(so eine Angabe aus dem Altertum, wahrscheinlich jedoch einige
Jahre später) im attischen Gau Halimus, stammte durch seinen
Vater Oloros von einem thrakischen Fürstengeschlecht ab,
während er durch seine Mutter mit Miltiades verwandt war,
hatte den Philosophen Anaxagoras und angeblich auch den Redner
Antiphon zu Lehrern. Er führte 424 den Oberbefehl über
eine Flottenabteilung in den thrakischen Gewässern, ward aber,
weil er die Eroberung der Stadt Amphipolis durch die Spartaner
nicht verhindern konnte, 423 verbannt, kehrte 403 infolge der
veränderten Verhältnisse nach Athen zurück, aber nur
auf kurze Zeit, und starb wenige Jahre nachher; über Ort, Zeit
und Art seines Todes besitzen wir nur unzuverlässige, sich
untereinander widersprechende Nachrichten. Er war der erste, der
eine strenge historische Kritik anwandte; sein Werk stellt den
Peloponnesischen Krieg dar, jedoch nur bis 411, wo es unvollendet
abbricht, und zeichnet sich ebensosehr durch Wahrheitsliebe und
politische Einsicht wie durch die kräftige, gedrängte
Sprache aus; die gedankenreichen Betrachtungen über die
Gründe der Vorgänge sind meist in die Form von Reden
gekleidet, die den handelnden Personen in den Mund gelegt werden
und die einen besonders wertvollen Bestandteil des Werkes bilden.
Unter den Ausgaben sind außer der ersten (Vened. 1502) die
von Poppo (Leipz. 1821-40, 11 Bde.; Handausgabe, 2. Aufl., das.
1875, 2 Bde.), Bekker (Berl. 1821, 3 Bde.; in 1 Bd. 1868), Dindorf
(Leipz. 1824), Göller (2. Aufl., das. 1836, 2 Bde.), Arnold
(neue Ausg., Oxf. 1854, 3 Bde.), Bloomfield (Lond. 1842, 2 Bde.),
Krüger (3. Aufl., Berl. 1860, 2 Bde.), Schöne (das.
1874), Classen (2. Aufl., das. 1870-78, 8 Bde.) und Böhme (2.
Aufl., Leipz. 1862 ff.) hervorzuheben. Neuere Übersetzungen
lieferten Osiander (Stuttg. 1826 bis 1829 u. öfter, 8 Bdchn.),
Campe (das. 1856-1857, 2 Bde.) und Wahrmund (2. Aufl., das. 1867, 2
Bde.). Eine Biographie des T. in griechischer Sprache besitzen wir
von Marcellinus (hrsg. von Westermann in den "Biographi graeci
minores". Braunschw. 1845). Antike Büsten des T. befinden sich
in Neapel (Doppelherme, mit Herodot) und zu Holkham Hall in
England. Vgl. Krüger, Untersuchungen über das Leben des
T. (Berl. 1832); Roscher, Leben, Werk und Zeitalter des T.
(Götting. 1842); Welzhofer, T. und sein Geschichtswerk
(Münch. 1877); Michaelis, Die Bildnisse des T. (Straßb.
1877); Girard, Essai sur T. (2. Aufl., Par. 1884).
Thulden, Theodor van, niederländ. Maler und
Radierer, geb. 1606 zu Herzogenbusch, bildete sich in der Werkstatt
von Rubens und wurde 1627 Freimeister der Lukasgilde in Antwerpen.
Er war 1632 und 1647 in Paris thätig, wo er eine Anzahl von
Kirchenbildern, unter andern die heilige Dreifaltigkeit (jetzt im
Museum zu Grenoble), die Himmelfahrt Mariä (jetzt im Museum zu
Angers) und die Äusgießung des Heiligen Geistes (jetzt
im Museum zu Le Mans), malte, und 1648 wurde er nach dem Haag
berufen, wo er an der Ausmalung des Oraniensaals im Huis ten Bosch
teilnahm (Hauptbild: die waffen-
678
Thule - Thun.
schmiedenden Kyklopen). Von seinen übrigen Werken sind zu
nennen: Martyrium des heil. Hadrian (in der Michaeliskirche zu
Gent), der auferstandene Christus vor Maria (im Louvre zu Paris),
die Entdeckung der Purpurschnecke (im Museum zu Madrid) und die
Rückkehr des Friedens (in der kaiserlichen Galerie zu Wien).
Er hat auch zahlreiche Blätter radiert, unter andern die
Amazonenschlacht nach Rubens, 49 Blätter nach den
Darstellungen auf dem Triumphbogen beim Einzug des
Kardinal-Infanten Ferdinand in Antwerpen (1635) und 58 Blätter
Odysseebilder nach Primaticcio und N. dell' Abbate. Er starb um
1676 in Herzogenbusch.
Thule, eine von Pytheas (s. d.) um 330 v. Chr. entdeckte
und fälschlich von ihm unter den Polarkreis verlegte Insel des
Atlantischen Meers, die für den nördlichsten Punkt der
bekannten Erde galt. Ptolemäos setzt dieselbe so an, daß
sie den heutigen Shetlandinseln entspricht (so H. Kiepert und
Müllenhoff).
Thum, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft
Zwickau, Amtshauptmannschaft Annaberg, an der Linie
Willischthal-Ehrenfriedersdorf der Sächsischen Staatsbahn, 513
m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Oberförsterei,
Strumpfwirkerei, Spinnerei, Färberei, Bandfabrikation und
(1885) 4213 Einw.
Thumann, Paul, Maler, geb. 5. Okt. 1834 zu Tschacksdorf
(Niederlausitz), war von 1855 bis 1856 Schüler der Akademie in
Berlin und arbeitete dann bis 1860 im Atelier von Julius
Hübner in Dresden. Nach zweijährigem Aufenthalt in
Leipzig ging er nach Weimar zu Ferdinand Pauwels und wurde 1866
Professor an der Kunstschule daselbst. Nachdem er seit 1872 als
Lehrer in Dresden thätig gewesen, wurde er 1875 als Professor
an die Kunstakademiein Berlin berufen, welche Stellung er 1887
niederlegte. Er bereiste 1862 Ungarn und Siebenbürgen, 1865
Italien, später Frankreich, Belgien, England. Seine
Hauptthätigkeit fand T. in der Illustration (z. B. Auerbachs
Kalender, Goethes "Wahrheit und Dichtung", Tennysons "Enoch Arden".
Chamissos "Frauenliebe und Leben", desselben "Lebenslieder und
-Bilder", Hamerlings "Amor und Psyche", Heines "Buch der Lieder").
Die Eleganz der Formengebung, der sinnvolle Ernst und die Anmut der
Figuren gewannen diesen Illustrationen großen Beifall. Doch
verlor sich T. schließlich in ein süßliches und
oberflächliches Formenspiel, welches den Eindruck seiner
ersten Schöpfungen abschwächte. Von seinen Gemälden
sind neben der Erstlingsarbeit: St. Hedwigis, Altarbild für
Liegnitz (1857), fünf Bilder aus dem Leben Luthers für
die Wartburg, Luthers Trauung (1871), die Taufe Wittekinds und die
Rückkehr Hermanns des Cheruskers aus der Schlacht am
Teutoburger Wald für das Gymnasium zu Minden und die drei
Parzen zu erwähnen. Er hat auch Studienköpfe gemalt,
deren Vorzug in der süßlichen Eleganz der Auffassung
beruht.
Thumerstein (Thumit), s. Axinit.
Thümmel, Moritz August von, Schriftsteller, geb. 27.
Mai 1738 zu Schönefeld bei Leipzig, studierte in Leipzig, ward
1761 Kammerjunker bei dem Erbprinzen von Sachsen-Koburg und 1768
Wirklicher Geheimer Rat und koburgischer Minister, zog sich 1782
von den öffentlichen Geschäften zurück und starb 26.
Okt. 1817 in Koburg. Unter seinen Schriften (neue Ausg. 1856, 8
Bde.) erlangten "Wilhelmine, oder der vermählte Pedant", ein
prosaisch-komisches Gedicht (Leipz. 1764; 6. Aufl. 1812; neue Ausg.
von Ad. Stern, das. 1879), und die "Reise in die mittägigen
Provinzen von Frankreich" (das. 1791-1805, 10 Bde.) einen
außerordentlichen Ruf. T. erwies sich in diesen Produktionen
als echten Geistesverwandten und Schüler Wielands. Eine
gewisse Anmut, feine Beobachtung und Schilderungsgabe, daneben
freilich auch Frivolität und lüsterne Leichtfertigkeit
sicherten ihnen die nachhaltigste Wirkung. Vgl. v. Gruner, Leben M.
A. v. Thümmels (Bd. 8 der "Werke", Leipz. 1819). -
Sein Bruder Hans Wilhelm, Freiherr von, geb. 17. Febr. 1744 zu
Schönefeld, gest. 1. März 1834 als herzoglich
sachsen-gothaischer Wirklicher Geheimer Rat, Kammerpräsident
u. Obersteuerdirektor in Altenburg, machte sich besonders um das
Herzogtum Sachsen-Altenburg durch Erleichterung der
bäuerlichen Lasten, Verbesserung des Armenwesens, Errichtung
von Armen- und Krankenhäusern etc. verdient. Zugleich war er
ein Freund und Förderer der Wissenschaften und Künste
(namentlich der Baukunst). Seiner Anordnung gemäß wurde
er auf seinem Landgut Nöbdenitz unfern Altenburg unter dem
Stamm einer alten Eiche, ohne Sarg, auf einer Moosbank sitzend,
eingesenkt.
Thummim, s. Urim und Thummim.
Thun, Landstädtchen im schweizer. Kanton Bern, an
der Eisenbahn Bern-Scherzligen, mit (1888) 5507 Einw., ist Sitz der
eidgenössischen Militärschule und der größte
Waffenplatz der Schweiz (mit Reitschule, Zeughäusern,
Munitionsfabrik etc.), außerdem für die Mehrzahl der
Touristen die Pforte zum Berner Oberland. An die Dampfschiffkurse
des Thuner Sees (s. d.), an dessen Ausfluß T. liegt,
schließt sich die Bödelibahn Därligen-Interlaken.
Vgl. Roth, T. und seine Umgebungen (Bern 1873); "T. und Thuner See"
(Zürich 1878).
Thun (T. und Hohenstein), 1) Friedrich, Graf von,
österreich. Staatsmann, geb. 8. Mai 1810 aus einem seit 1629
reichsgräflichen, in Tirol und Böhmen begüterten
Geschlecht, betrat die diplomatische Laufbahn, ward bei dem am 9.
Mai 1850 eröffneten Kongreß zu Frankfurt a. M.
österreichischer Gesandter und nach Reaktivierung des
Bundestags Präsident desselben, welche Stelle er im November
1852 mit der eines außerordentlichen Gesandten und
bevollmächtigten Ministers am preußischen Hofe
vertauschte. Von 1854 bis 1863 war er österreichischer
Gesandter in Petersburg und starb als k. k. Kämmerer und
Mitglied des Herrenhauses 24. Sept. 1881 in Tetschen.
2) Leo, Graf von, österreich. Staatsmann, Bruder des
vorigen, geb. 7. April 1811, war vor der Märzbewegung von 1848
als Sekretär in der Hofkanzlei angestellt und machte sich
damals auch durch einige Schriften, wie: "über den
gegenwärtigen Stand der böhmischen Litteratur" (Prag
1842), "Die Stellung der Slowaken in Ungarn beleuchtet" (das.
1843), bekannt. 1848 war er eine Zeitlang Landeschef von
Böhmen. Vom 28. Juli 1849 bis Oktober 1860 mit dem
Portefeuille des Kultus und öffentlichen Unterrichts betraut,
machte er sich in dieser Stellung namentlich um Durchführung
der Unterrichtsreform verdient, errichtete die kaiserliche Akademie
der Wissenschaften, deren Ehrenmitglied er wurde, wirkte aber
anderseits wesentlich zum Abschluß des Konkordats mit. Am 18.
April 1861 wurde er lebenslängliches Mitglied des
Herrenhauses, in welchem er Huuptvertreter der klerikalen und
feudalen Interessen war. 1861 als Vertreter des
fideikommissarischen Besitzes in den Landtag Böhmens gesendet,
schloß er sich der mit den tschechischen Föderalisten
verbündeten Feudalpartei an. Bei den staatsrechtlichen
Verhandlungen des böhmischen Landtags 1865 bis 1866 war T.
Berichterstatter der Majorität. Der
679
Thunar - Thur.
Ausgleich mit Ungarn fand in T. einen schroffen Gegner, wie er
auch gegen das Ehe- und Schulgesetz von 1868 war. Er starb 17. Dez.
1888 in Wien.
3) Guido, Graf von, österreich. Staatsmann, geb. 19. Sept.
1823, trat in den diplomatischen Dienst, ward 1859
Geschäftsträger im Haag, 1863 in Petersburg, 1865-66
Gesandter am kaiserlichen Hof in Mexiko, 1866-67 bei den
Hansestädten, 1867-1870 Vertreter der verfassungstreuen
böhmischen Großgrundbesitzer im böhmischen Landtag
und im Abgeordnetenhaus, ist seit Dezember 1872 Mitglied des
Herrenhauses.
Thunar, Gott des Donners, s. Thor.
Thunb., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung
für K. P. Thunberg (s. d.).
Thunberg, Karl Peter, Botaniker und Zoolog, einer der
berühmtesten Schüler Linnés, geb. 11. Nov. 1743 zu
Jönköping, studierte in Wexiö, dann seit 1761
Medizin und Naturgeschichte zu Upsala, bereiste Europa, lebte von
1772 bis 1775 als Arzt der Holländisch-Ostindischen Kompanie
am Kap, ging 1775 nach Batavia und Japan, kehrte 1778 nach Schweden
zurück, ward 1781 Professor der Botanik zu Upsala und starb 8.
Aug. 1828 auf Tunaberg bei Upsala. Er schrieb: "Flora japonica"
(Leipz. 1784); "Icones plantarum japonicarum" (Ups. 1794-1805);
"Prodromus plantarum capensium" (das. 1794-1800); "Flora capensis"
(das. 1807-13); "Resa uti Europa, Africa, Asia" (das. 1788-93, 4
Bde.; deutsch, Berl. 1792-94). Von seinen botanischen und
zoologischen Abhandlungen in den akademischen Dissertationen der
Universität Upsala wurden die bis 1801 reichenden von Persoon
herausgegeben: "Dissertationes academicae Upsaliae hahitae sub
praesidio C. P. Thunbergi" (Götting. 1799-1801, 3 Bde.).
Thunder Bay, Bai am westlichen Ende des Obern Sees in
Kanada (Britisch-Amerika), an welchem die Hafenorte Port Arthur und
Fort William liegen.
Thünen, Johann Heinrich von, hervorragender
Nationalökonom, geb. 24. Juli 1783 auf dem väterlichen
Gut Kanarienhausen bei Jever, studierte Landwirtschaft und kaufte
1810 das durch ihn berühmt gewordene Gut Tellow in
Mecklenburg, welches er bis zu seinem 22. Sept. 1850 erfolgten Tod
bewirtschaftete. Er führte mit großer Genauigkeit Buch
und Rechnung über seine Wirtschaft und gewann auf diesem Weg
fruchtbare Schlußfolgerungen über den Einfluß,
welchen die Entfernung vom Absatzort auf Intensität der
Bewirtschaftung, Wahl der Fruchtart, überhaupt auf die Art
ausüben muß, wie ein Landgut rationell zu behandeln ist.
In lichtvoller Weise hat er das unter dem Namen Thünensches
Gesetz bekannt gewordene Ergebnis derselben in seinem in 3 Teilen
(Hamb. 1826, Rost. 1850 u. 1863) erschienenen Werk "Der isolierte
Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalökonomie"
(3. Aufl., Berl. 1875) dargelegt. Im 2. Bande dieses Werkes,
welcher kurz vor seinem Tod erschien, untersucht er die
naturgemäße Höhe des Arbeitslohns und kommt zu dem
Resultat: "Der naturgemäße Arbeitslohn = ^ap; diese
Formel schmückt auch seinen Leichenstein. 1847 führte T.
auf seinem Gute das System der Gewinnbeteiligung der Arbeiter ein,
mit welchem gute Erfolge erzielt wurden. Vgl. (Schumacher) "J. H.
v. T., ein Forscherleben" (2. Aufl., Rost. 1883); Hermann, Das
Thünensche Gesetz (Halle 1876).
Thuner See, See im schweizer. Kanton Bern, 560 m ü.
M., 216 m tief, 48 qkm groß, nimmt viele Gebirgswasser auf,
darunter bei Thun die Kander, und wird von der Aare durchflossen,
die ihn mit dem Brienzer See verbindet. Im Gegensatz zu diesem ist
er mehr von voralpinem Wesen, mehr lieblich als ernst und
großartig, von sanftern Bergformen umrahmt, mehr mit
Dörfern und Landhäusern bekränzt und in der Saison
mehr vom Fremdenzug belebt, wie die größere Zahl seiner
Dampfer verrät. Das Bahnnetz der flachern Schweiz erreicht ihn
in Thun (-Scherzligen), und die Bödelibahn verknüpft ihn
mit dem Brienzer See: von Därligen über Interlaken nach
Bönigen. Der See ist reich an Fischen, vorzüglich
Forellen, Aalen, Karpfen und Hechten.
Thunfisch (Thynnus C. V.), Gattung aus der Ordnung der
Stachelflosser und der Familie der Makrelen (Scomberoidei),
große Fische mit gestrecktem, spindelförmigem, gegen den
Schwanz hin stark verdünntem Körper, nahe aneinander
stehenden Rückenfloffen, 6-9 falschen Flossen, hinten
Rücken- und Afterflosse, einem aus großen Schuppen
gebildeten Brustpanzer und einem Kiel neben beiden Kanten des
Schwanzes. Der gemeine T. (T. vulgaris C. V., s. Tafel "Fische
II"), 2-3 m, angeblich bis 4 m lang und 3-12 Ztr. schwer, ist
oberseits schwarzbläulich, am Brustpanzer weißblau, an
den Seiten und am Bauch grau mit weißen Flecken und
Bändern, an der ersten Rücken- und der Afterflosse
fleischfarben, die falschen Flossen schwefelgelb, schwarz
gesäumt, bewohnt das Mittelmeer, auch den Atlantischen Ozean
und das Schwarze Meer, geht nördlich bis England, selten bis
Rügen, lebt in der Tiefe, nähert sich, um zu laichen, den
Küsten und hält dabei, bisweilen in Herden von Tausenden,
bestimmte Straßen ein. Er erscheint im April, laicht im Juni
im Tang, und die Jungen erreichen noch im Oktober ein Gewicht von 1
kg. Der T. nährt sich von Fischen und Weichtieren,
hauptsächlich von Sprotten und Sardellen, und wird von
Haifischen und Delphinen verfolgt, lebt dagegen mit dem
Schwertfisch in gutem Einvernehmen und zieht öfters in dessen
Gesellschaft. Die Thunfischerei wurde im Altertum
hauptsächlich an der Straße von Gibraltar und im
Hellespont, gegenwärtig besonders großartig an den
italienischen Küsten betrieben. Man sperrt den Tieren die
gewohnten Straßen mit sehr großen Netzen ab und
erbeutet Tausende mit einemmal, indem man sie aus einer Kammer des
Netzes in die andre treibt, bis sie sämtlich in der
Totenkammer versammelt sind. Diese wird dann heraufgezogen und der
Fisch mit Keulen erschlagen. Das Fleisch ist sehr verschiedenartig,
wird daher gut sortiert und eingesalzen, bildet aber wesentlich nur
eine Speise der ärmern Klassen. Ein vielfach beliebtes hors
d'oeuvre ist T. à l'huile, gekochter T. in Öl
eingelegt, den man mit pikanter kalter Sauce genießt. Aus der
Leber gewinnt man Thran; aus Haut und Knochen kocht man Öl.
Der Bonite (T. Pelamis L.), 80 cm lang, ein sehr schöner
Fisch, auf dem Rücken und an den Seiten stahlblau, in
Grün und Rot schillernd, am Bauch silbern mit braunen
Streifen, lebt besonders im Atlantischen Ozean, folgt in
Gesellschaft der Thune oft lange den Schiffen, bildet dabei aber
regelmäßig geordnete Haufen. Er nährt sich
hauptsächlich von fliegenden Fischen, außerdem von
Tintenfischen, Schaltieren und selbst Pflanzenstoffen; sein Fleisch
ist nicht genießbar, soll sogar schädlich sein.
Thuok (Theok), Ellenmaß in Anam, = 10 Tahk à
10 Fahn = nahezu 64 cm; das T. der Feldmesser und Architekten ist
jedoch nur 0,485 m.
Thur, 1) Fluß im Oberelsaß, entspringt am
Rheinkopf in den Vogesen, durchströmt das anmutige,
industriereiche Thal von St.-Amarin in südöstlicher
680
Thür - Thurgau.
Richtung, tritt bei Thann aus dem Gebirge, fließt in der
Rheinebene nach NO. und mündet mit einem Arm bei Ensisheim,
mit dem andern bei Kolmar links in die Ill; die Länge ihres
Laufs beträgt 86 km. -
2) Linksseitiger Nebenfluß des Rheins in der Schweiz, 122
km lang, entspringt in zwei Quellflüssen im obersten Teil des
Toggenburg, bei Wildhaus (1104 m) und am Säntis,
durchfließt in nordwestlichem Lauf das Toggenburg, wendet
sich dann bei Wyl nach NO., bei Bischofzell, unter Aufnahme der
Sittern (457 m), wieder nach W., durchfließt den Thurgau und
das Züricher Weinland und mündet in korrigiertem Bett
unterhalb Andelfingen (348 m). Ihr größter linksseitiger
Zufluß ist die Murg.
Thür, im Hochbau verschließbare
Durchgangsöffnung in einer Umfangs- oder Zwischenwand, besteht
aus einer meist steinernen oder hölzernen, selten eisernen
Einfassung, aus ein- oder mehrteiligen, meist hölzernen,
seltener aus Metall bestehenden Flügeln und aus dem Beschlag.
Die Thüröffnung erhält je nach der Bestimmung der T.
eine Breite von 0,5-1,5 m und eine Höhe von 1,8-2,5 m,
während sie je nach Baumaterial und Stil des Gebäudes
oben wagerecht oder durch Bogen (s. d.) begrenzt ist. Die
Einfassung einer rechteckigen T. besteht aus dem Sturz, den beiden
Gewänden (Säulen, Pfosten) nebst der Schwelle (Sohle) und
ist mit Falz versehen, in welchen sich die Flügel legen,
welche bei untergeordneten Gebäuden oder Gebäudeteilen
aus Brettern mit zwei Querleisten und einer Strebe, für
Gebäude, welche höhern Anforderungen genügen
müssen, aus Rahmstücken und Füllungen
zusammengesetzt sind. Im romanischen Stil bildet der meist
gewölbte Bogen einen Halbkreis, im gotischen Stil einen
Spitzbogen. Die Thürflügel lehnen sich entweder direkt an
diese Bogen oder an den wagerechten Abschluß eines zwischen
dieselben eingeschalteten, mehr oder minder reich ornamentierten
Bogenfeldes an. Der Beschlag besteht aus den Thürbändern
und dem Thürschloß von verschiedener Konstruktion, wozu
in manchen Fällen noch besondere Verschlußvorrichtungen,
wie Riegel und Thürzuwerfer, hinzutreten. Je nach Lage und
Bewegungsweise hat man noch Schiebethüren, Fallthüren,
Klappthüren u. a. Die T. wird je nach dem Charakter des
Gebäudes mehr oder minder reich ausgebildet und erhält
besonders im Kirchenbau oft reichgegliederte und ornamentierte
Einfassungen, künstlerisch ausgestattete Thürflügel
und kunstvoll geschmiedete Beschläge (s. Tafel
"Schmiedekunst") . In diesem Fall, besonders bei den
Haupteingängen der Kirchen, wird die T. mit Portal
bezeichnet.
Thuret (spr. türä), Gustav, Botaniker, geb. 23.
Mai 1817 zu Paris, studierte Rechtswissenschaft, dann Botanik, ging
1840 als Attaché der französischen Gesandtschaft nach
Konstantinopel, kehrte aber schon im nächsten Iahr nach
Frankreich zurück, um sich ganz den Untersuchungen der
Meeresalgen widmen zu können. Hier lebte er bis 1851 auf
seinem Schloß Reutilly bei Lagny, siedelte dann mit Bornet
nach Cherbourg und später nach Antibes über, wo er einen
botanischen Garten anlegte. Er starb 10. Mai 1875. T. entdeckte die
Geschlechtlichkeit und die Befruchtung der Fukaceen (1853) und
Florideen (1867). Nach seinem Tod erschienen: "Études
phycologiques. Analyses d'algues marines" (Par. 1878, mit 50
Tafeln).
Thurgau, Kanton der nördlichen Schweiz, durch den
Bodensee und Rhein von Baden, Württemberg und Bayern getrennt,
umfaßt 988 qkm (17,9 QM.). In dem zum Thalsystem der Murg
gehörenden Hinter-T. steigt das Land fast zu voralpinen
Höhen an, so am Hörnli (1135 m), jedoch ohne dessen
Gipfel zu erreichen. Auch der größere Teil des an den
Kanton St. Gallen grenzenden Gebiets steigt erheblich an,
während die tiefsten Punkte an der Thur und am Rhein liegen.
Zwischen Thurthal und Bodensee zieht ein breites Plateau
(Seerücken) hin, zudem als einer der markantesten Punkte der
Ottenberg (671 m) gehört. Der Kanton zählt (1888) 105,091
Einw. deutscher Abstammung. Unter der Bevölkerung sind beide
Konfessionen sehr gemischt, doch ist der Protestantismus
vorherrschend. Die Katholiken (im ganzen 30,337) gehören der
Diözese Basel an; Klöster bestehen keine mehr. Der Kanton
baut zwar nicht ausreichend Getreide, nimmt aber in andern
Feldgewächsen und besonders in Obst und Wein (auf 1812 Hektar)
eine hervorragende Stelle ein. Auch die Rinder- u. Schweinezucht
ist bedeutend (1886 gab es 47,317 Rinder, 10,418 Schweine). Viele
Gesellschaftskäsereien sind vorhanden. In Ermatingen und
Gottlieben werden jährlich ca. 150,000 Gangfische gefangen.
Hauptindustrie ist gegenwärtig die Baumwollspinnerei an der
Thur und Murg; Islikon im Thurthal besitzt eine ausgedehnte
Färberei und Druckerei, Amriswyl eine Strumpffabrik.
Außerdem sind Gerbereien, Papiermühlen,
Spielkartenfabriken, Spiritus- und Leimfabriken, Ziegeleien etc. im
Betrieb. Großhandelsplätze hat der T. nicht, aber einen
bedeutenden Obstmarkt in Frauenfeld, große Viehmärkte in
Dießenhofen, Bischofzell, Amriswyl und Weinfelden. Romanshorn
ist als Bodenseehafen wichtig. Die Nordostbahn überschreitet
in Amriswyl den Seerücken, geht ins Thurthal hinüber nach
Weinfelden-Frauenfeld-Winterthur und kreuzt die Seethallinien in
Romanshorn. Den Hinter-T. kreuzt die Linie Winterthur-St. Gallen.
In Frauenfeld und Weinfelden arbeiten die zwei thurgauischen
Zettelbanken: die Thurgauische Hypothekenbank (1851 gegründet)
und die Thurgauische Kantonalbank (seit 1870). Das Schulwesen
gehört zu den regenerierten; in Kreuzlingen besteht das
kantonale Lehrerseminar, in Frauenfeld eine Kantonsschule. Der T.
hat auch eine Rettungs- und eine Zwangsarbeits-, aber keine
Blinden- und Taubstummenanstalt. Die öffentlichen Bibliotheken
enthalten 60,000 Bände, wovon über 30,000 auf die
Kantonsbibliothek in Frauenfeld entfallen. Nach der Verfassung vom
28. Febr. i869 gehört der T. zu den rein demokratischen
Kantonen. Sie gibt dem Volk das obligatorische Referendum, dem auch
die Beschlüsse der Legislative unterstellt werden können.
Die oberste Landesexekutive wird direkt vom Volk gewählt und
kann, wie die Legislative, abberufen werden, nämlich wenn 5000
Votanten sich für eine Abstimmung ausgesprochen haben. Die
Legislative übt der Große Rat, der auf je drei Jahre
durch das Volk gewählt wird. Die oberste vollziehende
Behörde ist der Regierungsrat, mit fünf Mitgliedern und
ebenfalls dreijähriger Amtsdauer. Die oberste Gerichtsinstanz
heißt Obergericht, dessen sieben Mitglieder ebenfalls auf
drei Jahre durch den Großen Rat gewählt werden. Der
Kanton ist in acht Bezirke eingeteilt; jeder derselben hat seinen
Bezirksstatthalter, dem ein Bezirksrat zur Seite steht, und ein
Bezirksgericht, jede Gemeinde ihren Gemeinderat, dessen Vorsitz der
Ammann führt; für größere Kreise besteht ein
Friedensrichter. Die Staatsrechnung für 1886 weist an
Einnahmen 1,224,476 Frank auf, darunter Ertrag des Staatsguts
449,516, Abgaben 625,207 Fr.; die Ausgaben belaufen sich auf
1,207,793 Fr., wovon 281,784 Fr. auf das Erziehungswesen fallen. Zu
Ende des Jahrs 1886 berechnete sich das unmittelbare Staatsgut auf
5,624,823 Fr.
681
Thurii - Thüringen.
die Summe des Spezialfonds auf 6,444,022, also das
Gesamtvermögen auf 12,068,845 Fr. Hauptstadt ist
Frauenfeld.