T. weit übertrifft. Die Ornamentation der T. ahmt entweder

die orientalische Sitte nach (besonders die Jacquardteppiche), oder

sie bedeckt die ganze Fläche mit Blumen, Tieren, Architektur

etc. (besonders bedruckte T.). Das erste Prinzip hat sich als das

für T. ästhetisch angemessenste immer mehr Bahn

gebrochen, so daß der Naturalismus in Deutschland, England

und Österreich nur noch die billige Ware beherrscht. In

Frankreich ist dagegen das naturalistische Dessin in den

extravagantesten Formen noch vorherrschend. Gegenwärtig werden

in England, Österreich und Deutschland orientalische T. aller

Art nachgebildet. In Deutschland, welches früher

größtenteils Kettendruckteppiche lieferte, werden auch

T. in Brüsseler und Axminsterart fabriziert (Berlin). Vgl.

Lessing, Alt-orientalische Teppichmuster (Berl. 1877).

Teptjären, eine aus flüchtigen Wolgasinnen und

Tschuwaschen hervorgegangene, jetzt ganz tatarisierte

Völkerschaft im europäischen Rußland, unter den

Baschkiren in den Gouvernements Orenburg und Ufa lebend, 126,000

Köpfe stark.

Ter, Fluß in der span. Provinz Gerona, entspringt

auf den Ostpyrenäen und mündet unterhalb Torroella in das

Mittelländische Meer; 155 km lang.

Teramo, ital. Provinz in der Landschaft der Abruzzen,

grenzt im N. an die Provinz Ascoli-Piceno, im W. an Aquila, im S.

an Chieti und im O. an das Adriatische Meer und hat einen

Flächenraum von 3325, nach Strelbitsky nur 2875 qkm (52,22

QM.) mit (1881) 254,806 Einw. Die Provinz enthält an der

westlichen Grenze den Hauptzug der Abruzzen mit dem Gran Sasso

d'Italia und wird vom Tronto, Tordino, Vomano, Piomba und Pescara

bewässert. Erwerbszweige sind Getreide- (1887: 545,028 hl

Mais, 522,751 hl Weizen), Wein- (483,891 l.l) und Ölbau

(34,852 hl Öl), Seidenzucht, Seefischerei und etwas Industrie.

Längs der Küste zieht die Eisenbahn Ancona-Brindisi hin.

Die Provinz zerfällt in die zwei Kreise Penne und T. - Die

Hauptstadt T., am Tordino und an der Eisenbahn Giulanova-T., hat

eine Kathedrale aus dem 14. Jahrh., ein bischöfliches

Kollegium, Seidenspinnerei, Fabriken für Strohhüte,

Leder, Thonwaren, Möbel etc. und (1881) 8634 Einw., ist Sitz

der Präfektur, eines Zivil- und Korrektionstribunals, einer

Finanzintendanz, eines Bistums und einer Handelskammer. T. gilt

für das alte Interamna (Reste von Thermen, eines Theaters

etc.).

Teras, s. Gallwespen.

Teratolith (Eisensteinmark, sächsische Wundererde),

Mineral, kommt in derben, bläulichen und grauen, matten und

undurchsichtigen Massen vor, Härte 2,5-3, spez. Gew. 2,5,

besteht im wesentlichen aus wasserhaltigem Eisenaluminiumsilikat

und stellt ein Zersetzungsprodukt des sogen. Porzellanjaspis, eines

durch Kohlenbrände umgewandelten Schieferthons, dar, dessen

Pflanzenabdrücke bisweilen noch erkennbar sind. T. findet sich

in der Steinkohle von Zwickau und in der Braunkohle von Zittau und

wurde früher medizinisch benutzt.

Teratologie (griech.), die Lehre von den

Mißbildungen der Pflanzen und Tiere; s. Mißbildung.

Teratom (griech.), eine Balggeschwulst, welche durch

abnorme fötale Entwickelung entsteht und ganze Organe oder

Organteile, Haare, Knorpel, Muskelfasern, Epithelien etc.

einschließt.

Teratoskopie (griech.), s. Zeichendeuter.

Terbene, s. Kamphene und Ätherische Öle.

Terborch (früher Terburg genannt), Gerard,

niederländ. Maler, geboren um 1617 zu Zwolle, war Schüler

seines Vaters Gerard (1584-1662), von dem sich nur Handzeichnungen

erhalten haben, ging 1632 nach Amsterdam und von da nach Haarlem,

wo er zu P. Molyn dem ältern in die Lehre trat, aber mehr von

Frans und Dirk Hals beeinflußt wurde, was sich sowohl in

seinen Bildnissen als in seinen eleganten Sittenbildern zeigt. 1635

trat er in die Lukasgilde zu Haarlem ein, ging aber noch in

demselben Jahr nach England und von da nach Italien.

Zurückgekehrt, hielt er sich eine Zeitlang in Amsterdam auf,

wo er von Rembrandt Einflüsse erhielt, und 1646 ging er nach

Münster, wo er als Porträtmaler während der

Friedensverhandlungen thätig war und unter anderm das

berühmte Bild des Friedenskongresses mit 60 Bildnissen (jetzt

in der Nationalgalerie zu London) malte. Von da ging er nach

Madrid, wo er sich ein Jahr aufhielt und seinen Stil durch das

Studium des Velazquez vervollkommte. 1650 war er wieder in Holland

und ließ sich 1654 in Deventer nieder, wo er später

Bürgermeister wurde und 8. Dez. 1681 starb. T. ist der

geistvollste holländische Sittenmaler, welcher psychologische

Feinheit der Charakteristik mit vornehmer, anmutiger Darstellung

und glänzender koloristischer Behandlung der Stoffe verband

und seinen Genrebildern aus den Kreisen des höhern

Bürgerstandes gern einen novellistischen Inhalt gab. Seine

Hauptwerke dieser Gattung sind: die väterliche Ermahnung (im

Reichsmuseum zu Amsterdam, ein zweites Exemplar in Berlin), die

Konsultation (im Museum zu Berlin), die Lautenspielerin und der

brieflesende Offizier mit dem Trompeter (in der Dresdener Galerie),

die Depesche (im Museum des Haag), die Lautenspielerin und das

musizierende Paar (in der Galerie zu Kassel), die Musikstunde (in

der Nationalgalerie zu London), der Leseunterricht, die Musikstunde

und der Offizier und das Mädchen (im Louvre zu Paris), der

Bote vom Lande, der Liebesantrag, das Glas Limonade und das Konzert

(in der Eremitage zu St. Petersburg) und die

Äpfelschälerin (in der kaiserlichen Galerle zu Wien).

Ausgezeichnete Bildnisse von T. besitzen die Galerien in Amsterdam,

Berlin und im Haag. T. hat auch zahlreiche Handzeichnungen

hinterlassen. Vgl. Bode, Studien zur Geschichte der

holländischen Malerei (Braunschw. 1883); Mons, G. T. en zijne

familie (in der Zeitschrift "Oud Holland" 1886); Lemcke in Dohmes

"Kunst und Künstler", Bd. 2; Michel, G. Terburg et sa famille

(Par. 1888).

Terburg, Maler, s. Terborch.

Terceira (spr. tersse-ira), Insel, s. Azoren.

Terceira (spr. tersse-ira), Antonio José de Souza,

Herzog von, Graf von Villaflor, portug. Marschall, geb. 10.

März 1792 zu Lissabon, stieg im Kriege gegen Napoleon I. bis

zum Stabsoffizier, ging 1817 nach Brasilien, wo er Gouverneur der

Provinz Pará, dann der von Bahia ward, kehrte 1821 mit

König Johann VI. nach Europa zurück und ward 1826 von der

Regentin Isabella zum Marescal de Campo ernannt und gegen den

Parteigänger Dom Miguels, Marquis de Chaves, gesendet. Er

schlug denselben und ward hierauf zum Obergeneral der Nordarmee und

Gouverneur der Provinz Alemtejo erhoben. Als 1828 Dom Miguel die

Regentschaft übernahm, mußte sich T. als eifriger

Chartist vor dem Pöbel auf ein englisches Kriegsschiff

flüchten und ging nach London. Dort bereitete er die

Expedition nach Terceira vor, bemächtigte sich im Juni 1829

dieser Insel, 1830 auch der übrigen Azoren, ward von Dom Pedro

mit dem Oberbefehl der dort gesammelten Truppen betraut und landete

im Juli 1832 in Porto. Am 20. Juni 1833 erhielt er den Oberbefehl

über die Expedition

593

Tercerones - Terentius.

nach Algarve und ward zum Herzog von T. ernannt. Er schlug im

Juli das miguelistische Heer bei Almada und besetzte 24. d. M.

Lissabon. Im März 1834 von Dom Pedro mit dem Oberbefehl in

Porto betraut, reinigte er die nördlichen Provinzen

völlig von den Miguelisten und wurde im April 1836 an die

Spitze des Ministeriums berufen, mußte aber bald den

Absolutisten weichen. Erst 1842 und 1843 nach Herstellung der

Charte trat er wieder ans Ruder, ohne sich indes lange behaupten zu

können. Mit Saldanha leitete er im Oktober 1846 die

Konterrevolution im monarchischen Sinn, ward aber bei dem Versuch,

Porto zu beruhigen, von den Insurgenten gefangen genommen und erst

im Juni 1847 wieder freigegeben. Im März 1850 ward er zum

Kommandanten der 1. Armeedivision in Lissabon und im März 1859

wieder zum Präsidenten des Kabinetts ernannt, starb aber schon

26. April 1860.

Tercerones (span.), Ankömmlinge von einem

Europäer und einer Mulattin.

Terdschuman (Terguman, daraus entstanden Dragoman),

Dolmetsch, Übersetzer; Diwanterdschumani, der offizielle

Übersetzer der Hohen Pforte, ehedem ein ausschließlich

christliches Amt und zugleich Titel der Hospodare der Moldau und

Walachei; T.-efendi, der Dolmetsch des Sultans während des

Empfangs europäischer Gesandten; T.-odasi,

Übersetzungsbüreau der Hohen Pforte. Vgl. Dolmetsch.

Tereben, chem. Verbindung, entsteht bei Vermischung von

Terpentinöl mit konzentrierter Schwefelsäure und

wiederholter Destillation, bildet ein schwach gelbliches Öl,

siedet bei 156°, riecht thymianähnlich und dient als

desinsizierendes und antiseptisches Mittel.

Terebinthe, s. v. w. Terpentinpistacie, s. Pistacia.

Terebinthineen (Terebinthaceen, Anakardiaceen,

Balsamgewächse), dikotyle, etwa 450 Arten umfassende,

hauptsächlich in der Tropenzone einheimische, aber auch in

Südeuropa vertretene Pflanzenfamilie aus der Ordnung der

Terebinthinen, Milchsaft führende Bäume und

Sträucher mit wechselständigen, ungeteilten oder

handförmig dreizähligen oder unpaarig gefiederten,

nebenblattlosen Blättern und meist durch Fehlschlagen

eingeschlechtigen, ein- oder zweihäusigen, seltener

zwitterigen, regelmäßigen, meist kleinen und

unansehnlichen Blüten, welche end- oder achselständige

Rispen oder Ähren bilden und einen variabeln Bau besitzen. Als

Grundtypus ist eine fünf- oder vierzählige Blüte mit

doppeltem Staubblattkreis und reduzierter Zahl der

Fruchtblätter (meist drei) anzusehen, von denen

gewöhnlich nur eins den Ovarteil ausbildet. Zwischen

Staubblättern und Karpiden befindet sich ein ring- oder

becherförmiger Diskus; letztere sind stets eineiig. Vgl.

Marchand, Révision du groupe des Anacardiacées (Par.

1869). - Eine Reihe von Arten aus den Gattungen Pistacia L., Rhus

L., Anacardites Sap. u. a. kommen fossil in Tertiärschichten

vor. Offizielle Anwendung finden die Blätter des Giftsumachs

(Rhus Toxicodendron) aus Nordamerika, das Harz (Mastix) der auf den

griechischen Inseln einheimischen Pistacia Lentiscus und die durch

ihre eigentümliche Gestalt bekannten Früchte der

tropischen Anacardium occidentale und orientale, die sogen.

Elefantenläuse. Gegessen werden die Früchte der

südeuropäischen und im Orient wachsenden Pistacia vera.

Die Rinde der südeuropäischen Rhus coriaria findet in der

Gerberei Anwendung. Die nahe verwandten Burseraceen unterscheiden

sich von den T. hauptsächlich durch zwei hängende,

anatrope Eichen in jedem Fach und durch die meist gefalteten und

gerollten Kotyledonen. Die ungefähr 150 Arten sind ebenfalls

in den Tropen einheimisch und zeichnen sich durch ein balsamisches

Harz aus.

Terebinthinen, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem

unter den Dikotyledonen, Choripetalen, charakterisiert durch meist

zwei Staubgefäßkreise und einen zwischen Fruchtknoten

und Staubgefäßen stehenden Blütendiskus,

umfaßt die Familien der Terebinthaceen, Burseraceen,

Rutaceen, Diosmeen, Zygophyllaceen und Simarubaceen.

Terebrateln (Terebratula Cuv.), Brachiopodengattung,

welche schon in der devonischen Formation vorkommt, dann aber ganze

Schichten des Muschelkalks bildet, am zahlreichsten in der

Juragruppe erscheint und auch jetzt noch in den Meeren vertreten

ist (s. Tafeln "Triasformation I" und "Juraformation I"). Vgl.

Krötensteine und Brachiopoden.

Teredo. Bohrwurm, s. Bohrmuscheln.

Terek, Fluß in der russ. Statthalterschaft

Kaukasien, bildet sich unweit des Kasbek aus den Gletschern der

Berge Sûrchu-Barsom, Siwera-uta und Silpa-Choch,

durchströmt in nordwestlicher Richtung die Kabarda und wendet

sich bei Jekaterinograd, wo er die Ebene erreicht, plötzlich

ostwärts, später nordostwärts, spaltet sich bei

Kisljar, ein großes, bis 110 km breites sumpfiges Delta

bildend, in drei Hauptarme und mündet nach 480 km langem Lauf

in das Kaspische Meer. Der südlichste dieser Arme, Neuer T.

genannt, fällt in die Agranbucht. Schiffbar ist der T.

nirgends. An seinen Ufern, von Mosdok an aufwärts, haben die

Russen eine Reihe kleiner Festungen angelegt, die sogen. Tereksche

Linie, deren Hauptpunkt Wladikawkas bildet, und die bis Dariel

reichen, dem Hauptpaß über den mittlern Kaukasus nach

Tiflis.

Terekgebiet (Terscher Landstrich), Gebiet in der russ.

Statthalterschaft Kaukasien, am Nordabhang des Kaukasus und

durchflossen vom Ter, nach welchem es den Namen führt, 60,988

qkm (1108 QM.) groß mit (1883) 678,110 Einw., von denen die

eingebornen Tschetschenzen, Kabardiner, Ossetinen, Kumüken den

südlichen gebirgigen, die Russen (meist Kosaken) aber den

nördlichen flachen Teil bewohnen. Hauptort ist Wladikawkas,

wohin von Rostow die Eisenbahn führt.

Terentianus Maurus, lat. Grammatiker, aus Afrika

gebürtig, lebte wahrscheinlich zu Ende des 3. Jahrh. n. Chr.

und ist Verfasser eines in vielfachen Versmaßen

abgefaßten Lehrgedichts: "De literis, syllabis, metris", das

bei den Alten in hohem Ansehen stand. Ausgaben von Lachmann (Berl.

1836) und Keil ("Grammatici latini", Bd. 6, Leipz. 1874).

Terentius, Publius, mit dem Beinamen Afer ("Afrikaner"),

röm. Lustspieldichter, geb. 185 v. Chr. angeblich zu Karthago,

kam in früher Jugend als Sklave in das Haus des römischen

Senators Terentius Lucanus, welcher ihm eine sorgfältige

Erziehung geben ließ und später die Freiheit schenkte.

T. ward der Lieblingsdichter der höhern Stände und Freund

der bedeutendsten Männer seiner Zeit, namentlich des

jüngern Scipio Africanus. Auf einer Reise nach Griechenland

starb er 159. Wir besitzen von T. sechs Lustspiele, von denen vier

nach Menander, zwei nach Apollodor gearbeitet sind: "Andria" (hrsg.

von Klotz, Leipz. 1865; von Spengel, 2. Ausg., Berl. 1889),

"Eunuchus", "Heautontimorumenos" (hrsg. von Wagner, das. 1872),

"Phormio" (hrsg. von Dziatzko, 2. Aufl., Leipz. 1885), "Hecyra",

"Adelphi" (hrsg. von Spengel, Berl. 1879, und Dziatzko, Leipz.

1881). Vor Plautus zeichnet sich T. durch kunstgerechtere Anlage,

feinere Charakteristik und Eleganz der Form

594

Terentius Barro - Terminrechnung.

aus, steht ihm aber an Kraft und Witz nach, wie er auch hinter

der Lebensfrische seines Vorbildes Menander zurückblieb. In

der Sprache wußte er, der geborne Afrikaner, so den seinen

Umgangston zu treffen, daß seine Neider behaupteten, seine

hohen Gönner wären ihm bei der Arbeit behilflich gewesen.

Seine bis ins Mittelalter vielgelesenen Stücke wurden von den

Grammatikern mehrfach kommentiert (s. Donatus 1) und neben Vergil

am häufigsten als Fundgrube für grammatische Beispiele

benutzt. Gesamtausgaben besorgten Bentley (Cambr. 1726, Amsterdam

1727; zuletzt wiederholt von Vollbehr, Kiel 1846), Westerhov (Haag

1726, 2 Bde.), Fleckeisen (Leipz. 1857), Umpfenbach (kritische

Hauptausgabe, Berl. 1870), Dziatzko (Leipz. 1884). Die älteste

Übersetzung erschien 1499 zu Straßburg: "T. der

hochgelahrte Poet. Zu tütsch transferiert nach dem Text und

nach der Gloss" (mit Holzschnitten). Neuere Übertragungen

lieferten: Benfey (Stuttg. 1837 u. 1854), Jakob (Berl. 1845),

Herbst (2. Aufl., das. 1888) und Donner (Stuttg. 1864, 2 Bde.).

Vgl. Francke, T. und die lateinische Schulkomödie in

Deutschland (Weim. 1877); Conradt, Die metrische Komposition der

Komödien des T. (Berl. 1876).

Terentius Varro, s. Varro.

Tereus, nach griech. Mythus König von Daulis, Gemahl

der Prokne und Schwager der Philomela, die von ihm geschändet

ward (s. Philomela), wurde schließlich in einen Wiedehopf

(oder Habicht) verwandelt.

Tergeste, Stadt, s. Trieft.

Tergiversieren (lat.), Ausflüchte, Winkelzüge

machen; eine Sache hinausziehen.

Terglou (Triglaw), Gebirgsstock im nördlichen Teil

der Julischen Alpen (s. d.), mit der höchsten der drei

zuckerhutartigen Spitzen bis zu 2865 m emporsteigend. Von ihm

fließen die Gewässer drei Flüssen zu: der Drau

(Gailitz), Isonzo und Save; er teilt auch drei Sprach- und

Völkergebiete: Deutsche, Slawen, Italiener. Erstiegen wurde er

zuerst 1778 vom Arzt Willonitzer, seitdem insbesondere 1822 von

Hauptmann Bosio behufs Vermessungsarbeiten. Gegenwärtig ist

die Besteigung durch einen verbesserten Weg und eine

Unterkunftshütte erleichtert.

Tergnier (spr. ternjeh), Dorf imfranz. Departement Aisne,

Arrondissement Laon, wichtiger Knotenpunkt der Nordbahn (Linie

Paris-Jeumont mit Abzweigungen nach Amiens und Laon), mit

Eisenbahnwerkstätten, Zuckerfabrik und (1881) 3536 Einw.

Terlan, Dorf in Südtirol, Bezirkshauptmannschaft

Bozen, an der Etsch und der Bozen-Meraner Bahn, mit gotischer

restaurierter Kirche, berühmtem Weinbau und (1880) 1315 Einw.

In der Nähe die Ruinen der Burg Maultasch.

Terlizzi, Stadt in der ital. Provinz. Bari, Kreis

Barletta, 12 km vom Adriatischen Meer, mit Ringmauern und Kastell,

Wein- und starkem Mandelbau und (1881) 20,442 Einw.

Terme (franz.), Grenzstein; viereckiger schlanker

Pfeiler, der oben oft in eine Büste ausläuft; auch s. v.

w. Ausdruck, Kunstwort (terminus). Hermes, Termite.

Termin (v. lat. terminus "Grenze", Tagfahrt), Zeitpunkt,

zu welchem eine bestimmte Handlung, namentlich eine Rechtshandlung,

vorgenommen werden muß, im Gegensatz zur Frist, binnen

welcher dies zu geschehen hat. Die Folgen der Versäumnis eines

Termins, welche den Ungehorsamen (contumax) treffen, richten sich

nach dem in der Ladung angedrohten Rechtsnachteil.

Terminaliia L., Gattung aus der Familie der Kombretaceen,

Bäume und Sträucher mit wechsel-, selten fast

gegenständigen Blättern, kleinen, meist grünen oder

weißen Blüten in lockern Ähren, selten in

Köpfchen, und eiförmiger, kantig zusammengedrückter

oder zwei- bis fünfflügeliger Steinfrucht. 80-90 Arten.

T. Catappa L., in Ostindien, dort und in Westindien kultiviert,

liefert Samen, die wie Mandeln benutzt werden. T. Chebula Retz

(Myrobalanus Chebula Gärtn., s. Tafel "Gerbmaterialien

liefernde Pflanzen"), in Ostindien, liefert die

gerbsäurehaltigen Myrobalanen (s. d.). Auch die Früchte

von T. citrina Roxb., T. belerica Roxb. und andern Arten kommen als

Myrobalanen in den Handel.

Terminalien (lat.), s. Terminus.

Terminei (lat.), abgegrenzter Bezirk.

Termingeschäft, Terminkauf, s. v. w.

Lieferungsgeschäft und Lieferungskauf (s. diese Artikel).

Terminieren (lat.), begrenzen, festsetzen; als

Bettelmönch Gaben sammelnd umherziehen. Terminismus, s. v. w.

Determinismus.

Termini Imerese, Kreishauptstadt in der ital. Provinz

Palermo (Sizilien), in herrlicher Lage an der Mündung des San

Lionardo (auch Fiume T.) ins Tyrrhenische Meer und an der Eisenbahn

Palermo-Girgenti, hat eine Hauptkirche im Renaissancestil, ein

Tribunal, Hauptzollamt, Gymnasium, Lyceum, eine technische Schule,

Bibliothek und (1881) 22,733 Einw.. die sich besonders mit

Thunfisch- und Sardellenfang, Handel (Ausfuhr von Schwefel,

Fischen, Gemüsen, getrockneten Früchten) und Schiffahrt

beschäftigen. Vom Hafen von T. liefen 1886: 552 Schiffe mit

21,805 Ton. aus. An Stelle des 1860 geschleiften Kastells wurde ein

Garten angelegt. Ostwärts im untern Stadtgebiet liegen stark

besuchte Bäder (die antiken Thermae Himerenses), welche reiche

Mengen an kohlensaurem und schwefelsaurem Kalk, Chlormagnesium und

Kochsalz nebst freiem Schwefelwasserstosfgas bei einer Temperatur

von 44° C. enthalten und gegen Rheumatismus, Hautkrankheiten

und Nervenleiden benutzt werden. Von der alten Stadt sind noch

Reste eines Amphitheaters, eines Aquädukts u. a.

vorhanden.

Terministischer Streit, Streit über die Ausdehnung

der von Gott dem Sünder gestatteten Gnadenzeit, hervorgerufen

1698 durch die vom Diakonus Böse in Sorau aufgestellte und von

Leipziger Professoren unterstützte Behauptung, daß die

göttliche Gnade jedem Menschen zu seiner Bekehrung nur bis zu

einem gewissen Termin offen stehe, während die Wittenberger

und Rostocker Theologen eine Bekehrung auch noch im Todeskampf

für möglich hielten. Vgl. Hesse, Der terministische

Streit (Gießen 1877).

Terminologie (lat. -griech.), Inbegriff der

sämtlichen in einer Wissenschaft, einer Kunst, einem Handwerk

etc. gebrauchten Fach- oder Kunstausdrücke (termini technici);

auch die Lehre von solchen Kunstausdrücken und ihre

Erklärung.

Terminrechnung (Termin-Reduktionsrechnung), die

Berechnung eines gemeinschaftlichen mittlern Zahlungstermins

für mehrere zu verschiedenen Zeiten fällige

unverzinsliche Kapitalien. Die gewöhnliche Regel, nach der man

im kaufmännischen Verkehr, wo es sich um kurze Termine

handelt, stets rechnet, besteht darin, daß man jedes Kapital

mit seiner Verfallzeit multipliziert, die Summe aller Produkte

bildet und sie mit der Summe der Kapitalien dividiert. Sind also

1200 Mk. in einem Jahr, 800 Mk. in 2 Jahren, 1500 Mk. in 4 Jahren

und 2500 Mk. in 5 Jahren zahlbar, so hat man 1200.1 + 800.2 +

1500.4

595

Terminus - Termiten.

+ 2500.5 = 21,300, und der mittlere Zahlungstermin für die

Gesamtsumme von 6000 Mk. ist daher x = 21300/6000 = 3 11/20 Jahre

oder 3 Jahre 6 Monate 18 Tage. Dieses durch Einfachheit sich

auszeichnende Verfahren wird oft mit Unrecht für falsch

erklärt; es findet seine vollständige Rechtfertigung

darin, daß bei Anwendung desselben der Gläubiger, wenn

er jedes Kapital am Tag des Empfangs verzinslich anlegt, zuletzt an

Kapital und Zinsen dieselbe Summe in der Hand hat, wobei es

gleichgültig ist, ob die ursprünglichen Termine

innegehalten werden, oder ob die ganze Summe auf einmal gezahlt

wird.

Terminns (lat.), Grenz- oder Markstein; sodann der Gott,

unter dessen Obhut die Grenze gestellt war, daher Beschützer

des Eigentums, dem alle Grenzsteine heilig waren, weshalb das

Setzen derselben stets unter religiösen Zeremonien geschah.

König Numa stiftete ihm zu Ehren ein besonderes Fest, die

Terminalien, welche 23. Febr., als dem Ende des altrömischen

Jahrs, gefeiert wurden. In dem Jupitertempel auf dem römischen

Kapitol befand sich ein ihm geweihter Grenzstein, der beim Bau des

Tempels nicht hatte weichen wollen. Später ist T. auch Beiwort

des Jupiter. Die Darstellungen des T. auf römischen Denaren

sind stets in Form von Hermen gehalten. In der Sprache der Logiker

ist T. s. v. w. Begriff (s. Schluß); in England Bezeichnung

der großen Zentralbahnhöfe (s. v. w. Endstation).

Terminus technicus (lat.), s. v. w. Kunstausdruck.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 172 / 302 段