Trabrennen, früher besonders in Holland

gebräuchliche Rennen, wo ein guter Stamm von Traberpferden (s.

Traber) existierte: mit diesen und mit dem Entstehen der Orlowrasse

übernahm Rußland die Pflege der T.; in neuerer Zeit ist

auch in Frankreich und Deutschland die Neigung für diesen

Sport rege geworden, indessen behauptet Amerika zur Zeit den ersten

Platz mit seinen Pferden (Hardtrabers) im T. Die bisher erreichte

größte Geschwindigkeit amerikanischer Traber, welche

entweder unter dem Sattel oder in zweiräderigen, ganz leichten

Wagen gehen, ist 2 Minuten 12 Sekunden für die englische

Meile. Als Regel gilt bei den T., daß Pferde, welche in

Galopp fallen, eine Volte (eine Kreiswendung) machen müssen.

Zu beachten bei den Zeitangaben für die Rennen ist, daß

die Amerikaner einen sogen. fliegenden Ablauf (Start) haben, d. h.

daß sie die Pferde schon im Trab befindlich ablaufen lassen,

während in andern Ländern die Pferde aus dem ruhigen

Stehen ablaufen; man rechnet 4 Sekunden als Differenz für

diesen verschiedenartigen Ablauf.

Trace (franz., spr. traß), eigentlich die Spur,

dann Absteckungslinie einer Verkehrslinie, z. B. einer

Straße, einer Eisenbahn oder eines Kanals. Man versteht unter

T. die Achse eines Verkehrswegs mit Einschluß aller seiner

Krümmungen, Steigungen und Gefälle, welche sich durch

einen Grundplan (Situationsplan) und einen Höhenplan

(Längenprofil) darstellen läßt. Beim Abstecken

läßt sich die T. zunächst nur auf der

Terrainoberfläche fixieren, hiernach aber auf Grund eines

Nivellements erst durch Auftrag und Abtrag des Bodens wirklich

herstellen. Die Operation des Aufsuchens und Absteckens nennt man

tracieren und unterscheidet die technische Tracierung von der

kommerziellen, je nachdem man nur die rein technische oder die rein

kommerzielle Seite der Aufgabe ins Auge faßt. Bei der erstern

handelt es sich um die bei übrigens gleicher Solidität

geringsten Baukosten, bei der letztern um die bei gleicher

Transportmenge geringsten Betriebskosten: Gesichtspunkte, welche

bei dem Aufsuchen der vorteilhaftesten T. stets gleichzeitig in

Betracht zu ziehen sind. Näheres hierüber s. unter

Eisenbahnbau. Tracieren, entwerfen, abstecken.

Tracee (franz. tracé, spr. traßé),

Abriß, Grundrißform (besonders einer Festung).

Trachea (lat.), Luftröhre.

Trachea, s. Eulen, S. 908.

Trachealrasseln, helles rasselndes Atemgeräusch bei

Ansammlung von viel Schleim in der Luftröhre und ihren ersten

Verzweigungen; kommt meist nur bei Sterbenden vor.

Tracheen (griech.), Luftröhren, die Atmungsorgane

der Tracheentiere, d. h. der Insekten, Spinnen etc. (s. unten). Die

T. (Fig. 1 u. 2) sind dünne Röhren, deren Wandungen aus

Zellen und einer von diesen abgeschiedenen Schicht eines

hornartigen Stoffes (Chitin, s. d.) bestehen. Letztere ist in den

feinsten Zweigen der T. glatt, in den gröbern aber mit

spiralig angeordneten Verdickungen versehen und hält so die T.

stets offen. Die T. beginnen in der Haut mit einer Öffnung,

dem Stigma oder Luftloch, hinter dem sich gewöhnlich ein

besonderer Verschlußapparat befindet, und verzweigen sich

dann in einer bei den einzelnen Tieren verschiedenen Art im Innern

des Körpers. Die allerfeinsten, auch bei starken

Vergrößerungen nur schwierig sichtbaren Zweige umspinnen

alle Organe und dringen in sie hinein, so daß die Atemluft

überall hingeleitet wird. Die Luftlöcher wechsele sehr an

Zahl, Größe und Form, doch befindet sich bei den

Insekten wenigstens in der Regel an fast jedem Lei-

789

Tracheentiere - Trachyte.

besring ein Paar. Manche Arten Insekten pumpen sich, bevor sie

fliegen, den Körper voll Luft (das "Zählen" des

Maikäfers) und haben darum an ihren T. noch bis zu mehreren

Hundert kleiner Ballons (Tracheenblasen). Übrigens fehlen in

einzelnen Fällen, namentlich an Larven von Wasserjungfern

etc.,

Fig. 1. Larve einer Eintagsfliege mit 7 Paar Tracheenkiemen

(Tk). - Fig. 2. Tracheensystem der Larve von Agrion

(Wasserjungfer). Tst Seitliche Tracheenlängsstämme, D

Darm, Tk. Tracheenkiemen.

die Stigmen vollständig, so daß das Tracheensystem zu

einem geschlossenen im Gegensatz zum offenen, d. h. mit Stigmen

versehenen, wird. Die Atmung geschieht in diesem Fall

gewöhnlich so, daß ein Teil der T. in besonders

dünnen Hautstellen, die über die

Körperoberfläche oder am Darm blattartig hervorragen,

angebracht ist; diese wirken, da die betreffenden Tiere in Wasser

oder feuchter Luft leben, wie Kiemen (sogen. Tracheenkiemen). Bei

den Spinnen sind die T. in eigentümlicher Weise angeordnet,

indem die dicht nebeneinander entspringenden zahlreichen Zweige

eines Astes wie die Blätter eines Buches abgeplattet

zusammenliegen (sogen. Tracheenlungen oder Fächertracheen).

Als Tracheentiere (Tracheata) bezeichnet man die mit T. versehenen

Arthropoden oder Gliederfüßler (s. d.). Es sind dies die

Insekten, Tausendfüße, Spinnen und Urtracheaten

(Protracheata). Letztere wurden früher wegen ihrer Gestalt zu

den Würmern gerechnet, bis man in neuester Zeit an ihnen die

T. auffand. Augenscheinlich vermitteln sie den Übergang

zwischen den schon lange als Tracheaten bekannten Insekten etc. und

den Ringelwürmern und sind daher für den Zoologen sehr

interessante Tiere. Zu ihnen gehört nur die Gattung Peripatus,

deren Arten in den Tropen an feuchten Orten leben. Wegen der

übrigen Tracheentiere s. die einzelnen Artikel über die

genannten Gruppen.- In der Pflanzenanatomie bezeichnet man mit dem

Namen T. die Gefäße (s. d., S. 1005).

Tracheentiere, s. Tracheen.

Tracheiden, in der Pflanzenanatomie

gefäßartige Zellen, welche sich von den Tracheen oder

echten Gefäßen nur durch ihr völliges

Geschlossensein unterscheiden; sie bilden den Hauptbestandteil des

Holzes bei Koniferen und Cykadeen sowie der

Gefäßbündel vieler Monokotylen und Farne.

Tracheitis (griech.), Luftröhrenkatarrh.

Trachenberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk

Breslau, Kreis Militsch, an der Bartsch, Knotenpunkt der Linien

Berlin-Posen und T.-Herrnstadt der Preußischen Staatsbahn, 94

m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine

Synagoge, ein Amtsgericht, 2 Zuckerfabriken, eine

Dampfmahlmühle, Leinweberei und (1885) 3570 meist evang.

Einwohner. T. erhielt 1253 deutsches Stadtrecht. Dabei das

gleichnamige Schloß des Fürsten von Hatzfeld-T., in

welchem 12. Juli 1813 der von Knesebeck entworfene Kriegsplan von

König Friedrich Wilhelm III., Kaiser Alexander und dem

Kronprinzen von Schweden unterzeichnet ward.

Tracheobronchitis (griech.), Katarrh der Luftröhre

und der Bronchien.

Tracheoskopie (griech.), Untersuchung der Luftröhre

vermittelst des Kehlkopfspiegels.

Tracheostenose (griech.), Luftröhrenverengerung.

Tracheotomie (griech.), s. Luftröhrenschnitt.

Trachom (griech.), s. Ägyptische

Augenentzündung.

Tracht, s. Kostüm.

Tracht, in der Jägersprache die Gebärmutter des

Mutterwildes.

Trächtigkeit, s. Schwangerschaft, S. 685.

Trachydolerit, s. Andesite.

Trachyte (Trachytgesteine), gemengte kristallinische

Gesteine, gewöhnlich aus mehreren Feldspaten (vorwiegend

Sanidin), Hornblende, Augit, Glimmer zusammengesetzt, bald

quarzführend, bald quarzfrei. Es sind jungvulkanische Gesteine

mit hohem Gehalt an Silicium (60-80 Proz. SiO2), teils Laven jetzt

noch thätiger Vulkane, teils Eruptionsmaterial, welches

während der Diluvial- und Tertiärperiode geflossen ist.

Zu ihnen gehören neben den Trachyten im engern Sinn

Quarztrachyt, Domit und als glasartige Modifikationen

Trachytpechstein (s. d.), Obsidian(s. d.), Perlstein (s. d.) und

Bimsstein (s. d.). Die typischen Varietäten des Quarztrachyts

(Liparit, felsitischer Rhyolith, Trachytporphyr) besitzen

phorphyrische Struktur: in einer felsitischen Grundmasse, die sich

unter dem Mikroskop als aus Quarz, Sanidin, wenig Oligoklas und

Hornblende neben nicht individualisierter Glasmasse zusammengesetzt

zeigt, liegen Quarz-, Glimmer- und Hornblendekristalle. Die

Grundmasse ist weißlich, gelblich, hellgrau oder rötlich

gefärbt, mitunter rauh, zellig oder porös, die Wandung

der Hohlräume mit Quarzvarietäten überkleidet. Das

Gestein kommt an einigen Stellen des Siebengebirges, häufiger

in den Euganeen, auf Island, in Siebenbürgen vor, ist aber als

Lava jetzt thätiger Vulkane nicht bekannt. Domit ist eine

durch matte, sehr feinkörnige und wenig glasige Grundmasse

ausgezeichnete Varietät des Quarzporphyrs (Auvergne,

namentlich Puy de Dôme). Quarzfreier Trachyt besitzt

ebenfalls gewöhnlich porphyrische Struktur, und zwar sind es

meist die Sanidinkristalle (bis 8 cm groß), welche die

Porphyrstruktur

790

Trachytpechstein - Traduzianismus.

hervorrufen. Es gibt Trachyt, welcher fast nur aus Sanidin

(Sanidintrachyt, Sanidinit) mit wenig Hornblende, Glimmer und

Oligoklas besteht. Tritt der letztere Bestandteil, namentlich als

Einsprengling, mehr hervor, so unterscheidet man die Varietät

als Oligoklas-Sanidintrachyt. Andre Varietäten (Augittrachyte)

führen Augit. Die Grundmasse der T. besteht nach der

mikroskopischen Untersuchung aus denselben Mineralien, welche auch

mikroskopisch beobachtbar sind, dazu Glassubstanz, Magneteisen,

wohl auch Tridymit, der aber besonders häufig als Auskleidung

der Hohlräume auftritt. Quarzfreie T. kommen sowohl als Laven,

in historischen Zeiten geflossen, wie auch als solche älterer

Vulkane (Siebengebirge, Westerwald, Rhön, Monte Olibano bei

Neapel u. a. O.) vor. Hierher gehören auch die

Auswürflinge (Lesesteine) des Laacher Sees, die sich durch

ihren Reichtum an accessorischen Bestandteilen (Nephelin, Hauyn,

Nosean, Titanit, Olivin, Zirkon, Saphir, Spinell etc.) auszeichnen.

Als Trümmergesteine der T. treten Trachytkonglomerate,

Trachytbreccien und Trachyttuffe auf. Zu letztern zählen unter

andern die opalführenden Gesteine von Kaschau in Ungarn, die

Bimssteintuffe Ungarns und der Auvergne, der Traß (Duckstein)

vom Niederrhein, die Puzzolane und der Pausilipptuff von Neapel,

die Tosca von Teneriffa, sämtlich zur Herstellung von

hydraulischen Mörteln geeignet. Auch der Alaunstein (Alunit,

s. d.) ist ein Zersetzungsprodukt trachytischer Gesteine. Der

Verwitterung gegenüber verhalten sich die T. je nach

physikalischer Beschaffenheit und je nach der Natur der

Bestandteile äußerst verschiedenartig. Während die

glasigen Modifikationen den Atmosphärilien einen

hartnäckigen Widerstand entgegenstellen, sind die weniger

geschlossenen hinfälliger und zerfallen schließlich zu

einer vom Kaolin oft wenig verschiedenen Masse, gewöhnlich

noch mit Sanidinsplittern untermengt. T. dienen oft als

Baumaterialien, die quarzführenden und porösen als

Mühlsteine (Mühlsteinporphyr); die Tuffe werden zur

Herstellung hydraulischer Mörtel und zu feuerfesten Mauerungen

(Backofenstein) benutzt.

Trachytpechstein, Gestein, in mineralogischer und

chemischer Hinsicht mit Pechstetn (s. d.), der glasartigen

Modifikation des Porphyrs, identisch, genetisch aber nicht mit

Porphyr, sondern mit den jüngern (tertiären) Trachyten zu

vereinen. Die Pechsteine Ungarns, der Euganeen, der vulkanischen

Gebiete Frankreichs und Islands gehören hierher.

Tracieren (franz., spr. traßieren), s. Trace.

Tractus (lat.), Kanal, Gang, z. B. T. alimentarius,

Verdauungskanal.

Tractus cantus (lat., "gezogener", d. h. langsamer,

Gesang), der Gesang der römischen Kirche, welcher in der

Fastenzeit und bei andern Trauerfesten der Kirche im Choralgesang

an Stelle des (ursprünglich jubelnd vorgetragenen) Halleluja

tritt.

Trade (engl., spr. trehd), Handel, Gewerbe; Tradedollar,

Silberdollar (Handelsmünze); Trademark, Fabrikzeichen;

Tradesales, im englischen Buchhandel Versteigerung von

Auflageresten.

Traders (engl., spr. trehders, "Händler"), im brit.

Nordamerika Pelzhändler im Dienste der Hudsonbaikompanie,

zugleich untere Verwaltungsbeamte.

Tradescantia L., Gattung aus der Familie der

Kommelinaceen, krautartige Pflanzen, von denen T. guianensis Miq.,

aus Mittelamerika, mit langen, hängenden Zweigen,

eiförmigen, zugespitzten, stengelumfassenden Blättern und

selten erscheinenden, weißen Blüten als Ampelpflanze,

zur Bildung eines grünen Grundes in Terrarien,

Gewächshäusern und im Zimmer kultiviert wird und auch als

Vogelfutter benutzt werden kann. T. zebrina hort., der vorigen

ähnlich, aber mit braunen, weiß gestreiften

Blättern, ist etwas empfindlicher. T. discolor Sm., aus

Brasilien, mit dickem, aufrechtem Stengel, lanzettförmigen,

oben grünen, unten violetten Blättern und weißen

Blüten, gedeiht auch im Zimmer. T. virginica L., 60-80 cm

hoch, mit linienlanzettförmigen Blättern und

violettblauen Blüten in dichten Dolden, wird in Gärten

als Zierpflanze kultiviert.

Trades' Unions (engl., spr. trehds juhnjons), s.

Gewerkvereine.

Tradition (lat.), Überlieferung, Übergabe. In

der Rechtswissenschaft versteht man unter T. die Übertragung

des Besitzes an einer Sache seitens des bisherigen Besitzers

(Tradent) an einen andern. Soll durch die T. das Eigentum an der zu

übergebenden Sache auf den Empfänger übergehen, so

ist es nötig, daß dem Tradenten selbst das Eigentum

daran zusteht, da niemand mehr Recht auf einen andern

übertragen kann, als er selbst hat. Erfolgt die

Übertragung des Eigentumsbesitzes an den dermaligen Inhaber

(natürlichen Besitzer) der Sache, so spricht man von einer

Traditio brevimanu (s. Besitz). Bei Grundstücken sind an die

Stelle der T., welche nach älterm deutschen Rechte durch

symbolische Handlungen erfolgte (s. Effestukation), die

gerichtliche Auflassung (s. d.) und der Grundbuchseintrag

getreten.

T. bezeichnet ferner die der geschriebenen Geschichte

entgegengesetzte, nur durch die mündliche Überlieferung

auf die Nachwelt gelangende Kunde, insbesondere die jüdischen

und christlichen Satzungen und Lehren, die nicht in der Bibel

schriftlich fixiert sind, sich aber durch mündliche

Überlieferung in Synagoge und Synedrion (s. d.) oder in der

Kirche erhalten und fortgepflanzt haben. Die Sicherheit dieser T.,

deren sich die römisch-katholische Kirche nicht nur zur

Begründung von Lehren, geschichtlichen Thatsachen und

Gebräuchen, sondern auch zur Rechtfertigung der hergebrachten

Schriftauslegung bedient, weshalb eine dogmatische, rituelle,

historische und hermeneutische T. unterschieden wird, wurde von den

Reformatoren angefochten, welche höchstens die T. der ersten

christlichen Jahrhunderte beachtet, aber auch diese der Heiligen

Schrift untergeordnet wissen wollten. Dagegen setzte die

römisch-katholische Kirche auf dem Konzil von Trient die T.

ausdrücklich der Schrift als ebenbürtig an die Seite, und

Gleiches ist auch die Voraussetzung der griechischen Dogmatik,

während die protestantische Dogmatik der T. nur insofern eine

prinzipielle Bedeutung beilegen kann, als sie für ihre

Aussagen sich nicht bloß auf die in der Heiligen Schrift

unmittelbar bezeugte Glaubenserfahrung der ersten Generationen der

werdenden Christenheit zurückzubeziehen, sondern auch die

ganze Glaubenserfahrung der geschichtlich gewordenen Christenheit

kritisch in sich aufzunehmen und dabei besonders die grundlegende,

symbolbildende Epoche des Protestantismus selbst zu

berücksichtigen hat. Vgl. Weiß, Zur Geschichte der

jüdischen T. (Wien 1871-76); Holtzmann, Kanon und T.

(Ludwigsb. 1859).

Traditionell (franz.), durch Tradition (s. d.)

überkommen.

Traditor (lat.), Überlieferer, Auslieferer

(besonders der Heiligtümer bei den Christenverfolgungen unter

Diokletian); im Festungswesen der in den Kehlgraben vorspringende

Teil von Kehlreduits in Forts, zur Kehlbestreichung dienend.

Traduzianismus (lat.), die in der Dogmatik im

791

Traduzieren - Träger.

Gegensatz zum Kreatianismus (s. d.) auftretende Lehre, nach

welcher bei der Entstehung des menschlichen Lebens auch die Seele

nur als mittelbare göttliche Schöpfung in Betracht kommt.

So lehren nach dem Vorgang Tertullians und im Interesse an der

Erbsünde die Lutheraner, doch nicht in dem Sinn einer

Entstehung der Seelen aus physischer Zeugung (ex traduce), sondern

nur mittels derselben als Fortleitung des in Adam eingesenkten

Keims (per traducem).

Traduzieren (lat.), hinüberführen,

übersetzen.

Traëtto (jetzt Minturno), Stadt in der ital. Provinz

Caserta, Kreis Gaeta, nahe dem Garigliano, hat Reste eines

Aquädukts und eines Theaters (der antiken Stadt Minturnä,

s. d.) und (1881) 4394 Einw.

Trafalgar (sonst Junonis promontorium), Vorgebirge an der

Küste der span. Provinz Sevilla, am Atlantischen Meer, nahe

der Straße von Gibraltar, berühmt durch die Seeschlacht

21. Okt. 1805 zwischen der englischen Flotte unter Nelson und der

vereinigten französisch-spanischen unter Villeneuve und

Gravina. Letztere, mit 33 Linienschiffen vor Cadiz ankernd,

ließ sich von Nelson, der 27 Linienschiffe hatte, durch

scheinbaren Rückzug in das offene Meer locken und wurde dann

21. Okt. beim Kap T. angegriffen. Die drei Stunden lange Linie der

spanisch-französischen Flotte ordnete sich bei Annäherung

der in zwei Kolonnen geteilten englischen Schiffe in einen

Halbkreis, ward aber bald auf zwei Punkten durchbrochen. Es

entspann sich nun ein furchtbarer Kampf zwischen den hart

aneinander liegenden Schiffen, der nach drei Stunden zu gunsten der

Engländer entschieden war. Die spanisch-französische

Flotte verlor 19 Schiffe; Admiral Villeneuve ward gefangen, Gravina

starb an seinen Wunden. Es war dies Nelsons glorreichster und

letzter Sieg; er fiel durch die Kugel eines feindlichen

Scharfschützen, der ihn an seinen Orden erkannt hatte.

Trafik (v. ital. traffico), Handlung, Verschleiß,

insbesondere Detailhandel, in Österreich namentlich auf die

Tabaksverkaufsstellen angewendet.

Trafoi, kleine Alpenansiedelung (85 Einw.) in Tirol,

Bezirkshauptmannschaft Meran, in großartiger Landschaft am

Fuß der Ortlergruppe an der Straße über das

Stilfser Joch gelegen.

Tragaltar, s. Altar, S. 413.

Tragánt (Gummi Tragacanthae), aus dem Stamme

mehrerer vorderasiatischer Arten von Astragalus (s. d.) freiwillig

oder nach zufälligen oder absichtlichen Verletzungen

ausschwitzendes Gummi, bildet flache, gedrehte oder gekrümmte,

von verdickten, konzentrischen, halbkreisförmigen Striemen

durchzogene, farblose oder gefärbte Stücke. Er ist

hornartig, fast durchscheinend, zäh, geruchlos, schwillt im

Wasser stark auf, gibt gepulvert mit 20 Teilen Wasser einen derben

Schleim und besteht aus Bassorin, löslichem Gummi,

Stärkemehl und mineralischen Stoffen. Im Handel unterscheidet

man: Blätter- oder Smyrnaer T., aus großen, flachen,

platten oder bandförmigen Stücken mit

dachziegelförmig übereinander geschobenen Schichten

bestehend, als beste Sorte; Morea-T. (Vermicelli), in

unförmlichen, wulstigen oder nudelförmigen, gewundenen

oder gedrehten Stücken; syrischen oder persischen T., in

stalaktitenförmigen oder flachen, gewundenen oder gedrehten,

mitunter sehr großen Stücken. Man benutzt T. in der

Zeugdruckerei und Appretur, zu Wasserfarben, zu plastischen Massen,

als Bindemittel zu Konditorwaren und in der Medizin. Über das

dem T. sich anschließende Kuteragummi s. Cochlospermum. - T.

war bereits den Alten bekannt, ebenso den spätern Griechen und

den Arabern des frühen Mittelalters. In Deutschland wurde er

im 12. Jahrh. zu Arzneiformen benutzt, auch fand er bald technische

Verwendung.

Tragelaphos (Tragelaph, griech., "Bockshirsch"),

phantastisch gebildetes Tier, das den Griechen nur aus Abbildungen

auf Teppichen und andern Kunsterzeugnissen des Orients bekannt war

(Persien und Babylon) und nur auf hochaltertümlichen Vasen

nachgeahmt ist. Es war eine Hirschgestalt mit Bart und Zotteln am

Bug.

Traeger, Albert, Dichter, geb. 12. Juni 1830 zu Augsburg,

von wo sein Vater nach einigen Jahren nach Naumburg

übersiedelte, studierte 1848-51 in Halle und Leipzig Rechts-

und Staatswissenschaften und wurde 1862 Rechtsanwalt und Notar zu

Kölleda in Thüringen, von wo er 1875 in gleicher

Eigenschaft nach Nordhausen übersiedelte. T. ist seit 1871

zugleich Reichstagsabgeordneter und gehört als solcher der

deutschen freisinnigen Partei an. Als talentvoller Lyriker bewies

er sich in seinen "Gedichten" (Leipz. 1858, 16. vermehrte Auflage

1884). Außerdem veröffentliche er "1870", sechs

Zeitgedichte (Berl. 1870); die Novelle "Übergänge"

(Leipz. 1860); "Tannenreiser", Weihnachtsarabesken (Tropp. 1864);

"Die letzte Puppe" (Soloszene, Wien 1864); "Morgenstündchen

einer Soubrette", dramatisches Genrebild (mit Em. Pohl, Berl.

1879); ferner die illustrierten Sammelwerke: "Stimmen der Liebe"

(Leipz. 1861) und "Deutsche Lieder in Volkes Mund und Herz^ (das.

1864). Auch gab er 1865-83 das Jahrbuch "Deutsche Kunst in Bild und

Lied, Originalbeiträge deutscher Dichter, Maler und

Tonkünstler", heraus.

Träger, im Bauwesen wagerechter, zum Tragen von

Lasten bestimmter Bauteil aus Stein, Holz, Eisen oder Holz und

Eisen, welcher auf zwei (abgesetzter T.) oder mehreren

(fortgesetzter, kontinuierlicher T.) Stützen ruht oder an

einem Ende befestigt ist (Krag- oder Konsolträger). T. aus

Stein sind vierkantige, prismatische Balken, T. aus Holz entweder

einteilige und mehrteilige (verzahnte, Fig. 1 [S. 792],

verdübelte, Fig. 2) Balken mit rechteckigem Querschnitt, oder

aufgeschlitzte und gespreizte (Fig. 3, Lavessche, Fig. 4) Balken,

oder gegliederte, aus Fachwerk (Fachwerkträger, Fig. 5) oder

Netzwerk oder Gitterwerk (Netzwerkträger, Gitterträger)

bestehende Balken, während T. aus Eisen die mannigfaltigste

Ausbildung zeigen. Nach der Form derselben unterscheidet man

Dreieckträger (Fig. 8), Rechteck- (Parallel-) T. (Fig. 10 u.

11), Trapezträger (Fig. 9), Vieleck- (Polygonal-) T. und unter

den letztern Parabel- (Fig. 12), Halbparabel- (Fig. 13), Hyperbel-

und Ellipsenträger (Fischbauch- und Fischträger, Fig. 14

u. 15). Nach ihrer Zusammensetzung unterscheidet man wieder massive

(gewalzte und Blechträger) und gegliederte T. (Fachwerk- und

Netzwerkträger, Fig. 10 u. 11). Im Hochbau werden die T. zur

Unterstützung, vorzugsweise der Decken, und zwar als

hölzerne oder eiserne Unter- oder Oberzüge, ferner zur

Unterstützung von Balkonen, Galerien und Erkern als

Konsolträger, im Brückenbau zur Herstellung des

Überbaues als Hauptträger, Querträger,

Schwellenträger, Konsolträger verwandt, wo sie aus Eisen

und nur für vorübergehende Zwecke aus Holz oder aus Holz

und Eisen konstruiert werden. T., welche man gekuppelt, d. h. dicht

nebeneinander liegend, verwendet, nennt man, besonders wenn sie aus

Walzeisen bestehen, Zwillingsträger, während man die

Walzeisenträger selbst, je nachdem sie einen T- oder

I-förmigen Querschnitt besitzen, kurzerhand mit T-T. und I-T.

be-

792

Trägerrecht - Tragisch.

[Abbildungen mit Unterschriften]

zeichnet. Armierte T. sind hölzerne oder eiserne

Balken, welche zur Erhöhung ihrer Tragfähigkeit

künstlich, z. B. durch einfache Häng- oder Sprengwerke

(Fig. 6 u. 7), verstärkt werden. Vgl. die Artikel "Balken",

"Brücke", "Decke" und "Eisenbau".

Trägerrecht, s. Baurecht, S. 526.

Trägheit, im physikalischen Sinn s. v. w.

Beharrungsvermögen (s. d.); im psychologischen Sinn das aus

dem Unlustgefühl, welches durch die Vorstellung der Bewegung

hervorgerufen wird, entspringende Bestreben, in dem gegebenen

Ruhezustand zu beharren.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 229 / 302 段