welcher alle Tangenten vom Berührungspunkt bis zum
Schnittpunkt mit einer gegebenen geraden oder krummen Linie, der
Direktrix, gleich lang sind. Die einfache T. mit geradliniger
Direktrix ist schon von Huygens ("Hugenii Opera varia", Teil 2,
Seite 617) untersucht worden.
Traktur (lat.), in der Orgel die innern Teile des
Regierwerkes, besonders der Abstrakten.
Tralee (spr. tralih), Hauptstadt der irischen Grafschaft
Kerry, an der Mündung des Lee in die Traleebai des
Atlantischen Ozeans und mit seinem Außenhafen Blennerville
durch einen Schiffskanal verbunden, hat ein Dominikanerseminar,
Fischerei (442 Boote), lebhaften Handel und (1881) 9910 Einw.
Tralje (holl.), Gitterstab an Fenstern.
Tralles, Johann Georg, Physiker, geb. 15. Okt. 1763 zu
Hamburg, studierte seit 1782 in Göttingen, ward 1785 Professor
der Mathematik und Physik zu Bern, 1810 Professor der Mathematik in
Berlin, starb 19. Nov. 1822 in London. Er erfand das nach ihm
benannte Alkoholometer (s. d.) und schrieb "Untersuchungen
über die spezifischen Gewichte der Mischungen aus Alkohol und
Wasser" (Leipz. 1812).
Trambahnen, s. v. w. Straßeneisenbahnen.
Trametes Fr., Pilzgattung aus der Unterordnung der
Hymenomyceten, von der Gattung Polyporus nur darin verschieden,
daß die Röhren keine von der Substanz des Huts
verschiedene Schicht bilden, sondern gleichfalls in dieselbe
eingesenkt sind, weil letztere zwischen die Röhren
hinabsteigt. Es sind holzbewohnende Schwämme mit stiellosem,
halbiertem Hute. T. pini Fr. (Kiefernschwamm), mit
polsterförmigen, 7-14 cm breiten, bis 11 cm dicken, sehr
harten, korkig-holzigen, schmutzig braunschwarzen, tief gefurchten,
meist dachziegelförmig übereinander wachsenden Hüten
mit rötlichgelben Röhren, wächst an
Kiefernstämmen und verursacht die Rotfäule und
Ringschäle der Kiefern. Letztere Krankheit zeigt sich an den
obern Stammteilen und stärkern Ästen und besteht darin,
daß das dunkler gefärbte Kernholz mürbe wird und
ringförmige Zonen von weißen Flecken bekommt, welche aus
dem Pilzmycelium bestehen, dessen Fäden die Holzzellen nach
und nach verzehren. Nur an alten Aststümpfen bildet der Pilz
die oft über 50 Jahre alt werdenden Fruchtkörper. Die
Infektion des Baums findet nur von abgebrochenen oder
abgesägten Ästen aus und erst bei 40-50jährigen
Bäumen statt, da der Pilz mit seinem Mycelium nur im Kernholz
wuchert.
Tramieren (franz.), anzetteln.
Tramin, Marktflecken in Südtirol,
Bezirkshauptmannschaft Bozen, am Abhang des Mendelgebirges, hat
eine alte Pfarrkirche, berühmten Weinbau und Weinhandel (von
hier stammt die Traminer Rebe), Seidenfilande und (1880) 1798
Einw.
Tramontane (ital.), jenseit der Berge, d. h. in Italien
von Norden her wehender Wind, Nordwind; auch s. v. w.
Polarstern.
Trampeltier, s. Kamel, S. 420.
Trampoline (it.), Schwungbrett für
Kunstspringer.
Tramrecht, s. Balkenrecht und Baurecht.
Tramseide (Trama), s. Seide, S. 825.
Tramway (engl., spr. -ueh), s.
Straßeneisenbahnen.
Tramwaylokomotive, s. Lokomotive, S. 890.
Trance (engl., spr. tränns), Verzückung,
Entrückung (bei den Spiritisten gebräuchlicher
Ausdruck).
Trancheekatze (Trancheekavalier), s. Kavalier.
Tranchcen (franz., spr. trangsch-), s.
Laufgräben.
Tranchen (franz., spr. trangschen), die "Schnitte" beim
Tranchieren von Fleisch und Fisch.
Tranchieren (franz., spr. trangsch-), zerschneiden,
besonders das Zerlegen der Fleischspeisen (Braten) in einzelne
Stücke mit dem Tranchiermesser und der zweizinkigen
Tranchiergabel, am besten auf einer hölzernen Platte. Vgl.
Grimod de la Reynière, Manuel des amphitryons (Par. 1808);
Bernardi, L'écuyer tranchant (das. 1845); Klein, Die
Tranchierkunst (2. Aufl., Hildburgh. 1886).
Trani, Stadt in der ital. Provinz Bari, Kreis Barletta,
am Adriatischen Meer und an der Eisenbahn Ancona-Brindisi, ist Sitz
eines Erzbistums, eines Appellhofs und eines Zivil- und
Korrektionstribunals, hat ein Gymnasium, eine technische Schule,
ein Seminar, eine schöne Kathedrale (aus dem Anfang des 12.
Jahrh., mit großer Unterkirche, einem fünfgeschossigen
normannischen Turm und bronzenen Thürflügeln von 1175),
alte Basteien, einen stark versandeten Hafen, bedeutenden Handel
mit Landesprodukten, starke Fischerei u. (1881) 25,173 Einw. T.
hatte im Mittelalter große Bedeutung als Handelsplatz nach
dem Orient, verlor dieselbe aber infolge Verschüttung des
Hafeneinganges durch die Venezianer.
Trankebar (Tarangambadi), kleine Hafenstadt der
britisch-ind. Präsidentschaft Madras, an der
Koromandelküste, mit (1881) 6189 Einw., ist jetzt ein
verfallener Platz, war aber unter dänischer Herrschaft
(1616-1845) Hauptort der dänischen Kolonien in Indien; 1845
wurde es für 20,000 Pfd. Sterl. an die Britisch-Ostindische
Kompanie verkauft. In T. wurde 1706 die erste protestantische
Mission in Indien angelegt, die noch heute besteht und eine Schule
und Druckerei besitzt; in letzterer werden Werke in Tamil gedruckt.
Die Europäer wohnen in dem alten dänischen Fort am
Strand.
Tranksteuer, s. v. w. Getränkesteuer (s. d.).
Tranquillität (lat.), Ruhe, Gelassenheit.
Tranquillo (ital., auch Tranquillamente), ruhig.
Trans (lat.), über, jenseit, kommt häufig in
Zusammensetzungen vor, bei geographischen Namen dem Cis
entgegengesetzt.
Transactions (engl., spr. tränsacksch'ns),
Abhandlungen, besonders Titel für die periodischen
Publikationen der gelehrten Gesellschaften in England.
Transaktion (lat.), Verhandlung; Unterhandlung zur
Beilegung von Streitigkeiten; Vergleich, Übereinkunft; auch
Handelsunternehmung.
Transalpinisch (lat.), jenseit der Alpen gelegen.
Transanimation (neulat.), Seelenwanderung.
Transatlantisch (lat.), jenseit des Atlantischen Meers
gelegen.
Transbaikalien, russ. Gebiet im Generalgouvernement
Ostsibirien, zwischen dem Baikalsee, China, der Amurprovinz und dem
Gebiet Jakutsk, 603,228 qkm (10,955 QM.) mit (1885) 530,896 Einw.,
zur Hälfte Russen und Sibiriaken, außerdem 122,000
Buräten, 5600 Tungusen, 2000 Polen, ferner Chinesen, Juden u.
a. Das Land ist vorwiegend gebirgig und wird vom Jablonowoigebirge
mitten durchzogen, im NW. breitet sich das große, unwirtliche
Witimplateau aus. Unter den zahlreichen Flüssen sind die
namhaftesten Selenga mit der Uda, Ingoda und Schilka, der Witim
bildet die Nordgrenze. Die mittlere Jahrestemperatur schwankt
zwischen -1,7° und +4° C., die Niederschläge zwischen
300 und 762 mm. Daher ist vielfach künstliche Bewässerung
zur Erzeugung von Pflanzenwuchs nötig, und dichter Wald
wechselt mit nackten Steppen. Der Ackerbau hat durch die
Förderung der Regierung neuerdings zugenommen, viel
bedeutender ist aber die Viehzucht; man zählt 400,000 Pferde,
½ Mill. Rinder, 1 Mill. Schafe, in der Steppe
797
Transcendent - Transfusion.
dient das Kamel als Lasttier. Fischerei, Bienenzucht und Jagd
(Hermelin, Zobel, Wiesel) liefern gute Erträge. Eine
große Bedeutung hat T. durch seinen großen
Mineralreichtum (1880: 2483 kg); Gold, dann Silber, Blei, Eisen,
Kupfer, Graphit, Zinn, Zink, Steinkohlen, Asphalt und Salz werden
gefunden, doch ist der frühere großartige Bergbau- und
Hüttenbetrieb in den letzten Jahren so gesunken, daß von
den ehemaligen sieben Hüttenwerken jetzt nur noch zwei
bestehen. Die Salzproduktion beträgt 204,000 kg im Jahr. Das
Land wird von dem Sibirischen Trakt durchzogen, hat gute
Poststraßen, und der Transithandel nach China, der
Amurprovinz, Nord- und Westsibirien ist ein bedeutender. Sitz der
Verwaltung ist Tschita, Mittelpunkt der Montanindustrie
Nertschiusk, andre nennenswerte Orte sind Kiachta und
Werchne-Udinsk. Vgl. Wenjukow, Die russisch-asiatischen Grenzlande
(deutsch, Leipz. 1874).
Transzendént und Transcendental (lat.),
wissenschaftltche Kunstausdrücke, die besonders in der
Mathematik und Philosophie gebräuchlich sind. In der
Mathematik heißt nach der von Leibniz eingeführten
Bezeichnung alles das transcendent, was über die Algebra
hinausgeht. Transcendente Operationen sind daher solche, welche
nicht zu den als algebraische bezeichneten gehören, z. B. die
Ermittelung des Logarithmus einer Zahl, einer trigonometrischen
Funktion zu einem Winkel; Logarithmen und trigonometrische
Funktionen heißen deshalb auch transzendente Funktionen. In
der Philosophie heißt transcendental nach der von Kant
eingeführten Terminologie alle Erkenntnis, die nicht sowohl
mit den Gegenständen selbst als vielmehr mit der Art ihrer
Erkenntnis sich beschäftigt; transcendent dagegen das, was die
durch die Natur des erkennenden Wesens gegebenen Grenzen der
Erkenntnis übersteigt und dadurch überschwenglich
wird.
Transcendénz (neulat.), im Gegensatz zur Immanenz,
welche ein Innewohnen in einem andern (z. B. Gottes in der Welt:
Pantheismus) bezeichnet, der Ausdruck des vollkommenen Außer-
oder Über einem andern Seins (z. B. des Seins Gottes
außer und über der Welt: Theismus).
Transeat (lat.), es gehe vorüber, weg damit;
substantivisch (das T.) s. v. w. Verwerfung (im Gegensatz zu
Placet, s. d.).
Transept (Transsept, lat.), in der Baukunst jeder Querbau
(z. B. das Kreuzschiff der großen mittelalterlichen Kirchen),
welcher die Längenausdehnung des Gebäudes unterbricht und
Querflügel bildet.
Transeúndo (lat.), im Vorübergehen.
Transeunt (lat., "übergehend") heißt eine
Wirksamkeit, durch welche das Wirksame über sich hinaus auf
ein andres übergeht, im Gegensatz zu immanenter Wirksamkeit,
bei welcher das Wirksame innerhalb seiner selbst auf sich selbst
als andres wirkt.
Transferieren (lat.), übersetzen (aus einer Sprache
in die andre); versetzen, verschieben; übertragen,
überschreiben (in der Geschäftssprache oft im Sinn von
cedieren gebraucht); Transferierung im Staatshaushalt s. v. w.
Virement (s. d.).
Transfert (lat.), die Übertragung von Nervenreizen,
Schmerzempfindungen, Lähmungen u. dgl. bei somnambulen und
hypnotisierten Personen von der einen Körperhälfte auf
die andre (s. auch Metallo-Therapie); im Börsenwesen (engl.
transfer) die Übertragung des Eigentums an Renten oder Stocks
(Consols) auf einen Dritten unter bestimmten Formen, in Paris in
das Livre des mutations, in London in das Transfer book.
Transfiguration (lat.), Verklärung, besonders
diejenige Christi auf dem Berg Tabor (Matth. 17), zu deren Andenken
die griechische und römische Kirche 6. Aug. ein besonderes
Fest feiern. Berühmt ist Raffaels Gemälde, welches die T.
Christi darstellt; andre Darstellungen lieferten Fiesole, Bellini,
Perugino und Holbein der ältere.
Transformationstheorie, s. Evolutionstheorie und
Deszendenztheorie.
Transformatoren (sekundäre Generatoren,
Sekundärinduktoren), Induktionsrollen zur Umwandlung
hochgespannter Wechselströme in solche von geringerer
Spannung, aber größerer Stromstärke, wobei durch
passende Wahl der Widerstandsverhältnisse und Windungszahlen
beider Spiralen die Spannung in den sekundären Kreisen dem
Bedürfnis angepaßt werden kann. Sie finden in der
elektrischen Beleuchtung Anwendung, um die Kosten der
Leitungsanlage zu verringern, da die hochgespannten Ströme des
primären Kreises auf verhältnismäßig
dünnen Drähten fortgeleitet werden können, und
ermöglichen die gleichzeitige Speisung von Bogen- und
Glühlampen aus derselben Stromquelle. Die T. von Gaulard u.
Gibbs bestehen aus einer großen Anzahl radial geschlitzter
dünner Kupferscheiben, welche durch isolierende
Zwischenschichten voneinander getrennt und an vorragenden
Ansätzen untereinander dergestalt in leitende Verbindung
gebracht sind, daß die Scheiben mit ungeraden Nummern eine
fortlaufende Spirale, die primäre Spule, bilden. während
die Scheiben mit geraden Nummern der sekundären Spirale zu
mehreren, in der Regel zu sechs, nebeneinander geschaltet werden
können. Die säulenförmig übereinander
geschichteten Scheiben sind in der Mitte mit einer
kreisförmigen Öffnung versehen und umgeben einen zur
Verstärkung der Induktionswirkung dienenden Eisenkern; bei den
neuern T. sind zwei Säulen mit in sich geschlossenem Eisenkern
zu einem Apparat vereinigt. Die T. von Zipernowsky u. Deri
enthalten die Kupfer- und Eisenmassen in umgekehrter Anordnung. Um
ein ringförmiges Bündel, in welchem die isolierten
Kupferdrähte der primären und sekundären Spirale
vereinigt sind, werden mit Baumwolle umsponnene oder mit einem
Lacküberzug versehene Eisendrähte in dichten Lagen so
gewickelt, daß keine Streuung der magnetischen Kraftlinien
eintreten kann und die schädliche Bildung Foucaultscher
Ströme vermieden wird. In den ähnlich konstruierten T.
von Westinghouse kommt ein flach gedrückter Doppelring von
isolierten Drähten zur Anwendung, der mit passend
ausgeschnittenen Scheiben von Eisenblech umgeben ist. Vgl.
Uppenborn, Geschichte der T. (Münch. 1888).
Transformieren (lat.), umbilden, umgestalten; einer
Funktion, einer Gleichung etc. eine andre Gestalt und Form geben,
ohne ihren Wert zu ändern; daher Transformation,
Umgestaltung.
Transfundieren (lat.), hinübergießen.
Transfusion (lat.), Überführung von frischem
lebensfähigen Blut eines gesunden Menschen in das
Gefäßsystem eines Kranken nach lebensgefährlichem
Blutverlust oder nach tiefgreifender Beeinträchtigung der
Lebensfähigkeit der Blutkörperchen, wie z. B. nach
Kohlenoxidvergiftung. Die T. wurde zuerst 1667 von Denis
ausgeführt, geriet aber bald in Mißkredit und wurde vom
Parlament und vom Papst verboten. Im zweiten und dritten Jahrzehnt
unsers Jahrhunderts führten sie Blundell, Dieffenbach und
Martin wieder in die Praxis ein, und später schufen ihr Panum
und Ponfick eine feste wissenschaftliche Basis. Danach
798
Transigieren - Translator.
handelt es sich darum, nur solches Blut anzuwenden, dessen
Blutkörperchen überhaupt lebensfähig sind, und
welches auch auf dem fremden Boden, auf den es verpflanzt wird,
gedeihen kann. Man darf deshalb bei Menschen nur Menschenblut, aber
niemals Tierblut benutzen. Man wendet die T. an nach schweren
Blutverlusten bei Entbindungen, Verletzungen, Operationen und bei
Kohlenoxidvergiftung. Hauptregel ist, die Einführung von
Fibringerinnseln und Luftblasen, die plötzlichen Tod
herbeiführen können, sorgfältig zu vermeiden. Zur
Ausführung der T. wird einem gesunden, kräftigen Menschen
ein Aderlaß von 200-250 g gemacht. Das in einem reinen Glas
aufgefangene Blut wird gequirlt oder mit einem Stäbchen
geschlagen, bis keine Abscheidungen mehr erfolgen, und darauf durch
saubere feine Leinwand filtriert, um die abgeschiedenen
Fibrinflocken zu entfernen. Durch das Quirlen, resp. Schlagen ist
das Blut auch von seiner Kohlensäure befreit und
sauerstoffreich gemacht worden. Es ist ziemlich gleichgültig,
ob man das Blut weiterhin auf 35° künstlich erwärmt
oder bei gewöhnlicher Temperatur stehen läßt.
Nunmehr wird bei dem Kranken eine Vene, gewöhnlich eine
oberflächliche Armvene, freigelegt und geöffnet. (Die
sogen. arterielle T. hat keine besondern Vorteile.) Im Fall einer
Kohlenoxidvergiftung muß dem Patienten vor der Einspritzung
des neuen Bluts ein adäquates Quantum eignen Bluts entzogen
werden, um einer schädlichen Überfüllung des
Gefäßsystems vorzubeugen. Handelt es sich um einen Fall
von Blutverlust, so erfolgt die Einspritzung sofort. Das neue Blut
wird in eine Spritze aufgesogen und, nachdem die etwa mit
eingedrungene Luft ausgetrieben, vermittelst einer in das
geöffnete Venenlumen eingeführten feinen Kanüle in
das Gefäß langsam und vorsichtig eingespritzt. Aveling,
Landois und Roussel haben Apparate angegeben, um das Blut direkt
aus der Vene des spendenden Individuums in die des Kranken
überzuleiten. Wird die T. rechtzeitig ausgeführt, und
gelingt sie, was immerhin von einer gewissen technischen
Gewandtheit abhängt, so hebt sich bei dem durch Blutverlust
lebensgefährlich geschwächten Kranken der Puls bald
wieder, die Leichenblässe des Gesichts schwindet, das
Bewußtsein kehrt wieder; der Kohlenoxydvergiftete erwacht
allmählich aus seinem tiefen Sopor, wird wieder
willkürlicher Thätigkeiten fähig und geht, wenn auch
oft langsam, der Genesung entgegen. Vgl. Gesellius, Die T. des
Blutes (Petersb. 1873); Landois, Die T. des Blutes (Leipz. 1875);
Berns, Beiträge zur Transfusionslehre (Freiburg 1874); Hasse,
Lammbluttransfusion beim Menschen (Petersb. 1874).
Transigieren (lat.), verhandeln, Vergleichsverhandlungen
pflegen; transigendo, auf dem Wege gütlichen Vergleichs;
transigibel, worüber verhandelt (transigiert) werden kann.
Transit (ital.), s. Durchfuhr.
Transition (lat.), Übergang, Übergehung;
transitiv, übergehend; Transitivum, s. Verbum.
Transitlager, s. Zollniederlagen.
Transitorisch (lat.), vorübergehend, nur für
eine Übergangszeit geltend; daher Transitorien, im Budget die
Posten, welche vorübergehend verwilligt sind und später
von selbst in Wegfall kommen.
Transitverbot, das Verbot der Durchfuhr fremder Waren
durch ein Land (f. Durchfuhr).
Transitwechsel, solche von einem fremden Land auf ein
drittes gezogene Wechsel, für welche das Inland nur zur
Vermittelung dient. Dieselben sind in Deutschland steuerfrei.
Transitzölle, s. v. w. Durchfuhrzölle (s.
Durchfuhr und Zölle).
Transkai, Dependenz des brit. Kaplandes an der
Südostküste zwischen dem Großen Kaifluß und
dem Bashee, 6565 qkm (119 QM.) groß mit (1885) 119,552 Einw.,
worunter nur 820 Weiße.
Transkaspisches Gebiet, Gebietsteil der russ.
Statthalterschaft Kaukasien, 1881 aus der transkaspischen
Militärsektion (die Kreise Manyschlak und Krassnowodsk) und
dem Gebiet der Tekke-Turkmenen gebildet, grenzt im W. an das
Kaspische Meer, im N. an das Gouvernement Uralsk, im O. an das
Chanat Chiwa, im S. an Afghanistan und Persien und hat einen Umfang
von 550,629 qkm (9990 QM.) mit (1885) 301,476 Einw. Die Küste
des Kaspischen Meers wird von zahlreichen Buchten zerschnitten. Im
N. bilden der Mertwyi-Kultukbusen und die Kaidakbai die Halbinseln
Busatschi und Manyschlak, dann folgen die Kinderkibucht, der
große Busen von Karabuges, die Balkan- und die Hassankulibai.
Das Land ist größtenteils Wüste und Steppe; den
nördlichen Teil nimmt die wasserlose, felsige Hochebene des
Ust-Urt, den großen südöstlichen die Sandwüste
Karakum ein. Die mittlere Temperatur des Sommers ist 29° C.,
während im Winter oft weite Strecken des Kaspischen Meers sich
mit Eis bedecken. Regen fällt nur ausnahmsweise, im Winter
herrschen in den Wüsten oft furchtbare Schneestürme. Der
Wassermangel ist groß; von Flüssen sind nur der einen
Teil der Südgrenze bildende Atrek zu nennen und im SO. der
Herirud und Murghab, die sich beide in der Karakumwüste
verlieren. Wo aber Wasser vorhanden ist, bringt der Boden reiche
Ernten an Baumwolle, Reis, Mais, Hirse, Melonen, Gurken, auch
Fruchtbäume (Kirschen, Granaten, Pfirsiche, Aprikosen) finden
sich an begünstigten Orten, Produkte aus dem Mineralreich sind
Salz, Erdöl (allein auf der Insel Tschalcken im Schwarzen Meer
gewinnt man 115,000 Pud jährlich), Schwefel, Steinkohlen. Als
Haustiere sind besonders hervorzuheben: das Kamel, das Pferd (von
bewundernswerter Leistungsfähigkeit und Genügsamkeit),
das Schaf; von wilden Tieren finden sich Tiger, Leoparden, wilde
Katzen, Füchse, Wölfe, Schakale, wilde Schweine, auf dem
Ust-Urt wilde Pferde, wilde Esel u. a. Die Bewohner, Turkmenen,
sind erst in den letzten Jahren durch die Russen unterworfen
worden. Dieselben setzten sich zuerst 1869 am östlichen Ufer
des Kaspischen Meers fest, indem sie an der Stelle eines
kosakischen Fischerdorfs die Militärstation Krassnowodsk
gründeten; 1871 nahmen sie Tschikisliar an der Mündung
des Atrek, gaben diese Niederlassung aber bald wieder auf; doch
machte Lazarew diesen Hafenplatz 1878 zum Ausgang seiner
unglücklichen Expedition. Skobelew nahm 1881 Gök-Tepe,
und damit kam das Tekke-Turkmenengebiet unter russische Herrschaft,
1884 unterwarf sich Merw freiwillig; durch Abkommen mit England
wurde die Grenze gegen Afghanistan geregelt. Die aus Anlaß
der Expedition gegen die Tekke-Turkmenen gebaute Transkaspische
Eisenbahn, welche von Michailow über Kisil Arwat, Askabad,
Merw nach Tschardschui führt, bietet den Russen eine
vortreffliche Operationsbasis für weiteres Vorgehen nach S.
Hauptort und Sitz der Verwaltung ist Askabad. Vgl. Heyfelder,
Transkaspien und seine Eisenbahn (Hannov. 1887).
Transkaukasien, Gebietsteil der russ. Statthalterschaft
Kaukasien (s. d.).
Transkolation (neulat.), Durchseihung.
Translation (lat.), Übertragung, Verlegung.
Translator, Übersetzer (insbesondere ein
vereideter
799
Transleithanien - Transmontan.
zur Übersetzung von Dokumenten etc.); translatorisch,
übertragend.
Transleithanien, s. Leitha.
Translozieren (lat.), an einen andern Ort versetzen;
Translokation, Versetzung.
Translunarisch (lat.), jenseit des Mondes.
Transmarin (neulat.), überseeisch.
Transmigration (lat.), Übersiedelung.