Timbuktu (Tumbutu), altberühmte Handelsstadt am

Südrand der Sahara, unter 3° 5' westl. Br. v. Gr., 245 m

ü. M., nominell zum Fulbestaat Massina gehörig, aber

unter dem Einfluß der Tuareg stehend, 15 km nördlich vom

Niger, hat über 1 Stunde im Umfang und gegen 1000

einstöckige, flach bedachte Thonwohnungen nebst einigen

hundert runden Mattenhütten. Die einzigen öffentlichen

Gebäude von T. sind die drei Moscheen, darunter die 1325 von

Manssa Musa angefangene Dschingereber ("große Moschee") im

SW. der Stadt, ein stattliches Gebäude von 80 m Länge und

59 m Breite mit 12 Schiffen und einem hohen viereckigen Turm. Die

ansässige Bevölkerung, die etwa 20,000 Seelen

(mohammedanische Neger und Araber) zählt, besteht aus Sonrhai,

Arabern, Tuareg, Fulbe, dann Bambarra- und Mandinkanegern.

Industrie ist in T. wenig; von einiger Bedeutung ist dagegen der

Handel, welcher infolge der großen nördlichen Biegung

des Niger sich hier konzentriert. Der Hafen der Stadt ist das von

2000 Sonrhai bewohnte Kabaraam Nordufer des Niger. Früher

erstreckte sich ein Arm des Flusses bis an T. heran.

Haupthandelsartikel sind: Gold (namentlich von Bambuk und Bure

gebracht), Kolanüsse, Salz, Elfenbein, Gummi,

Straußfedern, Sklaven, von europäischen Manufakturen

rotes Tuch, Matratzen, Leibbinden, Spiegel, Messer, Zucker, Mehl,

Thee, Korallen etc., von arabischen Waren besonders Tabak, aus Tuat

Datteln. Die Stadt T. war seit Jahrhunderten ein Rätsel, mit

dessen Lösung sich die europäischen Geographen und

Reisenden beschäftigten, ohne ihr Ziel zu erreichen. Der Brite

Mungo Park drang 1805 bloß bis zum Hafenort Kabara vor. Laing

gelangte zwar 1826 von Tripolis aus nach T., wurde jedoch wenige

Tage darauf ausgewiesen und auf der Rückkehr ermordet.

Glücklicher war der Franzose Caillié, welcher von

Sierra Leone aus das Innere von Afrika bereiste und 20. April bis

3. Mai 1828 in T. verweilte, aber, weil er sich seiner Sicherheit

wegen verborgen halten mußte, an umfassendern Beobachtungen

verhindert wurde. Der erste Europäer, welcher von O. aus bis

T. vordrang, war Heinrich Barth, welcher 7. Sept. 1853 daselbst

anlangte und, vom Scheich El Bakay freundlich aufgenommen, bis 9.

Juli 1854 in der Stadt und Umgegend verweilte. 1880 wurde T. von

Lenz, der nur noch einen Schatten von seiner einstmaligen

Größe und Bedeutung fand, 1886 dessen Hafenstadt Kabara

von einem französischen Kanonenboot besucht.

Die Stadt T. wurde um 1100 n. Chr. von den Tuareg

gegründet. Manssa Musa, König des islamitischen Reichs

Melli (1311-31), eroberte 1326 auch T., welches sich nun als Teil

eines mächtigen Reichs schnell vergrößerte und bald

ein Handelsplatz ersten Ranges wurde. Gegen Ende der Regierung

Manssa Musas (1329) ward es zwar von dem heidnischen König des

Negerstaats von Mossi großenteils zerstört, jedoch schon

von Manssa Sliman von 1335 an wiederhergestellt. Seit seiner

Wiederherstellung gelangte T., begünstigt durch seine Lage am

Nordpunkt des Hauptstroms vom Sudân, auf der Grenze zwischen

dem dicht bevölkerten Süden und dem Karawanenhandel

treibenden Norden, dazu als eine der heiligen Städte des Islam

rasch zu hoher Blüte. 1591 fiel es mit den Nigerlandschaften

in die Hände der Marokkaner, bis die Auelimmiden, ein

mächtiger Zweig der Tuareg, 1780 das große Reich Haussa

am Nordufer des Niger gründeten, welchem auch T. unterworfen

wurde. Zu Anfang des 19. Jahrh. wanderten die Fulbe in die

Nigerlandschaften ein und bemächtigten sich nach dem Zerfallen

der Reiche im Sudân 1810 auch der Stadt T., die, ohne einem

Herrscher zu unterstehen, von den Fulbe und Tuareg

unaufhörlich bedroht wird. Vgl. Barth, Reisen in

Zentralafrika, Bd. 4 (Gotha 1857); Lenz, Timbuktu (Leipz. 1884, 2

Bde.).

Timeo Danaos etc. (lat.), s. Danaer.

Times (engl., spr. teims, "die Zeiten"), die

größte engl. Zeitung, wurde 13. Jan. 1788 von John

Walter in London gegründet und nimmt seit geraumer Zeit die

Stellung des einflußreichsten Weltblattes ein. Sie erscheint

täglich am Morgen, seit 1877 auch auszugsweise in einer

Wochenausgabe.

Timid (lat.), schüchtern, zaghaft.

Timmene, Negerstamm in Afrika, s. Temne.

Timok, Fluß der Balkanhalbinsel, bildet sich aus

dem östlichen Trgovischki-T., der auf der Stara Planina, und

dem westlichen Svrlyitschki-T., der auf der Babina Glava

entspringt. Beide vereinigen sich bei Knjaschewatz in Serbien zum

T., der nördlich zur Donau fließt, bei Saitschar den

Mali-T. aufnimmt und in seinem Unterlauf die Grenze (auch die

sprachliche) zwischen Serbien und Bulgarien bildet.

Timokratie (griech.), Staatsverfassung, welche die

politischen Rechte und Pflichten der Bürger nach Maßgabe

des Vermögens festsetzt, wie z. B. die Solonische Verfassung

in Athen, die Servianische in Rom.

Timoleon, Korinther, geboren um 411 v. Chr., edel und

mild, aber von unauslöschlichem Haß gegen alle Tyrannei

beseelt, ließ sogar 366 seinen Bruder Timophanes, der sich an

der Spitze von 1100 Söldnern der Alleinherrschaft

bemächtigen wollte, töten und lebte dann 20 Jahre in

Zurückgezogenheit. Auf den Hilferuf der Syrakusier 347 mit

einem kleinen Heer geworbener Krieger nach Sizilien geschickt,

bemächtigte er sich erst der Stadt, 343 auch der Burg von

Syrakus, die er zerstören ließ, stellte dann die

demokratische Verfassung wieder her und leitete die

713

Timomachos - Timur.

Stadt mit Gerechtigkeit und Uneigennützigkeit. Er zwang

auch die Karthager durch die Schlacht am Krimissos (340) zur

Räumung Siziliens, stellte hierauf in den übrigen

griechischen Städten Siziliens die republikanische Verfassung

wieder her und vereinigte sie mit Syrakus zu einem Bund. Er starb

337. Seine Lebensbeschreibung gaben Plutarch u. Cornelius Nepos

heraus. Vgl. Arnoldt, Timoleon (Gumb. 1850).

Timomachos, griech. Maler, aus Byzanz gebürtig, der

Diadochenzeit angehörig, berühmt durch eine Reihe von

Bildern aus dem Heroenkreis, wie Medea, Ares, Iphigenia in Tauris,

Orestes. Cäsar als Diktator bezahlte für die ersten

beiden Gemälde den hohen Preis von 80 Talenten, um sie

für Rom zu erwerben.

Timon, 1) ein durch seinen Menschenhaß bekannt

gewordener Athener, war ein Zeitgenosse des Sokrates und

bekämpfte mit beißendem Spotte die damals in Athen

einreißende Sittenlosigkeit, allen Umgang mit den Menschen

vermeidend. Lukian machte ihn zum Gegenstand eines Dialogs, der

noch erhalten ist. Auch Shakespeare hat von ihm die Charakterperson

seines Stücks "T. von Athen" entlehnt. Vgl. Binder, Über

T., den Misanthropen (Ulm 1856).

2) Griech. Dichter, um 280 v. Chr. zu Phlius geboren, der sogen.

Sillograph (s. Sillen).

Timor, die östlichste und bedeutendste der Kleinen

Sundainseln im Indischen Ozean (s. Karte "Hinterindien"),

mißt mit den Nebeninseln (Rotti, Landu, Samao, Kambing)

32,586 qkm (592 QM.), ist von Korallenbänken umgeben und hat

meist steile und schwer zugängliche Küsten. Das Innere

ist der ganzen Länge nach von einer bewaldeten Bergkette (mit

Gipfeln bis 3604 m) durchzogen, von welcher zahlreiche Bäche

herabstürzen. Das Klima ist heiß und an der Küste

ungesund. Während des Ostmonsuns herrscht oft anhaltende

Dürre, die Regenzeit dauert von November bis April. Die

Tierwelt begreift Beuteltiere, fliegende Hunde, Papageien,

Krokodile, Schlangen u. a. Wichtigste Ausfuhrartikel sind Mais,

Sandelholz, Wachs, Schildkröten, Trepang; Gold, Kupfer und

Eisen werden gefunden. Die Einwohner, deren Zahl auf 600,000

geschätzt wird, sind Papua, zum Teil vermischt mit Malaien,

Chinesen, Portugiesen, Holländern. Der südwestliche

größere Teil der Insel gehört den Niederlanden und

bildet mit den Inseln Floris, Sumba, Savu, den Solor- und

Allorinseln und Rotti die Residentschaft T., 57,409 qkm (1042,6

QM.) groß mit 350,000 Einw., worunter 250 Europäer, 1112

Chinesen und 33,015 eingeborne Christen. Hauptort ist Kupang am

Südufer der Bai von Kupang mit einem durch das Fort Concordia

geschützten Hafen (Freihafen) und 7000 Einw. Der

portugiesische Teil umfaßt 16,300 qkm (296 QM.) mit 250,000

Einw. und der Hauptstadt Dili (Dehli) an der Nordküste, wo der

unter dem Generalgouverneur zu Goa stehende Statthalter residiert.

Die ersten portugiesischen Missionäre kamen 1610 nach T. und

sicherten Portugal den Besitz, doch setzten sich schon 1688 die

Holländer im südwestlichen Teil fest. Den

Bekehrungsversuchen der Missionäre tritt hier wie auch sonst

in diesen Meeren der sich immer mehr ausbreitende Islam entgegen.

Vgl. Bastian, Indonesien, Bd. 2 (Berl. 1885).

Timorlaut, Insel, s. Tenimberinseln.

Timotheos, 1) berühmter griech. Dithyrambendichter

aus Milet, jüngerer Zeitgenosse des Philoxenos, gest. 357 v.

Chr. Sammlung der Fragmente in Bergks "Poetae lyrici graeci" und

mit Übersetzung in Hartungs "Griechischen Lyrikern" (Bd. 6,

Leipz. 1857).

2) Athen. Feldherr, Sohn Konons, mit dem er 393 v. Chr. nach

Athen zurückkehrte, zeichnete sich im Kriege gegen Sparta, in

welchem er Korkyra eroberte und 375 bei Leukas die spartanische

Flotte vernichtete, aus, ging 364 nach Kleinasien, um den

aufständischen Satrapen Ariobarzanes zu unterstützen,

eroberte Samos, Sestos und andre Städte, befehligte mit

Iphikrates im Bundesgenossenkrieg und ward, als er nebst diesem des

Sturms wegen eine Schlacht vermieden hatte, 355 der Bestechung und

des Verrats angeklagt. Zu 100 Talenten Strafe verurteilt, ging er

freiwillig in die Verbannung nach Chalkis, wo er starb. Seine

Biographie hat Cornelius Nepos gegeben. Vgl. Rehdantz, Vitae

Iphicratis, Chabriae, Timothei (Berl. 1845).

3) Gehilfe und Begleiter des Paulus, aus Lykaonien

gebürtig, ward von seiner Mutter, einer Judenchristln, fromm

erzogen und von Paulus zum Christentum bekehrt, worauf er teils mit

diesem, teils in dessen Auftrag Makedonien und Griechenland

bereiste. Später erscheint er in Ephesos und dann in Rom

während des Paulus Gefangenschaft daselbst. Die Tradition

macht ihn zum ersten Bischof von Ephesos, wo er auch den

Märtyrertod erlitten haben soll. Über die beiden an T.

gerichteten Briefe des Apostels Paulus s. Pastoralbriefe.

Timothygras, s. Phleum.

Timpani (ital.), Pauken.

Timsahsee ("Krokodilsee"), ein vom Suezkanal (s. d.)

durchzogener See in Unterägypten, zwischen dem Ballahsee und

den Bitterseen, vor dem Bau des Kanals eine sumpfige Lagune mit

brackigem Wasser, jetzt von schön hellblauer Farbe. Am

Nordwestende liegt Ismailia (s. d.).

Timur ("Eisen"), auch Timur-Lenk, der "lahme T.", wegen

seines Hinkens infolge einer Verwundung genannt, auch mit dem aus

Timur-Lenk verstümmelten Namen Tamerlan benannt, geb. 1333 zu

Kesch unweit Samarkand, wurde von seinem Vater Turgai, Oberhaupt

des Stammes Berlas, 1356 zum Emir Kasgan geschickt; mit diesem

focht er gegen Husein Kert von Chorasan (1355). Nach der Ermordung

Kasgans und dem Tod seines Vaters begab sich T. an den Hof der

Tschagataiden und wurde von diesen als Lehnsherr der Provinz Kesch

bestätigt. Später lebte er am Hof Ilias Chodschas von

Samarkand, führte dann ein Abenteurerleben in der Wüste,

bis er endlich die zu seiner Verfolgung ausgeschickten Truppen

Ilias' mit seiner kleinen Schar schlug. Nach Ernennung eines

Schattenkönigs, den Kriegen gegen die Tscheten, der Besiegung

seines Rivalen und frühern Waffen genossen Husein ließ

er sich schließlich 8. April 1369 zum Emir Transoxaniens

ausrufen. Samarkand wurde seine Residenz. Seine Aufmerksamkeit

richtete sich zuerst auf Herstellung der Ruhe im Innern, auf die

politische Administration und militärische Organisation.

Erweiterung der Grenzen seines Landes war dann sein Hauptstreben.

Von 1380 an unternahm er 35 Feldzüge nach den verschiedensten

Richtungen. Zuerst unterwarf er ganz Persien, 1386 Georgien; 1394

drang er bis Moskau vor, warf nach und nach alle Reiche

Mittelasiens in Trümmer und eroberte 1398 Hindostan vom Indus

bis zur Mündung des Ganges. Vom griechischen Kaiser und

mehreren Fürsten Kleinasiens gegen den Sultan Bajesid I. zu

Hilfe gerufen, brach er 1400 in das türkische Gebiet ein,

eroberte Sebaste und schlug bei Cäsarea ein türkisches

Heer, wandte sich aber plötzlich gegen den Sultan von

Ägypten, eroberte 1401 Damaskus, zerstörte Bagdad und

unterjochte ganz Syrien. Endlich (20. Juli 1402) kam es zwischen

ihm und

714

Tinca - Tinktur.

Bajesid zu einer entscheidenden Schlacht auf der Ebene von

Angora in Natolien, in der 800,000 Mongolen den Sieg über

400,000 Türken davontrugen. T. starb, auf einem Zug nach China

begriffen, 17. Febr. 1405. Grausam und blutdürstig auf seinen

gewaltigen Kriegszügen, war er im Frieden ein frommer

Herrscher, weiser Gesetzgeber, gerechter Richter, Beschützer

der Künste und Wissenschaften. Obwohl er seinen ältesten

Enkel zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, zerfiel sein Reich doch

bald nach seinem Tod. Einer seiner Nachkommen, Babur, eroberte von

1498 bis 1519 Hindostan und stiftete das Reich des

Großmoguls. Vgl. Langlès, Instituts politiques et

militaires de Tamerlan (Par. 1787); Sherif Edin, Histoire de

Timur-Bei (übersetzt von Petis de la Croix, das. 1722, 3

Bde.).

Tinca, Schleihe.

Tinchebrai (spr. tängschbrä), Stadt im franz.

Departement Orne, Arrondissement Domfront, an der Bahnlinie

Montsecret-Sourdeval, mit Handelsgericht, Fabrikation von Stahl-

und Schlosserwaren, Papier, Woll- und Baumwollstoffen etc. und

(1881) 2429 Einw.

Tindal, Matthew, engl. Freidenker (s. d.), geb. 1657 zu

Bear-Ferris in Devonshire, studierte zu Oxford die Rechte, trat zur

katholischen Religion über und erwarb sich dadurch König

Jakobs II. Gunst, kehrte aber unter Wilhelm III. zur

protestantischen Kirche zurück. Gleichzeitig begann er die

Grundsätze des Deismus (s. d.) zu verbreiten. Die Heilige

Schrift nannte er eine Urkunde der natürlichen Religion; das

Christentum, behauptete er, sei so alt wie die Schöpfung, die

Kirche eine Institution des Staats. Seine Hauptschrift:

"Christianity as old as the creation, or the Gospel a republication

of the religion of nature" (Lond. 1730; deutsch von Lorenz Schmidt,

Frankf. a. M. 1741), wurde sehr oft abgedruckt, das Erscheinen

eines zweiten Teils (der 1750 erschienene ist unecht) aber durch

den Bischof von London, Gibson, verhindert. T. starb 1733 in Oxford

als Senior von All Souls' College. Vgl. Lechler, Geschichte des

englischen Deismus (Stuttg. 1841).

Tinea, Motte; Tineïna (Motten), Familie aus der

Ordnung der Schmetterlinge, s. Motten. T. favosa, s. v. w.

Erbgrind.

Ting, chines. Lusthäuschen, Gartenhäuschen.

Tingel-Tangel, Berliner Ausdruck für Singhallen

niedrigster Art mit burlesken Gesangsvorträgen und

Vorstellungen. Sie erhielten ihren Namen nach dem Gesangskomiker

Tange, der im Triangelgebäude sein lange populär

gebliebenes Triangellied zum besten gab.

Tinghai, chines. Stadt, s. Tschouschan.

Tingieren (lat.), eintauchen, färben, mit einem

Anstrich von etwas versehen.

Tingis, röm. Kolonie, s. Tanger.

Tinkal, s. Borax.

Tinkana, s. Borax.

Tinktur (lat. Tinctura), weingeistiger oder

ätherischer Auszug von Pflanzenteilen oder tierischen Stoffen.

Man bereitet ihn, indem man die zerschnittenen oder

zerstoßenen Substanzen in einer Flasche mit Weingeist oder

ätherhaltigem Weingeist übergießt und unter

Umschütteln etwa 8 Tage, gewöhnlich bei 15°, in einer

mit durchstochener Blase verschlossenen Flasche stehen

läßt, dann auspreßt und filtriert. Tinkturen

dienen als Arzneimittel, zu Likören und Parfümen. Die

wichtigsten Tinkturen sind: Wermuttinktur (Tinctura Absinthii), aus

1 Teil Wermutkraut mit 5 Teilen verdünntem Spiritus;

Eisenhuttinktur (T. Aconiti), aus 1 Teil Aconitknollen mit 10

Teilen verdünntem Spiritus; Aloetinktur (T. Aloës), 1

Teil Aloe mit 5 Teilen Spiritus; zusammengesetzte Aloetinktur (T.

Aloës composita, Elixirium ad longam vitam), 6 Teile Aloe, je

1 Teil Enzian, Rhabarber, Zitwerwurzel, Safran mit 200 Teilen

verdünntem Spiritus; bittere T. (T. amara), 2 Teile unreife

Pomeranzen, je 3 Teile Tausendgüldenkraut und Enzian, je 1

Teil Zitwerwurzel und unreife Pomeranzenschalen mit 50 Teilen

verdünntem Spiritus; Arnikatinktur (T. Arnicae), aus

Arnikablüten wie T. Aconiti zu bereiten; aromatische T. (T.

aromatica), je 1 Teil Kardamom, Gewürznelken, Galgant, 2 Teile

Ingwer und 5 Teile Zimt mit 50 Teilen verdünntem Spiritus;

Stinkasanttinktur (T. Asae foetidae), aus Asa foetida wie T.

aloës zu bereiten; Pomeranzenschalentinktur (T. Aurantii), aus

Pomeranzenschalen wie T. Absinthii zu bereiten; Benzoetinktur (T.

Benzoes), aus Benzoe wie T. Aloës zu bereiten; Kalmustinktur

(T. Calami), aus Kalmus wie T. Absinthii zu bereiten;

Indischhanftinktur (T. Cannabis indicae), 1 Teil Extractum cannabis

indicae in 19 Teilen Spiritus gelöst; Spanischfliegentinktur

(T. Cantharidum), 1 Teil Spanische Fliegen mit 10 Teilen Spiritus

maceriert; Spanischpfeffertinktur (T. Capsici), aus Spanischem

Pfeffer wie die vorige zu bereiten; Bibergeiltinktur (T. Castorei

canadensis und sibirici), aus Bibergeil wie T. Cantharidum zu

bereiten; Katechutinktur (T. Catechu), aus Katechu wie T. Absinthii

zu bereiten; Chinatinktur (T. Chinae), aus brauner Chinarinde wie

T. Absinthii zu bereiten; zusammengesetzte Chinatinktur (T. Chinae

composita, Elixirium roborans Whyttii), 6 Teile braune Chinarinde,

je 2 Teile Pomeranzenschalen und Enzianwurzel, 1 Teil

Zimtkassienrinde mit 50 Teilen verdünntem Spiritus digeriert;

Chinoidintinktur (T. Chinoidini), Lösung von 10 Teilen

Chinoidin in 85 Teilen Spiritus und 5 Teilen Salzsäure;

Zimttinktur (T. Cinnamomi), aus Zimtkassie wie T. Absinthii zu

bereiten; Zeitlosentinktur (T. Colchici), aus Colchicumsamen;

Koloquintentinktur (T. Colocynthidis), aus Koloquinten wie T.

Cantharidum zu bereiten; Safrantinktur (T. Croci), aus Safran wie

T. Aconiti zu bereiten; Fingerhuttinktur (T. Digitalis), aus 1 Teil

Digitalisblättern wie T. Aconiti zu bereiten; T. Ferri ..., s.

Eisenpräparate; Galläpfeltinktur (T. Gallarum), 1 Teil

Galläpfel mit 5 Teilen verdünntem Spiritus; Enziantinktur

(T. Gentianae), aus Enzian wie T. Absinthii zu bereiten;

Jodtinktur, s. d.; Ipekakuanhatinktur (T. Ipecacuanhae), aus

Ipekakuanhawurzel wie T. Aconiti zu bereiten; Lobeliatinktur, aus

Lobeliakraut wie T. Aconiti zu bereiten; Moschustinktur (T.

Moschi), 1 Teil Moschus mit 25 Teilen Wasser und 25 Teilen

verdünntem Spiritus; Myrrhentinktur (T. Myrrhae), aus Myrrhe

wie Aloetinktur zu bereiten; Opiumtinktur, s. Opium, S. 407;

Pimpinelltinktur (T. Pimpinellae), aus Pimpinellwurzel wie T.

Absinthii zu bereiten; Ratanhatinktur (T. Ratanhae), aus

Ratanhawurzel wie T. Absinthii zu bereiten wässerige

Rhabarbertinktur (T. Rhei aquosa), 100 Teile Rhabarber, je 10 Teile

Borax und kohlensaures Kali mit 900 Teilen siedendem Wasser

übergossen, nach einer Viertelstunde 90 Teile Spiritus

hinzugefügt, nach fünf Viertelstunden koliert und mit 150

Teilen Zimtwasser gemischt; weinige Rhabarbertinktur (T. Rhei

vinosa), 8 Teile Rhabarber, 2 Teile Pomeranzenschalen, 1 Teil

Kardamom mit 100 Teilen Jereswein, dann hinzugefügt 12 Teile

Zucker; Meerzwiebel-

715

Tinkturen - Tinte.

tinktur (T. Scillae), aus Meerzwiebelwurzel wie T. Absinthii

bereitet; Paratinktur, s. Paraguay-Roux; Krähenaugentinktur

(Strychnostinktur, T. Strychni, T. Nucum vomicarum), aus

Krähenaugen wie T. Aconiti bereitet; Baldriantinktur (T.

Valerianae), aus Baldrianwurzeln wie T. Absinthii bereitet;

ätherische Baldriantinktur (T. Valerianae aetherea), 1 Teil

Baldrianwurzel mit 5 Teilen Spiritus aethereus bereitet;

Ingwertinktur (T. Zingiberis), aus Ingwer wie T. Absinthii

bereitet.

Tinkturen, s. Heraldische Farben.

Tinné, Alexine, Afrikareisende, geb. 17. Okt. 1839

im Haag, Tochter eines reichen, in England naturalisierten

Holländers, begleitete schon 1856 und 1858 ihre Mutter nach

Ägypten, die 1861 ganz dahin übersiedelte, unternahm mit

ihr und einer Tante 1862 ihre erste große Reise nach dem

obern Nil bis Gondokoro, wobei auch der Sobat verfolgt ward, im

Februar 1863 von Chartum aus ihre zweite, von Heuglin und Steudner

begleitet, nach dem Gazellenfluß und Dschur, auf der die

Mutter und bald auch die Tante dem Klima zum Opfer fielen, begab

sich im Juli 1864 von Chartum über Suakin nach Kairo, besuchte

1868 Algerien und Tunis, trat im Januar 1869 von Tripolis aus eine

neue Reise nach Innerafrika an, um über Bornu nach dem obern

Nil vorzudringen, wurde aber auf dem Weg von Mursuk nach Ghat im

Sommer 1869 von räuberischen Tuareg ermordet. Ihre zweite

größere Reise nach dem Gazellenfluß ist von

wissenschaftlicher Bedeutung gewesen und beschrieben in den

"Transactions of the Historical Society of Lancashire etc.". Bd. 16

(Liverp. 1864). Vgl. Heuglin, Die Tinnésche Expedition im

westlichen Nilgebiet 1863-64 (Gotha 1865); Derselbe, Reise in das

Gebiet des Weißen Nil etc. (Leipz. 1869).

Tinnevelli (Tirunelweli), Distrikt der britisch-ind.

Präsidentschaft Madras, 13,936 qkm (253 QM.) groß mit

(1881) 1,699,747 Einw., darunter 81,805 protestantische und 57,129

katholische Christen. Hauptort ist Palamkotta, wichtigster Hafen

Tutikorin. Die Stadt T. mit 23,221 Einw. ist Sitz der sehr

thätigen protestantischen Mission in Südindien.

Tinnum, Dorf in der preuß. Provinz

Schleswig-Holstein, Kreis Tondern, auf der Insel Sylt, hat ein

Amtsgericht und (1885) 320 Einw.

Tinnunculus, Rötelfalke, s. Falken, S. 10.

Tinogasta, Stadt in der Argentinischen Republik, Provinz

Catamarca, an der Straße von Catamarca nach Copiapo in Chile,

hat bedeutende Ausfuhr von lebendem Vieh und 6000 Einw.

Tinos (Tenos), Insel im Griech. Archipelagus, zum Nomos

der Kykladen gehörig, südöstlich von Andros, 204 qkm

(3,70 QM.) groß mit (1879) 12,565 Einw., ist ihrer ganzen

Länge nach von einer bis 713 m hohen Gebirgskette durchzogen

und zwar nicht besonders fruchtbar, aber sehr gut in Terrassen

angebaut. Sie enthält Lager von weißem und schwarz

geädertem Marmor, Serpentin, Verde antico, Asbest und

Chromeisenerz. Die Einwohner treiben Wein- und Seidenbau,

Seidenweberei, Steinmetzarbeit und Viehzucht. Sehr stark betrieben

wird die Taubenzucht, sowohl wegen des Fleisches als auch wegen des

Düngers. In dem fruchtbarsten Teil der Insel ist die

Frankochora, eine Anzahl römisch-katholischer Ortschaften, zu

bemerken. Die Hauptstadt T., auf der Südküste, ist Sitz

eines römisch-katholischen Bischofs, hat 2 kath. Kirchen,

einen kleinen Hafen und (1879) 2083 Einw. Nördlich davon liegt

die berühmte Kirche der Panagia Evangelistria, wohin drei

Wochen vor Ostern von weither gewallfahrt wird. - Die Insel T.

hieß früher Ophlussa, dann Tenos. Als Bundesgenossen der

Athener kämpften die Tenier bei Platää gegen die

Perser. 1207 kam T. unter die Herrschaft der Ghizi, dann 1390 der

Venezianer, denen es aber 1537 von dem türkischen Piraten

Chaireddin Barbarossa vorübergehend abgenommen wurde. 1718 kam

sie von neuem unter türkische Oberhoheit, durch den

griechischen Befreiungskampf aber an Hellas.

Tinte (Dinte), jede zum Schreiben mit der Feder bereitete

Mischung. Die gewöhnliche Schreibtinte muß

dünnflüssig sein, ohne jedoch zu leicht aus der Feder zu

fließen oder zu tropfen, sie darf bei längerm Stehen

keinen Bodensatz bilden und nicht dickflüssig, gallertartig

werden. Auf der Feder muß sie zu einem firnisartigen

Überzug, nicht zu einer bröckeligen Masse eintrocknen.

Sie darf das Papier nicht mürbe machen, mit dem Alter nicht

vergilben, auch die Feder nicht angreifen und daher weder sehr

sauer noch kupferhaltig sein. Das Schimmeln läßt sich

durch eine Spur von Karbolsäure leicht verhindern. Da T. nur

unter dem Einfluß der Luft verdirbt, so verdienen

Tintenfässer den Vorzug, welche die Berührung der T. mit

der Luft möglichst beschränken, wie die artesischen.

Diese enthalten einen eingesenkten Trichter, in den immer nur eine

sehr geringe Menge T. eintritt, während der Vorrat von der

Luft fast vollständig abgeschlossen ist. Auch die

Tintenfässer mit vom Boden seitlich emporsteigendem Halse sind

empfehlenswert.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 207 / 302 段