Thonen, wenn sie nur billig sind, namentlich aus Töpferthon
und Thonmergel, dargestellt und kann nur bei Dunkel- bis
Hellrotglut gebrannt werden. Infolgedessen bleibt die Masse sehr
porös und wird nur durch die Glasur gebrauchsfähig.
Letztere muß daher auch sehr haltbar sein und darf nicht
rissig werden oder abblättern. Die Geschirre ertragen starken
Temperaturwechsel und sind daher auch als Kochgeschirr verwendbar.
Für die sogen. Weißtöpferei, welche gemeines
Küchengeschirr herstellt, benutzt man den gemeinen
Töpferthon, für die Brauntöpferei, zu welcher das
Bunzlauer und Waldenburger Geschirr gehört, einen ziemlich
feuerbeständigen Thon. Zu fetter Thon wird mit magerm Thon
oder Sand, auch wohl mit Feuerstein, Kreide, Schamotte,
Steinkohlenasche gemischt und, nachdem er monatelang gelegen hat,
getreten, auf dem Thonschneider bearbeitet, geknetet, einem
Fäulnisprozeß unterworfen und abermals getreten,
geknetet etc., bis er hinreichend homogen geworden ist. Das
Schlämmen ist in der Regel zu teuer. Die auf der Drehscheibe
geformten und getrockneten Gegenstände werden häufig mit
einem Schlamm aus weißem oder farbigem Thon, auch wohl unter
Zusatz färbender Metalloxyde begossen (engobiert), um ihnen
eine bestimmte Farbe zu erteilen, und, nachdem der Beguß
getrocknet ist, durch Eintauchen, Begießen oder
Bestäuben mit Glasur versehen. Letztere ist eine leicht
schmelzbare Bleiglasur aus Bleiglätte oder Bleiglanz und Lehm,
welcher häufig färbende Metallpräparate beigemengt
werden. Bei richtiger Zusammensetzung der Glasur, wenn das Bleioxyd
vollständig an die Kieselsäure gebunden ist, entziehen
die in der Haushaltung vorkommenden Säuren (Essig,
Fruchtsäfte) der Glasur kein Blei, während saure Speisen
aus schlechter, namentlich ungenügend gebrannter Glasur Blei
aufnehmen können. Die ordinäre Töpferware wird in
der Regel nur einmal (mit der Glasur) und ohne Kapseln gebrannt.
Der Boden der Gefäße darf keine Glasur erhalten, damit
er nicht anschmilzt, auch muß die gegenseitige Berührung
der Geschirre thunlichst vermieden werden. Die Töpferöfen
sind meist liegende Flammöfen mit nur einer Feuerung an der
einen und der Esse an der andern Seite. Der Feuerraum ist vom
Brennraum in der Regel durch eine durchbrochene Mauer geschieden,
welche die Feuerungsgase möglichst gleichmäßig
verteilen, Flugasche zurückhalten und, wenn glühend, zur
Rauchverbrennung beitragen soll. Sehr gebräuchlich ist der
Kasseler Ofen (s. Mauersteine, S. 352). Auch Gasfeuerung ist auf
Töpferöfen mit Vorteil angewandt worden, und bei
großem Betrieb benutzt man die kontinuierlichen
Ringöfen, welche zuerst für Ziegeleien konstruiert
wurden. Über Mauersteine und Terrakotten s. diese Artikel;
über die Geschichte der Thonbildnerei s. Keramik. Vgl. Kerl,
Handbuch der gesamten Thonwarenindustrie (2. Aufl., Braunschw.
1878); Gentele, Vollständiges Lehrbuch im Poteriefach (2.
Aufl., Leipz. 1859); Schumacher, Die keramischen Thonfabrikate
(Weim. 1884); Möller, Die neue Bauanlage der königlichen
Porzellanmanufaktur zu Charlottenburg (Berl. 1873); Mendheim,
Brennöfen mit Gasfeuerung (das. 1876); Liebold, Die neuen
kontinuierlichen Brennöfen (Halle 1876); Stegmann, Gasfeuerung
und Gasöfen (2. Aufl., Berl. 1881); Challeton, L'art du
briquetier (Par. 1861), und die kunstgeschichtliche Litteratur bei
Keramik.
Thor, in der Architektur, s. Portal.
Thor (Thunar), in der nord. Mythologie Gott des Donners,
dem deutschen Donar (s. d.) entsprechend, war der erste Sohn des
Odin und der Jörd (Erde) und genoß unter allen Asen das
höchste Ansehen. Er wird geschildert als ein Wesen von
jugendlicher Frische, mit rotem Bart und von ungeheurer
Stärke, furchtbar besonders durch drei Kleinode: den
Donnerhammer Miölnir, der geschleudert sein Ziel nie verfehlte
und von selbst zurückkehrte, den Machtgürtel Megingiard
und die Eisenhandschuhe. Er lag in steter Fehde mit dem
Riesengeschlecht der Joten und Thursen, auch mit der Jormungandr
(Midgardschlange). Später erlegte er diese bei der
Götterdämmerung, doch wurde er hierbei selbst durch ihren
Gifthauch getötet. Seine Gattin, die Erdgöttin Sif (s.
d.), brachte ihm aus früherer Ehe den schnellen
Bogenschützen Uller zu und gebar ihm eine Tochter, Thrud
("Kraft"), während er von der Jotin Jarnsaxa zwei Söhne,
Magin ("Stärke")
668
Thor, Le - Thoren.
und Modi ("Mut"), besaß. Sein gewöhnlicher Wohnsitz
war Thrudheim ("Land der Stärke"); doch hatte er auch eine
Wohnung in Asgard, Namens Thrudwangr. Von ihm hat der Donnerstag
(Thorstag) den Namen. Vgl. Uhland, Der Mythus vom T. (Stuttg. 1836,
und im 6. Bd. der "Schriften").
Thor, Le, Flecken im franz. Departement Vaucluse,
Arrondissement Avignon, an einem Arm der Sorgues und an der
Eisenbahn Avignon-Cavaillon, hat eine gut erhaltene Kirche (im
Übergangsstil), Seidenspinnerei, Papierfabrikation,
Gipserzeugung und (1881) 1462 Einw.
Thora (Thorah, hebr.), bei den Juden vorzugsweise
Benennung des mosaischen Gesetzes und des dasselbe enthaltenden
Pentateuchs (vgl. Bibel, S. 879). Sefer-T., Buch des Gesetzes, die
von besondern Schreibern mit größter Genauigkeit
geschriebene Pergamentrolle, aus welcher in den Synagogen die
Abschnitte der Bücher Mosis vorgelesen werden.
Thorakocentesis (griech), s. Paracentese.
Thorakometer (griech., Brustmesser), Instrument zum
Messen des Brustumfanges und der Erweiterung des Brustkorbes beim
Atmen, wird vollkommen ersetzt durch ein gewöhnliches
Bandmaß.
Thorax (griech.), Brustharnisch (s. Rüstung); in der
Anatomie die Brust (s. d.) sowohl der Wirbeltiere als auch der
Gliederfüßer. Bei den letztern ist der T. zuweilen mit
dem Kopf zum sogen. Kopfbruststück (Cephalothorax, s.d.)
verwachsen. Bei den Insekten trägt er die drei Bein- und
gewöhnlich auch zwei Flügelpaare.
Thorbecke, Johann Rudolf, niederländ. Staatsmann,
geb. 15. Jan. 1798 zu Zwolle, studierte in Leiden die Rechte, dann
in Deutschland Philosophie, habilitierte sich 1822 als Dozent in
Gießen, dann in Göttingen und ward 1825 Professor der
politischen Wissenschaften zu Gent, 1830 Professor der Rechte zu
Leiden. 1840 in die Erste Kammer berufen, stimmte er für
durchgreifende Verfassungsreform, welche er bereits durch seine
Schriften: "Aanteekening op de grondwet" und "Proeve van herziene
grondwet" verteidigt hatte, und legte 1844 einen vollständig
ausgearbeiteten Entwurf einer Verfassungsreform vor, der aber erst
im Oktober 1848 von einer mit Revision des Grundgesetzes unter
Thorbeckes Leitung beauftragten Kommission angenommen wurde. Im
Oktober 1849 mit Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt,
übernahm er in diesem das Portefeuille des Innern und wirkte
in dieser Stellung mit Eifer für Durchführung der
Verfassung. Da er indes den König durch schroffes Auftreten,
das protestantisch gesinnte Volk durch die Zulassung katholischer
Bistümer verletzte, ward er von seinen Gegnern 1853
gestürzt. T. war nicht bloß dem König, sondern auch
vielen sogen. Liberalen seines ernsten, rücksichtslosen Wesens
und seiner strengen politischen Doktrin wegen verhaßt, und
erst 30. Jan. 1862 trat er endlich wieder an die Spitze des
Ministeriums. Da indes seine Reformpläne im Kolonialwesen die
Interessen zu vieler, auch Liberaler, verletzten, ward er im
März 1866 wieder gestürzt, obwohl er der einzige
Staatsmann in den Niederlanden war, welcher wußte, was er
wollte, und die liberale Partei einigermaßen zusammenzuhalten
verstand. Das Verhalten des Ministeriums van Zuylen in der
Luxemburger Frage tadelte er aufs schärfste und führte
1868 dessen Sturz herbei, worauf er zwar 22. Mai den Auftrag
übernahm, ein neues Ministerium zu bilden, aber nicht selbst
eintrat, sondern dasselbe Fock übertrug und bloß in der
Kammer unterstützte. Nach dessen Abdankung, Anfang 1871, trat
er indes selbst wieder als Minister des Innern an die Spitze des
Kabinetts und bemühte sich, die Reform des Heerwesens zur
Sicherung der niederländischen Unabhängigkeit, die T.
durch Preußen bedroht glaubte, und die Einführung einer
Einkommensteuer durchzusetzen. Mit beiden Vorschlägen drang er
indes nicht durch und nahm im Mai 1872 deshalb seine Entlassung.
Noch ehe das neue Ministerium gebildet war, für welches T. die
Geschäfte noch fortführte, starb er 4. Juni 1872. Nach
seinem Tod erst würdigte man den Verlust des
überzeugungstreuen, energischen und praktisch befähigten
Staatsmanns und ehrte ihn 1876 durch ein Denkmal zu Amsterdam.
Gesammelt erschienen Thorbeckes kleinere Schriften ("Historische
schetsen", 2. Aufl., Haag 1872), seine Briefe aus den Jahren
1830-32 (Amsterd. 1873) und seine Reden (Deventer 1856-70, 6 Bde.).
Vgl. Olivier, Herinneringen aan T. (Haag 1872).
Thordsen, Kap, s. Eisfjord und Polarforschung, S.
160.
Thoreau (spr. thóro). Henry, nordamerikan.
Schriftsteller, geb. 1817 zu Concord bei Boston als der Sohn eines
Bleistiftmachers, besuchte das Harvard College in Cambridge,
welches er 1837 nach erlangtem Grad verließ, um als Lehrer
sein Brot zu verdienen. Sein unsteter, Selbständigkeit
liebender Geist ließ ihm aber keine Ruhe bei einer festen
Berufsstellung; er verschmähte die Handwerksthätigkeit
nicht und verstand sich aufs Zimmern, Malen, Bleistiftmachen und
Gartenarbeit. Die Schriftstellerei trieb er ebenso regellos
nebenher. T. ist eins der hervorragendsten Mitglieder jener durch
Emerson, Alcott, Margareta Fuller u. a. vertretenen Schule des
Idealismus, welche sich von der puritanischen
Strenggläubigkeit befreit hatte und einem freiern Leben im
Geist und in der Wahrheit zustrebte. In diesem Kreis war T. eine
der originellsten Erscheinungen, in der sich der Dichter und Denker
vereinigte. Der Gegenstand seiner Schriften ist fast
ausschließlich die Natur, deren Erscheinungen aus allen
Gebieten er in tief empfundenen Bildern und Betrachtungen zu
beschreiben verstand. Während zweier Jahre lebte T. in einer
von ihm selbst gezimmerten Hütte, eine Meile von Concord im
Wald; dort sammelte er seine zerstreuten Aufsätze zu dem Buch
"A week on the Concord and Merrimac rivers" (Bost. 1849) und
entstand die Schrift "Walden; or life in the woods" (das. 1855).
Seine andern Schriften wurden erst nach seinem 1862 erfolgten Tod
gesammelt herausgegeben. Es sind die mit einer kleinen
Lebensbeschreibung Thoreaus von seinem Freund Emerson eingeleiteten
"Excursions in field and forest" (Bost. 1863); ferner: "The Main
woods" (1864); "Cape Cod" (1865); "Early spring in Massachusetts";
"A Yankee in Canada" (1866); endlich: "Letters to various persons"
(1865). Ein hervorstechender Zug bei T. war seine leidenschaftliche
und frühzeitige Parteinahme für die Abschaffung der
Sklaverei. Sein Leben schrieben Page (1879) und Sanborn (Bost.
1882).
Thoren, Otto von, Maler, geb. 1828 zu Wien wurde 1846
Offizier, machte 1848 den ungarischen Feldzug mit und verweilte
dann längere Zeit in Venedig; 1857 wandte er sich ganz der
Malerei zu und studierte mehrere Jahre in Brüssel und Paris.
Gegen Mitte der 60er Jahre wurde er nach Wien berufen, um ein
Reiterbildnis des Kaisers von Österreich auszuführen.
Nachdem er noch einen Tod Gustav Adolfs gemalt hatte, wandte er
sich der Tiermalerei, insbesondere der Darstellung des Weideviehs,
zu, worin er sich durch energische Charakteristik und feine
Naturbeob-
669
Thorenburg - Thorn.
achtung bei breiter malerischer Darstellung auszeichnet. Seine
Hauptwerke sind: ungarische Ochsen, gegen den Wind nach Hause
getrieben, ackernde Ochsen, Pflüger aus der Normandie, der
herannahende Wolf, Ochsengruppe bei Sonnenuntergang. T. lebt in
Paris.
Thorenburg, Stadt, s. Torda.
Thoresen, Anna Magdalena, geborne Kragh, norweg.
Romanschriftstellerin, geb. 3. Juni 1819 zu Fridericia in
Jütland als die Tochter eines Schiffszimmermanns, kam mit 20
Jahren nach Kopenhagen, um sich zur Lehrerin auszubilden, ward nach
einigen Jahren Erzieherin im Haus des norwegischen Pfarrers
Thoresen und zwei Jahre später (1844) dessen Frau. Ihr neuer
Wohnort bot ihr in Fülle Gelegenheit, das Volk und die
nordische Natur zu studieren, und beide, Land und Leute Norwegens,
haben in ihr später die verständnisvollste Darstellerin
gefunden. Als nach 18jähriger Ehe der Pfarrer starb, wandte
sich die Witwe wieder nach Kopenhagen, um es nun mit der
Schriftstellerei zu versuchen. Sie brachte zuerst kleinere Arbeiten
("Fortällinger" u. a.), sodann die ebenso eigentümliche
wie schöne Erzählung "Signes Historie" (1864), die
durchschlagenden Erfolg hatte. Es war damals die Blütezeit der
Bauerngeschichten und die Strömung ihr sonach förderlich;
gleichwohl verdankt sie vorzugsweise ihrem eignen Talent die
Erfolge dieser und ihrer folgenden Erzählungen, die sich
ebensosehr durch Originalität der Erfindung und Tiefe der
Charakteristik wie durch Pracht der Schilderungen auszeichnen. Es
sind: "Solen i Siljedalen" (1868); "Billeder fra Vestkysten af
Norge" (1872); "Nyere Fortällinger" (1873); "Livsbilleder"
(1877); "Herluf Nordal" (1879); "Billeder fra Midnatsolens Land"
(1884-86, 2 Bde.). In ihren Bühnendichtungen ("Et rigt parti".
1870; "Inden Döre", 1877; "Kristoffer Valkendorf og
Hanseaterne", 1878; "En opgaaende sol", 1882) zeigt sie sich
weniger beanlagt. Der größte Teil ihrer Dorfgeschichten
wurde von Reinmar ins Deutsche übersetzt (2. Aufl., Berl.
1884, 5 Bde.). Ihre neueste Veröffentlichung ist ein Band
Gedichte (1887).
Thorheit unterscheidet sich von der Tugend, welche nur
gute, wie von dem Laster, welches nur schlechte Zwecke verfolgt,
durch moralische Gleichgültigkeit gegen die Beschaffenheit des
Zwecks, von der Weisheit, welche zur Erreichung guter, wie von der
Klugheit, welche zu solcher beliebiger Zwecke taugliche Mittel
wählt, durch die gedankenlose Sorglosigkeit oder (logische)
Verkehrtheit in der Wahl der Mittel.
Thorild, Thomas, schwed. Dichter und Denker, geb. 1759 zu
Kongelf in Bohuslän, trat als leidenschaftlicher Gegner des
herrschenden französischen Geschmacks auf und verschaffte, ein
Verehrer Klopstocks und Ossians, der Romantik in Schweden Eingang,
verweilte dann 1788-90 zur Ausführung seiner weltverbessernden
Ideen in England, ohne Erfolg zu haben, wurde nach seiner
Rückkehr wegen der freisinnigen politischen Schrift
"Ärligheten" ("Die Ehrlichkeit") auf mehrere Jahre des Landes
verwiesen, erhielt 1795 eine Anstellung als Professor der
schwedischen Litteratur und Bibliothekar zu Greifswald und starb
daselbst 1808. Weniger durch seine Poesien, von denen das
didaktische Gedicht "Passionerna" ("Die Leidenschaften^, Stockh.
1785) genannt sei, hat T. durch seine Streitschriften, die er zum
Teil unter dem Titel: "Kritik öfver kritiker med utkast til en
lagstiftning i snillets verld" ("Kritik über Kritiken nebst
Entwurf zu einer Gesetzgebung im Reich des Genies", 1791)
herausgab, Einfluß auf die Entwickelung der schwedischen
Dichtkunst ausgeübt. Als origineller und paradoxer Denker aber
erscheint er besonders in seinem Hauptwerk: "Maximum sive
archimetria" (Berl. 1799), das eine Fundamentalphilosophie oder
urwissenschaftliche Grundlehre, allgemeine Kritik "Tanti et Totius"
sein sollte. Grundlage alles Wissens ist danach das Gefühl der
Notwendigkeit, so zu denken, wie man denkt, und da bei einem echten
Denker vorausgesetzt werden müsse, daß er überhaupt
nichts, was ihm nicht denknotwendig scheine, denke, so sei
überhaupt jedes Denken Erkenntnis, weil und insoweit es
notwendiges Denken ist, und der Unterschied zwischen Wahrheit und
Irrtum besteht in dem Wieviel (Tantum quantum), d. h. in dem Grade
der Notwendigkeit, welche dasselbe besitzt. Ein philosophisches
Glaubensbekenntnis, das T. drucken ließ, soll
unterdrückt worden sein. Eine neue Ausgabe seiner "Samlade
skrifter" besorgte Hanselli (Stockh. 1873-1874, 2 Bde.). Vgl.
Geijer, Thorild (Upsala 1820).
Thorium (Donarium) Th, chem. Element, welches sich im
Thorit, Orangit, Pyrochlor, Monazit und andern seltenen Mineralien
findet und aus dem Chlorthorium gewonnen wird. Es bildet ein graues
Pulver vom spez. Gew. 7,73, Atomgewicht 231,96, zersetzt nicht
Wasser, ist leicht löslich in Salpetersäure, schwer in
Salzsäure, verbrennt beim Erhitzen an der Luft zu farbloser
Thorerde (Thoroxyd, Thorsäure) ThO2. Diese bildet mit
farblosen Säuren farblose Salze, die etwas zusammenziehend
schmecken und beim Erhitzen zersetzt werden.
Thorn (poln. Torun), Kreisstadt und seit dem Eingehen der
Festung Graudenz durch Anlage zahlreicher detachierter Forts auf
beiden Seiten der Weichsel Festung ersten Ranges, an der Weichsel,
über die hier eine 1000 m lange Eisenbahnbrücke
führt, Knotenpunkt der Linien Schneidemühl-T.,
T.-Allenstein, T.-Alexandrowo, T. Marienburg und Posen-T. der
Preußischen Staatsbahn, 34 m ü. M., hat alte, vom
Deutschen Orden erbaute Ringmauern, 2 evangelische und 3 kath.
Kirchen (unter letztern die Johanniskirche mit dem Epitaphium des
Kopernikus), eine Synagoge, ein altes Schloß (von 1260), ein
schönes Rathaus (mit wichtigem Archiv und Museum), 2
Bahnhöfe, ein Schlachthaus, einen Marktplatz (in der Altstadt)
mit der kolossalen Bronzestatue des Kopernikus, welche dem 1473 in
T. gebornen großen Astronomen 1853 hier errichtet wurde, und
(1885) mit der Garnison (2 Infanteriereg. Nr. 21 und 61, ein
Pionierbat. Nr. 2, ein Ulanenreg. Nr. 4 und ein
Fußartilleriereg. Nr. 11) 23,906 meist evang. Einwohner. Die
Industrie besteht in Eisengießerei, Maschinen-, Dampfkessel-,
Spiritus-, Seifen-, Tabaks- und berühmter
Pfefferkuchenfabrikation, Tischlerei und Schlosserei, Bierbrauerei
etc. Der lebhafte Handel, unterstützt durch eine
Handelskammer, eine Reichsbankstelle und andre Bankinstitute sowie
durch die Stromschiffahrt, ist besonders bedeutend in Getreide und
Holz, ferner in Wein, Kolonial-, Eisen- und Schnittwaren, Vieh,
Steinkohlen etc. Besucht sind auch die dortigen alljährlichen
Woll-, die allmonatlichen Pferde- und allwöchentlichen
Viehmärkte. T. ist Sitz eines Landgerichts, eines
Hauptzollamtes, des Stabes der 8. Infanteriebrigade und hat ein
Gymnasium mit Realgymnasium u. ein Lehrerinnenseminar. Unmittelbar
bei T. liegt das Dorf Mocker mit Eisengießerei, Ma-
Wappen von Thorn.
670
Thornbury - Thorwaldsen.
schinen- und Nudelfabrikation und (1885) 6826 Einw. sowie der
Flecken Podgorz mit 1972 Einw. Zum Landgerichtsbezirk T.
gehören die neun Amtsgerichte zu Briesen, Gollub, Kulm,
Kulmsee, Lautenburg, Löbau, Neumark, Strasburg und T. - Den
ersten Grund zu der Stadt legte der Hochmeister Hermann Balk 1231.
Deutsche Einwanderer aus Westfalen bevölkerten die Stadt, die
28. Dez. 1232 das unter dem Namen der Kulmischen Handfeste bekannte
Privilegium erhielt. T. trat später dem Hansabund bei. Hier
wurde 1411 zwischen dem König Wladislaw II. von Polen und dem
Deutschen Orden Friede geschlossen. 1454 ward das Schloß zu
T. vom Preußischen Bund erobert und von den Bürgern
zerstört. Am 19. Okt. 1466 ward hier ein zweiter Friede
zwischen Polen und dem Deutschen Orden geschlossen. Der
Waffenstillstand mit Polen zu T. 5. April 1521 gewährte dem
Hochmeister Albrecht von Brandenburg vier Jahre Ruhe bis zum
berühmten Krakauer Frieden. 1557 nahmen Rat und
Bürgerschaft die Reformation an, und 1558 ward die
Marienschule zu einem Gymnasium erhoben. Auf Veranlassung des
polnischen Königs Wladislaw IV. ward hier 1645 unter
Ossolinskis Vorsitz das sogen. Colloquium charitativum zur
Versöhnung der Katholiken und Dissidenten, woran auch G.
Calixt teilnahm, veranstaltet. Streitigkeiten, welche 16. Juli 1724
zwischen den Jesuitenzöglingen und den Schülern des
protestantischen Gymnasiums bei Gelegenheit der
Fronleichnamsprozession entstanden, hatten einen Tumult zur Folge,
wobei das Jesuitenkloster gestürmt und verwüstet wurde.
Die polnische Regierung ließ darauf auf Grund eines ganz
ungesetzlichen Verfahrens 7. Dez. 1724 den Stadtpräsidenten
Rößner nebst neun Bürgern enthaupten (Thorner
Blutbad) und bestimmte, daß der Magistrat künftig zur
Hälfte aus Katholiken bestehen und die Marienkirche den
Katholiken übergeben werden sollte. Bei der zweiten Teilung
Polens fiel T. zugleich mit Danzig 1793 an Preußen. Durch den
Frieden von Tilsit 1807 kam es an das Großherzogtum Warschau,
und 16. April 1813 mußte es, nachdem es von den Russen und
Preußen eingeschlossen worden war, nach achttägiger
Beschießung kapitulieren. Durch die Wiener Kongreßakte
von 1815 kam es von Polen an Preußen zurück und ward
seit 1818 mit Festungswerken versehen. Vgl. Wernicke, Geschichte
Thorns (Thorn 1839-42, 2 Bde.); Hoburg, Die Belagerungen der Stadt
und Festung T. (das. 1850); Steinbrecht, Die Baukunst des Deutschen
Ritterordens, Bd. 1: T. im Mittelalter (Berl. 1884); Kestner,
Beiträge zur Geschichte der Stadt T. (Thorn 1883); Steinmann,
Der Kreis T. (das. 1866).
Thornbury (spr. thórnböri), George Walter,
engl. Dichter und Schriftsteller, geb. 1828 zu London, gest.
daselbst 11. Juni 1876, begann seine Laufbahn 1845 mit
Beiträgen zum "Bristol Journal" und schrieb später
hauptsächlich für das "Athenaeum". Sein erstes
größeres Werk war: "Lays and legends of the New World"
(1851). Es folgten eine Geschichte der Bukanier ("Monarchs of the
Main", 1855, neue Aufl. 1873), "Shakspere's England during the
reign of Elisabeth" (1856, 2 Bde.) und "Art and nature at home and
abroad" (1856, 2 Bde.). Als Dichter zeigte er sich in "Songs of
Cavaliers and Roundheads" (1857), "Two centuries of song" (1867)
und "Historical and legendary ballads and songs" (1875) sowie in
seinen Romanen, von denen zu nennen: "Every man his own trumpeter"
(1858); "Icebound" (1861); "True as steel" (1863, 3 Bde.);
"Wildfire" (1864); "Tales for the marines" (1865); "Haunted London"
(1865); "Greatheart" (1866); "The vicar's courtship" (1869) und
"Old stories retold" (1869). Als Kunstschriftsteller hat sich T.
hervorgethan in den Werken: "British artists from Hogarth to
Turner" (1861, 2 Bde.) und "Life of J. M. W. Turner" (1861). Von
seinen Reiseschilderungen sind anzuführen: "Life in Spain"
(1859); "Turkish life and character" (1860); "Tour round England"
(1870, 2 Bde.); "Criss crossjourneys" (1873, 2 Bde.); "Old and new
London" (1873-74, 2 Bde.).
Thornhill, Stadt im südwestlichen Yorkshire
(England), am Calder, dicht bei Dewsbury, hat chemische Fabriken,
Eisenhütten und (1881) 8843 Einw.
Thornhill, James, engl. Maler, geb. 1676 zu Melcombe
Regis in Dorset, bildete sich bei Th. Highmore und war dann
besonders auf dem Gebiet der dekorarativen Malerei unter dem
Einfluß der französischen Schule thätig. Er
schmückte unter anderm die Kuppel der Paulskirche, die
große Halle zu Blenheim, die Kapelle zu Wimpole, die
große Halle zu Greenwich, ferner Hamptoncourt und Easton
Neston mit Gemälden und malte auch Porträte und
Landschaften. Er starb 13. Mai 1734 bei Weymouth.
Thornton, Stadt in Yorkshire (England), westlich von
Bradford, hat Worstedweberei, Fabrikation von Weberschiffen und
Holzschuhen und (1881) 6084 Einw.
Thorpe (spr. thorp), Benjamin, engl. Forscher auf dem
Gebiet der angelsächsischen Sprache und Litteratur, geb. 1782,
folgte in seinen Studien den Grundsätzen des Dänen Rask
(s. d.), dessen angelsächsische Grammatik er ins Englische
übertrug (Kopenh. 1830, 3. Aufl. 1879); starb 23. Juli 1870 in
Chiswick. T. lieferte viele schätzbare Ausgaben und
Übersetzungen angelsächsischer Sprachdenkmäler,
unter denen hauptsächlich die folgenden hervorzuheben sind:
"Anglo-Saxon version of the story of Apollonius" (Lond. 1836);
"Codex Vercellensis"(1837); "Ancient laws and institutes of the
Anglo-Saxon kings" (1840, 2 Bde.); "Codex Exoniensis, a collection
of Anglo-Saxon poetry" (1842); "Analecta anglo-saxonica" (1846,
neue Ausg. 1868); "Anglo-Saxon version of the four gospels" (1848);
"Beowulf" (1855, 2. Aufl. 1875); "Libri psalmorum versio, latina et
anglo-saxonica" (1857); "Anglo-Saxon chronicle" (1861, 2 Bde.) und
"Diplomatarium anglicanum aevi saxonici" (1865). Außerdem
schrieb er: "Northern mythology" (1852, 3 Bde.), eine kritische
Übersicht der Volkssagen Skandinaviens, Norddeutschlands und
der Niederlande, der sich "Yule tide tales" (1852) und eine
Übersetzung der Edda (1866) anschlossen; auch übertrug er
Lappenbergs "Geschichte Englands" sowie Paulis "Alfred d. Gr." u.
a. ins Englische.
Thorshavn, Stadt auf Strömö, s.
Färöer, S. 58.
Thorstein, Berg, s. Dachstein.
Thorsteuer (Thoraccise), eine Form der Aufwandsteuer,
erhoben beim Eingang von Waren in bewohnte (geschlossene) Orte,
kommt unter der Benennung Ottroi meist nur als Gemeindesteuer
vor.