Kupfer und Steinkohlen kommen vor, werden aber noch wenig
ausgebeutet. Die gleichnamige Hauptstadt, 2225 m Ü. M, 25 km
nördlich von Puebla, an der Eisenbahn, hat eine höhere
Schule, etwas Wollindustrie und (1880) 4300 Einw. (zur Zeit ihres
Glanzes zählte sie 100,000). - T. bildete in der
altmexikanischen Zeit eine oligarchische Republik mit ungefähr
500,000 Einw. Bei der Eroberung Mexikos durch die Spanier schlossen
sich die Tlaxcalaner, ein Aztekenstamm, nachdem sie vergeblich
Widerstand versucht, treu an Cortez an, welcher daher der Republik
eine gewisse Selbständigkeit unter spanischer Oberherrschaft
verschaffte.
Tlemsen (bei den Franzosen Telemcen), Stadt in Algerien,
Departement Oran, 44 km vom Mittelländischen Meer entfernt,
auf drei Seiten von tiefen Schluchten umgeben, hat (1881) 25,370
Einw., davon 10,033 Europäer und Juden. T. hat aus seiner
alten Blütezeit nur einige schöne Moscheen aufzuweisen,
es ist aber durch günstige klimatische Verhältnisse,
zahlreiche Neuschöpfungen der Franzosen (Museum, Bibliothek)
und namentlich durch seine großartigen Ölbaumpflanzungen
und Weinberge eine Perle Algeriens. Südwestlich von T. liegt
Mansura mit den 1318 erbauten großartigen, jetzt in Ruinen
liegenden Wasserwerken. - T. war im Mittelalter eine blühende
Stadt und die Residenz der auf die Almorawiden folgenden maurischen
Dynastie Beni Zian; aber es war schon verfallen, als die Franzosen
es 1836 besetzten. Im Frieden von Tafna (1837) wieder freigegeben,
wurde es 1841 aufs neue genommen; im März 1842 und im Oktober
1845 fanden hier nochmals harte Kämpfe zwischen den Franzosen
und Abd el Kader statt.
Tlepolemos, im griech. Mythus Sohn des Herakles und der
Astyoche, mußte als Mörder seines Oheims Likymnios aus
Argos fliehen und ließ sich in Rhodos nieder, wo er die
Städte Lindos, Jalysos und Kameiros baute. Er beteiligte sich
am Zug nach Troja, ward aber von Sarpedon getötet.
Tlinkit (Thlinkit), Indianerstamm, s. Koloschen.
Tlumacz (spr. -maz), Stadt in Ostgalizien, Station der
Staatsbahnlinie Stanislau-Husiatyn, Sitz einer
Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit
Branntweinbrennerei und (1880) 5062 Einw.
Tmesis (griech.), Trennung eines zusammengesetzten Wortes
durch etwas dazwischen Geschobenes (z. B. wo gehst du hin?
für: wohin gehst du?).
Toast (engl., spr. tohst), geröstete Brot-,
namentlich Weißbrotschnitte zum Thee; dann fast in alle
neuern Sprachen übergegangene Bezeichnung für Trinkspruch
(s. Gesundheittrinken).
Tobágo (Tabago), britisch-westind. Insel,
nächst Trinidad die südlichste der Kleinen Antillen, ist
vulkanischen Ursprungs, bis 650 m hoch, teilweise bewaldet und
ungemein fruchtbar. T. hat ein Areal von 385 qkm (6,99 QM.) mit
(1887) 20,335 Einw. Zucker und Rum sind die wichtigsten Produkte,
und auch die Viehzucht ist ziemlich ansehnlich. Den Wert der
Ausfuhr schätzt man auf (1887) 32,907 Pfd. Sterl., die Einfuhr
auf 23,118 Pfd. Sterl. Die frühere
Repräsentativverfassung wurde 1877 aufgehoben. Scarborough,
auf der Südostküste, mit gutem Hafen ist Hauptstadt. - T.
wurde 1498 von Kolumbus entdeckt. In der Folge war es
vorübergehend (1632-l677) von Niederländern besetzt, dann
abwechselnd im Besitz der Franzosen und Engländer, bis es 1803
endgültig in den der Engländer kam.
Tobarra, Stadt und Badeort in der span. Provinz Albacete,
an der Eisenbahn Madrid-Cartagena, mit besuchten Schwefelquellen
und (1878) 7219 Einw.
Több, Hohlmaß, s. Kojang.
Tobe, Längenmaß, s. Taka.
Tobelbad, Badeort in Steiermark, 10 km südwestlich
von Graz, in einem von waldigen Bergen umgebenen Thal, mit zwei
Thermen von 25 und 30° C., die besonders bei Frauenkrankheiten,
Nervenleiden etc. gebraucht werden.
Toberentz, Robert, Bildhauer, geb. 4. Dez. 1849 zu
Berlin, besuchte die dortige Kunstakademie und arbeitete dann zwei
Jahre in Schillings Atelier zu Dresden. Damals entstanden ein
überlebensgroßer Perseus und mehrere Büsten.
Nachdem T. von 1872 bis 1857 in Italien studiert hatte, brach er,
nach Berlin zurückgekehrt, mit seiner ältern Richtung,
die sich im Rauchschen Idealstil bewegt hatte, und arbeitete in der
Weise von R. Begas im engen Anschluß an die Natur. Die ersten
dieser Arbeiten waren die Marmorfigur einer Elfe und ein Faun mit
Amor, denen 1878 die Bronzefigur eines ruhenden Hirten (in der
Berliner Nationalgalerie) folgte. 1879 wurde er als Leiter eines
der mit dem schlesischen Museum verbundenen Meisterateliers nach
Breslau berufen, wo er unter anderm einen monumentalen Brunnen
für Görlitz schuf.
Töderich, s. Lolium.
Tobias, ein apokryphisches Buch des Alten Testaments, im
Griechischen Tobit genannt. Letzteres ist der Name des Vaters,
ersteres derjenige des Sohns. Beide zusammen bilden die
Hauptpersonen in einem durchaus romanhaften Familiengemälde,
welches wahrscheinlich innerhalb des ersten vorchristlichen
Jahrhunderts entstanden ist. Übrigens ist das Buch verschieden
bearbeitet worden, und namentlich ist der Text in der Septuaginta
älter und besser als derjenige der Vulgata, dem Luther in
seiner Übersetzung folgte. Die neueste kritische Bearbeitung
lieferte Fritzsche (Leipz. 1853), Erklärungen außerdem
Reusch (Freiburg 1857), Sengelmann (Hamb. 1857) und Gutberlet
(Münster 1877).
Tobiasfisch, s. Sandaal.
Tobitschau, Städtchen in der mähr.
Bezirkshauptmannschaft Prerau, unweit der March, mit einem
Schloß, 2 Kirchen, einer Synagoge und (1880) 2479 slaw.
Einwohnern, war nebst dem benachbarten Dorf Roketnitz 15. Juli 1866
der Schauplatz eines Gefechts zwischen Österreichern (Brigade
Rothkirch) und Preußen unter General v. Hartmann, in welchem
das 5. preußische Kürassierregiment 18 Kanonen eroberte,
und infolge dessen Benedek auf seinem Rückzug nach Ungarn die
Marchlinie aufgeben mußte.
Toblach, Marktflecken in Tirol, Bezlrkshauptmannschaft
Bruneck, 1204 m ü. M. im sogen. Toblacher Feld, der
Wasserscheide zwischen Drau und Rienz, im Pusterthal an der
Südbahnlinie Marburg-Franzensfeste gelegen, Ausgangspunkt ins
Ampezzothal, mit großem Eisenbahnhotel, neuer Kirche und
(1880) 1064 Einw. Unfern der kleine Toblacher See. Vgl. Noë,
T.-Ampezzo (3. Aufl., Klagenf. 1883).
Tobler, 1) Titus, schweizer. Sprachforscher und
Palästinaforscher, geb. 25. Juni 1806 zu Stein im Kanton
Appenzell, studierte zu Wien, Würzburg und Paris und
ließ sich dann in seiner Heimat als Arzt nieder, widmete sich
aber nebenbei mundartlichen Studien und publizistischen Arbeiten.
Die Frucht der erstern war sein "Appenzellerischer Sprachschatz"
(Zürich 1837), dem sich später die "Alten Dialektproben
der deutschen Schweiz" (St. Gallen 1869) anschlossen. 1840 nahm er
seinen Wohnsitz zu Horn im Kanton Thurgau, wo er 1853 zum Mitglied
des eid-
734
Tobol - Toce.
genössischen Nationalrats gewählt ward. Als
Früchte seiner vier Reisen nach dem Orient (die erste 1835,
die letzte 1865 unternommen) erschienen: Lustreise ins Morgenland"
(Zürich 1839, 2 Bde.); "Golgatha, seine Kirchen und
Klöster" (St. Gallen 1851); "Topographie von Jerusalem und
seinen Umgebungen" (Berl. 1853-54, 2 Bde.); "Denkblätter aus
Jerusalem" (Konst. 1853); "Dritte Wanderung nach Palästina"
(Gotha 1858); "Nazareth in Palästina" (Berl. 1868) u. a.
Außerdem veröffentlichte er noch: "Bibliographia
geographica Palaestinae" (Leipz. 1867); "Itinera et descriptiones
terrae sanctae ex saeculo VIII., IX., XII. et XV." (das. 1874) u.
a. Seit 1871 in München wohnhaft, starb er daselbst 21. Jan.
1877. Vgl. Heim, Titus T. (Zürich 1879).
2) Adolf, roman. Philolog, geb. 24. Mai 1835 zu Hirzel im Kanton
Zürich, Sohn des dortigen Pfarrers Salomon T. (gest. 1875 in
Zürich), der sich durch die epischen Dichtungen: "Die Enkel
Winkelrieds" (Zürich 1837) und "Kolumbus" (das. 1846) einen
litterarischen Namen gemacht hat, studierte in Bonn, wo er 1857
promovierte, lebte dann in Rom, in Toscana und Paris, bis er 1861
eine Stelle an der Kantonschule zu Solothurn erhielt. Im J. 1867
habilitierte er sich an der Universität zu Bern, folgte aber
noch in demselben Jahr einem Ruf als Professor der romanischen
Sprachen nach Berlin, welche Stelle er, seit 1881 auch Mitglied der
dortigen Akademie der Wissenschaften, noch jetzt bekleidet. Er
veröffentlichte: "Bruchstücke aus dem Chevalier au Lyon"
(Soloth. 1862); "Italienisches Lesebuch" (2. Aufl., das. 1868);
eine Ausgabe des altfranzösischen Dichters Jehan de Condet
(Stuttg. 1860); "Mitteilungen aus altfranzösischen
Handschriften" (Leipz. 1870); "Die Parabel von dem echten Ring" (2.
Aufl., das. 1884); "Vom französischen Versbau alter und neuer
Zeit" (2. Aufl., das. 1883); "Vermischte Beiträge zur
französischen Grammatik" (das. 1886) und zahlreiche
Abhandlungen in Zeitschriften etc. - Sein Bruder Ludwig T., geb.
1827, seit 1872 Professor der germanischen Philologie an der
Universität zu Zürich, schrieb außer Abhandlungen
in Zeitschriften: "Über die Wortzusammensetzung" (Berl. 1868)
und gab "Schweizerische Volkslieder" (Frauenf. 1882-84, 2 Bde.)
sowie mit F. Staub das "Schweizerische Idiotikon" (das. 1885 ff.)
heraus.
Tobol (kirgis. Tabul), Fluß im westlichen Sibirien,
entspringt auf den südlichen Ausläufern des Ural und
fließt in nordöstlicher Richtung dem Irtisch zu, in den
er bei Tobolsk fällt. Mit dem Eintritt in das Gouvernement
Tobolsk wird er schiffbar, doch ist er von Ende Oktober bis Ende
April mit Eis bedeckt. Er ist ungemein fischreich.
Tobolsk, russ. Gouvernement in Westsibirien,
nördlich vom Eismeer, westlich vom europäischen
Rußland begrenzt, umfaßt 1,377,776 qkm (25,022 QM.) mit
(1885) 1,313,392 Einw. (neun Zehntel Russen und Nachkommen
derselben oder Sibiriaken, darunter an 60,000 Verbannte, und 75,000
Tataren, Bucharen, Ostjaken, Wogulen und Samojeden). Der Religion
nach unterschied man 1,134,149 griechische Katholiken, 53,804
Mohammedaner, 6427 römische Katholiken, 4850 Lutheraner etc.
Die Zahl der Eheschließungen war 1885: 10,114, der Gebornen
71,049, der Gestorbenen 51,053. Hauptfluß ist der Ob (s. d.)
mit seinen Nebenflüssen Tobol und Irtisch. Gemäßigt
ist das Klima nur im S., im N. friert es fast jede Nacht im Jahr.
Unter Anbau stehen 2,579,000 Hektar, hauptsächlich werden
Hafer und Weizen gebaut, dann Roggen, Gerste, Kartoffeln. Der
Viehstand wurde 1884 auf 2,647,594 Stück geschätzt.
Fabriken sind zahlreich in den Städten; in erster Linie
Gerbereien, Talgsiedereien, Branntweinbrennereien, Mahlmühlen,
Kartoffelsirupfabriken, Eisengießereien, Schiffswerften u.
a., 1880 im ganzen 1093 Betriebe mit 5066 Arbeitern und einem
Produktionswert von 5,958,164 Rubel. An Lehranstalten gab es 1885:
331 Elementarschulen, 12 Mittelschulen, 5 Spezialschulen mit
zusammen 11,343 Lernenden. Die Spezialschulen sind: ein geistliches
Seminar, eine Feldscher-, eine Hebammen-, eine Navigations-, eine
Handwerkerschule. Der Handel ist bedeutend, wird aber von einem
kleinen Kreis von Händlern als Monopol ausgebeutet. - Die
gleichnamige Hauptstadt, an der Mündung des Tobol in den
Irtisch, ziemlich gut und regelmäßig, meist aus Holz
erbaut, hat einen Umfang von 12 km und besteht aus der niedrig
gelegenen, periodisch vom Irtisch überschwemmten neuern untern
Stadt und der ältern, schon 1589 gegründeten obern Stadt
auf einem steilen Uferhügel, zu welchem 290 Stufen
hinaufführen. Die letztere gewährt mit ihren
Festungswerken und der Kathedrale einen imposanten Anblick. T. ist
Sitz des Gouverneurs und der obersten Behörden des
Gouvernements, hat viele Kirchen, ein theologisches und ein
Schullehrerseminar, ein Gymnasium, eine Militär- und andre
Schulen, ein Arsenal, Theater und Arbeitshaus und (1885) 20,175
Einw. (darunter viele Deutsche, die hier eine lutherische Kirche
haben). Europäische Waren werden von den Märkten von
Nishnij Nowgorod und Irbit hierhergebracht. T. ist Stapelplatz
für alles für Rechnung der Krone abgelieferte
Pelzwerk.
Toboso, El, kleine Stadt in der span. Provinz Toledo, in
der Mancha, mit (1878) 1798 Einw., berühmt durch Don
Quichottes "Dulcinea von T."
Tobsucht (Furor maniacus), einzelnes Symptom in der Kette
einer bestimmten Geisteskrankheit, z. B. dem Säuferwahnsinn
(s. Delirium tremens) oder der Melancholie, der Verrücktheit,
oder eine selbständige, in sich abgeschlossene
Seelenstörung von mehr oder weniger regelmäßigem
typischen Verlauf. Vgl. Manie.
Tocaima, Stadt im Staat Cundinamarca der
südamerikan. Republik Kolumbien, am Rio Bogotá, 408 m
ü. M., mit Salzquelle, Kupfer- und Goldgruben und (1870) 6021
Einw. Eine 29 km lange Eisenbahn verbindet T. mit Jirardot.
Tocantins, Fluß, s. Tokantins.
Toccata (ital.), einer der ältesten Namen für
Instrumentalstücke, speziell für Tasteninstrumente, und
ursprünglich von Sonata, Fantasia, Ricercar etc. nicht
verschieden. Die ältesten Tokkaten für Orgel sind die von
C. Merulo 1598 herausgegebenen, aber jedenfalls sehr viel
früher geschriebenen für die Orgel. Sie beginnen in der
Regel mit einigen vollen Harmonien, allmählich setzt sich mehr
und mehr Läuferpassagenwerk an, und kleine fugierte
Sätzchen werden eingestreut. Die moderne T. ist ebenfalls noch
durchaus ein Stück für Tasteninstrumente und hat kein
weiteres charakteristisches Merkmal, als daß sie durchgehends
sich in kurzen Notenwerten bewegt und ziemlich vollstimmig gesetzt
ist (vgl. die Bachschen Orgeltokkaten, die Schumannsche
Klaviertokkata etc.).
Toccato (ital., franz. toquet), bei Trompetenchören
die vierte Stimme, welche in Ermangelung der Pauken die beiden
Töne derselben gewissermaßen als Grundstimme anzugeben
hat.
Toce (spr. tohtsche, Tosa), Fluß in der ital.
Provinz Novara, entspringt in den Lepontinischen Alpen an der
Schweizer Grenze, bildet einen berühmten
735
Tockieren - Tod.
Wasserfall (100 m hoch, 24 m breit, mit drei Absätzen),
durchfließt das Thal von Ossola und mündet bei Pallanza
in den Lago Maggiore; 76 km lang.
Tockieren (v. ital. toccare, "berühren"),
Bezeichnung für eine Art der Malerei, wobei die Farbe nicht
verschmolzen, sondern in deutlich sichtbaren und kurz behandelten
Pinselstrichen aufgetragen wird; daher s. v. w. mit derben und
fetten Strichen skizzenähnlich malen.
Tocopilla (spr. -pillja), Hafenort im Territorium
Antofagásta des südamerikan. Staats Chile, 22° 10'
südl. Br. In der Nähe sind Kupfergruben.
Tocqueville (spr. tockwil), Charles Alexis Henri Maurice
Cérel de, franz. Publizist, geb. 29. Juli 1805 zu Verneuil
(Seine-et-Oise), studierte die Rechte, ward 1826 zum
Instruktionsrichter und 1830 zum Hilfsrichter ernannt und 1831 nach
den Vereinigten Staaten von Nordamerika gesandt, um das dortige
Gefängniswesen kennen zu lernen. Als Früchte dieser Reise
erschienen: "Système pénitentiaire aux
États-Unis et de son application en France" (Par. 1832, 2
Bde.; 3. Aufl. 1845) und später das gedankenreiche,
epochemachende Werk "De la démocratie n Amérique"
(das. 1835, 2 Bde.; 15. Aufl. 1868), für welches er den
Montyonpreis erhielt, 1836 Mitglied der Akademie der moralischen
und politischen Wissenschaften und 1841 der Académie
française ward. Nachdem er seit 1839 in der
Deputiertenkammer auf seiten der dynastischen Opposition und nach
der Februarrevolution von 1848 in der Konstituante und Legislative
gewirkt, trat er 2. Juni 1849 als Minister des Auswärtigen ins
Kabinett, zog sich aber nach dem Staatsstreich 1851 vom
öffentlichen Leben zurück und starb 16. April 1859 in
Cannes. Er schrieb noch: "Histoire philosophique du règne de
Louis XV" (Par. 1846, 2 Bde.) mit der Fortsetzung: "Coup d'oeil sur
le règne de Louis XVI" (2. Aufl. 1850); "L'ancien
régime et la révolution" (das. 1856, 7. Aufl. 1866;
deutsch, Leipz. 1857 u. 1867). Gesammelt erschienen seine Werke in
9 Bänden (Par. 1860-65). Vgl. Jaques, A. de T. (Wien
1876).
Tocuyo, 1)(Nuestra Señora de la Concepcion de T.)
Stadt in der Sektion Barquisimeto des Staats Lara der
Bundesrepublik Venezuela, in einem schönen Gebirgsthal am
Fluß T., 629 m ü. M., gelegen, hat eine höhere
Schule, Wollweberei, Schafzucht, Woll- und Salzhandel u. (1883)
15,383 Einw.; wurde 1545 erbaut. -
2) (San Miguel de T., spr. -kujo) Ort im venezuelan. Staat
Falcon, nahe der Mündung des schiffbaren T. in das Karibische
Meer, in fieberschwangerer Gegend. Bei der Mündung des Flusses
Steinkohlenlager.
Tod, das endgültige Aufhören des Stoffwechsels
und der sonstigen Lebensthätigkeiten in einem Individuum, zum
Unterschied von einem durch äußere Hindernisse, die sich
wegschaffen lassen, erzwungenen zeitweisen Stillstand (s.
Anabiotisch und Scheintod). Da die ununterbrochene Aufnahme von
Sauerstoff den hauptsächlichsten Lebensreiz darstellt, so
ergibt die Lähmung der Atmungs- und Blutumlaufszentren die
nächste Todesursache bei den zusammengesetzten und höhern
Tieren; man sagt, jemand hat ausgeatmet, oder sein Herz steht
still, um den Eintritt des Todes zu bezeichnen. Man muß dabei
den natürlichen T. von dem gewaltsam herbeigeführten
unterscheiden. Mit dem erstern Namen bezeichnet man auch den durch
Krankheiten und innere Ursachen herbeigeführten T., obwohl die
Krankheiten oft sehr gewaltsam wirkende Todesursachen liefern (z.
B. Erstickung bei Halskrankheiten, Vergiftung bei Cholera und
ähnlichen Infektionskrankheiten) und strenggenommen nur der
infolge von Altersschwäche eintretende T. als der
naturgemäße Abschluß des Lebens zu bezeichnen
wäre. Ein solcher T. tritt, wie Preyer bemerkt hat, niemals
bei denjenigen niedersten Wesen ein, die sich durch beständige
Zweiteilung vermehren; der T. wurde erst eine Notwendigkeit
für zusammengesetzte Wesen, deren Organe sich abnutzen, und
die Begrenzung der Lebensdauer (s. d.) ist, wie schon Goethe
ausdrückte, eine Zweckmäßigkeitseinrichtung: der
Kunstgriff der Natur, immer neues und frisches Leben zu haben. Man
kann den örtlichen T., d. h. das Absterben einzelner Organe
(s. Brand), unterscheiden vom allgemeinen T. Auch beim allgemeinen
T. erfolgt das Absterben der sämtlichen Körperteile nicht
mit Einem Schlag, sondern mehr oder weniger allmählich; es
gehen seinem Eintritt Zeichen voran, welche dessen Annäherung
verkünden. Das Stadium, in welches diese Zeichen fallen,
heißt Todeskampf oder Agonie. Man nannte es einen Kampf, weil
es manchmal mit Symptomen von Aufregung, Schmerzen und
Krämpfen verknüpft ist. Aber sehr häufig
verläuft es still und geräuschlos (Todesschlaf) auch bei
kräftigern Körpern. Die Erscheinungen der Agonie sind in
jedem Fall gemischt aus den Symptomen der Krankheit, welche dem
Leben ein Ende macht, und aus den Zeichen der fortschreitenden
Lähmung des Nervensystems. Aufregungssymptome, von welchen die
Krankheit begleitet war, verschwinden nach und nach, das
Denkvermögen ist meist vermindert oder aufgehoben. Gegen die
Umgebung zeigen sich Sterbende, selbst wenn sie noch bei
Bewußtsein sind, meist gleichgültig. Häufiger fehlt
das Bewußtsein, manchmal kehrt dasselbe in den letzten
Momenten wieder, und die relative Ruhe nach den vorausgegangenen
Schmerzen und Krämpfen wird vom Sterbenden als physisches
Behagen empfunden. Der erfahrene Beobachter erkennt in der Ruhe das
Fortschreiten der Lähmung. Die verschiedenen Organe sterben in
einer bestimmten, ziemlich regelmäßigen Reihenfolge ab.
War das Bewußtsein noch erhalten, so überlebt es die
Sinne. Der Geruchs- und Geschmackssinn scheinen zuerst zu
verschwinden. Darauf erlischt meist der Gesichtssinn; die
Sterbenden klagen nicht selten über einen Nebel vor den Augen
oder rufen nach Licht. Für Gehörseindrücke geben sie
noch Zeichen des Verständnisses, wenn das Auge schon von
Dunkel umhüllt ist. Der Gefühlssinn ist bald schon
frühzeitig sehr verringert, bald verschwindet er erst zuletzt.
Nicht selten fühlen Sterbende die Kälte, welche von unten
an aufwärts über den Körper fortschreitet.
Allmählich verlieren die Muskeln die Fähigkeit, dem
Willen zu gehorchen. Der Körper sinkt im Bett herab und
streckt sich lang aus; die vorher vielleicht im Krampf
zusammengezogenen Gliedmaßen lösen sich; die
Gesichtszüge werden hängend, der Unterkiefer fällt
herab, und dadurch öffnet sich der Mund; die Augenlider
sinken, ohne sich zu schließen. Die Hornhaut des Auges wird
glanzlos und matt (gebrochenes Auge); das Auge wird starr und
fixiert nicht mehr. Die Schläfe sinken ein, die Nase wird
spitz und scheint verlängert. Das ganze Gesicht erscheint
länger, das Kinn spitzer und hervorragender; das Gesicht ist
gelblich, mitunter bläulich gefärbt, kühl,
häufig mit kaltem Schweiß bedeckt (Hippokratisches
Gesicht). Das Atmen geschieht langsam, selten und mühevoll,
die Atemzüge werden ungleich, auf mehrere oberflächliche
folgt ein tiefer; kurz vor dem T. werden sie immer seltener und,
einzelne Schluchzer oder Seufzer ausgenommen, immer leiser. Da die
schwa-
736
Tod - Toda.