Termiten (Unglückshafte, weiße Ameisen,

Termitina Burm.), Insektenfamilie aus der Ordnung der

Falschnetzflügler, gesellig lebende Insekten mit

länglichem, oberseits mehr abgeflachtem, unterseits

gewölbtem Körper, freiem, nach unten gerichtetem Kopf,

runden Augen, keinen oder zwei Nebenaugen, kurzen,

perlschnurartigen Fühlern, aufgetriebenem Kopfschild,

kräftigen Mundteilen, schlanken, kräftigen Beinen mit

viergliederigen Tarsen und, sofern sie geflügelt sind, mit

vier gleich großen, langen und hinfälligen Flügeln.

Neben den fortpflanzungsfähigen, geflügelten Individuen

existieren zwei Formen geschlechtsloser, ungeflügelter, mit

verkümmerten männlichen oder weiblichen

Geschlechtsorganen, nämlich Soldaten, mit großem,

quadratischem Kopf und langen, kräftigen Mandibeln, und

Arbeiter, mit kleinem, rundlichem Kopf, verborgenen Mandibeln und

wenig entwickeltem Mittelleib. Die Arbeiter besorgen den Aufbau der

gemeinsamen Behausung und die Pflege der Brut, den Soldaten liegt

die Verteidigung der Kolonie ob, den an Individuenzahl weit

zurückstehenden geflügelten T. aber die Erhaltung der

Art. Die Termitenkönigin ist ein seiner Flügel

entledigtes, befruchtetes Weibchen, dessen Hinterleib durch die

Anschwellung der eine ungemein große Anzahl von Eiern

enthaltenden Eierstöcke eine enorme Ausdehnung erhalten hat.

Ob sich in jeder Kolonie nur eine solche Königin nebst

zugehörigem Männchen (König) in einer besonders

geräumigen Zelle tief im Mittelpunkt des Baues vorfindet, oder

ob deren mehrere zugleich vorhanden sind, ist noch nicht sicher

ermittelt. Jedenfalls hat das sparsame Vorkommen befruchteter

Individuen nur in äußern Umständen seinen Grund,

indem die große Mehrzahl nach vollzogener Begattung den

Vögeln etc. zum Opfer fällt. Die Eier sind walzig,

bisweilen gekrümmt, an den Enden abgerundet und von ungleicher

Größe. Die Larven sind anfangs stark behaart, haben

undeutliche Augen, kürzere Fühler und verwandeln sich

durch mehrere Häutungen in die vollkommenen Insekten. Zu der

Zeit, wo sich die geschlechtlichen Individuen in einer Kolonie

entwickelt haben, gerät die ganze Bevölkerung in

große Unruhe, und die geflügelten Männchen und

Weibchen verlassen den Haufen, um sich in der Luft zu begatten und

gleich darauf ihre Flügel nahe der Wurzel abzubrechen. Die

Bauten der T. sind sehr verschieden; sie werden entweder in

Baumstämmen oder am Erdboden selbst angelegt, im letztern Fall

häufig in Form von Hügeln, die in Afrika eine Höhe

von 5 m und am Fuß einen Umfang von 19 m erreichen. Diese

großen Bauten bestehen hauptsächlich aus Thon und

besitzen große Festigkeit; sie enthalten zahlreiche Zellen

und Gänge, von denen erstere als Wiegen für die Brut,

letztere zur Kommunikation zwischen allen Teilen des Baues dienen.

Oft stehen viele Hügel durch ein System überwölbter

Straßen miteinander in Verbindung und bilden

gewissermaßen eine einzige Kolonie. Andre Arten leben im Sand

unter der Erdoberfläche und bauender röhrenartige

Gänge, umgeben Wurzeln oder Äste im Boden mit

erhärtendem Material und weilen in diesen Röhren, bis das

Holz aufgezehrt ist. Wieder andre Arten nagen Gänge in das

Holz der Bäume, kleiden die Wandungen mit Kot aus, und so

entstehen, indem die Gänge immer näher aneinander

rücken und das Holz zuletzt völlig aufgezehrt wird,

Bauten, die in ihrem Gefüge an einen Schwamm erinnern und

zuletzt auch außerhalb des Baumes fortgeführt werden.

Viele Arten sind ein Schrecknis der heißen Länder; sie

dringen scharenweise in die menschlichen Wohnungen und

zerstören namentlich Holzwerk, indem sie dasselbe im Innern

völlig zerfressen, die äußere Oberfläche aber

verschonen, so daß scheinbar unversehrte Gegenstände bei

geringer Erschütterung zusammenbrechen. Die T. führen

ihre Arbeiten nur nachts aus und unternehmen auch weite

Wanderungen; ihre ärgsten Feinde sind die Ameisen, die

förmlich gegen sie zu Felde ziehen. Man kennt etwa 80 lebende

Arten in allen heißern Ländern, bis 40° nördl.

und südl. Br., in Frankreich bis Rochelle (s. unten),

besonders zahlreich vertreten in Afrika und Amerika. Fossile Arten

finden sich schon in der Kohlenformation, am häufigsten aber

im Bernstein und im Tertiär. Die kriegerische Termite (Termes

bellicosus Smeathm., T. fatale L.), 1,8 cm lang, 6,5-8,0 cm breit,

ist dunkelbraun, mit heller geringelten Fühlern, am Mund, an

den Beinen und am Bauch rostgelb, mit gelblichen, undurchsichtigen

Flügeln, im größten Teil des tropischen Afrika

heimisch, baut hohe, unebene, mit vielen Hervorragungen versehene

Erdhügel, die sich allmählich abrunden und mit dichter

Vegetation bedecken. Die Umgebung der Hügel besteht in einem

Thonwall von 15-47 cm Stärke und enthält Zellen,

Höhlungen und Wege. Die schreckliche Termite (T. dirus Klug.,

s. Tafel "Falschnetzflügler") lebt in Brasilien in

Erdlöchern und unter Steinen von den Wurzeln verfaulender

Bäume. Die lichtscheue Termite (T. lucifugus Rossi), 9 mm

lang, 20 mm breit, ist schwarz, am Mund, an der Schienenspitze und

den Tarsen gelblich, mit gerunzelten, rauchigen, schwärzlich

gerandeten Flügeln, findet sich überall in

Südeuropa, ist in Frankreich bis Rochefort und Rochelle

vorgedrungen und hat in letzterer Stadt an den Holzpfählen,

auf welchen diese erbaut ist, arge Verwüstungen angerichtet.

Manche T. werden in den heißen Ländern von den

Eingebornen gegessen. Vgl. Hagen, Monographie der T. ("Linnaea

entomologica". Bd. 10, 12, 14); Lespés, Recherches sur

l'organisation et les moeurs du Termite lucifuge ("Annales des

sciences naturelles", Serie 4, Bd. 5).

596

Termoli - Terpentin.

Termoli, Flecken in der ital. Provinz Campobasso, Kreis

Larino, am Adriatischen Meer und an der Eisenbahn Ancona-Foggia,

von welcher hier die Linie über Campobasso nach Benevent

abzweigt, ist Bischofsitz, hat ein Kastell (von 1247), eine im 16.

Jahrh. gebaute Kathedrale, einen Hafen und (1881) 3963 Einw.

Termonde, Stadt, s. Dendermonde.

Ternate, eine Insel der Molukken, an der Westküste

von Dschilolo, hat einen 1675 m hohen Vulkan, reiche Vegetation und

9000 Einw. und bildet mit Teilen von Celebes, den Suluinseln, dem

Nordteil der Molukken (Dschilolo) u. a. die niederländische

Residentschaft T. mit einem Areal von 238,956 qkm (4339,7 QM.) mit

(1885) 109,947 Einw., worunter 308 Europäer und 465 Chinesen.

Zur Residentschaft gehören außer dem eigentlichen

Regierungsgebiet die abhängigen Reiche T., Tidore (wozu auch

die Westhälfte von Neuguinea) und Batjan. Die Stadt T., mit

6000 Einw., ist Sitz des niederländischen Residenten, hat

einen prächtigen Dalem oder Palast des Sultans und daneben das

Fort Oranien.

Ternaux (spr. -noh), Guillaume Louis, Baron,

Industrieller, geb. 8. Okt. 1763 zu Sedan, erlernte bei seinem

Vater die Handlung und übernahm 1778 dessen Geschäft.

Nach dem Ausbruch der Revolution mußte er 1793 fliehen; doch

kehrte er schon unter dem Direktorium zurück, ging nach Paris

und begründete nach und nach über das ganze Land, ja

selbst im Ausland, Fabriken, machte mehrere wichtige Erfindungen in

der Mechanik und führte die Spinnmaschinen und zur Erzeugung

bessern Rohstoffs sächsische Widder und Kaschmirziegen in

Frankreich ein. Auch die Weberei suchte er zu heben und

begründete die Fertigung der feinern Shawls. Nach der ersten

Restauration wandte er sich den Bourbonen zu und ging daher 1815

während der Hundert Tage mit Ludwig XVIII. nach Gent. Nach der

zweiten Restauration ward er mehrfach von der Regierung

ausgezeichnet und zu Rate gezogen, doch schloß er sich 1827

in der Kammer völlig der Opposition an und beteiligte sich

auch an der Julirevolution. Er starb 2. April 1833 in St.-Ouen.

Terne (Ternion, lat.), Zusammenstellung je dreier Dinge

aus einer größern Anzahl, insbesondere beim Lottospiel

jede Zusammenstellung von drei bestimmten Nummern unter den

vorhandenen 90.

Terneuzen, Stadt, s. Neuzen.

Terni, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Perugia

(Umbrien), zwischen zwei Armen der Nera, an der Eisenbahn

Rom-Foligno, in welche hier die Bahn Castellammare

Adriatico-Aquila-T. einmündet, ist Sitz eines Bischofs und

eines Handelsgerichts, hat eine Kathedrale (1653 von Bernini

erbaut), eine Kirche, San Francesco, mit schönem gotischen

Glockenturm, ein Theater, ein Lyceum, Gymnasium, Institut für

Mechanik und Konstruktionslehre, Orangen-, Oliven-und

Maulbeerkultur, Tuch- und Lederindustrie, große,

neueingerichtete Eisenwerke (vorwiegend für maritime und

Eisenbahnzwecke) und (1881) 9415 Einw. - T. ist das alte Interamna

Umbrica, angeblich die Vaterstadt des Geschichtschreibers Tacitus,

und enthält von der antiken Stadt noch Ruinen eines

Amphitheaters, eines Sonnentempels etc. In der Nähe der

berühmte Wasserfall des Velino (s. d.). Bei T. wurden 27. Nov.

1798 die Neapolitaner von den Franzosen geschlagen.

Ternströmiaceen, dikotyle, etwa 260 Arten

umfassende, im tropischen Amerika und dem südlichen Asien

einheimische Pflanzenfamilie ausder Ordnung der Cistifloren,

Bäume und Sträucher mit wecselständigen, oft an den

Zweigspitzen in Büscheln stehenden, einfachen, gewöhnlich

lederartigen, immergrünen, meist durchscheinend punktierten,

fiedernervigen Blättern mit am Grund artikuliertem Blattstiel

und meist fehlenden Nebenblättern und mit zwitterigen,

bisweilen durch Fehlschlagen eingeschlechtigen,

regelmäßigen Blüten. Der bisweilen spiralig

geordnete und unbestimmtzählige Kelch ist in andern

Fällen fünfzählig, die freien Blumenblätter

wechseln meist mit den Kelchblättern ab, die zahlreichen

Staubgesäße stehen in mehreren Kreisen oder in fünf

aus einer gemeinsamen Anlage hervorgehenden Bündeln beisammen.

Die 2-5 Fruchtblätter verwachsen stets und tragen im

Innenwinkel zwei Samenknospen. Die Frucht bildet sich zu einer

wand- oder fachspaltigen Kapsel oder beerenartigen Steinfrucht aus.

Vgl. Choisy, Mémoire sur les Ternstroemiacées

("Mémoires de la Société physique", Bd. 14,

Genf). Mehrere Arten der Gattungen Ternstroemia Mut.. Freziera Sw.

u. a. kommen fossil in Tertiärschichten vor. Manche T. werden

als Heilmittel angewendet; die Gattung Thea L. zeichnet sich durch

den Gehalt an Kaffein aus. Beliebte Schmuckpflanzen sind die

japanischen Kamelien (Camellia-Arten).

Terpándros (Terpander), griech. Musiker und

Lyriker aus Antissa auf Lesbos, ist der Schöpfer der

klassischen Musik der Griechen und damit Begründer der

griechischen Lyrik, indem er zuerst den alten choralartigen

Gesängen zu Ehren des Apollon, den sogen. Nomen, durch

regelmäßige Gliederung eine künstlerische

Ausbildung gab und statt der bisherigen viersaitigen Kithara die

siebensaitige erfand. Nach Sparta zur Schlichtung innerer

Zwistigkeiten auf Geheiß des delphischen Orakels berufen,

ordnete er das dorische Musikwesen und siegte 676 v. Chr. in dem

ersten musischen Wettkampf am Feste der Karneen, ebenso zwischen

672 und 648 viermal hintereinander bei den Pythischen Spielen. Von

seinen Dichtungen sind nur wenige Verse erhalten (bei Bergk,

"Poetae lyrici graecl", abgedruckt).

Terpentin (Terebinthina), balsamartige Masse, welche

durch Einschnitte aus den Stämmen von Nadelhölzern

gewonnen wird (s. Fichtenharz). Der gemeine T. wird aus Pinus

maritima Lamb., P. laricio Poir., P. silvestris L., Abies excelsa

Lam. und A. pectinata Dec. sowie aus mehreren amerikanischen Arten

gewonnen. Die Ausbeute ist sehr verschieden. Man rechnet z. B. in

Österreich auf den Stamm jährlich 2 kg T., während

man in Westfrankreich etwa 3,6 kg erhält und starken Fichten,

besonders alleinstehenden, auf deren Erhaltung es nicht weiter

abgesehen ist, in einem Jahr bis 40 kg T. abgewinnen kann. Der

gemeine T. bildet eine mehr oder weniger klare,

gelblichweiße, honigdicke, stark klebende Masse, reagiert

sauer, riecht nach Terpentinöl, ist löslich in Alkohol,

Äther, ätherischen Ölen und in nicht

überschüssiger Kalilauge, enthält 15-30 Proz.

Terpentinöl, Harz, Harzsäuren (Pinarsäure,

Pininsäure, Sylvinsäure, Abietinsäure), wenig

Ameisensäure und Bernsteinsäure. Im frischen T. findet

sich Abietinsäureanhydrid; dies nimmt aber Wasser auf, und es

scheiden sich wetzsteinähnliche Kristalle von

Abietinsäure aus, durch welche der T. trübe und

krümelig wird. Im Handel unterscheidet man: deutschen T. von

kaum bitterm Geschmack; ihm ähnlichen französischen T.,

welcher weniger Terpentinöl enthält; Straßburger T.

von der Weißtanne, welcher bald hell und klar wird,

zitronenartig riecht, sehr bitter schmeckt und 35 Proz.

Terpentinöl enthält; amerikanischen T.,

weißlichgelb, zäh, von kräftigem Geruch, sehr

scharf bitterm Geschmack und geringem Terpen-

597

Terpentinbaum - Terrain.

tinölgehalt. Der venezianische T. von der Lärche

(Larixeuropaea Dec.) wird in Südtirol aus dem Kernholz durch

Bohrlöcher gewonnen, welche man zu Ende des Winters anlegt,

verstopft und erst im Herbst wieder öffnet, um den

angesammelten T. abzuzapfen. Dieser T. ist gelblich bis

bräunlich, fast klar, zähflüssig und scheidet nicht

Kristalle aus. Kanadabalsam von Abies balsamaea Marsh, A. Fraseri

Pursh und A. canadensis Mich., in Nordamerika aus Blasen in der

Rinde dieser Bäume gewonnen, ist vollkommen klar, hellgelb,

riecht angenehm aromatisch, schmeckt bitter, mischt sich mit

absolutem Alkohol, enthält 24 Proz. ätherisches Öl,

scheidet keine Kristalle aus und wird hauptsächlich zur

Darstellung mikroskopischer Präparate benutzt. Unter T.

verstand man im Altertum den Harzsaft der Pistacia Terebinthus, und

erst später wurde der Name auf den Saft der Koniferen

übertragen, den man auch schon im Altertum benutzte. T. gibt

beim Kochen mit Wasser Terpentinöl und hinterläßt

ein Harz (gekochten T., Glaspech), bei Destillation ohne Wasser

Kolophonium. Man benutzt ihn zur Darstellung von Terpentinöl,

Salben, Pflastern, Firnissen, Lacken, Siegellack, Kitt. Vgl.

Winkelmann, Die Terpentin- und Fichtenharzindustrie (Berl.

1880).

Terpentinbaum, s. v. w. Pistacia.

Terpentingallen (Carobbe), s. Pistacia.

Terpentinhydrat, s. Terpentinöl.

Terpentinkiefer, s. Kiefer, S. 714.

Terpentinöl (Terpentinspiritus), ätherisches

Öl, findet sich in allen Teilen der Nadelhölzer aus den

Gattungen Pinus, Picea, Abies, Larix, wird durch Destillation aus

dem Terpentin dieser Bäume gewonnen und zeigt je nach der

Abstammung gewisse Abweichungen in den Eigenschaften, besonders das

direkt durch Destillation der Pflanzenteile mit Wasser gewonnene

Öl (Fichtennadelöl, Templinöl etc.), unterscheidet

sich nicht unwesentlich von dem aus Terpentin gewonnenen. Das rohe

Öl ist dünnflüssig, farblos oder gelblich, klar,

löst sich in 8-10 Teilen Alkohol, verharzt leicht an der Luft

unter Bildung von Ameisensäure und Essigsäure und wird

dickflüssig. Zur Reinigung wird es am besten mit Dampf unter

Zusatz von etwas Ätzkalk rektifiziert (Terpentinspiritus). Es

ist dann farblos, dünnflüssig, riecht stark, schmeckt

brennend, spez. Gew. 0,86-0,89, löst sich in 10-12 Teilen

90proz. Alkohol, mischt sich mit Äther, siedet bei

152-160°; es löst Schwefel, Phosphor, Harz, Kautschuk und

manche andre Körper, absorbiert Sauerstoff, verwandelt ihn

teilweise in Ozon und verharzt allmählich (unter Bildung von

Ameisensäure). T. besteht aus einem Kohlenwasserstoff C10H16.

Bei längerm Stehen mit Wasser bildet es den Terpentinkampfer

(Terpinhydrat, Terpentinhydrat) C10H16. 2H2O+H2O, welcher sich in

farb- und geruchlosen, leicht löslichen Kristallen

ausscheidet. Dieser schmeckt aromatisch, löst sich in 200

Teilen Wasser, in 6 Teilen Alkohol und wird als harntreibendes,

expektorierendes Mittel und gegen Neuralgien benutzt. Mit trocknem

Chlorwasserstoff bildet T. salzsaures T. (künstlichen Kampfer)

C10H17Cl in farblosen Kristallen, welche kampferartig riechen und

schmecken, in Alkohol und Äther löslich sind und bei

115° schmelzen. Öxydierende Substanzen verwandeln T. in

Ameisensäure, Essigsäure, Oxalsäure etc. T. erzeugt

auf der Haut bei längerer Einwirkung Schmerz, Rötung,

Geschwulst und Bläschen; innerlich wirkt es in

größern Gaben giftig, auch beim Einatmen der

Dämpfe; man benutzt es bei Neuralgien, Diphtheritis,

Lungengangräne, Gallensteinkolik, gegen Würmer, bei

Gonorrhöe, Blasenkatarrh, Typhus etc., äußerlich

als reizendes, kräftigendes Mittel, in der Technik zu Lacken,

Firnissen, Anstrichfarben, zum Bleichen des Elfenbeins, früher

auch als Leuchtmaterial. - Künstliches T., s. Erdöl, S.

767.

Terpentinspiritus s. Terpentinöl. Terpentinhydrat [s.

Terpentinöl.]

Terpsichore (die "Tanzfrohe"), eine der neun Musen, später

besonders die Muse der Tanzkunst und des Chorgesanges; führte

in Bildwerken eine große Leier und in der Rechten das

Plektron. Vgl. Musen (mit Abbildung).

Terra (lat.), Erde, Land; T. incognita. unbekanntes Land;

T. firma, Festland; T. di Siena, Sienaerde (s. Bolus); T. foliata

tartari, essigsaures Kali; T. foliata tartari crystallisata,

essigsaures Natron; T.inebriata, glasierte Thonwaren in der Art der

Robbia-Arbeiten; T. japonica, s. Katechu; T. lemnia, Siegelerde (s.

Bolus); T. ponderosa, Schwererde, Baryt; T. sigillata, s. Bolus; T.

tripolitana Tripel; T. umbria, schwarze Kreide.

Terracina (spr. -tschina), Stadt in der ital. Provinz

Rom, Kreis Velletri, am gleichnamigen Golf des Tyrrhenischen Meers,

früher wichtiger Punkt an der Straße von Rom nach

Neapel, ist Sitz eines Bischofs, hat eine Kathedrale (an der Stelle

eines antiken Tempels), Ruinen eines Palastes des Gotenkönigs

Theoderich, einen Hafen, von welchem 1886: 446 beladene Schiffe mit

15,509 Ton. ausliefen, Fischerei, Handel (Ausfuhr von Holzkohle)

und (1881) 6294 Einw. T. ist das alte volskische Anxur an der Via

Appia und hat noch mehrere römische Altertümer. Die

Umgegend ist wegen ungesunder Luft berüchtigt.

Terra cotta (ital.), s. Terrakotten.

Terra di Lavoro, ital. Provinz, s. Caserta.

Terra di Siena, hellbraune Farbe, in der Malerei

vorzugsweise zu Lasuren verwendet.

Terra d'Otranto, ital. Provinz, s. Lecce.

Terra firma (lat.), festes Land, im Gegensatz zu den

Inseln; insbesondere Bezeichnung aller aus dem Festland Italiens

der Herrschaft der Venezianer unterworfenen Landschaften,

nämlich: das Herzogtum Venedig, die venezianische Lombardei,

die Treviser Mark, das Herzogtum Friaul und Istrien. Auch

hieß so (span. Tierra firma) das nördliche

Küstenland Südamerikas (das spätere Kolumbien) und

im engern Sinn die Landenge von Panama.

Terrafirmaholz, s. Rotholz.

Terrain (franz., spr. -ráng, Gelände), eine

Strecke Land von bestimmter Bodenbeschaffenheit, Gestaltung,

Bebauung und Bewachsung, besonders als Schauplatz kriegerischer

Thätigkeit. Einzelne im T. vorhandene, in sich abgegrenzte und

hervorragende Teile, wie Dörfer, Gärten, Waldungen etc.,

nennt man Terraingegenstände. Längere Strecken, deren

Beschaffenheit die Gangbarkeit unterbricht, wie Wasserläufe,

Einsenkungen, Höhenzüge etc., bilden Abschnitte im T. Wo

größere Flüsse oder Ströme, Gebirgsketten,

Sumpf- und Moorgebiete u. dgl. solche Abschnitte trennen, nennt man

letztere auch besondere Kriegstheater. Offen heißt ein T.

ohne die Übersicht hindernde Terraingegenstände im

Gegensatz zum bedeckten T., in welchem Bewachsung und Anbau die

Übersicht hindern. Durchschnitten oder koupiert heißt

das T. im Gegensatz zum reinen, wenn Wasserläufe, Gärten,

Hecken, Mauere etc. die Bewegung hemmen. Über die Darstellung

des Terrains auf Karten etc. s. Planzeichnen. Die Terrainlehre, d.

h. die wissenschaftliche Beurteilung des Terrains nach seiner

Benutzbarkeit für die Verwendung der

598

Terra incognita - Terrakotten.

Truppen im Krieg, bearbeiteten theoretisch: Pönitz (2.

Aufl., Adorf 1855), O'Etzel (4. Aufl., Berl. 1862), Koeler (das.

1865), v. Böhn (Potsd. 1868), v. Waldstätten (3. Aufl.,

Wien 1872), Frobenius (Berl. 1876, 2 Bde.), v. Rüdgisch (Metz

1874), Streffleur (Wien 1876), Ulrich (Münch. 1888) u. a. In

der Geologie ist T. meist gleichbedeutend mit "Formation", z. B. T.

houiller, f. v. w. Steinkohlenformation; T. salifere, s. v. w.

Salzgebirge (Trias formation).

Terra incognita (lat.), unbekanntes Land.

Terrainkurorte, s. Klimatische Kurorte, S. 846.

Terrainwinkel, der Winkel zwischen einer wagerechten und

einer vom Geschützstand nach dem Fußpunkt des Ziels

gedachten Linie. Liegt das Ziel höher als der

Geschützstand, so ist der T. positiv, andernfalls negativ.

Beim Richten mit dem Quadranten muß der erstere vom

Erhöhungswinkel abgezogen, der negative diesem zugerechnet

werden; s. Elevation.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 173 / 302 段