Traktorie (neulat., Zuglinie), eine ebene Kurve, bei

welcher alle Tangenten vom Berührungspunkt bis zum

Schnittpunkt mit einer gegebenen geraden oder krummen Linie, der

Direktrix, gleich lang sind. Die einfache T. mit geradliniger

Direktrix ist schon von Huygens ("Hugenii Opera varia", Teil 2,

Seite 617) untersucht worden.

Traktur (lat.), in der Orgel die innern Teile des

Regierwerkes, besonders der Abstrakten.

Tralee (spr. tralih), Hauptstadt der irischen Grafschaft

Kerry, an der Mündung des Lee in die Traleebai des

Atlantischen Ozeans und mit seinem Außenhafen Blennerville

durch einen Schiffskanal verbunden, hat ein Dominikanerseminar,

Fischerei (442 Boote), lebhaften Handel und (1881) 9910 Einw.

Tralje (holl.), Gitterstab an Fenstern.

Tralles, Johann Georg, Physiker, geb. 15. Okt. 1763 zu

Hamburg, studierte seit 1782 in Göttingen, ward 1785 Professor

der Mathematik und Physik zu Bern, 1810 Professor der Mathematik in

Berlin, starb 19. Nov. 1822 in London. Er erfand das nach ihm

benannte Alkoholometer (s. d.) und schrieb "Untersuchungen

über die spezifischen Gewichte der Mischungen aus Alkohol und

Wasser" (Leipz. 1812).

Trambahnen, s. v. w. Straßeneisenbahnen.

Trametes Fr., Pilzgattung aus der Unterordnung der

Hymenomyceten, von der Gattung Polyporus nur darin verschieden,

daß die Röhren keine von der Substanz des Huts

verschiedene Schicht bilden, sondern gleichfalls in dieselbe

eingesenkt sind, weil letztere zwischen die Röhren

hinabsteigt. Es sind holzbewohnende Schwämme mit stiellosem,

halbiertem Hute. T. pini Fr. (Kiefernschwamm), mit

polsterförmigen, 7-14 cm breiten, bis 11 cm dicken, sehr

harten, korkig-holzigen, schmutzig braunschwarzen, tief gefurchten,

meist dachziegelförmig übereinander wachsenden Hüten

mit rötlichgelben Röhren, wächst an

Kiefernstämmen und verursacht die Rotfäule und

Ringschäle der Kiefern. Letztere Krankheit zeigt sich an den

obern Stammteilen und stärkern Ästen und besteht darin,

daß das dunkler gefärbte Kernholz mürbe wird und

ringförmige Zonen von weißen Flecken bekommt, welche aus

dem Pilzmycelium bestehen, dessen Fäden die Holzzellen nach

und nach verzehren. Nur an alten Aststümpfen bildet der Pilz

die oft über 50 Jahre alt werdenden Fruchtkörper. Die

Infektion des Baums findet nur von abgebrochenen oder

abgesägten Ästen aus und erst bei 40-50jährigen

Bäumen statt, da der Pilz mit seinem Mycelium nur im Kernholz

wuchert.

Tramieren (franz.), anzetteln.

Tramin, Marktflecken in Südtirol,

Bezirkshauptmannschaft Bozen, am Abhang des Mendelgebirges, hat

eine alte Pfarrkirche, berühmten Weinbau und Weinhandel (von

hier stammt die Traminer Rebe), Seidenfilande und (1880) 1798

Einw.

Tramontane (ital.), jenseit der Berge, d. h. in Italien

von Norden her wehender Wind, Nordwind; auch s. v. w.

Polarstern.

Trampeltier, s. Kamel, S. 420.

Trampoline (it.), Schwungbrett für

Kunstspringer.

Tramrecht, s. Balkenrecht und Baurecht.

Tramseide (Trama), s. Seide, S. 825.

Tramway (engl., spr. -ueh), s.

Straßeneisenbahnen.

Tramwaylokomotive, s. Lokomotive, S. 890.

Trance (engl., spr. tränns), Verzückung,

Entrückung (bei den Spiritisten gebräuchlicher

Ausdruck).

Trancheekatze (Trancheekavalier), s. Kavalier.

Tranchcen (franz., spr. trangsch-), s.

Laufgräben.

Tranchen (franz., spr. trangschen), die "Schnitte" beim

Tranchieren von Fleisch und Fisch.

Tranchieren (franz., spr. trangsch-), zerschneiden,

besonders das Zerlegen der Fleischspeisen (Braten) in einzelne

Stücke mit dem Tranchiermesser und der zweizinkigen

Tranchiergabel, am besten auf einer hölzernen Platte. Vgl.

Grimod de la Reynière, Manuel des amphitryons (Par. 1808);

Bernardi, L'écuyer tranchant (das. 1845); Klein, Die

Tranchierkunst (2. Aufl., Hildburgh. 1886).

Trani, Stadt in der ital. Provinz Bari, Kreis Barletta,

am Adriatischen Meer und an der Eisenbahn Ancona-Brindisi, ist Sitz

eines Erzbistums, eines Appellhofs und eines Zivil- und

Korrektionstribunals, hat ein Gymnasium, eine technische Schule,

ein Seminar, eine schöne Kathedrale (aus dem Anfang des 12.

Jahrh., mit großer Unterkirche, einem fünfgeschossigen

normannischen Turm und bronzenen Thürflügeln von 1175),

alte Basteien, einen stark versandeten Hafen, bedeutenden Handel

mit Landesprodukten, starke Fischerei u. (1881) 25,173 Einw. T.

hatte im Mittelalter große Bedeutung als Handelsplatz nach

dem Orient, verlor dieselbe aber infolge Verschüttung des

Hafeneinganges durch die Venezianer.

Trankebar (Tarangambadi), kleine Hafenstadt der

britisch-ind. Präsidentschaft Madras, an der

Koromandelküste, mit (1881) 6189 Einw., ist jetzt ein

verfallener Platz, war aber unter dänischer Herrschaft

(1616-1845) Hauptort der dänischen Kolonien in Indien; 1845

wurde es für 20,000 Pfd. Sterl. an die Britisch-Ostindische

Kompanie verkauft. In T. wurde 1706 die erste protestantische

Mission in Indien angelegt, die noch heute besteht und eine Schule

und Druckerei besitzt; in letzterer werden Werke in Tamil gedruckt.

Die Europäer wohnen in dem alten dänischen Fort am

Strand.

Tranksteuer, s. v. w. Getränkesteuer (s. d.).

Tranquillität (lat.), Ruhe, Gelassenheit.

Tranquillo (ital., auch Tranquillamente), ruhig.

Trans (lat.), über, jenseit, kommt häufig in

Zusammensetzungen vor, bei geographischen Namen dem Cis

entgegengesetzt.

Transactions (engl., spr. tränsacksch'ns),

Abhandlungen, besonders Titel für die periodischen

Publikationen der gelehrten Gesellschaften in England.

Transaktion (lat.), Verhandlung; Unterhandlung zur

Beilegung von Streitigkeiten; Vergleich, Übereinkunft; auch

Handelsunternehmung.

Transalpinisch (lat.), jenseit der Alpen gelegen.

Transanimation (neulat.), Seelenwanderung.

Transatlantisch (lat.), jenseit des Atlantischen Meers

gelegen.

Transbaikalien, russ. Gebiet im Generalgouvernement

Ostsibirien, zwischen dem Baikalsee, China, der Amurprovinz und dem

Gebiet Jakutsk, 603,228 qkm (10,955 QM.) mit (1885) 530,896 Einw.,

zur Hälfte Russen und Sibiriaken, außerdem 122,000

Buräten, 5600 Tungusen, 2000 Polen, ferner Chinesen, Juden u.

a. Das Land ist vorwiegend gebirgig und wird vom Jablonowoigebirge

mitten durchzogen, im NW. breitet sich das große, unwirtliche

Witimplateau aus. Unter den zahlreichen Flüssen sind die

namhaftesten Selenga mit der Uda, Ingoda und Schilka, der Witim

bildet die Nordgrenze. Die mittlere Jahrestemperatur schwankt

zwischen -1,7° und +4° C., die Niederschläge zwischen

300 und 762 mm. Daher ist vielfach künstliche Bewässerung

zur Erzeugung von Pflanzenwuchs nötig, und dichter Wald

wechselt mit nackten Steppen. Der Ackerbau hat durch die

Förderung der Regierung neuerdings zugenommen, viel

bedeutender ist aber die Viehzucht; man zählt 400,000 Pferde,

½ Mill. Rinder, 1 Mill. Schafe, in der Steppe

797

Transcendent - Transfusion.

dient das Kamel als Lasttier. Fischerei, Bienenzucht und Jagd

(Hermelin, Zobel, Wiesel) liefern gute Erträge. Eine

große Bedeutung hat T. durch seinen großen

Mineralreichtum (1880: 2483 kg); Gold, dann Silber, Blei, Eisen,

Kupfer, Graphit, Zinn, Zink, Steinkohlen, Asphalt und Salz werden

gefunden, doch ist der frühere großartige Bergbau- und

Hüttenbetrieb in den letzten Jahren so gesunken, daß von

den ehemaligen sieben Hüttenwerken jetzt nur noch zwei

bestehen. Die Salzproduktion beträgt 204,000 kg im Jahr. Das

Land wird von dem Sibirischen Trakt durchzogen, hat gute

Poststraßen, und der Transithandel nach China, der

Amurprovinz, Nord- und Westsibirien ist ein bedeutender. Sitz der

Verwaltung ist Tschita, Mittelpunkt der Montanindustrie

Nertschiusk, andre nennenswerte Orte sind Kiachta und

Werchne-Udinsk. Vgl. Wenjukow, Die russisch-asiatischen Grenzlande

(deutsch, Leipz. 1874).

Transzendént und Transcendental (lat.),

wissenschaftltche Kunstausdrücke, die besonders in der

Mathematik und Philosophie gebräuchlich sind. In der

Mathematik heißt nach der von Leibniz eingeführten

Bezeichnung alles das transcendent, was über die Algebra

hinausgeht. Transcendente Operationen sind daher solche, welche

nicht zu den als algebraische bezeichneten gehören, z. B. die

Ermittelung des Logarithmus einer Zahl, einer trigonometrischen

Funktion zu einem Winkel; Logarithmen und trigonometrische

Funktionen heißen deshalb auch transzendente Funktionen. In

der Philosophie heißt transcendental nach der von Kant

eingeführten Terminologie alle Erkenntnis, die nicht sowohl

mit den Gegenständen selbst als vielmehr mit der Art ihrer

Erkenntnis sich beschäftigt; transcendent dagegen das, was die

durch die Natur des erkennenden Wesens gegebenen Grenzen der

Erkenntnis übersteigt und dadurch überschwenglich

wird.

Transcendénz (neulat.), im Gegensatz zur Immanenz,

welche ein Innewohnen in einem andern (z. B. Gottes in der Welt:

Pantheismus) bezeichnet, der Ausdruck des vollkommenen Außer-

oder Über einem andern Seins (z. B. des Seins Gottes

außer und über der Welt: Theismus).

Transeat (lat.), es gehe vorüber, weg damit;

substantivisch (das T.) s. v. w. Verwerfung (im Gegensatz zu

Placet, s. d.).

Transept (Transsept, lat.), in der Baukunst jeder Querbau

(z. B. das Kreuzschiff der großen mittelalterlichen Kirchen),

welcher die Längenausdehnung des Gebäudes unterbricht und

Querflügel bildet.

Transeúndo (lat.), im Vorübergehen.

Transeunt (lat., "übergehend") heißt eine

Wirksamkeit, durch welche das Wirksame über sich hinaus auf

ein andres übergeht, im Gegensatz zu immanenter Wirksamkeit,

bei welcher das Wirksame innerhalb seiner selbst auf sich selbst

als andres wirkt.

Transferieren (lat.), übersetzen (aus einer Sprache

in die andre); versetzen, verschieben; übertragen,

überschreiben (in der Geschäftssprache oft im Sinn von

cedieren gebraucht); Transferierung im Staatshaushalt s. v. w.

Virement (s. d.).

Transfert (lat.), die Übertragung von Nervenreizen,

Schmerzempfindungen, Lähmungen u. dgl. bei somnambulen und

hypnotisierten Personen von der einen Körperhälfte auf

die andre (s. auch Metallo-Therapie); im Börsenwesen (engl.

transfer) die Übertragung des Eigentums an Renten oder Stocks

(Consols) auf einen Dritten unter bestimmten Formen, in Paris in

das Livre des mutations, in London in das Transfer book.

Transfiguration (lat.), Verklärung, besonders

diejenige Christi auf dem Berg Tabor (Matth. 17), zu deren Andenken

die griechische und römische Kirche 6. Aug. ein besonderes

Fest feiern. Berühmt ist Raffaels Gemälde, welches die T.

Christi darstellt; andre Darstellungen lieferten Fiesole, Bellini,

Perugino und Holbein der ältere.

Transformationstheorie, s. Evolutionstheorie und

Deszendenztheorie.

Transformatoren (sekundäre Generatoren,

Sekundärinduktoren), Induktionsrollen zur Umwandlung

hochgespannter Wechselströme in solche von geringerer

Spannung, aber größerer Stromstärke, wobei durch

passende Wahl der Widerstandsverhältnisse und Windungszahlen

beider Spiralen die Spannung in den sekundären Kreisen dem

Bedürfnis angepaßt werden kann. Sie finden in der

elektrischen Beleuchtung Anwendung, um die Kosten der

Leitungsanlage zu verringern, da die hochgespannten Ströme des

primären Kreises auf verhältnismäßig

dünnen Drähten fortgeleitet werden können, und

ermöglichen die gleichzeitige Speisung von Bogen- und

Glühlampen aus derselben Stromquelle. Die T. von Gaulard u.

Gibbs bestehen aus einer großen Anzahl radial geschlitzter

dünner Kupferscheiben, welche durch isolierende

Zwischenschichten voneinander getrennt und an vorragenden

Ansätzen untereinander dergestalt in leitende Verbindung

gebracht sind, daß die Scheiben mit ungeraden Nummern eine

fortlaufende Spirale, die primäre Spule, bilden. während

die Scheiben mit geraden Nummern der sekundären Spirale zu

mehreren, in der Regel zu sechs, nebeneinander geschaltet werden

können. Die säulenförmig übereinander

geschichteten Scheiben sind in der Mitte mit einer

kreisförmigen Öffnung versehen und umgeben einen zur

Verstärkung der Induktionswirkung dienenden Eisenkern; bei den

neuern T. sind zwei Säulen mit in sich geschlossenem Eisenkern

zu einem Apparat vereinigt. Die T. von Zipernowsky u. Deri

enthalten die Kupfer- und Eisenmassen in umgekehrter Anordnung. Um

ein ringförmiges Bündel, in welchem die isolierten

Kupferdrähte der primären und sekundären Spirale

vereinigt sind, werden mit Baumwolle umsponnene oder mit einem

Lacküberzug versehene Eisendrähte in dichten Lagen so

gewickelt, daß keine Streuung der magnetischen Kraftlinien

eintreten kann und die schädliche Bildung Foucaultscher

Ströme vermieden wird. In den ähnlich konstruierten T.

von Westinghouse kommt ein flach gedrückter Doppelring von

isolierten Drähten zur Anwendung, der mit passend

ausgeschnittenen Scheiben von Eisenblech umgeben ist. Vgl.

Uppenborn, Geschichte der T. (Münch. 1888).

Transformieren (lat.), umbilden, umgestalten; einer

Funktion, einer Gleichung etc. eine andre Gestalt und Form geben,

ohne ihren Wert zu ändern; daher Transformation,

Umgestaltung.

Transfundieren (lat.), hinübergießen.

Transfusion (lat.), Überführung von frischem

lebensfähigen Blut eines gesunden Menschen in das

Gefäßsystem eines Kranken nach lebensgefährlichem

Blutverlust oder nach tiefgreifender Beeinträchtigung der

Lebensfähigkeit der Blutkörperchen, wie z. B. nach

Kohlenoxidvergiftung. Die T. wurde zuerst 1667 von Denis

ausgeführt, geriet aber bald in Mißkredit und wurde vom

Parlament und vom Papst verboten. Im zweiten und dritten Jahrzehnt

unsers Jahrhunderts führten sie Blundell, Dieffenbach und

Martin wieder in die Praxis ein, und später schufen ihr Panum

und Ponfick eine feste wissenschaftliche Basis. Danach

798

Transigieren - Translator.

handelt es sich darum, nur solches Blut anzuwenden, dessen

Blutkörperchen überhaupt lebensfähig sind, und

welches auch auf dem fremden Boden, auf den es verpflanzt wird,

gedeihen kann. Man darf deshalb bei Menschen nur Menschenblut, aber

niemals Tierblut benutzen. Man wendet die T. an nach schweren

Blutverlusten bei Entbindungen, Verletzungen, Operationen und bei

Kohlenoxidvergiftung. Hauptregel ist, die Einführung von

Fibringerinnseln und Luftblasen, die plötzlichen Tod

herbeiführen können, sorgfältig zu vermeiden. Zur

Ausführung der T. wird einem gesunden, kräftigen Menschen

ein Aderlaß von 200-250 g gemacht. Das in einem reinen Glas

aufgefangene Blut wird gequirlt oder mit einem Stäbchen

geschlagen, bis keine Abscheidungen mehr erfolgen, und darauf durch

saubere feine Leinwand filtriert, um die abgeschiedenen

Fibrinflocken zu entfernen. Durch das Quirlen, resp. Schlagen ist

das Blut auch von seiner Kohlensäure befreit und

sauerstoffreich gemacht worden. Es ist ziemlich gleichgültig,

ob man das Blut weiterhin auf 35° künstlich erwärmt

oder bei gewöhnlicher Temperatur stehen läßt.

Nunmehr wird bei dem Kranken eine Vene, gewöhnlich eine

oberflächliche Armvene, freigelegt und geöffnet. (Die

sogen. arterielle T. hat keine besondern Vorteile.) Im Fall einer

Kohlenoxidvergiftung muß dem Patienten vor der Einspritzung

des neuen Bluts ein adäquates Quantum eignen Bluts entzogen

werden, um einer schädlichen Überfüllung des

Gefäßsystems vorzubeugen. Handelt es sich um einen Fall

von Blutverlust, so erfolgt die Einspritzung sofort. Das neue Blut

wird in eine Spritze aufgesogen und, nachdem die etwa mit

eingedrungene Luft ausgetrieben, vermittelst einer in das

geöffnete Venenlumen eingeführten feinen Kanüle in

das Gefäß langsam und vorsichtig eingespritzt. Aveling,

Landois und Roussel haben Apparate angegeben, um das Blut direkt

aus der Vene des spendenden Individuums in die des Kranken

überzuleiten. Wird die T. rechtzeitig ausgeführt, und

gelingt sie, was immerhin von einer gewissen technischen

Gewandtheit abhängt, so hebt sich bei dem durch Blutverlust

lebensgefährlich geschwächten Kranken der Puls bald

wieder, die Leichenblässe des Gesichts schwindet, das

Bewußtsein kehrt wieder; der Kohlenoxydvergiftete erwacht

allmählich aus seinem tiefen Sopor, wird wieder

willkürlicher Thätigkeiten fähig und geht, wenn auch

oft langsam, der Genesung entgegen. Vgl. Gesellius, Die T. des

Blutes (Petersb. 1873); Landois, Die T. des Blutes (Leipz. 1875);

Berns, Beiträge zur Transfusionslehre (Freiburg 1874); Hasse,

Lammbluttransfusion beim Menschen (Petersb. 1874).

Transigieren (lat.), verhandeln, Vergleichsverhandlungen

pflegen; transigendo, auf dem Wege gütlichen Vergleichs;

transigibel, worüber verhandelt (transigiert) werden kann.

Transit (ital.), s. Durchfuhr.

Transition (lat.), Übergang, Übergehung;

transitiv, übergehend; Transitivum, s. Verbum.

Transitlager, s. Zollniederlagen.

Transitorisch (lat.), vorübergehend, nur für

eine Übergangszeit geltend; daher Transitorien, im Budget die

Posten, welche vorübergehend verwilligt sind und später

von selbst in Wegfall kommen.

Transitverbot, das Verbot der Durchfuhr fremder Waren

durch ein Land (f. Durchfuhr).

Transitwechsel, solche von einem fremden Land auf ein

drittes gezogene Wechsel, für welche das Inland nur zur

Vermittelung dient. Dieselben sind in Deutschland steuerfrei.

Transitzölle, s. v. w. Durchfuhrzölle (s.

Durchfuhr und Zölle).

Transkai, Dependenz des brit. Kaplandes an der

Südostküste zwischen dem Großen Kaifluß und

dem Bashee, 6565 qkm (119 QM.) groß mit (1885) 119,552 Einw.,

worunter nur 820 Weiße.

Transkaspisches Gebiet, Gebietsteil der russ.

Statthalterschaft Kaukasien, 1881 aus der transkaspischen

Militärsektion (die Kreise Manyschlak und Krassnowodsk) und

dem Gebiet der Tekke-Turkmenen gebildet, grenzt im W. an das

Kaspische Meer, im N. an das Gouvernement Uralsk, im O. an das

Chanat Chiwa, im S. an Afghanistan und Persien und hat einen Umfang

von 550,629 qkm (9990 QM.) mit (1885) 301,476 Einw. Die Küste

des Kaspischen Meers wird von zahlreichen Buchten zerschnitten. Im

N. bilden der Mertwyi-Kultukbusen und die Kaidakbai die Halbinseln

Busatschi und Manyschlak, dann folgen die Kinderkibucht, der

große Busen von Karabuges, die Balkan- und die Hassankulibai.

Das Land ist größtenteils Wüste und Steppe; den

nördlichen Teil nimmt die wasserlose, felsige Hochebene des

Ust-Urt, den großen südöstlichen die Sandwüste

Karakum ein. Die mittlere Temperatur des Sommers ist 29° C.,

während im Winter oft weite Strecken des Kaspischen Meers sich

mit Eis bedecken. Regen fällt nur ausnahmsweise, im Winter

herrschen in den Wüsten oft furchtbare Schneestürme. Der

Wassermangel ist groß; von Flüssen sind nur der einen

Teil der Südgrenze bildende Atrek zu nennen und im SO. der

Herirud und Murghab, die sich beide in der Karakumwüste

verlieren. Wo aber Wasser vorhanden ist, bringt der Boden reiche

Ernten an Baumwolle, Reis, Mais, Hirse, Melonen, Gurken, auch

Fruchtbäume (Kirschen, Granaten, Pfirsiche, Aprikosen) finden

sich an begünstigten Orten, Produkte aus dem Mineralreich sind

Salz, Erdöl (allein auf der Insel Tschalcken im Schwarzen Meer

gewinnt man 115,000 Pud jährlich), Schwefel, Steinkohlen. Als

Haustiere sind besonders hervorzuheben: das Kamel, das Pferd (von

bewundernswerter Leistungsfähigkeit und Genügsamkeit),

das Schaf; von wilden Tieren finden sich Tiger, Leoparden, wilde

Katzen, Füchse, Wölfe, Schakale, wilde Schweine, auf dem

Ust-Urt wilde Pferde, wilde Esel u. a. Die Bewohner, Turkmenen,

sind erst in den letzten Jahren durch die Russen unterworfen

worden. Dieselben setzten sich zuerst 1869 am östlichen Ufer

des Kaspischen Meers fest, indem sie an der Stelle eines

kosakischen Fischerdorfs die Militärstation Krassnowodsk

gründeten; 1871 nahmen sie Tschikisliar an der Mündung

des Atrek, gaben diese Niederlassung aber bald wieder auf; doch

machte Lazarew diesen Hafenplatz 1878 zum Ausgang seiner

unglücklichen Expedition. Skobelew nahm 1881 Gök-Tepe,

und damit kam das Tekke-Turkmenengebiet unter russische Herrschaft,

1884 unterwarf sich Merw freiwillig; durch Abkommen mit England

wurde die Grenze gegen Afghanistan geregelt. Die aus Anlaß

der Expedition gegen die Tekke-Turkmenen gebaute Transkaspische

Eisenbahn, welche von Michailow über Kisil Arwat, Askabad,

Merw nach Tschardschui führt, bietet den Russen eine

vortreffliche Operationsbasis für weiteres Vorgehen nach S.

Hauptort und Sitz der Verwaltung ist Askabad. Vgl. Heyfelder,

Transkaspien und seine Eisenbahn (Hannov. 1887).

Transkaukasien, Gebietsteil der russ. Statthalterschaft

Kaukasien (s. d.).

Transkolation (neulat.), Durchseihung.

Translation (lat.), Übertragung, Verlegung.

Translator, Übersetzer (insbesondere ein

vereideter

799

Transleithanien - Transmontan.

zur Übersetzung von Dokumenten etc.); translatorisch,

übertragend.

Transleithanien, s. Leitha.

Translozieren (lat.), an einen andern Ort versetzen;

Translokation, Versetzung.

Translunarisch (lat.), jenseit des Mondes.

Transmarin (neulat.), überseeisch.

Transmigration (lat.), Übersiedelung.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 231 / 302 段