2) Ausgezeichneter griech. Geschichtschreiber, geb. 471 v. Chr.

(so eine Angabe aus dem Altertum, wahrscheinlich jedoch einige

Jahre später) im attischen Gau Halimus, stammte durch seinen

Vater Oloros von einem thrakischen Fürstengeschlecht ab,

während er durch seine Mutter mit Miltiades verwandt war,

hatte den Philosophen Anaxagoras und angeblich auch den Redner

Antiphon zu Lehrern. Er führte 424 den Oberbefehl über

eine Flottenabteilung in den thrakischen Gewässern, ward aber,

weil er die Eroberung der Stadt Amphipolis durch die Spartaner

nicht verhindern konnte, 423 verbannt, kehrte 403 infolge der

veränderten Verhältnisse nach Athen zurück, aber nur

auf kurze Zeit, und starb wenige Jahre nachher; über Ort, Zeit

und Art seines Todes besitzen wir nur unzuverlässige, sich

untereinander widersprechende Nachrichten. Er war der erste, der

eine strenge historische Kritik anwandte; sein Werk stellt den

Peloponnesischen Krieg dar, jedoch nur bis 411, wo es unvollendet

abbricht, und zeichnet sich ebensosehr durch Wahrheitsliebe und

politische Einsicht wie durch die kräftige, gedrängte

Sprache aus; die gedankenreichen Betrachtungen über die

Gründe der Vorgänge sind meist in die Form von Reden

gekleidet, die den handelnden Personen in den Mund gelegt werden

und die einen besonders wertvollen Bestandteil des Werkes bilden.

Unter den Ausgaben sind außer der ersten (Vened. 1502) die

von Poppo (Leipz. 1821-40, 11 Bde.; Handausgabe, 2. Aufl., das.

1875, 2 Bde.), Bekker (Berl. 1821, 3 Bde.; in 1 Bd. 1868), Dindorf

(Leipz. 1824), Göller (2. Aufl., das. 1836, 2 Bde.), Arnold

(neue Ausg., Oxf. 1854, 3 Bde.), Bloomfield (Lond. 1842, 2 Bde.),

Krüger (3. Aufl., Berl. 1860, 2 Bde.), Schöne (das.

1874), Classen (2. Aufl., das. 1870-78, 8 Bde.) und Böhme (2.

Aufl., Leipz. 1862 ff.) hervorzuheben. Neuere Übersetzungen

lieferten Osiander (Stuttg. 1826 bis 1829 u. öfter, 8 Bdchn.),

Campe (das. 1856-1857, 2 Bde.) und Wahrmund (2. Aufl., das. 1867, 2

Bde.). Eine Biographie des T. in griechischer Sprache besitzen wir

von Marcellinus (hrsg. von Westermann in den "Biographi graeci

minores". Braunschw. 1845). Antike Büsten des T. befinden sich

in Neapel (Doppelherme, mit Herodot) und zu Holkham Hall in

England. Vgl. Krüger, Untersuchungen über das Leben des

T. (Berl. 1832); Roscher, Leben, Werk und Zeitalter des T.

(Götting. 1842); Welzhofer, T. und sein Geschichtswerk

(Münch. 1877); Michaelis, Die Bildnisse des T. (Straßb.

1877); Girard, Essai sur T. (2. Aufl., Par. 1884).

Thulden, Theodor van, niederländ. Maler und

Radierer, geb. 1606 zu Herzogenbusch, bildete sich in der Werkstatt

von Rubens und wurde 1627 Freimeister der Lukasgilde in Antwerpen.

Er war 1632 und 1647 in Paris thätig, wo er eine Anzahl von

Kirchenbildern, unter andern die heilige Dreifaltigkeit (jetzt im

Museum zu Grenoble), die Himmelfahrt Mariä (jetzt im Museum zu

Angers) und die Äusgießung des Heiligen Geistes (jetzt

im Museum zu Le Mans), malte, und 1648 wurde er nach dem Haag

berufen, wo er an der Ausmalung des Oraniensaals im Huis ten Bosch

teilnahm (Hauptbild: die waffen-

678

Thule - Thun.

schmiedenden Kyklopen). Von seinen übrigen Werken sind zu

nennen: Martyrium des heil. Hadrian (in der Michaeliskirche zu

Gent), der auferstandene Christus vor Maria (im Louvre zu Paris),

die Entdeckung der Purpurschnecke (im Museum zu Madrid) und die

Rückkehr des Friedens (in der kaiserlichen Galerie zu Wien).

Er hat auch zahlreiche Blätter radiert, unter andern die

Amazonenschlacht nach Rubens, 49 Blätter nach den

Darstellungen auf dem Triumphbogen beim Einzug des

Kardinal-Infanten Ferdinand in Antwerpen (1635) und 58 Blätter

Odysseebilder nach Primaticcio und N. dell' Abbate. Er starb um

1676 in Herzogenbusch.

Thule, eine von Pytheas (s. d.) um 330 v. Chr. entdeckte

und fälschlich von ihm unter den Polarkreis verlegte Insel des

Atlantischen Meers, die für den nördlichsten Punkt der

bekannten Erde galt. Ptolemäos setzt dieselbe so an, daß

sie den heutigen Shetlandinseln entspricht (so H. Kiepert und

Müllenhoff).

Thum, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft

Zwickau, Amtshauptmannschaft Annaberg, an der Linie

Willischthal-Ehrenfriedersdorf der Sächsischen Staatsbahn, 513

m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Oberförsterei,

Strumpfwirkerei, Spinnerei, Färberei, Bandfabrikation und

(1885) 4213 Einw.

Thumann, Paul, Maler, geb. 5. Okt. 1834 zu Tschacksdorf

(Niederlausitz), war von 1855 bis 1856 Schüler der Akademie in

Berlin und arbeitete dann bis 1860 im Atelier von Julius

Hübner in Dresden. Nach zweijährigem Aufenthalt in

Leipzig ging er nach Weimar zu Ferdinand Pauwels und wurde 1866

Professor an der Kunstschule daselbst. Nachdem er seit 1872 als

Lehrer in Dresden thätig gewesen, wurde er 1875 als Professor

an die Kunstakademiein Berlin berufen, welche Stellung er 1887

niederlegte. Er bereiste 1862 Ungarn und Siebenbürgen, 1865

Italien, später Frankreich, Belgien, England. Seine

Hauptthätigkeit fand T. in der Illustration (z. B. Auerbachs

Kalender, Goethes "Wahrheit und Dichtung", Tennysons "Enoch Arden".

Chamissos "Frauenliebe und Leben", desselben "Lebenslieder und

-Bilder", Hamerlings "Amor und Psyche", Heines "Buch der Lieder").

Die Eleganz der Formengebung, der sinnvolle Ernst und die Anmut der

Figuren gewannen diesen Illustrationen großen Beifall. Doch

verlor sich T. schließlich in ein süßliches und

oberflächliches Formenspiel, welches den Eindruck seiner

ersten Schöpfungen abschwächte. Von seinen Gemälden

sind neben der Erstlingsarbeit: St. Hedwigis, Altarbild für

Liegnitz (1857), fünf Bilder aus dem Leben Luthers für

die Wartburg, Luthers Trauung (1871), die Taufe Wittekinds und die

Rückkehr Hermanns des Cheruskers aus der Schlacht am

Teutoburger Wald für das Gymnasium zu Minden und die drei

Parzen zu erwähnen. Er hat auch Studienköpfe gemalt,

deren Vorzug in der süßlichen Eleganz der Auffassung

beruht.

Thumerstein (Thumit), s. Axinit.

Thümmel, Moritz August von, Schriftsteller, geb. 27.

Mai 1738 zu Schönefeld bei Leipzig, studierte in Leipzig, ward

1761 Kammerjunker bei dem Erbprinzen von Sachsen-Koburg und 1768

Wirklicher Geheimer Rat und koburgischer Minister, zog sich 1782

von den öffentlichen Geschäften zurück und starb 26.

Okt. 1817 in Koburg. Unter seinen Schriften (neue Ausg. 1856, 8

Bde.) erlangten "Wilhelmine, oder der vermählte Pedant", ein

prosaisch-komisches Gedicht (Leipz. 1764; 6. Aufl. 1812; neue Ausg.

von Ad. Stern, das. 1879), und die "Reise in die mittägigen

Provinzen von Frankreich" (das. 1791-1805, 10 Bde.) einen

außerordentlichen Ruf. T. erwies sich in diesen Produktionen

als echten Geistesverwandten und Schüler Wielands. Eine

gewisse Anmut, feine Beobachtung und Schilderungsgabe, daneben

freilich auch Frivolität und lüsterne Leichtfertigkeit

sicherten ihnen die nachhaltigste Wirkung. Vgl. v. Gruner, Leben M.

A. v. Thümmels (Bd. 8 der "Werke", Leipz. 1819). -

Sein Bruder Hans Wilhelm, Freiherr von, geb. 17. Febr. 1744 zu

Schönefeld, gest. 1. März 1834 als herzoglich

sachsen-gothaischer Wirklicher Geheimer Rat, Kammerpräsident

u. Obersteuerdirektor in Altenburg, machte sich besonders um das

Herzogtum Sachsen-Altenburg durch Erleichterung der

bäuerlichen Lasten, Verbesserung des Armenwesens, Errichtung

von Armen- und Krankenhäusern etc. verdient. Zugleich war er

ein Freund und Förderer der Wissenschaften und Künste

(namentlich der Baukunst). Seiner Anordnung gemäß wurde

er auf seinem Landgut Nöbdenitz unfern Altenburg unter dem

Stamm einer alten Eiche, ohne Sarg, auf einer Moosbank sitzend,

eingesenkt.

Thummim, s. Urim und Thummim.

Thun, Landstädtchen im schweizer. Kanton Bern, an

der Eisenbahn Bern-Scherzligen, mit (1888) 5507 Einw., ist Sitz der

eidgenössischen Militärschule und der größte

Waffenplatz der Schweiz (mit Reitschule, Zeughäusern,

Munitionsfabrik etc.), außerdem für die Mehrzahl der

Touristen die Pforte zum Berner Oberland. An die Dampfschiffkurse

des Thuner Sees (s. d.), an dessen Ausfluß T. liegt,

schließt sich die Bödelibahn Därligen-Interlaken.

Vgl. Roth, T. und seine Umgebungen (Bern 1873); "T. und Thuner See"

(Zürich 1878).

Thun (T. und Hohenstein), 1) Friedrich, Graf von,

österreich. Staatsmann, geb. 8. Mai 1810 aus einem seit 1629

reichsgräflichen, in Tirol und Böhmen begüterten

Geschlecht, betrat die diplomatische Laufbahn, ward bei dem am 9.

Mai 1850 eröffneten Kongreß zu Frankfurt a. M.

österreichischer Gesandter und nach Reaktivierung des

Bundestags Präsident desselben, welche Stelle er im November

1852 mit der eines außerordentlichen Gesandten und

bevollmächtigten Ministers am preußischen Hofe

vertauschte. Von 1854 bis 1863 war er österreichischer

Gesandter in Petersburg und starb als k. k. Kämmerer und

Mitglied des Herrenhauses 24. Sept. 1881 in Tetschen.

2) Leo, Graf von, österreich. Staatsmann, Bruder des

vorigen, geb. 7. April 1811, war vor der Märzbewegung von 1848

als Sekretär in der Hofkanzlei angestellt und machte sich

damals auch durch einige Schriften, wie: "über den

gegenwärtigen Stand der böhmischen Litteratur" (Prag

1842), "Die Stellung der Slowaken in Ungarn beleuchtet" (das.

1843), bekannt. 1848 war er eine Zeitlang Landeschef von

Böhmen. Vom 28. Juli 1849 bis Oktober 1860 mit dem

Portefeuille des Kultus und öffentlichen Unterrichts betraut,

machte er sich in dieser Stellung namentlich um Durchführung

der Unterrichtsreform verdient, errichtete die kaiserliche Akademie

der Wissenschaften, deren Ehrenmitglied er wurde, wirkte aber

anderseits wesentlich zum Abschluß des Konkordats mit. Am 18.

April 1861 wurde er lebenslängliches Mitglied des

Herrenhauses, in welchem er Huuptvertreter der klerikalen und

feudalen Interessen war. 1861 als Vertreter des

fideikommissarischen Besitzes in den Landtag Böhmens gesendet,

schloß er sich der mit den tschechischen Föderalisten

verbündeten Feudalpartei an. Bei den staatsrechtlichen

Verhandlungen des böhmischen Landtags 1865 bis 1866 war T.

Berichterstatter der Majorität. Der

679

Thunar - Thur.

Ausgleich mit Ungarn fand in T. einen schroffen Gegner, wie er

auch gegen das Ehe- und Schulgesetz von 1868 war. Er starb 17. Dez.

1888 in Wien.

3) Guido, Graf von, österreich. Staatsmann, geb. 19. Sept.

1823, trat in den diplomatischen Dienst, ward 1859

Geschäftsträger im Haag, 1863 in Petersburg, 1865-66

Gesandter am kaiserlichen Hof in Mexiko, 1866-67 bei den

Hansestädten, 1867-1870 Vertreter der verfassungstreuen

böhmischen Großgrundbesitzer im böhmischen Landtag

und im Abgeordnetenhaus, ist seit Dezember 1872 Mitglied des

Herrenhauses.

Thunar, Gott des Donners, s. Thor.

Thunb., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für K. P. Thunberg (s. d.).

Thunberg, Karl Peter, Botaniker und Zoolog, einer der

berühmtesten Schüler Linnés, geb. 11. Nov. 1743 zu

Jönköping, studierte in Wexiö, dann seit 1761

Medizin und Naturgeschichte zu Upsala, bereiste Europa, lebte von

1772 bis 1775 als Arzt der Holländisch-Ostindischen Kompanie

am Kap, ging 1775 nach Batavia und Japan, kehrte 1778 nach Schweden

zurück, ward 1781 Professor der Botanik zu Upsala und starb 8.

Aug. 1828 auf Tunaberg bei Upsala. Er schrieb: "Flora japonica"

(Leipz. 1784); "Icones plantarum japonicarum" (Ups. 1794-1805);

"Prodromus plantarum capensium" (das. 1794-1800); "Flora capensis"

(das. 1807-13); "Resa uti Europa, Africa, Asia" (das. 1788-93, 4

Bde.; deutsch, Berl. 1792-94). Von seinen botanischen und

zoologischen Abhandlungen in den akademischen Dissertationen der

Universität Upsala wurden die bis 1801 reichenden von Persoon

herausgegeben: "Dissertationes academicae Upsaliae hahitae sub

praesidio C. P. Thunbergi" (Götting. 1799-1801, 3 Bde.).

Thunder Bay, Bai am westlichen Ende des Obern Sees in

Kanada (Britisch-Amerika), an welchem die Hafenorte Port Arthur und

Fort William liegen.

Thünen, Johann Heinrich von, hervorragender

Nationalökonom, geb. 24. Juli 1783 auf dem väterlichen

Gut Kanarienhausen bei Jever, studierte Landwirtschaft und kaufte

1810 das durch ihn berühmt gewordene Gut Tellow in

Mecklenburg, welches er bis zu seinem 22. Sept. 1850 erfolgten Tod

bewirtschaftete. Er führte mit großer Genauigkeit Buch

und Rechnung über seine Wirtschaft und gewann auf diesem Weg

fruchtbare Schlußfolgerungen über den Einfluß,

welchen die Entfernung vom Absatzort auf Intensität der

Bewirtschaftung, Wahl der Fruchtart, überhaupt auf die Art

ausüben muß, wie ein Landgut rationell zu behandeln ist.

In lichtvoller Weise hat er das unter dem Namen Thünensches

Gesetz bekannt gewordene Ergebnis derselben in seinem in 3 Teilen

(Hamb. 1826, Rost. 1850 u. 1863) erschienenen Werk "Der isolierte

Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalökonomie"

(3. Aufl., Berl. 1875) dargelegt. Im 2. Bande dieses Werkes,

welcher kurz vor seinem Tod erschien, untersucht er die

naturgemäße Höhe des Arbeitslohns und kommt zu dem

Resultat: "Der naturgemäße Arbeitslohn = ^ap; diese

Formel schmückt auch seinen Leichenstein. 1847 führte T.

auf seinem Gute das System der Gewinnbeteiligung der Arbeiter ein,

mit welchem gute Erfolge erzielt wurden. Vgl. (Schumacher) "J. H.

v. T., ein Forscherleben" (2. Aufl., Rost. 1883); Hermann, Das

Thünensche Gesetz (Halle 1876).

Thuner See, See im schweizer. Kanton Bern, 560 m ü.

M., 216 m tief, 48 qkm groß, nimmt viele Gebirgswasser auf,

darunter bei Thun die Kander, und wird von der Aare durchflossen,

die ihn mit dem Brienzer See verbindet. Im Gegensatz zu diesem ist

er mehr von voralpinem Wesen, mehr lieblich als ernst und

großartig, von sanftern Bergformen umrahmt, mehr mit

Dörfern und Landhäusern bekränzt und in der Saison

mehr vom Fremdenzug belebt, wie die größere Zahl seiner

Dampfer verrät. Das Bahnnetz der flachern Schweiz erreicht ihn

in Thun (-Scherzligen), und die Bödelibahn verknüpft ihn

mit dem Brienzer See: von Därligen über Interlaken nach

Bönigen. Der See ist reich an Fischen, vorzüglich

Forellen, Aalen, Karpfen und Hechten.

Thunfisch (Thynnus C. V.), Gattung aus der Ordnung der

Stachelflosser und der Familie der Makrelen (Scomberoidei),

große Fische mit gestrecktem, spindelförmigem, gegen den

Schwanz hin stark verdünntem Körper, nahe aneinander

stehenden Rückenfloffen, 6-9 falschen Flossen, hinten

Rücken- und Afterflosse, einem aus großen Schuppen

gebildeten Brustpanzer und einem Kiel neben beiden Kanten des

Schwanzes. Der gemeine T. (T. vulgaris C. V., s. Tafel "Fische

II"), 2-3 m, angeblich bis 4 m lang und 3-12 Ztr. schwer, ist

oberseits schwarzbläulich, am Brustpanzer weißblau, an

den Seiten und am Bauch grau mit weißen Flecken und

Bändern, an der ersten Rücken- und der Afterflosse

fleischfarben, die falschen Flossen schwefelgelb, schwarz

gesäumt, bewohnt das Mittelmeer, auch den Atlantischen Ozean

und das Schwarze Meer, geht nördlich bis England, selten bis

Rügen, lebt in der Tiefe, nähert sich, um zu laichen, den

Küsten und hält dabei, bisweilen in Herden von Tausenden,

bestimmte Straßen ein. Er erscheint im April, laicht im Juni

im Tang, und die Jungen erreichen noch im Oktober ein Gewicht von 1

kg. Der T. nährt sich von Fischen und Weichtieren,

hauptsächlich von Sprotten und Sardellen, und wird von

Haifischen und Delphinen verfolgt, lebt dagegen mit dem

Schwertfisch in gutem Einvernehmen und zieht öfters in dessen

Gesellschaft. Die Thunfischerei wurde im Altertum

hauptsächlich an der Straße von Gibraltar und im

Hellespont, gegenwärtig besonders großartig an den

italienischen Küsten betrieben. Man sperrt den Tieren die

gewohnten Straßen mit sehr großen Netzen ab und

erbeutet Tausende mit einemmal, indem man sie aus einer Kammer des

Netzes in die andre treibt, bis sie sämtlich in der

Totenkammer versammelt sind. Diese wird dann heraufgezogen und der

Fisch mit Keulen erschlagen. Das Fleisch ist sehr verschiedenartig,

wird daher gut sortiert und eingesalzen, bildet aber wesentlich nur

eine Speise der ärmern Klassen. Ein vielfach beliebtes hors

d'oeuvre ist T. à l'huile, gekochter T. in Öl

eingelegt, den man mit pikanter kalter Sauce genießt. Aus der

Leber gewinnt man Thran; aus Haut und Knochen kocht man Öl.

Der Bonite (T. Pelamis L.), 80 cm lang, ein sehr schöner

Fisch, auf dem Rücken und an den Seiten stahlblau, in

Grün und Rot schillernd, am Bauch silbern mit braunen

Streifen, lebt besonders im Atlantischen Ozean, folgt in

Gesellschaft der Thune oft lange den Schiffen, bildet dabei aber

regelmäßig geordnete Haufen. Er nährt sich

hauptsächlich von fliegenden Fischen, außerdem von

Tintenfischen, Schaltieren und selbst Pflanzenstoffen; sein Fleisch

ist nicht genießbar, soll sogar schädlich sein.

Thuok (Theok), Ellenmaß in Anam, = 10 Tahk à

10 Fahn = nahezu 64 cm; das T. der Feldmesser und Architekten ist

jedoch nur 0,485 m.

Thur, 1) Fluß im Oberelsaß, entspringt am

Rheinkopf in den Vogesen, durchströmt das anmutige,

industriereiche Thal von St.-Amarin in südöstlicher

680

Thür - Thurgau.

Richtung, tritt bei Thann aus dem Gebirge, fließt in der

Rheinebene nach NO. und mündet mit einem Arm bei Ensisheim,

mit dem andern bei Kolmar links in die Ill; die Länge ihres

Laufs beträgt 86 km. -

2) Linksseitiger Nebenfluß des Rheins in der Schweiz, 122

km lang, entspringt in zwei Quellflüssen im obersten Teil des

Toggenburg, bei Wildhaus (1104 m) und am Säntis,

durchfließt in nordwestlichem Lauf das Toggenburg, wendet

sich dann bei Wyl nach NO., bei Bischofzell, unter Aufnahme der

Sittern (457 m), wieder nach W., durchfließt den Thurgau und

das Züricher Weinland und mündet in korrigiertem Bett

unterhalb Andelfingen (348 m). Ihr größter linksseitiger

Zufluß ist die Murg.

Thür, im Hochbau verschließbare

Durchgangsöffnung in einer Umfangs- oder Zwischenwand, besteht

aus einer meist steinernen oder hölzernen, selten eisernen

Einfassung, aus ein- oder mehrteiligen, meist hölzernen,

seltener aus Metall bestehenden Flügeln und aus dem Beschlag.

Die Thüröffnung erhält je nach der Bestimmung der T.

eine Breite von 0,5-1,5 m und eine Höhe von 1,8-2,5 m,

während sie je nach Baumaterial und Stil des Gebäudes

oben wagerecht oder durch Bogen (s. d.) begrenzt ist. Die

Einfassung einer rechteckigen T. besteht aus dem Sturz, den beiden

Gewänden (Säulen, Pfosten) nebst der Schwelle (Sohle) und

ist mit Falz versehen, in welchen sich die Flügel legen,

welche bei untergeordneten Gebäuden oder Gebäudeteilen

aus Brettern mit zwei Querleisten und einer Strebe, für

Gebäude, welche höhern Anforderungen genügen

müssen, aus Rahmstücken und Füllungen

zusammengesetzt sind. Im romanischen Stil bildet der meist

gewölbte Bogen einen Halbkreis, im gotischen Stil einen

Spitzbogen. Die Thürflügel lehnen sich entweder direkt an

diese Bogen oder an den wagerechten Abschluß eines zwischen

dieselben eingeschalteten, mehr oder minder reich ornamentierten

Bogenfeldes an. Der Beschlag besteht aus den Thürbändern

und dem Thürschloß von verschiedener Konstruktion, wozu

in manchen Fällen noch besondere Verschlußvorrichtungen,

wie Riegel und Thürzuwerfer, hinzutreten. Je nach Lage und

Bewegungsweise hat man noch Schiebethüren, Fallthüren,

Klappthüren u. a. Die T. wird je nach dem Charakter des

Gebäudes mehr oder minder reich ausgebildet und erhält

besonders im Kirchenbau oft reichgegliederte und ornamentierte

Einfassungen, künstlerisch ausgestattete Thürflügel

und kunstvoll geschmiedete Beschläge (s. Tafel

"Schmiedekunst") . In diesem Fall, besonders bei den

Haupteingängen der Kirchen, wird die T. mit Portal

bezeichnet.

Thuret (spr. türä), Gustav, Botaniker, geb. 23.

Mai 1817 zu Paris, studierte Rechtswissenschaft, dann Botanik, ging

1840 als Attaché der französischen Gesandtschaft nach

Konstantinopel, kehrte aber schon im nächsten Iahr nach

Frankreich zurück, um sich ganz den Untersuchungen der

Meeresalgen widmen zu können. Hier lebte er bis 1851 auf

seinem Schloß Reutilly bei Lagny, siedelte dann mit Bornet

nach Cherbourg und später nach Antibes über, wo er einen

botanischen Garten anlegte. Er starb 10. Mai 1875. T. entdeckte die

Geschlechtlichkeit und die Befruchtung der Fukaceen (1853) und

Florideen (1867). Nach seinem Tod erschienen: "Études

phycologiques. Analyses d'algues marines" (Par. 1878, mit 50

Tafeln).

Thurgau, Kanton der nördlichen Schweiz, durch den

Bodensee und Rhein von Baden, Württemberg und Bayern getrennt,

umfaßt 988 qkm (17,9 QM.). In dem zum Thalsystem der Murg

gehörenden Hinter-T. steigt das Land fast zu voralpinen

Höhen an, so am Hörnli (1135 m), jedoch ohne dessen

Gipfel zu erreichen. Auch der größere Teil des an den

Kanton St. Gallen grenzenden Gebiets steigt erheblich an,

während die tiefsten Punkte an der Thur und am Rhein liegen.

Zwischen Thurthal und Bodensee zieht ein breites Plateau

(Seerücken) hin, zudem als einer der markantesten Punkte der

Ottenberg (671 m) gehört. Der Kanton zählt (1888) 105,091

Einw. deutscher Abstammung. Unter der Bevölkerung sind beide

Konfessionen sehr gemischt, doch ist der Protestantismus

vorherrschend. Die Katholiken (im ganzen 30,337) gehören der

Diözese Basel an; Klöster bestehen keine mehr. Der Kanton

baut zwar nicht ausreichend Getreide, nimmt aber in andern

Feldgewächsen und besonders in Obst und Wein (auf 1812 Hektar)

eine hervorragende Stelle ein. Auch die Rinder- u. Schweinezucht

ist bedeutend (1886 gab es 47,317 Rinder, 10,418 Schweine). Viele

Gesellschaftskäsereien sind vorhanden. In Ermatingen und

Gottlieben werden jährlich ca. 150,000 Gangfische gefangen.

Hauptindustrie ist gegenwärtig die Baumwollspinnerei an der

Thur und Murg; Islikon im Thurthal besitzt eine ausgedehnte

Färberei und Druckerei, Amriswyl eine Strumpffabrik.

Außerdem sind Gerbereien, Papiermühlen,

Spielkartenfabriken, Spiritus- und Leimfabriken, Ziegeleien etc. im

Betrieb. Großhandelsplätze hat der T. nicht, aber einen

bedeutenden Obstmarkt in Frauenfeld, große Viehmärkte in

Dießenhofen, Bischofzell, Amriswyl und Weinfelden. Romanshorn

ist als Bodenseehafen wichtig. Die Nordostbahn überschreitet

in Amriswyl den Seerücken, geht ins Thurthal hinüber nach

Weinfelden-Frauenfeld-Winterthur und kreuzt die Seethallinien in

Romanshorn. Den Hinter-T. kreuzt die Linie Winterthur-St. Gallen.

In Frauenfeld und Weinfelden arbeiten die zwei thurgauischen

Zettelbanken: die Thurgauische Hypothekenbank (1851 gegründet)

und die Thurgauische Kantonalbank (seit 1870). Das Schulwesen

gehört zu den regenerierten; in Kreuzlingen besteht das

kantonale Lehrerseminar, in Frauenfeld eine Kantonsschule. Der T.

hat auch eine Rettungs- und eine Zwangsarbeits-, aber keine

Blinden- und Taubstummenanstalt. Die öffentlichen Bibliotheken

enthalten 60,000 Bände, wovon über 30,000 auf die

Kantonsbibliothek in Frauenfeld entfallen. Nach der Verfassung vom

28. Febr. i869 gehört der T. zu den rein demokratischen

Kantonen. Sie gibt dem Volk das obligatorische Referendum, dem auch

die Beschlüsse der Legislative unterstellt werden können.

Die oberste Landesexekutive wird direkt vom Volk gewählt und

kann, wie die Legislative, abberufen werden, nämlich wenn 5000

Votanten sich für eine Abstimmung ausgesprochen haben. Die

Legislative übt der Große Rat, der auf je drei Jahre

durch das Volk gewählt wird. Die oberste vollziehende

Behörde ist der Regierungsrat, mit fünf Mitgliedern und

ebenfalls dreijähriger Amtsdauer. Die oberste Gerichtsinstanz

heißt Obergericht, dessen sieben Mitglieder ebenfalls auf

drei Jahre durch den Großen Rat gewählt werden. Der

Kanton ist in acht Bezirke eingeteilt; jeder derselben hat seinen

Bezirksstatthalter, dem ein Bezirksrat zur Seite steht, und ein

Bezirksgericht, jede Gemeinde ihren Gemeinderat, dessen Vorsitz der

Ammann führt; für größere Kreise besteht ein

Friedensrichter. Die Staatsrechnung für 1886 weist an

Einnahmen 1,224,476 Frank auf, darunter Ertrag des Staatsguts

449,516, Abgaben 625,207 Fr.; die Ausgaben belaufen sich auf

1,207,793 Fr., wovon 281,784 Fr. auf das Erziehungswesen fallen. Zu

Ende des Jahrs 1886 berechnete sich das unmittelbare Staatsgut auf

5,624,823 Fr.

681

Thurii - Thüringen.

die Summe des Spezialfonds auf 6,444,022, also das

Gesamtvermögen auf 12,068,845 Fr. Hauptstadt ist

Frauenfeld.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 197 / 302 段