Teufel (griech. Diabolos, "Verleumder"; hebr. Satan, s.

v. w. Widersacher), das personifizierte Prinzip des Bösen. Der

stete Wechsel von schaffenden und zerstörenden

Naturkräften spiegelt sich in den meisten Religionen als

Gegensatz göttlich-wohlthätiger zu finster-unheilvollen

Wesen, und in demselben Maß, als die Furcht vorherrschender

Faktor in einer Religion ist, wendet sich sogar gerade den letztern

ein gewisser Kult zu. Am ausgebildetsten tritt ein solcher

Dualismus bei den Parsen (s. d.) auf. Von da drang die Lehre von

einem persönlichen Haupte des Reichs des Bösen in das

Judentum ein, und erst jetzt wurde der Satan, welcher im Buch Hiob

noch als ein übelwollender, aber Gott untergeordneter und in

seinem Dienst handelnder Unglücksengel erscheint, zum

eigentlichen T., neben welchem in den palästinischen

Apokryphen, z. B. im Buch Tobias, noch andre Dämonen

erscheinen als Plagegeister der Menschen. Dieselbe

dämonologische Vorstellungswelt ist in voller Stärke dann

auch in die neutestamentlichen Schriften übergegangen, wie

schon die große Rolle beweist, welche die "Besessenen" (s.

d.) in den Evangelien spielen. Wenn dann auch noch in den

spätern Lehrschriften des Neuen Testaments Christus als Sieger

erscheint über den "Fürsten dieser Welt", d. h. den mit

landesüblichen Ausdrücken auch Beelzebub (s. d.) oder

Beelzebul, eine Form des Baal, und Belial oder Beliar

("Nichtsnutzigkeit") genannten Satan, so steht hier die mit

Hölle und T. sich befassende Vorstellung allerdings

zunächst im Dienste der Vertiefung der religiösen Ideen

und Motive. Der Glaube an die Überwindung des Teufels durch

Christus trug dazu bei, der Lehre vom Messias einen sittlichen

Gehalt zu geben und alle Energie der sittlichen Kräfte in den

Gläubigen zum Kampf wider die Gewalt des Argen ins Feld zu

rufen. Aber auch, als die sittliche Begeisterung abgekühlt

war, erhielt sich die Vorstellung vom T., welcher seither in der

christlichen Dogmatik den persönlichen Repräsentanten der

Sünde bildet, den schlauen und gewaltigen Feind des

göttlichen Reichs, den allezeit geschäftigen Veranlasser

böser Lüste und unfrommer Gedanken in den Gläubigen.

Im Gegensatz zu den Schutzengeln und guten Geistern galten in der

alten Kirche die Dämonen als geschaffene, aber freiwillig

abgefallene Geister, welche die Heidenwelt beherrschen, Objekte des

heidnischen Kultus sind, Christenverfolgungen veranlassen und die

Ausbreitung der Kirche hindern. Ihr Haupt Lucifer (s. d.) hat sich

gleich nach der Schöpfung von Gott losgesagt, sei es aus Neid,

sei es aus Hochmut; seine endliche Bekehrung, welche einzelne

Lehrer in Aussicht stellten (s. Apokatastase), wurde schon von

Irenäus und seit Augustin von der ganzen Rechtgläubigkeit

geleugnet. Dagegen war man der Ansicht, daß infolge des Siegs

Christi über Tod und Hölle Gebet, Taufwasser,

Kreuzeszeichen u. dgl. hinreichen, den T. zu bändigen, und

schon Gregor I. meinte, er sei eigentlich ein dummes Tier, welches

sich in seinen eignen Schlingen fange. Eine schreckhaftere Gestalt

gewann er wieder im Mittelalter. Besonders im germanischen

Volksglauben spielte er von jeher eine große Rolle, teils

allerdings auch humoristisch im Märchen, meistens aber

schauerlich im Glauben an Hexerei und Zauberei. Die Theologen und

Juristen, welche seit dem 15. Jahrh. die Theorie und Praxis der

Hexenprozesse (s. d.) kultivierten, haben auch die genauere

Naturgeschichte des Teufels festgestellt. Selbst die Reformation

hat den ganzen Teufelsglauben als unentbehrlichen Artikel mit in

den Kauf genommen, Luther voran, welcher sein Leben lang wider den

"altbösen Feind" zu Felde lag. Erschüttert wurde diese

Lehre erst im Zusammenhang mit den Hexenprozessen, und infolge der

kritischen Richtung, welche in der zweiten Hälfte des 18.

Jahrh. die protestantische Theologie erfaßte, fingen selbst

die offenbarungsgläubigen Theologen an, die Lehre vom Satan zu

mildern, während die Rationalisten ihn ganz aus dem

christlichen Glauben verwiesen, indem sie die biblischen

Äußerungen auf Akkommodation zurückführten.

Die neuere Orthodoxie dagegen hat sich des Teufels wieder mit

Vorliebe angenommen, Vilmar ihn sogar gesehen, und im Volksglauben

spielt derselbe noch immer eine große Rolle; selbst die

Meinung, daß man durch Zaubersprüche den T. und seine

Geister herbeirufen und unter gewissen Bedingungen sich dienstbar

machen könne (Teufelsbeschwörung), steht noch vielfach in

Blüte. Vorgestellt wird er nach altväterlicher Weise

schwarz und behaart, mit Bocks- oder Pferdefüßen,

Krallen, Hörnern, einem Kuhschwanz, häßlichem

Gesicht und langer Habichtsnase und bei seinem Verschwinden einen

argen Gestank hinterlassend. Überdies hat er im Volksglauben

noch viel von dem Wesen, den Gestalten und den Namen der alten

Gottheiten beibehalten, und die meisten Sagen, welche vom T.

handeln, sind auf die ehemaligen Götter zu beziehen. Daher

spukt der T. hauptsächlich an Stätten, die im Heidentum

heilig waren, heischt dieselben Opfer, welche einst die Götter

empfingen, erscheint häufig als grüner Jäger oder in

Tiergestalt. Mitunter sind auch Züge von den Riesen auf ihn

übergegangen, und deshalb werden nicht nur uralte Bauten,

Fußspuren in Felsen und Pflanzen nach ihm benannt, sondern

auch viele Sagen von ihm erzählt, in denen er, wie einst die

Riesen von Helden, von Menschen überlistet wird. Die Kunst

pflegt den T. allegorisch, namentlich unter den biblischen Bildern

einer Schlange oder eines Drachen, darzustellen. Vgl. Roskoff,

Geschichte des Teufels (Leipz. 1869, 2 Bde.); Albers, Die Lehre vom

T. (Straßb. 1878); Conway, Demonology and devillore (Lond.

1878, 2 Bde.); Brown, Personality and

613

Teufelsabbiß - Teutoburger Wald.

history of Satan (das. 1887); Wessely, Die Gestalten des Todes

und des Teufels in der darstellenden Kunst (Leipz. 1875).

Teufelsabbiß, s. Scabiosa.

Teufelsaltäre, s. Gräber,

prähistorische.

Teufelsauge, Pflanze, s. v. w. Adonis autumnalis.

Teufelsblatt, s. Urtica.

Teufelsbolzen, s. v. w. Schwanzmeise, s. Meisen.

Teufelsbrücke, die berühmte über die

Reuß führende Brücke der St. Gotthardstraße

im schweizer. Kanton Uri, 30 m über dem Fluß, welcher,

das Ursernthal verlassend, tosend in die Tiefe stürzt, wurde

1830 etwa 6 m über der im Mittelalter erbauten alten T., deren

Überreste 1888 eingestürzt sind, neu erbaut und hat einen

Bogen von 8 m Weite. Etwas höher hinauf ist das Urner Loch (s.

Reuß). Eine zweite T. führt hoch über die wilde

Sihlschlucht bei Einsiedeln (s. Etzel).

Teufelsdreck, s. Asa foetida.

Teufelsei, s. Phallus.

Teufelsfinger, s. Belemniten.

Teufelsfluch, s. Hypericum.

Teufelsgraben, s. Befestigung, prähistorische.

Teufelskammern, s. Gräber, prähistorische.

Teufelskanzeln, Felspartien oder sonstige Punkte im

Gebirge, welche vermutlich in vorgeschichtlicher Zeit heidnische

Kultusstätten waren. Als nach Einführung des Christentums

der heidnische Kultus an solchen Stätten noch heimlich

fortgesetzt wurde, brachte der Volksaberglaube dieselben mit dem

Teufel in Verbindung.

Teufelskirsche, s. Atropa.

Teufelskirschenwurzel, s. Bryonia.

Teufelsklaue, volkstümliche Bezeichnung des

unterirdischen Stockes mancher Farne.

Teufelsküchen, s. Gräber,

prähistorische.

Teufelsmauer, s. Blankenburg 1).

Teufelsmühlen, s. Granit.

Teufelsschloß, s. Kaiser Franz Joseph-Fjord.

Teufelszwirn, s. Cuscuta und Lycium.

Teuffel, Wilhelm, namhafter Philolog, geb. 27. Sept. 1820

zu Ludwigsburg, studierte 1838-42 im evangelisch-theologischen

Seminar zu Tübingen, wurde 1844 Privatdozent daselbst, 1847

Hilfslehrer am Obergymnasium zu Stuttgart, 1849

außerordentlicher, 1857 ordentlicher Professor der

klassischen Philologie in Tübingen und starb daselbst 8.

März 1878. T. hat sich vornehmlich als Literarhistoriker einen

Namen gemacht. Seine "Geschichte der römischen Litteratur"

(Leipz. 1870; 4. Aufl. von Schwabe, 1881) ist für den

Philologen unentbehrlich. Seine litterarhistorischen Monographien

sind zum größten Teil gesammelt in "Studien und

Charakteristiken zur griechischen und römischen sowie zur

deutschen Litteraturgeschichte" (Leipz. 1871, Nachträge 1877;

2. Aufl., das. 1889). Auch hat er für die von Pauly

begründete "Realencyklopädie der klassischen

Altertumswissenschaft", die er seit 1846 vom 4. Band an mit seinem

Kollegen Walz redigierte, zahlreiche Artikel geliefert. Eine

vollständige Geschichte der griechischen Litteratur im Verein

mit mehreren Gelehrten zu bearbeiten, wurde er durch den Tod

verhindert. Außerdem sind zu nennen seine Ausgaben von

Äschylos' "Persern" (2. Aufl., Leipz. 1875) und Aristophanes'

"Wolken" (mit lat. Anmerkungen, das. 1856, 2. Bearb. 1863; mit

deutschen Anmerkungen, das. 1867) und ein Kommentar zum zweiten

Buch der Satiren des Horaz in der Kirchnerschen Ausgabe (Bd. 2,

das. 1857). Aus seinem Nachlaß erschienen "Lateinische

Stilübungen" (Freiburg 1887). Vgl. S. Teuffel, W. T.

(Tüb. 1889).

Teukros (Teucer), im griech. Mythus: 1) Sohn des

Flußgottes Skamandros und der Nymphe Idäa, erster

König von Troas, daher der Name Teukrer für Trojaner; -

2) Sohn des Telamon und der Hesione, aus Salamis, Halbbruder des

Aias, war der beste Bogenschütze unter den Griechen vor Troja,

erhielt später die Herrschaft von Cypern.

Teupitz, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam,

Kreis Teltow, an einem See, hat eine evang. Kirche, Überreste

eines alten Schlosses (auf einer Insel im See) und (1885) 593 Einw.

T. war bis 1718 im Besitz der Familie Schenk von Landsberg.

Teurung, der Zustand ungewöhnlicher Preishöhe,

namentlich wichtiger Lebensmittel. Bei mangelhaft entwickeltem

Verkehrswesen bildet die T. einen wichtigen Gegenstand der

Staatsfürsorge oder der Teurungspolitik, deren Aufgabe dahin

ging, die Entstehung von Teurungen zu verhüten oder die

Wirkung von solchen zu mildern, so durch Ausfuhrerschwerungen,

durch Förderung der Einfuhr, Verbot des Verkaufs auf dem Halm,

Enteignung von privaten Vorräten, Zwang, Vorräte zu

halten (z. B. der Bäcker in Paris bis 1863) etc. Bei der

heutigen Ausbildung des Verkehrswesens, welches eine rasche und

vollständigere örtliche Ausgleichung von Mangel und

Überfluß erleichtert, hat die Teurungspolitik mehr den

Charakter einer außerordentlichen Fürsorge in

Notfällen angenommen. Weiteres in den Artikeln Getreidehandel,

S. 266, und Hungersnot. Vgl. Roscher, über Kornteurungen (3.

Aufl., Stuttg. 1852).

Teurungszulagen wurden früher in mehreren Ländern

Beamten in Fällen der Teurung (s. d.) gewährt, heute

bei richtiger Bemessung der Besoldung (s. d.) nicht mehr am

Platz.

Teuschnitz, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk

Oberfranken, im Frankenwald, hat ein Schloß mit schönem

Garten, Flachsbau und (1885) 969 Einw.

Teut, s. v. w. Tuisco, s. Mannus.

Teutoburg, die von den Cheruskern auf dem Teutberg (der

heutzutage mit dem Arminiusdenkmal geschmückten Grotenburg)

angelegte nationale Feste, welcher wahrscheinlich der von Tacitus

("Annales" I, 60) erwähnte Saltus Teutoburgiensis und somit

vermutlich auch der Teutoburger Wald seinen Namen verdankt.

Dieselbe bot gegenüber dem von den Römern an der

Mündung der Alme in die Lippe angelegten Waffenplatz Aliso

für die kriegerischen Operationen der Germanen einen

Stützpunkt und gestattete, die durch das Gebirge

führenden Pässe zu überwachen. Die Befestigungen

bestanden aus einem vom Fuß des Bergs auf dessen sanfter

Abdachung aufsteigenden geradlinigen Steinwall und zwei ebenfalls

durch Steinwälle gebildeten Schanzen, welche in späterer

Zeit als großer und kleiner Hünenring bezeichnet wurden.

Die jetzt zum großen Teil zerstörte große

Walllinie, welche einen Verteidigungsabschnitt zwischen dem

Fuß des Bergs und der untern Schanze bildete, besteht aus

senkrecht oder der Länge nach dicht nebeneinander

eingetriebenen, zum Teil mannshohen Steinblöcken mit

darüber gelegten kleinern, doch immer ansehnlichen

Steinstücken. Von dem vor der Walllinie befindlichen Graben

sowie von der obern und untern Schanze sind deutliche Spuren

erhalten. Vgl. Peucker, Das deutsche Kriegswesen der Urzeiten, 2.

Teil, S. 376 ff. (Berl. 1860).

Teutoburger Wald, Waldgebirge in Nordwestdeutschland,

schließt sich in der Gegend seines höchsten Punktes, des

Völmerstod (468 m), an die Egge (s. d.) und erstreckt sich in

einer Länge von 115 km bei der geringen Breite von 2-5 km von

SO. nach

614

Teutona - Texas.

NW., durchzieht unter dem Namen Lippescher Wald den

südwestlichen Teil des Fürstentums Lippe, unter dem Namen

Osning die Kreise Bielefeld und Halle des preußischen

Regierungsbezirks Minden, ferner die Kreise Melle und Iburg des

Regierungsbezirks Osnabrück und den Kreis Tecklenburg des

Regierungsbezirks Münster und endigt in geringer Höhe im

Huxberg bei Bevergern an der Eisenbahnlinie Osnabrück- Rheine

und an den großen Mooren der nordwestdeutschen Tiefebene.

Meist besteht das Gebirge aus einem einzigen Kamm, doch erscheinen

auch mehrere Nebenzüge, besonders in dem mittlern Teil. Tiefe

Einschnitte, vom Volk Dören (Thüren) genannt,

unterbrechen den Hauptkamm an vielen Stellen, z. B. die

Dörenschlucht in Lippe, die Thäler von Bielefeld, Halle,

Borgholzhausen, Iburg, Tecklenburg etc. In solchen Thälern

wird das Gebirge mehrfach von Eisenbahnen durchschnitten, so von

den Linien Hannover-Hamm und Wanne-Bremen. Die wichtigsten

Höhen sind außer dem Völmerstod (s. oben): der

Barnacken (451 m), die Externsteine (s. d.), die Grotenburg (s. d.)

mit dem Hermannsdenkmal und der Hermannsberg (366 m) in Lippe, die

Hünenburg (334 m) bei Bielefeld, der Knüllberg bei

Borgholzhausen (311 m) und der Dörenberg bei Iburg (363 m).

Das Gebirge ist meist mit schönen Laubwaldungen bedeckt und

besteht vorzüglich aus den Gesteinen der Kreideformation,

denen nördlich und östlich auch die Gesteine der Jura-

(Schieferthon der Wälderformation bei Iburg) und

Triasformation (Muschelkalk in Lippe) vorgelagert sind. Auf der

östlichen und nördlichen Seite des Gebirges breitet sich

ein meist recht fruchtbares Hügelland aus, während die

entgegengesetzte Seite von den Sand- und Sumpfstrichen der Senne,

besonders im Quellgebiet der Lippe und Ems, begleitet wird. Vgl.

Löbker, Wanderungen durch den T. (Münst. 1878);

Reisehandbücher von Thorbecke (6. Aufl., Detm. 1889) und

Fricke (Bielef. 1884).

Der Name T. wird zuerst bei Tacitus genannt u. in die Nähe

von Ems und Lippe verlegt; welches Gebirge aber Tacitus gemeint

hat, und wo daher der Schauplatz der Schlacht im T., in welcher

Arminius an der Spitze der Germanen 9.-11. Sept. im Jahr 9 n. Chr.

die drei Legionen des Varus vernichtete, zu suchen ist, bildet eine

viel umstrittene und noch heute nicht entschiedene Frage.

Gewöhnlich wird als Ort des Kampfes der Teil des Osning

angenommen, welcher von den beiden Pässen eingeschlossen ist,

die von der Lippe bei Neuhaus und Lippspringe durch die

Dörenschlucht und unter dem Falkenberg hin durch das Gebirge

führen. Mommsen (s. unten) verlegt ihn nach der Venne an der

Huntequelle nördlich von Osnabrück. Vgl. Clostermeier, Wo

Hermann den Varus schlug (Lemgo 1822); Giefers, De Alisone deque

cladis Varianae loco (Kref. 1844); Middendorf, Über die Gegend

der Varusschlacht (Münst. 1868); Dederich, Kritik der

Quellenberichte über die Varianische Niederlage im T. (Paderb.

1868); Esselen, Das römische Kastell Aliso und Ort der

Niederlage des römischen Heers unter Q. Varus (Hamm 1878);

Hülsenbeck, Die Gegend der Varusschlacht (Paderb. 1878);

Mommsen, Die Örtlichkeit der Varusschlacht (Berl. 1885);

Veltman, Funde von Römermünzen im freien Germanien und

die Örtlichkeit der Varusschlacht (Osnabr. 1886); Neubourg,

Die Örtlichkeit der Varusschlacht (Detm. 1887); Höfer,

Die Varusschlacht, ihr Verlauf und ihr Schauplatz (Leipz. 1888);

Knoke, Die Kriegszüge des Germanicus in Deutschland (Berl.

1887, Nachtrag 1888).

Teutona, Waffe, s. Keule.

Teutonen (Teutoni, Teutones), ein durch seine Teilnahme

am Zug der Cimbern berühmt gewordenes Volk in Germanien,

dessen Wohnsitze an der Küste der Ostsee in Jütland und

den dänischen Inseln zu suchen sind. Sie wurden 102 v. Chr.

bei Aquä Sextiä vernichtet. Ein Teil des Volkes blieb im

Norden zurück; ihr Name Teutonovarier hat sich im Namen der

Landschaft Ditmarschen erhalten. S. Cimbern und Teutonen.

Teutsch, Georg Daniel, Bischof der Siebenbürger

Sachsen, geb. 12. Dez. 1817 zu Schäßburg, studierte in

Wien und Berlin Theologie und Geschichte ward 1842 Lehrer und 1850

Rektor des Gymnasiums in Schäßburg, 1863 Pfarrer zu

Agnethlen und 1867 Superintendent oder Bischof der evangelischen

Landeskirche Augsburger Bekenntnisses in Siebenbürgen und

wohnt in Hermannstadt. 1848 und 1863-64 war er Mitglied des

Siebenbürger Landtags, 1864 bis 1865 des österreichischen

Reichsrats und 1867 des ungarischen Reichstags; seit 1885 ist er

Mitglied des ungarischen Oberhauses. Er förderte das

kirchliche und geistige Leben der Siebenbürger Sachsen mit

Eifer und Erfolg, ist Präses des Vereins für

siebenbürgische Landeskunde und schrieb eine "Geschichte der

Siebenbürger Sachsen" (2. Aufl., Leipz. 1874; 2 Bde.). Auch

ist er Mitherausgeber des "Urkundenbuchs der evangel. Landeskirche

in Siebenbürgen".

Tevere, ital. Name des Tiber.

Teverone, Fluß, s. Anio.

Tewfik (eigentlich Taufik) Pascha, Mehemed, Chedive von

Ägypten, geb. 1852, ältester Sohn Ismail Paschas, erhielt

eine ziemlich gute Erziehung und ward 1866 vom Sultan als

Thronfolger anerkannt. Seit 1873 mit der Prinzessin Emineh

vermählt (einen Harem hielt sich T. nie), lebte er meist in

Zurückgezogenheit auf seinem Landgut bei Heliopolis. Erst 1879

trat er in die Öffentlichkeit, als ihn Ismail im März d.

J. nach der Entlassung Nubars an die Spitze des Ministeriums

stellte. Da er sich aber den Wünschen seines Vaters nicht

willfährig genug erwies, mußte er nach vier Wochen

wieder von seinem Posten zurücktreten. Am 8. Aug. d. J.

ernannte ihn der Sultan an Stelle seines abgesetzten Vaters zum

Chedive; er entzog ihm anfangs durch Aufhebung des Fermans von 1873

wesentliche Regierungsrechte, gab sie ihm aber auf Verlangen der

Westmächte später wieder zurück. T. hatte die ernste

Absicht, die Mißbräuche und Schäden in der

Verwaltung des Landes zu beseitigen, gab aber, um die finanziellen

Verpflichtungen Ägyptens zu regeln, den von England und

Frankreich gesandten Kontrolleuren zu viel Macht, so daß die

rücksichtslose Ausbeutung des Volkes zu gunsten der fremden

Gläubiger 1881 Militäraufstände verursachte. T.

zeigte sich dem Haupte der Nationalpartei, Arabi Pascha,

gegenüber schwach und energielos, so daß er 1882 alle

Macht an diesen verlor und erst durch die englische Intervention in

seine Herrschaft wieder eingesetzt werden mußte. Er ist

seitdem ganz von England abhängig.

Tewkesbury (spr. tjuhksberi). Stadt in Gloucestershire

(England), am Zusammenfluß des Avon und des Severn, hat eine

normännische Abteikirche, Fabrikation von Stiefeln,

Strumpfwaren, Nägeln, Leder etc., eine schöne Markthalle

und (1881) 5100 Einw. 1 km südlich davon die "blutige Wiese",

wo 1471 die letzte Schlacht im Krieg der Rosen stattfand.

Texas (abgekürzt Tex.), der südwestlichste und

größte Staat der nordamerikan. Union, grenzt im O. an

Louisiana und Arkansas, im N. an das Indianerterritorium und

Neumexiko, im W. und S. an Me-

615

Texas (geographisch-statistisch, Geschichte).

xiko und den Golf von Mexiko. Das Land zerfällt seiner

Oberflächenbeschaffenheit nach in drei verschiedene

Abteilungen. Von der Küste aus, die fast ihrer ganzen

Länge nach von Haffen eingefaßt ist, erstreckt sich

50-100 km landeinwärts ein Flachland, das zum Teil sehr

fruchtbar und für den Anbau von Baumwolle, Zuckerrohr und

stellenweise auch Reis vorzüglich geeignet ist. Hinter

demselben erhebt sich ein wellenförmiges hügeliges Land,

welches, bis 320 km breit, den ganzen Nordosten des Staats

umfaßt, großenteils von Prärien bedeckt und zum

Anbau sehr geeignet und in seinen Thälern dicht bewaldet ist.

Der ganze nordwestliche Teil des Staatsgebiets endlich ist Berg-

und Hochland und besteht zum Teil aus einem 1300 m hohen

wüsten Sandsteinplateau (Llano estacado oder Staked Plain). An

Flüssen ist T. reich, wenn auch die meisten nur während

eines Teils des Jahrs schiffbar sind. Der Red River scheidet es von

dem Indianergebiet, der Sabine von Louisiana und der Rio Grande von

Mexiko. Ganz innerhalb des Staatsgebiets liegen Trinity, Brazos,

Colorado, Guadalupe, San Antonio und Nueces. Das Klima gilt im

Vergleich zu den übrigen südlichen Staaten der Union

für gesund. Nur in der Küstenniederung fordern

intermittierende Fieber neben dem gelben Fieber fast jährlich

zahlreiche Opfer. Am untern Rio Grande ist die Jahrestemperatur

23,2°, im Norden, bei Fort Worth nur 17,5° C.; dort betrug

der Unterschied zwischen dem kältesten und dem wärmsten

Monat nur 13,2, hier aber 21,9°. Kalte Nordwinde (Northers)

wehen manchmal zwischen November und Januar, während die

Küste im September von Orkanen heimgesucht wird. Mit dem

Süden der Union und deren mittlern Staaten unter einer Breite

liegend, bietet das Land in seiner Vegetation alle Produkte dar,

welche jene Staaten auszeichnen, und ist auch hinreichend mit den

verschiedensten Holzarten zu allen Zwecken der Landwirtschaft

sowohl als der Industrie versehen. Die Tierwelt von T. gleicht der

des benachbarten Louisiana und Arkansas. Büffel, verwilderte

Pferde (Mustangs) durchziehen noch herdenweise die Steppen. In

Bezug auf Mineralien ist T. eins der reichsten Länder der

Welt. Nicht nur Steinkohlen und Eisen kommen in ungeheuern Mengen

vor, sondern auch Kupfer, Silber, Gold, Blei etc., dazu Edelsteine,

Töpfererde, Salz u.a. Diese Bodenschätze liegen jedoch

fast noch unberührt. T. hat ein Areal von 681,842 qkm

(12,843,3 QM.) mit (1880) 1,591,749 Einw., einschließlich von

393,384 Farbigen und 35,347 Deutschen, aber ohne einige tausend

herumstreifende Indianer (1870 erst 818,899 Einw.). Die

öffentlichen Schulen wurden 1886 von 261,021 Kindern besucht,

doch sind noch immer 15 Proz. der über 10 Jahre alten

Weißen und 75 Proz. der Schwarzen des Schreibens unkundig. An

höhern Bildungsanstalten besitzt der Staat 6 Colleges. Von der

Bevölkerung beschäftigen sich 69 Proz. mit Landwirtschaft

und 6 Proz. mit Industrie. Angebaut werden neben Mais, Hafer,

Gerste und Bataten namentlich Baumwolle (1880: 805,284 Ballen),

Zucker und Tabak. Alle unsre Obstsorten gedeihen, und im Süden

auch Feigen. Für die Viehzucht bietet das Innere des Staats

große Vorteile. 1889 zählte man 940,000 Pferde und

Maultiere, 4,084,000 Rinder, 2,413,000 Schafe und 1,950,000

Schweine. Die Fischereien hingegen (1880 von 600 Personen

betrieben) sind unbedeutend. Der Bergbau fördert Gold (1886:

147,000 Dollar), Silber (80,000 Doll.), Steinkohlen (125,000 Ton.)

und Eisen. Die Industrie (1880: 2996 Anstalten mit 12,159

Arbeitern) beschränkt sich fast nur auf Mahlen von Korn und

die Zurichtung von Bauholz. T. hat (1887) 9810 km Eisenbahnen und

besitzt 252 eigne Schiffe von 8621 Ton. Gehalt. Unter den

Häfen ist Galveston der bedeutendste. Die jetzige Verfassung

wurde im November 1869 angenommen. Die gesetzgebende Gewalt liegt

in den Händen eines Senats von 31 und eines

Repräsentantenhauses von 109 Mitgliedern, welche auf zwei

Jahre gewählt werden. Die obersten Staatsbeamten werden

gleichfalls vom Volk gewählt, und der Gouverneur bleibt zwei

Jahre im Amte. Die richterliche Gewalt ist einem Obergericht und 34

Kreisgerichten übertragen; sämtliche Richter erwählt

das Volk. Die Finanzen sind in gutem Zustand. Die Staatsschuld

betrug 1887: 4,237,730 Doll. Eingeteilt wird T. in 78 Counties.

Politische Hauptstadt ist Austin. S. Karte "Vereinigte Staaten,

westliche Hälfte".

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 178 / 302 段