d.); Tonsillotomie, Exstirpation derselben.
Tonsur (lat.), die geschorne Stelle auf dem Scheitel als
Ehrenzeichen des katholischen Priesterstandes.
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
48
754
Tontinen - Topana.
Büßende ließen sich schon früh das Haupt
ganz kahl scheren; von ihnen nahmen die Mönche diese Sitte an,
und von diesen ging sie im 6. Jahrh. auf alle christlichen
Geistlichen über, denen sie 633 auf der vierten Synode zu
Toledo gesetzlich vorgeschrieben ward. Man unterschied aber ein
kahl geschornes Vorderhaupt als T. des Apostels Paulus von der
kreisförmigen Platte auf dem Scheitel, der T. des Apostels
Petrus. Jene war in der griechischen Kirche sowie in etwas andrer
Form, als T. des Jacobus, bei den Briten und Iren üblich,
diese in der abendländischen Kirche Priestern und Mönchen
gemein. Die eben erst in den geistlichen Stand Eingetretenen tragen
sie im Umfang einer kleinen Münze, die Priester im Umfang
einer Hostie, die Bischöfe noch größer, und bei dem
Papst bleibt nur ein schmaler Kreis von Haaren über der Stirn
stehen.
Tontinen, Anstalten, welche gegen Entgelt Einzahlungen
unter der Verpflichtung annehmen, dieselben mit Zinsen nach Ablauf
bestimmter Zeit denjenigen der Einleger, welche dann noch am Leben
sein werden, als Kapital oder Rente zurückzugewähren. Sie
erhielten ihren Namen nach ihrem Erfinder, dem italienischen Arzt
Lorenzo Tonti, welcher auf Veranlassung des Kardinals Mazarin 1653
die erste Tontine in Paris einrichtete. Sie hatten vornehmlich in
den romanischen Ländern großen Anklang gefunden. In
Frankreich wurde das Tontinengeschäft bald nach seiner
Erfindung vom Staat betrieben, verwickelte denselben aber in arge
Finanzschwierigkeiten und wurde deshalb wieder aufgegeben; die
letzte größere Tontine wurde 1759 eingerichtet. Die T.,
welche sehr verschieden gestaltet sein können, gehören
nicht zu den Versicherungsanstalten, wenn nicht der Unternehmer ein
Risiko dabei zu tragen hat (z. B. wenn die Auszahlungen in Form von
Leibrenten bis zum Tode des letzten Überlebenden erfolgen).
Die oft und noch neuerdings versuchte Verbindung der T. mit einer
Lotterie ist auch in romanischen Staaten meistens ausdrücklich
verboten, z. B. in Italien. Vgl. Versicherung. - Tontine
heißt auch ein französisches Kartenglücksspiel, das
mit der vollständigen Whistkarte von 12-15 Personen gespielt
werden kann.
Tonus (lat., "Spannung"), eine während des Lebens
bestehende schwache, unwillkürliche, aber vom Nervensystem
abhängige Kontraktion der Muskulatur Während man
früher den T. als eine automatische Funktion auffaßte,
haben neuere Beobachtungen ergeben, daß er reflektorischer
Natur sei, und daß die Muskeln erst infolge einer gewissen
Spannung in tonische Kontraktion geraten. Da der Muskel in letzterm
Zustand unzweifelhaft einen größern Stoffverbrauch
aufweist als im Zustand der Ruhe, so dürfte der T. für
die Erhaltung und Regulierung der Körperwärme eine hohe
Bedeutung besitzen. Von außerordentlichem Wert ist der T.
für die Mechanik der Ortsveränderung; durch den T. wird
es nämlich ermöglicht, daß bei der Arbeit der
Muskeln sofort eine Annäherung der Befestigungspunkte bewirkt
wird, ohne daß erst Zeit und Kraft zur Anspannung des
schlaffen Muskels erforderlich wären. Nach dem Tod erlischt
der T., und infolgedessen erscheinen die Gesichtszüge der
Leichen welk und schlaff.
Tonverwandtschaft, ein moderner musikalischer Begriff,
welcher sich auf die Zusammengehörigkeit der Töne zu
Klängen bezieht. Verwandt im ersten Grade, direkt verwandt
sind Töne, welche einem und demselben Klang angehören (s.
Klang). Mit c im ersten Grad verwandt sind g, f, e, as, a und es,
denn c:g gehört dem C dur-Akkord oder C moll-Akkord an, c:f
dem F dur-Akkord oder F moll-Akkord, c:e dem C dur-Akkord oder A
moll-Akkord, c:as dem As dur-Akkord oder F moll-Akkord, c:a dem F
dur-Akkord oder A moll-Akkord, c:es dem As dur-Akkord oder C
moll-Akkord. Im ersten Grad verwandte Töne sind konsonant
(vgl. Konsonanz). Verwandt im zweiten Grad sind Töne, welche
nicht demselben Klang angehören, daher nicht direkt
aufeinander bezogen werden, sondern durch Vermittelung von
Verwandten ersten Grades. Es ist müßig, Verwandte
dritten und vierten oder noch fernern Grades anzunehmen, da alle
Töne, welche nicht direkt verwandt sind, gegeneinander
dissonieren. Die verschiedene Qualität der Dissonanzen
hängt allerdings von der Art der Vermittelung ab, welche das
Verständnis des Intervalls ermöglicht; diese Vermittelung
geschieht aber nicht durch Töne, sondern durch Klänge, so
daß die Klangverwandtschaft in Frage kommt. Töne, die im
ersten Grad verwandten Klängen angehören, sind leichter
gegeneinander verständlich als solche, die auf im zweiten Grad
verwandte Klänge bezogen werden müssen. Im ersten Grad
verwandte Klänge sind: 1) solche gleichartige (beide Dur oder
Moll), von denen der Hauptton des einen im ersten Grad verwandt ist
mit dem Hauptton des andern; 2) solche ungleichartige, von denen
einer der Wechselklang eines Akkordtons des andern ist, d. h.
für den Durakkord der Mollklang (Unterklang) des Haupttons,
Quinttons und Terztons, für den Mollakkord der Durklang des
Haupttons, Quinttons und Terztons, also allgemein:
Hauptwechselklänge (Ober- und Unterklang desselben Tons),
Quintwechselklänge und Terzwechselklänge; dazu kommen
noch die Leittonwechselklänge. Mit dem C dur-Akkord sind also
im ersten Grad verwandt der G dur-, F dur-, E dur-, As dur-, A
dur-, Es dur-, F moll-, C moll-, A moll- und E moll-Akkord; mit dem
A moll-Akkord dagegen der D moll-, E moll-, E moll-, Cis moll-, C
moll-, Fis moll-, E dur-, A dur-, C dur- und F dur-Akkord. Alle
übrigen sind nicht direkt verständlich, sondern
bedürfen der Vermittelung oder nachträglichen
Erklärung. Da die Tonartenverwandtschaft abhängt von der
Verwandtschaft der Toniken (Hauptklänge), so sind alle die
Tonarten mit C dur, resp. A moll im ersten Grad verwandt, deren
Tonika einer der Klänge ist, welche hier als im ersten Grad
verwandt mit dem C dur-, resp. A moll-Akkord aufgeführt sind.
Im zweiten Grad verwandt mit der C dur-Tonart sind dagegen z. B. D
dur, B dur, H dur, Des dur, D moll, H moll und alle noch ferner
stehenden; mit der A moll-Tonart: G moll, H moll, B moll, Gis moll,
G dur, B dur etc.
Tonwechselmaschine, s. Pistons.
Tooke (spr. tuk), 1) Thomas, engl. Nationalökonom,
geb. 1774 zu St. Petersburg als der Sohn des Historikers William
T., erwarb sich als Teilnehmer eines großen Handelshauses
reiche Erfahrungen im Handels- und Finanzwesen. Von 1820, wo er die
berühmte Merchant's petition in favour of free trade
verfaßte, war er bis zu seinem Tod, 1858, an allen
kommerziellen Enqueten und an der Gesetzgebung auf allen Gebieten
wirtschaftlicher Natur beteiligt. Er veröffentlichte eine
sechsbändige "History of prices" (Lond. 1838-57, Bd. 5 u. 6
von Newmarch bearbeitet), welche den englischen Handel von 1793 bis
1856 schildert; "Inquiry into the currency principle" (1844); "On
the bank charter act of 1844" (1855).
2) J. Horne, Schriftsteller, s. Horne Tooke.
Toowoomba, s. Tuwumba.
Top (Topp), s. Takelung.
Topana, eine Wurzel, s. Bunium.
755
Topas - Topelius.
Topas, Mineral aus der Ordnung der Silikate
(Andalusitgruppe), kristallisiert in säulenförmigen,
rhombischen Kristallen, auch derb in mangelhaft ausgebildeten
Individuen (Pyrophysalit), in parallelstängeligen Aggregaten
(Pyknit, Stangenstein), losen Kristallen und abgerollten
Stücken auf sekundärer Lagerstätte. T. ist selten
farblos und wasserhell, gewöhnlich gelblichweiß bis
gelb, auch braun, rötlichweiß bis rot,
grünlichweiß bis grün, mitunter violblau (diese
Farben bleichen aber am Tageslicht aus), durchsichtig bis
kantendurchscheinend, glasglänzend. Er phosphoresziert beim
Erhitzen mit gelblichem oder bläulichem Schimmer und besitzt
besonders interessante thermoelektrische Eigenschaften. Härte
8, spez. Gew. 3,51-3,57. Er besteht aus Aluminiumsilikat mit einem
analog zusammengesetzten Kieselfluoraluminium 5 Al2SiO5 +
Al2SiFl10. Sehr reich sind die Kristalle an mikroskopischen
Flüssigkeitseinschlüssen, darunter flüssige
Kohlensäure. Durch Glanz und Durchsichtigkeit ausgezeichneter
edler T. findet sich in Sibirien (Kristalle von über 10 kg
Gewicht), am Schneckenstein in Sachsen, zu Rozna in Mähren mit
Bergkristall, Turmalin, Steinmark oder Lithionglimmer in
granitischen Gesteinen, in Brasilien (Brasilian) in
Chloritschiefer. Außerdem führen die Zinnerzlagerstatten
des Erzgebirges und Cornwalls T. ; auf sekundärer
Lagerstätte findet er sich oft mit andern Edelsteinen in
Brasilien, auf Ceylon, in Aberdeen. Der Pyrophysalit stammt aus
norwegischen Graniten und Gneisen, der Pyknit aus den
Zinnerzlagerstätten von Altenberg in Sachsen und aus einem
Magneteisenlager bei Durango in Mexiko (s. Tafel "Edelsteine", Fig.
1-3). Die schönen Varietäten des Topases, namentlich die
wasserhellen (Pingos d'agoa, Wassertropfen), die gelbroten und die
dunkel gelbbraunen, sind Edelsteine zweiten Ranges. In Brasilien
sollen jährlich gegen 900 kg gewonnen werden. Die gelbroten
glüht man vorsichtig in geschlossenen Gefäßen,
wodurch sie lichtrot (gebrannte Topase, brasilische Rubine) werden
und im Preis bedeutend steigen. Die lichtbläulichen und
grünlichen Varietäten gehen als Aquamarin. Sonstige
Handelsnamen sind den Fundorten entlehnt, da dieselben meist
charakteristische Farbenvarietäten liefern. So wird der
bläuliche sibirischer oder taurischer T., der goldgelbe
brasilischer T., der safrangelbe indischer T., der blaß
weingelbe sächsischer T. oder Schneckentopas (vom
Schneckenstein) und, wenn er eine grünliche Farbe hat, wohl
auch sächsischer Chrysolith genannt. Orientalischer T. ist
bräunlichgelber Korund, böhmischer T. Citrin, die gelb
gefärbte Varietät des Bergkristalls, zu welchem auch die
grauwolkigen Rauchtopase gehören. Gelblicher Flußspat
führt ebenfalls den Namen T. Mit dem T. der Alten ist unser
Mineral wahrscheinlich nicht identisch. Die schlechtern Sorten des
Topases dienen als Surrogat des Schmirgels.
Topasfels, auf wenige Lokalitäten beschränktes
Gestein von breccienartigem Aussehen, besteht aus Quarz und Topas,
in körnigem Gemenge wechselnd mit Lagen von Turmalin; in die
zahlreichen Drusenräume ragen Quarz- und Topaskristalle mit
frei ausgebildeten Enden hinein. Außerdem beteiligen sich
noch ein dem Steinmark ähnliches Mineral und Glimmer an der
Zusammensetzung. Das Gestein bildet z. B. den als Topasfundort
bekannten Schneckenstein bei Auerbach im sächsischen Vogtland,
wo es gangförmig im Glimmerschiefer auftritt. Verwandte
Gesteine werden von mehreren Zinnerzlagerstätten
beschrieben.
Topazolith, gelbe Varietät des Granats (s. d.).
Tope (aus sanskr. Stupa, "Tumulus"), die einfachste Form
der Kultusdenkmäler des Buddhismus,
grabhügelähnliche Gebäude, in denen, in kostbaren
Kapseln verschlossen, Reliquien Buddhas und seiner Schüler
aufbewahrt wurden. Sie sind in halbkugelförmiger Ausbauchung
aus Steinen errichtet und ruhen auf einem terrassenartigen, in
späterer Zeit bisweilen hoch emporgeführten Unterbau,
manchmal von einem Kreise schlanker Säulen umgeben und mit
besonderer Portalanlage versehen; die Krone bildet ein Schirm. Die
Halbkugel soll eine Wasserblase vorstellen, womit Buddha den
menschlichen Leib vergleicht. Dergleichen Denkmäler sind in
großer Anzahl über Indien bis Afghanistan hinein und
gegen Norden bis ins südliche Sibirien verbreitet. Auf Ceylon
und in Vorderindien heißen sie Dagopa (aus
Dhâtugôpa, "Reliquienbehälter"). Vgl. Ritter, Die
Stupas (Berl. 1838); Wilson, Ariana antiqua (2. Ausg., Lond. 1861);
Cunningham, The Bhilsa Topes (das. 1854); Köppen, Die Religion
des Buddha, Bd. 1, S. 535 ff. (Berl. 1859).
Topeka, Hauptstadt des nordamerikan. Staats Kansas, am
Kansasfluß, mit Gelehrtenschule (Lincoln College),
Töchterschule, Staatenhaus, Mühlen, Gießereien,
Eisenbahnwerkstätte und (1880) 15,452 Einw. In der Nähe
Kohlen- und Eisengruben. T. wurde 1854 gegründet.
Topelius, Zachris, finnisch-schwed. Dichter und
Schriftsteller, geb. 14. Jan. 1818 auf Kuddnäs Gaard bei
Nykarleby, wurde, nachdem er bei Runeberg Privatunterricht
genossen, Student in Helsingborg, promovierte 1840 und redigierte
von 1842 bis 1860 die "Helsingfors Tidningar". worin er seine
ersten Gedichte und Novellen brachte. 1852 wurde er Lektor der
Geschichte am Gymnasium in Wasa, 1854 außerordentlicher
Professor der finnischen Geschichte an der Universität
Helsingborg, 1863 Ordinarius, endlich 1876 Professor der
allgemeinen Geschichte daselbst, von welcher Stellung er 1878 mit
dem Titel Staatsrat zurücktrat. T. ist nächst Runeberg
der angesehenste Dichter Finnlands; er hat sich mit Glück in
allen Zweigen der Poesie bewegt, und überall begegnet man
einem milden, frommen Sinn in einer vollendeten Form. In der Lyrik
("Ljungblommor", Stockh. 1845-54; "Sånger", 1861; "Nya blad",
1870) ist er am glücklichsten, wenn er seinen patriotischen
und religiösen Stimmungen Worte leiht. Seine bekanntesten
Schauspiele sind: "Efter femtio år" ("Nach 50 Jahren",
Stockh. 1851), das reich an Effekt ist, aber Gustavs Zeit mit zu
schwarzen Farben malt, und "Regina af Emmerits" (1854). 1861 gab er
eine Sammlung seiner "Dramatiska dikter" heraus (neue Ausg. 1881).
Am populärsten wurde er durch seine Novellen und
Kinderbücher. Unter den erstern ragt besonders hervor:
"Fältskärns berättelser" ("Erzählungen eines
Feldschers", Stockh. 1858-67, 5 Bde.; deutsch, Leipz. 1880), ein
Cyklus romantischer Schilderungen aus Finnlands und Schwedens
Geschichte von Gustav II. Adolf bis Gustav III. Die spätern
"Sagor" (1847-52, 4 Sammlungen) und "Läsning för barn"
(1865-84, 6 Bücher; ins Finnische, Norwegische, Engl. u.
Deutsche übersetzt) machten ihn zum Liebling der Jugend. Sein
für die Volksschulen Finnlands geschriebenes "Naturens bok"
erlebte sieben schwedische und fünf finnische Auflagen. Auf
dem Boden strenger Wissenschaft stehen seine Vorlesungen etc. und
seine "Geschichte des Kriegs in Finnland" (1850). Als anziehender
Schilderer seiner Heimat endlich erscheint er in den Werken:
"Finland
756
Topete y Carballo - Topik.
framstäld i teckningar" (1845-52) und "En resa i Finland"
(1873; deutsch von Paul, Helsingf. 1885). T.' Popularität
beruht auf seinem reinen, für alles Gute und Edle warmen
Gefühl und den zu gleicher Zeit frischen und wehmütigen
Naturtönen, welche durch seine Dichtungen gehen. In deutscher
Übersetzung erschienen neuerdings von ihm sechs Novellen: "Aus
Finnland" (Gotha 1888, 2 Bde.).
Topete y Carballo (spr. i karwalljo), I. B., span.
Admiral, geb. 24. Mai 1821 zu Tlacotalpa in Yucatan, trat 1835 in
die Marine, befehligte 1860 im Kriege gegen Marokko die spanische
Flotte, zeichnete sich dann in dem Kriege gegen Peru aus, war 1867
Konteradmiral und Hafenkapitän von Cadiz und nahm
hervorragenden Anteil an der Revolution vom September 1868. Auf
seinem Schiff Saragossa ward die Flagge der Empörung zuerst
aufgepflanzt. Er ward als Marineminister Mitglied der
provisorischen Regierung vom 8. Okt. 1868, geriet jedoch als
Beförderer der Thronkandidatur des Herzogs von Montpensier
wiederholt mit Prim in Streit, nach dessen Tod er wenige Tage das
Präsidium des Kabinetts innehatte. 1871-72 war T. Minister der
Kolonien, im Juni 1872 wieder wenige Tage und vom 4. Jan. bis 13.
Mai 1874 Marineminister. Hierauf zog er sich in das Privatleben
zurück und starb 31. Okt. 1885 in Madrid.
Topfbaum, s. Lecythis.
Topfbraten, in Thüringen und Sachsen beliebtes
Gericht, zu dessen Herstellung Zunge, Niere, Herz, Rüssel,
Ohrwange und etwas Schwarte eines frisch geschlachteten Schweins
gekocht und mit einer braunen Zwiebelsauce gedämpft
werden.
Topfen, s. Quark.
Töpfer, 1) Johann Gottlob, Organist, geb. 4. Dez.
1791 zu Niederroßla in Thüringen, besuchte das
Gymnasium, dann das Lehrerseminar in Weimar, wo er zugleich unter
Destouches und A. E. Müller gründliche Musikstudien
machte, wurde 1817 Seminarmusiklehrer, 1830 Stadtorganist daselbst;
starb 8. Juni 1870. Seine Bedeutung beruht auf seinen Schriften
über die Orgel, durch welche er vielfach reformatorisch
gewirkt hat. Die hauptsächlichsten sind: "Die Orgel, Zweck und
Beschaffenheit ihrer Teile" (Erf. 1843); "Theoretisch-praktische
Organistenschule" (das. 1845); "Lehrbuch der Orgelbaukunst" (Weim.
1856, 4 Bde.; 2. Aufl. von Allihn, 1888) etc. Als Komponist trat er
mit einer großen Orgelsonate, einem Konzertstück
für Orgel, einer Kantate: "Die Orgelweihe", einem Choralbuch
(4. Aufl., Weim. 1878), kleinen Orgelstücken u. a. hervor.
2) Karl, Lustspieldichter, geb. 26. Dez. 1792 zu Berlin,
debütierte als Schauspieler in Strelitz, ging dann nach
Breslau, Brünn und 1815 an das Hofburgtheater zu Wien. Daneben
versuchte er sich auch in Lustspielen, von denen "Der beste Ton" u.
"Freien nach Vorschrift" von der Kritik günstig aufgenommen
wurden. 1820 ließ er sich als Schriftsteller in Hamburg
nieder, wo er 22. Aug. 1871 starb. Von seinen spätern
Stücken hat besonders "Rosenmüller und Finke" Glück
gemacht. Seine dramatischen Produkte, welche als "Lustspiele" (neue
Ausg., Leipz. 1873, 4 Bde.) erschienen, entbehren zwar jedes
poetischen Gehalts, zeichnen sich aber durch theatralische
Wirksamkeit und eine gewisse Sorgfalt in der Durchführung aus.
Auch "Erzählungen und Novellen" (Hamb. 1842-44, 2 Bde.)
veröffentlichte T.
Töpferei (Häfnerei), ehemals zünftiges
Handwerk, welches sich mit Verfertigung irdener Ware, seltener mit
der Fabrikation feinerer Arbeiten, zuweilen auch mit der
Herstellung irdener Öfen und in neuerer Zeit an manchen Orten
auch mit der Fabrikation architektonischer Verzierungen, Basreliefs
etc. beschäftigt. S. Thonwaren.
Töpfererz, s. Alquisoux.
Töpferscheibe, s. Thonwaren, S. 663.
Töpferthon, s. Thon.
Töpffer, Rudolf, Maler und Novellist, geb. 31. Jan.
1799 zu Genf, Sohn des Malers Wolfgang Adam T. (gest. 1847),
widmete sich der Kunst, ging aber wegen eines Augenleidens bald zum
Lehrfach über, gründete 1825 ein Pensionat, das er bis zu
seinem Tod leitete, wurde 1832 zum Professor an der Genfer Akademie
ernannt und starb 8. Juni 1846. Von seinen Novellen fanden den
meisten Beifall die "Nouvelles genevoises" (Par. 1845; deutsch
unter andern von Zschokke, Aarau 1839 u. Stuttg. 1885); ferner
"Voyages en zigzag" (1844); "Nouvelles voyages en zigzag" (1854);
"Nouvelles et mélanges" (1840); "La bibliothèque de
mon oncle" (1843; deutsch, Leipz. 1847) und "Rose et Gertrude"
(1845; deutsch, Hildburgh. 1865). Für seine
künstlerischen Arbeiten bediente er sich nur des Stifts; aber
die Genrezeichnungen und Karikaturen, womit er seine humoristischen
Reisebeschreibungen, wie die "Voyages en zigzag" , illustrierte,
sind voll Wahrheit, Reiz und Satire. Namentlich gehören
hierher seine sechs kleinen Romane in Bildern, die in der
"Collection des histoires en estampes" (mit französischem u.
deutschem Text, Genf 1846-47, 6 Bde.) gesammelt erschienen. Vgl.
Rambert. Écrivains nationaux suisses, Bd. 1 (Genf 1874);
Relave, La vie et les oeuvres de T. (Par. 1886); Blondel und
Mirabaud, Rodolphe T. (das. 1887).
Topfgießerei, die Herstellung gußeiserner
Kochgeschirre.
Topfhelm, s. Helm.
Topfpflanzen, die in Töpfen kultivierten Pflanzen im
Gegensatz zu den Freilandpflanzen, welche im freien Land
herangezogen werden.
Topfstein (Lavezstein, Giltstein, Lavezzi, Pierre
ollaire), meist graugrünes Gestein, aus einem Gemenge von
Chlorit, Talk, auch Serpentin und gelegentlich Quarz sowie
kohlensauren Verbindungen bestehend, ist lokal mit Serpentinen,
Talk- und Chloritschiefern eng verknüpft, kommt in den Alpen
(Chiavenna), in Norwegen und Nordamerika vor und eignet sich durch
seine Weichheit, welche Schneiden und Drehen gestattet, sowie durch
seine Feuerbeständigkeit zur Herstellung von Töpfen,
Ofenplatten etc.
Top-Hane (türk.), Zeughaus, Arsenal; Name einer
Vorstadt in Konstantinopel.
Topik (griech.), bei den Alten die Lehre von der
Auffindung des Stoffes zum Zweck der rhetorischen Behandlung irgend
eines Gegenstandes; insbesondere die systematische Zusammenstellung
allgemeiner Begriffe und Sätze (Topen, lat. loci communes),
die beim Ausarbeiten von Reden als Richtschnur oder Leitfaden
für die Auffindung und Wahl zweckmäßiger
Beweisgründe dienen sollten. Die T. wurde von den spätern
griechischen Rhetorikern und Grammatikern sowie von den Römern
mit Vorliebe behandelt, z. B. von Cicero in seinen Schriften: "De
inventione" und "Topica"; doch war sie im ganzen ein bloßer
Schematismus, insofern man derselben nicht die logischen Kategorien
zu Grunde legte, sondern gewisse allgemeine Dispositionen
aufstellte, um zur Auffindung des Stoffes zu gelangen. Im
Mittelalter verlor sie sich in leere Spielereien, und in neuerer
Zeit hat man eine besondere Behandlung der-
757
Topin - Torda-Aranyos.
selben als unersprießlich ganz aufgegeben. In der
Grammatik ist T. die Lehre von den Stellen, welche den einzelnen
Wörtern im Satz und den Sätzen in der Periode zukommen.
Biblische T. oder Topologie, eine Theorie der Grundsätze, nach
denen der Theolog bei der Wahl und Behandlung der biblischen
Beweisstellen zu verfahren hat.
Topin (spr. -päng). Marius, franz.
Geschichtschreiber, geb. 25. Dez. 1838 zu Aix, Neffe Mignets,
besuchte das dortige Lyceum und das in Gap und war 1856-70 in der
Verwaltung der Steuern thätig. Während der Belagerung von
Paris 1870-71 befehligte er ein Bataillon Nationalgarde und
gründete 1872 mit Mitchell den "Courrier de France". 1873
übernahm er die Redaktion der "Presse" und verteidigte das
Ministerium Broglie, da er bonapartistisch gesinnt ist. Er schrieb:
"Le cardinal de Retz, son génie, ses écrits" (1864,
3. Aufl. 1872); "Histoire d'Aigues-Mortes" (1865); "L'Europe et les
Bourbons sous Louis XIV" (1867, 3. Aust. 1879); "L'homme au masque
de fer" (1869, 3. Aufl. 1870), welche Werke von der Akademie mit
Preisen gekrönt wurden; "Louis XIII et Richelieu" (1876),
ebenfalls preisgekrönt, und "Romanciers contemporains"
(1876).
Topinambur, s. Helianthus.
Topisch (griech.), örtlich, im Gegensatz zu
allgemein, z. B. topische Schmerzen, topische Arzneien, topische
Recidive bösartiger Geschwulste.