburg,
vom Büreau Veritas in Paris eigne Register (Lloydregister)
geführt. Die meisten Gesellschaften, welche die
Seetransportversicherung betreiben, befassen sich
ausschließlich mit diesem Versicherungszweig und haben
naturgemäß ihren Sitz in den großen
Seeplätzen; in Hamburg, wo allein 14 Gesellschaften mit einer
Anzahl Einzelversicherer und auswärtiger Anstalten einen
Versicherungsbestand von etwa 2000 Mill. Mk. haben, Bremen,
Stettin, Danzig etc. befindet sich eine große Anzahl
derartiger Institute. Es gibt indes auch
Transportversicherungsanstalten, welche neben der Seeversicherung
noch andre Zweige der T., und ebenso allgemeine
Transportversicherungsgesellschaften, welche auch andre Zweige der
Versicherung, namentlich die Feuerversicherung, betreiben.
Allgemeine deutsche Transportgesellschaften gibt es in Deutschland
über 30; von ihnen sind der Rheinisch-Westfälische Lloyd,
die Vaterländische, die Transatlantische, die Dresdener
Allgemeine, die Düsseldorfer Allgemeine, die Berliner
Deutsche, der Deutsche Lloyd, die Niederrheinische und die
Aachen-Leipziger die bedeutendsten. An der Ostseeküste haben
sich viele Vereine (Kompakten) zu gegenseitiger Versicherung der
Schiffe auf Küstenfahrten gebildet (vgl. Seeversicherung). Der
Seeversicherung wird gewöhnlich die Versicherung von
Transportmitteln, Güter- und Wertsendungen auf dem Transport
zu Land (auf der Achse, Eisenbahn) und auf Flüssen als T. im
engern Sinn gegenübergestellt. Eine hohe Bedeutung hat heute
die Eisenbahnversicherung gewonnen. Eine besondere Art derselben
ist die Lieferfristversicherung, d. h. die Versicherung
rechtzeitiger Ankunft aufgegebener Güter am Ablieferungsort
(vgl. Lieferungszeit). Der Umstand, daß die Post für
Verlust deklarierter Wertsendungen nicht immer genügenden
Ersatz leistet, gab Veranlassung zur Entstehung der Valoren-
(Wert-) Versicherung, d. h. der Versicherung von Geld- und
sonstigen Wertsendungen gegen die Gefahren des Transports. Dieselbe
ist nur zulässig bis zur Höhe des Wertes der Sendung. Sie
erfolgt oft auf Grund einer ausgestellten Generalpolice, indem
jeweilig der Versicherungsgesellschaft über aufgegebene
Sendungen Mitteilung gemacht wird. Auch die deutschen Postanstalten
erheben für solche deklarierte Sendungen Portozuschläge,
welche sie als Versicherungsgebühren bezeichnen; doch ist
dieser Ausdruck nur insoweit zutreffend, als die Post etwa
über ihre allgemeine Haftpflicht als einer Transportanstalt
hinausgehende Haftverbindlichkeiten gegen eine dann ungenau
"Gebühr" genannte Prämie erhebt.
Transposition (lat.), Versetzung, Umsetzung (vgl.
Transponieren).
Transrhenanisch (lat.), jenseit des Rheins.
Transsept, s. Transept.
Transkribieren (lat.), schreibend übertragen,
umschreiben. Transskription, Umschreibung; in der Musik im
Unterschied von Arrangement (s. d.) Übertragung eines
Tonstücks, z. B. eines Gesangstücks, auf Klavier oder ein
andres Instrument, meist mit ausschmückenden Zuthaten oder
sonstigen durch die Natur des gewählten Instruments bedingten
Veränderungen versehen.
Transskriptionsbücher, s. Grundbücher.
Transsubstantiation (neulat., griech. Metusiosis),
scholast. Kunstausdruck für die kraft der Konsekration (s. d.)
bewirkte Verwandlung der Substanz des Brotes und Weines in die
Substanz des Leibes und Blutes Christi, welche den Kern der
römisch- wie griechisch-katholischen Lehre vom Abendmahl (s.
d.) im Gegensatz zu den protestantischen Konfessionen bildet.
Transsudate (lat.), s. Absonderung (3), S. 60.
Transsylvania, s. Siebenbürgen, S. 943.
Transsylvanische Allpen, s. Karpathen,S. 558.
Transvaal, s. Südafrikanische Republik.
Transversale (lat.), im allgemeinen s. v. w.
Schnittlinie, auch Schnittfläche (s. Durchschnitt).
Trap, Jens Peter, dän. Historiker und Statistiker,
geb. 19. Sept. 1810 zu Randers, wurde, nachdem er in Kopenhagen
Rechtswissenschaft studiert und nebenbei den schönen
Wissenschaften obgelegen, 1834 im Kabinettssekretariat angestellt,
1851 Chef desselben und Kabinettssekretär bei Friedrich VII.,
welchen Posten er auch seit der Thronbesteigung Christians IX.
innehatte. 1859 wurde er zum Geheimen Etatsrat und später zum
Ordenssekretär ernannt. Er starb 21. Jan. 1885. Seit 1842 gab
er das dänische Staatshandbuch ("Konglik dansk Hof-og
Statskalender") heraus, das er zu einem Musterbuch in seiner Art
gestaltete. Sein Hauptwerk ist die "Statistisk-topographisk
Beskrivelse af Kongeriget Danmark" (2. Aufl., Kopenhagen 1870-80, 6
Bde.), aus welcher der Teil über Kopenhagen auch besonders
erschienen ist (1880).
Trapa L. (Wassernuß), Gattung aus der Familie der
Onagraceen, einjährige, schwimmende Wasserpflanzen, deren
untergetauchte Blätter gegenständig, linealisch,
hinfällig sind, während die schwimmenden eine Rosette
bilden, in der Mitte aufgeblasene Blattstiele und eine lederige,
rhombische, ungleich buchtig gezahnte Spreite besitzen. Die
Blüten stehen einzeln achselständig, und die bleibenden
Kelchblätter wachsen zu dornartigen Hörnern an der
einsamigen, am bleibenden Diskus gekrönten Nuß aus. T.
natans L. (Wasserkastanie, Jesuitennuß), in Seen und Teichen
durch ganz Europa und Asien, doch überall selten, hat
weiße Blüten und eine vierstachlige Frucht
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
51
802
Trapani - Trapp.
von der Größe einer Haselnuß, deren Kern roh
und gekocht gegessen, auch zu Brot verbacken und als Schweinefutter
benutzt wird, weshalb man die Pflanze hier und da kultiviert. Man
benutzt die Früchte auch zu Halsketten etc. T. bicornis L.,
wird in China gegefsen, T. bispinosa Roxb. in Indien, beide werden
kultiviert. Vgl. Jäggi, Die Wassernuß und der Tribulus
der Alten (Zürich 1883).
Trapani, ital. Provinz auf der Insel Sizilien, den
äußersten Westen derselben umfassend, 3145, nach
Strelbitsky nur 2408 qkm (43,73 QM.) groß mit (1881) 283,977
Einw. Sie besteht aus der westlichen, allmählich zur Ebene
zwischen Trapani und Marsala hinabsinkenden Abdachung Siziliens und
hat nur im NO. höhere Berge (Monte Sparagio 1109 m). Der Fiume
San Bartolommeo zum Golf von Castellammare, der Belice, der
Fluß von Mazzara und der Birgi sind die namhaftesten
Wasserläufe. Weizen (1887: 663,009 hl) und Wein (1,044,741
hl), dann Oliven (44,887 hl Öl) und Sumach sind die
Haupterzeugnisse des Pflanzenreichs, Korallen und Thunfische des
Tierreichs, Seesalz an der ganzen Westküste entlang die des
Mineralreichs. Die Korallen- und Alabasterverarbeitung in T. ist
sehr zurückgegangen, wogegen sich Weinproduktion, Handel und
Schifffahrt stetig entwickeln. Die Provinz zerfällt in die
Kreise Alcamo, Mazzara del Vallo und T. - Die gleichnamige
Hauptstadt (das antike Drepanon) liegt, von Mauern und
Festungswerken umgeben, an der Westküste auf einer weit
vorspringenden Landzunge, am Fuß des Monte Giuliano (Eryx),
von welchem eine Wasserleitung herführt, am Endpunkt der
Eisenbahn Palermo-T., hat mehrere mittelalterliche Paläste,
viele Kirchen (mit guten Gemälden), einen vortrefflichen
Hafen, ein Lyceum, Gymnasium, Seminar, eine technische Schule,
nautische Vorbereitungsschule, Gemäldegalerie, ein Theater,
Schiffbau und (1881) 32,020 Einw. Im Hafen von T., der durch ein
Kastell geschützt und mit einem Leuchtturm versehen ist,
liefen 1886: 2325 Schiffe mit 224,626 Ton. ein. Zum großen
Fischfang und zur Schwammfischerei sind 99 Schiffe mit 1066 T.
ausgelaufen. Die Wareneinfuhr belief sich auf 43,950, die Ausfuhr
(hauptsächlich Seesalz, dann Wein und Mehl) auf 175,421 T. Mit
Palermo steht T. in regelmäßiger Dampferverbindung. T.
ist Sitz des Präfekten und eines Bischofs, eines Zivil- und
Korrektions- sowie eines Handelstribunals, einer Filiale der
Nationalbank und mehrerer Konsuln (darunter auch eines
deutschen).
Trapez (griech.), ebenes Viereck mit zwei parallelen
Seiten (a und b in nebenstehender Figur) und zwei nicht parallelen
(c und d); sind letztere gleich lang, so ist das T. symmetrisch.
Die Fläche des Trapezes ist gleich der halben Summe der
parallelen Seiten, multipliziert mit ihrem senkrechten Abstand oder
der Höhe h ^[...]; auch findet man sie durch die Formel
^[...]. T. ist auch s. v. w. Schaukel- oder Schwebereck (s. Reck).
Trapezoid, ebenes Viereck ohne parallele Seiten.
Trapezius musculus (lat.), Mönchskappenmuskel im Nacken und
obern Teil des Rückens.
Trapezkapitäl, das im byzantin. Stil und häufig
im deutschen Backsteinbau der spätromanischen Zeit vorkommende
Kapitäl, welches aus Kegelabschnitten zwischen
trapezförmigen (bisweilen dreieckigen) Seitenflächen
besteht (vgl. nebenstehende Abbildung).
Trapezoëder, s. v. w. Ikositetraeder imen gern Sinn,
s. d. und unter Kristall, S. 230.
Trapezoidalkörper, s. v. w. Prismatoid (s. d.).
Trapezúnt (in der Linguafranca Trebisonda,
türk. Tarabzon), befestigte Hauptstadt des gleichnamigen
türk. Wilajets in Kleinasien, zwischen Bergen am Schwarzen
Meer gelegen, ist wegen der vielen Gärten von bedeutendem
Umfang, hat enge, unreinliche Straßen, 22 griech. Kirchen, an
40 Moscheen und Schulen, ansehnliche Bazare, ein altes verfallenes
Schloß, Woll-, Seiden- u. Leinweberei, Gerberei,
Färberei, eine Schiffswerfte, Fischerei und 40-50,000 Einw.
(Türken, Armenier, Griechen, Perser und einige Europäer).
T. ist Sitz eines griechischen Bischofs und infolge seiner
günstigen Lage ein Hauptstapel- und Speditionsplatz des
Handels zwischen Europa und Vorderasien, dessen Gesamtbetrag auf
jährlich 50 Mill. Mk. angegeben wird, trotzdem er durch die
Vernachlässigung der Straßen im Innern, die
türkischen Zollplackereien und die Bahn Poti-Tiflis neuerdings
sehr gelitten hat. Der Import aus England allein beläuft sich
aus durchschnittlich 16 Mill. Mk. jährlich.
Regelmäßige Dampfschiffahrt verbindet die Stadt mit
Konstantinopel, den Donaumündungen und einigen
Mittelmeerhäfen, während der Verkehr mit Erzerum, Tebriz
und Syrien durch Karawanen vermittelt wird. - Das Wilajet T.,
welches früher die ganze Küstenlandschaft am Schwarzen
Meer von der Mündung des Kisil Irmak bis über Batum
hinaus umfaßte, hat neuerlich bedeutend an Umfang verloren,
indem im O. etwa ein Drittel des frühern Sandschaks Batum mit
dieser Stadt selbst 1878 an Rußland abgetreten werden
mußte und Ende Dezember 1878 die Kazas Scheiran, Kelkit
Ispir, Tortum und Keskem zum "Sandschak Baiburt" vereinigt und zum
Wilajet Erzerum geschlagen wurden. Gegenwärtig ist das Wilajet
nur ein ca. 520 km langer Küstenstreif mit einem Areal von ca.
32,000 qkm und 1,100,000 Einw. - T. (Trapezus), eine griechische,
um 700 v. Chr. von Milesiern aus Sinope angelegte Pflanzstadt,
erhielt, wiewohl schon im Altertum ein nicht unbedeutender Ort,
doch erst im Mittelalter eine größere Wichtigkeit, indem
nach der Gründung des lateinischen Kaisertums ein Prinz des
kaiserlichen Hauses, Alexios, 1204 im östlichen Kleinasien ein
kleines Kaisertum errichtete und seinen Sitz in T. nahm. Der Thron
von T. teilte bald das Schicksal des byzantinischen. David
Komnenos, der letzte Kaiser von T., ward 1461 in seiner Hauptstadt
vom türkischen Sultan Mohammed II. belagert und mußte
sich, aller Hilfe beraubt, demselben 1461 auf Gnade und Ungnade
ergeben. Der Sieger ließ ihn 1462 mit seiner Familie in
Adrianopel hinrichten und verleibte das Land dem türkischen
Reich ein. Vgl. Fallmerayer, Geschichte des Kaisertums zu T.
(Münch. 1827).