Brett gestellt und bei gewöhnlicher Temperatur im Schatten

getrocknet. Gegenstände von nicht kreisförmigem

Querschnitt oder von komplizierter Gestalt werden in Formen

hergestellt. Diese bestehen meist aus Gips, welcher der Masse so

viel Wasser entzieht, daß sie sich nach Entfernung der Form

nicht mehr verbiegt. Das Formen wird verschieden ausgeführt.

Bei der Ballenformerei drückt man die Masse in Stücken

von geeigneter Größe mit den Fingern oder mit Hilfe

eines Holzes so in die Form, daß das Stück

gleichmäßige Scherbenstärke erhält. Ist die

Form zweiteilig, so werden beide Hälften schließlich

aufeinander gelegt und die beiden Thonmassen miteinander vereinigt.

Teller, Tassen etc. formt man mit Hilfe von dünnen

Blättern aus weicher Porzellanmasse, die häufig mit

Maschinen erzeugt werden. Man gießt auch die Porzellanmasse

in Form eines gleichmäßig flüssigen Breies in die

porösen Formen, welche Wasser absorbieren und sich dadurch mit

einer Schicht von kompakterer Masse auskleiden. Sobald dies

geschehen ist, gießt man das flüssig Gebliebene ab und

füllt neue Masse ein, was so oft wiederholt wird, bis

hinreichende Wandstärke erreicht ist. Viele Figuren, Blumen,

Ornamente etc. werden aus freier Hand mit dem Bossiergriffel

gebildet. Die geformten Gegenstände bedürfen häufig

noch einer nachträglichen Bearbeitung durch Abdrehen,

Ausbessern, Guillochieren etc.; auch werden Henkel und andre

ähnliche Teile angesetzt, worauf man sie trocknen

läßt. Unglasiertes Porzellan kommt als Biskuit in den

Handel, besonders in Form von Kunstgegenständen, alle

Gebrauchsgegenstände aber werden glasiert.

Die Porzellanglasur ist sehr hart, glatt, glänzend, bekommt

nicht leicht Risse und haftet sehr fest auf dem Porzellan. Diese

Eigenschaften verdankt sie ihrer Zusammensetzung, die mit der des

Porzellans selbst wesentlich übereinstimmt. Man bereitet sie

aus einem Gemenge von fein gepulvertem und geschlämmtem

Kaolin, Quarzsand, Gips und Porzellanscherben, die mit Wasser etwa

zur Konsistenz der Kalkmilch angerührt werden. Die zu

glasierenden Stücke müssen neben gewisser Festigkeit

insbesondere Porosität besitzen, welche sie befähigt,

Feuchtigkeit schnell und leicht zu absorbieren. Damit sie diese

Eigenschaft erhalten, müssen sie einem schwachen Brande, dem

Verglühen, unterworfen werden. Zieht man sie dann durch eine

Flüssigkeit, in welcher feine Körper suspendiert sind,

wie in der Glasurflüssigkeit, so halten sie letztere wie ein

Filter in ihren Poren zurück, absorbieren die Feuchtigkeit,

bedecken sich mit Glasurschicht und erscheinen nach dem

Herausziehen trocken. Um von den glasierten Stücken alle

Verunreinigungen fern zu halten, werden sie nicht der direkten

Einwirkung des Feuers ausgesetzt, sondern in eigens für diesen

Zweck angefertigten Thongefäßen, Kassetten oder Kapseln,

die aus feuerfester Masse bestehen, gebrannt. In diese Kapseln

werden die Objekte eingesetzt; dieselben kommen dann in den

Porzellanbrennofen und zwar Kapsel auf Kapsel, so daß

möglichst an Raum erspart wird. Das Brennen des Porzellans,

wie der keramischen Objekte überhaupt, hat in der Neuzeit

erhebliche Fortschritte gemacht in Ausnutzung der Wärme,

Ersparung von Brennstoff, Verwertung auch schlechter

Brennmaterialien. Bis vor etwa zehn Jahren diente für den

Porzellanbrand der Holzetagenofen mit periodischem Brande. Die

Verbesserungen der Heizungsanlagen im Hüttenwesen, die

Anwendung des Ringofens in der Ziegelfabrikation wirkten

regenerierend auf diesem Gebiet. Kontinuierlicher Brand, Benutzung

von Gas als Brennstoff, Vorwärmung der Verbrennungsluft,

Ausnutzung der Verbrennungsgase charakterisieren die Gegenwart;

damit sucht sie bedeutende Leistungsfähigkeit und

Bequemlichkeit des Betriebs zu verbinden. Bereits im vorigen und

Anfang der 40er Jahre dieses Jahrhunderts versuchte man in

Frankreich, Porzellan mit Steinkohle zu brennen, jedoch ohne

Erfolg; erst in den 60er Jahren bürgerten sich solche

Öfen neben den ältern Etagenöfen in England,

Frankreich und Mitteldeutschland ein. In den 50er Jahren machte

Salvetat auf den hohen Wert der Gasfeuerung für die

keramischen Industrien aufmerksam, und es konstruierte dann Venier

den ersten brauchbaren Gasofen für die Thunsche

Porzellanfabrik zu Klösterle in Böhmen.

Fig. 2 zeigt den ältern Doppelofen für

Holzkohlenfeuerung, wie er zu Sèvres Anwendung fand, Fig. 3

den Steinkohlenofen von Thoma, Fig. 4-6 den Gasofen von G.

Mendheim. Der Holzetagenofen bestand aus drei durch flache

Gewölbe getrennten Etagen; die beiden untern L L' dienen zum

Glattbrennen, die obere L'' zum Verglühen des Porzellans; alle

drei Etagen kommunizieren durch die Öffnungen c c c in den

Gewölben. Die seitlichen Thüren P gestatten den Zugang in

die verschiedenen Räume; dieselben sind übrigens

während des Brandes vermauert. f f sind die seitlich

angebrachten Feuerkasten, die mittels eines eisernen Schiebers

verschlossen werden können. In dieselben wird durch o etwas

Holz gebracht und, sobald dieses brennt, o verschlossen und von

oben neues Brennmaterial zugebracht. Die Luft tritt nun von oben zu

dem Brennstoff, und die Flamme gelangt, durch die Kanäle

gehörig verteilt, in den Ofen. Die Feuergase ziehen

aufwärts, umspülen die eingesetzten

Kapselstöße und entweichen durch den essenartigen

Aufsatz H, welcher übrigens zur Regelung des Zugs durch Klappe

I nach Wunsch geöffnet oder geschlossen werden kann. In Fig. 3

bei dem Thomaschen Ofen ist A der Glattbrennofen mit

Einsetzthür a, C der Verglühofen, D die Esse, welche auf

Kappe b des Verglühofens ruht. Der Ofen hat fünf

Feuerkasten, in denen die Roststäbe der Roste g schräg

hängen; l ist der Fülltrichter, durch p

verschließbar. Durch seitliche Kanäle wird der Feuerung

Luft zugeführt. Die Einrichtung ist derart, daß die

Flamme an der Sohle r des Glattofens nach der Mitte getrieben wird,

um eine gleichmäßige Verteilung der Hitze zu bewirken;

durch w wird der Trockenraum S erwärmt, v ist die Klappe zur

Zugregulierung. Bei dem Gasofen von Mendheim erfolgt die Befeuerung

der einzelnen Kammern durch Gas, welches in besondern,

außerhalb des Ofens liegenden Generatoren erzeugt wird. Fig.

4 stellt den Grundriß des Ofens, Fig. 5 den Querschnitt, Fig.

6 den Längsschnitt der Kammer dar. Der Ofen besteht aus zwei

parallelen Kammerreihen von 18 Kammern, welche in der Weise

angeordnet sind, daß in jeder Reihe 9 Kammern liegen, die in

der Mitte durch Rauchsammler getrennt (1-9, 10-18), an beiden Enden

durch die Kanäle h1h2 verbunden sind. Das aus den beiden

Schachtgeneratoren a aus Steinkohle erzeugte Gas tritt durch die

eisernen Ventile b b in den Kanal c c ein, gelangt je nach Bedarf

durch Ventile d1d2 in die Kanäle e1e2, um hier zum Heizen der

bei f schließbaren Kammer zu dienen. Soll z. B. Kammer 8

befeuert werden, so öffnet man das zugehörige Ventil f;

das Gas strömt hinter einer Feuerbrücke in dieselbe ein

und kommt hier mit einem Luftstrom in Berührung, der bereits

die fertig gebrannten Kammern 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, 11, 18, 17

passiert hat. Der Luftstrom

665

Thonwaren (Porzellanfabrikation).

ist bei 17 eingetreten und hat sich auf dem Weg bis 8

allmählich an den kühlenden Objekten erhitzt; hier herein

tritt er durch die in der Kammerwand befindlichen Löcher g g

und bewirkt die Verbrennung des Gases unter bedeutender

Wärmeentwicklung. Die Flamme streicht nun durch die

Löcher g g nach Kammer 9, von hier durch den Kanal h2 nach 10,

dann nach 11, 12, 13, 14. Letztere Kammer kann man von 15 durch

einen Blechschieber trennen; die Feuergase werden dadurch

gezwungen, durch das geöffnete Ventil i in den Rauchkanal zu

treten, um von diesem dem Schornstein l zugeführt zu werden.

Der Betrieb des Ofens ist demnach derselbe wie derjenige des

für den Ziegelbrand benutzten Ringofens. Während Kammer 8

im Garbrand, werden die Kammern 9-14 durch die abziehenden

Feuergase vorgewärmt; die Kammern 15, 16 sind ausgeschlossen,

15 wird neu beschickt, 16 entleert. Die Zirkulation der Luft

beginnt mit ihrem Eintritt bei 17 und endet mit dem Austritt der

Verbrennungsprodukte bei 14. Ist Kammer 8 gar gebrannt, so

schreitet man zu 9. Kammer 18 bildet dann die Eintrittsstelle

für Luft, Kammer 15 die Austrittsstelle; 16 wird neu

beschickt, 17 entleert u. s. f.

Das Einsetzen der zu brennenden Porzellangeschirre erfordert

große Aufmerksamkeit, da der Arbeiter die Kassetten nach den

Objekten zu wählen und die Kapselstöße in die

verschiedenen Stellen des Ofens unter möglichster

Raumausnutzung und Ausnutzung der Hitze zu verteilen hat. In den

Etagenöfen stellt er die Stöße in der Regel in drei

konzentrischen Ringen um eine Kernsäule; die Stöße

werden durch dazwischen gelegte Thonmassen gegeneinander verstrebt.

Ist die Einsetzarbeit vollendet, so werden die

Einsatzöffnungen vermauert, mit Aussparung von

Probelöchern, um den Gang durch eingelegte Probescherben

beobachten zu können. Anfangs gibt man in Öfen mit

direkter Feuerung ein schwaches Feuer. Man nennt dies Vorfeuer,

Lavier- oder Flatterfeuer; dieses wird in 12-15 Stunden zum

Scharffeuer (Weißglut) gesteigert, welches man 17-18 Stunden

unterhält. Hierauf verschließt man den Ofen und

läßt 3-4 Tage erkalten, um ihn zu entleeren. Das dem

Ofen entnommene Geschirr wird sortiert, wobei sich

verhältnismäßig wenig vollkommen fehlerfreie Ware

ergibt. Ein großer Teil des Porzellans wird mit Malerei

dekoriert, und hierbei kann mancher Fehler verdeckt werden. Die

Porzellanfarben sind gefärbte Gläser, welche durch

Einschmelzen oder Einbrennen befestigt werden. Manche Farben

ertragen die Hitze des Garbrandes, ohne zerstört zu werden

(Scharffeuerfarben); sie können unter Glasur aufgetragen und

mit ihr im Garofen eingeschmolzen werden. Bei andern ist dies nicht

der Fall (weiche oder Muffelfarben); sie werden stets auf der

Glasur des bereits gar gebrannten Porzellans aufgetragen und apart

in Muffeln eingebrannt. Die Zahl dieser letztern Farben ist sehr

viel größer, weil die meisten Metalloxyde im Scharffeuer

sich verflüchtigen oder einen unreinen Ton geben. Alle

Muffelfarben liegen auf dem Porzellan fühlbar erhaben und sind

als weiche Bleigläser der Abnutzung stark unterworfen. Als

Farbstoffe benutzt man Eisenoxyd für Rot, Braun, Gelb,

Violett, Chromoxyd für Grün, Chromoxyd und

salpetrigsaures Kobaltoxydkali für Blau und Schwarz, Uranoxyd

für Orange und Schwarz, Manganoxyd für Violett, Braun und

Schwarz, Iridiumoxyd für Schwarz, Titanoxyd und Antimonoxyd

für Gelb, Kupferoxyd und Kupferoxydul für Grün und

Rot, Goldpurpur für Purpur und Rosenrot etc. Bei Vergoldung

wird fein verteiltes Gold mit basisch salpetersaurem Wismutoxyd und

mit Quecksilberoxyd gemischt aufgetragen. Auch benutzt man Muschel-

oder Malergold und brennt in der Muffel ein. Die Vergoldung

erscheint matt und erhält erst durch Polieren mit Achat und

Blutstein Glanz. Zur Meißener oder Glanzvergoldung benutzt

man ein Präparat, welches Goldchlorid, Schwefelgold oder

Knallgold in Schwefelbalsam enthält. Man erhält hier

direkt glänzende Vergoldung, die aber sehr vergänglich

ist. Will man die Glasur des Hartporzellans färben, so

muß man, wenn die normale Zusammensetzung derselben nicht zu

sehr verändert und Haarrissigkeit herbeigeführt werden

soll, die farblosen Flußmittel (Kali und Kalk) in

äquivalenten Mengen durch färbende Metalloxyde ersetzen.

Da die Menge der farblosen Flußmittel bei der

Hartporzellanglasur aber nur 8-10 Proz. beträgt, so ist in

Bezug auf die Einführung der färbenden Metalloxyde nur

ein geringer Spielraum gelassen. Dazu kommt, daß

Hartporzellan ohne Anwendung einer reduzierenden Flamme kaum gar

gebrannt werden kann, und daß demnach solche Metalloxyde,

welche der Reduktion leicht unterworfen sind, für die Glasur

nicht angewendet werden dürfen. Aus diesen Gründen ist

die Palette für die Scharffeuerglasuren des Porzellans nur

schwach besetzt und beschränkt sich auf Kobalt-, Chrom-,

Eisen- und Manganoxyd nebst den edlen Metallen Gold, Platin und

Iridium. Seger hat deshalb eine neue Masse für Porzellan

zusammengesetzt, für welche die Garbrandtemperatur bedeutend

niedriger ist, so daß eine wesentlich leichtflüssigere

Glasur verwendet werden kann, ohne daß dieselbe Haarrisse

zeigt. Um diese Glasur zu färben, kann man weit

größere Mengen färbender Metalloxyde an Stelle der

farblosen Flußmittel einführen, auch sind die leichter

reduzierbaren Metalloxyde (Kupfer-, Nickel- und Uranoxyd) zu

verwenden, weil das Seger-Porzellan noch in oxydierendem Feuer gar

gebrannt werden kann. Dadurch ist die Palette für die farbigen

Glasuren, welche im Vollfeuer aufgebrannt werden können, eine

wesentlich ausgedehntere geworden als früher. Auch die

fabrikmäßige Herstellung des so sehr geschätzten

Chinesischrots, bisher das Geheimnis einiger Fabriken in Nanking,

wurde von Seger aufgefunden; nunmehr liefert die Berliner

Porzellanmanufaktur derartige Gegenstände in vorzüglicher

Qualität. Nach einer neuen Dekorationsweise für Porzellan

wird das Biskuit spitzenartig durchstochen und eine

zähflüssige Emailglasur aufgebracht. Dieselbe

überzieht das ganze Stück, so daß auch die

kleinsten durchstochenen Öffnungen erfüllt werden und

nach dem Brennen durchsichtig erscheinen (émail

ajouré). Beim Porzellandruck wird die gravierte Kupfer- oder

Stahlplatte mit Emailfarbe eingerieben, die Zeichnung auf Papier

gedruckt, dieser Druck auf Porzellan abgezogen und entweder im

Garfeuer oder in der Muffel eingebrannt. Lichtbilder oder

Lithophanien sind in flachen Gipsformen mit Reliefzeichnungen

gepreßte und unglasierte Porzellanplatten. Über

Porzellanmalerei als Kunstbeschäftigung s. den besondern

Artikel.

Frittenporzellan war in seiner Darstellung in Europa lange Zeit

vor dem echten bekannt und wurde als Surrogat desselben, als

weiches Porzellan, benutzt. Das englische Frittenporzellan (zum

Teil auch das nordamerikanische Iron-Stone) besteht aus

kalkhaltigem Porzellanthon von Cornwall (Cornish clay genannt),

einem feldspatartigen Mineral (Cornish stone, verwitterter

Pegmatit), plastischem Thon, Feuerstein und phosphorsaurem Kalk

(Kno-

666

Thonwaren (Steingut, Fayence etc.).

chenasche oder Phosphorit). Letzterer macht die Masse

leichtflüssig. Dies Porzellan wird im ersten Feuer nahezu gar

gebrannt und erhält im zweiten schwächern Feuer eine

leichtflüssige Glasur aus Cornish stone, Kreide, Feuerstein,

Borax und Bleioxyd. Hiernach ist das englische Porzellan weniger

haltbar und bekommt leichter Risse als das harte, die Masse aber

ist plastischer, verzieht sich weniger, weil sie nicht so scharf

gebrannt wird, erträgt geringere Scherbenstärke, und auf

der leichtflüssigen Glasur sind die schönsten

Farbennüancen anwendbar. Man brennt dies Porzellan in Kapseln

und in Etagenöfen mit Steinkohlen- oder Gasfeuerung. Parisches

Porzellan (Parian), von verschiedener Zusammensetzung, ist

strengflüssiger als das vorige, wachsartig schimmernd, von

mildem, gelbem Ton und wird unglasiert zu Statuen benutzt.

Ähnlich ist der Carrara. Das französische

Frittenporzellan ist ein Erdalkaliglas ohne Kaolinzusatz mit

bleihaltiger Glasur. Es wurde in Sèvres vor der Fabrikation

des echten Porzellans bis 1769 ausschließlich dargestellt.

Man bereitet es aus 75 Teilen Glas (aus Sand, Kalk, Pottasche und

Soda hergestellt), 17 Teilen Mergel und 8 Teilen Kreide. Diese

Materialien werden naß gemahlen und der Brei monatelang

aufbewahrt. Die Masse wird durch Seifen-, Leim- oder Gummiwasser

plastisch gemacht, kann aber nur in Gipsformen geformt und

muß, da sie sich beim Brand leicht verzieht, auf Formen von

feuerfestem Thon in Kapseln gebrannt werden. Hierzu genügt das

Verglühfeuer des Porzellanofens. Die Glasur ist ein

bleihaltiges Glas. In Sèvres wird dies Porzellan kunstvoll

durch die sogen. pastose polychrome Malerei dekoriert. Ähnlich

ist das Heißgußporzellan oder Kryolithglas, welches in

Philadelphia und Pittsburg in großem Maßstab fabriziert

wird.

Steingut, Fayence, Halbporzellan etc.

Steingut (Steinzeug) hat, ähnlich dem Porzellan, einen

dichten, halb verglasten, gleichartigen, klingenden, an der Zunge

nicht klebenden Scherben, unterscheidet sich aber vom Porzellan

dadurch, daß es auch in seinen weißen Varietäten

an den Kanten nicht durchscheinend ist. Gegen Temperaturwechsel

zeigt es sich sehr empfindlich, dagegen ist es sehr fest und von

beträchtlicher chemischer Widerstandsfähigkeit. Es ist

farblos oder farbig und kommt glasiert und unglasiert vor. Die

größere Plastizität gestattet die Herstellung sehr

großer Gefäße. Das feine weiße Steinzeug

wird aus sich weiß brennendem, weniger feuerfestem

plastischen Thon hergestellt, mit Zusatz von Kaolin und Feuerstein

und mit Cornish stone als Flußmittel, von welchem mehr als

bei der Porzellanfabrikation genommen wird, so daß das

Steinzeug bei niederer Temperatur zu brennen ist. Statt des Kaolins

benutzt man oft auch Feldspat und bedarf demnach geringerer Hitze.

Die Waren kommen unglasiert in die Kapseln, oder man kleidet die

Kapseln, in denen sie gebrannt werden, mit Kochsalz, Pottasche und

Bleioxyd aus oder gibt eine Glasur aus blei- und

borsäurehaltigem Glas. Das feine Steinzeug ist besonders in

England gebräuchlich, ebenso das ähnliche Wedgwood,

welches oft durch Metalloxyde in der Masse gefärbt oder nur

mit einer Schicht farbigen Thons überzogen und in der

mannigfaltigsten Weise, z. B. mit farbigen oder farblosen

Ornamenten auf andersfarbigem Grund, dekoriert wird. Basaltgut ist

schwarzes, sehr hartes und dauerhaftes Steingut, aus eisenhaltigem

Thon, Kiesel, Gips und Braunstein ohne Glasur gebrannt. Zu

Medaillons und feinen Kunstwerken dient das feine weiße

Jaspisgut.

Das gemeine Steingut bildet die Masse der

Mineralwasserkrüge, Krüge, Näpfe, Einmachkruken,

pharmazeutischen Geräte etc. Es wird aus einem plastischen,

mehr oder weniger gefärbten, ohne Zusatz von Flußmitteln

stark frittenden Thon, bisweilen unter Zusatz von Sand oder

gemahlenen Steingutfarben hergestellt und ist meist grau, gelblich,

rötlich oder bläulich. Der Thon wird nur eingesumpft, auf

der Thonknetmühle bearbeitet, auf Haufen gebracht, in

dünnen Spänen abgestochen und wieder geknetet. Das

Brennen geschieht in liegenden gewölbten Öfen mit meist

ansteigender Sohle oder in Kasseler Flammöfen. Befindet sich

die eingesetzte Ware in höchster Glut, so wird durch die

Öffnungen des Gewölbes Kochsalz eingeworfen. Die

Kieselsäure der Ware zersetzt bei Gegenwart von

Wasserdämpfen das Kochsalz unter Bildung von Salzsäure

und Natron, mit welch letzterm sie kieselsaures Natron bildet, das

mit der Thonerde auf der Oberfläche der Geschirre zu einer

Glasur von kieselsaurem Thonerde-Natron zusammenschmilzt.

Die Fayence hat ihren Namen von der Stadt Faenza in Italien, sie

ist in der Masse dicht, erdig, nicht durchscheinend, klebt an der

Zunge und wird wesentlich aus plastischem Thon, oft unter Zusatz

von gemeinem Töpferthon, bisweilen auch Kreide, Sand,

Glasfritte, Gips, Knochenasche etc. dargestellt. Sie ist deshalb

zum Teil feuerbeständig oder sehr schwer schmelzbar,

während andre Sorten nur bei niederer Temperatur gebrannt

werden dürfen. Die Glasur ist ein durchsichtiges oder

undurchsichtiges Bleiglas, wird leicht rissig und blättert

bisweilen ab. Durch die Risse dringen farbige Flüssigkeiten

und Fett in die Masse ein und lassen die Geschirre unrein

erscheinen. Von gewöhnlicher Töpferware unterscheidet

sich Fayence wesentlich nur durch feineres Material und

sorgfältigere Bearbeitung. Man unterscheidet feine und

ordinäre Fayence. Erstere besteht aus einer weißen,

dichten, harten, etwas klingenden Masse und erhält stets

durchsichtige bleiische Glasur. Hierher gehört das feine

Steingut von Mettlach, Belgien und dem nordöstlichen

Frankreich, welches aus weißem plastischen Thon mit Zusatz

von Sand und Kreide oder alkalireicher Glasfritte dargestellt wird,

ferner das englische Steingut (Staffordshire) aus sich weiß

brennendem, feuerfestem Thon mit Zusatz von Feuersteinpulver und

das Hartsteingut (feines englisches Steingut, Gesundheitsgeschirr,

Halbporzellan) aus weißem plastischen Thon mit Zusatz von

Kaolin. Der Thon wird auf einem Thonschneider mit Wasser gemischt,

auf einer Siebmaschine gereinigt, mit den übrigen Materialien

gemischt und die Masse auf der Filterpresse entwässert. Die

geformten und getrockneten Gegenstände werden in Kapseln bei

hoher Temperatur gebrannt, dann bemalt, bedruckt etc. und zuletzt

glasiert. Die Glasur bereitet man aus Bleioxyd, Feuerstein,

Feldspat, Cornish stone, Kaolin, oft unter Zusatz von Borax, Soda,

Salpeter, Kreide. Das Einbrennen geschieht in Kapseln bei sehr viel

niederer Temperatur. Da sich nun hierbei nicht wie beim Porzellan

das Geschirr verzieht, so braucht man nicht jedes Stück in

eine besondere Kapsel zu stellen, sondern kann mehrere Stücke

übereinander schichten, wobei nur die gegenseitige

Berührung durch feinspitzige Pinnen von Thonmasse verhindert

wird. Ein Teller z. B. ruht dann auf drei Pinnen, deren Marken man

auf der Unterseite des breiten Randes als kleine Glasurfehler

leicht auffindet. Hierdurch unterscheidet sich ein Fayenceteller

von einem Porzellanteller, welch letzterer beim Brand

667

Thor (Archit.) - Thor (nord. Myth.).

mit seinem untern Rand auf dem Boden der Kapsel steht und hier

zur Verhinderung des Anschmelzens von Glasur befreit wird. Der

feinen Fayence schließen sich auch die kölnischen oder

holländischen Thonpfeifen aus reinem weißen Thon ohne

Zusatz und die lackierten T., wie Terralith, Hydrolith, Siderolith,

an. Die ordinäre Fayence wird aus mehr oder weniger

eisenhaltigem plastischen oder Töpferthon mit Mergel- und

Sandzusatz dargestellt und bei so niedriger Temperatur gebrannt,

daß der kohlensaure Kalk des Mergels nicht zersetzt wird und

der Scherben mithin beim Übergießen mit Säure

braust. Die Glasur wird aus Blei- und Zinnoxyd, Sand und Kochsalz

oder Soda dargestellt und ist weiß, undurchsichtig, um die

Farbe des Scherbens zu verdecken, oft aber auch durch Metalloxyde

gefärbt. Die Fayence wird in Kapseln zweimal gebrannt und zwar

erst bei Kirsch- oder Hellrotglut, dann nach dem Auftragen der

Glasur (durch Eintauchen) bei kaum höherer Temperatur. Die

gemeine Fayence zeigt meist geringe Festigkeit und springt leicht

beim Erhitzen, so daß sie als Kochgeschirr nicht benutzt

werden kann. Eine besondere Gattung derselben bilden die

Ofenkacheln. Die Fayence wird unter oder auf der Glasur bemalt,

auch durch Angießen mit farbigem Thonbrei gefärbt und

bedruckt. Man benutzt fein pulverisierte Metalloxyde, mit gekochtem

Leinöl angerieben, als Druckerfarbe, druckt das Bild auf

feinem, weichem, mit Leinsamenschleim getränktem Papier,

bringt dieses sogleich auf die einmal gebrannte, also poröse

Fayence und drückt es mit Filz vorsichtig an. Löst man

nun das Papier vorsichtig mit Wasser ab, so bleibt der Druck auf

der Fayence und kann eingebrannt werden. Auch Flowing-colours und

Lüster werden häufig auf Fayence angewandt.

Mit dem Namen Majolika bezeichnet man die verschiedensten

Gattungen ordinärer Fayence und zwar solche mit auf der rohen

Glasur angebrachten, eingebrannten Malereien aus

feuerbeständigen Starkfeuerfarben, solche mit farbigen

Glasuren oder mit Malerei auf Steingutglasur, ferner Fayence mit

opaker Glasur, meist Imitationen italienischer Meister, desgleichen

Imitationen mit transparenter weißer Glasur auf einer den

rötlichen Scherben bedeckenden Lage farbigen Thons, ferner

Gegenstände, mit verschiedenfarbigen Thonlagen und darauf mit

durchsichtiger Glasur versehen (Schweizer Majolika). Während

letztere und die sogen. französischen Majoliken,

Steingutgegenstände mit farbigen Glasuren,

Gebrauchgegenstände geworden sind, liefert die italienische

Imitationsmajolika nur Luxus- und Schaustücke. Weiteres s.

Keramik.

Töpfergeschirr (Weiß- und Brauntöpferei).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 193 / 302 段