oder 5. Jahrh. von einem nördlichern Land, Huehuetlapallan,
aus in Anahuac ein und gründete hier um die Mitte des 7.
Jahrh. die Stadt Tollan (Tula). Durch Eroberung und friedliche
Übereinkunft erweiterten die T. bald ihr Gebiet und gelangten
auf eine ziemlich hohe Stufe der Kultur, welche im allgemeinen das
Gepräge der spätern aztekischen trägt, und von
welcher großartige Bauten in Anahuac noch Kunde geben. Im 4.
Jahrh. seines Bestehens stand ihr Reich auf der höchsten Stufe
seiner Macht, seitdem sing es infolge unglücklicher Kriege und
ungünstiger Naturereignisse an zu sinken. Unter dem König
Topiltzin (Mitte des 11. Jahrh.) wurde das Land durch Hungersnot
und Krankheit entvölkert, und die übriggebliebenen
siedelten sich teils in benachbarten Landschaften an, teils
verschmolzen sie mit den Chichimeken, die 100 Jahre später
hier einwanderten, bis die Azteken (s. d.) an ihre Stelle traten.
Vgl. Valentini, The Olmecas and the Tultecas (Worcester 1883).
Tolú, Stadt im Staat Bolivar der südamerikan.
Republik Kolumbien, am Golfo de Morrosquillo, mit verfallenen
Festungswerken, Aussuhr von Palmöl, Getreide, Holz, Tolubalsam
und (1870) 3013 Einw.
Tolubalsam (Opobalsam), harzig-balsamische Substanz,
welche von dem in Südamerika heimischen Baum Myroxylon
toluifera H. B. Kth. aus Einschnitten in den Stamm gewonnen wird,
ist srisch terpentinartig, braungelb, durchsichtig, erstarrt mit
der Zeit kristallinisch und gibt dann ein gelbliches Pulver. Er
riecht feiner als Perubalsam, schmeckt
747
Toluca - Tomek.
aromatisch, wenig kratzend, löst sich in Alkohol und
Äther und besteht aus einem Kohlenwasserstoff, Tolen, Harzen,
Benzoesäure und Zimtsäure. Man benutzt den T. als
Räuchermittel und zur Bereitung eines aromatischen Sirups. Der
T. wurde zuerst durch Monardes bekannt, scheint aber noch lange
eine Seltenheit geblieben zu sein und findet sich erst im 17.
Jahrh. in deutschen Apothekertaxen.
Tolúca (Toloccan), Hauptstadt des mexikan. Staats
Mexiko, 2680 m ü. M. gelegen, hat eine schöne Kathedrale,
Theater, höhere Schule, Seifen-, Schminke- und
Kerzenfabrikation, bedeutende Schweinezucht, Handel mit
Würsten und Schinken und (1880) 11,376 Einw. Südwestlich
davon liegt der 4570 m hohe Nevado de T. (Xinantecatl), ein
ausgebrannter Vulkan mit einem Kratersee in der Höhe von 4090
m.
Toluidin, s. Toluol.
Toluidinblau, s. Anilin.
Toluifera, s. Myroxylon.
Toluol (Methylbenzol, Benzylwasserstoff) C7H8 findet sich
im leichten Steinkohlenteeröl und wird daraus durch
fraktionierte Destillation gewonnen, entsteht auch bei trockner
Destillation des Kampfers, Tolubalsams, Drachenbluts etc., bei
Behandlung eines Gemisches von Monobrombenzol und Methylbromür
mit Natrium etc. Das aus Steinkohlenteer gewonnene T. des Handels
ist ein Gemisch von Benzol und T. in Verhältnissen, wie sie
den Zwecken der Industrie entsprechen. Reines T. bildet eine
farblose, dem Benzol sehr ähnliche Flüssigkeit vom spez.
Gew. 0,882, riecht angenehm aromatisch, löst sich nicht in
Wasser, wenig in Alkohol, leicht in Äther, erstarrt noch nicht
bei -20°, siedet bei 111° und brennt mit leuchtender
Flamme; mit Chromsäure liefert es Benzoesäure, mit
konzentrierter Salpetersäure zwei isomere Nitrotoluole
C7H7NO2, ein kristallisierbares (Paranitrotoluol), welches bei
54° schmilzt und bei 237° siedet, und ein flüssiges
(Orthonitrotoluol) vom spez. Gew. 1,163, welches bei 227°
siedet und nach Bittermandelöl riecht. Bei Behandlung mit
reduzierenden Substanzen liefert das Gemisch der Nitrotoluole zwei
Toluidine C7H7.NH2, von welchen das Paratoluidin farblose Kristalle
bildet, bei 45° schmilzt und bei 198° siedet, während
das flüssige Orthotoluidin (Pseudotoluidin) vom spez. Gew. 1,0
nicht bei -20° erstarrt und bei 199° siedet. Dies Toluidin
wird durch Chlorkalklösung violett gefärbt, ersteres
nicht. Die Toluidine entsprechen dem Anilin und verhalten sich
demselben sehr ähnlich, bilden namentlich auch mit Säuren
Salze. Aus salzsaurem Orthotoluidin scheidet Eisenchlorid einen
blauen Körper (Toluidinblau) ab. Die Toluidine spielen eine
wichtige Rolle bei der Darstellung der Anilinfarben (vgl. Anilin),
das T. ist der Ausgangspunkt für die Darstellung vieler
Verbindungen, z. B. der Benzoesäure, des künstlichen
Indigos etc.
Tölz, Flecken und Bezirksamtshauptort im bayr.
Regierungsbezirk Oberbayern, am Austritt der Isar aus den Alpen und
an der Linie Holzkirchen-T. der Bayrischen Staatsbahn, 671 m
ü. M., hat eine evangelische und 4 kath. Kirchen, ein
Franziskanerkloster, ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Sieg
der deutschen Landsknechte bei Pavia (1525), deren Führer
Georg Frundsberg und Kaspar Winzerer in T. geboren waren,
elektrische Beleuchtung, ein Amtsgericht, Holzhandel,
Flößerei, Kreidebrüche, Zementfabrikation,
Ziegelbrennerei und (1885) 3796 Einw. Dabei das Bad Krankenheil mit
mehreren jod- und schwefelhaltigen, doppeltkohlensauren
Natronquellen von 7,5-9° C., welche besonders gegen
skrofulöse Leiden, Anschwellungen der Leber und Milz,
chronische Gebärmutterentzündung, chronische Katarrhe der
Nase, des Rachens und des Kehlkopfes, Leiden der Harnwerkzeuge und
chronische Hautkrankheiten empfohlen werden. Vgl. Höfler, Bad
Krankenheil zu T. (2. Aufl., Freiburg 1889); Derselbe, Führer
von T. und Umgebung (5. Aufl., Münch. 1886); Letzel, Der
Kurgast von Krankenheil (Tölz 1888).
Tom., Abkürzung für Tomus (s. d.).
Tomahawk (spr. -hahk), die Streitaxt der nord-amerikan.
Indianer, gilt als Symbol des Kriegs; daher den T. begraben, s. v.
w. Frieden halten.
Toman (Tomaund, Tomond), pers. Goldmünze,
ursprünglich dem Dukaten gleich, wird in 10 Kran à 2
Panabat à 10 Schahi (4 Schahi = 1 Abassi) eingeteilt und
enthält gesetzmäßig 3,376 g fein Gold im Wert von
9,419 Mk.
Tomaschek, Johann Wenzel, Musiklehrer und Kompon ist,
geb. 17. April 1774 zu Skutsch in Böhmen, erhielt den ersten
Violin- und Gesangunterricht in Chrudim, besuchte dann die Schule
des Klosters Iglau und bezog die Universität Prag, um die
Rechte zu studieren, wandte sich aber bald ganz der Musik zu und
wurde, nachdem er sich durch eingehende theoretische Studien
weitergebildet, der angesehenste Musiklehrer Prags. Schüler
von ihm sind: Dreyschock, Kittel, Schulhoff u. a. T. war auch ein
fleißiger und gediegener Komponist; im Druck erschienen von
ihm eine Orchestermesse, Kantaten, Lieder, eine Symphonie, ein
Klavierkonzert, ein Streichquartett, ein Trio, fünf
Klaviersonaten und andre Klavierstücke. Er starb 3. April 1850
in Prag.
Tomaschow, 1) Stadt im russisch-poln. Gouvernement
Petrokow, an der Pilitza und der Bahnlinie Koluszki-Ostrowez, hat
eine protestantische und eine kath. Kirche, viele Tuchfabriken und
(1885) 16,349 Einw. -
2) Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Lublin, mit
Porzellanfabrik, regem Grenzverkehr mit Österreich und (1885)
5784 Einw.
Tomate, s. Lycopersicum.
Tombak, s. Messing; weißer T., s. v. w.
Weißkupfer.
Tombara, s. Neubritannia-Archipel, S. 70.
Tombigbee River (spr. tombiggbi riwwer), Fluß im
nordamerikan. Staat Alabama, vereinigt sich nach einem Laufe von
730 km mit dem Alabama zum Mobile River (s. d.) und ist bis
Columbus (Mississippi) 670 km oberhalb Mobile schiffbar. Sein
Hauptzufluß ist der Black Warrior River, der bis Tuscaloosa
fahrbar ist.
Tombola (ital.), ein in Italien übliches Lottospiel,
bei welchem die Lose aus einer Trommel gezogen werden; wird
namentlich bei Volksfesten von der auf öffentlichen
Plätzen versammelten Volksmenge gespielt.
Tombuktu, Stadt, s. Timbuktu.
Tomé (El T.), Hafenstadt im südamerikan.
Staat Chile, Provinz Concepcion, an der Nordseite der
Talcahuanabai, hat eine Wolltuchfabrik, Schiffswerfte und (1875)
3529 Einw.
Tomek, Wáclaw Wladiwoj, böhm. Historiker,
geb. 31. Mai 1818 zu Königgrätz, seit 1850 Professor an
der Universität in Prag, ging 1882 an die neue tschechische
Universität daselbst über, war 1861-66 Mitglied des
böhmischen Landtags und des österreichischen Reichsrats
und ist seit 1885 Mitglied des Herrenhauses. Er schrieb auf
Palackys Betrieb eine vortreffliche Geschichte Prags (1855 ff., Bd.
1-7). Von seinen übrigen Büchern sind noch zu nennen:
"Deje zemr ceské" (1843); "Deje mocnáestvi
Rakouského" (1845); "Dejepis university Prazske" (1848);
"Zák-
748
Tomi - Ton.
lady starého mistopisu Prazského" (1865); dann
"Geschichte Böhmens in übersichtlicher Darstellung"
(deutsch vom Verfasser, Prag 1864-65); "Die Grünberger
Handschrift" (übersetzt von Maly, das. 1859); "Handbuch der
österreichischen Geschichte" (das. 1859, nur Band 1); "Johann
Zizka" (deutsch, das. 1881).
Tomi, im Altertum Stadt in Untermösien, am Pontus
Euxinus, bekannt als Verbannungsort des Dichters Ovid; das jetzige
Constanza (s. d.).
Tomleschg, Thal, s. Hinterrhein.
Tommaseo, Niccolò, ital. Schriftsteller, geb. 1802
zu Sebenico in Dalmatien, studierte zu Padua die Rechte, folgte
aber seiner Neigung für die Litteratur, war seit 1827 in
Florenz journalistisch thätig und ging 1833 nach Frankreich.
Im folgenden Jahr veröffentlichte er seine Schrift "Dell'
educazione" (1834), die binnen zwei Jahren drei Auflagen erlebte,
ferner die politische Schrift "L'Italia" (1835) und einen Roman:
"Il duca d'Atene" (1836). Von 1838 an lebte er in Venedig, wo ein
Jahr vorher sein trefflicher "Kommentar zu Dante" erschienen war,
und wo er weiterhin seine "Nuovi scritti" (1839-1840, 4 Bde.) und
"Studj critici" (1843, 2 Bde.) sowie seine große, mit Recht
berühmte Sammlung "Canti popolari toscani, corsici, illirici,
greci" (1843, 2 Bde.) veröffentlichte. Auch ließ er eine
Bearbeitung der auf die Geschichte Frankreichs im 16. Jahrh.
bezüglichen Gesandtschaftsberichte (1838, 2 Bde.) erscheinen
und gab die "Lettere di Pasquale de' Paoli" (1846) heraus. Seine
streng katholische Gesinnung hinderte ihn nicht, sich 1848 zur
liberalen und nationalen Partei zu bekennen. Infolge seines
freimütigen Auftretens mit Manin verhaftet, aber vom Volke
gewaltsam befreit und als Minister des Unterrichts mit Manin an die
Spitze der provisorischen Regierung gestellt, verließ er die
Stadt vor dem Einzug der Österreicher und begab sich nach
Korfu, wo eine Krankheit seine Erblindung zur Folge hatte. 1852
veröffentlichte er zu Mailand seinen sehr interessanten
psychologischen Roman "Fede e bellezza", der mehrmals neu aufgelegt
wurde. 1854-59 lebte er in Turin, von da an zu Florenz, wo er 1.
Mai 1874 starb. Von seinen weitern Publikationen sind
hervorzuheben: "Le lettere di Santa Caterina di Siena" (1860, 4
Bde.); eine Sammlung seiner politischen Schriften: "Il secondo
esiglio" (1862, 3 Bde.); "Sulla pena di morte" (1865) und "Nuovi
studj su Dante" (1865). Äußerst verdienstvoll ist sein
"Dizionario di sinonimi della lingua italiana" (7. Aufl. 1887, 2
Bde.), geschätzt auch sein "Leben Rosminis" und sein
"Dizionario estetico" (neue Aufl. 1872). T. war einer der
angesehensten Schriftsteller seiner Zeit, vielseitigen und lebhaft
beweglichen Geistes und von großem Einfluß als
Kritiker. Vgl. Bernardi, Vita e scritti di Niccolò T. (Turin
1874); K. Hillebrand in der "Allgemeinen Zeitung" (Mai 1874).
Tommaso, ital. Maler, aus Modena, daher T. da Modena
genannt, malte um 1352 in Treviso (im Dominikanerkloster) eine
Reihe von Wandbildern der berühmtesten Mitglieder des
Dominikanerordens, sodann im Dom des Lünettenfresko des
Gekreuzigten. Weitere Spuren von ihm finden sich in Prag, wohin er
1357 durch Karl IV. berufen worden sein soll. Eine Madonna und ein
Ecce homo befinden sich auf dem Karlstein bei Prag.
Tompa, Michael, ungar. Dichter, geb. 29. Sept. 1819 zu
Rimaszombat im Gömörer Komitat, studierte daselbst und in
Sáros-Patak und ward 1845 protestantischer Seelsorger zu
Beje im Gömörer Komitat, 1848 Feldgeistlicher in der
Honvédarmee und 1852 Pfarrer zu Yamva (Gömörer
Komitat), wo er bis an das Ende seines Lebens wirkte. Sein erstes
selbständiges Werk war: "Néprgék,
Népmondák" ("Volksmärchen, Volkssagen", Pest
1846). In demselben Jahr zeichnete die Kisfaludy-Gesellschaft seine
komische poetische Erzählung "Szuhay Mátyás" mit
einem Preis aus und wählte ihn zu ihrem Mitglied. 1847
erschien die erste Ausgabe seiner Gedichte. In den Jahren
unmittelbar nach der Revolution gab er der damaligen
gedrückten Stimmung und den von der politischen Gewalt noch
verpönten Hoffnungen in mit großem Beifall aufgenommenen
allegorischen Gedichten Ausdruck, wegen deren er sich 1852 vor dem
Kriegsgericht in Kaschau zu verantworten hatte. 1858 wurde er von
der Akademie zum Mitglied gewählt, 1868 erhielt er für
seine Dichtungen den großen akademischen Preis (200 Dukaten).
Kurz darauf starb er 30. Juli 1868. Eine Gesamtausgabe seiner
Dichtungen erschien in 5 Bänden (Pest 1881).
Tomsk, russ. Gouvernement in Westsibirien, zwischen den
Gouvernements Tobolsk, Semipalatinsk und Jenisseisk und der
Mongolei, 847,887 qkm (15,398 QM.) groß mit (1885) 1,960,064
Einw. (meist Russen und deren Nachkommen), darunter 994,246
Griechisch-Katholische, 64,545 Heiden (Tataren, Kalmücken,
Bucharen, Ostjaken u. a.), 29,179 Mohammedaner, 6659
Römisch-Katholische, 4501 Juden u. a. Die Zahl der Verbannten
beträgt 30,000. Das Gouvernement wird im SO. vom Altai
ausgefüllt, hat weiter nach N. große Steppen (vgl.
Baraba), Wälder und Moräste und wird seiner ganzen
Länge nach vom Ob durchflossen. Das Klima ist im S.
gemäßigt, im N. rauh. Gebaut werden: Hafer, Weizen,
Roggen, Gerste, Kartoffeln. Haupterwerb ist Viehzucht, man
zählte 1883: 982,115 Pferde, 821,027 Rinder, 930,915 meist
grobe Schafe, 216,032 Schweine. Leider treten zuweilen Viehseuchen
auf. Die Hüttenwerke im Altai lieferten früher
außerordentliche Mengen von Metall (1851: 655,240 kg
silberhaltige Golderze, 362,872 kg goldhaltige Silbererze und
4,096,478 kg Kupfer), die Produktion ist aber sehr bedeutend
heruntergegangen; es ist daher eine Anzahl von Werken bereits
aufgegeben, was zum großen Teil an der Mißwirtschaft
der Kronbeamten liegt; die Privatunternehmungen gedeihen weit
besser. Die Ausbeute betrug 1880: 2427 kg Gold, 10,135 kg Silber,
1,058,274 kg Blei, 470,516 kg Kupfer und 713,383 kg Gußeisen.
Zwei große Märkte werden jährlich zu Susunk (Kreis
Barnaul) und zu Wosnesensk (Kainsk) abgehalten. An Lehranstalten
sind vorhanden 1885: 9 Mittelschulen mit 1372 Schülern, 5
Fachschulen mit 403 Schülern, 254 Elementarschulen mit 8956
Schülern. Die Hauptstadt T., am Tom, ist Sitz des Gouverneurs,
eines griechischen Bischofs, einer Schuldirektion, hat viele zum
Teil recht stattliche Regierungsgebäude, einen russischen
Bazar, zahlreiche chinesische Kaufläden, 9 griechische
Kirchen, 2 Klöster, eine lutherische und eine
römisch-katholische Kirche, mehrere Moscheen, ein
großartiges (1887 eröffnetes)
Universitätsgebäude, Seminar, Gymnasium, höhere
Töchterschule, Bibliothek, naturwissenschaftliches Museum und
(1885) 36,742 Einw., welche Gerberei, Seifensiederei,
Talgschmelzerei u. a. sowie lebhaften Handel mit Getreide, Leder
und Pelzwaren betreiben, wozu die Lage am Sibirischen Trakt die
Stadt besonders befähigt.
Tomus (lat.), Band, Teil eines Buches.
Ton (spr. tönn), Handelsgewicht in England und den
Vereinigten Staaten Nordamerikas, à 20 Ztr. à 112
Pfd. = 1016,046 kg; in Nordamerika oft nur
749
Ton - Tonart.
zu 2000 Pfd. T. of shipping, Schiffslast, nach Gewicht 2000
Pfd., oft das gewöhnliche T.; nach Raum = 400 engl.
Kubikfuß = 1,132 cbm; in New York und New Orleans nach Waren
usanzmäßig, z. B. 20000 Pfd. schwere Güter, 1830
Pfd. Kaffee in Säcken etc.
Ton, in der Musik ein Klang von konstanter Tonhöhe
(s. Schall, S. 391); auch s. v. w. Ganzton (s. d.) oder Tonart
(besonders Kirchenton). In der Malerei versteht man unter T.
(Farbenton) die sämtlichen in einem Gemälde angewendeten
Farben in ihrem Verhältnis zu einander und nach ihrem
Gesamteindruck.
Tonalá, Hafenstadt im mexikan. Staat Chiapas, an
einem Haff des Stillen Ozeans, dessen Einfahrt nur Schiffen von 3 m
Tiefe zugänglich ist, mit (1880) 6702 Einw.
Touale, Berg und Paß an der Grenze Tirols
(Sulzberg-Thal) und der ital. Provinz Sondrio, ersterer 2690,
letzterer 1874 m hoch. Über den Paß, welcher befestigt
ist, führt eine der wichtigsten Militärstraßen aus
Tirol nach dem Veltlin. Hier 1799 und 1809 Treffen zwischen
Tirolern und Franzosen; auch in den Jahren 1848, 1859 und 1866 kam
es daselbst öfters zu Gefechten.
Tonalit, gemengtes kristallinisches Gestein, aus
Plagioklas, Quarz, Hornblende und Biotit bestehend, bildet den
Monte Adamello, südlich von Tonale (daher T.).
Tonalität (franz.), ein Begriff der modernen
Musiktheorie, der sich nicht völlig mit "Tonart" deckt,
sondern in seiner Bedeutung weit über die Grenzen der letztern
hinausreicht. T. ist die eigentümliche Bedeutung, welche die
Akkorde dadurch erhalten, daß sie auf einen Hauptklang, die
Tonika, bezogen werden. Während die ältere Harmonielehre,
welche im wesentlichen von der Tonleiter ausgeht, unter "Tonika"
den dieselbe beginnenden und schließenden Ton versteht,
muß die neuere Harmonielehre, welche nichts andres ist als
die Lehre von der Auffassung der Akkorde im Sinn von Klängen,
einen Klang (Dur- oder Mollakkord) als Tonika aufstellen. So ist
die C dur-T. herrschend, wenn die Harmonien in ihrer Beziehung zum
C dur-Akkord verstanden werden; z. B. die Folge:
[s. Graphik]
ist im Sinn einer Tonart der ältern Harmonielehre gar nicht
zu begreifen, obgleich niemand behaupten kann, daß sie
fürs Ohr unverständlich ist. Im Sinn der C dur-T. ist
sie: Tonika - Gegenterzklang - Tonika - schlichter Terzklang -
Tonika, d.h. es sind der Tonika nur nahe verwandte Klänge
gegenübergestellt (vgl. Klangfolge). Ein Klang wird als
Hauptklang aufgestellt: entweder durch direkte Setzung,
wiederholten Anschlag, breite Darlegung (z. B. der F moll-Akkord zu
Anfang der Sonata appassionata von Beethoven), oder auf indirektem
Weg, indem ein Schluß zu ihm gemacht wird; das letztere
geschieht, indem einem seiner verwandten Klänge der
Untertonseite einer der Obertonseite folgt oder umgekehrt (s.
Tonverwandtschaft). Bei derartigen Folgen, z. B. F dur-Akkord - G
dur-Akkord || oder As dur-Akkord - G dur-Akkord || oder G
dur-Akkord - F moll-Akkord ||, ist der übersprungene C dur-
oder C moll-Akkord das Verständnis der beiden Akkorde
vermittelnd und tritt deshalb gern danach als schließender
Akkord auf. Diese Ausprägung der T. durch eine Art
Schlußfolgerung kann ein Tonstück beginnen, wird aber
noch viel häufiger im weitern Verlauf zur Anwendung gebracht,
wenn die Tonikabedeutung auf einen andern Klang übergehen soll
(s. Modulation). Die eigentümliche Thatsache, daß
konsonante Akkorde unter Umständen ganz dieselbe Wirkung und
Bedeutung für die harmonische Satzbildung haben wie
dissonante, daß z. B. in C dur der Unterdominante (fac) meist
ohne Änderung des Effekts die Sexte (d) beigegeben werden kann
und der Oberdominante (ghd) ebenso die Septime (f), findet ihre
Erklärung nur im Prinzip der T. Denn im strengsten Sinn
konsonant, d. h. schlußfähig, keine Fortsetzung
(Auflösung) verlangend, ist eigentlich immer nur ein einziger
Klang, die Tonika; die Bedeutung der übrigen ist durch ihre
Verwandtschaft mit dieser bedingt.
Tonart, in der Mufik die Bestimmung des Tongeschlechts
(ob Dur oder Moll) und der Tonstufe, auf welcher ein Stück
seinen Sitz baben soll. Statt unsrer heutigen beiden
Tongeschlechter nahmen die Alten (Griechen, Römer, Araber,
Inder, das Abendland im Mittelalter) deren eine größere
Zahl an (vgl. Kirchentöne); über die Bedeutung dieser
verschiedenen Oktavengattungen wie der Tonleitern überhaupt
vgl. Tonleiter. Jede Oktavengattung kann beliebig transponiert
werden, d. h. dieselbe Intervallenfolge kann von jedem Ton aus
gebracht werden; schon die Griechen hatten 15 Transpositionsskalen,
die Kirchentöne wurden freilich lange Zeit nur in die Quarte
und erst später auch in die Quinte transponiert. Die
Einführung noch mehrerer Transpositionen im 16.-17. Jahrh. war
schon das Anzeichen des Unterganges der alten Lehre. Die heutigen
Transpositionen der beiden Grundskalen (C dur und A moll) sind
:
1) in die Oberquinte (G dur E moll) mit 1 # (vor F)
2) - - Unterquinte (F dur, D moll) mit 1 b (vor H)
3) - - 2. Oberquinte (D dur, H moll) mit 2 # (vor F, C)
4) - - 2. Unterquinte (B dur, G moll) mit 2 b (vor H, E)
5) - - Obersexte (A dur, Fis moll) mit 3 # (vor F, C, G)
6) - - Untersexte (Es dur, C moll) mit 3 b (vor H, E, A)
7) - - Oberterz (E dur, Cis moll) mit 4 # (vor F, C, G, D)
8) - - Unterterz (As dur, F moll) mit 4 b (vor H, E, A, D)
9) - - große Oberseptime (H dur, Gis moll) mit 5 # (vor F,
C, G, D, A)
10) - - große Unterseptime (Des dur, B moll) mit 5 b (vor
H, E, A, D, G)
11) - - übermäßige Oberquarte (Fis dur, Dis
moll) mit 6 # (vor F, C, G, D, A, E)
12) - - übermäßige Unterquarte (Ges dur, Es
moll) mit 6 b (vor H, E, A, D, G, C)
13) - - chromatische Obersekunde (Cis dur, Ais moll) mit 7 #
(vor F, C, G, D, A, E, H)
14) - - chromatische Untersekunde (Ces dur, As moll) mit 7 b
(vor H, E A, D, G, C, F)
Der verschiedene Charakter der Tonarten ist kein leerer Wahn,
hängt aber nicht, wie man hier und da lesen kann, von der
ungleichartigen Temperatur der Töne ab (nämlich C dur als
am reinsten gestimmt gedacht), sondern ist eine ästhetische
Wirkung, die in der Art des Aufbaues unsers Musiksystems ihre
Erklärung findet. Dasselbe basiert auf der Grundskala der
sieben Stammtöne A-G, und die beiden diese vorzugsweise
benutzenden Tonarten C dur und A moll erscheinen als schlichte,
einfache, weil sie am einfachsten vorzustellen sind. Die Ab-
750
Tonbestimmung - Tongaarchipel.
weichungen nach der Obertonseite (#-Tonarten) erscheinen als
eine Steigerung, als hellere, glänzendere, die nach der
Untertonseite (b-Tonarten) als Abspannung, als dunklere,
verschleierte; die erstere Wirkung ist eine dur-artige, die
letztere eine moll-artige. Dazu kommt die Verschiedenheit der
ästhetischen Wirkung der Dur-Tonarten und Moll-Tonarten
selbst, welche in der Verschiedenheit der Prinzipien ihrer
Konsonanz wurzelt; Dur klingt hell, Moll dunkel. Die Dur-Tonarten
mit Kreuzen haben daher einen potenzierten Glanz, wie die
Molltonarten mit Been potenziert dunkel sind; eigenartige
Mischungen beider Wirkungen sind das Helldunkel der Dur-Tonarten
mit Been und die fahle Beleuchtung der Molltonarten mit Kreuzen.
Die Wirkung wächst mit der Zahl der Vorzeichen. Geringe
Modifikationen erleidet der Charakter der Tonarten durch die
größere oder geringere Schwierigkeit, mit der die
einzelnen Tonarten von den Instrumenten hervorgebracht werden. Die
Tonarten mit viel Vorzeichen klingen am besten beim Klavier;
dagegen machen manche Tonarten den Instrumenten mit teilweise
gebundener Intonation besondere Schwierigkeiten. Die Posaunen
stehen in Es dur, haben daher eine natürliche Abneigung gegen
#-Tonarten; umgekehrt stehen Flöte und Oboe in D dur, d. h.
sie haben Abneigung gegen B-Tonarten. Auch die Streichinstrumente
sind zufolge der Stimmung der leeren Saiten als in G-, resp. D-
oder A dur stehend anzusehen, d. h. sie begegnen in den B-Tonarten
größern Schwierigkeiten. Die Schwierigkeiten der
Applikatur belasten in einer ganz ähnlichen Weise die
Vorstellung wie die des Systems der Notenschrift, und Es dur
erscheint daher den Posaunisten, D dur den Flötisten, Oboisten
und Violinisten als eine besonders einfache Tonart.
Tonbestimmung, die mathematische Bestimmung der
Tonhöhenverhältnisse, die Feststellung der relativen
Schwingungszahlen oder Saitenlängen, welche den einzelnen
musikalischen Intervallen zukommen. Der Schwingungsquotient ist der
genaue mathematische Ausdruck des Verwandtschaftsverhältnisses
zweier Töne, z. B. der Schwingungsquotient 9:8 für den
großen Ganzton c:d; 10:9 für den kleinen Ganzton d:e;
16:15 für den großen Halbton e:f; 25:24 für den
kleinen Halbton f:fis; 5:4 für die (reine) große Terz
c:e; 6:5 für die kleine Terz c:es; 256:225 für die
verminderte Terz dis:f; 64:81 für c:e als vierte Quinte
aufgefaßt c (g d a) e (mit Ignorierung der Oktavversetzungen)
etc. Eine Tabelle der wichtigsten denkbaren Tonwerte im Umfang
einer Oktave, von e ausgehend und nach diesem die akustischen Werte
der übrigen Töne bestimmend, findet sich in Riemanns
"Musiklexikon" (3. Aufl., Leipz. 1887).
Tonbridge (spr. tönnbriddsch), s. Tunbridge.
Tonbuchstaben, s. Buchstabentonschrift.