Eisenvitriol versetzten Abkochung von Galläpfeln und
enthält gerbsaures und gallussaures Eisenoxydul und Eisenoxyd.
Sie bildet keine vollkommne Lösung, vielmehr sind die
Eisenoxydsalze nur in der T. suspendiert, und wenn die
Eisenoxydulsalze an der Luft vollständig in Oxydsalze
verwandelt sind und sich zu Boden gesetzt haben, so ist die T.
unbrauchbar geworden. Das Nachdunkeln beruht auf der Umwandlung der
Eisenoxydulsalze in schwarze Eisenoxydsalze. Mit der Zeit aber wird
die Gerb- und Gallussäure der letztern durch den Sauerstoff
der Luft ebenfalls oxydiert, und die Schrift vergilbt, indem nur
Eisenoxyd zurückbleibt. Man bereitet die Galläpfeltinte
durch Ausziehen chinesischer Galläpfel und Versetzen des
Auszugs, welcher 5-6 Proz. Gerbsäure enthalten soll, mit so
viel Eisenvitriol, daß von letzterm 9 Teile auf 10 Teile
Gerbsäure kommen. Frische Galläpfeltinte, welche fast nur
gerb- und gallussaures Eisenoxydul enthält, ist sehr
blaß und wird vorteilhaft mit Blauholz gefärbt.
Alizarintinte (welche mit Alizarin nichts zu thun hat) ist eine mit
Indigo gefärbte Galläpfeltinte, zu deren Darstellung man
in einer klaren verdünnten Lösung von Indigo in
rauchender Schwefelsäure Eisen löst, um Eisenvitriol zu
bilden, worauf die noch vorhandene freie Säure mit
kohlensaurem Kalk fast vollständig neutralisiert wird. Die vom
ausgeschiedenen schwefelsauren Kalk abgegossene Flüssigkeit
wird schließlich mit Galläpfelabkochung versetzt. Diese
T. ist völlig klar, seegrün, liefert schön schwarze,
fest haftende Schrift, welche tief in das Papier eindringt, wird
aber allmählich auch im Tintenfaß schwarz und bildet
zuletzt auch einen Bodensatz. Ihre Säure greift die
Stahlfedern ziemlich stark an. Sehr gute Tinten werden mit Blauholz
dargestellt. Eine klare Abkochung des Holzes oder eine Lösung
von Blauholzextrakt mit wenig Soda, dann mit chromsaurem Kali
versetzt, gibt eine schön blauschwarze, gut fließende
T., welche schnell trocknet, die Federn nicht angreift und sich
tief
716
Tinten - Tintenschnecken.
ins Papier zieht. Eine sehr gute Blauholztinte, die unter vielen
Namen im Handel ist, erhält man durch Versetzen einer klaren
Lösung von Blauholzextrakt mit Ammoniakalaun, Kupfervitriol
und wenig Schwefelsäure. Diese T. schreibt anfangs gelbrot,
wird aber schnell schön samtschwarz und gibt sofort schwarze
Schriftzüge, wenn man sie mit Chromtinte mischt. Auch einfache
Lösungen von Nigrosin oder Indulin in Wasser geben gute
schwarze Tinten, die nach dem Eintrocknen durch Zusatz von Wasser
sofort wieder verwendbar gemacht werden können. Alle diese
Tinten, namentlich die Galläpfeltinten, versetzt man, um ihnen
mehr Konsistenz zu geben, mit etwas Gummi. Zu Kopiertinten eignen
sich am besten die Galläpfel-, Alizarin- und eigentlichen
Blauholztinten. Man macht sie aber konzentrierter und versetzt sie
mit mehr Gummi und etwas Glycerin.
Das Problem, völlig unauslöschliche Tinten zu
bereiten, ist noch nicht vollkommen gelöst; wenn man aber auf
einem mit Ultramarin gebläuten Papier schreibt, dessen Farbe
durch Betupfen mit Säure zerstört wird, so genügen
schon viele unsrer gewöhnlichen Tinten, und auf Papier,
welches mit Ultramarin und Chromgelb grün gefärbt ist,
genügt jede T., da man die Schriftzüge auf keine Weise
entfernen kann, ohne einen der Farbstoffe zu zerstören.
Ausgezeichnet ist die T., mit welcher die Nummern in die
preußischen Staatspapiere eingeschrieben werden. Dieselbe ist
schwach angesäuerte Galläpfeltinte und enthält noch
salpetersaures Silberoxyd und chinesische Tusche. Es ist
unmöglich, auf dem oben genannten grünen Papier mit
dieser T. Geschriebenes unbemerkbar zu vertilgen. Ist auf
weißem Papier Geschriebenes ausgelöscht worden, so
gelingt es oft, die Schriftzüge wieder hervorzurufen, wenn man
das Papier in ganz schwache Salzsäure taucht und dann in eine
konzentrierte Lösung von gelbem Blutlaugensalz legt. Enthielt
die T. auch nur wenig Eisen, so erscheinen die Schriftzüge
blau.
Als rote T. benutzt man Lösungen von Teerfarbstoffen, eine
mit Gummi versetzte Lösung von Karmin in Ammoniak oder einen
mit Sodalösung bereiteten, dann mit Weinstein und Alaun
versetzten Kochenilleauszug, welchem noch etwas Gummi und Alkohol
zugesetzt wird. Die rote T. der Alten bestand aus einer Mischung
von Zinnober mit Gummilösung. Als blaue T. dient eine mit
Gummi versetzte Lösung von Anilinblau oder Indigkarmin. Auch
eine Lösung von Berliner Blau hält sich sehr gut und
greift die Stahlfedern nicht an, was die durch Auflösen von
Berliner Blau in Oxalsäure bereitete T. in hohem Grade thut.
Violette T., unter verschiedenen Namen im Handel, ist eine
Lösung von Blauviolettanilin in Wasser; grüne T.
erhält man durch Lösen von Jodgrün in Wasser, sie
ist leuchtend blaugrün und kann durch Pikrinsäure
nüanciert werden. Gold- und Silbertinte ist eine Mischung von
Gummilösung (die etwas Wasserglas enthalten kann) mit
Blattgold oder Blattsilber, welches auf einer Porphyrplatte mit
Honig zerrieben, ausgewaschen und getrocknet wurde. Sympathetische
Tinten sind Spielereien, da alle mit denselben ausgeführten
Schriftzüge sichtbar werden, wenn man das Papier stark erhitzt
oder mit Kohlenpulver reibt oder mit verschiedenen Reagenzien
prüft. Verdünnte Kobaltchlorürlösung gibt
unsichtbare Schriftzüge, welche beim Erwärmen blau werden
und beim Erkalten wieder verschwinden. Enthält die Lösung
auch Nickelsalz, so werden die Schriftzüge grün.
Bleisalz- und Ouecksilbersalzlösungen geben unsichtbare
Schriftzüge, die durch Schwefelwasserstoff braun oder schwarz
werden. Kupfervitriolschriftzüge werden durch Ammoniak
schön blau. Verdünnte Blutlaugensalzlösung eignet
sich sehr gut als sympathetische T. auf eisenfreiem Papier. Die
Schriftzüge werden durch Eisenoxydsalze blau. Beachtung
verdienen solche Tinten für den brieflichen Verkehr mit
Postkarten. T. zum Zeichnen der Wäsche muß der
wiederholten Einwirkung von Seife, Alkalien, Chlor und Säuren
widerstehen. Am häufigsten wendet man Silbermischungen an, die
recht dauerhafte Schriftzüge liefern, zuletzt aber auch braun
werden und verblassen. Man mischt eine Lösung von
Höllenstein (salpetersaures Silberoxyd) in Ammoniak mit einer
Lösung von Soda und Gummi in destilliertem Wasser und
erwärmt die Schriftzüge mit einem Plätteisen, bis
sie vollständig schwarz geworden sind. Man extrahiert auch die
Schalen der Elefantenläuse (Anakardien) mit einem Gemisch von
Äther und Weingeist und läßt das Filtrat
verdunsten, bis es die zum Schreiben geeignete Konsistenz hat. Die
Schriftzüge werden nach dem Trocknen mit Kalkwasser befeuchtet
und erscheinen dann tief braunschwarz. Sehr praktisch ist
Anilinschwarz, zu dessen Herstellung man ein grünlichgraues
Pulver kauft, welches, feucht auf die Wäsche aufgetragen, beim
Erwärmen über kochendem Wasser den sehr echten Farbstoff
liefert. Rote Schriftzüge erhält man, wenn man die
Wäsche mit einer Lösung von kohlensaurem Natron und
Gummiarabikum in destilliertem Wasser befeuchtet, auf der
getrockneten und geplätteten Stelle mit einer Lösung von
Platinchlorid in destilliertem Wasser schreibt und die getrockneten
Schriftzüge mit einer Lösung von Zinnchlorür in
destilliertem Wasser sorgfältig nachzieht. Waren, welche der
chemischen Bleiche unterworfen werden sollen, stempelt man mit
einer innigen Mischung von Eisenvitriol, Zinnober und
Leinölfirnis. Auf Weißblech schreibt man mit einer
Lösung von Kupfer in Salpetersäure und Wasser.
Pflanzenetiketten schreibt man auf blank gescheuertes Zinkblech mit
einer Lösung von gleichen Teilen essigsaurem Kupferoxyd und
Salmiak in destilliertem Wasser. Die Schriftzüge werden bald
tiefschwarz und haften sehr fest. T. zur Bezeichnung kupferner und
silberner Geräte bereitet man durch Kochen von Schwefelantimon
(Spießglanz) mit starker Ätzkalilauge. Über
lithographische Zeichen- oder Schreibtinte s. Lithographie. Vgl.
Andreae, Vollständiges Tintenbuch (5. Aufl. v. Freyer, Weim.
1876); Lehner, Tintenfabrikation (3. Aufl., Wien 1885).
Tinten, in der Malerei die Abtönungen einer Farbe
nach der hellern oder dunklern Seite.
Tintenbaum, s. Semecarpus.
Tintenbeerstrauch, s. Ligustrum.
Tintenfisch, s. Tintenschnecken und Sepie.
Tintenschnecken (Kopffüßer, Cephalopoda Cuv.,
fälschlich Tintenfische, hierzu Tafel "Tintenschnecken"), die
am höchsten entwickelte Klasse der Mollusken (s. d.) oder
Weichtiere, verdanken ihren deutschen Namen der Eigenschaft, als
Verteidigungmittel eine tintenartige Flüssigkeit
auszuspritzen, welche das Wasser trübt und die Tiere den
Blicken ihrer Feinde entzieht; wissenschaftlich heißen sie
Kopffüßer, weil man die Arme, welche rund um den Kopf
angebracht sind, früher für den umgewandelten und
vierteiligen Fuß der Schnecken und Muscheln ansah. Zum
Verständnis des Baues der T. kann man sich das Tier als eine
Schnecke vorstellen, welche im Verhältnis zur Länge
außerordentlich hoch und in normaler Lage mit dem Kopf nach
unten gerichtet ist.
Tintenschnecken.
Gemeiner Vielfuß (Octopus vulgaris). 1/30.
Zum Artikel »Tintenschnecken«.
717
Tintenschnecken.
Infolge davon ist die Bauchseite sehr schmal, der Rücken
hingegen sehr umfangreich; von letzterm ist aber bei manchen Formen
der hintere Teil heller als der vordere und erscheint so, zumal
wenn das betreffende Tier auf ihm ruht, leicht als Bauchseite, was
er in Wirklichkeit nicht ist. Der Kopf mit den Armen ist vom Rumpf
mehr oder weniger deutlich abgesetzt; bei den Oktopoden ist er
wegen der mächtigen Arme so groß, daß der Rumpf,
welcher alle Eingeweide birgt, mehr als Anhängsel erscheint.
Die Arme stehen im Kranz um die Mundöffnung, sind
außerordentlich muskulös und mit zahlreichen
Saugnäpfen oder auch Haken versehen. Sie dienen zum Kriechen
und Schwimmen sowie zum Ergreifen der Beute. Bisweilen ist zwischen
ihrer Basis eine Haut ausgespannt, welche die Bewegungen
begünstigt; im übrigen sind zum Schwimmen vielfach noch
zwei Flossen an den Seiten des Körpers vorhanden. Auf der
hintern, in der natürlichen Lage des Tiers untern Fläche
befindet sich als eine Hautfalte der sogen. Mantel, welcher eine
geräumige Höhle abschließt; in diese münden
Darm, Niere und Genitalien aus, auch liegen in ihr die Kiemen. Das
für die letztern nötige Atemwasser wird in die
Mantelhöhle durch einen weiten Spalt aufgenommen, dagegen nach
dessen Verschluß durch eine enge Röhre wieder
ausgestoßen. Diese, der sogen. Trichter, entspricht dem
vordern Teil des Fußes der Schnecken und veranlaßt,
wenn das Wasser plötzlich durch sie entleert wird, mittels des
Rückstoßes die Bewegung des Tiers mit dem Rücken
voran durch das Wasser. Viele T. sind vollkommen nackt, andre
bergen in einer besondern Tasche des Mantels eine flache, feder-
oder lanzettförmige Platte ("Schale") aus Chitin, die bei der
Sepie ziemlich umfangreich und durch Kalkablagerungen hart ist
(daher im gewöhnlichen Leben "Sepienknochen", os sepiae); noch
andre haben eine äußere Schale, welche nur ausnahmsweise
dünn und einfach kahnförmig (Argonauta), in der Regel
spiralig gewunden und durch Querscheidewände in eine Anzahl
hintereinander liegender Kammern geteilt ist. Das Tier bewohnt nur
die vordere größte Kammer; die übrigen sind mit
Luft gefüllt, werden aber von einem Fortsatz des
Tierkörpers durchzogen (s. Ammoniten). In der glatten,
schlüpfrigen Haut liegen mit Pigment gefüllte kontraktile
Zellen (Chromatophoren, s. d.), welche, von dem Nervensystem und
dem Willen der Tiere abhängig, ein lebhaftes Farbenspiel
bedingen. Zur Stütze der Muskulatur und zum Schutz des
Nervenzentrums und der Sinnesorgane dient ein inneres
Knorpelskelett im Kopf (dieses besteht aus den für die
Mollusken typischen, hier aber häufig ganz miteinander
verschmolzenen drei Ganglienpaaren). An den Seiten des Kopfes
befinden sich zwei mächtige Augen, die fast so kompliziert
gebaut sind wie die der Wirbeltiere. Gehör- und Geruchorgane
sind gleichfalls vorhanden. Der Mund ist mit hornigem Ober- und
Unterkiefer in Gestalt eines Papageienschnabels und mit einer Zunge
(Radula), welche zahnartige Platten und Haken zum Einziehen der
Nahrung trägt, bewaffnet. Der Darm ist ziemlich kurz,
Speicheldrüsen und Leber sind sehr groß. Als
Atmungsorgane dienen ein oder zwei Paare federförmiger Kiemen.
Das Gefäßsystem ist sehr entwickelt und besteht aus
einem muskulösen Herzen nebst Arterien, Venen und Kapillaren.
Die Gefäße, welche das Blut zu den Kiemen führen,
sind gewöhnlich ebenfalls kontraktil (Kiemenherzen). Das Blut
enthält kristallisierbares Hämocyanin, welches gleich dem
Hämoglobin der Wirbeltiere die Aufnahme des Sauerstoffs
besorgt. Doch findet sich in ihm nicht wie bei dem letztgenannten
Eisen, sondern Kupfer vor, welches auch die bläuliche Farbe
des Bluts veranlaßt. Als Nieren fungieren traubige
Anhänge der Kiemenarterien. Ein andres Exkretionsorgan ist der
oben erwähnte Tintenbeutel, welcher in den Darm ganz dicht am
After ausmündet; sein Produkt bei der Sepie dient als
Malerfarbe. Die Geschlechter sind bei den T. getrennt.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich zuweilen in ihrer
Gestalt wesentlich (Argonauta. s. Papiernautilus). Ersteres erzeugt
für feine Samenfäden in einem besondern Abschnitt der
Geschlechtswerkzeuge komplizierte, über 1 cm lange Patronen
(sogen. Needhamsche Maschinen), welche im Wasser platzen. Die Eier
werden in einem unpaaren Ovarium produziert und dann nach
Umhüllung mit Eiweiß und Kapseln entweder einzeln oder
in Trauben und Schläuchen an allerlei Gegenstände
angeheftet. Die Begattung erfolgt vielfach in der Art, daß
ein dazu besonders eingerichteter Arm des Männchens die
Samenpatronen in die weibliche Geschlechtsöffnung
überträgt. Bei einigen Arten löst sich dieser Arm
nach seiner Füllung mit Samen vom Körper los und schwimmt
einige Zeit im Meer umher, um schließlich auch in die
Mantelhöhle des Weibchens zu geraten. Bei seiner Entdeckung
wurde er für einen Eingeweidewurm (Hectocotylus octopodis
Cuv.), später sogar für das ganze Männchen der
Tintenschnecke gehalten; jetzt weiß man, daß es ein
abgelöster, sogen. hektokotylisierter Arm ist. Die
Entwickelung der T. erfolgt direkt, so daß das junge Tier,
wenn es das Ei verläßt, schon bis auf die
Größe den Alten gleich ist.
Die T. sind ohne Ausnahme Bewohner des Meers, und zwar leben sie
sowohl an den Küsten als in großen Tiefen und auf der
offenen See. Sie kriechen und schwimmen sehr behende und entfalten
namentlich in einigen Formen eine im Verhältnis zur
Größe ungeheure Körperkraft. Von den Wirbellosen
sind es wohl die gewaltigsten und klügsten Raubtiere. Im
allgemeinen bleiben sie ziemlich klein, jedoch erreichen die Formen
der Tiefsee, von denen sich freilich nur selten Exemplare an die
Oberfläche verirren und so gefangen werden, enorme Dimensionen
(s. Kraken). Viele T. werden gegessen, auch wird der Farbstoff des
Tintenbeutels sowie der "Sepienknochen" (s. oben) technisch
benutzt. Nach der Anzahl der Kiemen teilt man die T. in
Tetrabranchiata (Vierkiemer) und Dibranchiata (Zweikiemer),
letztere wieder in Octopoda (Achtarmer) und Decapoda (Zehnarmer)
ein. Die Oktopoden, mit acht Armen, die an ihrer Basis durch eine
Haut verbunden sind, mit kurzem, rundlichem Körper, ohne
innere Schale und meist auch ohne Flossenanhänge, zerfallen in
zwei Familien: Philonexidae d'Orb., mit dem Argonauten oder
Papiernautilus (s. d.) und Octopodidae d'Orb., zu welcher unter
andern der Pulpe oder Vielfuß (Octopus, s. Tafel) und die
Moschuseledone (Eledone Leach) gehören. Die Dekapoden besitzen
außer den 8 Armen noch 2 lange, tentakelnartlge Fangarme,
ferner 2 Flossen und eine innere Schale. Hierher gehören die
Gattungen Loligo (Kalmar), Sepia (Sepie), Spirula (Posthorn), die
fossilen Belemniten etc. Die Vierkiemer besitzen vier Kiemen in der
Mantelhöhle, zahlreiche zurückziehbare Tentakeln am Kopf
und eine vielkammerige Schale; sie sind in der Gegenwart durch die
einzige Gattung Nautilus L. vertreten. Zu derselben Familie
(Nautilidae Ow.) gehören auch die Gattungen O1thoceras Breyn.,
Lituites Breyn. (s. Tafel "Silurische Formation")
718
Tintenstifte - Tipperary.
und Clymenia Münst. (s. Tafel "Devonische Formation"),
während die Familie Ammonitidae Ow. die Gattungen Goniatites
de Haan (s. Tafeln "Devonische Formation" und "Steinkohlenformation
I"), Ceratites de Haan (s. Tafel "Triasformation I") und Ammonites
Breyn. (s. Tafel "Juraformation I") umfaßt (s. Ammoniten). -
Die T. sind sowohl wegen der großen Mannigfaltigkeit der
Formen als auch wegen der Häufigkeit des Vorkommens für
die Erkenntnis versteinerungsführender Schichten wesentlich.
Die Vierkiemer traten schon im Silur mit Nautilen und
Geradhörnern, im Devon auch mit Goniatiten auf; von allen
diesen Formen überlebten nur die echten Geradhörner,
Goniatiten und Nautilen das paläozoische Zeitalter, doch
starben Orthoceras und Goniatites in der Trias aus. Dafür aber
erscheinen nun außer den bereits in der Trias wieder
aussterbenden Ceratiten die Ammoniten, die sich schon in genannter
Formation, mehr noch im Jura und ebenso noch in hohem Grad in der
Kreide (hier außer durch normale Formen auch durch
Nebenformen: Baculites, Ancyloceras, Toxoceras, Crioceras, s. Tafel
"Kreideformation") entwickeln, aber mit dem Schluß der Kreide
(des mesozoischen Alters) ihr Ende erreichen; es bleibt also
für Tertiär- und Jetztzeit nur Nautilus. Die Zweikiemer
beginnen in der Trias mit belemnitenartigen Tieren, echte
Belemniten und ihre Nebengenera sind äußerst häufig
in Jura und Kreide (Bejemnites, Rhynchoteuthis, s. Tafeln
"Juraformation I" und "Kreideformation"); die ganze Familie aber
stirbt mit der Kreide aus, während die ebenfalls im Jura
auftretenden Kalmare und Sepien bis jetzt zugenommen haben.
Spirula, Octopus haben keine, Argonauta hat nur tertiäre
fossile Repräsentanten. Vgl. Ferussac und d'Orbigny, Histoire
naturelle des Céphalopodes (Par. 1835-45); Verany,
Mollusques méditerranéens. Bd. 1: Céphalopodes
(Genf 1847-51); Bronn-Keferstein, Klassen und Ordnungen des
Tierreichs; Bd. 3: Cephalopoden (Leipz. 1869).
Tintenstifte, s. Bleistifte, S. 24.
Tintern Abbey (spr. äbbi). Abteiruine in
Monmouthshire (England), im malerischen Thal des Wye, im 13. Jahrh.
erbaut.
Tintillo (spr. -tilljo), s. Spanische Weine.
Tinto, Küstenfluß in Spanien, s. Rio
Tinto.
Tinto (vino tinto), dunkler span. Wein, wie der T. von
Alicante, der T. di Rota, der Inselburgunder (s. Madeirawein)
etc.
Tintoretto, eigentlich Jacopo Robusti, genannt il T.
("das Färberlein", nach dem Handwerk seines Vaters), ital.
Maler, geb. 1519 zu Venedig, war anfangs Schüler Tizians,
schlug jedoch bald eine eigne Richtung ein, welche durch seinen
Wahlspruch: "Von Michelangelo die Zeichnung, von Tizian die Farbe"
deutlich bezeichnet ist, wie in der That auch eine Anzahl seiner
Werke das Streben zeigt, die Größe des florentinischen
Stils mit den Vorzügen seiner heimatlichen Schule zu
verbinden. T. ist der Chorführer der zweiten Generation der
venezianischen Malerschule, welche sich in äußerlicher
Bravourmalerei, in prunkhafter und massenhafter Komposition und
schwierigen Perspektiven gefiel. T. überlud seine
Kompositionen oft mit nicht zur Sache gehörigen, theatralisch
gespreizten Figuren und wandte gern glänzende
Beleuchtungsgegensätze an. Sein Kolorit ist wirkungsvoll, warm
und tief, wenn er sich die Zeit zu sorgsamer Arbeit ließ,
aber roh und grob, wo er durch schnelle Improvisationen und zum
Staunen redende Bewältigung großer Flächen wirken
wollte. Viele seiner Gemälde, insbesondere die Bildnisse, in
welchen er Tizian am nächsten kam, haben übrigens durch
Nachdunkeln viel von ihrer ursprünglichen Farbenpracht
eingebüßt. Er starb 31. Mai 1594 in Venedig. Von den
Werken seiner frühern Zeit, in welchen er Tizian nahestand,
sind der Sündenfall und der Tod Abels (in der Akademie zu
Venedig), Venus, Mars und Amor (im Palast Pitti zu Florenz), die
Anbetung des Kalbes und das Jüngste Gericht (in Santa Maria
dell' Orto in Venedig), das Wunder des heil. Markus (in der
Akademie daselbst, eins seiner vollendetsten Werke), die Hochzeit
zu Kana (in Santa Maria della Salute) und die große
Kreuzigung (in der Scuola di San Rocco daselbst) hervorzuheben,
welches Gebäude überhaupt 56 Gemälde von Tintorettos
Hand aufzuweisen hat. Seine sinkende Meisterschaft bezeugen die
Bilder im Dogenpalast, insbesondere das kolossale Paradies.
Zahlreiche Gemälde von ihm befinden sich in den Galerien zu
Paris, London, Dresden, Berlin, Wien, Madrid, Florenz und Venedig.
- Sein Sohn Domenico, ebenfalls il Tintoretto genannt (1562-1637),
leistete im Porträtfach Tüchtiges, malte aber auch
Mythologisches und Historisches, unter anderm das Seegefecht
zwischen den Venezianern und Kaiser Otto (im großen Ratssaal
zu Venedig). Vgl. Janitschek in Dohmes "Kunst und Künstler"
(Leipz. 1876).
Tione, Marktflecken in Südtirol, an der Sarca, im
Thal Giudicarien, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines
Bezirksgerichts, mit (1880) 1876 Einw., welche Seidenzucht und
Gerberei betreiben.
Tippecanoe (spr. tippekanu), Fluß im nordamerikan.
Staat Indiana, ergießt sich oberhalb Lafayette in den Wabash.
An seinen Ufern schlug General Harrison 5. Nov. 1811 die von
Elskwatawa, dem "Propheten", geführten Indianer.
Tippen (Dreiblatt, Zwicken), ein in Deutschland sehr
verbreitetes Kartenglücksspiel. Man spielt es unter 3-6
Personen mit 32, bei noch mehr Teilnehmern mit 52 Blättern.
Der Kartengeber setzt 3 Marken Stamm, gibt jedem Spieler 3
Blätter zu 1 und wirft dann ein Trumpfblatt auf. Steht nur der
Stamm, so müssen alle Spieler "mitgehen", und wer keinen Stich
bekommt, zahlt Bête (was im Pot steht). Sobald Bête
steht, darf der Spieler, welcher auf einen Stich nicht rechnet,
passen; hat jemand aber gute Karten, so sagt er: "ich gehe mit"
oder "tippt" mit dem Finger auf den Tisch. Für jeden Stich
erhält man den dritten Teil des stehenden Satzes. Man
muß Farbe bedienen oder trumpfen.
Tippera, fruchtbarer und dicht bevölkerter Distrikt
in der britisch-ind. Provinz Bengalen, an der Mündung des
Megnaarmes des Brahmaputra, 6451 qkm (117 QM.) groß mit
(1881) 1,519,338 Einw. und dem Hauptort Comillah. Östlich
davon liegt das unter britischer Oberhoheit stehende
T.-Hügelland (Hill T.), welches auf 10,582 qkm (192 QM.) nur
95,637 Einw. (größtenteils halbe Wilde) zählt.
Tipperáry, 1) Binnengrafschaft in der irischen
Provinz Munster, umfaßt 4297 qkm (78 QM.) mit (1881) 199,612
Einw., von denen 95 Proz. römisch-katholisch sind. Der
Fluß Suir durchfließt den Hauptteil der Grafschaft, den
die Silvermine Mountains (694 m) von dem an den Shannon grenzenden
Teil trennen. Der Südwesten ist gebirgig (Galtymore 919 m,
Knockmealdown 795 m), aber das Innere nimmt eine Ebene ein, die
wegen ihrer Fruchtbarkeit als Goldene Aue (Golden Vale) bezeichnet
wird. Von der Oberfläche sind (1888) 16 Proz. Ackerland, 67
Wiesen und Weiden, 2,6 Proz. Wald. An Vieh zählte man
719
Tippu Sahib - Tirard.
1881: 28,987 Pferde, 244,029 Rinder, 205,850 Schafe und 74,540
Schweine. Steinkohlen werden gewonnen; Kupfer, Zink und Blei kommen
vor. Die Industrie ist ohne Bedeutung. Die Grafschaft zerfällt
in zwei Ridings mit den Hauptstädten Nenagh und Clonmel. -
2) Stadt in der Goldenen Aue der irischen Grafschaft gleiches
Namens, an einem Nebenfluß des Suir, hat eine Lateinschule
und (1881) 7274 Einw.
Tippu Sahib, Sultan von Maissur, geb. 1751, folgte seinem
Vater Haider Ali (s. d.) 10. Dez. 1782 in der Regierung, focht mit
Glück gegen die in Südindien sich befestigenden
Engländer und schloß mit ihnen im März 1784 einen
Vertrag, wonach sie sein Reich räumen mußten. Er legte
sich hierauf den Titel eines Padischahs bei, durch welchen er eine
Souveränität über alle Fürsten Hindostans
beanspruchte, und seine Hofhaltung wurde eine der glänzendsten
in Indien. Im Dezember 1789 verbündeten sich die
Engländer mit seinen Nachbarn, eroberten 1790 und 1791 mehrere
feste Plätze in Maissur, schlossen T. im Februar 1792 in
seiner Hauptstadt Seringapatam ein und zwangen ihn zu einem
für ihn höchst nachteiligen Friedensschluß. T.
schloß hierauf einen geheimen Bund mit Frankreich gegen
England. Dieses aber kam ihm im Februar 1799 mit der
Kriegserklärung zuvor, und T. fiel 4. Mai d. J. bei der
Erstürmung von Seringapatam durch die Engländer. Seiner
Familie ward die Festung Vellor, später Kalkutta zum Wohnort
und eine jährliche hohe Pension angewiesen, die 1860
abgelöst wurde; jetzt ist die Familie in der Bevölkerung
aufgegangen. Vgl. "The history of Tippoo Sultan, written by Mir
Hussain Ali Khan" (übersetzt von Miles, Lond. 1844).