Thon (Pelit), in seinen reinsten Varietäten (Kaolin,

Porzellanerde, s. d.) ein wasserhaltiges Aluminiumsilikat von

bestimmter Zusammensetzung, die lokal aufgehäuften

Zersetzungsprodukte feldspathaltiger oder glimmerreicher Gesteine

darstellend. In trocknem Zustand sind die Thone fein- oder

groberdig, zerreiblich, an der Zunge klebend und beim Anhauchen von

eigentümlichem Geruch (Thongeruch). Nach dem Gefühl beim

Angreifen spricht man von fetten und magern Thonen, die letztern

sind die unreinern. Haben die Thone Wasser eingesogen (und sie

können bis 70 Proz. aufnehmen), so werden sie in verschiedenem

Grad geschmeidig und plastisch. Auch Fetten, Ölen und

Salzlösungen gegenüber besitzen die Thone eine starke

Absorptionskraft. Das aufgenommene Wasser entweicht beim

Erwärmen, wobei die Thone stark schwinden und bersten (die

magern Thone weniger als die fetten); beim Glühen werden sie

hart, klingend, verlieren ihre Plastizität und verglasen und

schmelzen je nach der Natur der Beimengungen bei verschieden hoher

Temperatur. Reiner Kaolin ist nicht schmelzbar, sondern sintert nur

bei sehr hoher Temperatur zusammen; von den Verunreinigungen des

Kaolins scheint besonders Magnesia die Feuerbeständigkeit

abzuschwächen, weniger Kalk, noch weniger Eisenoxyd und Kali.

Selten sind die Thone rein weiß, gewöhnlich grau,

bräunlich, rötlich, grünlich, bläulich, bunt

gestreift, geädert oder geflammt. Spezifisches Gewicht des bei

100° getrockneten Thons 2,44-2,47. Chemisch sind die Thone als

unreine Kaoline (vgl. Porzellanerde) aufzufassen, als vermittelnde

Verwitterungsstadien zwischen den Feldspaten (sowie einigen andern

Silikaten) und diesen, gewöhnlich gemengt mit den sonstigen

Zersetzungsprodukten der betreffenden Gesteine. Sie enthalten

außer reinem Aluminiumsilikat am häufigsten kohlensauren

Kalk, Magnesia, Eisenoxydul, Quarzsand, Glimmerschüppchen,

Eisenoxyd, Eisenhydroxyd, kohlige Substanzen, seltener Eisenkies,

Gips, Schwefel, Knollen von thonigem Sphärosiderit, kalkigen

Mergeln etc. Als Beispiel der chemischen Zusammenhang mögen

folgende Analysen dienen:

1. 2. 3. 4. 5.

Kieselsäureanhydrid 46,50 62,54 68,28 75,44 52,87

Thonerde 39,56 14,62 20,00 17,09 15,65

Eisenoxyd und -Oxydul - 7,65 1,78 1,13 12,81

Kalk - - 0,61 0,48 -

Magnesia - - 0,52 0,31 2,65

Kali - - 2,35 0,52 1,33

Wasser 13,94 14,75 6,39 4,71 14,73

Zusammen: 100,00 99,56 99,93 99,68 100,04

661

Thonberg - Thonissen.

Zum Vergleich sind unter 1) die berechneten Werte der

Kaolinformel vorausgeschickt; 2) T. von Pöchlarn in

Österreich; 3) T. von Grenzhausen in Nassau; 4) T. von Bendorf

bei Koblenz; 5) roter T. von Norfolk in England.

An Varietäten unterscheidet man: eisenschüssigen T.,

gelb oder rotbraun, je nachdem Eisenhydroxyd oder Eisenoxyd das

färbende Prinzip ist; glimmerigen T., mit zahlreichen, oft

lagenweise angeordneten Glimmerblättchen gemengt;

Töpferthon, zäh und sehr plastisch, feinen Quarzsand

führend; Pfeifenthon, sehr reiner, kaolinartiger T.;

bituminösen T. mit hohem Gehalt an organischen Stoffen, welche

beim Glühen unter Bleichung des Thons zerstört werden;

Salzthon (Hallerde), mit Steinsalz und Calciumsulfat (Anhydrit oder

Gips) innig gemengt; Alaunthon (Vitriolthon, Alaunerde), Gemenge

von T. mit Eisenkies, gewöhnlich in mikroskopischen Teilchen,

welche bei der natürlichen oder künstlich

unterstützten Verwitterung Schwefelsäure bilden und auf

die im T. enthaltenen Kalium- und Aluminiumsilikate zersetzend

einwirken (vgl. Alaunerde, Schwefelkies); Septarienthon s.

Septarien), ein an mergeligen Nieren reifer T. Feuerfeste Thone

schmelzen erst bei sehr hoher Temperatur, eine Eigenschaft, die auf

der Abwesenheit oder dem geringen Gehalt an Kalium-, Magnesium-,

Eisen- und Manganverbindungen beruht. Einen durch Quarz, Kalk und

Eisen stark verunreinigten T. stellt der Lehm (s. d.) dar. T. mit

der Neigung zu Schieferung nennt man Letten, bei stärkerm

Hervortreten der Parallelstruktur Lettenschiefer. Ebenfalls den

Thonen beizuzählen ist die Walkerde (Walkererde), die eine

grünlichgraue bis olivengrüne Masse bildet, nur wenig an

der Zunge haftet, im Wasser zerfällt, aber sehr begierig

Öle und Fette einsaugt; chemisch scheint sie durch einen

konstanten Gehalt an Magnesia charakterisiert zu sein.

Porzellanjaspis (Porzellanit) und Basaltjaspis sind durch

natürliche Prozesse (Kohlenbrände, vulkanische

Eruptionen) gebrannte Thone. Sonstige Unterscheidungen beziehen

sich auf die geologische Formation, in welcher sie vorkommen, so z.

B. Tegel (ein Tertiärthon), Wälderthon (aus dem Weald),

Oxfordthon (zum Jurasystem gehörig) u. a. Im allgemeinen sind

die Thone in den mittlern und jüngern Formationen entwickelt

und werden in den ältern durch Schieferthone und Thonschiefer

vertreten. Ganz fremd sind sie aber selbst den ältesten

Gesteinsschichten nicht, wie z. B. in Rußland sowohl im Silur

als in der Steinkohlenformation Thone vorkommen. Die Thone bilden

bald mächtigere Schichten, bald dünne Lagen oder

Spaltenausfüllungen (Lettenklüfte) zwischen andern

Gesteinen, namentlich Kalken und Sandsteinen. Bisweilen findet man

sie auf primärer Lagerstätte als Hülle um diejenigen

Silikatgesteine, aus denen sie entstanden sind. Sie führen

häufig Versteinerungen, und dann gewöhnlich in besonders

schönem Erhaltungszustand. Bekanntere Thonlager sind die von

Großalmerode in Kurhessen, Passau, Stourbridge in England,

Hoganäs in Schweden für feuerfeste Thone; Köln,

Lüttich, Namur für Pfeifenthone; Bunzlau, Hildburghausen,

Klingenberg am Main, Koblenz u. v. a. O. für Töpferthone.

Thone dienen zu Fayence, Steingut, Topfwaren, Thonpfeifen,

Schmelztiegeln, Gußformen, zum Modellieren, zum Walken des

Tuchs, als Dungmaterial (namentlich Salzthon); unreinere

Varietäten und Lehm zu Backsteinen und Ziegeln, als

Baumaterial, zum Ausschlagen (Dichten) von Wasserkanälen etc.

Über die wichtige Rolle, welche der T. im Boden spielt, s.

Boden. Endlich sind thonige Schichten im Innern der Erde die

wichtigsten Wassersammler, welche als sperrende Schichten die

versinkenden Wasser der durchlassenden Gesteine auf ihrer

Grenzfläche auffangen und bei entsprechender Lagerung der

Schichten Quellenbildung veranlassen. Durch diese wassersperrende

Kraft schützen umgebende Thonschichten die Steinsalzlager vor

der Auslaugung.

Thonberg, Dorf im SO. von Leipzig, jetzt mit diesem

zusammenhängend, mit Irrenanstalt (der Stadt Leipzig

gehörig) und (1885) 3740 Einw. Unfern bezeichnet der

Napoleonstein Napoleons Standort in der Leipziger Schlacht (18.

Okt. 1813).

Thoneisenstein, brauner und roter, s. Brauneisenerz und

Roteisenstein.

Thonerde, s. Aluminiumoxyd.

Thonerdealaun, s. Alaun, konzentrierter.

Thonerdehydrat, s. Aluminiumhydroxyd.

Thonerdenatron, s. Aluminiumhydroxyd.

Thonerdesalze, s. Aluminiumsalze.

Thônes (spr. tohn), Stadt im franz. Departement

Obersavoyen, Arrondissement Annecy, am Fier, mit Collège,

kleinem Seminar, Uhrmacherschule, Fabrikation von Seilerwaren,

Kirschgeist, Pelzwerk und Baumwollwaren und (1881) 1694 Einw.

Thonet, Michael, Industrieller, geb. 1796 zu Boppard,

begründete eine Möbelfabrik in Wien, wo er die Möbel

aus gebogenem Holz erfand, und starb daselbst 1870. Die Fabrik wird

unter der Firma "Gebrüder T." von seinen Söhnen

weitergeführt. Die Rundstäbe werden durch Wasserdampf

oder durch Kochen in dünnem Leim erweicht und in eiserne

Formen gepreßt, deren Krümmungen sie nach dem Trocknen

behalten. Der Vorzug der gebogenen Möbel (Stühle,

Fauteuils, Schaukelstühle, Sofas, Klaviersessel u. dgl.)

besteht in großer Festigkeit.

Thongallen, regellos gestaltete Konkretionen von Thon in

andern Gesteinen, besonders in thonigen Sandsteinen. Sie

können, da sie sich nach dem Verritzen durch Wasseraufnahme

aufblähen u. abblättern, beim Abbau, namentlich beim

Tunnelbohren, große Schwierigkeiten bereiten und

Einstürze veranlassen.

Thonglimmerschiefer, s. Phyllitschiefer.

Thonissen, Jean Joseph, belg. Nationalökonom und

Rechtslehrer, geb. 21. Jan. 1817 zu Hasselt, studierte

Rechtswissenschaft, widmete sich hierauf der Advokatur und wurde,

nachdem er verschiedene Ämter im Gebiet der Verwaltung und der

Rechtspflege bekleidet hatte, 1847 Professor des Kriminalrechts an

der katholischen Universität zu Löwen und später

auch in das Abgeordnetenhaus gewählt. 1855 wurde er zum

Mitglied der Akademie in Brüssel ernannt und 1869 zum

korrespondierenden Mitglied der französischen Akademie. Seit

1863 der Abgeordnetenkammer angehörend, wurde er 26. Okt. 1884

Minister des Innern und des öffentlichen Unterrichts, trat

jedoch Oktober 1887 zurück. Er schrieb: "La constitution belge

annotée" (1844, 3. Aufl. 1879); "Le socialisme et ses

promesses" (1850); "Le socialisme dans le passé" (1851); "Le

socialisme depuis l'antiquité jusqu'à la constitution

française du 14 janvier 1852" (1852); "La Belgique sous le

règne de Leopold I" (1855-56, 4 Bde.; 2. Aufl. 1861, 3

Bde.); "Vie du comte Félix de Merode" (1861); "De la

prétendue nécessité de la peine de mort"

(1864); "Études sur l'histoire du droit criminel des peuples

anciens" (1869); "Mélanges d'histoire, de droit et

d'économie politique" (1873); "Le droit pénal de la

république athénienne" (1876); "L'organisation

judiciaire, le

662

Thonmergel - Thonwaren.

droit pénal et la procédure pénal de la loi

salique" (2. Aufl. 1882); "Travaux préparatoires du code de

procédure pénale" (1885).

Thonmergel, s. Mergel.

Thonon (spr. -óng), Arrondissementshauptstadt im

franz. Departement Obersavoyen, ehemalige Hauptstadt des Chablais,

am Genfer See und der Eisenbahn Collonges-St. Gingolph, mit Resten

des 1536 zerstörten Residenzschlosses, Collège,

Gipsbrüchen, Baumwollspinnerei, Handel mit Käse, einem

Hafen und (1886) 3216 Einw. Unfern das Schloß Ripaille.

Thonpfeifen, s. Thonwaren, S. 667.

Thonröhren, s. Mauersteine, S. 353.

Thonsandstein, s. v. w. thoniger Quarzsandstein, s.

Sandsteine.

Thonschiefer (Argilit), dichte schieferige Gesteine, die

gewöhnlich vorwiegend aus klastischem Material (einem

kaolinartigen Silikat, Quarz- und Feldspatbruchstücken,

Glimmer- und Talkblättchen) bestehen, daneben aber auch

kristallinische, meist nur unter dem Mikroskop erkennbare

Bestandteile enthalten. Die letztern, gewöhnlich als schwer

bestimmbare Mikrolithe entwickelt, scheinen Hornblende, Turmalin,

Glimmer und glimmerähnliche Mineralien zu sein. Außerdem

kommen Eisenkies, Kohleteilchen, Eisenoxydblättchen und

Kalkspat vor, in größern, makroskopischen Partien

Eisenkiesknollen (auch als Vererzungsmittel eingeschlossener

Petrefakten), Quarz und Kalkspat in Linsen, Nestern und Adern.

Gefärbt ist der T. meist grau oder schwarz, seltener rot,

grün und gelb. Das spezifische Gewicht schwankt um 2,8. Die

chemische Zusammensetzung ist infolge der schwankenden

mineralischen sehr unbestimmt. Geschiefert sind die T. meist sehr

deutlich und zeigen oft gleichzeitig die transversale Schieferung

(s. d.). An Varietäten sind zu unterscheiden: Dachschiefer

(Lehesten, Sonneberg u. a. O. im Thüringer Wald, Kaub etc. am

Rhein, Harz, Erzgebirge, England), sehr vollkommen und eben

schieferig; Tafelschiefer (Grapholith), durch beigemengte Kohle

intensiv schwarz gefärbt; Zeichenschiefer (schwarze Kreide,

Schieferschwarz; Thüringen, Oberfranken, Andalusien),

ebenfalls kohlereich, daneben weich und erdig; Griffelschiefer

(besonders Thüringen), zu Stengeln spaltbar infolge des

gleichzeitigen Auftretens der wahren und der falschen Schieferung

(s. d.); Alaunschiefer (Skandinavien, Vogtland, Harz, Böhmen),

reich an Eisenkies neben Kohle; Kalkthonschiefer (Alpen), in

welchem die Thonschiefermasse Kalklinsen umhüllt; Wetzschiefer

(Thüringen, Sachsen, Ardennen), kieselsäurereiche, harte

Varietäten von gewöhnlich hellerer Farbe. Im

Ottrelithschiefer (Ottrez in den Ardennen, Oberpfalz,

Pyrenäen, Nordamerika) sind Ottrelithblättchen

eingewachsen, im Chiastolithschiefer (Fichtelgebirge, Vogesen,

Bretagne, Pyrenäen) weiße Chiastolithe von verschiedener

Größe. Die zuletzt genannte Varietät ebenso wie

gewisse andre, in denen unbestimmt konturierte und mineralogisch

von der übrigen Gesteinsmasse nur wenig verschiedene

Konkretionen auftreten, welche nach ihrer Form die Namen

Knotenschiefer, Fruchtschiefer, Garbenschiefer und Fleckschiefer

veranlaßt haben, sind mit typischen Thonschiefern an einigen

Orten so verknüpft, daß sie sich allmählich aus

letztern heraus entwickeln und sich proportional zu einer

größern Annäherung an Eruptivgesteine, namentlich

Granit, mehr und mehr von dem normalen T. unterscheiden. Die

Bauschanalysen solcher Gesteine bewegen sich, namentlich wenn man

vom Gehalt an Wasser und organischen Substanzen absieht, innerhalb

enger Grenzen, so daß im wesentlichen nur eine Änderung

der Struktur, ein Kristallinischwerden der Bestandteile vorliegt

(vgl. Metamorphismus der Gesteine). Thonschiefergebiete, welche

eine Verknüpfung solcher "metamorphischer" Varietäten

aufweisen, sind aus Sachsen, dem Harz, den Vogesen, Pyrenäen,

aus Cornwall und von andern, auch transatlantischen Orten bekannt.

Es bilden diese Varietäten zugleich petrographische

Übergänge zu den Phylliten (s. Phyllit), welche im

allgemeinen reicher an kristallinischen Bestandteilen als die T.

sind. Die T. gehören den ältern Formationen an und kommen

nur selten (z. B. die tertiären Glarusschiefer, s.

Tertiärformation) in jüngern Schichten vor, werden aber

meist ihrerseits von den Phylliten an Alter noch übertroffen.

Eine Reihe von Bezeichnungen, Ortsnamen entnommen oder nach

Versteinerungen gewählt, dienen zur Charakterisierung des

Alters der T., so beispielsweise: Graptolithenschiefer im Silur,

Wissenbacher oder Orthocerasschiefer im Devon, Posidonienschiefer

des Kulms etc. Wo der T. in großer, Berge bildender

Mächtigkeit auftritt, setzt er meist abgerundete Höhen

und wellige Plateaus zusammen; seine Thäler sind oft schroff

eingerissen, am Fuß der klippenartig emporsteigenden

Thalwände mit großen Schutthalden bedeckt, welche die

starke Zerklüftung des Gesteins geliefert hat. Das letzte

Residuum der Verwitterung ist meist ein mit Gesteinsbrocken

gemengter, fruchtbarer Lehm- und Thonboden. T. dient zu

Dachplatten, Schreibtafeln, Griffeln, Tischplatten, die erdigen

Varietäten als schwarze Kreide, die harten als Wetzsteine, die

eisenkieshaltigen zur Alaun- und Vitriolbereitung.

Thonschneidemaschinen, s. Mauersteine, S. 351.

Thonstein, s. v. w. Porphyr- und Felsittuff (s.

Porphyrbreccie), früher für verhärteten Thon, in

einigen Varietäten für Bandjaspis gehalten.

Thonwaren, aus Thon geformte und gebrannte, oft glasierte

Gegenstände. Die ungemein zahlreichen Gattungen der T. werden

nach der innern Beschaffenheit der gebrannten Masse (des Scherbens)

eingeteilt. Die sehr stark erhitzten oder aus leicht schmelzbarer

Masse bestehenden sind auf dem Bruch dicht, glasartig, scheinbar

geflossen, kleben nicht an der Zunge, sind undurchdringlich

für Wasser und geben am Stahl Funken. Die weniger stark

erhitzten sind im Bruch erdig, porös, kleben an der Zunge und

lassen Wasser durchsickern. Knapp hat folgende Übersicht

gegeben:

A. Dichte T. 1) Echtes oder hartes Porzellan

(Feldspatporzellan), massiv, gleichsam geflossen, durchscheinend,

hell klingend, weiß, strengflüssig, mit dem Messer nicht

ritzbar, stark glänzende Glasur. Rohmaterial: Kaolin mit einem

Zusatz, dem sogen. Fluß, welcher, für sich unbildsam,

mit der Thonmasse zu einem Glas zusammenschmilzt. Der Fluß

besteht aus Feldspat mit Zusatz von Kreide, Gips, Quarz.

Ähnliche Zusammensetzung hat die Glasur. Die Masse wird in

Einer Operation gar gebrannt. Unglasiert zeigt die gebrannte Masse

ein mattes Aussehen und heißt Statuenporzellan oder

Biskuit.

2) Frittenporzellan, weiches Porzellan, Glasporzellan, aus

leichtflüssigerer Masse als englisches und französisches

fabriziert. Jenes besteht aus Kaolin und sich weiß brennendem

Thon mit Flußmitteln (Feuerstein, Cornish stone, Gips oder

Knochenasche). Masse und Glasur werden in zwei Operationen

gebrannt, zuerst die Masse, dann die Glasur. Das französische

Porzellan ist ein glasartiges, unvollständig geschmolzenes

Alkali-Erdsilikat ohne Thonzusatz mit bleihaltiger Glasur. Aus

einer Masse, ähnlich der

662a

Thonwarenfabrikation.

Fig. 1. Töpferscheibe, durch Maschinenkraft gedreht.

Fig. 2. Doppelofen für Holzkohlenfeuerung.

Fig. 3. Thomas Steinkohlenofen.

Fig. 4. Grundriß von Mendheims Gasofen.

Fig. 5. Querschnitt von Mendheims Gasofen.

Fig. 6. Längsschnitt von Mendheims Gasofen.

Zum Artikel »Thonwaren«.

663

Thonwaren (Porzellanfabrikation).

für das englische Porzellan, nur daß sie

strengflüssiger ist, besteht das parische Porzellan oder

Parian. Eine andre Masse steht in ihren Eigenschaften in der Mitte

zwischen Parian und Steinzeug und wird Carrara genannt. Aus feinem,

mit Salzsäure gereinigtem Feldspatpulver (Zusatz von

Knochenasche) stellt man die Porzellanknöpfe her. 3) Steingut,

wovon zu unterscheiden: feines Steingut oder Wedgwood aus

feuerfestem, sich weiß brennendem Thon, mit Flußmitteln

(Feldspat, Feuerstein), glasiert mit Blei- und Boraxglasur oder

unglasiert und gefärbt; ordinäres Steingut oder Steinzeug

aus einem farbigen, feuerfesten Thon, der mit dünner

Kochsalzglasur versehen wird: Material für

Mineralwasserkrüge, Töpfe, Schüsseln, Näpfe

etc. 4) Klinker, verglaste Ziegel, aus schmelzbarem Thon erzeugt,

als Pflasterziegel benutzt.

B. Poröse Thonwaren. Dieselben zeigen geringere Härte,

sind meist nicht gesintert, daher im Scherben porös, an der

Zunge klebend. 1) Feine Fayence, englisches Steingut, aus

weißem, feuerfestem Thon bestehend, mit durchsichtiger

bleiischer Glasur, häufig mit Malerei und

Kupferstichabdrücken geziert. 2) Ordinäre Fayence,

weißes Steingut, Majolika, aus sich gelblich brennendem Thon

oder Thonmergel mit undurchsichtiger, weißer oder

gefärbter Zinnglasur; zu gewöhnlichem Geschirr. 3)

Gemeine Töpferware, irdene Ware, Töpferzeug, alle aus

Töpferthon und Thonmergel dargestellten weichen und

porösen Gefäße, mit undurchsichtiger Zinn- oder

Bleiglasur überzogen und durch Metalloxyde gefärbt:

weiße und braune Töpferware. 4) Tabakspfeifen oder

kölnische Pfeifen aus weißem, feuerfestem Pfeifenthon

(Pfeifenerde). 5) Terrakotta, gebrannte, antike Formen nachahmende

Waren zu Bauornamenten, Fußbodenplatten, Mosaiksteinen. 6)

Schmelztiegel aus feuerfestem Thon, mit grobem Sand, auch wohl

Graphit vermischt (hessische, Passauer, Ipser, Graphittiegel

für Metallreduktionen). 7) Feuerfeste Steine, Schamottesteine

aus feuerfestem Thon zum Bau von Schmelzöfen. 8) Mauerziegel,

Backsteine, Dachsteine aus Lehm, magerm Töpferthon oder

Kalkmergel nebst Sandzusatz, durch Eisen gelb bis rot und braun

gefärbt; bisweilen glasiert.

Porzellanfabrikation.

(Hierzu Tafel "Thonwarenfabrikation".)

Hartes, echtes Porzellan. Die Grundmasse ist ein Gemisch von

reiner Porzellanerde mit Feldspat als hauptsächlichem

Flußmittel, zuweilen auch mit Quarz, Kreide, Gips. Der Quarz

mindert das Schwinden des Thons, nimmt ihm aber auch einen Teil

seiner Plastizität. Die Flußmittel machen die Masse

kompakt, klingend, glasartig, transparent, indem sie die

Thonteilchen beim Schmelzen umhüllen und miteinander

verbinden. Die natürlichen Rohstoffe bedürfen

sorgfältiger Zubereitung. Sie werden auf Stampfwerken oder im

Desintegrator zerkleinert, unter Wasserzufluß gemahlen,

gesiebt und geschlämmt. Beim Schlämmen bedient man sich

großer, terrassiert übereinander stehender

Schlammbottiche, die je in verschiedenen Abständen Löcher

haben, welche für gewöhnlich mit Holzpfropfen verstopft

sind. Das gepulverte Material kommt in die obersten Bottiche, wird

mit Hilfe zufließenden Wassers aufgeweicht und ausgewaschen;

die Milch fließt in die folgenden Bottiche, in welchen sich

das Pulver nach dem Grade der Feinheit als zarter Schlamm absetzt.

Die entwässerten, aber noch feuchten Materialien werden in

geeignetem Verhältnis gemischt, worauf man die Masse durch

Verdunstung im Freien oder durch künstliche Wärme, durch

Auflegen auf poröse Platten aus gebranntem Thon oder Gips,

unter welchen ein luftleerer Raum erzeugt wird, auf Filterpressen

oder endlich durch Pressen in Drilchsäcken noch weiter

entwässert, durch Kneten homogener macht und längere Zeit

in einem kühlen, feuchten Raum liegen läßt, damit

sie "faule". Sie färbt sich hierbei anfangs dunkel, dann unter

Gasentwickelung wieder weiß und erlangt eine günstigere

Beschaffenheit, ohne daß man mit Sicherheit angeben kann,

worauf dies beruht. Nach dem Faulen wird die Masse zerschnitten und

wieder zu Ballen geknetet, aus welchen nunmehr die verschiedenen

Gegenstände auf der Dreh- oder Töpferscheibe oder mit

Hilfe besonderer Formen hergestellt werden. Die Töpferscheibe

(Textfig.) besteht aus einer vertikalen eisernen Welle, deren

unteres Ende ein horizontales Schwungrad c, das obere eine Platte d

trägt. Gegenüber der Scheibe sitzt der Arbeiter und dreht

das Schwungrad und somit die Platte zuerst mit einer Stange, dann

mit dem Fuß oder durch maschinelle Vorrichtungen. Der Former

setzt die Masse auf die Mitte der Tischplatte, benetzt sie mit

Wasser, bringt die Scheibe in Drehung, bildet zuerst einen stumpfen

Kegel, drückt, während sich die Platte fortwährend

dreht, mit dem Daumen beider Hände in den obern Teil des

Kegels, gleichzeitig mit den Fingern auf die Seitenfläche und

hat es so in der Gewalt, der Masse eine bestimmte Höhlung und

äußere Form zu erteilen. Damit seine Hände glatt

und schlüpfrig bleiben, taucht er sie in fein zerteilte

Porzellanmasse, sogen. Schlicker. Anstatt mit dem Fuß des

Arbeiters, kann die Scheibe auch mit Maschinenkraft gedreht werden.

Eine derartige Scheibe ist in Fig. 1 der Tafel dargestellt; a ist

eine konische Trommel, die durch Treibriemen d gedreht wird, b eine

zweite in entgegengesetzter Lage stehende Trommel; ein Riemen c,

der durch eine Kurbel auf s verschiebbar ist, dient zur

Änderung der Umdrehungsgeschwindigkeit der Scheibe m, die ihre

Bewegung mittels des Riemens f erhält. Zur Herstellung genauer

Muster benutzt der Dreher Schablonen, die aus Blech geschnitten

sind und mit der Kante, welche die Kontur des Gegenstandes angibt,

gegen die beständig rotierende Thonmasse gehalten werden. Das

geformte Stück wird mit einem dünnen Messingdraht von der

Scheibe abgeschnitten, vorsichtig auf ein

664

Thonwaren (Porzellanfabrikation).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 192 / 302 段