Tennessee (spr. -ssih, abgekürzt Tenn.), einer der

Vereinigten Staaten von Nordamerika, grenzt gegen N. an Kentucky

und Virginia, gegen O. an Nordcarolina, gegen S. an Georgia,

Alabama und Mississippi, gegen W. an Arkansas und Missouri. Der

Osten von T. ist ein Gebirgsland, gebildet von Parallelzügen

der Appalachischen Gebirge, die im Clingman's Dome (2080 m)

kulminieren, und zwischen welchen sich die teilweise sehr

fruchtbaren Thäler des obern Tennessee und seiner

Nebenflüsse ausdehnen. Das mittlere T. ist wellenförmig

und vorzüglich zum Ackerbau geeignet, der westliche Teil fast

durchgehend eben, mit ausgedehnten Strecken Alluviallandes, auf

welchem Baumwolle und Tabak gut gedeihen. Der Mississippi bildet

die Westgrenze, und der bedeutendste Fluß des Staats ist der

ihm indes nur teilweise angehörende Tennessee; er sowie der

Cumberland münden in den Ohio. Das Klima ist

verhältnismäßig sehr mild und angenehm. T. hat ein

Areal von 108,905 qkm (1977,8 QM.) mit (1880) 1,542,329 Einw.,

worunter 103,151 Farbige. Die öffentlichen Schulen wurden 1886

von 383,507 Kindern besucht; 27 Proz. der über zehn Jahre

alten Weißen und 71 Proz. der Neger können nicht lesen.

An höhern Bildungsanstalten bestehen 18 Universitäten und

Colleges. Die Landwirtschaft beschäftigt 66, die Industrie nur

8 Proz. der Bevölkerung. 3,440,000 Hektar waren 1880

landwirtschaftlich verwertet. Neben Mais, Weizen, Hafer, Bataten

und Kartoffeln baut man namentlich Tabak (1880: 29 Mill. Pfd.) und

Baumwolle (33,621 Ballen). An Vieh zählte man 1880: 266,000

Pferde, 173,000 Maultiere, 783,000 Rinder, 673,000 Schafe und

2,160,000 Schweine. Der Bergbau befaßt sich mit

Förderung von Steinkohlen (1886: 1,700,000 Ton.), Eisenerz

(199,166 T. Roheisen), Zinkerz (1880: 3699 T.), Bleierz (60 T.),

Kupfer (1370 Ztr.) und Gold (1998 Doll.). Die 4326 gewerblichen

Anstalten beschäftigten 1880: 22,446 Arbeiter. Am wichtigsten

sind die Getreidemühlen, Sägemühlen, Eisen- und

Stahlwerke (3077 Arbeiter), Wagenbauwerkstätten,

Gießereien u. Lederfabriken. Auch die Baumrvoll- und

Wollefabrikation (zusammen 1480 Arbeiter) fängt an von

Bedeutung zu werden. An Eisenbahnen hat der Staat 1887: 4520 km.

Die gegenwärtige Verfassung ist die 26. März 1870

angenommene, nach welcher alle männlichen, über 21 Jahre

alten Einwohner, ohne Unterschied der Farbe, das Stimmrecht haben.

Die General Assembly besteht aus einem Senat von 33 und einem

Repräsentantenhaus von 66 Mitgliedern, welche alle zwei Jahre

neu gewählt werden. Die fünf Richter des Obergerichts

sowohl als die Richter der Kreisgerichte werden vom Volk auf acht

Jahre gewählt. Die Finanzen waren bis zum Ausbruch des

Bürgerkriegs in gutem Zustand, aber infolge desselben und der

darauf eingetretenen Anarchie war die Staatsschuld 1874 auf 24

Mill. Doll. angewachsen. Man fundierte dieselbe 1883 auf die

Hälfte, so daß dieselbe 1888 nur 18 Mill. Doll. betrug,

und hat überhaupt erfolgreiche Anstrengungen gemacht,

geordnete Zustände herbeizuführen. Die politische

Hauptstadt ist Nashville. - Das Gebiet des Staats T. war

ursprünglich in den 1664 von Karl II. für Nordcarolina

erteilten Freibrief mit eingeschlossen, doch fanden bis 1757 keine

Ansiedelungen jenseit der Alleghanies statt. 1790 trat Nordcarolina

das Gebiet an die Bundesregierung ab, welche eine

Territorialregierung daselbst errichtete. 1796 wurde T. als Staat

in die Union aufgenommen. Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs

1862 erklärte sich T. nur vorübergehend und teilweise

für die konföderierten Staaten, war aber 1862 und 1863

mehrfach der Schauplatz blutiger Kämpfe. Vgl. Phelan, History

of T. (Boston 1888).

Tenngler, Ulrich, deutscher Jurist, geboren um die Mitte

des 15. Jahrh. zu Haidenheim bei Nördlingen, bekleidete

1479-83 das Amt eines Stadtschreibers zu Nördlingen und war

dann bis zu seinem 1510 oder 1511 erfolgten Tod Landvogt in

Höchstädt. Er versaßte den sogen. "Layenspiegel"

(Augsb. 1509 u. öfter, seit 1516 häufig mit dem von

Seba-

589

Tennis - Tenorino.

stian Brant herausgegebenen "Klagspiegel" gedruckt), eine

systematische Realencyklopädie der populären Jurisprudenz

für die Praxis, welche länger als ein halbes Jahrhundert

die deutsche Rechtsprechung beherrschte und am nachhaltigsten

für die Einbürgerung der fremden Rechte gewirkt hat.

Tennis, Ballspiel, s. Lawn Tennis.

Tennstedt, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt,

Kreis Langensalza, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein

Schwefelbad, eine Papierfabrik, eine Dampfbierbrauerei und (1885)

2952 evang. Einwohner. Vgl. Roßbach, Das Schwefelbad T. (Erf.

1880).

Tennyson (spr. tennis'n), Alfred, engl. Dichter, geb. 6.

Aug. 1809 zu Somerby in Lincolnshire als der Sohn eines

Geistlichen, studierte zu Cambridge und gab bereits 1827 anonym mit

seinem Bruder Charles die "Poems of two brothers", dann 1830 die

Sammlung "Poems, chiefly lyrical" heraus, die aber wenig Beifall

fand, obschon in Einzelheiten, wie in "Mariana, recollections of

the Arabian nights" und "Claribel", poetischer Genius nicht zu

verkennen war. Auch ein zweiter Band Gedichte (1833) erfuhr von der

Kritik ziemlich unfreundliche Behandlung. Erst mit den zwei

Bänden "Poems", die 1842 erschienen, viele Auflagen erlebten

und zum Teil Überarbeirungen früherer Poesien, zum Teil

Neues enthielten, hatte T. Erfolg, und verschiedene darunter, wie

"Morte d'Arthur", "Godiva" (deutsch von Feldmann, 2. Aufl., Hamb.

1872), "The May Queen", "The gardener's daughter", gehören zu

den schönsten Schöpfungen Tennysons. Insbesondere ist

"Locksley Hall" (deutsch von Freiligrath) durch Tiefe und

Großartigkeit ausgezeichnet. Tennysons nächstes Werk:

"The princess, a medley" (1847), das reizende lyrische Bestandteile

hat, erzählt von einem Prinzen und einer Prinzessin, die nach

dem Willen der Eltern einander heiraten sollen, ohne sich gesehen

zu haben, und ist halb realistisch, halb phantastisch gehalten.

1850 gab er einen Band Gedichte unter dem Titel: "In memoriam"

(deutsch von Waldmüller, 4. Aufl. 1879) heraus, welche, dem

Andenken an einen verstorbenen Freund (Arthur Hallam, den Sohn des

Historikers) gewidmet, das Seelenleben des Dichters und die

Weichheit seines Gemüts entfalten. Neuen Beifall erwarb der

inzwischen (1851) zum Poet laureate ernannte Dichter mit der "Ode

on the death of the duke of Wellington" (1852), der Dichtung

"Maude" (1855, darin die gewaltige "Charge of the light brigade"),

namentlich aber mit den "Idylls of the king" (1858; deutsch von

Feldmann, 2. Aufl., Hamb. 1872), einem auf den sagenhaften

Britenkönig Arthur bezüglichen Romanzencyklus, der eine

Ergänzung fand durch die Bände: "The Holy Grail" (1869),

"Tristam and Iseult" (1871), "Gareth and Lynette" und "The last

tournament" (1872), welch letztere aber in der Lesewelt nicht mehr

den Anteil erweckten, dessen die frühern Stücke sich

erfreuten. Diese in fünffüßigen Jamben

geschriebenen Idylle bilden ein großes Ganze. Zwischen das

Erscheinen der Arthur-Idyllen fallen die Dichtungen: "Enoch Arden"

(1864) und "The Window, or the songs of the Wren" (1870).

Später versuchte er sich auch im Drama mit "Queen Mary" (1875)

und "Harold" (1876; deutsch vom Grafen Wickenburg, Hamb. 1880),

"The Falcon" (1879), "The Cup" (1881), "The promise of May" (1882)

und "Beckett" (1884). Weitere Veröffentlichungen Tennysons

sind: "The lover's tale" (1879), worin er auf Jugenderzeugnisse

zurückgreift, um sich unberechtigter Publikation durch Dritte

zu erwehren; "Ballads and other poems" (1880); die poetische

Erzählung "Tiresias" (1885) und "Locksley Hall, sixty years

after" (1886; deutsch, Gotha 1888). Tennysons poetische Richtung

ist vorwiegend kontemplativ, weniger aufs Erhabene gerichtet;

meisterhaft sind seine Schilderungen des Natur- und Seelenlebens.

Die Universität Cambridge hat T., der seit 1869 auf einem

Landsitz in der Nähe von Petersfield in Hampshire lebt, durch

Aufstellung seiner Büste in der Bibliothek der Trinity Hall

geehrt, Oxford durch Verleihung des Doktorgrades; 1884 wurde er von

der Königin als Baron T. von Altworth zum Peer ernannt. Seine

gesammelten Werke: "Poetical works", erschienen zuletzt 1886 in 10

Bänden, die "Dramatic works" 1887 in 4 Bänden.

Ausgewählte Dichtungen von T. in deutscher Übersetzung

gaben Freiligrath (in "Englische Gedichte aus neuerer Zeit",

Stuttg. 1846), Hertzberg (Dess. 1854) und Strodtmann (Hildburgh.

1867) heraus. Letztere Ausgabe enthält auch das ungemein

beliebte Gedicht "Enoch Arden", welches außerdem noch von R.

Waldmüller (30. Aufl., Hamb. 1888) u. a. übersetzt ward.

Vgl. Wace, Alfred T. (Lond. 1881).

Tenor (lat.), der ununterbrochene Lauf einer Sache;

Haltung, Inhalt (eines Aktenstücks, eines Gesetzes etc.). Uno

tenore, in einem fort.

Tenor (ital. Tenore, franz. Taille), die hohe

Mannerstimme, die sich jedoch von der tiefern (dem Baß) nicht

wie der Sopran vom Alt durch das Überwiegen eines hohen

Registers über ein tiefes unterscheidet; die sogen. Kopfstimme

kommt bei Männerstimmen nur ausnahmsweise und als Surrogat zur

Verwendung, die eigentlichen vollen Töne des

Männergesangs vom tiefsten Baß bis zum höchsten T.

werden durch dieselbe Funktion der Stimmbänder erzeugt wie die

sogen. Brusttöne der Frauenstimmen (vgl. Register). Man

unterscheidet zwei Hauptgattuugen von Tenorstimmen, sogen. lyrische

und Heldentenöre. Der Heldentenor entspricht etwa dem

Mezzosopran, d. h. er hat nur einen mäßigen Umfang (vom

klein c-b'), zeichnet sich durch eine kräftige Mittellage und

ein baritonartiges Timbre aus; der lyrische T. hat ein viel

helleres, fast an den Sopran gemahnendes Timbre und in der Regel

eine kraftlosere Tiefe, dafür aber nach der Höhe einen

ausgiebigern Umfang (c'', cis''). - T. heißt auch der Part in

Vokal-und Instrumentalkompositionen, welcher für die

Tenorstimme bestimmt ist, resp. ihr der Höhenlage nach

entspricht; auch Instrumente, welche diesen Umfang haben,

heißen Tenorinstrumente, so die Tenorposaune, das Tenorhorn,

früher die Tenorviola etc. - Der Name T. (eigentlich s. v. w.

fortlaufender Faden) wurde zuerst im 12. Jahrh., als der Diskantus

aufkam, der dem Gregorianischen Gesang entnommenen Hauptmelodie

beigelegt, gegen welche eine höhere diskantierte (abweichend

sang); so wurde T. der Name der normalen Mittelstimme und Diskantus

der der hohen Gegenstimme. Später gesellte sich als

Stütze (basis) der Baß und als weitere Füllstimme

der contratenor (Gegentenor), welcher auch alta vox, altus (hohe

Stimme) genannt wurde, während der Diskant dann zum supremus,

soprano (der "höchste") wurde.

Tenorhorn (ital. Corno cromatico), tubaartiges

Messinginstrument mit dem Umfang vom großen As bis zum

zweigestrichenen c, hauptsächlich bei Militärmusik

gebräuchlich.

Tenorino (ital., "kleiner Tenor"), Bezeichnung der

facettierenden Tenore (spanischen Falsettisten), welche vor

Zulassung der Kastraten (s. d.) die Knabenftimmen in der

Sixtinischen Kapelle und anderweit vertraten. Später nannte

man sie im Gegenssatz

590

Tenorist - Teplitz.

zu den auf widernatürliche Weise konservierten Sopranisten

und Altisten Alti naturali (vgl. Alt).

Tenorist, Tenorsänger (s. Tenor).

Tenorit, s. v. w. Schwarzkupfererz, s.

Kupferschwärze.

Tenorschlüssel, der c'-Schlüssel auf der

vierten Linie, welche dadurch Sitz des c' wird:

[Siehe Graphik]

gleich:

[Siehe Graphik]

Tenos, Insel, s. Tinos.

Tenotomie (griech.), Sehnendurchschneidung (s. d.).

Tension (lat.), Spannung der Gase und Dämpfe.

Tentacuiites, s. Schnecken, S. 573.

Tentakeln (Fühlfäden), s. Fühler.

Tentakulitenschiefer, s. Silurische Formation.

Tentamen (lat.), s. v. w. Examen, jedoch gewöhnlich

eine nur vorläufige, minder eingehende Prüfung, die als

solche hier und da dem eigentlichen Examen vorausgeschickt zu

werden pflegt.

Tente d'abri (franz., spr. tangt dabrih, "Schutzzelt"),

das im franz. Heer bisher gebräuchliche Lagerzelt für 2

Mann, 1878 für Europa abgeschafft.

Tenthredinidae, Familie aus der Ordnung der

Hautflügler, s. Blattwespen.

Tentyris, alte ägypt. Stadt, s. Dendrah.

Tenue (franz., spr. t'nüh), Haltung, Führung;

Kleidung; en (grande) t., im Paradeanzug, in Gala; petite t.,

Dienst-, Interimsuniform.

Tenuirostres, s. Dünnschnäbler.

Tenuis (lat.), alte Bezeichnung der tonlosen Konsonanten

p, t, k. Vgl. Media.

Tennität (lat.), Dünnheit;

Geringfügigkeit.

Tenuta (ital.), Landgut, Gehöft.

Tenuto (ital., abgek. ten., "ausgehalten"), musikalische

Vortragsbezeichnung besonders in Verbindung mit einem dynamischen

Zeichen, z. B. f ten., in gleicher Stärke ausgehalten (nicht

diminuendo), gilt stets nur für einen Ton oder Akkord.

Tenzone (ital.), Wett- oder Streitgesang; bei den

Provençalen eine Art poetischer Witzspiele (s.

Provençalische Sprache und Litteratur, S. 425). Vgl. Zenker,

Die provenzalische T. (Leipz. 1888).

Teokalli, die Tempelbauten der alten Mexikaner, s.

Amerikanische Altertümer, S. 482.

Teong, Längenmaß in Birma, = 0,485 m.

Teos, im Altertum ionische Stadt an der Küste von

Lydien in Kleinasien, nordwestlich von Ephesos, mit berühmtem

Dionysostempel, war Geburtsort des Anakreon (des "teischen

Sängers") und trieb bedeutenden Handel bis nach Ägypten.

Ruinen beim heutigen Sighadschik.

Teotihuacan (San Juan de T.), Indianerortschaft, 50 km

nordöstlich von Mexiko, mit zwei 55 m hohen und zahlreichen

kleinern Opferpyramiden und (1880) 4028 Einw. (im Munizipium).

Tepe (türk.), Spitze, Anhöhe.

Tepejilote, s. Chamaedorea.

Tepekermen, Berg auf der Halbinsel Krim, unweit

Baktschisarai, erhebt sich in Gestalt eines einzeln stehenden

Kegels, auf dessen kahlem Gipfel Überreste alter Bauwerte

sichtbar und etwas niedriger auf einer nach N. gerichteten

Böschung einige Reihen Höhlen sind, zu denen der Zugang

sehr schwierig ist. In einer derselben hat man viele Knochen, in

einer andern Spuren einer Kirche entdeckt.

Tepeleni, heruntergekommenes Städtchen im türk.

Wilajet Janina, links an der Viosa unterhalb Argyrokastrons,

bekannt als Geburtsort und Lieblingsaufenthalt Ali Paschas von

Janina, dessen dortiger prächtiger Palast heute in Ruinen

liegt, mit 600 Einw.

Tephrite, Eruptivgesteine, in welchen die eisenfreien

thonerdereichen Mineralien aus Plagioktas und Leucit oder Nephelin

bestehen, welchen sich vorwiegend Augit zugesellt.

Tepic, Stadt im mexikan. Staat Jalisco, 50 km von San

Blas, 880 m ü. M., in fruchtbarem Thal, wo Kaffee, Zuckerrohr

und Baumwolle gedeihen, hat (1880) 24,788 Einw. (im Munizipium),

die von den 56 in der Nähe liegenden Bergwerken abhängen.

T. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Tepidarium (lat.), in den altrömischen Bädern

das Zimmer für lauwarme Bäder (s. Bad, S. 222); auch

Räumlichkeit mit lauer Temperatur (5-9° R.), besonders

für Gewächse (s. Gewächshäuser).

Tepl, Stadt in Böhmen, am gleichnamigen Fluß,

welcher unweit südlich entspringt und unterhalb Karlsbad in

die Eger mündet, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und

eines Bezirksgerichts, hat eine Dechanteikirche, Bierbrauerei und

(1880) 2733 Einw. Dabei das 1l93 gegründete reiche

Prämonstratenserstift T. mit Kirche, Bibliothek (60,000

Bände), Archiv und theologischer Lehranstalt.

Teplitz (Töplitz), 1) Stadt und berühmter

Kurort im nördlichen Böhmen, in dem reizenden, zwischen

dem Erzgebirge und dem böhmischen Mittelgebirge sich

ausbreitenden Bielathal 230 m ü. M. gelegen, Station der

Eisenbahnen Aussig-T.-Komotau und Dux-Bodenbach, ist Sitz einer

Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts, Hauptzoll- und

Revierbergamtes, hat ein Schloß des Fürsten Clary mit

schönem Park, eine Dechanteikirche, eine evang. Kirche (1862

erbaut), einen israelitischen Tempel (1882), ein Realgymnasium,

eine Handelsschule, eine Fachzeichenschule für Keramik, ein

schönes Stadttheater (seit 1874), einen Gewerbeverein, eine

Sparkasse (Einlagen 5 Mill. Gulden), eine Filiale der

Öfterreichisch-Ungarischen Bank, ein österreichisches,

ein sächsisches und preußisches

Militärbadeinstitut, 3 Spitäler und (1880) 14,841, mit

dem angrenzenden Badeort Schönau 16,750 Einw. In neuerer Zeit

hat sich die Stadt, begünstigt durch die in der Umgegend

befindlichen reichen Braunkohlenlager (1887 wurden im

Revierbergamtsbezirk T. 23,9 Mill. metr. Ztr. Kohlen

gefördert), zu einem bedeutenden Industrie- und Handelsplatz

emporgeschwungen. Es bestehen hier insbesondere Fabriken für

Wirkwaren, Knöpfe, Baumwoll- und Gummiwaren, chemische

Produkte, Glas, Siderolith, Töpferwaren, Spiritus, Mehl,

Bretter, Möbel, ein Walzwerk mit Bessemerhütte, eine

Maschinenbauwerkstätte und eine Gasanstalt. Die

gegenwärtig benutzten Heilquellen von T.-Schönau (die

Stadtbadquellen, nämlich die Urquelle und die Frauenbadquelle,

48° C., die Steinbadquelle 34,6°, die Stephansquelle 36,75,

die Sandbadquelle 32,5° und die Wiesenquelle 32,7° in T.,

die Schlangenbadquelle 39° und die Neubadquelle 44,75° C.

in Schönau) führen meist alkalisch-salinisches Wasser,

mit nur geringen festen Bestandteilen, vorzugsweise kohlensaurem

Natron, vermischt. 10,000 Volumteile der Urquelle enthalten 1110

Teile halb gebundene, 34 wirklich freie Kohlensäure, 51

Stickstoff, 18 Sauerstoff, 4,144 kohlensaures Natron, 0,630

Chlornatrium, 0,018 phosphorsaures Natron, 0,228 schwefelsaures

Kali, 0,175 Teile Kieselsäure etc. Das Wasser ist farblos und

hat einen matten Geschmack. Die Quellen werden fast

ausschließlich zum Baden gebraucht und zwar vorzugsweise

gegen chronischen Rheumatismus, Gicht, Lähmungen, bei

skrofulösen Anschwellungen und Geschwüren, Neuralgien,

beginnenden Rückenmarksleiden, namentlich aber bei den

Nachkrankheiten aus Schuß- und Hiebwunden, nach

Knochenbrüchen ("Bad der Krieger").

591

Teppichbeete - Teppiche.

Die Urquelle dient auch zur Trinkkur. Von den Quellen werden 10

Badehäuser gespeist. Die Frequenz von T.-Schönau belief

sich 1887 auf 7351 Kurgäste nebst 19,224 Passanten. Der

Badegesellschaft dienen als Versammlungs- und Vergnügungsorte:

der in der Mitte der Stadt gelegene Kurgarten, in welchem sich das

neue Stadttheater, die Trinkhallen, der Kursalon und das

palastartige Kaiserbad befinden; der Garten und Park des

fürstlich Claryschen Schlosses; die 264 m hohe

Königshöhe mit dem Schießhaus, der Schlackenburg

und dem Denkmal König Friedrich Wilhelms III.; das Belvedere;

der Seumepark mit dem Grabmal Joh. Gottfr. Seumes (gest. 1810); der

Kaiserpark; die Payer-und Humboldtanlagen; der 392 m hohe

Schloßberg mit Schloßruinen; der Turner und Propstauer

Park etc. In der Nähe Eichwald, inmitten prächtiger

Waldungen, in neuerer Zeit als Sommeraufenthalt und klimatischer

Kurort vielbesucht, mit Kaltwasserheilanstalt, Porzellan- und

Siderolithfabrik. - Die Quellen von T. sollen der Sage nach 762

entdeckt worden sein, waren aber zweifellos viel früher

bekannt. Urkundlich wird der Stadt erst im 12., der Bäder im

16. Jahrh. gedacht. Um 1630 gehörten Stadt und Schloß

dem Herrn v. Kinsky, der in Wallensteins Sturz verwickelt ward.

Darauf belieh der Kaiser Ferdinand II. den Generalfeldmarschall

Grafen von Aldringer damit, und als 1634 der Mannesstamm dieses

Geschlechts erlosch, kamen Stadt und Schloß an die Clarys. Im

September und Oktober 1813 war T. das Hauptquartier der drei

alliierten Monarchen. Im September 1835 hatten die Monarchen von

Österreich, Rußland und Preußen, im Herbst 1849

der Kaiser von Österreich, die Könige von Preußen

und Sachsen und 25. Juli 1860 der Kaiser von Österreich und

der Prinz-Regent von Preußen eine Zusammenkunft in T. 1862

wurde das 1100jährige Jubelfest der Thermen gefeiert und dabei

ein Denkmal enthüllt. Durch eine Katastrophe in den

benachbarten Kohlenwerken von Ossegg (10. Febr. 1879), welche das

Thermalwasser dorthin abführte, war die Fortexistenz von T.

als Badeort in Frage gestellt. Doch wurde das Verhängnis

glücklich abgewendet und die Quellen in kurzer Zeit (3.

März) an ihren alten Austrittsöffnungen wieder zu Tage

gefördert. Vgl. Friedenthal, Der Kurort T.-Schönau,

topographisch und medizinisch dargestellt (Wien 1877); Herold,

Studien über die Bäder zu T. (das. 1886); Delhaes, Der

Badeort T.-Schönau (3. Aufl., Prag 1886); Lustig, Karlsbad und

T., balneo-therapeutisch (2. Aufl., Wien 1886); Hallwich, T., eine

deutschböhmische Stadtgeschichte (Leipz. 1886).

2) Ungar. Badeort, s. Trentschin.

Teppichbeete, s. Blumenbeete.

Teppiche, meist gemusterte Gewebe, welche seit dem

Altertum zum Bekleiden der Wände (die spätern Tapeten),

zum Bedecken der Fußböden, Polster etc. dienen. Diese

vielseitige Verwendung finden die T. gegenwärtig nur noch im

Orient, während sie in Europa fast ausschließlich zum

Bedecken der Fußböden benutzt werden. Man unterscheidet

orientalische T., welche auf rahmenartigen Vorrichtungen durch

Handarbeit, und europäische, welche auf Webstühlen

angefertigt werden. Orientalische T. liefern Indien, Persien, die

Türkei, aber auch der Kaukasus, Siebenbürgen, Kroatien,

Slawonien und Rumänien. Sie zeichnen sich durch vortreffliche

Arbeit und besonders durch das Muster aus, welches auf dem Prinzip

der Flächendekoration beruht, die Perspektive und die

naturalistische Nachahmung vegetabilischer und animalischer

Körper beiseite läßt und aus zierlichen Ornamenten

in harmonischer Färbung besteht. Die orientalischen T. sind

geflochten oder geknüpft. Erstere, nach einer

französischen Nachahmung gobelinartige genannt, bilden ein

glattes Gewebe, dessen Kette aus Leinen- oder Baumwollgarn durch

einen dicht angeschlagenen wollenen Schuß vollständig

bedeckt wird, so daß ein ripsartiger Stoff entsteht. Der

Schuß wird indes nicht auf die ganze Breite des Stoffes

eingetragen, sondern nur an den Stellen, wo er wirken soll, mit der

Kette verbunden. Die geknüpften, plüschartigen T. werden

auf baumwollener, leinener oder wollener Kette durch das

Einknüpfen von Flormaschen hergestellt, die man jede einzeln

durch die Breite des Teppichs einlegt. Nach Vollendung des Teppichs

wird der Flor desselben mit einfachen Handscheren egalisiert. Das

Material des Flors ist Schafwolle, für feinere T. auch

Ziegenhaare und Seide. Die schönsten orientalischen T. sind

die persischen (s. Tafel "Ornamente IV", Fig. 11, und Tafel

"Weberei", Fig. 16) und von diesen wieder die von Farahan in der

Provinz Arak; sie enthalten auf 1 m Breite 400-500 Flormaschen. Die

indischen (s. Tafel "Weberei", Fig. 22) haben einen ansehnlich

höhern Flor und 300-350 Maschen auf 1 m, für den

europäischen Handel sind aber bei weitem wichtiger die

ungleich billigern türkischen T., von denen die Smyrnaer mit

120-200 Maschen am geschätztesten sind; sie besitzen stets

eine wollene Kette, während die der persischen und indischen

aus Baumwolle besteht. Die orientalischen T., und namentlich die

geknüpften Smyrnateppiche, werden mit gutem Erfolg in Europa,

speziell in Deutschland (Schmiedeberg seit 1856, Kottbus, Wurzen,

Springe, Linden etc.) und Wien, nachgeahmt und zwar unter Anwendung

derselben Methode. Man arbeitet aber mit Kette aus Leinengarn und

Grundschuß aus Jute, erreicht eine große technische

Vollkommenheit und versteht auch die Muster und Farben so getreu

nachzubilden, daß ein großer Unterschied zwischen

echten und nachgeahmten Smyrnateppichen nicht mehr besteht.

Nachahmungen der orientalischen geflochtenen T. sind die Gobelins

(s. Tapeten). Die eigentlichen europäischen T. werden auf

mechanischen Webstühlen, die bessern auf der Jacquardmaschine

hergestellt. Die glatten T. bilden in Europa wie im Orient

gewöhnlich die geringere Sorte; man verfertigt sie aus Kuh-

oder Ziegenhaar, ordinärem Streichgarn oder Jute und benutzt

sie als Laufteppiche zum Bedecken von Treppen, Fluren etc. Hierher

gehören auch die Kidderminsterteppiche aus Doppelgewebe,

wollener oder baumwollener Kette und viel stärkerm wollenen

Schuß; das Muster erzeugt sich rechts und links in gleicher

Weise. Die Plüschteppiche haben entweder einen ungeschnittenen

Flor, welcher kleine, geschlossene Noppen bildet (Brüsseler

T.), oder einen aufgeschnittenen Flor, der eine samtartige

Oberfläche bildet (Velours-, Tournai-, Wilton-,

Axminsterteppiche). Die Herstellung ist im wesentlichen die der

Plüsche und Samte. Das Muster wird meist mit der

Jacquardmaschine hervorgebracht, und je nachdem es mehr oder

weniger Farben enthält, zieht man zwischen je zwei leinenen

Grundfäden mehr oder weniger Polfäden in jedes Riet ein

und unterscheidet nach der Zahl derselben die T. als drei-, vier-,

fünf- etc. chörige oder teilige. Billigere T. erzielt man

durch Aufdrucken des Musters, indem man entweder das gewebte Stuck

bedruckt, oder das Muster der Polkette vor der Verarbeitung

appliziert. Das letztere Verfahren liefert eine sehr gute Ware,

welche die im Stück bedruckten

592

Teptjären - Terceira.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 171 / 302 段