30,000 Mk. betragen. Der Smithsche T. (1872) ist dem vorigen

ähnlich; er wird durch den Druck flüssigen Ammoniaks

bewegt und mittels galvanischen Stroms gesteuert. Alle diese und

andre Offensivtorpedos werden von dem 1867 vom

österreichischen Kapitän Lupis und dem Ingenieur

Whitehead in Fiume erfundenen Fischtorpedo übertroffen,

welcher wegen seiner vorzüglichen Leistungen von fast allen

Kriegsmarinen eingeführt worden ist. Ein Whiteheadscher

Fischtorpedo ist ca. 4,5 m lang, bei einem größten

Durchmesser von 0,5 m; er besitzt kreisrunde Querschnitte und ist

an beiden Enden scharf zugespitzt. Sein Gewicht beträgt ca.

300 kg. Als treibende Kraft dient in eine besondere Abteilung des

Torpedos bis zu 100 Atmosphären Spannung eingepumpte Luft, die

bei ihrem Ausströmen eine Maschine treibt, durch welche zwei

vierflügelige Schrauben gedreht werden, die hintereinander

sitzen und sich gegeneinander bewegen, um das Drehen des Torpedos

zu verhüten. Um das Schiff in bestimmter Tiefe unter der

Wasserlinie zu treffen, hat der Fischtorpedo eine Einrichtung,

durch welche er auf eine bestimmte Wassertiefe gestellt werden

kann, und die, auf ein horizontales Ruder wirkend, die Wassertiefe

während der ganzen Dauer der Bewegung reguliert; ein zweites,

senkrecht stehendes Ruder dient zur Innehaltung der Richtung in

vertikaler Ebene. Der vorderste Teil des Torpedos enthält die

Sprengladung, die durch einen beim Anstoß funktionierenden

Zünder entzündet wird. Vier radial am Kopf sitzende

scharfe Messer verhindern bei schiefem Auftreffen an der

Schiffswand das Abgleiten. Die Geschwindigkeit des Torpedos wird

vor seinem Ablassen durch Stellung der Ventile bestimmt: werden

diese ganz geöffnet, so erreicht er in der ersten Sekunde eine

Geschwindigkeit von etwa 13 m und läuft fast 2 Seemeilen; bei

einer Anfangsgeschwindigkeit von 6,5 m erreicht er 2 Seemeilen

(3710 m). Mit der Geschwindigkeitsabnahme wachsen die Schwankungen

und nimmt die Treffsicherheit ab. Die Fischtorpedos wurden

früher aus Stahl, jetzt der bessern Konservierung halber aus

Phosphorbronze hergestellt. Ein T. kostet ca. 7500 Mk. Die

Fischtorpedos wurden zuerst aus unter Wasser, im Bug und Heck in

der Symmetrieebene des Schiffs fest eingebauten Lancierrohren

abgelassen, derart, daß die durchlaufene Bahn in der

verlängerten Mittellinie des Schiffs lag. Auch die

Einführung von über Wasser befindlichen Lancierrohren

änderte an letzterm Umstand nichts, so daß die dem T. zu

gebende Richtung demselben lediglich mit dem Schiff selbst erteilt

werden konnte, was bei bewegtem Wasser und sich schnell bewegendem

Zielobjekt mit geringen Treffchancen verknüpft ist.

Infolgedessen hat man zur Zeit zum Abschießen von

Fischtorpedos geschützartige Apparate, sogen. Torpedokanonen,

in Anwendung gebracht, welche, auf Deck stehend und um ein Pivot

drehbar, in ähnlicher Weise das Ziel zu nehmen gestatten wie

gewöhnliche Geschütze. Das Abschießen des Torpedos

aus dem Lancierrohr, resp. der Kanone geschah zuerst und geschieht

bei den ältern Apparaten auch jetzt noch mittels komprimierter

Luft; in neuester Zeit bringt man zu dem Zweck auch

Schießpulver zur Anwendung, welches man in der Torpedokanone

hinter dem als Geschoß fungierenden Torpedo zur Verbrennung

bringt. Wenn der T. das Lancierrohr oder die Torpedokanone

verläßt, stößt ein äußerlich

vorstehender Daumen gegen eine Knagge, hierdurch wird ein

entsprechender Hahn geöffnet, und nun beginnt die durch

komprimierte Luft betriebene Maschine ihre Thätigkeit. Die in

der vordern Spitze des Torpedos untergebrachte Sprengladung besteht

aus feuchter Schießbaumwolle. Obgleich der Fischtorpedo zur

Zeit an Bord von fast allen größern Kriegsschiffen

geführt wird, so findet derselbe seine Hauptanwendung doch auf

den sogen. Torpedobooten (Fig. 6 u. 7), deren fast

ausschließliche Bewaffnung derselbe bildet. Fast alle

Kriegsmarinen besitzen größere oder kleinere

Torpedobootflottillen, darunter Deutschland die mit am besten

organisierten. Die Boote sind aus Stahl gebaut und haben eine

Länge von ca. 40 m, die jedoch in neuester Zeit im Interesse

einer größern Ladefähigkeit (entweder um mehr

Torpedos nebst Munition, ein größeres Kohlenquantum oder

eine anderweitig vollkommnere Armierung, bestehend in

Schnellfeuerkanonen oder Revolvergeschützen, mitführen zu

können) keineswegs die Maximallänge repräsentiert.

Ihre scharfe Form und die bedeutende Kraft ihrer Maschinen

gestatten denselben, Geschwindigkeiten von 20 Knoten und

darüber zu erreichen. Derartig hohe Geschwindigkeiten

befähigen die Torpedoboote bei besondern Gelegenheiten,

speziell wenn es nicht darauf ankommt, ihren immerhin nur geringen

Kohlenvorrat vorzeitig zu erschöpfen, unter andern auch zu

Ekläreurdiensten und sind bei der Ausübung ihres Angriffs

auf feindliche Schiffe unerläßlich. Letztern hat man

sich in der Weise vorzustellen, daß eine größere

Anzahl von Booten entweder unter dem Schutz eines Geschwaders von

größern Schlachtschiffen oder von geeigneten Punkten der

Küste aus, vorzugsweise des Nachts, dem feindlichen Schiff so

schnell als möglich auf Schußweite nahe zu kommen sucht.

Dieses Manöver hat deswegen die Chance des Gelingens für

sich, weil das feindliche Schiff seine Aufmerksamkeit nicht auf

sämtliche angreifenden Boote gleich wirksam ausüben kann;

während es sich gegen einige derselben verteidigt, wird das

eine oder andre Boot Gelegenheit finden, seinen T. zu lancieren.

Die Verteidigungsmittel größerer Kriegsschiffe gegen

einen Angriff von Torpedobooten bestehen in schnell feuernden und

Revolverkanonen, deren Aufstellung an Bord so beschaffen ist,

daß das Schiff nach allen Richtungen hin feuern kann. Bei

einem nächtlichen Angriff wird dabei auch die weitere Umgebung

des Schiffs mittels elektrischen Bogenlichts erleuchtet, dessen

Reflektoren so eingerichtet sind, daß sie, um eine vertikale

Achse drehbar, den ganzen Horizont abzusuchen gestatten. Um nun

ihrerseits in dem Leuchtkegel des elektrischen Strahls nicht zu

früh als Torpedoboote erkannt zu werden, sind diese über

Wasser in allen ihren Teilen mit einer nicht reflektierenden

schwarzen Farbe gestrichen. Gelingt es einem Torpedoboot, innerhalb

der Schußweite der schnell feuernden Kanonen im elektrischen

Lichtkegel unbemerkt zu bleiben, so ist die Chance gegeben, bis zum

nächsten Beleuchtetwerden bis auf Torpedoschußweite

heranzukommen. Hieraus ergibt sich, wie große Anforderungen

an die Aufmerksamkeit eines einen Torpedobootsangriff erwartenden

Schiffs gestellt werden, und daß anderseits die von

Torpedobooten verzeichneten günstigen Erfolge zum Teil der

Unaufmerksamkeit des angegriffenen Schiffs zuzuschreiben sind. Bei

der Blockade von feindlichen Häfen, deren Verteidigung

Torpedobooten obliegt, tritt häufig der Fall ein, daß

die blockierenden Schiffe ankern müssen. Diese umgeben sich

alsdann mit sogen. Torpedoschutznetzen aus starkem Stahldraht,

welche an Spieren in einer gewissen Entfernung vom Schiff in

solcher Weise ausgebracht werden, daß der unter Wasser

befindliche Teil des Schiffs vollkommen durch die Netze

768

Torpedobatterie - Torre Annunziata.

maskiert wird. Ein auf das Schiff lancierter T. wird durch das

Netz aufgefangen und kommt nicht in unmittelbarer Nähe der

leicht verletzbaren Teile des Schiffsbodens zur Explosion, so

daß die Möglichkeit, durch dieselbe zum Sinken gebracht

zu werden, nur gering ist. Zum Sperren der Häfen und Reeden

mit Minen bedient man sich besonderer Boote, Minenleger und

Minenprahme; letztere dienen nur zum Transport, erstere zum

Auslegen der Minen, zu welchem Zweck sie Kräne zum

Aufhängen der Minen und Anker haben müssen, die in

neuerer Zeit meist korrespondierend an beiden Bordwänden

stehen, oder man benutzt hierzu das Bugspriet oder auch einen

Kranbalken am Heck (Fig. 8). - Über die gegen die Minen

anzuwendenden Schutzmittel hat man noch wenig Erfahrungen. Die

Leitungsdrähte von elektrischen Minen wird man durch

Schleppanker und Dreggen aufzufischen suchen und zerschneiden; man

wird Ketten und Taue über den Grund ziehen, um die Minen

selbst aufzufischen oder zur Explosion zu bringen, zu welchem Zweck

man kleine Boote vorschickt. Der Verteidiger aber wird sich

hiergegen dadurch sichern, daß er die Minensperre in den

Bereich des wirksamen Geschützfeuers legt und vor dieselbe

eine Kettensperre zieht. Hat man von der Lage der Minen Kenntnis,

so wird man zwischen dieselben Minen (Gegen- oder Quetschminen) zu

legen suchen oder hineintreiben, um durch deren Explosion die

Explosion der Sperrminen zu veranlassen. Man glaubt sogar, sich mit

schweren Geschossen einen Weg durch die Minensperre

erschießen zu können. Auch will man, wie im

Rettungswesen, mit einem Geschoß eine Leine über die

Sperre schießen und beim Zurückziehen derselben Minen

zerstören. Gegen Angriffe mit Spierentorpedos ist die

Wachsamkeit der beste Schutz. In den meisten Marinen hat man

für den Dienst mit Torpedos besondere Torpedokorps errichtet;

in denselben ist der Torpederleutnant ein Verwaltungsoffizier,

Obertorpeder und Torpeder sind Deckoffiziere erster und zweiter

Klasse, der Obertorpedersmaat ist Sergeant und der Torpedersmaat

Unteroffizier. Vgl. "Die Torpedos und Seeminen in ihrer

historischen Entwickelung" (Berl. 1878); "Submarine warfare

offensive and defensive" (New York 1869); "Des explosions au sein

de l'eau" und "Études sur les effets des explosions

sous-marines" in der "Revue maritime" (Par. 1877); Ehrenkrook, Die

Fischtorpedos (Berl. 1878); Derselbe, Geschichte der Seeminen und

Torpedos (das. 1878); Sleeman, Torpedos and Torpedo warfare (2.

Aufl., Lond. 1889); "Das Torpedowesen in der deutschen Marine"

(Berl. 1884).

Als Landtorpedos hat man Sprengkörper bezeichnet, wie sie

zuerst im nordamerikanischen Bürgerkrieg bei der Verteidigung

von Charleston, dann auch 1870 bei der Verteidigung von Paris

benutzt wurden, hölzerne oder eiserne, mit Sprengladung

versehene und auf Wegen, Defileen etc. oberflächlich in die

Erde vergrabene Gefäße, deren Zünder durch den

Fuß der darüber hinschreitenden Truppen in

Thätigkeit trat. Weitere Ausbildung erhielten die Landtorpedos

durch Zubovits. Er konstruierte fliegende Torpedos mit 2 kg

Sprenggelatine, die von den Feldtruppen mitgeführt werden,

Torpedos für feldmäßige Befestigung mit 10 kg und

solche für beständige Befestigungen mit 15-50 kg

Sprenggelatine. Seine Tritttorpedos explodieren beim Betreten der

Stelle, wo sie vergraben sind, die Berührungstorpedos beim

Wegräumen gewisser Hinderungsmittel (zurückgelassene

Wagen etc.), Beobachtungstorpedos bringt ein Beobachter mit Hilfe

von Abzugsdrähten im geeigneten Moment zum Spielen,

während die selbsttätigen Torpedos durch einen uhrartigen

Regulator zur bestimmten Zeit zur Explosion gebracht werden. Dies

System ist von mehreren Staaten angenommen worden. Lufttorpedos

(Aerobomben) sind Luftballons, welche mit Sprengstoffen geladene

Gefäße oder Geschosse über eine feindliche Festung

tragen und in dieselbe niederfallen lassen sollen.

Torpedobatterie, Kombination mehrerer

Unterwasserlancierrohre für Fischtorpedos, welche von zwei

fest miteinander verbundenen Pontons aus gleichzeitig gehoben,

geladen und unter Wasser gesenkt werden können. Dieselben sind

zur Verteidigung von Hafeneinfahrten bestimmt, bis jetzt jedoch

noch im Stadium des Versuchs.

Torpedoboot, s. Torpedo, S. 767.

Torpedogranaten, von Krupp für den 21 cm Mörser

hergestellte 6 Kaliber lange Gußstahlgranaten, welche eine

Sprengladung von 48 kg prismatischen Pulvers aufnehmen; aus ihnen

sind die jetzt in allen Artillerien gebräuchlichen Granaten

mit brisanter Sprengladung aus Schießwolle, Dynamit, Melinit

etc. hervorgegangen, welche aus 15 und 21 cm Mörsern

verschossen werden.

Torpid (lat.), schwer erregbar, empsindungslos.

Tórpor (lat., Torpidität), krankhaft

verminderte Erregbarkeit und Beweglichkeit, Stumpfsinn.

Torquatus, s. Manlius 2) und 3).

Torquay (spr. torkih), Stadt in Devonshire (England),

steigt terrassenförmig vom Meer an und wird von belaubten

Höhen mit zahlreichen Villen eingefaßt. Es ist eine alte

Stadt, wie die Ruine der Torabtei und die Tor Moham-Kirche, beide

aus dem 14. Jahrh., beweisen, ist aber erst seit Anfang des 19.

Jahrh. als beliebter Badeort wichtig geworden. T. hat einen

Kursaal, ein Museum, einen Zufluchtshafen für Jachten und

(1881) 24,767 Einw. Dabei Kent's Hole, eine Höhle, in der

zahlreiche Werkzeuge aus der Steinzeit und die Knochen

vorweltlicher Tiere gefunden wurden.

Torquemada (spr. -ke-), 1) Johannes de (Turrecremata),

Vertreter des Papalsystems, geb. 1388 zu Valladolid und schon als

Knabe dem Dominikanerorden übergeben. Seit 1431 magister sacri

palatii in Rom, nahm er an dem Baseler Konzil teil, erklärte

sich hier gegen die immaculata conceptio, aber auch gegen den von

der Majorität verfochtenen Satz von der Überordnung des

Konzils über den Papst. Ihm verlieh für seine dem Stuhl

Petri erwiesenen Dienste Eugen IV. den Titel eines "defensor fidei"

sowie den Kardinalshut. Er starb 1468 in Rom. Unter seinen

Schriften sind zu nennen: "Quaestiones Evangeliorum de tempore et

sanctis", ein Kommentar zum Dekret Gratians etc. Vgl. Lederer, Der

spanische Kardinal Joh. v. T. (Freiburg 1879).

2) Thomas de, span. Generalinquisitor; s. Inquisition, S.

971.

Torquieren (lat.), krümmend drehen (z. B. Tabak);

martern, peinigen, plagen.

Torr. et Gray, bei botan. Namen Abkürzung für

J. Torrey, Arzt in New York. Gray, s. Gray 6). Flora

Nordamerikas.

Torre Annunziata, Stadt in der ital. Provinz Neapel,

Kreis Castellammare, am Golf von Neapel, Knotenpunkt der

Eisenbahnen Neapel-Salerno und Cancello-Gragnano, hat bedeutende

Fabrikation von Maccaroni, Fischerei, einen Hafen, in welchem 1886:

2566 Schiffe mit 127,904 Ton. einliefen, Ausfuhr von Teigwaren,

Mehl und Steinen, Einfuhr von Getreide und Wein und (1881) 20,060

Einw.

769

Torre del Greco - Torstensson.

Torre del Greco, Stadt in der ital. Provinz Neapel, am

Golf von Neapel und an der Eisenbahn Neapel-Salerno, hat mehrere

Kirchen, zahlreiche Landhäuser, ansehnlichen Schiffbau,

Fischerei und Korallenfang, Fabrikation von Korallenwaren, Weinbau,

Schiffahrt und (1881) 21,588 Einw. T. ist der Hauptsitz der

Korallenfischer des Mittelmeers. Es wurde vom Kaiser Friedrich II.

auf den Ruinen römischer Bauten gegründet, litt sehr oft

durch Erdbeben und Ausbrüche des Vesuvs, so insbesondere 1631,

1794 und 1872. Unweit östlich das Kloster Camaldoli (della

Torre) am Hang des Vesuvs.

Torre de Moncórvo, Stadt in der portug. Provinz

Traz os Montes, Distrikt Braganza, unweit der Mündung des

Sabor in den Douro gelegen, mit Kastell, Seidenweberei und (1878)

2040 Einw.

Torrefaktion (lat.), Dörrung, Röstung (der

Erze).

Torre Maggiore (spr. maddschore), Stadt in der ital.

Provinz Foggia, Kreis San Severo, hat einen ehemals herzoglichen

Palast, ein berühmtes ehemaliges Cassinenserkloster und (1881)

8234 Einw.

Torrenssee (Lake Torrens), großer Salzsumpf in

Südaustralien, westlich von und zum Teil parallel mit der

Flinderskette und durch einen nur 31 km breiten Isthmus von dem

nördlichsten Ausläufer des Spencergolfs getrennt. Ein

Projekt, den See mit diesem zu verbinden, kam nicht zur

Ausführung, da der T., wie nachgewiesen wurde, zu hoch liegt,

um vom Meer aus hinlänglich mit Wasser gefüllt zu werden.

Die höchst öden Ufer sind nur an der Ostseite von

Viehzüchtern besetzt.

Torre Pellice (spr. pellihtsche. La Tour), Flecken in der

ital. Provinz Turin, Kreis Pinerolo, am Pellice und der Eisenbahn

Turin-T., Hauptort der Waldensergemeinden, hat ein Lycealgymnasium,

Tuch- und Baumwollmanufaktur, Seidenspinnerei und (1881) 2840

Einw.

Torres Novas, Stadt in der portug. Provinz Estremadura,

Distrikt Santarem, am Almondo und der Eisenbahn Lissabon-Oporto,

hat Leinenindustrie und (1878) 8065 Einw.

Torresstraße, Meerenge zwischen der Yorkhalbinsel

des Australkontinents und Neuguinea, welche das Arasurameer mit dem

Korallenmeer verbindet. Sie ist durch zahlreiche Inseln: Prince of

Wales, Horn, Thursday (s. d.), Booby, Banks, Mulgrave u. a., sowie

durch unzählige Korallenriffe, welche sich weit nach O. hin

erstrecken, fast verschlossen. Zwischen den Riffen führen

schmale Kanäle hindurch, der bedeutendste der Prince of

Wales-Kanal, welcher von den Postdampfern zwischen Batavia und

Brisbane benutzt wird. Der südlichere Teil heißt

Endeavourstraße (s. d.). Der erste, welcher die Straße

befuhr, war Torres (1606); Cook besuchte sie 1770, aber erst 1802

fand Flinders einen sichern Weg durch dieselbe.

Torres Vedras, Stadt in der portug. Provinz Estremadura,

Distrikt Lissabon, am Sigandro und der Bahnlinie Lissabon-T., mit

altem Schloß, 4 Kirchen. Weinbau und (1878) 4926 Einw. In den

Linien von T. auf einem Höhenrücken behauptete sich

Wellington im Winter 1810 auf 1811 gegen die Franzosen unter

Masséna.

Torrevieja, Stadt in der span. Provinz Alicante, am

Mittelländischen Meer, durch Zweigbahn mit der Linie

Alicante-Murcia verbunden, mit Hafen, starkem Export des in den

Salinen der Provinz gewonnenen Salzes (jährlich aegen 800,000

metr. Ztr.) und (1878) 8165 Einw. T. ist Sitz eines deutschen

Konsuls.

Torricelli (spr. -tschelli), Evangelista, Mathematiker

und Physiker, geb. 15. Okt. 1608 zu Piancaldoli, studierte etwa

seit 1628 in Rom unter Castelli, ging 1641 zu Galilei nach Florenz,

um diesem bei der Ausarbeitung seiner "Discorsi" zu helfen, und

ward 1642 Professor der Mathematik und Physik in Florenz, wo er 25.

Okt. 1647 starb. Er schrieb: "Trattato del moto" (vor 1641) und gab

in seinen "Opera geometrica" (Flor. 1644) die Gesetze vom

Ausfluß der Flüssigkeiten aus Gefäßen

(Torricellis Lehrsatz, s. Ausflußgeschwindigkeit). Er erfand

1643 das Barometer und erkannte die unregelmäßigen

Schwankungen desselben, verfertigte zuerst einfache Mikroskope und

verbesserte die Fernrohre. Vgl. J. R. v. Mayer, Die Torricellische

Leere (Stuttg. 1876).

Torricellische Leere und Röhre, s. Barometer.

Tórrington, alte Stadt in Devonshire (England), am

Torridge, südöstlich von Bideford, hat Fabrikation von

Handschuhen und (1881) 3445 Einw.

Torsellino (lat. Tursellinus), Orazio, Gelehrter, geb.

1545 zu Rom, trat 1562 in den Jesuitenorden, ward Rektor der

Kollegien in Florenz und Loreto; starb 6. April 1609 in Rom. Sein

Werk "De usu particularum latini sermonis" (Rom 1598) ward zuletzt

von Hand (Leipz. 1829-45, 4 Bde.) bearbeitet.

Torshok, Kreisstadt im russ. Gouvernement Twer, an der

Twerza und der Eisenbahn Ostaschkow-Rshew, eine der ältesten

Städte Rußlands und früher Festung, hat 30 Kirchen

(darunter eine schöne Kathedrale), ein festungsartig gebautes

Mönchskloster zum heil. Jephrem, ein geistliches Seminar, ein

Lehrerseminar, berühmte Fabrikation von Lederwaren,

Wachsbleichen, lebhaften Handel u. (1885) 14,574 Einw.

Torsion (lat., Drillung, Verdrehung), die

Veränderung, welche ein Stab oder Faden erleidet, wenn beide

Enden desselben in entgegengesetzter Richtung gedreht werden.

Während die Längenachse hierbei unverändert bleibt,

werden alle Längsfasern in eine schraubenförmige Lage

gebracht und dabei gedehnt. Dadurch entsteht eine Spannung in dem

tordierten Körper, die Torsionselastizität, welche

denselben in seine ursprüngliche Beschaffenheit

zurückzuführen sucht. Die zurückdrehende Komponente

dieser Spannung ist nach Coulomb und Wertheim proportional dem

Dreh- oder Torsionswinkel, ferner der vierten Potenz des Radius vom

Draht und umgekehrt proportional der Länge des

Torsionskörpers. - T. in der Botanik, s.

Drehwüchsigkeit.

Torsionsfestigkeit, s. Festigkeit, S. 177.

Torsionswage, s. Drehwage.

Torso (ital., "Strunk"), in der Kunstsprache der Rumpf

einer Bildsäule, welcher Kopf, Arme und Beine fehlen.

Berühmt ist der im Vatikan und zwar in der Belvedere genannten

Abteilung der Museen aufgestellte T. des Herakles ("T. vom

Belvedere"), welcher unter Papst Julius II. beim Campo di Fiore

gefunden worden ist, ein Werk des Bildhauers Apollonios (s. d. 4).

Von hervorragender Bedeutung ist auch der T. des sogen. Ilioneus in

der Münchener Glyptothek.

Torstensson, Linnard, Graf zu Ortala, schwed. Feldherr im

Dreißigjährigen Kriege, geb. 17. Aug. 1603 zu Torstena

in Schweden, ward in seinem 15. Lebensjahr Page Gustav Adolfs, kam

1630 als Kapitän der Leibkompanie mit dem König nach

Deutschland, ward bei dem Sturm auf Wallensteins Lager bei

Nürnberg 3. Sept. 1632 gefangen, im Februar 1633

ausgewechselt, stand dann beim schwedischen Heer in Livland, kehrte

1635 nach Deutschland zurück, machte bis 1639 unter dem Herzog

Bernhard von Weimar und Banér alle Feldzüge mit und

blieb dann als Reichsrat in Schweden bis 1641. Nach Banérs

Tod mit dem Oberbefehl über die Armee

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.

49

770

Torsus - Tory und Whig.

in Deutschland betraut, drang er, wiewohl durch Gichtleiden

stets an die Sänfte gefesselt, im Mai 1642 durch Sachsen in

Schlesien ein, nahm Glogau und Schweidnitz, rückte in

Mähren ein und eroberte Olmütz. Erzherzog Leopold und

Piccolomini zwangen ihn jedoch zum Rückzug nach Sachsen, wo er

2. Nov. d. J. auf der Ebene bei Breitenfeld einen blutigen, aber

glänzenden Sieg erfocht und dann Leipzig nahm. Um sein Heer

durch die Besatzungen Schlesiens und Pommerns zu verstärken,

ging er mit demselben im Frühjahr bis nach Frankfurt a. O.

zurück, eilte dann wieder über die böhmische Grenze,

bedrohte Prag und entsetzte das bedrängte Olmütz. Infolge

von Dänemarks Kriegserklärung an Schweden im Dezember

1643 nach Holstein berufen, eroberte er, mit Ausnahme der Festungen

Rendsburg und Glückstadt, die ganze Halbinsel. Darauf nach

Deutschland zurückgekehrt, schlug er 6. März 1645 den

kaiserlichen General Hatzfeld bei Jankau, vereinigte sich sodann

mit dem Fürsten Rakoczy von Siebenbürgen, eroberte im

Fluge ganz Mähren, drang bis an die Donau vor und nahm die

Schanzen an der Wolfsbrücke vor Wien. Um in Mähren festen

Fuß zu fassen, begann er alsdann die Belagerung von

Brünn; allein der hartnäckige Widerstand dieses Platzes,

die Verheerungen, welche eine pestartige Seuche unter seinen

Truppen anrichtete, und der Friede Rakoczys mit dem Kaiser

nötigten ihn im August zum Rückzug nach Böhmen. Von

Krankheit erschöpft, legte er den Oberbefehl in die Hände

des Generals Wrangel nieder und begab sich zurück nach

Schweden. Von der Königin Christine 1647 zum Grafen zu Ortala

ernannt, starb er 7. April 1651 in Stockholm. Vgl. Watts de

Peyster, Eulogy of T. (New York 1872).

Torsus, Fluß, s. Tirso.

Tort (lat. tortum), eine jemand absichtlich

zugefügte Beleidigung; Unrecht, Verdruß, Unbilde.

Törteln, Kartenspiel, s. Tatteln.

Torticollis (lat.), s. v. w. Schiefhals (s. d.).

Tórtola, britisch-westind. Insel, zu den

Jungferninseln (s. d.) gehörig, 64 qkm (1,67 QM.) groß

mit 4000 Einw., erzeugt Zucker, Baumwolle und Kaffee. Hauptort ist

Roadtown.

Tortona, Kreishauptstadt in der ital. Provinz

Alessandria, unfern der Scrivia, an der Eisenbahn

Mailand-Novi-Genua, mit welcher sich hier die Linie

Turin-Alessandria-Piacenza kreuzt, ist Sitz eines Bischofs und

eines Handelsgerichts, hat eine sehenswerte Kathedrale (mit

interessantem antiken Sarkophag), ein Theater, Reste alter

Festungswerke (1799 von den Franzosen geschleift), ein Gymnasium,

eine Notariatsschule, ein Seminar, eine technische Schule,

Seidenspinnerei, Fabrikation von Baumwollwaren, Hüten, Leder

und Ackerbauwerkzeugen und (1881) 7147 Einw. - T. ist das antike

Dertona. Von Kaiser Friedrich Barbarossa 1155 erobert und

zerstört, ward es von den Mailändern wieder aufgebaut.

1796 den Franzosen übergeben, wurde es 1799 von den

Österreichern zwar wiedererobert, aber infolge der Schlacht

von Marengo aufs neue geräumt.

Tortonische Stufe, s. Tertiärformation, S. 601.

Tortosa, befestigte Bezirksstadt in der span. Provinz

Tarragona, am Ebro (mit Schiffbrücke) und an der Bahnlinie

Valencia-Tarragona, hat eine Kathedrale, 3 Forts, Fabrikation von

Porzellan, Steingut, Seife, Papier, Leder etc., Seesalzgewinnung,

lebhaften Handel (mit Öl, Salz etc.) und (1878) 24,057 Einw.

T. ist Bischofsitz.

Tortrix, Wickler; Tortricina, Familie aus der Ordnung der

Schmetterlinge, s. Wickler.

Tortúga (Tortue, "Schildkröte"), 1) westind.,

zur Republik Haïti gehörige Insel an der Nordküste

Haïtis, 35 km lang, bewaldet und fruchtbar, aber unbewohnt.

-

2) Eine der Inseln unter dem Wind, in Westindien, 90 km von der

Küste von Venezuela, 60 qkm groß und unbewohnt.

Tortúgas ("Schildkröten"), Gruppe von

Koralleninselchen im Golf von Mexiko, am westlichen Ende des Riffs

von Florida, zwei mit Leuchttürmen und einem Fort (Jefferson)

der Vereinigten Staaten.

Tortur (lat., Marter, Folter, harte oder peinliche

Frage), im frühern Strafverfahren Erregung körperlicher

Schmerzen, um vom Angeschuldigten Geständnisse zu erpressen.

Im römischen Reich wurde die T. anfangs nur gegen Sklaven,

später auch gegen Freie und zwar zuerst bei

Majestätsverbrechen angewendet. In Deutschland fand die T.

durch das römische Recht und durch das Beispiel der

italienischen Praxis Eingang, gelangte aber bei dem Aberglauben und

der religiösen Intoleranz des 16. und 17. Jahrh. zur

ausgedehntesten Anwendung, indem sie zu einem furchtbaren Mittel

ward, Schuldige und Unschuldige zum Geständnis zu bringen. Man

verfolgte im blinden Eifer, die göttliche Vorsehung

nachzuahmen, die Verbrecher als Sünder, und der grausame Sinn

der Zeit mit dem Aberglauben im Bund und mit der T. in der Hand

belegte eine unglaubliche Menge Unschuldiger als Zauberer und Hexen

mit den ungerechtesten Strafen. Mittel der T., welche mehrere Grade

hatte, waren z. B. Peitschenhiebe bei ausgespanntem Körper,

Zusammenpressen der Daumen oder der Beine mittels

Schraubstöcke mit abgestumpften Spitzen (spanische Stiefel,

spanischer Bock), Ausrecken des Körpers auf einer Bank oder

Leiter, Brennen in der Seite oder an den Nägeln. Bevor man zur

T. selbst schritt, wurde häufig mit derselben unter Vorzeigung

oder Anlegung der Folterwerkzeuge gedroht (sogen. Territion). Die

peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532 suchte zwar die

T. zu beschränken, indem niemand ohne hinreichende

Verdachtsgründe gefoltert werden sollte; auch sollte das

Geständnis nur dann gültig sein, wenn es nicht

während der Marter, sondern erst, wenn der Scharfrichter mit

derselben nachgelassen, zu Protokoll erklärt und zwei oder

drei Tage nachher vor gehörig besetztem Gericht wiederholt

(Urgicht) worden sei. Indessen war damit doch nur wenig Sicherheit

gegen die Erpressung unwahrer Aussagen und Geständnisse

geboten, zumal die T. fortgesetzt, gesteigert und wiederholt werden

durfte, wenn der Gepeinigte das Geständnis, zu dem er

während der T. sich bereit gezeigt, nachmals verweigerte oder

zurücknahm. Wie in Deutschland, fand die T. auch in Frankreich

und in andern europäischen Ländern, am wenigsten in den

nördlichen, Eingang. Schon im 16. Jahrh. erhoben sich Stimmen

gegen die T.; aber erst Thomasius, Beccaria, Voltaire, Sonnenfels,

J. Möser vermochten der Überzeugung von ihrer

Unmenschlichkeit allgemeine Geltung zu verschaffen. Zuerst (1740

und 1754) wurde die T. in Preußen abgeschafft, dann in Baden

1767, Mecklenburg 1769, Sachsen und Dänemark 1770,

Österreich 1776, Frankreich 1789, Rußland 1801, Bayern,

Württemberg 1809, in Gotha ausdrücklich erst 1828 und in

Hannover 1840. Vgl. Wächter, Beiträge zur deutschen

Geschichte (Tübing. 1845).

Torus (lat.), Pfühl, Polster; Ehebett; der Wulst an

der Basis der ionischen Säule (s. Säule, S. 350); in der

Botanik der Blütenboden (s. Blüte, S. 70).

Tory und Whig (engl., im Plural Tories und Whigs), alte

Parteinamen der engl. Aristokratie,

771

Törzburg - Toscana.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 223 / 302 段