Hauptbestandteil des Gepäcks der Fußsoldaten, meist
viereckiger Behälter, aus einem Holzgestell mit wasserdichtem
Überzug von Fellen oder präpariertem Segeltuch bestehend,
wird an zwei Riemen oben auf dem Rücken getragen, dient nebst
dem Brotbeutel zum Fortschaffen der nicht am Körper
befindlichen Ausrüstungsstücke des Soldaten.
Toro (Bocas del T.), Bezirk des Staats Panama, s.
Chiriqui.
Toro, Bezirksstadt in der span. Provinz Zamora, rechts am
Duero (mit schöner Brücke) und an der Eisenbahn
Medina-Zamora, mit (1878) 7754 Einw.
Torontál, ungar. Komitat, längs der Maros und
Theiß, wird von diesen Flüssen, der Donau und vom
Komitat Temes begrenzt, umfaßt 949 qkm (172,4 QM.), ist eben,
sehr fruchtbar, hat viele Sümpfe und Moräste und (1881)
530,988 Einw. (Deutsche, Serben, Ungarn und Rumänen), welche
Ackerbau und Viehzucht, lebhaften Handel und Schiffahrt treiben,
und wird von der Szegedin-Temesvárer Bahnlinie sowie vom
Begakanal durchschnitten. Komitatssitz ist die Stadt
Groß-Becskerek.
Torónto, Hauptstadt der britisch-amerikan. Provinz
Ontario, an der westlichen Nordküste des Ontariosees und an
einem vortrefflichen, durch ein Fort beschützten Hafen
gelegen, ward 1794 (unter dem Namen York) angelegt und nahm 1834
den jetzigen indianischen Namen an, der "Versammlungsort" bedeutet.
T. ist jetzt eine der blühendsten Städte Nordamerikas,
mit stattlichen öffentlichen Gebäuden und
Privathäusern, aber flacher, reizloser Umgebung. Es ist
Hauptsitz der höhern Bildungsanstalten Kanadas. Es hat eine
1827 gegründete Universität mit Sternwarte und Museum, 3
theologische Colleges, 2 Arznei- und eine Tierarzneischule, eine
Lehrerbildungsanstalt, ein Gymnasium und 2 Museen. Unter den
zahlreichen Kirchen zeichnen sich die anglikanische und katholische
Kathedralen aus. Andre öffentliche Gebäude sind: der
oberste Gerichtshof Kanadas (Osgoode hall), das Stadthaus, Zollamt,
die Börse, eine große Markthalle, ein Kristallpalast
für landwirtschaftliche Ausstellungen, ein Krankenhaus und
eine Irrenanstalt. Der Handel blüht ungemein, indem Torontos
günstige Lage es zum Haupthafen der westlichen Distrikte
Kanadas gemacht hat (Wert der Einfuhr 1887: 21 Mill., der Ausfuhr
3,2 Mill. Doll.). Die Stadt hat Möbelfabriken,
Gießereien, Brennereien, Brauereien, Korn- und
Papiermühlen. Die Bevölkerung wuchs 1817-81 von 1200 auf
86,415 Seelen. T. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Toropez, Kreisstadt im russ. Gouvernement Pskow, an der
Toropa, mit vielen griechisch-russ. Kirchen, 2 Klöstern,
zahlreichen Gerbereien u. (1887) 6811 Einw.
Torossen, s. Eis, S. 399.
Torpeder, der Mann, welcher den Torpedo handhabt; s.
Torpedo, S. 768.
Torpedo, Zitterroche, s. Rochen.
Torpedo (hierzu Tafel "Torpedos"), ein mit Explosivstoff
gefüllter, namentlich zum Zerstören feindlicher Schiffe
dienender Apparat, nach dem Zitterrochen benannt. David Bushnell
(geb. 1742 zu Connecticut, gest. 1826 in Georgia) baute 1776 ein
steuerbares submarines Boot, mit dessen Hilfe man eine Holzschraube
in den Rumpf des feindlichen Schiffs schrauben und an diese ein mit
Pulver gefülltes Gefaß hängen konnte, das in
bestimmter Zeit durch ein Uhrwerk zur Explosion gebracht wurde.
Diese Erfindung hatte aber so wenig Erfolg wie die Bushnellschen
Treibtorpedos, welche, mit dem Strom gegen die feindlichen Schiffe
treibend, durch den Anstoß an dieselben explodieren sollten.
Robert Fulton konstruierte 1797 ebenfalls ein unterseeisches Boot,
machte mit demselben 1801 im Hafen von Brest gelungene
Sprengungsversuche, wandte sich aber, da er keine Anerkennung fand,
1804 nach England und begleitete eine Expedition nach Boulogne, um
die dort liegende französische Flotte durch Seeminen, die man
Catamaran ("Floß", daher "Catamaran-expedition") nannte, zu
zerstören. Die mit 40 Fässern Pulver gefüllten
Catamarans sollten durch ein Uhrwerk zu bestimmter Zeit
entzündet und durch den Strom gegen die feindlichen Schiffe
geführt werden, hatten aber nur einen sehr geringen Erfolg.
1806 nach Amerika zurückgekehrt, veröffentlichte Fulton
in seinem Buch "T. war, or submarine explosions" (1807) noch viele
Projekte, welche zum Teil erst in neuerer Zeit verwirklicht wurden.
Samuel Colt (Erfinder des Revolvers) sprengte 1842 mehrere
verankerte Schiffe und 1843 ein solches, das mit 5 Seemeilen Fahrt
lief, mittels elektrischer Zündung aus einer Entfernung von 5
Seemeilen in die Luft. In dem T. wurde durch eine Vorrichtung bei
der Berüh-
Torpedos.
Fig. 4. Torpedoboot mit Stangen-Torpedo.
Fig. 1. Kontakt-Torpedo.
Fig. 8. Auslegen von Kontakt-Torpedos.
Fig. 5. Elektrisch steuerbarer Fisch-Torpedo.
Fig. 2. Chemisch wirkender Zünder des Kontakt-Torpedos.
Fig. 3. Treib-Torpedo.
Fig. 6. Durchschnitt. a Lancierrohr b Torpedolager c Kessel d
Maschine e Raum für Offiziere f Raum für Mannschaft g
Schraube h Revolverkanonen i Kommandotürme k Reserveschraube l
Beiboot m Masten mit Segeln, nur zur Überführung nach
China n Podest für Schnellfeuerkanonen o Schnellfeuerkanonen p
Luke oberhalb der Maschine q Ventilator r Luken zum Maschinen- und
Kesselraum s Bugruder
Fig. 7. Grundriß
Fig. 6 u. 7. Hochsee-Torpedoboot, für die chinesische
Regierung erbaut.
Zum Artikel »Torpedo«.
765
Torpedo (Defensiv- und Offensivtorpedos).
rung mit dem Schiffsboden ein metallischer Kontakt
hervorgebracht, der den richtigen Augenblick für die
Zündung am Land signalisierte. Die hierbei benutzten
Leitungsdrähte (so viel bekannt, die ersten submarinen Kabel)
waren durch eine Mischung von Asphalt und Wachs isoliert. 1848
führten Himly und Werner Siemens zum Schutz gegen die
dänische Flotte eine Hafensperre in Kiel aus. Es wurden
ausgepichte, mit 20 Ztr. Pulver gefüllte Fässer, in
welche zwei Leitdrähte geführt waren, deren
Verbindungsdraht in Schießbaumwolle lag, 6 m tief verankert.
Am Strand waren zwei Beobachtungsstellen angelegt, von denen aus
das Passieren einer Mine beobachtet wurde. Im Krimkrieg verwendete
man elektrische, vom Land aus zu zündende Grundminen (auf dem
Grund liegend) und Stoß- oder Kontaktminen, die durch den
Anstoß des Schiffs zur Explosion gebracht werden sollten. Der
Zünder der letztern bestand aus einer mit Schwefelsäure
gefüllten Glasröhre, bei deren Zerbrechen sich die
Säure über ein Gemisch von chlorsaurem Kali und Zucker
ergoß, wodurch dieses und somit die Mine zur Explosion
gebracht wurde. Über den Zünder war eine Schutzkappe aus
Blei geschraubt (s. Tafel, Fig. 1 u. 2, Kontakttorpedo und
Zünder desselben). Ihre allgemeine Einführung als
Kriegsmittel und ihre heutige Bedeutung verdanken die Torpedos dem
amerikanischen Bürgerkrieg. Im Februar 1862 fanden die
Nordstaaten die erste Torpedosperre im Savannahfluß; im
Oktober d. J. organisierten die Südstaaten das erste
Torpedokorps, anfänglich unter Leitung von F. M. Maury, dann
unter dem General Rains. Von den sich jetzt andrängenden
zahllosen Torpedoerfindungen fanden folgende vorzugsweise
Verwendung: Die Pfahl-, Rahmen- oder Gerüstminen zur Sperrung
von Hafeneinfahrten waren auf eingerammtem Pfahlwerk befestigte
Sprengkörper mit 12½ kg Pulver, deren Zünder durch
Anstoß funktionierte. Die Treib- oder Faßtorpedos waren
verpichte, mit 40 bis 60 kg Pulver gefüllte Fässer, meist
mit mehreren Kontaktzündern, zuweilen auch mit Uhrwerk
versehen, die mit angehängtem Ballast unter der
Oberfläche schwammen und durch den Strom gegen die
Blockadeschiffe getrieben wurden. Der auf beifolgender Tafel
dargestellte Treibtorpedo (Fig. 3) hat einen
Perkussionszünder, welcher erst funktioniert, wenn die Mine
zum Stillstand kommt; dann wird durch den Strom die Schraube mit
Flügeln in Drehung versetzt, wodurch das aus der Drehachse
verschiebbare Gewinde so weit fortgleitet, bis die Hahnsicherung
frei wird; sofort schlägt der Hahn herunter auf ein
Zündhütchen und bringt dieses und die Mine zur Explosion.
Da die Treibminen nicht selten den eignen Schiffen gefährlich
wurden, wenn sie der Gegenstrom bei eintretender Flut
zurückführte, so wendete man zur Sperrung der Häfen
vielfach schwimmende Torpedos an, die, am Grund verankert, durch
einen Schwimmer von Korkholz getragen wurden. Nach der Konstruktion
von Singer war das mit der Basis nach oben gekehrte
Minengefäß von der Form eines abgestumpften Kegels durch
einen lose aufliegenden Deckel geschlossen, welcher herunterfiel,
sobald die Mine beim Anstoß eines Schiffs sich nach einer
Seite neigte; im Herunterfallen löste er die Hemmung eines
Schlaghahns aus, der nun eine Zündpille durch Schlag
entzündete, worauf die Mine explodierte. Durch das Bewachsen
mit Muscheln wurde aber der Mechanismus aller komplizierten
Zündvorrichtungen häufig sehr bald in seiner Gangbarkeit
gestört, die Schwimmkraft der Minen vermindert und dadurch
ihre zeitgerechte Explosion fraglich. Eine furchtbare Waffe waren
die Uhrwerktorpedos oder Höllenmaschinen, gewöhnliche
Warenkisten, mit Pulver gefüllt und mit einem Uhrwerk
versehen, das zu bestimmter Zeit die Explosion bewirkte. Die
Kohlentorpedos waren gußeiserne Gefäße, durch
Bestreichen mit Teer und Bekleben mit Kohlengruß den
großen Kohlenstücken täuschend ähnlich
gemacht. Sie wurden, mit Pulver gefüllt, unter Kohlen gemischt
und explodierten in der Kesselfeuerung der Dampfschiffe, die dann
sofort versanken. Durch solche Kisten- und Kohlentorpedos ist
wahrscheinlich eine große Anzahl Schiffe der Nordstaaten
zerstört worden, deren spurloses Verschwinden nur so
erklärt werden kann. Außer den genannten kamen noch
elektrische Minen mit 20-30 Ztr. Pulver erfolgreich zur Verwendung.
Bei diesen wurden die mit Guttapercha und geteertem Hanf isolierten
Leitungsdrähte durch einen dünnen Platindraht
(Glühdraht) verbunden, welcher in einem mit Knallquecksilber
oder Mehlpulver gefüllten Zünder steckte.
Hatten die bisherigen Torpedos mit Erfolg ausschließlich
der Verteidigung gedient, so lag es nahe, dieselbe Waffe auch beim
Angriff zu verwenden, und man löste die Aufgabe nach Fultons
Vorschlag, indem man an der Spitze langer Stangen einen T. mit
Kontaktzünder befestigte und denselben unter den Boden des
feindlichen Schiffs schob (s. Tafel, Fig. 4). Hierzu bediente man
sich der Ruderboote oder kleiner Dampfbarkassen und besonders
für diesen Zweck erbauter eiserner Dampfboote in Zigarrenform,
die ihrer Kleinheit wegen Davids genannt wurden. Auch Bushnells
Idee der unterseeischen Boote trat wieder ins Leben; 17. Febr. 1864
wurde im Hafen von Charleston der Hausatonic durch ein solches
gänzlich zerstört, mit ihm aber auch das Boot. Nach
solchen Erfolgen traten alle Staaten dem Torpedowesen näher.
Überall wurden Kommissionen zur Prüfung des Vorhandenen,
Ausführung von Versuchen und entsprechenden Neukonstruktionen
eingesetzt. Man teilte die Torpedos in Defensiv- und
Offensivtorpedos und nannte erstere Seeminen, letztere kurzweg
Torpedos. Die im amerikanischen Krieg so viel verwendeten
Treibtorpedos verwarf man in Rücksicht auf die Gefahr, die sie
bei eintretendem Rückstrom oder bei Offensivbewegungen den
eignen Schiffen bringen, gänzlich. Alle Seeminen wurden
verankert und mit Auftrieb versehen, so daß sie in bestimmter
Wassertiefe schwimmend erhalten wurden. Die Zündung der Minen
erfolgte durch Kontakt- oder durch elektrische Zünder. Jene,
die Stoßminen, haben den Vorzug großer Einfachheit;
aber ihr gefahrvolles Auslegen und Wiederaufnehmen sowie die
Sperrung der Ausfahrt auch für die eignen Schiffe mußten
ihre Verwendung auf den zu beiden Seiten für den eignen
Verkehr freizulassenden Teil des Fahrwassers beschränken,
während in dem durch sie nicht gesperrten Wasser
Beobachtungsminen so tief versenkt wurden, daß die Fahrt auch
bei Ebbe für die größten Schiffe frei blieb. Die
alleinige Verwendung von elektrischen Beobachtungsminen ist bei
größerer Zahl durch die Kabelleitung (zwei Drähte
für jede Mine) nicht nur sehr kostspielig, sondern auch in
Bezug auf sichere Beobachtung kaum durchführbar. Alle bis
jetzt bekannt gewordenen Vorrichtungen zur Bestimmung des
Augenblicks, wann sich ein Schiff über einer der Minen
befindet, sind kompliziert und bei Nacht, Nebel und Pulverdampf
nicht zu gebrauchen. Den Apparaten liegt die Idee zu Grunde, durch
den Schnittpunkt zweier Visierlinien den Moment zu bestimmen, wann
sich ein
766
Torpedo (ältere und neuere Konstruktionen).
Schiff über der Mine befindet. Bei den meisten Apparaten
sind zwei Meßtische aufgestellt, deren Abstand als Basis
für das Beobachtungsdreieck genügend groß sein
muß. Auf jeder der beiden Meßtischplatten, auf denen
die ausgelegten Minen durch Punkte bezeichnet sind, steht ein
Fernrohr, und es handelt sich nun darum, dem Fernrohr an der
Zündstation die Bewegungen des andern synchronistisch
mitzuteilen, zu welchem Zweck beide Meßtische durch eine
elektrische Leitung verbunden sind. Durch dieselbe wird mit Hilfe
mechanischer Einrichtungen auf der Zündstation ein Zeiger oder
Lineal parallel der Fernrohrachse der andern Station bewegt. Bilden
nun die Verbindungslinie der beiden senkrechten Fernrohrachsen und
die Visierlinien der beiden Fernrohre das wirkliche
Beobachtungsdreieck, so wird durch das synchronistisch bewegte
Lineal auf der Zündstation stets ein jenem ähnliches
Dreieck dargestellt, und wenn die in die See fallende Spitze des
Dreiecks auf einen Minenpunkt fällt, so ist der Moment
für die Stromschließung der Zündbatterie und die
Explosion der Mine gekommen. In Deutschland ist ein derartiger
Apparat von Siemens und Halske im Gebrauch. Aus allem diesen geht
hervor, daß nur eine solche Zündeinrichtung der Minen
befriedigen konnte, welche die Vorteile des Kontakt- und
elektrischen Zünders ohne deren Nachteile vereinigt. Dies war
bereits 1866 vom österreichischen Obersten v. Ebener erkannt
worden, und es gelang ihm, eine solche Vorrichtung herzustellen,
bei welcher durch den Stoß des Schiffs die
Stromschließung der Leitung selbstthätig in der Weise
erfolgte, daß eine federnde Pufferstange beim Anstoß
ein Rad in Bewegung setzte, wodurch zunächst die
Stromschließung, sodann aber die Einschaltung der
Zündpatrone in den Stromkreis stattfand. War nun die
Zündbatterie am Land eingestellt, so erfolgte die Explosion;
andernfalls ging der Puffer nach Einwirkung des Schiffs auf
denselben wieder zurück, ohne daß eine Entzündung
eintrat. Diese Minen gestatteten also die freie Durchfahrt, solange
die Zündbatterie am Land nicht eingeschaltet war, ganz wie die
Beoachtungsminen und verhielten sich nach deren Einschaltung wie
Stoßminen. Wegen der Kompliziertheit der mechanischen
Einrichtung sind diese Minen indes nicht mehr in Verwendung.
Vorteilhafter erwies sich der Hertzsche elektrische Zünder,
der beliebig lange in Wirksamkeit bleibt, aber erst dann in
Thätigkeit tritt, wenn durch den Anstoß eines Schiffs
seine Kohlenzinkelemente mit einer erregenden Flüssigkeit in
Verbindung gebracht werden; die Entzündung erfolgt aber auch
dann nur, wenn noch ein Leitungsdraht zum Meeresboden führt.
Das gefahrlose Auslegen dieser Minen ist dadurch gesichert,
daß erst nach einstündigem Liegen im Wasser die
elektrische Batterie des Zünders wirkungsfähig wird;
inzwischen bleibt jedes Berühren des Torpedos ohne Erfolg. Die
Gefahr des Aufnehmens ist vollständig beseitigt, sobald der
Draht vom Meeresboden gehoben oder durchschnitten ist. Zu diesem
Zweck vereinigt man die Drähte einer größern Anzahl
von Minen an einem außerhalb ihrer Wirkungssphäre
liegenden und nur dem Eingereihten bekannten Punkte. Diese Minen,
deren spezielle Einrichtung geheimgehalten wird, bilden in
Deutschland den Schwerpunkt der Küstenverteidigung durch
Torpedos. Seitdem man die Seeminen, statt mit Ketten und Steinen
oder gewöhnlichen Ankern, mit Drahttauen und Pilz- oder
Saugankern, die sich im Grund festsaugen, verankert, werden
dieselben weniger leicht durch Strömungen fortgerissen. Man
legt die Stoßminen in zwei oder mehr Reihen (Treffen)
schachbrettförmig hintereinander an, so daß ein Schiff
die Sperre nicht passieren kann, ohne auf eine Mine zu
stoßen.
Der Spierentorpedo besitzt noch die alte Konstruktion, nur
wendet man häufig auch bei ihm die elektrische Zündung
an. Ende der 60er Jahre wurde von den Gebrüdern Harvey ein
Offensivtorpedo konstruiert, der aus einem kupfernen, mit Holz
bekleideten trapezoidischen Kasten besteht; an demselben sind
mehrere in einen Ring zusammenlaufende Leinen so befestigt,
daß der T. beim Schleppen um 45-60°, je nach der
schnellern Fahrt, querab vom Schiff ausschert. Man manövriert
so, daß das feindliche Schiff über die Schleppleine
laufen muß, bei deren Anziehen der T. gegen den Schiffsboden
stößt, in welchem Augenblick die Explosion bei
Kontaktzündern von selbst erfolgt, oder man zündet durch
Elektrizität. Zur Verhütung vorzeitiger Explosionen ist
der Zündmechanismus durch einen Vorstecker arretiert, den man
mittels einer Leine herauszieht, wenn der T. weit genug vom Schiff
abgetrieben ist. Der Harvey-T. kann nur bei Tage gebraucht werden,
und im Geschwaderkampf können Feind wie Freund auf den T.
auflaufen, zumal wenn im Melée und Pulverdampf die Schiffe
schwer zu unterscheiden sind. Aus diesen Gründen ist der
Harvey-T. in den meisten Marinen wieder außer Gebrauch
gekommen oder höchstens auf die Fälle beschränkt,
wenn einzelne Schiffe auf Kreuzungen ausgehen.
Fulton stellte 1814 Versuche an, mit Geschützen unter
Wasser zu schießen, um Schiffen unter der Wasserlinie einen
Leck beizubringen, und hat bis in die neueste Zeit Nachahmer
gefunden, von denen aber keiner Erfolg erreichte; der Widerstand
des Wassers ist so bedeutend, daß die Geschwindigkeit der
Geschosse in rapider Weise abnimmt. Man kann von einem
Geschoß unter Wasser nur dann befriedigende Wirkung erwarten,
wenn die dasselbe bewegende Kraft nicht bloß einmal, wie beim
Geschütz, sondern auf eine gewisse Zeit dauernd wirkt. 1730
soll Desaguliers Boote unter Wasser mit Raketen zerstört
haben; 1862 schoß Hunt aus 30,5 cm Geschützen Raketen;
1874 machte Weir in New York unter Wasser Versuche mit einer Rakete
von 2,31 m Länge, 30,5 cm Durchmesser und 111 kg Gewicht,
wovon auf den Treibsatz 35 kg und die Sprengladung 34 kg kamen; sie
ging mit etwa 4,5 m Geschwindigkeit, hatte aber infolge ihres
Leichterwerdens durch Verbrennen des Satzes eine
unregelmäßige Flugbahn. 1872 wurde von Lay ein
elektrisch steuerbarer Fischtorpedo in Zigarrenform (s. Tafel, Fig.
5) konstruiert, dessen treibende Kraft durch das Verdunsten
flüssiger Kohlensäure erzeugt wird, wovon der T. 200-250
kg enthält. Das Ausströmen der Kohlensäure ist auf 6
Atmosphären Druck geregelt, so daß der
Schraubenpropeller die gleiche Geschwindigkeit behält. Durch
ein sich aus dem T. abwickelndes Kabel mit zwei
Leitungsdrähten bleibt derselbe mit dem Land in Verbindung.
Der galvanische Strom setzt einen komplizierten Mechanismus in
Bewegung, durch den das Öffnen und Schließen eines
Dreiwegehahns für das Ausströmen der Kohlensäure und
durch Anziehen von zwei Elektromagneten das Steuern bewirkt wird.
Durch die Elektromagnete werden zwei Kolben bewegt, von denen jeder
mit einer Seite der Ruderpinne verbunden ist. Der Gang des Torpedos
im Wasser ist durch zwei auf seinem Rücken stehende Stäbe
sichtbar gemacht. Außer sehr großer Kompliziertheit hat
dieser T., der von der ägyptischen Regierung angenommen ist,
unter vielen andern noch den Nachteil, daß die
Herstellungskosten eines Exemplars
767
Torpedo (Fischtorpedo, Torpedoboote).