Toulon (spr. tulong, T. sur Mer),

Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Var, nächst

Brest der wichtigste Kriegshafen Frankreichs, Festung ersten Ranges

und Hauptstation der französischen Mittelmeerflotte, liegt am

Fuße steil abfallender Berge im Grund einer tiefen Bai des

Mittelländischen Meers, deren Eingang südlich durch die

Halbinsel Cépet geschlossen wird. Die eigentliche alte Stadt

mit ihren engen Straßen hat, seit infolge des Dekrets von

1852 die Schanzmauern an der nördlichen Seite demoliert

wurden, durch Erweiterung und Verschönerung sehr gewonnen. Die

neue Umfassungsmauer zieht sich nun weiter hinaus und

schließt ein neues Stadtviertel mit breiten Straßen und

schönen Bauten ein. Die wichtigsten Straßen sind: der

Boulevard, die Bahnhofsavenue, der Cours Lafayette mit

Platanenallee, die Straße des Chaudronniers u. a.

Hervorragende Gebände sind: die romanische Kathedrale

Ste.-Marie Majeure (1096 gegründet), die Kirchen St.-Louis,

St.-François de Paule und St.-Pierre, das protestantische

Bethaus (Maison Puget), das Stadthaus am Hafen, das neue Theater

und das Justizpalais. T. zählt (1886) 53,941 (Gemeinde 70,122)

Einw. Abgesehen von den umfangreichen Werkstätten des

Marinearsenals (s. unten), gibt es nur wenige industrielle

Etablissements; auch der Handel ist hauptsächlich auf die

Approvisionierung der Marine beschränkt, weshalb auch der

Verkehr von Handelsschiffen ein sehr geringer ist (1887 sind 273

beladene Schiffe mit 78,672 Ton. eingelaufen). T. steht durch die

Eisenbahn Marseille-Nizza mit dem französisch-italienischen

Verkehrsnetz, dann durch regelmäßige

Dampfschiffahrtslinien mit den Häfen des Mittelmeers in

Verbindung. Der Hafen ist einer der sichersten, welche es gibt, und

wird durch zahlreiche Forts, Batterien und feste Türme, welche

die umliegenden Höhen und Vorgebirge krönen,

geschützt; mehrere Leuchttürme sichern die Einfahrt. Er

umfaßt die Darse vieille und die Darse neuve, welche den

Kriegshafen bilden, und östlich davon den kleinen

Handelshafen, vor welchem ein durch zwei Molen zu schützender

äußerer Hafen mit Docks angelegt werden soll. Zum

Kriegshafen gehört das Marinearsenal, welches, 1680 nach

Vaubans Plänen erbaut, aus einer Reihe von Etablissements

besteht, welche 270 Hektar einnehmen und 13,000 Arbeiter

beschäftigen. Den Eingang bildet ein monumentales Thor (von

1738) mit Statuen von Mars und Bellona. Den Hof des Arsenals

umgeben das große Magazin (für die Materialien zum Bau

und zur Ausrüstung der Schiffe), die Seilerei, die

Eisenguß- und Hammerwerke, der Uhrpavillon mit den

Gebäuden für die Direktion, das Marinemuseum mit Modellen

aller Arten von Fahrzeugen, der Waffensaal, die Waffenschmiede,

Feilerei und Modellkammer. Zwischen dem alten und neuen Hafenbassin

des Kriegshafens liegt eine Insel, welche durch eine drehbare

Brücke über den Verbindungs-

[Karte der Umgebung von Toulon.]

782

Toulon - Toulouse..

kanal mit dem Festland zusammenhängt und drei Docks, das

Bagno und das Marinehospital enthält. Das Bagno wurde 1682

unter Colberts Verwaltung hergestellt und dient jetzt als Depot

für die nach Cayenne und Neukaledonien zu deportierenden

Verbrecher. An den Kriegshafen schließt sich westlich, durch

den Quai de la Garniture (mit Magazinen) von demselben getrennt,

das Hilfsarsenal von Castigneau mit einem Bassin an, welches mit

dem Kriegshafen durch einen Kanal in Verbindung steht. Dieses

Arsenal umfaßt eine Bäckerei, Fleischerei, eine

Eisengießerei, Hammerwerke, große Viktualienmagazine

und Kohlendepots. Noch weiter westlich ist das neue Bassin von

Missiessy (mit Magazinen) hinzugekommen. In der

südöstlichen Vorstadt Mourillon endlich liegt ein drittes

Arsenal, welches große Magazine für Schiffbauholz und

Metalle sowie verschiedene Werkstätten und

Schiffbauplätze enthält. Zu den Marine-Etablissements

gehört auch das unter Ludwig XIV. erbaute Marinehospital mit

naturhistorischem Kabinett; einen Annex desselben bildet das

Hospital von St.-Mandrier auf der Halbinsel Cépet. Bei

letzterm befindet sich ein botanischer Garten und in der Nähe

südöstlich eine Pyramide zum Andenken an den Admiral

Latouche-Tréville und westlich das Quarantänelazarett.

T. hat ein Lyceum, eine hydrographische Schule, Normalschule,

Sekundärschule für Mädchen, eine

Marineartillerieschule, eine Munizipalbibliothek (16,000

Bände), ein Museum, ein Observatorium, eine Börse, eine

Filiale der Bank von Frankreich und ist der Sitz eines

Marinepräfekten, eines Marinetribunals, der Direktion der

Marineartillerie, eines Handelsgerichts und mehrerer Konsulate

fremder Staaten. In der Vorstadt Mourillon befinden sich

Seebäder. Schöne Punkte in der Umgebung sind das Fort

Lamalgue mit prächtiger Aussicht, der nördlich

aufsteigende Berg Faron (521 m), die westlich gelegene Halbinsel

Sicié mit der Stadt La Seyne (s. d.), dem hoch gelegenen

alten Ort Six Fours mit uralter Kirche und dem Vorgebirge

Sicié mit Wallfahrtskirche, endlich im S. die Halbinsel

Cépet (s. oben). - T. bestand schon im Altertum als

griechische Kolonie Telonion (Telo Martius), war damals schon ein

bedeutender Ort und namentlich durch seine Färbereien

berühmt. Im 10. und 12. Jahrh. litt die Stadt sehr durch

Einfälle der Sarazenen. Sie teilte dann die Schicksale der

Provence. 1524 nahm sie der Connétable von Bourbon und 1536

Karl V. ein. Ludwig XIV. ließ durch Vauban die Stadt stark

befestigen. Während des spanischen Erbfolgekriegs wurde sie

1707 von den Verbündeten unter dem Herzog Viktor Amadeus von

Savoyen und dem Prinzen Eugen zu Land sowie von der

englisch-holländischen Flotte zur See bombardiert und

großenteils in Asche gelegt, aber nicht erobert. 1744

erfochten die Engländer zwischen T. und den Hyèrischen

Inseln einen Seesieg über die spanisch-französische

Flotte. Während der ersten französischen Revolution erhob

sich die Bevölkerung von T. im Juli 1793 gegen den Konvent und

übergab, nachdem der Konvent die Stadt geächtet und ein

republikanisches Heer sie eingeschlossen hatte, im

Einverständnis mit der Besatzung die Stadt 29. Aug. an die

vereinigte englisch-spanische Flotte unter dem Admiral Hood. Darauf

ward sie tapfer verteidigt, aber hauptsächlich infolge der

Eroberung des Forts Mulgrave durch Bonaparte gelang es den

Republikanern, die Engländer und Spanier 19. Dez. 1793 zum

Abzug zu zwingen. Hierauf rückten die Konventstruppen in die

Stadt, und die Konventskommissare Barras, Fréron und der

jüngere Robespierre verhängten über sie ein

furchtbares Strafgericht. 3000 Menschen wurden hingewürgt; die

Einwohnerzahl sank von 28,000 auf 7000 herab. Vgl. Teissier,

Histoire des divers agrandissements et des fortitications de la

ville de T. (Par. 1874); Lambert, Histoire de T. (Toul. 1886

ff.).

Toulouse (spr. tuluhs'), Hauptstadt des franz.

Departements Obergaronne, ehemals Hauptstadt von Languedoc, 133 m

ü. M., in fruchtbarer, aber einförmiger Ebene, an der

hier bereits schiffbaren Garonne, am Canal du Midi und an der

Eisenbahn von Bordeaux nach dem Mittelmeer gelegen, die hier nach

Albi, Foix, Bayonne und Auch abzweigt, ist der natürliche

Mittelpunkt des ganzen obern Garonnebeckens, zu welchem

Ariége und l'Hers sowie auch der Tarn vor seiner

Abschwenkung nach NW. hinleiten; zugleich ist es der wichtigste

Punkt an der alten historischen Straße vom Mittelmeer zum

Ozean. Dieser Lage verdankt T. sein hohes Alter, die große

Rolle, die es stets in der Geschichte gespielt hat, und seine

jetzige Blüte. Die Stadt ist mit der auf dem linken niedern

Ufer der Garonne gelegenen Vorstadt St.-Cyprien durch eine

1543-1626 erbaute Brücke sowie durch zwei

Hängebrücken verbunden und bietet mit ihren

einförmigen roten Backsteinhäusern und im allgemeinen

engen Straßen keinen malerischen Anblick, hat aber namentlich

durch die an Stelle der alten Wälle getretenen Boulevards und

Alleen sowie durch die neuen in der innern Stadt ausgeführten

Straßen ein modernes, großstädtisches Aussehen

gewonnen. Zentrum der Stadt ist der Kapitolsplatz. Von den Kirchen

sind besonders zu erwähnen: die Kathedrale St.-Etienne; die

große fünfschiffige romanische Kirche St.-Saturnin

(St.-Sernin) mit Krypte und 64 m hohem Turm; die Jakobinerkirche

aus dem 14. Jahrh. (jetzt Dominikanerkirche) mit dazu

gehörigem Kloster (jetzt Unterrichtsgebäude); die Kirche

Dalbade (ehemalige Malteserkirche) in frühgotischem Stil mit

reichem Renaissanceportal. Unter den übrigen Gebäuden

sind die hervorragendsten: das Stadthaus (Kapitol genannt) mit

mehreren schönen Sälen, darunter der Salle des Illustres

und dem Festsaal der poetischen Blumenspiele (Jeux floraux); das

ehemalige Augustinerkloster, welches mit seinen Kreuzgängen

gegenwärtig als Antikenmuseum und Gemäldegalerie benutzt

wird; der Justizpalast, mehrere schöne

Renaissancegebäude, das große Theater, zwei

Spitalgebäude aus dem 11. Jahrh. Die Zahl der Einwohner

beträgt (1886) 123,040 (Gemeinde 147,617). Die Stadt hat sehr

bedeutende Industrie, darunter an Staatsanstalten eine

Artilleriewerkstätte, eine Pulver- und eine Tabaksfabrik,

ferner Fabriken für Sicheln, Wagenfedern und Feilen, Wagen,

Maschinen, Parkette, Papier, chemische Produkte etc. sowie

zahlreiche Mühlen. Von großer Wichtigkeit ist auch der

Handel, besonders mit Getreide, Mehl, Wein, Bauholz, Marmor,

Branntwein, Wolle, Tuch, Vieh etc. Für den Lokalverkehr dient

eine Pferdebahn; auch ist die Stadt mit einer ältern und einer

neuen Wasserleitung versehen. T. hat Fakultäten für

Rechte, philosophisch-historische und

mathematisch-naturwissenschaftliche Disziplinen (zusammen mit 1100

Studierenden), eine freie katholische Universität, ein Lyceum,

ein Collège, eine Tierarzneischule, ein großes und

kleines Seminar, eine Normalschule, eine Kunstschule, ein

Konservatorium der Musik, ein Taubstummen- und Blindeninstitut,

eine Akademie der Wissenschaften wie auch andre gelehrte

Gesellschaften, eine öffentliche Bibliothek von 60,000

Bänden, ein reichhaltiges Kunst- und Antikenmuseum, eine

naturhistorische Sammlung, eine Sternwarte, einen botanischen

Garten, 3 Thea-

783

Toupet - Touristenvereine.

ter, ein Irrenhaus, eine Börse und eine Filiale der Bank

von Frankreich. T. ist der Sitz der Präfektur, eines

Erzbischofs (von T. und Narbonne), eines protestantischen

Konsistoriums, eines Appell- und Assisenhofs, eines

Handelsgerichts, einer Handelskammer und des 17.

Armeekorpskommandos. - Zur Zeit der Römer hieß T.

Tolosa, war die Hauptstadt der Volcae Tectosages und schon im 2.

Jahrh. v. Chr. eine reiche Handelsstadt und Mittelpunkt des

westeuropäischen Handels. In dem heiligen Teich des

großen Nationalheiligtums war der ungeheure Schatz von 15,000

Talenten versenkt, durch dessen Raub der Prokonsul Cäpio das

Aurum Tolosanum sprichwörtlich machte. Trotz mehrfacher

Eroberungen und Plünderungen war es auch im 4. Jahrh. n. Chr.

noch immer eine durch Handel, Reichtum und Wissenschaften

blühende Stadt. 413 von den Westgoten eingenommen, wurde sie

nun Residenz der Könige des westgotischen Reichs, bis Alarich

II. sie 507 an den Frankenkönig Chlodwig verlor. Von da an

wurde sie durch fränkische Grafen verwaltet und ward 631

Residenz der Herzöge von Aquitanien (s. d.). 721 wurden die

Araber von Eudo von Aquitanien bei T. besiegt. Nach dem Untergang

der Selbständigkeit Aquitaniens (771) war T. 778 wieder Sitz

einer Grafschaft, deren Dynastengeschlecht die Landschaften Quercy,

Albigeois sowie Teile der Graffch asten Auvergne und Aquitanien und

der Provence mit T. vereinigte. Die Grafen von T. führten

meist den Namen Raimund (s. Raimund von St.-Gilles), ihre Macht

ging in den Albigenserkriegen zu Grunde. Des letzten Grafen,

Raimunds VII., einzige Tochter, Johanna, vermählte sich mit

Ludwigs IX. Bruder, dem Grafen Alfons von Poitiers, dem sie T.

zubrachte. Als dieser 1271 nach einer kinderlosen Ehe starb,

vereinigte Philipp III. die Grafschaft T. für immer mit der

Krone Frankreich, nur den Titel eines Grafen von T. verlieh Ludwig

XIV. seinem dritten Sohn von der Montespan, Louis Alexandre de

Bourbon, Grafen von T. (geb. 6. Juni 1678, gest. 1. Dez. 1737). In

der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1562 wurden in T. gegen 4000

Hugenotten ermordet. Am 10. April 1814 erfocht die vereinigte

britisch-spanische Armee unter Wellington bei T. einen Sieg

über die Franzosen unter Soult. Vgl. Catel, Histoire des

comtes de T. (Toul. 1623); "T. Histoire, archéologie

monumentale, facultés, etc." (das. 1887); Jourdan, Panorama

historique de T. (2. Aufl., das. 1877).

Toupet (franz., spr. tupa), Haarbüschel, Bezeichnung

einer namentlich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts üblichen

Mode, die unmittelbar über der Stirn befindlichen Haare, auch

die der Perücke, rückwärts in die Höhe

gekämmt und gekräuselt zu tragen.

Tour (franz., spr. tuhr), Umlauf, Umdrehung, z. B. einer

Welle; Wendung (beim Tanz etc., auch in der Rede); Spaziergang,

Rundfahrt, Reise (daher Tourist, Vergnügungsreisender);

gewandt ausgeführter Streich; falsche Haarfrisur.

Tour (La T. du Pin, spr. tuhr du pang),

Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Isère, an

der Bourbre und der Eisenbahn Lyon-Grenoble, mit Lein- und

Seidenweberei, Fabrikation von Handschuhen und Posamentierwaren und

(1886) 3197 Einw.

Tour, Abbé de la, Pseudonym, s.

Charrière.

Touraine (spr. turähn), ehemalige franz. Landschaft,

von Orléanais, Berry, Poitou und Anjou begrenzt,

umfaßte das jetzige Departement Indre-et-Loire und einen Teil

des Departements Vienne. Sie bildete seit 941 eine besondere

Grafschaft, kam 1045 an die Grafen von Anjou, dann an die

Plantagenets und 1204 unter Philipp II. August an die Krone, ward

1360 zum Herzogtum erhoben und mehrmals an nachgeborne

französische Prinzen verliehen, aber 1584 nach dem Tode des

Herzogs Franz von Alençon, des Bruders Heinrichs III.,

wieder mit der Krone vereinigt. Wegen ihrer Fruchtbarkeit ward die

Landschaft der Garten Frankreichs genannt. Vgl. Bourassé, La

T., son histoire et ses monuments (Tours 1855); Carré de

Busserolle, Dictionnaire géographique, historique et

biographique de l'Indre-et-Loire et de l'ancienne province de T.

(das. 1878-84, 6 Bde.).

Tourcoing (spr. turkoang), Stadt im franz. Departement

Nord, Arrondissement Lille, Knotenpunkt der Eisenbahnen

Lille-Mouscron und Somain-Menin, nahe der belgischen Grenze,

Schwesterstadt von Roubaix, mit dem es immer mehr verwächst,

mit Collège, Gewerbekammer, Filiale der Bank von Frankreich,

zahlreichen Spinnereietablissements für Schafwolle, Baumwolle,

Flachs und Seide (zusammen 400,000 Spindeln), Wollkämmereien,

Webereien, Färbereien, Fabriken für Möbelstoffe,

Teppiche und Wirkwaren, Seife, Maschinen und Zucker, lebhaftem

Handel und (1886) 41,183 (Gemeinde 58,008) Einw. An hervorragenden

Bauwerken ist die Stadt arm. Hier 17. und 18. Mai 1794 Sieg der

Franzosen unter Pichegru über die Österreicher und

Engländer unter Clerfait.

Tourenzähler, Apparat zum Zählen der

Umdrehungen von Wellen, Rädern etc.

Touristenvereine (Gebirgsvereine) sind solche, deren

Arbeitsfeld vorwiegend sich auf Mittelgebirge oder Vorberge der

Hochalpen erstreckt, während Alpenklubs (vgl. Alpenvereine)

sich ausschließlich mit Hochgebirgen befassen; strenge

Grenzen lassen sich jedoch nicht ziehen. Die meisten T. sind in

Zweigvereine (Sektionen) gegliedert, die über ein

Vereinsgebiet zerstreut sind, und die durch eine Zentralgewalt

zusammengehalten werden. Jede Sektion arbeitet selbständig;

alle aber erstreben gemeinsam für ihr Gebiet das gleiche Ziel.

Verkehrserleichterungen, Erschließung und Verschönerung

von Aussichtspunkten und neuen Partien, Hebung der Regsamkeit und

Wohlfahrt der Gebirgsbewohner; ferner pflegen sie kleinere

populärwissenschaftliche Forschungen und gemeinsame Touren

etc. Fast jeder Touristenverein gibt eigne Jahresberichte heraus;

mehrere lassen vierteljährlich, monatlich oder halbmonatlich

Zeitschriften, außerdem Karten, Panoramen, Jahrbücher,

Spezialführer u. dgl. erscheinen. Die Summe, welche durch die

Kassen aller Touristen- und Alpenvereine zusammengenommen ins Land

fließt, beläuft sich pro Jahr auf ca. 400,000 Mk.,

ungerechnet die großen Umsätze, welche sie indirekt

hervorrufen. Im Deutschen Reich bestehen zur Zeit über 40 T.

mit ca 27,000 Mitgliedern (ohne die Sektionen des Deutschen und

Österreichischen Alpenvereins mit ca. 8000 Mitgliedern) und

zwar: Schwarzwaldverein (Freiburg i. Br., seit 1864, reorganisiert

1882, 2000 Mitglieder), Taunusklub (Frankfurt a. M., seit 1868,

reorganisiert 1882, 1000 Mitgl.), Vogesenklub (Straßburg i.

E., 1876, 3000 Mitgl.), Rhönklub (Fulda, 1876, 2000 Mitgl.),

Freigerichtenbund (Maisenhaus, 1876), Gebirgsverein für die

Sächsisch-Böhmische Schweiz (Dresden, 1877, 1500 Mitgl.),

Vaterländischer Gebirgsverein Saxonia (Dresden 1879),

Spessarttouristenverein (Hanau, 1879), Gebirgsverein Rathewalde

(1879), Gebirgsverein Lusatia (Zittau, 1880, 1200 Mitgl.),

Thüringerwaldverein (Eisenach, 1880, 2600 Mitgl.), Verein der

Spessartfreunde (Aschaffenburg, 1880, 500 Mitgl.), Gebirgsverein

Oybin (1880), Schlesischer Gebirgsverein für das

784

Tourn. - Tournai.

Riesengebirge (Hirschberg, 1880, 4000 Mitgl.), Heideklub

(Dresden, 1880), Gebirgsverein für die Grafschaft Glatz

(Glatz, 1881, 950 Mitgl.), Taunusklub Wetterau (Nauheim-Friedberg,

1881), Gebirgsverein für Öderan im Erzgebirge (1881),

Verband vogtländischer Touristenvereine (Plauen, 1881, 1000

Mitgl.), Vogelsberger Höhenklub (Schotten, 1881, 1000 Mitgl.),

Verschönerungsverein für das Siebengebirge (Bonn etc.,

1881), Touristenverein Annaberg-Buchholz (1881), Rheinischer

Touristenklub (Mainz, 1882), Odenwaldklub (Erbach, 1882, 1200

Mitgl.), Rhein- und Taunusklub (Wiesbaden, 1882), Im Spreegebiet

(Bautzen, 1882), Oberes Spreethal (Neusalza, 1882), Verband der

Gebirgsvereine des Eulen- und Waldenburger Gebirges (Reichenbach i.

Schl., 1882/83, 500 Mitgl.), Gebirgsverein Charlottenbrunn in den

Sudeten (1882), Bayrischer Waldverein (Bodenmais, 1883, 500

Mitgl.), Verschönerungsverein Naturfreund (Meißen, 1881,

400 Mitgl.), Verein Wendelsteinhaus (München, 1881),

Schweidnitzer Gebirgsverein (1883), Württembergischer

Schwarzwaldverein (Stuttgart, 1884), der Harzklub (Goslar, 1887,

mit 2400 Mitgl. in 23 Zweigvereinen), Westerwaldklub (Selters),

Eifelverein (Trier); ferner T. in Offenbach, Stettin, Köln,

Kassel, Potsdam, Bingen, Hannover etc. Die

Österreichisch-Ungarische Monarchie zählt über 25 T.

mit ca. 20,000 Mitgliedern ohne folgende 3 alpine Vereine:

Sektionen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (ca.

7000 Mitgl.), Österreichischer Alpenklub (ca. 600 Mitgl.),

Società degli Alpinisti Tridentini (ca. 500 Mitgl.) und

zwar: Österreichischer Touristenklub (Wien, 1869, ca. 10,000

Mitgl.), Steirischer Gebirgsverein (Graz, 1869, 2000 Mitgl.),

Ungarischer Karpathenverein (Käsmark, 1873, 3000 Mitgl.),

Kroatischer Gebirgsverein (Agram, 1874, 450 Mitgl.),

Lehrer-Touristenklub (Wien, 1874), Galizischer Tatraverein (Krakau,

1874, 2200 Mitgl.), Verein der Naturfreunde (Mödling, 1877,

400 Mitgl.), Nordböhmischer Exkursionsklub

(Böhmisch-Leipa, 1878, 1350 Mitgl), Gebirgsverein für die

Böhmische Schweiz (Tetschen, 1878, 350 Mitgl.), Böhmische

Erzgebirgsvereine (Karlsbad, Görkau, Oberleutensdorf,

Brüx, Komotau, Joachimsthal, Teplitz, Eger, Marienberg etc.,

seit 1879, ca. 2000 Mitgl.), Böhmischer Riesengebirgsverein

(Hohenelbe, 1880, 600 Mitgl.), Siebenbürgischer

Karpathenverein (Hermannstadt, 1880, 1500 Mitgl.), Sannthaler

Alpenklub (Cilli, 1880), Gebirgsverein in Gmünd in

Kärnten (1880), Gebirgsverein der mährisch-schlesischen

Sudeten (Gräfenberg, 1881, 1600 Mitgl.), Alpenklub Salzburg

(1881), Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs (Graz, 1881),

Touristenverein Hermagor in Kärnten (1882), Plattenseeverein

(1883), Società degli Alpinisti Triestini (Triest, 1883),

Mittelgebirgsverein in Aussig in Böhmen (1883), Deutscher

Böhmerwald-Bund (1884), Deutscher Gebirgsverein für das

Jeschken- und Isergebirge (Reichenberg in Böhmen, 1884, 600

Mitgl.); ferner kleinere alpintouristische Privatkreise in Graz und

Wien. In der Schweiz besteht außer dem Schweizer Alpenklub

nur der Club jurassien (Neuchâtel, 1868). In Frankreich

außer dem Club Alpin Français, der sich auch mit den

Pyrenäen und dem Atlas Algeriens beschäftigt, und der

Société Ramond in Bagnères de Bigorre

(Oberpyrenäen, seit 1865): Société des Touristes

du Dauphiné (Grenoble, 1875, 650 Mitgl.), Club Alpin

International (Nizza, 1879, mehr ein Cercle für

Kurgäste). In Italien außer dem Club Alpino Ita1iano und

der Società Alpina Friulana (Udine, l874); Circulo Alpino

dei Sette Comuni (Asiago), Club dei Monti Berici, Club Alpino di

Garafagnana. In andern Ländern: Club Alpin Belge

(Brüssel, 1883), Norske Turistforening (Christiania, 1868,

2000 Mitgl.), Associacio d'excursions Catalana (Barcelona, 1878,

500 Mitgl.), Himalaya-Club (Kalkutta, 1880), Appalachian

Mountain-Club (Boston, 1876, 700 Mitgl.), Rocky Mountain-Club

(Philadelphia, 1876), Alpine Club of Massachusetts (Williamstown,

1863), Krimscher Gebirgsklub (Odessa, 1889). Für das Deutsche

Reich besteht seit 1883 ein Verband deutscher T. (Zentralsitz in

Frankfurt a. M.), dem etwa 27 Vereine mit ca. 24,000 Mitgliedern

angehören. Organ des Verbandet ist die Zeitschrift "Der

Tourist" (Berl., seit 1887). Man kann auch in gewissem Sinn die

lokalen Verschönerungsvereine unter die Gebirgsvereine, bez.

T. rechnen, zumal sie, wie z. B. derzeit 1843 bestehende Verein zu

Wiesbaden, neben dem Londoner Alpine Club (von 1857 bis 1861 unter

dem Namen The Englishmen's Playground) zu den Vorläufern

unsrer gesamten touristischen Vereinsbewegung zu zählen sind.

Vgl. Köhler, Die touristischen Vereine der Gegenwart (Eisen.

1884); Nicol, Das touristische Vereinswesen (Wiesb. 1886).

Tourn., bei botan. Namen Abkürzung für

Tournefort (s. d.).

Tournachon (spr. -schóng), Schriftsteller, s.

Nadar.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 227 / 302 段