Termitina Burm.), Insektenfamilie aus der Ordnung der
Falschnetzflügler, gesellig lebende Insekten mit
länglichem, oberseits mehr abgeflachtem, unterseits
gewölbtem Körper, freiem, nach unten gerichtetem Kopf,
runden Augen, keinen oder zwei Nebenaugen, kurzen,
perlschnurartigen Fühlern, aufgetriebenem Kopfschild,
kräftigen Mundteilen, schlanken, kräftigen Beinen mit
viergliederigen Tarsen und, sofern sie geflügelt sind, mit
vier gleich großen, langen und hinfälligen Flügeln.
Neben den fortpflanzungsfähigen, geflügelten Individuen
existieren zwei Formen geschlechtsloser, ungeflügelter, mit
verkümmerten männlichen oder weiblichen
Geschlechtsorganen, nämlich Soldaten, mit großem,
quadratischem Kopf und langen, kräftigen Mandibeln, und
Arbeiter, mit kleinem, rundlichem Kopf, verborgenen Mandibeln und
wenig entwickeltem Mittelleib. Die Arbeiter besorgen den Aufbau der
gemeinsamen Behausung und die Pflege der Brut, den Soldaten liegt
die Verteidigung der Kolonie ob, den an Individuenzahl weit
zurückstehenden geflügelten T. aber die Erhaltung der
Art. Die Termitenkönigin ist ein seiner Flügel
entledigtes, befruchtetes Weibchen, dessen Hinterleib durch die
Anschwellung der eine ungemein große Anzahl von Eiern
enthaltenden Eierstöcke eine enorme Ausdehnung erhalten hat.
Ob sich in jeder Kolonie nur eine solche Königin nebst
zugehörigem Männchen (König) in einer besonders
geräumigen Zelle tief im Mittelpunkt des Baues vorfindet, oder
ob deren mehrere zugleich vorhanden sind, ist noch nicht sicher
ermittelt. Jedenfalls hat das sparsame Vorkommen befruchteter
Individuen nur in äußern Umständen seinen Grund,
indem die große Mehrzahl nach vollzogener Begattung den
Vögeln etc. zum Opfer fällt. Die Eier sind walzig,
bisweilen gekrümmt, an den Enden abgerundet und von ungleicher
Größe. Die Larven sind anfangs stark behaart, haben
undeutliche Augen, kürzere Fühler und verwandeln sich
durch mehrere Häutungen in die vollkommenen Insekten. Zu der
Zeit, wo sich die geschlechtlichen Individuen in einer Kolonie
entwickelt haben, gerät die ganze Bevölkerung in
große Unruhe, und die geflügelten Männchen und
Weibchen verlassen den Haufen, um sich in der Luft zu begatten und
gleich darauf ihre Flügel nahe der Wurzel abzubrechen. Die
Bauten der T. sind sehr verschieden; sie werden entweder in
Baumstämmen oder am Erdboden selbst angelegt, im letztern Fall
häufig in Form von Hügeln, die in Afrika eine Höhe
von 5 m und am Fuß einen Umfang von 19 m erreichen. Diese
großen Bauten bestehen hauptsächlich aus Thon und
besitzen große Festigkeit; sie enthalten zahlreiche Zellen
und Gänge, von denen erstere als Wiegen für die Brut,
letztere zur Kommunikation zwischen allen Teilen des Baues dienen.
Oft stehen viele Hügel durch ein System überwölbter
Straßen miteinander in Verbindung und bilden
gewissermaßen eine einzige Kolonie. Andre Arten leben im Sand
unter der Erdoberfläche und bauender röhrenartige
Gänge, umgeben Wurzeln oder Äste im Boden mit
erhärtendem Material und weilen in diesen Röhren, bis das
Holz aufgezehrt ist. Wieder andre Arten nagen Gänge in das
Holz der Bäume, kleiden die Wandungen mit Kot aus, und so
entstehen, indem die Gänge immer näher aneinander
rücken und das Holz zuletzt völlig aufgezehrt wird,
Bauten, die in ihrem Gefüge an einen Schwamm erinnern und
zuletzt auch außerhalb des Baumes fortgeführt werden.
Viele Arten sind ein Schrecknis der heißen Länder; sie
dringen scharenweise in die menschlichen Wohnungen und
zerstören namentlich Holzwerk, indem sie dasselbe im Innern
völlig zerfressen, die äußere Oberfläche aber
verschonen, so daß scheinbar unversehrte Gegenstände bei
geringer Erschütterung zusammenbrechen. Die T. führen
ihre Arbeiten nur nachts aus und unternehmen auch weite
Wanderungen; ihre ärgsten Feinde sind die Ameisen, die
förmlich gegen sie zu Felde ziehen. Man kennt etwa 80 lebende
Arten in allen heißern Ländern, bis 40° nördl.
und südl. Br., in Frankreich bis Rochelle (s. unten),
besonders zahlreich vertreten in Afrika und Amerika. Fossile Arten
finden sich schon in der Kohlenformation, am häufigsten aber
im Bernstein und im Tertiär. Die kriegerische Termite (Termes
bellicosus Smeathm., T. fatale L.), 1,8 cm lang, 6,5-8,0 cm breit,
ist dunkelbraun, mit heller geringelten Fühlern, am Mund, an
den Beinen und am Bauch rostgelb, mit gelblichen, undurchsichtigen
Flügeln, im größten Teil des tropischen Afrika
heimisch, baut hohe, unebene, mit vielen Hervorragungen versehene
Erdhügel, die sich allmählich abrunden und mit dichter
Vegetation bedecken. Die Umgebung der Hügel besteht in einem
Thonwall von 15-47 cm Stärke und enthält Zellen,
Höhlungen und Wege. Die schreckliche Termite (T. dirus Klug.,
s. Tafel "Falschnetzflügler") lebt in Brasilien in
Erdlöchern und unter Steinen von den Wurzeln verfaulender
Bäume. Die lichtscheue Termite (T. lucifugus Rossi), 9 mm
lang, 20 mm breit, ist schwarz, am Mund, an der Schienenspitze und
den Tarsen gelblich, mit gerunzelten, rauchigen, schwärzlich
gerandeten Flügeln, findet sich überall in
Südeuropa, ist in Frankreich bis Rochefort und Rochelle
vorgedrungen und hat in letzterer Stadt an den Holzpfählen,
auf welchen diese erbaut ist, arge Verwüstungen angerichtet.
Manche T. werden in den heißen Ländern von den
Eingebornen gegessen. Vgl. Hagen, Monographie der T. ("Linnaea
entomologica". Bd. 10, 12, 14); Lespés, Recherches sur
l'organisation et les moeurs du Termite lucifuge ("Annales des
sciences naturelles", Serie 4, Bd. 5).
596
Termoli - Terpentin.
Termoli, Flecken in der ital. Provinz Campobasso, Kreis
Larino, am Adriatischen Meer und an der Eisenbahn Ancona-Foggia,
von welcher hier die Linie über Campobasso nach Benevent
abzweigt, ist Bischofsitz, hat ein Kastell (von 1247), eine im 16.
Jahrh. gebaute Kathedrale, einen Hafen und (1881) 3963 Einw.
Termonde, Stadt, s. Dendermonde.
Ternate, eine Insel der Molukken, an der Westküste
von Dschilolo, hat einen 1675 m hohen Vulkan, reiche Vegetation und
9000 Einw. und bildet mit Teilen von Celebes, den Suluinseln, dem
Nordteil der Molukken (Dschilolo) u. a. die niederländische
Residentschaft T. mit einem Areal von 238,956 qkm (4339,7 QM.) mit
(1885) 109,947 Einw., worunter 308 Europäer und 465 Chinesen.
Zur Residentschaft gehören außer dem eigentlichen
Regierungsgebiet die abhängigen Reiche T., Tidore (wozu auch
die Westhälfte von Neuguinea) und Batjan. Die Stadt T., mit
6000 Einw., ist Sitz des niederländischen Residenten, hat
einen prächtigen Dalem oder Palast des Sultans und daneben das
Fort Oranien.
Ternaux (spr. -noh), Guillaume Louis, Baron,
Industrieller, geb. 8. Okt. 1763 zu Sedan, erlernte bei seinem
Vater die Handlung und übernahm 1778 dessen Geschäft.
Nach dem Ausbruch der Revolution mußte er 1793 fliehen; doch
kehrte er schon unter dem Direktorium zurück, ging nach Paris
und begründete nach und nach über das ganze Land, ja
selbst im Ausland, Fabriken, machte mehrere wichtige Erfindungen in
der Mechanik und führte die Spinnmaschinen und zur Erzeugung
bessern Rohstoffs sächsische Widder und Kaschmirziegen in
Frankreich ein. Auch die Weberei suchte er zu heben und
begründete die Fertigung der feinern Shawls. Nach der ersten
Restauration wandte er sich den Bourbonen zu und ging daher 1815
während der Hundert Tage mit Ludwig XVIII. nach Gent. Nach der
zweiten Restauration ward er mehrfach von der Regierung
ausgezeichnet und zu Rate gezogen, doch schloß er sich 1827
in der Kammer völlig der Opposition an und beteiligte sich
auch an der Julirevolution. Er starb 2. April 1833 in St.-Ouen.
Terne (Ternion, lat.), Zusammenstellung je dreier Dinge
aus einer größern Anzahl, insbesondere beim Lottospiel
jede Zusammenstellung von drei bestimmten Nummern unter den
vorhandenen 90.
Terneuzen, Stadt, s. Neuzen.
Terni, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Perugia
(Umbrien), zwischen zwei Armen der Nera, an der Eisenbahn
Rom-Foligno, in welche hier die Bahn Castellammare
Adriatico-Aquila-T. einmündet, ist Sitz eines Bischofs und
eines Handelsgerichts, hat eine Kathedrale (1653 von Bernini
erbaut), eine Kirche, San Francesco, mit schönem gotischen
Glockenturm, ein Theater, ein Lyceum, Gymnasium, Institut für
Mechanik und Konstruktionslehre, Orangen-, Oliven-und
Maulbeerkultur, Tuch- und Lederindustrie, große,
neueingerichtete Eisenwerke (vorwiegend für maritime und
Eisenbahnzwecke) und (1881) 9415 Einw. - T. ist das alte Interamna
Umbrica, angeblich die Vaterstadt des Geschichtschreibers Tacitus,
und enthält von der antiken Stadt noch Ruinen eines
Amphitheaters, eines Sonnentempels etc. In der Nähe der
berühmte Wasserfall des Velino (s. d.). Bei T. wurden 27. Nov.
1798 die Neapolitaner von den Franzosen geschlagen.
Ternströmiaceen, dikotyle, etwa 260 Arten
umfassende, im tropischen Amerika und dem südlichen Asien
einheimische Pflanzenfamilie ausder Ordnung der Cistifloren,
Bäume und Sträucher mit wecselständigen, oft an den
Zweigspitzen in Büscheln stehenden, einfachen, gewöhnlich
lederartigen, immergrünen, meist durchscheinend punktierten,
fiedernervigen Blättern mit am Grund artikuliertem Blattstiel
und meist fehlenden Nebenblättern und mit zwitterigen,
bisweilen durch Fehlschlagen eingeschlechtigen,
regelmäßigen Blüten. Der bisweilen spiralig
geordnete und unbestimmtzählige Kelch ist in andern
Fällen fünfzählig, die freien Blumenblätter
wechseln meist mit den Kelchblättern ab, die zahlreichen
Staubgesäße stehen in mehreren Kreisen oder in fünf
aus einer gemeinsamen Anlage hervorgehenden Bündeln beisammen.
Die 2-5 Fruchtblätter verwachsen stets und tragen im
Innenwinkel zwei Samenknospen. Die Frucht bildet sich zu einer
wand- oder fachspaltigen Kapsel oder beerenartigen Steinfrucht aus.
Vgl. Choisy, Mémoire sur les Ternstroemiacées
("Mémoires de la Société physique", Bd. 14,
Genf). Mehrere Arten der Gattungen Ternstroemia Mut.. Freziera Sw.
u. a. kommen fossil in Tertiärschichten vor. Manche T. werden
als Heilmittel angewendet; die Gattung Thea L. zeichnet sich durch
den Gehalt an Kaffein aus. Beliebte Schmuckpflanzen sind die
japanischen Kamelien (Camellia-Arten).
Terpándros (Terpander), griech. Musiker und
Lyriker aus Antissa auf Lesbos, ist der Schöpfer der
klassischen Musik der Griechen und damit Begründer der
griechischen Lyrik, indem er zuerst den alten choralartigen
Gesängen zu Ehren des Apollon, den sogen. Nomen, durch
regelmäßige Gliederung eine künstlerische
Ausbildung gab und statt der bisherigen viersaitigen Kithara die
siebensaitige erfand. Nach Sparta zur Schlichtung innerer
Zwistigkeiten auf Geheiß des delphischen Orakels berufen,
ordnete er das dorische Musikwesen und siegte 676 v. Chr. in dem
ersten musischen Wettkampf am Feste der Karneen, ebenso zwischen
672 und 648 viermal hintereinander bei den Pythischen Spielen. Von
seinen Dichtungen sind nur wenige Verse erhalten (bei Bergk,
"Poetae lyrici graecl", abgedruckt).
Terpentin (Terebinthina), balsamartige Masse, welche
durch Einschnitte aus den Stämmen von Nadelhölzern
gewonnen wird (s. Fichtenharz). Der gemeine T. wird aus Pinus
maritima Lamb., P. laricio Poir., P. silvestris L., Abies excelsa
Lam. und A. pectinata Dec. sowie aus mehreren amerikanischen Arten
gewonnen. Die Ausbeute ist sehr verschieden. Man rechnet z. B. in
Österreich auf den Stamm jährlich 2 kg T., während
man in Westfrankreich etwa 3,6 kg erhält und starken Fichten,
besonders alleinstehenden, auf deren Erhaltung es nicht weiter
abgesehen ist, in einem Jahr bis 40 kg T. abgewinnen kann. Der
gemeine T. bildet eine mehr oder weniger klare,
gelblichweiße, honigdicke, stark klebende Masse, reagiert
sauer, riecht nach Terpentinöl, ist löslich in Alkohol,
Äther, ätherischen Ölen und in nicht
überschüssiger Kalilauge, enthält 15-30 Proz.
Terpentinöl, Harz, Harzsäuren (Pinarsäure,
Pininsäure, Sylvinsäure, Abietinsäure), wenig
Ameisensäure und Bernsteinsäure. Im frischen T. findet
sich Abietinsäureanhydrid; dies nimmt aber Wasser auf, und es
scheiden sich wetzsteinähnliche Kristalle von
Abietinsäure aus, durch welche der T. trübe und
krümelig wird. Im Handel unterscheidet man: deutschen T. von
kaum bitterm Geschmack; ihm ähnlichen französischen T.,
welcher weniger Terpentinöl enthält; Straßburger T.
von der Weißtanne, welcher bald hell und klar wird,
zitronenartig riecht, sehr bitter schmeckt und 35 Proz.
Terpentinöl enthält; amerikanischen T.,
weißlichgelb, zäh, von kräftigem Geruch, sehr
scharf bitterm Geschmack und geringem Terpen-
597
Terpentinbaum - Terrain.
tinölgehalt. Der venezianische T. von der Lärche
(Larixeuropaea Dec.) wird in Südtirol aus dem Kernholz durch
Bohrlöcher gewonnen, welche man zu Ende des Winters anlegt,
verstopft und erst im Herbst wieder öffnet, um den
angesammelten T. abzuzapfen. Dieser T. ist gelblich bis
bräunlich, fast klar, zähflüssig und scheidet nicht
Kristalle aus. Kanadabalsam von Abies balsamaea Marsh, A. Fraseri
Pursh und A. canadensis Mich., in Nordamerika aus Blasen in der
Rinde dieser Bäume gewonnen, ist vollkommen klar, hellgelb,
riecht angenehm aromatisch, schmeckt bitter, mischt sich mit
absolutem Alkohol, enthält 24 Proz. ätherisches Öl,
scheidet keine Kristalle aus und wird hauptsächlich zur
Darstellung mikroskopischer Präparate benutzt. Unter T.
verstand man im Altertum den Harzsaft der Pistacia Terebinthus, und
erst später wurde der Name auf den Saft der Koniferen
übertragen, den man auch schon im Altertum benutzte. T. gibt
beim Kochen mit Wasser Terpentinöl und hinterläßt
ein Harz (gekochten T., Glaspech), bei Destillation ohne Wasser
Kolophonium. Man benutzt ihn zur Darstellung von Terpentinöl,
Salben, Pflastern, Firnissen, Lacken, Siegellack, Kitt. Vgl.
Winkelmann, Die Terpentin- und Fichtenharzindustrie (Berl.
1880).
Terpentinbaum, s. v. w. Pistacia.
Terpentingallen (Carobbe), s. Pistacia.
Terpentinhydrat, s. Terpentinöl.
Terpentinkiefer, s. Kiefer, S. 714.
Terpentinöl (Terpentinspiritus), ätherisches
Öl, findet sich in allen Teilen der Nadelhölzer aus den
Gattungen Pinus, Picea, Abies, Larix, wird durch Destillation aus
dem Terpentin dieser Bäume gewonnen und zeigt je nach der
Abstammung gewisse Abweichungen in den Eigenschaften, besonders das
direkt durch Destillation der Pflanzenteile mit Wasser gewonnene
Öl (Fichtennadelöl, Templinöl etc.), unterscheidet
sich nicht unwesentlich von dem aus Terpentin gewonnenen. Das rohe
Öl ist dünnflüssig, farblos oder gelblich, klar,
löst sich in 8-10 Teilen Alkohol, verharzt leicht an der Luft
unter Bildung von Ameisensäure und Essigsäure und wird
dickflüssig. Zur Reinigung wird es am besten mit Dampf unter
Zusatz von etwas Ätzkalk rektifiziert (Terpentinspiritus). Es
ist dann farblos, dünnflüssig, riecht stark, schmeckt
brennend, spez. Gew. 0,86-0,89, löst sich in 10-12 Teilen
90proz. Alkohol, mischt sich mit Äther, siedet bei
152-160°; es löst Schwefel, Phosphor, Harz, Kautschuk und
manche andre Körper, absorbiert Sauerstoff, verwandelt ihn
teilweise in Ozon und verharzt allmählich (unter Bildung von
Ameisensäure). T. besteht aus einem Kohlenwasserstoff C10H16.
Bei längerm Stehen mit Wasser bildet es den Terpentinkampfer
(Terpinhydrat, Terpentinhydrat) C10H16. 2H2O+H2O, welcher sich in
farb- und geruchlosen, leicht löslichen Kristallen
ausscheidet. Dieser schmeckt aromatisch, löst sich in 200
Teilen Wasser, in 6 Teilen Alkohol und wird als harntreibendes,
expektorierendes Mittel und gegen Neuralgien benutzt. Mit trocknem
Chlorwasserstoff bildet T. salzsaures T. (künstlichen Kampfer)
C10H17Cl in farblosen Kristallen, welche kampferartig riechen und
schmecken, in Alkohol und Äther löslich sind und bei
115° schmelzen. Öxydierende Substanzen verwandeln T. in
Ameisensäure, Essigsäure, Oxalsäure etc. T. erzeugt
auf der Haut bei längerer Einwirkung Schmerz, Rötung,
Geschwulst und Bläschen; innerlich wirkt es in
größern Gaben giftig, auch beim Einatmen der
Dämpfe; man benutzt es bei Neuralgien, Diphtheritis,
Lungengangräne, Gallensteinkolik, gegen Würmer, bei
Gonorrhöe, Blasenkatarrh, Typhus etc., äußerlich
als reizendes, kräftigendes Mittel, in der Technik zu Lacken,
Firnissen, Anstrichfarben, zum Bleichen des Elfenbeins, früher
auch als Leuchtmaterial. - Künstliches T., s. Erdöl, S.
767.
Terpentinspiritus s. Terpentinöl. Terpentinhydrat [s.
Terpentinöl.]
Terpsichore (die "Tanzfrohe"), eine der neun Musen, später
besonders die Muse der Tanzkunst und des Chorgesanges; führte
in Bildwerken eine große Leier und in der Rechten das
Plektron. Vgl. Musen (mit Abbildung).
Terra (lat.), Erde, Land; T. incognita. unbekanntes Land;
T. firma, Festland; T. di Siena, Sienaerde (s. Bolus); T. foliata
tartari, essigsaures Kali; T. foliata tartari crystallisata,
essigsaures Natron; T.inebriata, glasierte Thonwaren in der Art der
Robbia-Arbeiten; T. japonica, s. Katechu; T. lemnia, Siegelerde (s.
Bolus); T. ponderosa, Schwererde, Baryt; T. sigillata, s. Bolus; T.
tripolitana Tripel; T. umbria, schwarze Kreide.
Terracina (spr. -tschina), Stadt in der ital. Provinz
Rom, Kreis Velletri, am gleichnamigen Golf des Tyrrhenischen Meers,
früher wichtiger Punkt an der Straße von Rom nach
Neapel, ist Sitz eines Bischofs, hat eine Kathedrale (an der Stelle
eines antiken Tempels), Ruinen eines Palastes des Gotenkönigs
Theoderich, einen Hafen, von welchem 1886: 446 beladene Schiffe mit
15,509 Ton. ausliefen, Fischerei, Handel (Ausfuhr von Holzkohle)
und (1881) 6294 Einw. T. ist das alte volskische Anxur an der Via
Appia und hat noch mehrere römische Altertümer. Die
Umgegend ist wegen ungesunder Luft berüchtigt.
Terra cotta (ital.), s. Terrakotten.
Terra di Lavoro, ital. Provinz, s. Caserta.
Terra di Siena, hellbraune Farbe, in der Malerei
vorzugsweise zu Lasuren verwendet.
Terra d'Otranto, ital. Provinz, s. Lecce.
Terra firma (lat.), festes Land, im Gegensatz zu den
Inseln; insbesondere Bezeichnung aller aus dem Festland Italiens
der Herrschaft der Venezianer unterworfenen Landschaften,
nämlich: das Herzogtum Venedig, die venezianische Lombardei,
die Treviser Mark, das Herzogtum Friaul und Istrien. Auch
hieß so (span. Tierra firma) das nördliche
Küstenland Südamerikas (das spätere Kolumbien) und
im engern Sinn die Landenge von Panama.
Terrafirmaholz, s. Rotholz.
Terrain (franz., spr. -ráng, Gelände), eine
Strecke Land von bestimmter Bodenbeschaffenheit, Gestaltung,
Bebauung und Bewachsung, besonders als Schauplatz kriegerischer
Thätigkeit. Einzelne im T. vorhandene, in sich abgegrenzte und
hervorragende Teile, wie Dörfer, Gärten, Waldungen etc.,
nennt man Terraingegenstände. Längere Strecken, deren
Beschaffenheit die Gangbarkeit unterbricht, wie Wasserläufe,
Einsenkungen, Höhenzüge etc., bilden Abschnitte im T. Wo
größere Flüsse oder Ströme, Gebirgsketten,
Sumpf- und Moorgebiete u. dgl. solche Abschnitte trennen, nennt man
letztere auch besondere Kriegstheater. Offen heißt ein T.
ohne die Übersicht hindernde Terraingegenstände im
Gegensatz zum bedeckten T., in welchem Bewachsung und Anbau die
Übersicht hindern. Durchschnitten oder koupiert heißt
das T. im Gegensatz zum reinen, wenn Wasserläufe, Gärten,
Hecken, Mauere etc. die Bewegung hemmen. Über die Darstellung
des Terrains auf Karten etc. s. Planzeichnen. Die Terrainlehre, d.
h. die wissenschaftliche Beurteilung des Terrains nach seiner
Benutzbarkeit für die Verwendung der
598
Terra incognita - Terrakotten.
Truppen im Krieg, bearbeiteten theoretisch: Pönitz (2.
Aufl., Adorf 1855), O'Etzel (4. Aufl., Berl. 1862), Koeler (das.
1865), v. Böhn (Potsd. 1868), v. Waldstätten (3. Aufl.,
Wien 1872), Frobenius (Berl. 1876, 2 Bde.), v. Rüdgisch (Metz
1874), Streffleur (Wien 1876), Ulrich (Münch. 1888) u. a. In
der Geologie ist T. meist gleichbedeutend mit "Formation", z. B. T.
houiller, f. v. w. Steinkohlenformation; T. salifere, s. v. w.
Salzgebirge (Trias formation).
Terra incognita (lat.), unbekanntes Land.
Terrainkurorte, s. Klimatische Kurorte, S. 846.
Terrainwinkel, der Winkel zwischen einer wagerechten und
einer vom Geschützstand nach dem Fußpunkt des Ziels
gedachten Linie. Liegt das Ziel höher als der
Geschützstand, so ist der T. positiv, andernfalls negativ.
Beim Richten mit dem Quadranten muß der erstere vom
Erhöhungswinkel abgezogen, der negative diesem zugerechnet
werden; s. Elevation.