Schule, geboren um 640 v. Chr. zu Milet in Kleinasien, Zeitgenosse
des Solon, Sprößling einer phönikischen Familie,
unternahm in seinen reifern Jahren Reisen nach Kreta,
Phönikien, Ägypten und lebte auch eine Zeitlang an dem
Hof des Königs Krösos. In Ägypten soll er die
Höhe der Pyramiden berechnet und den Unterricht der Priester
des Landes genossen haben. Sein Tod wird in das erste Jahr der 58.
Olympiade (543) gesetzt. Indem er das Seiende auf ein
möglichst einfaches Prinzip zurückzuführen und aus
diesem die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen abzuleiten suchte,
stellte er das Wasser als Grundprinzip aller Dinge auf, aus welchem
alles entstanden sei und fortwährend entstehe, sowie alles
auch wieder in dasselbe zurückkehre. Aus der Verdichtung und
Verdünnung jenes Grundstoffes leitete er, wie es scheint, die
Veränderung der Dinge ab. Seine Lehren wurden erst von
spätern Philosophen, namentlich von Aristoteles,
aufgezeichnet, desgleichen eine Menge Gnomen oder Sentenzen, die
man ihm zuschrieb, wie das berühmte "Erkenne dich selbst", und
die ihm eine Stelle unter den sogen. sieben Weisen Griechenlands
erwarben. Er soll auch dem Krösos mechanische Hilfsmittel zur
Abdämmung des Halys an die Hand gegeben und das Jahr auf 365
Tage bestimmt haben. Die ihm beigelegte Vorausbestimmung der
Sonnenfinsternis vom Jahr 585 wurde von Martin ("Revue
archéologique" 1864) als unhistorisch dargethan. Als seine
vorzüglichsten Schüler werden Anaximander, Anaximenes und
Pherekydes genannt.
Thalfahrt, Fahrt zu Thal, die Fahrt der Schiffe
stromabwärts, im Gegensatz zur Bergfahrt (s. d.).
Thalheim, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft
Zwickau, Amtshauptmannschaft Chemnitz, an der Zwönitz und der
Linie Chemnitz-Adorf der Sächfischen Staatsbahn, hat eine
evang. Kirche, ein Rittergut mit Schloß, eine
Oberförsterei, Baumwoll-, Flachs- und Streichgarnspinnerei und
(1885) 4428 Einw.
Thalia, Muse, s. Thaleia.
Thalia dealbata, s. Wasserpflanzen.
Thalleiochin, s. Chinin.
Thallin (Tetrahydroparachinanisol) C10H13NO3 entsteht bei
Behandlung des Methyläthers des Paraoxybenzchinolins mit Zinn
und Salzsäure, bildet dicke rhombische Prismen, schmilzt bei
42-43° und siedet bei 283°. Schwefelsaures T., ein
gelblichweißes kristallinisches Pulver, welches in Wasser
löslich ist und bitter schmeckt, wird als antipyretisches
Mittel benutzt. Auch das weinsaure Salz findet Anwendung.
Thallium Tl, Metall, findet sich mit Kupfer, Silber und
Selen im Crookesit (16-18,5 Proz.) und Berzelianit, in geringer
Menge in manchen Schwefel- und Kupferkiesen, Zinkblende, im
Lepidolith und im Glimmer von Zinnwald, im Badesalz von Nauheim,
Orb, Dürrenberg, im Braunstein etc. Es geht beim Rösten
der Kiese in den Flugstaub und in den Bleikammerschlamm (welcher z.
B. bei Verarbeitung von Meggener Kiesen 3,5 Proz. T. enthält),
auch in die Schwefelsäure und aus dieser bei der Darstellung
von Salzsäure in letztere über; ebenso findet es sich im
Schwefel aus Meggener und spanischen Kiesen, im Schwefel von
Lipari, im käuflichen Wismut etc. Aus Rammelsberger Kiesen
gewonnene Lauge, welche auf der Juliushütte bei Goslar
versiedet wird, ist reich an T. Zur Gewinnung von T. kocht man
Bleikammerschlamm wiederholt unter Zusatz von etwas
Schwefelsäure mit Dampf aus, koliert, setzt Salzsäure zu,
wäscht das abgeschiedene Thalliumchlorür aus, verdampft
es mit konzentrierter Schwefelsäure zur Trockne, löst das
schwefelsaure Thalliumoxydul in Wasser und fällt abermals
Thalliumchlorür, verwandelt dies wieder in Sulfat, behandelt
die Lösung desselben mit Schwefelwasserstoff, um Arsen zu
fällen, digeriert sie dann mit Zink, wäscht das
ausgeschiedene T. mit Wasser, preßt und schmelzt es in einem
Tiegel, in welchen Leuchtgas geleitet wird. T. ist kristallinisch,
fast zinnweiß, stark glänzend, viel weicher und weniger
fest als Blei, gibt auf Papier einen bläulichen Strich, der
durch Oxydation bald verschwindet, ist dehnbar, spez. Gew. 11,8,
Atomgewicht 203,6, schmilzt bei 290°, destilliert im
Wasserstoffstrom, oxydiert sich schnell an der Luft, wird daher am
besten in aufgekochter Zinkvitriollösung aufbewahrt, und
entwickelt beim Erhitzen violetten Dampf und eigentümlichen
Geruch. Das verrostete Metall wird im Wasser durch Lösung des
Oxyds wieder blank, und fein verteiltes T. löst sich
allmählich in Wasser beim Zutritt der Luft. T. löst sich
leicht in verdünnter Schwefelsäure und
Salpetersäure, schwer in Salzsäure, verbindet sich direkt
mit Chlor, Brom, Jod und Schwefel, fällt viele Metalle aus
ihren Lösungen und färbt die Flamme schön grün.
In vieler Hinsicht gleicht es dem Kalium, in andrer dem Blei; seine
Verbindungen sind giftig. Mit Sauerstoff bildet es schwarzbraunes
Thalliumoxydul Tl2O, welches sich in Wasser zu Thalliumhydroxydul
TlOH löst. Dies bildet gelbe Kristalle, ist leicht
löslich in Wasser und Alkohol; die farblose Lösung
reagiert alkalisch, schmeckt laugenartig, wirkt ätzend,
absorbiert begierig Kohlensäure. Es bildet mit Säuren
meist lösliche Salze, aus denen Salzsäure sehr schwer
lösliches weißes Thalliumchlorür TlCl fällt,
welches am Licht violett wird, leicht schmilzt und zu einer
hornartigen Masse erstarrt. Mit kohlensaurem Thalliumoxydul
bereitetes Glas ist härter und schwerer als Kaliflintglas und
bricht das Licht stärker als alle andern Glassorten.
Thalliumoxyd Tl2O3 ist braun, unlöslich in Wasser und
Alkalien, gibt leicht Sauerstoff ab. Das Thalliumhydroxyd TlO2H
entsteht bei Einwirkung von Ozon auf Thalliumhydroxydul, ist braun,
unlöslich in Wasser, gibt mit Säuren die wenig
beständigen, meist kristallisierbaren farblosen Oxydsalze. Man
benutzt T. zur Darstellung optischer Gläser und mit
Thalliumhydroxydul imprägniertes Papier (Thalliumpapier) als
Reagens auf Ozon. T. wurde 1861 von Crookes entdeckt.
Thallo, Göttin, s. Horen.
Thallochlor (Flechtengrün), der grüne Farbstoff
der Flechten.
620
Thallophyten - Thapsia.
Thallophyten (griech.), s. Thallus und Kryptogamen.
Thallus (griech., Thallom, Laub, Lager), alle
Pflanzenkörper, an denen diejenigen Gliederungen,
Wachstumsgesetze und innerer Bau, welche die Begriffe Stengel,
Wurzel und Blatt bedingen, nicht wahrzunehmen sind; gilt daher
für alle Pilze, Flechten und Algen, welche darum Thallophyten
genannt werden (vgl. Kryptogamen).
Thalsperre, ein Damm von sehr widerstandsfähiger
Bauart, quer über den Lauf eines Wildbachs angelegt, zur
Zurückhaltung des Geschiebes und Ausfüllung tief
eingeschnittener Rinnen (Runsen). Zur Verbauung der Wildbäche
dient zumeist eine größere Anzahl von Thalsperren in
angemessenem Abstand voneinander. Dieselben verhindern das
Verwildern des Gebirgsbaches in der Thalebene durch
Zurückhalten der Geschiebsmassen, müssen aber, wenn sie
diese Aufgabe sicher erfüllen sollen, bei allen in den
Fluß einmündenden Wildbächen angelegt werden. Hand
in Hand damit ist häufig eine Aufforstung kahler Hänge zu
bewerkstelligen. Vgl. v. Seckendorff, Verbauung der Wildbäche
etc. (Wien 1884).
Thalstern, s. Astrantia.
Thalysia (griech.), Erstlingsopfer von Feldfrüchten,
Erntefeier (vgl. Demeter, S. 660); Thalysianismus nennt Baltzer die
"natürliche Lebensweise" der Vegetarier (s. d.).
Thame (spr. thehm), Marktstadt in Oxfordshire (England),
18 km westlich von Oxford, am schiffbaren Fluß T., der bei
Dorchester in die Themse mündet, hat (1881) 3267 Einw.
Thames (spr. temms'), 1) Fluß, s. Themse. - 2)
Fluß im nordamerikan. Staat Connecticut, entsteht durch
Vereinigung von Quinnebaug und Yadkin und ergießt sich nach
einem Laufe von 110 km bei New London in den Long Island Sound.
Für Seeschiffe ist er 22 km aufwärts bis Norwich
schiffbar.
Thamiatis, altägypt. Stadt, s. Damiette.
Thamsbrück, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Erfurt, Kreis Langensalza, an der Unstrut, hat eine evang. Kirche,
eine Handelsmühle und (1885) 999 Einw.
Thamyris (Thamyras), im griech. Mythus ein thrakischer
Sänger, Sohn des Philammon und der Nymphe Argiope, wurde, weil
er sich vermaß, die Musen im Gesang zu überwinden, von
diesen des Augenlichts und der Gabe des Gesanges beraubt. Vgl. A.
Michaelis, T. und Sappho (Leipz. 1865).
Than (angelsächs. thên, althochd. degan,
schott. than, thayne), bei den Angelsachsen Titel der die
Gefolgschaft eines Fürsten bildenden Dienstmannen, später
s. v. w. Baron; im alten Schottland Titel der vornehmsten
Häuptlinge, die mit den Clans oder Unterhäuptlingen den
hohen Adel bildeten. Die Thans waren Stammesälteste und die
Gewaltträger des Königs. Nachmals trat der englische
Titel Earl (s. d.) an die Stelle des schottischen Thans.
Than, Moritz, ungar. Maler, geb. 1828 zu Alt-Becse im
Bacser Komitat (Südungarn), studierte zuerst die Rechte,
wandte sich dann der Malerei zu, nahm an den Kämpfen des Jahrs
1849 teil und setzte seine Studien an der Wiener Akademie,
später bei Rahl fort. Nach einer Reise durch Deutschland und
Belgien malte er 1856 zu Paris die Schlacht bei Mohacs. Er lebte
hierauf, mit der Ausführung mehrerer Bilder für den Baron
Sina (Odysseus und Nausikaa, Odysseus und Penthesilea)
beschäftigt, drei Jahre in Rom und erhielt 1859 den Auftrag
zur Ausführung eines die Wiedervereinigung des
Königssohns mit der Zauberhelene darstellenden Wandbildes im
Redoutensaal zu Pest, wo er sich dauernd niederließ. Er schuf
seitdem eine größere Reihe von Altargemälden,
Bildnissen (darunter das des Kaisers von Österreich für
den großen Saal des neuen Bibliothekgebäudes) und
Historienbildern (Angelika und Medor, Liebe der Fata Morgana) sowie
mit Lotz Wandgemälde und einen Fries (aus der Geschichte
Ungarns) im Treppenhaus des Nationalmuseums zu Pest.
Thanatos (griech., bei den Römern Mors),
Personifikation des Todes, Bruder des Hypnos (s. d.), Sohn der
Nacht. Vgl. Robert, Thanatos (Berl. 1879).
Thane, ind. Stadt, s. Tanna 1).
Thanet, Isle of (spr. eil of thännet), Name des
nordöstlichsten Teils der engl. Grafschaft Kent, welcher bis
etwa 1500 durch einen Meeresarm, den Wantsome, vom Festland
getrennt war. Er ist 106 qkm groß, und in ihm liegen die
Seebadeorte Margate und Ramsgate; auf der Nordostspitze steht ein
Leuchtturm.
Thang (Tsang), siames. Getreidemaß, = 20 Kanang (s.
d.).
Thank God Harbonr (spr. harber), s. Polarisbai.
Thankmar (Dankmar), Sohn des deutschen Königs
Heinrich I. aus seiner ersten, von der Kirche für
ungültig erklärten Ehe mit Hatheburg, verband sich, als
sein Halbbruder, König Otto d. Gr., die Nordmark, welche T.
beanspruchte, dem Markgrafen Gero gegeben hatte, mit dem Herzog der
Franken, Eberhard, eroberte die Burg Belcke (Badliki) an der Ruhr
und die Feste Eresburg, wurde in letzterer von Otto belagert und
bei der Erstürmung im Juli 938 in der Kirche, wohin er sich
geflüchtet, erschlagen.
Thanksgiving-day (engl., spr. thänksgiwwing-de,
"Danksagungstag"), der Nationalfeiertag in den Vereinigten
Staatenvon Nordamerika, durch Gottesdienst in allen Kirchen
gesetzlich gefeiert. Das Datum wird alljährlich vom
Präsidenten besonders festgesetzt (gewöhnlich Ende
November).
Thann, Kreisstadt im deutschen Bezirk Oberelsaß, am
Austritt der Thur aus den Vogesen und an der Eisenbahn
Mülhausen-Wesserling, 350 m ü. M., hat die katholische
prächtige gotische St. Theobaldkirche mit durchbrochenem Turm
und eine evang. Kirche, ein Progymnasium, 2 Waisenhäuser, ein
Amtsgericht, eine Oberförsterei, Baumwoll- und
Florettspinnerei, Fabrikation von Baumwollwaren, Kattun,
Seidenzeug, Chemikalien, Maschinen, Dampfkesseln, Feilen,
Bürsten etc., Bleicherei, Färberei, Bierbrauerei,
vortrefflichen Weinbau (am Rangen), Weinhandel und (1885) 7462
meist kath. Einwohner. Über der Stadt die Ruinen der
Engelburg. T. war schon 995 vorhanden und kam 1324 an das Haus
Habsburg. 1632 eroberten es die Schweden; 15. Okt. 1638 gewann
daselbst Herzog Bernhard von Weimar einen Sieg über den Herzog
von Lothringen; 1674 nahmen es die Kaiserlichen, 1675 die Franzosen
unter Turenne, welche die Engelburg sprengten.
Thannhausen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Schwaben,
Bezirksamt Krumbach, an der Großen Mindel, hat eine kath.
Kirche, ein Schloß, ein neues Rathaus und (1885) 1624 Einw.;
T. bildet eine Standesherrschaft des Grafen Stadion.
Thapsakos (später Amphipolis), im Altertum
berühmte Handelsstadt in Syrien, an der untersten Furt des
Euphrat gelegen, angeblich nördlichste Grenze des Reichs
Salomos. Hier gingen der jüngere Kyros, Alexander d. Gr. u. a.
über den Strom. Jetzt Ruinen El Hammâm.
Thapsia L. (Böskraut), Gattung aus der Familie der
Umbelliferen, perennierende Kräuter mit fiederig
zusammengesetzten untern und auf den schei-
621
Thapsus - Thatbestand.
denförmigen Blattstiel reduzierten obern Blättern,
großer, zusammengesetzter Blütendolde mit wenigen oder
keinen Hüllblättchen und vom Rücken her
zusammengedrückten Früchten. Die vier Arten wachsen in
den Mittelmeerländern und gelten meist als heilkräftig,
so besonders T. garganica L., in Südeuropa und Algerien,
dessen purgierend wirkende Wurzel früher offizinell war, und
T. Silphium Viv. in Nordafrika, welches als die Stammpflanze des
Silphium (s. d.) betrachtet worden ist.
Thápsus, im Altertum feste Stadt auf der
Küste des karthagischen Afrika (Byzakion), berühmt durch
den Sieg, den hier Cäsar 6. April 46 v. Chr. über die
Pompejaner gewann. Ruinen bei Ed Dimas.
Thaer, 1) Albrecht, Landwirt, geb. 14. Mai 1752 zu Celle,
studierte seit 1771 in Göttingen Medizin und Philosophie, war
dann in seiner Vaterstadt als Arzt thätig, bebaute daneben
einen kleinen Grundbesitz und widmete sich bald
ausschließlich der Landwirtschaft. Durch die von ihm
gegründete landwirtschaftliche Lehranstalt in Celle sowie
durch die "Einleitung zur Kenntnis der englischen Landwirtschaft"
(Hannov. 1795-1806, 3 Bde.; 3. Aufl. 1816) und die "Annalen der
niedersächsischen Landwirtschaft" (Gött. 1799-1804, 3
Bde.) erlangte er großen Ruf; auf Reisen in Norddeutschland
studierte er die deutsche Landwirtschaft, und die Ausgabe von
Bergens Werk über Viehzucht (1800), die Abbildungen und
Beschreibungen nützlicher Ackergerätschaften (1803-1806),
die Übersetzung von Bells "Versuch über den Ackerbau"
(1804) bereiteten sodann seine Übersiedelung nach
Preußen vor, wohin ihn der König berufen hatte. Er
kaufte das Gut Möglin und errichtete hier 1806 die erste
höhere landwirtschaftliche Lehranstalt, welche als solche
epochemachend war. Sein Werk "Grundsätze der rationellen
Landwirtschaft" (Berl. 1809-10, 4 Bde.; 6. Aufl. 1868; neue Ausg.
von Krafft, Thiel u. a., das. 1880) ward in fast alle
europäischen Sprachen übersetzt. 1807 zum Staatsrat
ernannt, hatte er an den agrarischen Gesetzen zur Regulierung der
bäuerlichen Verhältnisse bedeutenden Anteil. 1810 wurde
er Professor der Landwirtschaft an der Universität zu Berlin
und vortragender Rat im Ministerium des Innern. Nachdem er im
folgenden Jahr die berühmt gewordene Mögliner
Schäferei gegründet, erhielt er 1815 die Stelle eines
Generalintendanten der königlichen Stammschäfereien. 1818
legte er seine Profefsur nieder und widmete sich nun wieder seinem
Institut in Möglin, welches 1824 zu einer königlichen
Akademie des Landbaues erhoben ward. Er starb 26. Okt. 1828 in
Möglin. T. hat zuerst in Deutschland die Resultate der
Naturwissenschaften auf die Agrikultur angewandt und gilt als
Begründer der rationellen Landwirtschaft in Deutschland; er
entwickelte die Begriffe von Roh- und Reinertrag, begründete
die Landwirtschaftslehre, förderte die Wechselwirtschaft und
den Kartoffelbau und bemühte sich erfolgreich um die Freiheit
des landwirtschaftlichen Gewerbslebens. In den letzten Dezennien
seines Lebens war er vor allem Tierzüchter, dann speziell
Schafzüchter. Seine Werke über die Erzeugung und Zucht
hochfeiner Wolle und hochedler Schafe, sein Leipziger Wollkonvent
waren für die deutsche Nationalwirtschaft von
größter Bedeutung. 1850 wurde ihm ein Denkmal von
Rietschel in Leipzig, 1860 ein solches von Rauch in Berlin und 1873
ein drittes in Celle errichtet. Vgl. Körte, Albr. T. (Leipz.
1839).
2) Konrad Wilhelm Albrecht, Enkel des vorigen, Landwirt, geb. 6.
Aug. 1828 auf Lüdersdorf bei Wriezen a. O., studierte 1846 in
Heidelberg Staatswissenschaft, dann in Möglin und Berlin,
erlernte die Landwirtschaft in England und Schottland und
übernahm in der Heimat die Verwaltung zweier Güter.
1859-61 lehrte er an der Akademie zu Möglin, habilitierte sich
darauf zu Berlin und erhielt daselbst 1866 eine
außerordentliche, 1871 in Gießen eine ordentliche
Professur. Er schrieb: "System der Landwirtschaft" (Berl. 1877);
"Die Wirtschafsdirektion des Landguts" (2. Aufl., das. 1879); "Die
altägyptische Landwirtschaft" (das. 1881); "Die
landwirtschaftlichen Unkräuter" (das. 1881, mit 24
Tafeln).
Tharant (Tharandt), Stadt in der sächs. Kreis-und
Amtshauptmannschaft Dresden, an der Wilden Weißeritz und der
Linie Dresden-Chemnitz der Sächsischen Staatsbahn, 212 m
ü. M., hat eine evang. Kirche, eine berühmte
Forstakademie (1811 von Cotta gegründet, seit 1816
königliche Anstalt, 1887: 136 Studierende) mit reichen
Sammlungen, ein Amtsgericht, ein salinisch-eisenhaltiges Mineralbad
und (1885) 2511 Einw. Dabei die Ruine des Schlosses T. und am
Bergabhang das neue Schloß des Grafen Suminski. Vgl.
Fritzsche, Tharant (Dresd. 1867).
Thargelien, das Hauptfest des Apollon in Athen, am
siebenten Tag des danach benannten Monats Thargelion (Mai-Juni),
dem Tag der Geburt des Gottes, begangen. Nach seiner
ursprünglichen Bedeutung bezog es sich auf das Reifen der
Feldfrüchte, deren Erstlinge dem Apollon nebst der Artemis und
den Horen in Prozession dargebracht wurden. Zugleich war es ein
Sühnfest, an dem man durch ein eigentümliches
Bußopfer die Stadt von aller Schuld reinigte, damit nicht der
erzürnte Gott durch ausdörrende Hitze die Ernte vernichte
und die Menschen mit Seuchen heimsuche. Ursprünglich bestand
das Opfer in zwei des Todes schuldigen Menschen, Mann und Weib, die
unter seltsamen Zeremonien am Ufer geopfert wurden; später
scheint man sich damit begnügt zu haben, die Opfer von einer
Höhe ins Meer zu stürzen, unten aber aufzufangen und
wieder ans Land zu schaffen. Auch festliche Aufzüge und
Wettrennen von Männern und Knaben fanden statt.
Tharrhaleus, s. Flüevogel.
Thasos, nördlichste Insel des griech. Archipelagus,
hat 435 qkm (7,9 QM.) mit 5200 Einw., fast ausschließlich
Griechen. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, hat meist steile
Küsten und hohe, bewaldete Berge (Hypsaria 1045 m) sowie viele
Überreste des griechischen Altertums. Hauptort ist Panagia
(Kastro), auf der Nordküste. Hauptprodukte sind Honig und
Öl. - Ionische Griechen besetzten die von Thrakern und
Phönikern bewohnte, damals durch ihren Goldreichtum
berühmte Insel von Paros aus vor 700 v. Chr.; in den
Perserkriegen litt dieselbe schwer, ebenso 463, als die Athener
unter Kimon die Stadt T. (auf der Nordküste) nach langer
Belagerung eroberten. Später wechselte ihr Besitz zwischen
Athen und Sparta; unter den Römern war sie frei, wurde 1462
türkisch, kam später in den Privatbesitz des
Vizekönigs Mehemed Ali von Ägypten und wird seitdem von
einem ägyptischen Gouverneur verwaltet.
Thassilo, s. Tassilo.
Thatbericht, s. Species facti.
Thatbestand (Corpus oder Materiale delicti), im
Strafrecht der Inbegriff derjenigen Merkmale, welche den Begriff
einer strafbaren Handlung ausmachen. Der Begriff eines Verbrechens
faßt die Merkmale desselben zusammen, während der T. die
Merkmale, aus denen die "That besteht", einzeln aufführt.
Subjektiver T., die innere That, das Willensmoment, objektiver T.,
die äußern tatsächlichen Merkmale,
622
Thaeter - Thäyingen.
welche zu dem Begriff des Verbrechens gehören; allgemeiner
T., die Merkmale eines Verbrechens überhaupt, besonderer T.,
die Merkmale einer einzelnen Verbrechensart. Vgl. Cohn, Die
Grundsätze über den T. der Verbrechen (Bresl. 1889).
Thaeter, Julius, Kupferstecher, geb. 7. Jan. 1804 zu
Dresden, kam 1818 auf die Akademie daselbst, war dann unter harten
Entbehrungen in Nürnberg, Berlin und München thätig,
wo er bei Amsler arbeitete, wurde 1841 Lehrer an der Kunstschule in
Weimar, 1846 Lehrer an der Akademie zu Dresden und 1849 als
Professor der Kupferstecherkunst nach München berufen, wo er
14. Nov. 1870 starb. Er hat besonders den sogen. Kartonstich
geübt und mit Vorliebe nach Meistern der neuklassischen
deutschen Kunst gestochen. Seine Hauptblätter sind: der
Spaziergang nach Cornelius (1823); die Umrisse zu Faust nach
Schwind (1830); die Hunnenschlacht nach Kaulbach (1837); die Parzen
und die Überfahrt Charons nach Carstens; Barbarossa in Mailand
und Venedig und Rudolf von Habsburg, den Landfrieden wahrend, nach
Schnorr; die Entwürfe zum Campo santo in Berlin und die
apokalyptischen Reiter nach Cornelius (1849); der babylonische
Turmbau nach Kaulbach; Elisabeths Werke der Barmherzigkeit und
Aschenbrödel nach Schwind (1858). Vgl. A. Thaeter, Julius T.,
Lebensbild (Frankf. a. M. 1887).
Thatfrage (Schuldfrage), bei einem Verbrechen die Frage,
ob der Angeschuldigte der ihm zur Last gelegten Handlung schuldig
sei oder nicht; im Gegensatz zur sogen. Rechtsfrage, d. h. der
Frage, unter welche Bestimmung des Strafgesetzbuchs die That zu
subsumieren und wie sie zu bestrafen sei. Zur Beantwortung der T.
werden bei schwereren Verbrechen Geschworne zugezogen.
Übrigens spricht man auch bei Privatrechtsstreitigkeiten von
der T. (Quaestio facti) im Gegensatz zur Rechtsfrage (Quaestio
juris), indem man unter der erstern die tatsächliche
Feststellung eines Rechtsverhältnisses, unter der letztern
aber die Frage versteht, welche Rechtsgrundsätze auf jenes
Verhältnis Anwendung finden.
Thatsache, im allgemeinen das Resultat jedes Geschehens,
also jede Begebenheit, sei sie bloß in den Naturgesetzen
begründet oder durch die Willensbestimmung des Menschen
herbeigeführt. Im Rechtswesen versteht man unter T. alles
Geschehene als Grundlage juristischer Wirksamkeit, sei es,
daß es sich um den Erwerb oder um den Verlust oder um die
Veränderung eines Rechts handelt.
Thatteilung, s. Grundteilung.
Thau, s. Tau.
Thau (spr. toh., Etang de T., Stagnum Tauri), die
größte der Küstenlagunen von Languedoc, im franz.
Departement Herault, hat eine Länge von 20, eine Breite von
5-8 km und eine Oberfläche von ca. 8000 Hektar und ist vom
Mittelländischen Meer nur durch eine schmale Landzunge
getrennt, auf welcher die Eisenbahn von Bordeaux über Cette
nach Marseille hinzieht, und an deren breitester Stelle, am
Fuß eines 180 m hohen Bergrückens, Cette liegt. Das
Wasser ist von geringer Tiefe, salzig, tiefblau und sehr
fischreich. Der Kanal von Cette setzt den T. mit dem Meer in
Verbindung, während ihn der im SW. einmündende Canal du
Midi und der von NO. her zugeleitete Canal des Etangs mit dem
südfranzösischen Kanalnetz in Zusammenhang bringen.
Thaumalea, s. Fasan, S. 61.
Thaumas, nach griech. Mythus Sohn des Pontos und der
Gäa, Gemahl der Okeanide Elektra, Vater der Harpyien und der
Iris.
Thaumatologie (griech.), Lehre von den Wundern.
Thaumatrop (griech.), von Paris 1827 erfundener Apparat,
welcher gleich dem Phänakistoskop auf der Nachdauer der die
Netzhaut treffenden Lichteindrücke beruht. Wird eine
kreisförmige Pappscheibe um ihren Durchmesser gedreht, so
daß man schnell hintereinander beide Seiten erblickt, so
verschmelzen die auf letztern vorhandenen Zeichnungen zu einem
einzigen Bild. Zeigt z. B. die eine Seite einen Vogel, die zweite
einen Käfig, so erblickt man beim Rotieren der Scheibe den
Vogel im Käfig.
Thaumatúrg (griech.), Wunderthäter (daher
Beiname mehrerer Heiligen, namentlich der griechischen Kirche),
auch s. v. w. Gaukler.
Thausing, Moritz, Kunstschriftsteller, geb. 3. Juni 1838
auf Schloß Tschischkowitz bei Leitmeritz in Böhmen,
studierte an den Universitäten Prag, Wien und München
Geschichte und germanische Philologie und war anfangs auf diesen
Gebieten schriftstellerisch thätig, bis er sich, nachdem er
1868 Vorsteher der Kupferstich- und Handzeichnungensammlung des
Erzherzogs Albrecht (Albertina) in Wien geworden, der
Kunstwissenschaft zuwendete. 1873 wurde er Professor der
Kunstgeschichte an der Wiener Universität. Er starb durch
eigne Hand 14. Aug. 1884 in Leitmeritz. T. gab heraus: "Dürers
Briefe, Tagebücher und Reime" (Wien 1872); "Dürer,
Geschichte seines Lebens und seiner Kunst" (2. Aufl., Leipz. 1884,
2 Bde.); "Le livre d'esquisses de J. J. Callot" (Wien 1881);
"Wiener Kunstbriefe" (Leipz. 1884).
Thaya, Fluß in Österreich, entsteht aus zwei
Flüssen, der Mährischen und der Deutschen T., von denen
erstere nordöstlich von Teltsch in Mähren, letztere bei
Schweiggers in Niederösterreich entspringt und sich mit jener
bei Raabs vereinigt, nimmt die Jaispitz, Pulkau und Iglawa auf und
fällt bei Hohenau in die March; 282 km lang und sehr
fischreich.