Töpler, August, Physiker, geb. 7. Sept. 1836 zu

Brühl a. Rhein, studierte in Berlin Chemie und Physik, wurde

Chemiker, dann Dozent an der landwirtschaftlichen Akademie zu

Poppelsdorf bei Bonn, 1864 Professor an der polytechnischen Schule

zu Riga. Er widmete sich indes hauptsächlich der Physik und

wurde 1868 als Professor der Physik nach Graz berufen, von wo er

1876 in derselben Eigenschaft an das Polytechnikum zu Dresden

übertrat. T. zeigte sich besonders geschickt in Auffindung

neuer Beobachtungsmethoden und Konstruktion neuer Apparate. Seine

"Optischen Studien nach der Methode der Schlierenbeobachtung" (Bonn

1865) zeigten, wie man eine ganze Reihe von Erscheinungen, welche

sich sonst der Beobachtung entziehen, sichtbarmachen kann. Ebenso

machte er die stroboskopischen Scheiben zur Beobachtung

schwingender Körper nutzbar. Er konstruierte eine

Quecksilberluftpumpe, welche gar keine Hähne verlangt und

dadurch einen großen Vorzug vor der Geißlerschen hat,

gegen welche sie allerdings den Nachteil erheblich

größerer Dimensionen besitzt. Gleichzeitig mit Holtz

konstruierte T. eine wesentlich auf denselben Prinzipien beruhende

Elektrisiermaschine, welche sich durch die Anwendung von

Metallbelegungen von derjenigen von Holtz unterscheidet und von

dieser zurückgedrängt wurde, in der letzten Zeit aber

sich allgemeinere Anerkennung verschaffte, seit T. ihr durch

Anwendung einer großen Anzahl von Scheiben eine früher

nicht geahnte Stärke gab. Durch eine Anzahl

mathematisch-physikalischer Arbeiten, so über die

Fundamentalpunkte eines optischen Systems, über die Zerlegung

zusammengesetzter Schwingungen u. a. m., hat sich T. ebenso als

gediegener Theoretiker bewiesen.

Töpliz, 1) Badeort in Böhmen, s. Teplitz. -

2) Badeort in Krain, unfern Rudolfswerth, mit warmen Quellen

(34-38° C.) und (1880) 363 Einw. Vgl. Radics, Das Mineralbad T.

(Wien 1878).

Topo, Feldmaß in Peru, = 5000 QVaras = 35,9128

Ar.

Topographenkorps, eine in Rußland zum Zweck der

Landesvermessung 1822 errichtete und 1877 reorganisierte Truppe mit

einem Etat von 9 Generalen, 75 Stabs- und 370 Oberoffizieren,

welche sich aus den Topographenunteroffizieren der

Topographenabteilung ergänzen, nachdem dieselben einen

dreijährigen Kursus auf der Topographenschule in St.

Petersburg mit Erfolg durchgemacht haben.

Topographie (griech.), Ortsbeschreibung mit

möglichst genauem Eingehen auf alle Einzelheiten, welche das

Gelände bietet, seien sie von der Natur oder durch Kunst

geschaffen. Die Gewinnung eines möglichst genauen Kartenbildes

eines Landes ist der Zweck der topographischen Aufnahme desselben,

die in den europäischen Staaten durch die topographische

Abteilung der Generalstäbe in Maßstäben von

1:20,000 bis 1:25,000 erfolgt, während die topographischen

Karten teils in denselben, teils in kleinern Maßstäben

herausgegeben werden (s. Landesaufnahme).

Topologie (griech.), Ortslehre, Ortskunde.

Topolya (spr. topolja), Markt im ungar. Komitat

Bács-Bodrog, an der Bahnlinie Budapest-Semlin, mit (1881)

9500 ungar. Einwohnern, Weinbau, Schloß und

Bezirksgericht.

Toponomastik (griech., topographische Onomastik),

geographische Namenkunde, s. Onomatologie.

Topp, Toppnant, s. Takelung

Topuszko (spr. topúss-), Kurort im

kroatisch-slawon. Komitat Agram, an der Glina, mit

Schlammbädern und zahlreichen gegen Gicht und Rheuma wirksamen

indifferenten Thermen (60° C.), deshalb das kroatische

"Gastein" genannt. Vgl. Hinterberger, Die Thermal- und

Schlammbäder zu T. (Wien 1864).

Torcello (spr. -tschello), Insel in den Lagunen von

Venedig, 9 km nordöstlich von der Stadt gelegen, mit wenigen

von der ehemaligen bedeutenden Stadt T. erhaltenen Gebäuden,

unter denen besonders der Dom im Basilikensystem aus dem 7. Jahrh.

und die Kirche Santa Fosca, ein Zentralbau aus dem 9. Jahrh.,

Erwähnung verdienen. Das gegenwärtige Dorf T. hat nur 128

Einw.

Torda (Thorenburg), Stadt im ungar. Komitat Torda-Aranyos

und Station der Ungarischen Staatsbahn, am linken Ufer des Aranyos,

mit Franziskanerkloster, 9 Kirchen (2 römisch-katholische,

eine lutherische, eine reformierte, eine unitarische, eine

griechisch-unierte und 3 griechisch-nichtunierte), schönem

neuen Komitatshaus und (1881) 9434 ungarischen und rumän.

Einwohnern, die Getreide- und Weinbau und Viehzucht betreiben. T.,

Sitz des Komitats und eines Gerichtshofs, hat ein unitar.

Untergymnasium, bedeutende Viehmärkte, ein großes, schon

seit Römerzeiten bekanntes Salzbergwerk, mehrere Salzteiche

mit einem Solbad und mitten in der Stadt Reste der ehemaligen

Thorenburg. In der Nähe von T., wo sich viele römische

Altertümer finden und einst die römische Kolonie Pataissa

(Salinä) stand, ist die wild romantische Tordaer Schlucht (320

m tief und 25 km lang), die einen 30 km langen Kalkzug von oben bis

unten quer durchschneidet, und durch deren Mitte, fast die ganze

6-20 m breite Sohle einnehmend, der Bach Kerekes fließt. Im

S. die pittoresken Toroczkóer Kalkfelsen und der malerisch

gelegene, einst von Deutschen gegründete, jetzt von

unitarischen Ungarn bewohnte Ort Toroczkó (Eisenmarkt).

Torda-Aranyos (spr. -áranjosch), ungar. Komitat in

Siebenbürgen, grenzt an die Komitate Arad, Bihar, Klausenburg,

Maros-Torda, Kis-Küküllö, Unterweißenburg u.

Hunyad, umfaßt 3370 qkm (61,2 QM.), wird vom Aranyos und

seinen Nebenflüssen bewäs-

758

Tordalk - Torf.

sert, ist besonders im W. durch Ausläufer des Bihargebirges

sehr gebirgig (Muntje le mare 1828 m) und hat (1881) 137,031

ungarische und rumän. Einwohner, die meist Berg- und Ackerbau,

Viehzucht und Holzhandel betreiben. T. ist reich an Edelmetallen

und Mineralschätzen und wird von der Ungarischen Staatsbahn

(Klausenburg-Kronstadt) durchzogen. Sitz des Komitats ist Tord

a.

Tordalk, s. Alk.

Torell, Otto Martin, Naturforscher, geb. 5. Juni 1828 zu

Warberg, studierte in Lund Medizin und Naturwissenschaften, machte

größere wissenschaftliche Reisen in Europa, unternahm

1858 mit Nordenskjöld eine Reise nach Spitzbergen und besuchte

1859 Grönland und 1861 abermals mit Nordenskjöld

Spitzbergen. Inzwischen war er in Lund zum Adjunkten der Zoologie

und zum Intendanten des zoologischen Museums ernannt worden, 1866

erhielt er die Professur der Zoologie und Geologie in Lund, und

1871 wurde er Chef der geologischen Untersuchung Schwedens in

Stockholm. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reisen, seine

Studien über die Eiszeit und die Tiefseefauna publizierte er

in den Schriften der Universität Lund und der Akademie der

Wissenschaften zu Stockholm.

Torelli, 1) Giuseppe, Violinspieler, geboren um 1650 zu

Verona, gest. 1708 als Konzertmeister in Ansbach, war mit Corelli

(s. d.) der bedeutendste Vertreter der Instrumentalmusik des 17.

Jahrh. und gilt als der Schöpfer des noch bis zu Händels

Zeit in Gebrauch gebliebenen Concerto grosso, derjenigen Form, aus

welcher die moderne Orchestersymphonie hervorgegangen ist.

2) Achille, ital. Lustspieldichter, geb. 5. Mai 1844 zu Neapel,

erhielt seine Ausbildung in einem Privatinstitut und schrieb mit 16

Jahren seine erste Komödie: "Chi muore, giace". womit er einen

Turiner Staatspreis gewann. Weniger glücklich waren ein paar

weitere Versuche: "Il buon vecchio tempo", "Cuore e corona", "Prima

di nascere"; besser gefiel das Lustspiel "Il precettore del

rè" (später betitelt: "Una corte nel secolo XVII"),

dessen Aufführung der ältere Dumas beiwohnte, der dem

jungen Dichter eine glänzende Laufbahn verkündigte. Mit

"La missione della donna" und "La verita" (1875) errang T. wieder

Preise; auch "Gli onesti" fand Anerkennung. 1866 kämpfte T.

als Freiwilliger im italienischen Heer und erlitt in der Schlacht

bei Custozza einen Sturz vom Pferd. Einen außerordentlichen

Triumph feierte er darauf (1867) mit seinem Lustspiel "I mariti".

Den Erwartungen, welche dies Stück für Torellis Begabung

erweckte, vermochte er mit den spätern Leistungen nicht

völlig zu entsprechen; doch errang er noch manchen Erfolg, so

mit "La fragilità" (1868), "La moglie" (1870), "Nonna

scelerata" (für die Ristori geschrieben, 1870); ganz besonders

aber erfreuten sich "Triste realtà" (1871) und "Il colore

del tempo" (1875) ehrenvoller Aufnahme. Dagegen blieben "Consalvo"

(1872), "La fanciulla" (1873), "La contessa di Berga" (1874),

"Mercede" (1878), "Scrollina" (1880) u. a. ohne Wirkung. Der grelle

Wechsel von Erfolgen und Mißerfolgen wirkte

einigermaßen verdüsternd auf das Gemüt des Dichters

und nährte eine Empfindlichkeit, die auch in seiner lyrischen

Sammlung "Schegge" zum Ausdruck kommt.

Toreno, Don José Maria Queypo de Llana Ruiz de

Saravia, Conde de, span. Staatsbeamter und Geschichtschreiber, geb.

1786 zu Oviedo, nahm Anteil an der Erhebung der spanischen Nation

gegen die Franzosen 1808 und erwarb sich schon damals als

Unterhändler des Bündnisses zwischen Spanien und England

sowie als Deputierter bei den Cortes 1810 und 1812 den Ruf eines

gewandten Diplomaten und Staatsmannes. Nach der Rückkehr

Ferdinands VII. 1814 flüchtete er nach Frankreich und kehrte

erst 1820 in sein Vaterland zurück. Infolge der

Wiederherstellung der absolutistischen Regierungsgewalt 1823

abermals verbannt, lebte er in Paris, kehrte 1832 nach Spanien

zurück, gewann bald bedeutenden politischen Einfluß und

trat 1834 als Finanzminister in das Kabinett. Im April 1835

übernahm er das Portefeuille des Auswärtigen und die

Präsidentschaft des Kabinetts. Doch führten

Aufstände, die seine reaktionären Maßregeln

hervorriefen, schon im September seinen Sturz herbei. In den

Cortes, die 18. Febr. 1840 zusammentraten, und in die er als

Mitglied der Prokuratorenkammer gewählt worden war, zeigte er

sich wieder als entschiedener Moderado. Nach dem bald darauf

erfolgenden Sturz der Moderadospartei begab er sich wieder nach

Paris, wo er 16. Sept. 1843 starb. Als Schriftsteller gewann er

vornehmlich durch seine "Historia del levantamiento, guerra y

revolucion de España" (Madr. 1835-37, 5 Bde.; Par. 1838, 3

Bde.; deutsch, Leipz. 1836-38, 5 Bde.) Ruf.

Toreros (fälschlich Toreadores, span.), alle am

Stiergefecht Beteiligten.

Toreutik (griech., lat. Caelatura), die Bildnerei in

Metallen, zur Unterscheidung von Skulptur (sculptura), der Arbeit

in Stein, Thon und Holz. Man denkt bei T. vorzugsweise an die

Bearbeitung des Metalls mit scharfen Instrumenten, an das

Ziselieren, das Herausschlagen oder Treiben der Formen mittels

Bunzen, doch unter Umständen auch an ein teilweises

Gießen in Formen. Die Künstler in dieser Arbeit

heißen Toreuten.

Torf, Aggregat pflanzlicher Substanzen in verschiedenem

Grade der Zersetzung, mit erdigen Materialien gemischt. In den

ersten Stadien der Bildung läßt der T. die Struktur der

Pflanzen noch deutlich erkennen; bei tiefer greifender Zersetzung

entsteht ein homogener, wenigstens bei Betrachtung mit

unbewaffnetem Auge strukturloser Körper. Nicht selten sind in

einem und demselben Torflager die untern Schichten, als die

ältern und die dem größern Druck ausgesetzten, in

der Zersetzung weiter vorgeschritten (reifer) als die obern

(unreifen). Wo die Bodenbeschaffenheit die Ansammlung

stagnierender, seichter Wasser gestattet, werden dieselben durch

gesellig auftretende Pflanzen überwuchert, die dann ihrerseits

wiederum die Wasser vor schneller Verdunstung schützen. So

entsteht ein Mittelzustand zwischen Land und Wasser: die Moore

(Lohden der Oberpfälzer, Ried in Schwaben und Thüringen,

Moos in Bayern). Es setzt demnach die Torfmoorbildung zunächst

beckenartige Einsenkungen des Bodens oder Kommunikationen mit

benachbarten Flüssen und Seen sowie einen undurchlässigen

Untergrund voraus. Dieser wird entweder von fettem, schlammigem

Thon (dem Knick der Norddeutschen) oder von einem

eigentümlichen Mergel (Wiesenmergel, Alm in Südbayern)

gebildet. Auch auf spaltenfreien Gesteinen, die ein Versinken des

Wassers nicht gestatten, und namentlich auf solchen, welche bei

ihrer Verwitterung einen undurchlassenden Thon liefern, können

Moore entstehen. Ferner müssen die klimatischen Bedingungen

einer schnellen Verdunstung des Wassers entgegenarbeiten, wie in

regen- und nebelreichen Gegenden, weshalb namentlich die

gemäßigten Zonen die eigentliche Hei-

759

Torf (Entstehung der Torfmoore).

mat der Moore bilden, während sie sich in der heißen

Zone auf hoch gelegene Plateaus und auf undurchdringliche

Wälder beschränken. Außer durch die

atmosphärischen Niederschläge, beziehen die Moore das

Wasser aus Seen, Schnee- und Eisfeldern, aus Flüssen, welch

letztere sie oft saumartig umziehen. Ferner können Landseen

mit flachen Ufern der Vermoorung unterliegen. Von den

Uferrändern aus zieht sich eine das Wasser überwuchernde

Vegetation immer tiefer in den See hinein; schwimmende Vorposten

werden abgerissen, bilden bewegliche Inseln, auf denen sich eine

reiche Sumpfflora ansiedelt, bis die Masse zu schwer wird und zu

Boden sinkt, um durch Wiederholung des Spiels eine immer

mächtigere, das Wasser allmählich verdrängende

Schicht zu bilden, die sich endlich mit der vom Ufer her

fortschreitenden Moorbildung vereinigt. So besitzt der Federsee in

Oberschwaben heute nur noch eine Wasseroberfläche von 256

Hektar, während er noch gegen das Ende des vorigen

Jahrhunderts 1100 Hektar groß war. Das Steinhuder Meer in

Schaumburg-Lippe ist von 5400 auf 3600 Hektar reduziert. Auch der

Kochelsee, der Chiemsee u. a. sind in einem solchen

Vertorfungsprozeß begriffen. Die Pflanzen, die zur Vermoorung

führen, sind solche, welche in großer Anzahl der

Individuen vorkommen und stark wuchern, besonders aber verfilzte

Wurzeln treiben: die Heiden (Calluna vulgaris und Erica tetralix),

Riedgräser (Carex-Arten), Wollgräser (Eriophorum),

Scirpus, Juncus, ganz besonders Nardus stricta, von Moosen Hypnum-

und Sphagnum-Arten, endlich in hoch gelegenen Lokalitäten die

Zwergkiefer (Pinus Pumilio). Je nach der hervorragenden Beteiligung

einzelner der genannten Pflanzen an der Moorbildung unterscheidet

man Wiesen- (Grünlands-) Moore und Heide- (Moos- oder Hoch-)

Moore. In erstern dominieren die Carex- und Eriophorum-Arten;

bisweilen tritt auch Hypnum in großer Menge auf, während

Sphagnum fehlt. Ihr Hauptsitz sind die Ufer der Flüsse und

Seen und zwar namentlich (den Bedürfnissen der aufbauenden

Pflanzen entsprechend) derer mit kalkhaltigem Wasser. Sie

umsäumen die Wasserbehälter, vom Trocknen aus zum Nassen

hin immer weiter wachsend. Dieser Richtung des Wachsens

entsprechend, besitzen sie eine flache, mitunter selbst nach dem

Innern zu eingesenkte Oberfläche. Ihre Torflager sind

gewöhnlich nur 1-2 m mächtig, selten bis 3 m, ganz selten

6 m und mehr. Hierher zählen viele norddeutsche Torflager, die

Donau- und Isarmoore, die vertorfenden Seen etc. Die zweite Art der

Moore bildet sich in Mulden und Becken, in denen sich etwas Wasser

ansammelt, das zunächst Kolonien von Sphagnum entstehen

läßt, auf denen sich dann besonders Erica und Calluna

ansiedeln. Bei günstigen Wässerungsverhältnissen

immer größere und größere Kreise schlagend,

gibt sich hier die Richtung der Ausbreitung durch eine Wölbung

zu erkennen, deren Gipfelpunkt im Innern bis zu 10 m höher

liegen kann als der Rand, eine Eigenheit der Erscheinung, auf

welche der Name Hochmoor hinweist. Die solchergestalt gebildeten

und zusammengesetzten Moore, die sich in Norddeutschland, dann

namentlich auch in den mittel- und süddeutschen Gebirgen

finden, besitzen meist stärkere Torflager als die Wiesenmoore,

und es werden aus der Emsgegend Mächtigkeiten bis zu 11 m, aus

Südbayern solche von 7,5 m und darüber, aus dem Jura bis

12 m angegeben. Endlich kommen Moore von gemischtem Charakter vor,

indem bald Inseln mit Wiesenmooren in Hochmooren, bald mit

Hochmooren in Wiesenmooren auftreten. - In schon abgebauten

Torflagern pflegt der T. nachzuwachsen, wenn mit der Entfernung der

Torfmasse nicht zugleich auch die Ursachen zur Moorbildung

hinweggenommen wurden. Nur wo (natürliche oder

künstliche) Entwässerung und (natürliche oder

künstliche) Änderung des wasserundurchlassenden

Untergrundes in einen durchlassenden vorliegt, unterbleibt das

Nachwachsen, wie denn die sogen. Fehnkolonien (s. d.) nur dort

durchführbar sind, wo eine gründliche Entwässerung

und eine sorgfältige Entfernung der torfbildenden Masse

stattfinden. - Bei der Umwandlung der abgestorbenen

Pflanzensubstanz in T. liefern zunächst die

Proteinkörper, Dextrin und Stärke unter Einfluß von

Sauerstoff Kohlensäure, Schwefelwasserstoff,

Phosphorwasserstoff, Ammoniak und Humussäuren. Langsamer

zersetzt sich die Holzfaser zu einer erst gelben (Ulmin),

später braunen Masse (Humin), während der Gehalt der

Pflanzen an Kieselsäure und unlöslichen Mineralsalzen

unverändert in das Zersetzungsprodukt übergeht. Durch

eigne Schwere und durch den Druck nachwachsender Generationen

sinken die Massen zusammen, verdichten sich und unterliegen einer

stetig fortschreitenden Umsetzung, als deren gasige Hauptprodukte

sich Kohlensäure und Kohlenwasserstoffe bilden, während

die Masse selbst schwärzer, homogener und reicher an

Kohlenstoff wird. Die Gasexhalationen rufen mitunter in der

zähflüssigen Masse Aufblähungen hervor, welche, wenn

das Magma den Rand übersteigt, zu Moorausbrüchen

führen können. Übrigens ist die große

wasseraufsaugende Kraft des Torfs ebenfalls oft die Ursache solcher

Aufblähungen und Ausbrüche. Das Produkt des

Vertorfungsprozesses, der T., besitzt keine bestimmte chemische

Zusammensetzung und ist auch in seinen physikalischen Eigenschaften

je nach dem Grad, bis zu welchem die Umsetzung sich bereits

vollzogen hat, bedeutend verschieden. So ist der T. bald

schlammartig, bald dicht, hellgelb, dunkelbraun oder pechschwarz.

Oberflächlich getrocknet, kann er 50-90 Proz. Wasser aufnehmen

und gibt dasselbe in trockner Luft nur sehr allmählich ab,

verliert aber diese Eigenschaft, sobald er vollkommen ausgetrocknet

ist. Bei Abschluß der Luft erhitzt, gibt der T.

Kohlensäure, Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoffe, Ammoniak, Teer

und Wasser; beim Verbrennen liefert er eine Asche, die arm an

Alkalien ist, thonigen Sand, Magnesium- und Calciumsulfat sowie

Eisenoxid neben wenig Phosphorsäure und Chlor enthält.

Für die quantitative Zusammensetzung ergeben sich folgende

ungefähre Grenzwerte: Kohlenstoff 40-60 Proz., Wasserstoff

4-6,5, Sauerstoff 25-35, Stickstoff 1-6, Asche 1-15 Proz.

Benennungen einzelner Varietäten des Torfs sind, solange sich

die komponierenden Pflanzen erkennen lassen, diesen entnommen, so:

Konferventorf (wesentlich aus Konferven gebildet), Moostorf

(Sphagnum), Wiesentorf (Ried- und Wollgräser, Binsen),

Heidetorf (Erica tetralix), Holztorf (Wurzel- und Stammteile von

Weiden, Erlen etc.). Auch die Aufhäufung von Tangen soll zur

Bildung von T. (Meertorf) führen; doch ist für mehrere

sogen. Meertorfe die Zusammensetzung aus

Süßwasserpflanzen nachgewiesen und ihr heutiges

Vorkommen am Meeresgrund oder am Ufer in einem tiefern Niveau als

die Meeresoberfläche als Folge von Senkungserscheinungen

erkannt worden. Andre Benennungen bezeichnen den Zustand, in

welchem sich die in Zersetzung begriffenen Substanzen befinden. So

läßt der Rasentorf, gewöhnlich die oberste Decke

der Moore bildend, die Reste noch deutlich ernennen, die nur eine

gelbe bis braune Farbe

Torf (Gewinnung).

760

angenommen haben. Ihn unterteufend und die untersten Lagen

einnehmend, tritt häufig Pechtorf auf, schwärzlichbraun

bis dunkelschwarz, strukturlos, auf der Schnittfläche

wachsglänzend. Die ungefähre Mitte zwischen beiden,

zugleich aber auch stark mit Erdteilen gemengt, hält die

Torferde. Der Fasertorf ist eine dem Pechtorf ähnliche Masse,

von Pflanzenteilen, die einen geringen Grad der Zersetzung zeigen,

durchzogen. Im Papiertorf ist unvollkommen zersetzte Pflanzenmasse

in dünne, leicht voneinander abzuhebende Lagen geteilt. Der

Baggeroder Schlammtorf endlich stellt frisch einen Brei dar,

welcher mit Netzen gebaggert oder geschöpft wird, getrocknet

aber fest und kompakt ist. Als gelegentliche Bestandteile finden

sich im T., außer Fragmenten noch nicht vollkommen zersetzter

Vegetabilien, menschliche und tierische Reste. Erstere befinden

sich meist in einem sehr vollkommnen Erhaltungszustand. Besonders

hervorzuheben sind außer den vertorften Pfahlbauten Knochen

vom Riesenhirsch, vom Bos primigenius und Elephas primigenius, weil

dieselben für ein sehr hohes, bis in die Diluvialperiode

zurückreichendes Alter der betreffenden Moore zeugen,

während die meisten Torfbildungen jüngern Datums sind und

dem Alluvium angehören. Unter den mineralischen

Einschlüssen sind Eisenkies und Strahlkies sowie als seltenere

Kupferkies, Zinkblende und sonstige Reduktionsprodukte aus Sulfaten

zu nennen. Die erstgenannten geben durch gelegentliche Oxydation

die Veranlassung zur Bildung von Gips, Bittersalz, Alaun,

Glaubersalz und besonders Eisenvitriol, welcher bisweilen in

solchen Mengen dem T. beigemengt ist, daß er aus demselben

gewonnen wird (Vitrioltorf). Ferner ist Blaueisenerde ziemlich

häufig, seltener Kochsalz, letzteres nur in tief gelegenen,

dem Meer benachbarten Mooren. Die Verbreitung der Torfmoore ist

zunächst in Deutschland eine sehr bedeutende. Altpreußen

besitzt 260 QM. Moorland, die drei 1866 erworbenen Provinzen 132,

Mecklenburg 10, Oldenburg 20, Bayern 12, die Reichslande und das

übrige Süddeutschland etwa 25 QM., so daß gegen 4,6

Proz. der gesamten Oberfläche Deutschlands vom Moor bedeckt

sind. Besonders tragen dazu bei das norddeutsche Tiefland, die

Hochplateaus Bayerns und Oberschwabens und die Rücken der

Gebirge Süd- und Mitteldeutschlands (Schwarzwald, rheinische

Gebirge, Rhön, Harz, Thüringer Wald, Fichtelgebirge,

Erzgebirge, Riesengebirge). Auch in der nördlichen Schweiz, am

Südabhang der Alpen, in den Tiroler, Salzburger und

Kärntner Alpen bis nahe zur Schneegrenze kommen Moore vor; 10

Proz. des irischen Landes sind von ihnen bedeckt. Ebenso zahlreich

sind sie in Schottland, Skandinavien, Rußland. Asien ist arm

an T.; aus Afrika ist keine echte Torfbildung bekannt. Dagegen sind

die Moore in Nordamerika stark verbreitet, und auch in

Südamerika werden viele aus den Anden beschrieben.

Gewinnung des Torfs.

(Hierzu Tafel "Torfbereitung".)

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 220 / 302 段