Ternströmiaceen, immergrüne Sträucher oder kleine
Bäume mit abwechselnden, lederigen oder krautigen,
glänzenden, meist gesägten, einfachen Blättern,
achselständigen, einzeln oder in Büscheln stehenden,
weißen oder rosenroten Blüten und holzigen,
dreifächerigen, dreisamigen Kapseln. Die wenigen Arten dieser
Gattung sind im obern Indien, in China und Japan heimisch. Die
wichtigste Art der auf Ostasien beschränkten Gattung (mit
welcher oft die Gattung Camellia vereinigt wird), T. chinensis
Sims., ein 1-3, selbst 10 m hoher Strauch mit kahlen oder
seidighaarigen Zweigen und Blattstielen, lanzettlichen, verkehrt
eilanzettlichen oder länglich-eiförmigen, spitzen, selten
stumpfen, gesägten, kahlen und glänzenden Blättern,
ziemlich großen, weißen, rosa angehauchten,
wohlriechenden Blüten, braunen, dreikantigen Kapseln und
kirschkerngroßen, glänzend braunen Samen mit gelbem
Nabel, variiert ungemein und hat im Lauf einer mehr als
tausendjährigen Kultur zahlreiche Spielarten ergeben, welche
ziemlich konstant sind (man unterscheidet T. viridis L. [s. Tafel
"Genußmittelpflanzen"], mit langen, breit lanzettlichen, T.
Bohea L., mit kürzern, mehr verkehrt eirunden, und T. stricta
Hayne, mit schmälern Blättern als die vorige und straff
aufrechten Ästen), und von denen die breitblätterige T.
assamica Lindl., welche in Assam einen hohen Baum bildet,
vielleicht die Stammpflanze ist. Genau kennt man das Vaterland des
Thees nicht, doch ist dasselbe wahrscheinlich in Oberassam zu
suchen. Durch die Kultur ist der Theestrauch bis 40°
nördl. Br. verbreitet, namentlich in China und Japan, auch in
Kotschinchina, Korea, Indien, Java, Sumatra und in Amerika. Der
Theestrauch wird in China vorwiegend zwischen dem 25. und 31.°
nördl. Br., besonders in den Provinzen Kuangtung, Fukian,
Kiangsi, Tschikiang und Nganhui, gewöhnlich auf den
südlichen Abhängen der Hügel kultiviert, wohl
niemals aber in eignen, ihm allein gewidmeten Anlagen, sondern
entweder in zerstreuten Büschen oder in Reihen zwischen den
Feldern, nicht selten zwischen den Reisfeldern auf den mehr oder
weniger hohen Dämmen. Man pflanzt den T. durch Samen fort,
versetzt die etwa einjährigen Sämlinge in Reihen, 1,25 m
voneinander entfernt, stutzt die Pflanze im dritten Jahr auf etwa
60 cm und sammelt die neuentwickelten Blätter vom April bis
September. Die kaum aus den Knospen sich entwickelnden, seidenartig
glänzenden, weißlichen Blättchen heißen nach
der Zubereitung Theeblüten. Im siebenten Jahr schneidet man
den Strauch nahe am Boden ab, damit die Stümpfe neue
Schößlinge und zarte Blätter treiben. Die
geernteten Blätter läßt man an der Luft auf Matten
welken, knetet sie dann mit nackten Füßen in Kübeln
zu einer Kugel und erhitzt sie unter beständigem Mischen auf
einem seichten Bambusgeflecht über Kohlenfeuer, rollt sie,
indem man die flach aufgelegten Hände im Kreis
herumführt, und trocknet sie an der Luft. Dann folgt das
Sieben, Sichten, Mischen und Auslesen, worauf man die Blätter
noch einmal erhitzt, um alle während der Bearbeitung
aufgenommene Feuchtigkeit zu beseitigen. Das Verfahren weicht
übrigens in verschiedenen Gegenden sehr voneinander ab, und
die auf eine oder die andre Weise provisorisch zubereiteten
Blätter werden von den Agenten der Theehändler angekauft
und in den größern Handelsplätzen weiter
bearbeitet. Man erhitzt sie unter beständigem Mischen auf
eisernen Pfannen über Aschenglut viermal abwechselnd mit
Auslegen des erhitzten Thees an die Sonne oder in einen luftigen
Raum, rollt dabei die Blätter noch besser ein, röstet sie
und parfümiert sie für den europäischen Geschmack
mit den Blüten von Camellia sasaqua, Aglaia odorata, Gardenia
florida, Olea fragrans, Jasminium Sambac und paniculatum,
Orangenblüten etc. Abgesehen von dem Einfluß der
Beschaffenheit der ältern oder jüngern Blätter auf
die Qualität des Thees verdanken die verschiedenen
Handelssorten ihren Ursprung ausschließlich einer
verschiedenen Zubereitungsweise, und der schwarze und grüne T.
können von derselben Pflanze gewonnen werden, wenn man die
Blätter so schnell trocknet, daß sie ihre Farbe
behalten, oder so langsam, daß der Blattsaft einer
Gärung unterliegt. Den grünen T. bereitet man in der
Provinz Hupei aus den im Anfang der Saison gewonnenen feinhaarigen
Kuppen der jüngsten Zweige. Der beste schwarze T., welcher
vier Fünftel der Gesamtausfuhr nach England ausmacht, kommt
aus dem Distrikt Kienningfu in der Provinz Fukian, von den
berühmten Boheahügeln, und führt im Handel
unzählige Namen, welche hauptsächlich auf die
Lokalitäten, wo derselbe wächst, oder auf die
Eigentümer des Grundstücks sich beziehen. Der beste
grüne T. kommt aus Huangho und Santotschu und soll um so mehr
an Güte abnehmen, aus je weiter nördlich von Kanton
gelegenen Distrikten er auf den Markt gebracht wird. In Japan baut
man den T. von 33-36° nördl. Br., und die bedeutendsten
Theedistrikte befinden sich nordöstlich und östlich von
Oasaka in den Provinzen Yamasiro und Ise sowie südlich vom
Fusijama. Man pflanzt die Sträucher um die Felder meist
zwischen Maulbeerbäumen; doch soll es auch eigne, vom
Theestrauch allein eingenommene Pflanzungen geben. Die Kultur ist
ähnlich der chinesischen. Die Blätter werden sofort in
eisernen Pfannen über Kohlenfeuer unter fortwährendem
Mischen mit den Händen etwa 40 Minuten gewärmt, dann auf
Matten ausgebreitet, mit den Händen gerollt und getrocknet.
Alle diese Operationen werden mehrmals wiederholt. Man behandelt
die Blätter aber auch auf Sieben zunächst mit Wasserdampf
und trocknet sie, nachdem sie braun geworden, auf einer Matte. Die
getrockneten Blätter werden auf einem Rahmen mit Papierboden
oder in eisernen Pfannen über Kohlenfeuer erhitzt und
schließlich gerollt. Das Produkt ist ein grüner,
starker, im ganzen aber geringerer T. als der chinesische. Man
unterscheidet die Sorten hauptsächlich nach ihrer
Qualität und nicht, wie in China, nach der Provenienz. Der
japanische T. geht meist nach Nordamerika. Die Theegärten
Indiens befinden sich in den Distrikten Assam, Dakka (Kachar,
Silhet) und Dardschiling der Provinz Bengalen und in dem
Kangradistrikt des Pandschab. Die Pflanzungen auf den Nilgiri
(Präsidentschaft Madras) sowie jene in den Nordwestprovinzen
und in Britisch-Birma sind von geringerer Bedeutung. Die Kultur ist
im wesentlichen dieselbe wie in China, und man produziert auch hier
zum weitaus größten Teil schwarze Thees, indem man die
Blätter eine Woche welken läßt, zu
faustgroßen Kugeln zusammenknetet und rollt und dann zwei
Stunden unter feuchten Tüchern einer
629
Thee (Physiologisches, Bereitung, Handelssorten).
Gärung überläßt, wobei sich die
Blätter braun färben. Nun erhitzt man die wieder
isolierten Blätter unter fleißigem Umrühren etwa
drei Minuten in eisernen Pfannen, rollt sie von neuem, setzt sie in
dünner Schicht einige Stunden der Luft aus und erhitzt sie
dann, mit Matten bedeckt, etwa 24 Stunden, wobei sich das herrliche
Aroma entwickelt. Zuletzt folgt das Auslesen und Sortieren. Nach
der Qualität unterscheidet man Orange-Flowery-Pekoe,
Flowery-Pekoe, Pekoe, Broken-Pekoe, Pekoe-Dust, Pekoe-Souchong,
Souchong, Broken-Tea, Kongoe, Dust. Der indische T. zeichnet sich
durch Stärke und durchdringendes Aroma aus und eignet sich
deshalb vortrefflich zur Mischung mit schwächeren chinesischen
T. Die Sorten führen dieselben Bezeichnungen wie die
chinesischen. Der größte Teil geht nach England. Der
anfangs sehr schlechte Javathee hat sich durch Verbesserungen in
Kultur und Zubereitung sehr gehoben; er ist herber und stärker
als Chinathee, ohne den Assamthee an Wohlgeschmack zu erreichen.
Die in Amerika unternommenen Versuche der Theekultur in Brasilien
und den Südstaaten der Union haben bis jetzt wenig
Bedeutung.
[Physiologisches. Bereitung.] Die Theeblätter enthalten
Kaffein (Thein), Gerbsäure, Boheasäure, Gallussäure,
Oxalsäure, Quercitrin, ätherisches Öl,
Eiweißstoff (wahrscheinlich Legumin) etc. Der Kaffeingehalt
schwankt zwischen 0,8 und 5 oder 6,2 Proz., beträgt im
Durchschnitt 2 Proz., kann aber durchaus nicht als Wertmesser des
Thees gelten, da bei den grünen Sorten die wohlfeilern an
Kaffein reicher sind als die im Handel höher geschätzten,
während beim schwarzen T. das Umgekehrte stattfindet. Der
grüne T. ist reicher an Gerbsäure als der schwarze, bei
dessen Bereitung ein Teil derselben, wie es scheint durch den
Gärungsprozeß, zerstört wird. Schwarzer T.
enthält durchschnittlich 10 Proz. Gerbsäure, und die
Abweichungen nach oben und unten überschreiten nicht 1,5 Proz.
In den Aufguß gehen etwa 29-45 Proz. löslicher Stoffe
über. Unter den mineralischen Bestandteilen des Thees ist Kali
vorherrschend, welches auch größtenteils in den Auszug
übergeht, während Kalk, Magnesia, Phosphorsäure in
den extrahierten Blättern bleiben. Auffallend ist, daß
der Auszug trotz der Gerbsäure Eisen enthält. Die
wirksamen Bestandteile des Thees sind das Kaffein und das
ätherische Öl, während die Gerbsäure,
wenigstens bei nicht übermäßigem Genuß, kaum
in Frage kommt; einen Nahrungswert besitzt der T. nicht. Er
äußert seinen erregenden Einfluß auf das
Nervensystem, zumal auf das Gehirn, indem er wach erhält. Die
Kraft, erhaltene Eindrücke zu verarbeiten, wird durch den
Genuß von T. gesteigert; man wird zu sinnigem Nachdenken
gestimmt, und trotz einer gröern Lebhaftigkeit der
Denkbewegungen läßt sich die Ausmerksamkeit von einem
bestimmten Gegenstand fesseln. Es findet sich ein Gefühl von
Wohlbehagen und Munterkeit ein, und die produktive Thätigkeit
des Gehirns gewinnt einen Schwung, der bei der größern
Sammlung und der bestimmter begrenzten Aufmerksamkeit nicht leicht
in Gedankenjagd ausartet. Wird der T. im Übermaß
getrunken, so stellt sich erhöhte Reizung des Nervensystems
ein, die sich durch Schlaflosigkeit, allgemeines Gefühl der
Unruhe und Zittern der Glieder auszeichnet. Es können selbst
krampfhafte Zufälle, erschwertes Atmen, ein Gefühl von
Angst in der Präkordialgegend entstehen. Da das
ätherische Öl des Thees, in größerer Menge
genossen, narkotisch wirkt, so erklärt sich daraus die
Eingenommenheit des Kopfes, die sich nach
übermäßigem Theetrinken anfangs als Schwindel, dann
als Betäubung zu erkennen gibt. Diese nachteiligen Wirkungen
hat der grüne T. in viel stärkerm Maß als der
schwarze. Der Chinese und Japaner trinkt den Aufguß des
Theeblattes ohne jede Beimengung; in Europa setzt man dem T. wohl
allgemein Zucker zu, häufig genießt man ihn auch mit
Milch und verdeckt das Aroma oft vollständig durch Vanille,
Rum etc. Asiatische Völker bereiten den T. auch mit Salz,
Milch, Butter, Mehl sowie mit Betel, Soda, Gewürzen, und hier
und da werden auch die erschöpften Blätter gegessen. Zur
Bereitung des Thees (einen Theelöffel voll T. auf die Person
und einen auf die Kanne) spült man die (metallene) Kanne mit
heißem Wasser aus, schüttet den T. hinein, gießt
wenig kochendes Wasser hinzu, füllt nach 3 Minuten die Kanne
mit siedendem Wasser und läßt noch 5 Minuten ziehen.
Nach einer andern beliebten Methode übergießt man den T.
nur mit 1/5-¼ des erforderlichen siedenden Wassers,
läßt 5 Minuten ziehen, gießt dann ab und
füllt nun die Tasse, indem man etwa ¼ Extrakt und
¾ heißes Wasser hineingießt. Die Hauptsache
bleibt immer, daß man gutes reines Wasser in einem
Gefäß erhitzt, welches niemals zu andern Zwecken benutzt
wird.
[Handelssorten.] Die bei uns gebräuchlichsten Handelssorten
des chinesischen schwarzen Thees sind: Pekoe ("Milchhaar"), die
feinste Sorte, besteht aus zarten, jungen, schwarzbraunen
Blättern, die besonders gegen die Spitze zu mit weißem,
seidenartigem Filz (Blüte) bedeckt sind. Der Aufguß ist
hell, goldgelb. Kongoe (d. h. T., auf welchen Arbeit verwendet
wurde), auch Kamp-hu genannt, kurze, dünne,
schwärzlichgraue Blätter, liefert einen hellen
Aufguß von angenehmem Geruch; diese Sorte bildet zwei Drittel
der gesamten englischen Einfuhr. Souchong (kleine Sorte),
bräunliche, etwas ins Violette spielende, große
Blätter von Melonengeruch, gibt einen klaren, duftenden
Aufguß von süßlichem Geschmack. Diese Sorte bildet
namentlich den Karawanenthee, welcher auf dem Landweg nach
Rußland importiert ward und bei diesem Transport viel weniger
leidet als der T., welcher den Seeweg nimmt. Gegenwärtig hat
die Absendung von Theekarawanen fast ganz aufgehört, und was
von Nishnij Nowgorod unter dem Namen Karawanenthee versandt wird,
hat meist vorher den Weg über London und Königsberg
dorthin genommen. Pouchong, breite, lange, stark gedrehte
Blätter mit vielen Blattstielen, gibt einen
grüngelblichen Aufguß von ambraartigem Geruch.
Kaperthee, Kaper-Kongoe, die geringste schwarze Theesorte, wegen
ihrer Ähnlichkeit mit Kapern so genannt, bildet einen sehr
bedeutenden Teil der europäischen Einfuhr. Von grünem T.
unterscheidet man: Imperial- oder Kaiserthee (Kugelthee),
kugelförmig zusammengerollte Blätter,
großkörnig, bläulichgrün; Gunpowder
(Schießpulver, Perlthee), kleinkugelig, dunkler; Haysan,
seitlich zusammengerollte Blätter, grün, ins
Bläuliche fallend; Younghaysan, Tonkay und Haysanchin. Eine
eigentümliche Ware ist der Ziegelthee (Backsteinthee), welcher
aus Theeblättern und -Stengeln, Abfällen aller Art von
der Bereitung des Thees dargestellt wird, indem man dieselben
dämpft, zusammenpreßt, dabei in Form von Ziegeln bringt
und trocknet. Dieser nur in China bereitete T. dient den
Nomadenvölkern Rußlands, den Kalmücken, Kirgisen,
Baschkiren etc., als gewöhnliches und sehr beliebtes
Nahrungsmittel, welches mit Milch und Hammelfett gekocht wird. In
Nordasien gelten diese Ziegel auch als Handelsmünze.
630
Thee, mongolischer - Thefillin.
Der T. unterliegt manchen Verfälschungen, besonders in
Kanton (daher die Handelsbezeichnung Canton made im Gegensatz zu
Country), aber auch in Europa. Sehr gebräuchlich ist die
Färbung des grünen Thees mit Berliner Blau, Indigo,
Kurkuma und das Bestäuben (Glasieren) mit Gips; in England
verfälscht man den T. mit Blättern von Schlehdorn, Ulme,
Esche, Weidenröschen etc.; auch wird sehr häufig schon
einmal benutzter T. mit Katechu etc. wieder aufgefrischt. Bis zu
Beginn der 70er Jahre lieferte China fast ausschließlich T.
für den Weltmarkt, dann begann Japan sich zu beteiligen, und
bald nachher trat Ostindien mit so bedeutenden Quantitäten
auf, daß die monopolistische Stellung Chinas wesentlich
geschwächt ist. China exportierte 1885: 1,618,404 Pikuls
schwarzen, 214,693 grünen T., 280,112 Ziegelthee und 15,505
Staubthee, im ganzen 2,128,714 Pikuls = 128,7 Mill. kg im Wert von
173 Mill. Mk. Dazu kommt die chinesische Theeausfuhr nach Sibirien
und nach der Mongolei, so daß sich die Gesamtausfuhr für
1885 auf 138,7 Mill. kg berechnet. Man nimmt an, daß die
Ausfuhr etwa ein Drittel der Produktion beträgt.
Außerdem lieferten für den Weltmarkt: Britisch-Ostindien
31,2, Japan 16 (?), Java und Madura 2,4 (?), Ceylon und andre
Gebiete 1,8 Mill. kg. Der Gesamtexport beträgt 190,1 Mill. kg
gegen 120 im J. 1872. Der Theeverbrauch beträgt in einem Jahr
pro Kopf der Bevölkerung in:
Austral. Kolonien 3,47 kg Portugal . . 0,05 kg
Großbritannien 2,16 - Schweiz . . . 0,05 -
Kanada . . . 1,67 - Norwegen . . 0,o4 -
Vereinigte Staate. 0,59 - Deutschland . 0,03 -
Niederlande 0,48 - Schweden . . 0,01 -
Dänemark . . 0,17 - Österreich . . 0,01 -
Europ. Rußland 0,17 - Belgien . . . 0,01 -
[Kulturgeschichtliches.] Der Gebrauch des Thees ist in China
sehr alt. Ein buddhistischer Heiliger soll im frommen Eifer das
Gelübde gethan haben, sich des Schlafs zu enthalten. Da ihn
derselbe endlich doch überwältigte, so schnitt er zur
Sühne seine Augenlider ab und warf sie auf die Erde; aus ihnen
erwuchs die schlasverscheuchende Theestaude. Dieser Heilige lebte
angeblich im 6. Jahrh. Doch ist bekannt, daß der T. schon
früher medizinisch benutzt wurde. Am Ende des 8. Jahrh. war
derselbe in China schon besteuert, und um diese Zeit haben
chinesische Bonzen den Strauch nach Japan verpflanzt, wo er bald
ebenso wie in China verbreitet wurde. Hier trinkt man ihn
allgemein, wenn auch der Ärmere sich mit Surrogaten behilft,
die auf dem Feld wild wachsen. Wie es scheint, hat der Mangel an
gutem Trinkwasser die Sitte des Theetrinkens sehr befördert;
doch hat der T. jedenfalls auch in seiner Eigenschaft als
narkotisches Genußmittel sich zahlreiche Freunde erworben. In
Asien verbreitete sich die Sitte des Theetrinkens im 15. Jahrh.;
die Araber, welche seit dem 9. Jahrh. mit China Handel trieben,
beschrieben den T. unter dem Namen Scha, entsprechend dem
chinesischen Namen Tscha, welcher in Fukian Tiä (daher T.)
lautet. Europa erhielt die erste Nachricht vom T. 1559 durch die
Portugiesen und Holländer, Maffei erwähnt ihn 1588 in
seiner "Historia indica", und 1610 brachten die Holländer in
Bantam von chinesischen Kaufleuten erstandenen T. auf den Markt.
1635 soll T. zuerst nach Paris gekommen sein; drei Jahre
später erhielt ihn Rußland auf dem Landweg, indem
russische Gesandte ihn als Geschenk für den Zaren mitbrachten.
1650 wurde der T. in England bekannt, und zehn Jahre später
trank man ihn als kostbares Getränk in Londoner
Kaffeehäusern. 1665 brachte Lord Arlington den ersten T.
direkt aus Ostindien, während die frühern Sendungen durch
Holländer und andre Vermittler geschehen waren. Die Sitte des
Theetrinkens machte indes zunächst langsame Fortschritte,
zumal bald viele Feinde derselben auftraten, welche den Genuß
des Thees wie den des Kaffee bekämpften. Dagegen rühmten
wieder andre (Molinari 1672, Albinus 1684, Pechlin 1684, Blankaart
1686, Blegna 1697) den T. auf das lebhafteste, und besonders
Bontekoe, welcher Leibarzt des Kurfürsten von Brandenburg war,
veröffentlichte 1667 eine Lobrede auf den T. voll arger
Übertreibungen. Er machte den T. zuerst in Deutschland
bekannt. Solange der T. Monopol einzelner Kompanien war und hoch
besteuert wurde, blieb der Verbrauch beschränkt. Noch 1820
erhielten Europa und Nordamerika nur 32 Mill. Pfd., wovon drei
Viertel auf England entfielen. Seitdem hat sich durch Verminderung
der Zölle und Aufhebung des Monopols der Ostindischen Kompanie
der Verbrauch ungemein vergrößert. Wirklich zur
Volkssitte ist das Theetrinken aber nur bei Holländern und
Engländern geworden, durch welche es auch nach den Kolonien
verpflanzt wurde. Sonst ist der Theekonsum nur noch in
Rußland, Skandinavien und den Küstengegenden des
mittlern Europa von Bedeutung, in den übrigen Ländern hat
die Sitte nur in den Städten und den höhern Schichten der
Bevölkerung Eingang gefunden. 1825 entdeckte Bruce die
Theepflanze in Assam, und zehn Jahre später wurden die ersten
Regierungspflanzungen gegründet und diese 1839 an die Assam
Tea Company abgetreten. 1851 betrug der indische Export nur 262,839
Pfd., seit 1861 aber nahm derselbe einen rapiden Aufschwung. Auf
Java datiert die Theekultur seit 1825, und elf Jahre später
kam der erste Javathee nach Amsterdam. In Brasilien begann man 1812
mit dem Theebau, ohne indes besonders gute Resultate zu erzielen;
die Versuche in Nordamerika begannen etwa 1848 in Südcarolina
und Tennessee. In Europa wurde die erste Theestaude 1658 von
Jonquet in Paris gepflanzt, in Südeuropa hält sie im
Freien aus, und in Hohenheim bei Stuttgart überstand sie sogar
den harten Winter von 1784. In Frankreich, Portugal, Kleinasien,
auf St. Helena, Bourton und am Kap ist der Theebau ohne
wesentlichen Erfolg versucht worden. Vgl. Jacobson, Handbuch der
Theekultur (in holländ. Sprache, Batav. 1844); Bruce, Report
on the manufacture of teas (Lond. 1849); Ball, Cultivation and
manufacture of tea in China (das. 1848); Fries, Darstellung der
Theekultur und des Theehandels in China (Wien 1878); Money,
Cultivation and manufacture of tea (4. Aufl., Lond. 1888);
Schwarzkopf, Der T., Bestandteile etc. (Halle 1881); Feistmantel,
Die Theekultur in Britisch-Ostindien (Prag 1888).
Thee, mongolischer, s. Saxifraga.
Thee von New Jersey, Ceanothus.
Theebaum, weißer, s. Melaleuca.
Theeheide, s. Gaultheria.
Theekraut, mexikanisches, s. Chenopodium.
Theemaschine, s. Samowar.
Theer, s. Teer.
Thefillin (hebr., Gebetriemen, griech. Phylakterien, nach
Luthers Übersetzung, Matth. 23,5, "Denkzettel"), bei den Juden
Pergamentstreifen, mit Bibelsprüchen (5. Mos. 6,4-9; 11,13-21;
2. Mos. 13,1-16) beschrieben, die, in zwei würfelförmige
Kapseln gelegt, beim werktägigen Morgengebet an die Stirn und
an den linken Arm dem Herzen gegenüber mit ledernen Riemen
gebunden werden, um anzudeuten, daß man Gedanken und Herz auf
Gott
631
Theïn - Thekla.
richten müsse. Eine Mißdeutung des
ursprünglichen Sinnes war es, wenn man sie für Amulette
hielt (daher griechisch Phylakterien).
Theïn, s. v. w. Kaffein.
Theiner, Augustin, gelehrter kathol. Kanonist, geb. 11.
April 1804 zu Breslau, studierte daselbst Theologie, dann
Philosophie und die Rechte, gab mit seinem Bruder Anton (s. unten)
eine oppositionelle Schrift: "Die Einführung der erzwungenen
Ehelosigkeit bei den christlichen Geistlichen" (Altenb. 1828, 2
Bde.; 2. Ausg. 1845), heraus, unternahm seit 1830 eine
wissenschaftliche Reise nach Wien, London und Paris und ging 1833
nach Rom, wo er für den Ultramontanismus gewonnen ward. Seit
1855 war er Präfekt des vatikanischen Archivs. Nicht
bloß hat er des Baronius "Annales ecclesiastici" neu
herausgegeben (Bar le Duc 1864 ff.) und fortgesetzt (Rom 1856-57, 3
Bde.), sondern daneben auch eine große Anzahl
selbständiger Schriften verfaßt, namentlich
kirchenrechtlichen und kirchengeschichtlichen Inhalts, z. B.: "Die
neuesten Zustände der katholischen Kirche in Polen und
Rußland" (Augsb. 1841); "Geschichte der Zurückkehr der
regierenden Häuser von Braunschweig und Sachsen in den
Schoß der katholischen Kirche" (Einsiedeln 1843); "Die
Staatskirche Rußlands im Jahr 1839" (anonym, Schaffh. 1844);
"Zustände der katholischen Kirche in Schlesien von 1740 bis
1758" (Regensb. 1852, 2 Bde.); "Über Ivos vermeintiiches
Dekret" (Mainz 1852); "Geschichte des Pontifikats Clemens' XIV."
(Leipz. u. Par. 1853, 2 Bde.); "Documents inédits relatifs
aux affaires religieuses de la France" (Par. 1858, 2 Bde.);
"Monumenta vetera historica Hungariam sacram illustrantia" (Rom
1859-60, 2 Bde.; "Vetera monumenta Poloniae et Lithuaniae
gentiumque finitimarum historiam illustrantia" (das. 1860-64, 4
Bde.); "Codex diplomaticus dominii temporalis S. Sedis" (das.
1861-62, 3 Bde.); "Vetera monumenta Slavorum meridionalium
historiam illustrantia" (Bd. 1, das. 1863); "Vetera monumenta
Hibernorum et Scotorum historiam illustrantia" (das. 1864); "La
souveraineté temporelle du Saint-Siège, jugée
par les conciles généraux de Lyon, en 1245, de
Constance, en 1414" (Bar le Duc 1867). Diese Urkundenwerke wurden
in einer von ihm eigens eingerichteten Offizin im Vatikan gedruckt.
Während des vatikanischen Konzils wurde T. gemaßregelt
und ihm das Archivariat abgenommen, weil er beschuldigt war,
verschiedene Aktenstücke den deutsch-österreichischen
Oppositionsbischöfen in die Hand gespielt zu haben. Der
eigentliche Thäter war Friedrich in München. Während
letzterer in Theiners Auftrag anfing, die von diesem in der
vatikanischen Bibliothek vorbereiteten "Acta genuina concilii
Tridentini" (Agram u. Leipz. 1874, 2 Bde.) herauszugeben, starb T.
10. Aug. 1874. Vgl. Gisiger, Vater T. und die Jesuiten (Mannh.
1875). - Sein älterer Bruder, Joh. Anton, geb. 1799 zu
Breslau, war seit 1824 außerordentlicher Professor des
Kirchenrechts daselbst; die in dem mit seinem Bruder
gemeinschaftlich herausgegebenen Buch über den Cölibat
hervortretende liberale Tendenz sowie seine Teilnahme an den
damaligen Reformbestrebungen des Klerus bewogen die Regierung, ihm
die Vorlesungen über Kirchenrecht zu untersagen; er wurde
daher 1830 Pfarrer, trat 1845 zum Deutschkatholizismus über
und starb 1860 als Sekretär der Universitätsbibliothek in
Breslau. Er schrieb unter anderm: "Das Seligkeitsdogma der
katholischen Kirche" (Bresl. 1847).
Theiothermin, s. Baregin.
Theïsmus (griech.), im Gegensatz zum Atheismus
allgemeine Bezeichnung für jegliche Art von Gottesglauben;
insbesondere in neuerer Zeit die Lehre von einem persönlichen,
über die Welt ebenso erhabenen wie lebendig ihr nahen und sie
durchweg bedingenden Gott, im Gegensatz nicht bloß zum
Pantheismus (s. d.), sondern auch zum Deismus (s. d.).
Theiß (ungar. Tisza, lat. als Grenzfluß
Daciens Tissus, Tisia oder Pathissus), der größte
Nebenfluß der Donau, der zweitgrößte Fluß
Ungarns und der fischreichste Europas, entsteht im Komitat Marmaros
auf den Waldkarpathen aus der Vereinigung der Schwarzen und
Weißen T., fließt anfangs südlich durch enge
Gebirgspässe und wendet sich nach Aufnahme des Vissó,
der Iza, des Taraczko, Talabor und Nagyág west- und
nordwestwärts über Sziget nach Huszt. Bis hierher ist die
T. rein und schnell fließend, in der Ebene aber schleichend
und schlammig. Nachdem sie sodann rechts die Borsova, links die
Thur und die Szamos aufgenommen, fließt sie von Csap
über Tokay bis Szolnok gegen SW., dort wendet sie sich
südwärts, welche Richtung sie, Csongrád und
Szegedin berührend, bis zur Mündung in die Donau
(unterhalb Neusatz), mit der sie in einer durchschnittlichen
Entfernung von 90 km parallel läuft, beibehält. Die Ufer
sind meist flach und infolge der häufigen
Überschwemmungen sumpfig. Ihre Breite beträgt 160-320 m.
Schiffbar wird sie bei Sziget, für größere
Fahrzeuge an der Hernádmündung, für Dampfboote,
welche früher bis Tokay verkehrten, erst bei Szolnok, von wo
an sie ebenso große Lasten wie die Donau trägt. Der
Bácser oder Franzenskanal verbindet sie mit der Donau, der
Begakanal mit der Temes. Seit längerer Zeit hat man neben der
Theißregulierung auch die Trockenlegung der Ufermoräste
und die Sicherung des Ufergebiets vor Überschwemmung begonnen,
durch die unvollständige Durchführung aber anderseits die
tiefern Gegenden geschädigt. Der Lauf der T. beträgt mit
den Krümmungen 1308 km, der direkte Abstand von der Quelle nur
467 km; ihr Gebiet umfaßt 146,500 qkm (2660 QM.). Der Lauf
ist des sehr geringen Gefälles halber ziemlich träge; von
Namény bis zur Mündung sinkt der Wasserspiegel nur um
40 m. Überschwemmungen der doppelt schnellern Donau stauen die
T. weit aufwärts. Nebenflüsse derselben sind rechts:
Taraczko, Talabor, Nagyág, Borsova, Bodrog, Sajó
(Hernád), Eger, Zagyva; links: Vissó, Iza, Szamos,
Körös, Maros, Bega. Vgl. Hieronymi, Die
Theißregulierung (Budapest 1888).
Theißblüte, s. Eintagsfliegen.
Theißholz (ungar. Tiszolcz), Markt im ungar.
Komitat Gömör und Station der Ungarischen Staatsbahn, mit
(1881) 3511 slowakischen und ungar. Einwohnern, Schafzucht,
Käsebereitung, Eisensteinbergbau, bedeutendem Eisenwerk
(Produktion 130,000 metr. Ztr.), Papierfabrik und einem
Sauerbrunnen.
Thekaspore (griech.), s. Sporen und Pilze, S. 66.
Thekla, die heilige, nach der Legende eine vornehme
Jungfrau aus Ikonion, die vom Apostel Paulus zum Christentum
bekehrt ward und ihm nach Antiochia folgte. Da sie das Gelübde
eines ehelosen Lebens gethan, hatte sie von seiten ihrer Familie
und ihres Bräutigams heftige Verfolgungen zu erdulden und
wurde endlich, von letzterm als Christin denunziert, im Zirkus den
winden Tieren vorgeworfen, von diesen aber, wie ein späteres
Mal von den Flammen, denen man sie preisgab, verschont. Nach
Paulus' Tod lebte sie bis ins hohe Alter in einer Höhle bei
Seleukia. Ihr Tag ist der 23. September. T. ist die
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Thekodonten - Themistokles.
Heldin eines christlichen Romans aus dem 2. Jahrh., betitelt:
"Die Akten des Paulus und der T.", der im wesentlichen noch
erhalten ist und von Tischendors in den "Acta apostolorum
apocrypha" (Leipz. 1851) herausgegeben wurde. Eine poetische
Nachbildung der Legende verdankt man P. Heyse. Vgl. Schlau, Die
Akten des Paulus und der T., und die ältere Theklalegende
(Leipz. 1877); Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten, Bd. 2
(Braunschw. 1884-86).
Thekodonten, s. Reptilien, S. 738.
Thelemarken, Landschaft im norweg. Stift Christianssand
(Amt Bratsberg), wird von einer Gebirgsmasse ausgefüllt, die
im Gausta (1884 m) ihren höchsten Gipfel hat. Die Gegend ist
reich an großen Seen, die ihr Wasser größtenteils
dem Norsjö abgeben, der wieder durch die 10 km lange Skienselv
seinen Abfluß zum Meer hat. Am Gausta ist das
großartige Westfjorddal mit dem Wasserfall Rjukan
bemerkenswert. Vornehmlich das nördliche T. wird seiner
Naturschönheiten halber viel von Touristen besucht. Die
Bewohner sind ein kräftiger Schlag, rauh und keck, aber
gutmütig und höflich; sie haben in ihren Sitten noch viel
Originelles. Ihre Tracht besteht aus einer kurzen, grauen,
grün besetzten Jacke, einem grauen, kurzen Beinkleid und
Schuhschnallen; dazu tragen sie langes Haar und stets ein Messer an
der Hüfte. In den hohen Teilen des Landes herrscht Armut, aber
überall findet sich eine gewisse Bildung. Zu den
größern Gehöften gehört ein sogen. Staatshaus
(Stue), das für die Gäste bestimmt tst, während der
Besitzer in seinem Vorratshaus (Stolpebod, Stabur) wohnt, das auf
schlanken geschnitzten Säulen ruht und ungeheure Eß- und
Kleiderschränke enthält. Der Wohlstand wird durch die
Zahl der Pelz- und Wolldecken bestimmt. Ein andres Haus ist Schlaf-
und Wohnstätte der Familie, und darüber sind die Kammern
für das Gesinde. Abgesondert steht auch das Feuerhaus oder die
Küche.