Masse, welche, in der Entfernungseinheit von der Drehungsachse
eines rotierenden Körpers konzentriert gedacht, bei gleicher
Winkelgeschwindigkeit dieselbe lebendige Kraft (s. Kraft, S 132)
besitzt wie der rotierende Körper. Bezeichnet man die
Winkelgeschwindigkeit, d. h. die Geschwindigkeit in der Entfernung
1 von der Drehungsachse, mit w, so würde demnach das T. (T)
diejenige Größe sein, welche, mit ½ w²
multipliziert, die gesamte lebendige Kraft des rotierenden
Körpers ergibt. Diese letztere aber ist gleich der Summe der
lebendigen Kräfte aller seiner Massenteilchen. Sind m, m',
m''... solche einzelne Massenteilchen, welche bez. um r, r', r''...
von der Drehungsachse abstehen, so bewegen sich dieselben bez. mit
den Geschwindigkeiten rw, r'w, r''w... und besitzen die lebendigen
Kräfte ½ mr²w², ½ m'r'²w²,
½ m''r''²w²...; die gesamte lebendige Kraft des
rotierenden Körpers ist demnach =
½w²(mr²+m'r'²^+m''r''²+...), wenn die
eingeklammerte Summe über sämtliche Massenteilchen des
Körpers erstreckt gedacht wird. Mit dieser Summe, welche kurz
durch sum(mr²) ausgedrückt wird, muß also, wie man
sieht, ½w² multipliziert werden, um die lebendige Kraft
des rotierenden Körpers zu erhalten, d. h. diese Summe ist dem
T. gleich oder T = ^sum(mr²). Man findet demnach das T. eines
Körpers, indem man die Summe bildet aus den Produkten aller
Massenteilchen mit den Quadraten ihrer Abstände von der
Drehungsachse.
Tragikomisch (griech.), Verschmelzung des Tragischen mit
dem Komischen, gewöhnlich von Ereignissen gebraucht, die in
ihrer ganzen Entwickelung einen tragischen Ausgang erwarten
ließen, allein plötzlich eine Wendung zu einem komischen
Ende nehmen.
Tragikomödie (griech.), die dramatische Darstellung
einer tragikomischen Handlung; im weitern Sinn eine Tragödie,
welche, wie z. B. die alten spanischen und englischen
Tragödien, neben den tragischen auch komische Bestandteile
enthält.
Tragisch (griech.) heißt nach Aristoteles ein
Ereignis, welches zugleich Mitleid (mit dem von demselben
Betroffenen) und Furcht (für uns selbst) erweckt. Dasselbe
muß einerseits ein Leiden sein, weil dessen Anblick sonst
nicht selbst ein Leid wecken könnte; aber es darf kein
verdientes (nicht die gerechte Strafe eines wirklichen Verbrechens)
sein, denn ein solches bedauern wir zwar, aber bemitleiden es
nicht. Dasselbe muß anderseits furchtbar sein, weil wir es
sonst nicht (weder für andre, noch für uns)
fürchten, und es muß willkürlich (ohne
Rücksicht auf Schuld oder Unschuld) verhängt sein, weil
wir es sonst nicht für uns ebensogut wie für den
Schuldigen fürchten würden. Nur das mehr oder minder
unverdiente Leiden, sei es nun, daß das vermeintliche
Verbrechen eine Helden- oder Wohlthat, der rächende Gott oder
das launenhafte Fatum der eigentliche Verbrecher sei (der Feuerraub
des Prometheus, der dafür von dem neidischen und
fürchtenden Zeus an den Felsen geschmiedet wird), sei es,
daß der vermeintlich Schuldige nur halb schul-
793
Tragkraft - Tragopogon.
dig, die "himmlischen Mächte", welche "den Armen haben
schuldig werden lassen", die eigentlich Schuldigen seien
(Ödipus, den die tyrannischen Götter schon im Mutterleib
zum künftigen Vatermörder und Muttergemahl ausersehen
haben; Wallenstein, von dessen Schuld "unglückselige Gestirne"
die "größere Hälfte" tragen), ist wirklich t., das
gänzlich unverdiente (das Martyrium der Unschuld, die Passion
Christi) nicht t., sondern gräßlich. Das Tragische ruht
daher ebenso wie das Komische (s. d.) auf einem Kontrast
desjenigen, was wirklich geschieht (des Ungerechten im Tragischen,
des Ungereimten im Komischen), mit dem, was (nach der Forderung der
sittlichen Vernunft [der Gerechtigkeit] im Tragischen, des
Verstandes [der Klugheit] im Komischen) eigentlich geschehen
sollte, nur mit dem Unterschied, daß dasjenige, was wirklich
geschieht, im Tragischen ein Leiden, also schädlich, im
Komischen dagegen nur eine Thorheit, also unschädlich, ist. Da
nun der Eindruck des Tragischen, wie jener des Komischen,
wesentlich durch die Einsicht in obigen Kontrast entsteht, so
muß er, wie bei diesem, als gemischter ausfallen. Das
wirklich Geschehende, das unverdiente Leiden und der Untergang der
tragischen Person, der Sieg des Fatums oder der "neidischen"
Götter, ist ein Triumph der Ungerechtigkeit und bringt als
solcher das "zermalmende" Gefühl menschlicher Schwäche
und Ohnmacht dem "großen, gigantischen Schicksal"
gegenüber hervor. Die Verurteilung dessen, was wirklich
geschieht, durch den Richterspruch der Vernunft (in uns oder im
Helden), welche sich selbst durch den nahen und sichern Untergang
wie durch die Übermacht des feindlichen Schicksals in ihrer
Festigkeit nicht erschüttern und nicht dazu zwingen
läßt, das Unverdiente für verdient, den ungerechten
Gott als gerechten anzusehen, ist der Triumph der Gerechtigkeit und
erzeugt als solcher das "erhebende" Gefühl menschlicher Hoheit
und Überlegenheit gegenüber dem grausamen Schicksal,
welches "den Leib töten, aber die Seele nicht töten
kann". In ersterer Hinsicht ist der Eindruck des Tragischen (der
tragische Affekt) jenem des Grausamen (der blinden
Naturnotwendigkeit), welches Verzweiflung, in dieser jenem des
(nach Kant: moralisch) Erhabenen (der sittlichen Freiheit)
verwandt, welches Bewunderung erzeugt. Werden beide Seiten des
(tragischen) Kontrastes an verschiedene Personen verteilt, so
daß das (zermalmende) Gefühl des Unterliegens unter das
Schicksal in die tragische Person, das (erhebende) der
(moralischen) Erhabenheit des Menschen über dasselbe in den
Zuschauer verlegt wird, so entsteht das Naiv- oder
Objektiv-Tragische; werden beide dagegen in der (tragischen) Person
vereinigt, welche sodann, während sie (physisch) dem Schicksal
unterliegt, (moralisch) als tragischer "Held" dasselbe besiegt, so
entsteht das Bewußt- oder Subjektiv-Tragische. Jenes, bei
welchem die tragische Person sich leidend (passiv) verhält,
wirkt vorzugsweise ergreifend, dieses, bei welchem dieselbe,
wenigstens moralisch, thätig (aktiv) auftritt, vorzugsweise
erhebend. Die Eigentümlichkeit des erstern besteht darin,
daß der tragische Held dem Beschauer, die des letztern darin,
daß er sich selbst t. erscheint, Mitleid und Furcht nicht
bloß andern, sondern sich selbst (für sich)
einflößt. Iphigenia, Antigone, Thekla (im "Wallenstein")
beklagen ihr Geschick. Das Subjektiv-Tragische ist durch die
Gemütsstimmung des Helden, welche aus Mitleid mit sich, der
dem Schicksal unterliegt, und Hohn über den Gegner, der (nur
scheinbar) triumphiert, zusammengesetzt ist, dem Humor (s. d.) und
zwar, weil der (physische) Untergang unvermeidlich ist, dem
bösen Humor (Weltschmerz) verwandt und heißt um dieser
Verwandtschaft willen Humoristisch-Tragisches. Je nachdem in dem
Eindruck des Tragischen das "zermalmende" oder das "erhebende"
Element als das stärkere erscheint, wird das
Rührend-Tragische vom Pathetisch-Tragischen unterschieden.
Durch Kombination beider Einteilungen entstehen als Unterarten des
Rührend-Tragischen das Rührende, bei welchem das
mitleiderregende, und das Schreckliche, bei welchem das
furchterweckende Element des Ergreifenden überwiegt; als
Unterarten des Pathetisch-Tragischen das humoristische Pathos, bei
welchem die Klage über sein Schicksal, und der tragische
Humor, bei welchem der Hohn über dasselbe im Helden die
Oberhand gewinnt; jene machen uns weinen, diese "unter Thränen
lächeln". Die Auflösung des Tragischen erfolgt, wie die
des Komischen, durch die Aufhebung des Kontrastes, indem entweder
das (anscheinend) Ungerechte als gerecht (der anscheinend
Schuldlose oder nur halb Schuldige als wirklich Schuldiger)
erkannt, oder das vermeintlich durch blinden Willen oder
feindselige Absicht herbeigeführte Leiden als das Werk des
Zufalls oder eines mechanischen Naturprozesses (natürlicher
Tod) anerkannt wird, welche als völlig heterogen, mit der
Vernunft nicht vergleichbar, also auch nicht als Kontrast zu
derselben betrachtet werden können. Vgl. Bohtz, Die Idee des
Tragischen (Götting. 1836); R. Zimmermann, Über das
Tragische und die Tragödie (Wien 1856); Baumgart, Aristoteles,
Lessing und Goethe. Über das ethische und ästhetische
Prinzip der Tragödie (Leipz. 1877); Duboc, Die Tragik vom
Standpunkt des Optimismus (Hamb. 1885); Günther,
Grundzüge der tragischen Kunst, aus dem Drama der Griechen
entwickelt (Leipz. 1885).
Tragkraft, s. v. w. rückwirkende Festigkeit, s.
Festigkeit, S. 176.
Tragödie (griech., Trauerspiel), die dramatische
Darstellung einer tragischen, d. h. (nach Aristoteles) einer
ernsten, Mitleid für den Helden und Furcht für uns selbst
erweckenden Handlung (s. Tragisch). Dieselbe steht als Darstellung
eines tragischen Vorganges der Komödie (s. d.), als Drama mit
(für den Helden) unglücklichem Ausgang dem (gleichfalls
ernsten) Schauspiel gegenüber. Als Untergattung des Dramas (s.
d.) gilt von der T. alles, was von diesem als solchem gilt. Als
tragisches Drama entlehnt die T. ihre Gesetze und Einteilung vom
Tragischen. Da die "erhebende" Wirkung des Tragischen desto
stärker ausfällt, je mächtiger vorher dessen
"zermalmende" Wirkung gewesen ist, so geht das Streben der T. vor
allem dahin, das Leiden der Helden und die Gewalt des Schicksals so
schrecklich zu schildern, daß der Sieg über dasselbe
desto erhabener erscheint. Die Einteilung der T. erfolgt nach den
Gattungen des Tragischen in die rührende T., in welcher das
ergreifende, und in die pathetische T., in welcher das erhebende
Element des Tragischen vorherrscht, welche mit der in antike T., in
welcher das Schicksal die (physische) Übermacht über den
Helden, und moderne T., in welcher der Held die (moralische)
Übermacht über das Schicksal behauptet,
zusammenfällt. Über die Bedeutung des Wortes und die
Geschichte der T. s. Drama.
Tragopogon L. (Bocksbart, Haferwurzel), Gattung aus der
Familie der Kompositen, zwei- oder mehrjährige, kahle oder
flockig-wollige Kräuter mit abwechselnden,
lineallanzettlichen, ganzrandigen, zugespitzten, am Grund
scheidigen Blättern, einzeln endständigen
Blütenköpfen, gelben oder blauen Blüten und
längsrippigen, lang geschnäbelten Früchten mit
794
Tragus - Trajanswall.
mehrreihigem Pappus. Etwa 40 Arten in Europa, Nordafrika und
Asien. Die sechs deutschen Arten haben genießbare Wurzeln und
Blätter. T. porrifolius L., mit violetten Blüten, in
Südeuropa, schon den Griechen bekannt, wird als
Wurzelgemüse kultiviert.
Tragus (lat.), die vordere Ohrecke, welche mit der
gegenüberliegenden hintern (antitragus) vor der Öffnung
des äußern Gehörganges steht.
Tragzapfen, Zapfen, bei welchen der Druck
größtenteils in der Richtung rechtwinkelig gegen die
Achse derselben wirkt (vgl. Zapfen).
Traiguen (spr. traighen), Hauptstadt der Provinz Cautin
der südamerikan. Republik Chile, am gleichnamigen
Nebenfluß des Rio Cauto, mit 3000 Einw. Die Gründung
deutscher Kolonien in der Nähe ist beabsichtigt. Das
gleichnamige Departement hat (1885) 24,408 Einw.
Traille (franz., spr. traj), Fähre, fliegende
Brücke. Bisweilen fälschlich für Tralje (s. d.).
Train (franz., spr. träng), das Fuhrwesen der Heere,
welches diesen Bedürfnisse jeder Art nachzuführen hat, u.
zwar nennt man T. sowohl die einem Heer oder einer einzelnen Truppe
folgenden Fahrzeuge (T. eines Bataillons etc.) mit den
zugehörigen Leuten (Trainsoldaten) und Pferden als auch die
besondere Truppengattung. Hiernach unterscheidet man Verpflegungs-,
Sanitäts-, Administrations-, Feldbrücken- und
Belagerungstrains. Die beiden erstern, mit der Truppe in engster
Verbindung stehend, sind zur Erhaltung der Schlagfertigkeit
derselben von höchster Bedeutung, müssen daher eine
größere Bewegungsfähigkeit zur Anpassung an die
Operationen der kämpfenden Truppen besitzen und werden deshalb
auch von den Trainbataillonen als Truppenteile formiert. In
Deutschland hat jedes Trainbataillon (also pro Armeekorps) 5
Proviantkolonnen, 1 Feldbäckereikolonne, ein Pferdedepot, 3
Sanitätsdetachements und 5 Fuhrparkskolonnen bei der
Mobilmachung zu formieren, für welche das Material im Frieden
bei den Traindepots bereit gehalten und verwaltet wird. Die
Administrations-, Feldbrücken- und Belagerungstrains sind im
allgemeinen nur Transporttrains, erstere gehören zu den von
den Armeekorps beider Mobilmachung aufzustellenden Branchen und
zwar zu den Intendanturen, der Korpskriegskasse, dem Haupt-, 4
Feldproviantämtern, 12 Feldlazaretten, dem Feldpostamt, 4
Feldpostexpeditionen. Jedes mobile Pionierbataillon formiert ein
Korps- und 2 Divisionsbrückentrains. Außerdem werden von
den Pionieren die Pionier-, von der Fußartillerie die
Artilleriebelagerungstrains aufgestellt, letztern sind die
Munitions- Fuhrparkskolonnen beigegeben. Während der T. bei
den Römern, namentlich seit Cäsar, auf das beste
ausgerüstet und geschult wurde, blieb er in Deutschland,
dessen Heeresverfassung entsprechend, ein ungeheurer Troß von
Fahrzeugen (bei einem Heer von 20,000 Mann oft 8000-10,000),
geführt von nicht militärischen Troßknechten und
begleitet von zahllosen Dirnen, Troßbuben und Gesindel aller
Art. Der Große Kurfürst verbesserte zwar das
Armeefuhrwesen, doch blieb die militärische Organisation
desselben Friedrich d. Gr. vorbehalten, welcher auch die
Bezeichnung T. einführte. 1778 gehörten zu einer Armee
von 30,000 Mann 6 Proviantkolonnen, eine Feldbäckerei, ein
Feldlazarett, eine Feldapotheke und der T. für die Beamten.
Der T. als Friedensformation (ein Stamm) trat erst 1853 ins Leben,
welcher 1856 vergrößert und 1859 die Organisation
erhielt, welche die Grundlage der jetzigen bildet. Vgl.
Schäffer, Das deutsche Heerfuhrwesen (Berl. 1881); Derselbe,
Der Kriegstrain des deutschen Heers (das. 1883); Kiesling,
Geschichte der Organisation des Trains der königlich
preußischen Armee (das. 1889).
Trainieren (engl., spr. treh-), in die Länge ziehen,
abrichten, einüben; die Vorbereitung zu einer hervorragend
körperlichen Leistung, besonders bei Pferden Vorbereitung zum
Wettrennen (training), welche in besondern Anstalten
(Trainieranstalten) und von speziell für diese Kunst
ausgebildeten Leuten (Trainer) geleitet wird, beruht auf einer
methodischen Ausbildung der Muskelkraft bei sehr intensiver, aber
nicht fett machender Ernährung. Die Füllen werden schon
im Alter von 18-20 Monaten angeritten oder eingebrochen (break);
sie erhalten anfangs Belegung im Schritt und Trab, später im
langsamen und raschen Galopp, am besten unter Leitung eines
ältern Pferdes, des Führpferdes. Überflüssiges
Fett der Pferde sucht man, soweit dieses nicht durch die Arbeit
möglich ist, durch das Verabreichen von Abführpillen
(Physic) und durch Schwitzen unter Decken zu entfernen. Das Gewicht
des Reiters darf für junge Pferde nicht zu groß sein,
deshalb werden nur Knaben oder sehr leichte Männer zu Reitern
in den Trainierställen verwendet. Als Futter benutzt man Hafer
von möglichst schwerer Qualität mit Zusatz von
Bohnenschrot für Rennpferde und vermeidet möglichst
alles, was Volumen oder Fett erzeugt. Vgl. die Schriften von Digby
Collins (Lond. 1865), Hochwächter (3. Aufl., Neuw. 1867), v.
Heydebrand (2. Aufl., Leipz. 1882), Silberer und Ernst (Wien 1883)
und Graf Wrangel (Stuttg. 1889).
Traisen, rechter Nebenfluß der Donau in
Niederösterreich, berührt St. Pölten und mündet
unterhalb des Fleckens Traismauer; 80 km lang.
Trait (franz., spr. trä), Gesichts-,
Charakterzug.
Traité (franz., spr. träté), s. v. w.
Traktat (s. d.).
Traiteur (franz., spr. trätör), Speisewirt.
Trajanspforte, s. Roterturmpaß.
Trajanssäule (Columna Trajana), die dorische
Ehrensäule Trajans auf dessen Prachtforum in Rom, einer
Schöpfung des Architekten Apollodoros von Damaskus. Sie
befindet sich noch an ihrer ursprünglichen Stelle, zur Seite
der Reste der Basilica Ulpia, kolossaler, jetzt wieder
aufgerichteter Granitsäulen. Ihre Erbauung fällt in das
Jahr 113 n. Chr. Sie mißt mit dem 5 m hohen Postament 39 m;
der untere Durchmesser beträgt 4 m, der obere 3,3 m.
Zusammengesetzt ist sie aus 34 Blöcken weißen Marmors,
wovon 23 auf den Schaft kommen; dieser ist mit spiralförmig um
die Säule sich windenden Reliefs bedeckt, welche die
Feldzüge des Kaisers gegen die Dacier darstellen und 2500
menschliche Figuren von 60-75 cm Höhe enthalten. Das
vierseitige Piedestal, zugleich das Grabmal für die Aschenurne
des Kaisers, ist mit Trophäen geschmückt und trägt
die Weihinschrift. Die Stelle der kolossalen Statue des Kaisers
nimmt seit 1587 die des Apostels Petrus ein. Eine Schneckentreppe
von 184 in die Marmorblöcke eingehauenen Stufen führt im
Innern bis auf die Plattform. Vgl. Fröhner, La colonne Trajane
(Par. 1871-74, 220 Tafeln).
Trajanswall, eine von den Römern herrührende
Befestigungslinie in der Dobrudscha (Mösien), welche sich in
zwei-, auch dreifacher Wiederholung von der Donau zwischen Rassowa
und Tschernawoda 48 km östlich bis Constanza (s. d.) am
Schwarzen Meer erstreckt, aus einem 2,5-3 m, an manchen Stellen 5,8
m hohen Erdwall besteht und im Krieg von 1854 eine gewisseg
Bedeutung hatte.
795
Trajanus - Traktieren.
Trajanus, Marcus Ulpius T., nach der Adoption durch Nerva
in der Regel Nerva T. genannt, röm. Kaiser, geboren
wahrscheinlich 56 n. Chr. zu Italica (in der Nähe des heutigen
Sevilla) in Spanien, war 91 Konsul und kommandierte 97 die Legionen
am Niederrhein, als er von Nerva adoptiert und zum Mitregenten
erklärt wurde. Im J. 98 durch Nervas Tod zur Herrschaft
gelangt, war er während seiner ganzen Regierung
unablässig bemüht, die Wohlfahrt und den Glanz des Reichs
zu erhöhen. Wie groß seine Sorgfalt für die
Verwaltung des Reichs, seine Milde, seine Einsicht und seine
Gerechtigkeit waren, geht am deutlichsten aus dem Briefwechsel mit
dem jüngern Plinius hervor, als dieser 111-113 in besonderm
Auftrag die Verwaltung von Bithynien führte; nur den Christen
gegenüber, die er mit Strenge verfolgt wissen wollte, da er in
ihrer Ausbreitung eine Gefahr für das Reich sah, kann man
diese Milde vermissen. Zu seinen wohlthätigen Einrichtungen
gehören namentlich auch die Anstalten, die er in Rom und in
Italien für die Erziehung mittelloser Kinder durch die
Verwilligung reicher Mittel und die Bestellung geeigneter
Aufsichtsbehörden traf. Eine besondere Hervorhebung verdienen
unter seinen Friedenswerken noch die großartigen Bauten, die
auf seine Veranlassung ausgeführt wurden, namentlich der Bau
der Brücke, die 104 über die Donau unterhalb der
Stromschnellen derselben geschlagen wurde, die Herstellung eines
neuen nach ihm benannten Forums, die Errichtung der noch jetzt
vorhandenen, 39 m hohen, mit den Reliefs von Kriegsszenen aus den
dacischen Kriegen gezierten Trajanssäule, die Erweiterung des
Circus Maximus, der Bau eines Odeums, eines Gymnasiums in Rom und
viele andre Bauten. Seine friedliche Thätigkeit wurde zuerst
durch die beiden dacischen Kriege, 101-102 und 105-106,
unterbrochen, durch die der dacische König Decebalus
völlig besiegt und Dacien zur römischen Provinz gemacht
wurde. Hierauf unternahm T. 113 noch einen großen Feldzug
nach dem Osten, der hauptsächlich gegen die Parther gerichtet
war, und auf dem er Armenien und Mesopotamien zu römischen
Provinzen machte und über den Tigris bis nach Ktesiphon
vordrang. Während er aber im fernen Osten weilte, erhoben sich
in seinem Rücken mehrfache Aufstände, namentlich auch
unter den Juden in Ägypten und Kyrene, und ehe er dieselben
völlig unterdrücken konnte, wurde er 117 zu Selinus in
Kilikien vom Tod ereilt. Wie sehr seine Verdienste anerkannt
wurden, geht auch daraus hervor, daß ihm der Senat den
Beinamen des Besten (Optimus) beilegte und spätere Kaiser mit
dem Zuruf begrüßt wurden: "Sei glücklicher als
Augustus und besser als T." Vgl. Francke, Zur Geschichte Trajans
(2. Ausg., Quedlinb.1840); Dierauer, Beiträge zu einer
kritischen Geschichte Trajans (Leipz. 1868); de La Berge, Essai sur
le règne de Trajan (Par. 1877).
Rrajectum, lat. Name für Utrecht.
Trajekt (lat.), Überfahrt (von Ufer zu Ufer);
Trajektschiff, s. Dampfschiff, S. 485.
Trajektorie (neulat.), in der Geometrie eine ebene krumme
Linie, die alle einzelnen Kurven eines gegebenen Systems unter
demselben Winkel schneidet; so ist z. B. für alle Ellipsen,
welche dieselben Brennpunkte haben, eine beliebige Hyperbel mit
denselben Brennpunkten die orthogonale T., d. h. sie schneidet alle
diese Ellipsen rechtwinkelig. In der Mechanik ist T. die Bahn eines
unter dem Einfluß einer Kraft sich bewegenden Punktes, z. B.
die Bahn eines schräg in die Höhe geworfenen Körpers
(Wurflinie).
Trakasserie (franz.), Plackerei, Stänkerei.
Trakehnen, Dorf im preuß. Regierungsbezirk
Gumbinnen, Kreis Stallupönen, 5 km vom Bahnhof T. an der Linie
Seepothen-Eydtkuhnen der Preußischen Staatsbahn, hat ein
königliches Hauptgestüt (1732 von Friedrich Wilhelm I.
gegründet), zu dem 12 Vorwerke gehören, mit einem Areal
von 4151 Hektar und 1070-1250 Pferden, eine Ziegelei und (1885)
1837 Einw. Vgl. Frenzel, Über Landespferdezucht im
Regierungsbezirk Gumbinnen (Berl. 1875).
Trakehner, Pferdestamm, s. Pferd, S. 948.
Trakt (lat.), Zug, Ausdehnung in die Länge, z. B.
Eisenbahntrakt; Strecke Landes; katholischer Festgesang nach dem
Graduale, bestehend aus einigen Schriftversen ohne Hallelujah (so
genannt von der langsamen, gedehnten Sangweise, in der er
früher vorgetragen wurde).
Traktabel (lat.), fügsam; umgänglich.
Traktament (mittellat.), Behandlung, Behandlungsweise;
Bewirtung, Gastmahl; Löhnung, Sold.
Traktarianer, s. v. w. Puseyiten, s. Pusey.
Traktat (lat.), Unterhandlung wegen eines
abzuschließenden Vertrags; auch der Vertrag selbst; sodann
Abhandlung über einen Gegenstand, insbesondere Bezeichnung
für kleine im Sinn einer bestimmten religiösen Richtung
geschriebene Flugschriften (Traktätchen). Besondere
Traktatengesellschaften hat die sogen. Innere Mission (s. d.) ins
Leben gerufen.
Traktatshäfen (Vertragshäfen), die in China dem
Verkehr mit dem Ausland durch besondere Abmachungen geöffneten
Häfen. Bis 1842 war den Fremden nur Kanton und auch dies nur
unter Beschränkungen und ohne sichere Gewährleistung
geöffnet. Durch den am 29. Aug. 1842 abgeschlossenen Vertrag
wurden aber außer Kanton noch die Häfen Amoy, Futschou,
Ningpo und Schanghai dem britischen Handel geöffnet. Durch den
Friedensschluß von Tiëntsin (1860) und später kamen
Swatau, Taiwan, Takao, Tamsui, Kelung, Tschinkiang, Kiukiang,
Hankeou, Tschifu, Niutschuang, Tiëntsin, Kiungtschau,
Itschang, Wuhu, Wentschou und Pakhoi hinzu. Außer mit England
und Frankreich schloß China einen Vertrag mit Preußen
zu Tiëntsin 2. Sept. 1861, der für alle
Zollvereinsstaaten Gültigkeit hatte und mit der Gründung
des Deutschen Reichs auf dieses überging. Ähnliche
Verträge wurden 1862 mit Spanien, Portugal und Belgien, 1863
mit Dänemark geschlossen. Gegenwärtig stehen die oben
genannten T. allen Nationen offen. Der Handelsverkehr in denselben
bezifferte sich 1887 auf 190,3 Mill. Haikuan Tael (Einfuhr 104,4,
Ausfuhr 85,9 Mill. Haikuan Tael), wovon auf Schanghai allein nicht
weniger als 96,2 Mill. Haikuan Tael entfallen. Den Hauptanteil
(über zwei Drittel) vermitteln Großbritannien und
Hongkong. In diesen Häfen verkehrten 28,244 Schiffe von
21,755,760 Ton. (davon 23,262 Dampfer von 20,619,615 T.). Auf die
englische Flagge entfielen 14, auf die chinesische 5,4 Mill. T. In
den T. bestanden 1885: 396 fremde Firmen (233 englische, 57
deutsche, 27 amerikanische, 23 französische, 24 japanische, 15
russische etc.) und lebten 6698 Fremde (2534 Briten, 761
Amerikaner, 638 Deutsche, 443 Franzosen, 747 Japaner etc.). In den
Häfen von Niuts, Tiëntsin, Tschifu, Hankeou, Kiukiang,
Wuhu, Tschinkiang, Schanghai, Ningpo, Futschou, Tamsui, Amoy,
Swatau, Kanton und Pakhoi bestehen Zolldirektionen mit
Europäern als Vorständen, welche sämtlich dem
Generalzollinspektor (Sir Robert Hart) in Peking untersteht
sind.
Traktieren (lat.), behandeln; ein Gastmahl geben,
bewirten; auch s. v. w. unterhandeln.
796
Traktorie - Transbaikalien.