Tondern (Tönder), Kreisstadt in der preuß.

Provinz Schleswig-Holstein, an der Widaue, Knotenpunkt der Linien

Elmshorn-Heide-Ribe der Schleswig-Holsteinischen Marsch- und

Tingleff-T. der Preußischen Staatsbahn, hat eine schöne

evang. Kirche, ein Schullehrerseminar, ein Amtsgericht, ein

Hauptsteueramt, Bierbrauerei, Viehmärkte, Fettviehausfuhr und

(1885) 3516 fast nur evang. Einwohner. 1639 fand man bei dem

benachbarten Ort Galhus im Schlamm ein großes goldenes, mit

Figuren verziertes Horn und 1734 ein zweites. Diese sogen.

Tondernschen Hörner, welche 1802 aus der Kunstsammlung zu

Kopenhagen entwendet wurden, waren Schau- und Luxusstücke. Die

Runenschrift des einen Horns gehörte dem angelsächsischen

Alphabet an und war, aus dem 6. Jahrh. stammend, die älteste

bekannte.

Tondeur (spr. tongdör), Alexander, Bildhauer, geb.

1829 zu Berlin, besuchte seit 1848 die dortige Akademie und bildete

sich dann unter Bläsers Leitung weiter aus. Nachdem er sich

von 1852 bis 1854 in Wien aufgehalten, begab er sich auf ein Jahr

nach Paris und 1856 nach Rom, wo eine verwundete Venus entstand,

die von der Iris zum Olymp getragen wird, worauf eine Marmorgruppe

der Mutterliebe folgte. 1858 begann er in Berlin eine ausgedehnte

Thätigkeit namentlich in allegorischen und mythologischen

Gestalten. Dieser Art sind eine Borussia als Brunnenfigur mit den

vier Hauptflüssen Preußens, Frühling, Sommer und

Herbst als dekorative weibliche Gewandfiguren, ein Triton in der

Muschel und zwei der kolossalen Städtefiguren in der Berliner

Börse, die Vasen zum Andenken an den dänischen und an den

deutsch-österreichischen Krieg, eine Gruppe: Tag und Nacht,

Pan, der eine Wasser schöpfende Nymphe überrascht, von

feiner Empfindung und großer Sorgfalt der Ausführung

(1867), die beiden Bronzestatuen Bülows und Blüchers am

Postament der großen Kölner Reiterstatue Friedrich

Wilhelms III. von Bläser, mehrere Büsten und zwei

Restaurationen von Reliefs der pergamenischen Gigantomachie (s.

Tafel "Bildhauerkunst III", Fig. 8, 9).

Tondruck, s. Lithographie, S. 837.

Tonelada, Schiffslast, Tonne, Stückmaß in

Spanien und Spanisch-Amerika, à 20 Quintales = 920,186 kg;

die neue Tonelada metrica = 1000 kg; in Portugal und Brasilien

für trockne Waren à 54 Arroba, für

Flüssigkeiten à 60 Almud; in Brasilien bei

Schiffsfrachten s. v. w. englisch Ton; in Argentinien und Uruguay

Getreidemaß, = 10,29 hl.

Tonfall, s. Kadenz.

Tongaarchipel (Freundschaftsinseln), eine zum

südlichen Polynesien gehörige Inselgruppe im Stillen

Meer, unter 18-22° südl. Br., südöstlich von den

Fidschi- und südlich von den Samoainseln, umfaßt im

ganzen 32 größere Inseln und ungefähr 150 kleinere

Eilande mit einem Gesamtflächenraum von 997 qkm (18 QM.). Die

meisten der Inseln sind niedrig, haben Korallenfelsen zur Grundlage

und sind mit einer dicken, fruchtbaren Erdschicht bedeckt; nur

einzelne sind hoch, gebirgig und vulkanischen Ursprungs. Die

umgebenden Riffe erschweren den Zugang zu den meisten Inseln, doch

haben einige derselben schöne Häfen. Das Klima ist

angenehm und gesund, nur finden häufig Erderschütterungen

statt. Das Pflanzenreich liefert Pisange, Brotfruchtbäume,

Yams, Kokos- und andre Palmen, Zuckerrohr, Bambus, Baumwolle,

Feigen, Citrusarten, Papiermaulbeerbäume etc. Das Tierreich

ist vertreten durch Schweine, Hunde, Ratten, das gewöhnliche

Hausgeflügel, Papageien, Reiher, Tropikvögel und

Schildkröten. Der Archipel ist aus drei Gruppen

zusammengesetzt. In der nördlichen, 205 qkm (3,7 QM.)

großen Hafulu-Hu-Gruppe ist Vavau (145 qkm mit über 3000

Einw.) die größte Insel; auf Amarpurai (Fanulai) und

Lette(Bickerton) sind thätige Vulkane, letzteres hatte 1854

einen heftigen Ausbruch, das erstere ist seit der Eruption von 1846

nur noch eine Masse von Felsentrümmern. Die mittlere Gruppe

umfaßt die Namukagruppe (37 qkm), die Kotuinseln, Tofoa (55

qkm), 854 m hoch und mit einem thätigen Vulkan, das kleinere

(11 qkm), aber 1524 m hohe Kao und die aus sechs Inseln und 6-8

Inselchen bestehende Hapaigruppe, 68 qkm (1,2 QM.). Zur

südlichen Gruppe gehören Pylstaart, das 174 qkm

750a

Zum .Artikel »Tongking«.

TONGKING.

Maßstab 1:2.500 000.

ÖSTL. HINTERINDIEN

Maßstab 1:18.000 000.

HUÉ.

1:600000

HA-NOI.

1:300000

751

Tongern - Tongking.

(3,2 QM.) große Eua und die bedeutendste aller Inseln,

Tongatabu, 430 qkm (7,8 QM.) mit ca. 9000 Einw. Die Zahl der

Einwohner betrug 1884: 22,937, darunter 350 Engländer, 63

Deutsche, 13 Amerikaner, 11 Franzosen. Die Tonganer (22,000)

gehören zu den Polynesiern (s. Tafel "Ozeanische Völker",

Fig. 22) und übertreffen an Bildungsfähigkeit die meisten

Bewohner der benachbarten Inselgruppen. Sie treiben

sorgfältigen Landbau, sind geschickte und unternehmende

Seeleute und beweisen bei dem Bau ihrer Häuser und Boote wie

bei der Verfertigung ihrer Gerätschaften, Waffen (Keulen,

Bogen und Pfeile) und Kleider (Stoffe aus Papiermaulbeerbaum)

ziemliche Kunstfertigkeit. Sie sind jetzt zum Christentum bekehrt.

Schon 1797 kamen Missionäre aus London auf Tongatabu an, drei

wurden ermordet, die andern kehrten zurück; seit 1822

siedelten sich Methodisten an. Auf den südlichen Inseln haben

französische Missionäre dem Katholizismus Eingang

verschafft. Etwa 5500 Kinder besuchen Schulen; von höhern

Bildungsanstalten existieren eine Industrieschule und ein

Gymnasium. Die ganze Gruppe bildet seit Anfang dieses Jahrhunderts

ein einheitliches Reich unter einem König, dem eine

gesetzgebende Versammlung zur Seite steht. Residenz des Königs

und Sitz der Regierung ist Nukualofa auf Tongatabu. Am 1. Nov. 1876

schloß König Georg I. einen Freundschaftsvertrag mit dem

Deutschen Reich. Die Gruppe gehört zum Bezirk des deutschen

Konsuls in Apia. Der Handel befindet sich zum großen Teil in

den Händen der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft,

welche die meisten Waren von Apia einführt. Die Einfuhr

(Baumwoll- und Wollwaren, Eisenwaren, Getreide, Bauholz, Konserven

etc.) betrug 1887: 3,171,553 Mk., davon deutsch 1,181,300, englisch

1,691,864 Mk., die Ausfuhr (Kopra und etwas Kaffee, Schwämme,

Wolle) 3,148,933 Mk., davon deutsch 2,377,384, englisch 704,160 Mk.

Der englische Handel wächst auf Kosten des deutschen. Die

Inselgruppe wurde 1887 besucht von 74 Schiffen von 28,264 Ton.,

darunter 34 deutschen von 19,468 T. Die deutschen Postdampfer

laufen den T. auf der Fahrt von Sydney nach Apia

regelmäßig an. Die Inseln wurden 1643 von Tasman

entdeckt und von Cook, der sie 1773 und 1777 genauer erforschte,

wegen des sanften und gutwilligen Charakters der Eingebornen

Freundschaftsinseln (Friendly Islands) benannt. Die Flagge s. auf

Tafel "Flaggen I". Vgl. Mariner, Account of the Tonga Islands

(Lond. 1814, 2 Bde.; deutsch, Weim. 1819); Meinicke, Die Inseln des

Stillen Ozeans (Leipz. 1875); Jung, Der Weltteil Australien, Bd. 3

(Leipz. 1883).

Tongern, Hauptstadt eines Arrondissements in der belg.

Provinz Limburg, am Geer, Knotenpunkt an der Eisenbahn

Lüttich-Hasselt, hat eine alte Kathedrale (13. Jahrh.), ein

Athenäum, ein Tribunal, Strohhutfabriken und (1888) 8763 Einw.

T. ist die älteste Stadt Belgiens (das alte Aduatuca) und war

schon im 4. Jahrh. Sitz eines Bischofs, welcher im 6. Jahrh. nach

Maastricht und 720 nach Lüttich übersiedelte.

Tongeschlecht (Klanggeschlecht), die Unterscheidung eines

Akkords oder einer Tonart (Tonalität) als Dur oder Moll.

Während Tonarten mit verschiedenen Vorzeichen nur

verschiedenartige Transpositionen derselben Tonreihe sind, ist die

Auffassung von Klängen oder Tonarten verschiedenen

Tongeschlechts eine prinzipiell verschiedene. Man vergleicht Dur

dem männlichen, Moll dem weiblichen Geschlecht.

Tongking (hierzu Karte "Tongking"), französisches

Schutzgebiet in Hinterindien, grenzt im N. an China, im W. an die

Laosstaaten und Siam, im S. an Anam, im O. an den Golf von T.

benannten Teil des Südchinesischen Meers und hat ein Areal von

90,000 qkm (1635 QM.), nach andern aber 165,200 qkm (3000 QM.) mit

10-12 Mill. Einw., worunter 400,000 einheimische Christen. Das Land

ist zum Teil gebirgig, teils durchaus ebenes Alluvium und wird in

seiner ganzen Länge von dem aus Jünnan kommenden Songka

durchzogen, der mehrere größere Flüsse (Schwarzer

und Klarer Fluß) aufnimmt und, ein großes,

vielverzweigtes Delta bildend, in zahlreichen Armen in die Bai von

T. mündet und mit dem zweiten Fluß Tongkings, dem

Thai-binh oder Bak-ha, durch drei künstliche Kanäle und

andre Abzweigungen in Verbindung steht. Den Süden

durchfließt der gleichfalls aus Jünnan kommende Ka, den

Norden der noch sehr wenig bekannte Tam. Die Wälder der Berge

sind reich an allerhand Nutzholz; dort hausen Elefanten, Tiger,

Büffel, Rhinozerosse. Der Mineralreichtum ist ein sehr

großer; Gold- u. Silberbergwerke werden seit langer Zeit in

primitiver Weise ausgebeutet, Kohlen, Kupfer, Quecksilber, Eisen,

Zink, Blei aber gar nicht abgebaut. Im Tiefland wird viel Reis

gebaut (1½ Mill. Hektar sind damit bestellt); außerdem

werden gewonnen und in den Handel gebracht: Zimt, Tabak, Indigo,

Mais, Baumwolle, Zuckerrohr, Bohnen, Rizinus, Drachenblut,

Sternanis, Erdnüsse, wohlriechende Harze. Als Haustiere werden

gehalten: Schweine, Hühner, Büffel, Rinder, aber nur

wenige Pferde und Elefanten. Eine Hauptbeschäftigung bildet

der Fang von Fischen und Krokodilen; der Schwanz der letztern wird

sehr geschätzt. Schiffahrt wird eifrig betrieben und in dem

baumlosen Flachland Ziegelbrennerei. In den Städten Hanoi und

Namdinh werden geschnitzte Möbel, Lackarbeiten, eingelegte

Perlmutterarbeiten, Kleiderstoffe angefertigt. Der Buchdruck von

Hanoi, dem Sitz tongkingesischer Gelehrsamkeit, ist berühmt.

Der Handel auf dem Songkai mit Jünnan ist sehr bedeutend, er

wird auf 3½ Mill. Frank geschätzt. Für den

Außenhandel ist Haiphong, an einem Nordarm des Deltas,

Hauptplatz; 1880 schätzte man den dortigen Handel auf 20 Mill.

Fr., während der Kriegsjahre sank derselbe

naturgemäß, stieg darauf aber schnell und betrug 1886

bei der Einfuhr 28,8, bei der Ausfuhr 9,1 Mill. Fr. Der Handel,

vornehmlich der Geldhandel, ist zum großen Teil in den

Händen der Chinesen, von denen 10,000 in T. leben. In neuester

Zeit wurden Differentialzölle eingeführt, welche die

französischen Provenienzen sehr begünstigen. Um den

Binnenverkehr zu heben, sind Eisenbahnen von Hanoi nach Haiphong

und Quang-Yen, auch über Namdinh nach Anam und von Hanoi nach

Langson geplant. Eine Gesellschaft mit einem Kapital von 1½

Mill. Fr. hat sich in Frankreich gebildet, um die öffentlichen

Arbeiten zu übernehmen. Sie hat auch eine wöchentliche

Dampferlinie zwischen Haiphong und Hongkong eingerichtet. In

Haiphong bestehen ein englisches und ein französisches

Bankinstitut. Die wichtigsten Orte sind die Hauptstadt Hanoi und

die Hafenstadt Haiphong. Das erstere ist Sitz der

französischen Verwaltungsbehörden. T. hat von 1883 bis

1885 dem Mutterland an 327 Mill. Fr. gekostet, wozu noch 685,000

Fr. für ein submarines Kabel kommen. Jetzt gewährt

Frankreich einen jährlichen Zuschuß von 30 Mill. Fr.

Nach dem Budget von 1888 belaufen sich für Anam und T. die

Einnahmen auf nur 17,321,000, die Ausgaben auf 17,034,620 Fr., wozu

aber noch die Ausgaben für Krieg u. Marine mit zusammen

38,055,000 Fr. kommen.

752

Tongoi - Tonmalerei.

Geschichte. Ein französischer Waffenhändler, Dupuis,

machte 1870 den französischen Gouverneur von Kotschinchina

darauf aufmerksam, daß der Rote Fluß eine treffliche

Wasserstraße nach der chinesischen Provinz Jünnan bilde.

Daher wurde 1873 der Schiffsleutnant Garnier nach T. geschickt, der

Hanoi besetzte und die Eroberung von T. begann, aber 31. Dez. 1873

von den Piraten der Schwarzen Flagge überfallen und

getötet wurde. Gemäß einem Vertrag mit Anam

räumten die Franzosen 1874 die besetzten Plätze gegen die

Zusicherung freien Handels und des Schutzes der Missionen. Als

chinesische Piraten den Handel störten und eine friedliche

Verständigung zwischen Frankreich und China, das die

Oberhoheit über T. beanspruchte, daran scheiterte, daß

die französische Regierung 1883 den sogen. Bourréeschen

Vertrag nicht genehmigte, schickte letztere den Kommandanten

Rivière mit Truppen nach T., um es von neuem zu besetzen.

Auch dieser wurde 19. Mai bei einem Ausfall aus Hanoi von den

Schwarzen Flaggen getötet und nun die Absendung einer

größern französischen Streitmacht beschlossen, um

T. völlig in französische Gewalt zu bringen, wofür

der Vertrag mit Anam 25. Aug. 1883 Frankreich freie Hand gab. Nach

einigen mißglückten Vorstößen erstürmten

die Franzosen unter Courbet 16. Dez. Sontai und nahmen unter

General Millot 12. März 1884 Bacninh ein, womit sie das Delta

des Roten Flusses in Besitz hatten. China verzichtete im Vertrag

von Tientsin (11. Mai 1884) auf T., räumte es aber nicht

schnell genug, so daß die eilig vorrückenden Franzosen

von den chinesischen Truppen bei Bakle zurückgewiesen wurden,

worauf Frankreich mit China Krieg begann (s. China, S. 23). In T.

wurden die Chinesen aus dem Land selbst vertrieben, brachten den

Franzosen aber, als dieselben über die Grenze vordrangen, 24.

März 1885 bei Langson eine empfindliche Niederlage bei.

Dennoch trat China am 1. April 1885 T. ab und zog seine Truppen

zurück, worauf die französische Regierung die Schwarzen

Flaggen unterdrückte. Vgl. Thureau, Le Tonkin (Par. 1883);

Millot, Le Tonkin (das. 1888); Bouinais, Tonkin-Anam (2. Aufl.,

das. 1886); Deschanel, La question du Tonkin (das. 1883); Gautier,

Les Français au Tonkin (das. 1884); "L'affaire du Tonkin,

par un diplomat" (1888); Lehautcour, Les éxpeditions

françaises au Tonkin (1888, 2 Bde.); Scott, Frankreich und

T. 1884 (deutsch, Ilfeld 1885).

Tongoi, Hafenstadt im südamerikan. Staat Chile,

Provinz Coquimbo, Ausgangspunkt einer ins Minenrevier von Ovalle

führenden Eisenbahn, hat Kupferschmelzen und (1875) 1533

Einw.

Tongrische Stufe, s. Tertiärformation, S. 601.

Tonic Solfa Association, in England weitverbreitete

Gesellschaft zur Ausübung des a cappella-Gesangs in akustisch

reiner Stimmung, die sich einer besondern Notierungsart mit den

Silben Do Re Mi Fa So La Si bedient. Erfinder der Tonic

Solfa-Methode ist der anglikanische Geistliche John Curwen (gest.

1880), der auch eine "Grammar of vocal music founded on the Tonic

Solfa Method" herausgab und eine Zeitung: "The Tonic Solfa

Reporter" (seit 1851), redigierte. Die Tonic Solfa-Methode hat die

größte Ähnlichkeit mit dem in Deutschland für

Volksschulen zur Anwendung gekommenen Ziffernsystem (1 2 3 4 5 6 7

für die Dur-Tonleiter) und ist eine Wiederbelebung der

Guidonischen Solmisation, aber mit sieben Silben statt mit

sechs.

Tonika (ital.), nach gewöhnlichem Sprachgebrauch der

Ton, nach welchem die Tonart benannt wird, d. h. in C dur c, in G

dur g etc. Die neuere Harmonielehre versteht indes unter T. den

Dreiklang der T., d. h. in C dur den C dur-Akkord, in C moll den C

moll-Akkord etc. Vgl. Tonalität.

Tonisch (vom lat. Tonus, s. d.), stärkend, spannend;

tonische Mittel (Tonica), Arzneimittel, welche den Tonus, das

Spannungsvermögen der Muskeln und Nerven, vermehren sollen,

also stärkende Mittel, besonders China,

Eisenpräparate.

Tonkabohnen, s. Dipteryx.

Tonkakampfer, s. Kumarin.

Tonkunst, s. Musik.

Tonleiter, nach der ältern Musiklehre identisch mit

Tonart (s. d.). Seit aber die neuere Theorie die Terzverwandtschaft

der Töne und Klänge erkannt hat (s. Tonverwandtschaft),

erscheint es als Willkür, z. B. den E dur-Akkord und As

dur-Akkord als nicht zur C dur-Tonart gehörige Klänge zu

betrachten. Der Begriff der Tonart ist daher zu dem der

Tonalität (s. d.) erweitert worden, während die T. als

Akkord der Tonika mit Durchgangstönen erscheint:

Dur-Tonleiter ^[s. Bildansicht]

Moll-Tonleiter ^[s. Bildansicht]

Wie der tonische, kann aber auch jeder andre Akkord, der tonalen

Harmonik mit Durchgangstönen auftreten; soll die

Tonalität scharf ausgeprägt bleiben, so werden die

Durchgänge so gewählt werden müssen, daß die

der Tonika angehörigen Töne bevorzugt werden. Die dann

zum Vorschein kommenden Skalen sind die alten Kirchentöne

(oder griechischen Oktavengattungen); die Skala der Dominante:

mixolydisch ^[s. Bildansicht]

die Skala der Unterdominante:

lydisch: ^[s. Bildansicht]

und so fort. Vgl. Riemann, Neue Schule der Melodik (Hamb.

1883).

Tonmalerei, Gattung von Musik, deren

hauptsächlichster Zweck darin besteht, mittels der Tonsprache

Zustände und Begebnisse zu schildern, welche der Sinnen- und

Erscheinungswelt entnommen sind. Die Frage über Berechtigung

und Zulässigkeit der T. gehört zu den unentschiedensten

auf dem Gebiet der Ästhetik der Tonkunst. Unbedingt verworfen

wird die T. von den Vertretern der sogen. strengen

Klassizität, wiewohl nicht abzuleugnen ist, daß, wie die

Meister des 17. Jahrh., so auch alle klassischen Tondichter des 18.

und 19. Jahrh., z. B. Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven,

Weber, Schubert, Spohr u. a., die T. mit Vorliebe gepflegt haben.

Jenen gegenüber stehen diejenigen, welche der Tonkunst

geradezu einen begrifflich erklärbaren Inhalt zu vindizieren

und zu diesem Behuf die Ausdrucksfähigkeit derselben extensiv

und intensiv zu vervollkommnen streben, als die entschiedensten

Anhänger der T.; nur verfallen diese wieder in ein

gefährliches Extrem, indem sie in Komposition und Kritik einer

realistischen Richtung huldigen, die nur in Ausnahmefällen mit

der

753

Tonna - Tonsur.

Tonkunst ein ersprießliches Bündnis einzugehen

vermag. Die Musik kann allerdings der realen Außenwelt

angehörige Dinge nicht in jener konkreten Weise schildern wie

Dichtkunst und bildende Kunst. Dagegen vermag sie gerade nach jener

Seite hin, wo die beiden genannten Künste ihrer Natur nach

mehr oder minder lückenhaft bleiben, nicht nur ergänzend

aufzutreten, wie in der Vokalmusik und im Drama, sondern auch als

unabhängige Kunst in den Formen der reinen Instrumentalmusik

die Vorgänge des innersten Gefühlslebens wiederzugeben,

insofern erst durch sie die mit der poetischen Grundidee

verknüpften Seelenstimmungen zur vollkommenen und

künstlerisch-selbständigen Erscheinung gebracht werden

können. Die Musik kann und soll demnach nicht das wiedergeben,

was das Auge sieht und der Geist denkt, sondern nur die hieraus

erwachsenden Empfindungen, die Seelenbilder in ihrer zeitlichen

Form. So stellt die Tonkunst die im Innern fortlebende

Außenwelt dar, und die T. würde alsdann richtiger als

musikalische Stimmungsmalerei zu bezeichnen sein. Dies hat

Beethoven wohl erwogen, wenn er der Pastoralsymphonie die Worte

vorausschickte: "Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei". Ja,

selbst da, wo Beethoven eine scheinbar ganz materielle T. gibt, wie

am Schluß des zweiten Satzes (Nachtigallengesang,

Wachtelschlag und Kuckuckruf) und im letzten Satz (Schilderung des

Gewitters), offenbart sich eine so schöne geistige

Bedeutsamkeit, daß darin nur eine symbolische Auffassung der

Natur und im letztern Fall nur der durch die Schilderung der

äußern Hergänge in der Natur hervorgerufene

Stimmungston zur Darstellung gelangt. Eine solche symbolische

Auffassung aber ist es überhaupt, die der T. ihren innern

künstlerischen Wert verleiht, indem sie die Vorstellung des

Gegebenen bei hörbaren Vorgängen durch ähnliche

Klangwirkung nachahmt (wie z. B. Marschner das Heulen des

Sturmwindes in "Hans Heiling"), bei sichtbaren auch analoge

Tonformen wiedergibt, wie sich z. B. in einigen Messen die Worte:

"et descendit de coelis" in absteigender und "ascendit de coelum"

in aufsteigender Tonfolge komponiert finden. Am leichtesten sind

solche Vorkommnisse zu schildern, welche einen gewissen Rhythmus in

sich tragen. Die T. fand in F. David und Berlioz und in neuester

Zeit namentlich in Liszt, Raff, zum Teil auch in R. Wagner, also

vorzugsweise in den Anhängern der sogen. Programmmusik (s.

d.), ihre hauptsächlichsten Vertreter.

Tonna, Amtsgericht, s. Gräfentonna.

Tonnage (franz., spr. -ahsch), Schiffsladung,

Tonnengeld.

Tonnay-Charente (spr. tonnä-scharangt), Stadt im

franz. Departement Niedercharente, Arrondissement Rochefort, an der

Charente, über welche eine Drahtbrücke führt, und an

der Eisenbahn Rochefort-Angoulême, hat einen Hafen, welcher

einen Annex des Hafens von Rochefort (s. d. 1) bildet und einen

Warenverkehr von 163,000 Ton. aufweist, Fabrikation von

Seilerwaren, Schiffbau, bedeutenden Handel mit Branntwein und

(1881) 2256 Einw.

Tonne, großes Faß; dann Maß und Gewicht

für trockne Dinge, als Handelsgewicht in Deutschland = 1000

kg. Schiffs- oder Seetonne, Schiffsfrachtgewicht, = 1000 kg;

über Registertonne s. Schiffsvermessung; in Schweden, Norwegen

und Dänemark ist T. Feldmaß: die schwedische T. Landes

(Tonnstelle) = 49,366, die norwegische = 39,379, die dänische

= 55,162 Ar. Eine T. Goldes bedeutet eine Summe von 100,000

Thlr.

Tonneau (spr. -noh, T. de mer, T. metrique), in

Frankreich Gewicht = 1000 kg, an Raum = 42 Pariser Kubikfuß =

1,440 cbm, als Getreidemaß = 15 Hektol.; in Marseille nach

der Ware verschieden, = 900 Liter Öl, 18 Kisten à 25

Flaschen Wein etc.

Tonneins (spr. tonnängs, Stadt im franz. Departement

Lot-et-Garonne, Arrondissement Marmande, an der Garonne und der

Südbahn (Bordeaux-Toulouse), hat eine reformierte

Konsistorialkirche, ein Hengstedepot, eine Tabaksfabrik, Handel mit

Hanf, Wein etc. und (1886) 5447 Einw.

Tonnengehalt eines Schiffs, s. Schiffsvermessung.

Tonnengeld, eine nach dem Tonnengehalt (Tragkraft)

bemessene, von Seeschiffen, insbesondere solchen fremder Flagge,

beim Einlaufen in die Häfen erhobene Abgabe (s.

Zuschlagszölle).

Tonnengewölbe, s. Gewölbe, S. 311.

Tonnenkilometer, s. Kilometer.

Tonnenmühle, s. Wasserschnecke.

Tonnensystem, s. Exkremente, S. 966 f.

Tonnerre (spr. tonnähr), Arrondissementshauptstadt

im franz. Departement Yonne, am Armançon und an der

Eisenbahn Paris-Dijon, hat eine schöne Kirche (St.-Pierre),

ein Coll`ege, ein Spital (mit dem Grabmal des Ministers Louvois),

Bibliothek, Fabrikation von Webwaren, Zement, Schokolade,

vorzüglichen Weinbau, Steinbrüche und (1886) 4774

Einw.

Tönning (Tönningen), Stadt in der preuß.

Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Eiderstedt, Knotenpunkt der

Linien Jübek-T. der Preußischen Staats- und

Neumünster-T. der Westholsteinischen Eisenbahn, hat eine

evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein Landratsamt, ein Hauptzollamt,

einen Hafen, eine Schiffswerfte, Eisengießerei und

Maschinenbau, ansehnliche Fettviehausfuhr nach und

Steinkohleneinfuhr aus England und (1885) 3248 evang. Einwohner. T.

wurde 1644 befestigt und in der Folge wiederholt von den Dänen

erobert, die 1714 die Festungswerke schleiften.

Tönnisstein, Kurort im preuß. Regierungsbezirk

Koblenz, Kreis Mayen, zur Gemeinde Kell gehörig, unweit der

Station Brohl der Linie Kalscheuren-Bingerbrück der

Preußischen Staatsbahn, mit Kurhaus und einem gegen

chronische Katarrhe wirksamen alkalischen Säuerling. In der

Nähe der schon den Römern bekannte Säuerling

Heilbrunnen.

Tönsberg, älteste Stadt Norwegens, schon ums

Jahr 871 gegründet, im Amt Jarlsberg und Laurvik belegen, an

der Eisenbahn Drammen-Skien, mit 4913 Einw., ist in der neuern Zeit

der Mittelpunkt einer bedeutenden Schiffahrt mit dem Ausland

geworden. Ihr gehört vornehmlich der größte Teil

der norwegischen Flotte, die jedes Jahr im Monat März nach dem

Eismeer auf Walfischfang ausgeht, an. T. selbst besaß 1885:

139 Fahrzeuge von 61,242 Ton., die angrenzenden Distrikte 344

Fahrzeuge von 89,496 T. Der Wert der Einfuhr betrug 1885: 882,500

und der der Ausfuhr 295,000 Kronen. T. ist Sitz eines deutschen

Konsuls. Unweit der Stadt liegen die dicht bevölkerten und

reichen Inseln Nöterö und Tjömö. In der

Umgegend finden sich mehrere in der Landesgeschichte berühmte

Orte, z. B. das Slotsfjeld mit den Überresten der

mittelalterlichen Burg Tönsberghus und der Edelhof Jarlsberg,

sonst Söheim genannt.

Tonschluß, s. v. w. Kadenz.

Tonschnitt, s. Holzschneidekunst, S. 682.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 218 / 302 段