und Schriftsteller, geb. 1628 zu London, studierte in Cambridge,
ward nach der Restauration 1660 Mitglied der irischen Konvention,
1661 des irischen Parlaments und 1662 zu einem der königlichen
Kommissare desselben ernannt. Seit 1665 englischer Resident in
Brüssel, schloß er 1668 im Haag mit Holland und Schweden
die Trivelallianz und vermittelte dann den Aachener Frieden (2. Mai
1668) zwischen Frankreich und Spanien, worauf er zum ordentlichen
Gesandten im Haag ernannt wurde. 1671 entlassen, lebte er mehrere
Jahre zurückgezogen auf seinem Gut Sheen bei Richmond in
Surrey, ging 1673 abermals als Gesandter nach dem Haag und vertrat
England auf dem Friedenskongreß von Nimwegen. 1679 kehrte er
nach England zurück und trat in den von Karl II. nach Temples
Entwurf organisierten Geheimen Rat sowie für die
Universität Cambridge ins Parlament, zog sich aber, mit der
königlichen Politik unzufrieden, 1682 nach Sheen zurück
und starb 27. Jan. 1699. Seine durch Form und Inhalt
ausgezeichneten "Works" erschienen London 1814 in 4 Bänden.
Swift gab seine "Memoirs" (Lond. 1709, 2 Bde.) und "Letters" (das.
1702, 2 Bde.) heraus. Sein Leben beschrieben Luden (in "Kleine
Aufsätze", Bd. 2, Götting. 1808) und Courtenay (Lond.
1836, 2 Bde.). Vgl. Emerton, Sir W. T. und die Tripelallianz (Berl.
1877).
2) Launcelot, Pseudonym, s. Armstrong 1).
Templeisen, die Ritter des Grals (s. d.).
Templemore (spr. templmóhr), Stadt in der irischen
Grafschaft Tipperary, am Suir lieblich gelegen, mit (l881) 2800
Einw.
Templer, s. v. w. Tempelherren; auch die Mitglieder der
Tempelgesellschaft (s. d.).
Templin, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Potsdam, zwischen mehreren Seen, die durch den 13,5 km langen
Templiner Kanal mit der Havel in schiffbarer Verbindung stehen, und
an der Linie Löwenberg-T. der Preußischen Staatsbahn, 67
m ü. M., hat 2 evang. Kirchen, eine Stadtmauer aus Feldsteinen
und 3 Stadtthore aus dem Mittelalter, ein Amtsgericht, ein
Dampfhammerwerk mit Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen,
Schiffahrt und (1885) 4028 meist evang. Einwohner.
Tempo (ital., "Zeit"), Zeitmaß, die Bestimmung,
welche im einzelnen Fall die absolute Geltung der Notenwerte
regelt. Vor dem 17. Jahrh. waren die Mittel, ein verschiedenes T.
zu fordern, sehr beschränkt; die Noten hatten aber damals eine
ziemlich bestimmte mittlere Geltung, den "integer valor" (s. d.),
der sich aber doch im Lauf der Jahrhunderte sehr verschob, so
daß man heute bei Übertragungen von Musikwerken des 16.
Jahrh. die Werte wenigstens auf die Hälfte, bei denen des
14.-15. Jahrh. auf den vierten Teil und bei noch ältern auf
den achten Teil reduzieren muß, wenn man ein ungefähr
richtiges Bild gewinnen will. Um 1600 kamen die noch heute
üblichen Bestimmungen Allegro, Adagio, Andante auf, denen sich
bald Presto und die Unterarten: Allegretto, Andantino, Prestissimo
zugesellten. Da sich im Gebrauch dieser Bezeichnungen vielfach
Willkür einschlich, so sann man gegen das Ende des 18. Jahrh.
auf feste, unwandelbare Bestimmungen und gelangte zur Erfindung des
Taktmessers (s. d.). Vielfach sind heute auch Tempobezeichnungen
beliebt, die auf Tonstücke von bestimmtem Charakter der
Bewegungsart hinweisen, so T. di marcia (Marschtempo = Andante), T.
di minuetto (Menuetttempo, etwa = Allegretto), T. di valsa
(Walzertempo = Allegro moderato) u. s. f. Über die kleinen
Modifikationen des T., welche der musikalische Ausdruck bedingt
(agogische Schattierungen), s. Agoge.
Temporal (lat.), zeitlich; weltlich; auf die Schläfe
bezüglich, z. B. arteria temporales, Schläfenschlagader,
muscullis temporalis, Schläfenmuskel, etc.
Temporalien (Bona temporalia, "weltliche Vorteile"), alle
mit der Verwaltung eines bestimmten kirchlichen Amtes verbundenen
Einkünfte an Geld, Naturalien und sonstigen Gefällen, die
materiellen Rechte im Gegensatz zu den mit dem Kirchenamt
verbundenen geistlichen Befugnissen (Spiritualien). Die
Beschlagnahme dieser Einkünfte seitens der Staatsgewalt
heißt Temporaliensperre.
Tempora mutantur et nos mutamur in illis (lat.), die
Zeiten ändern sich, und wir verändern uns in oder mit
ihnen.
Temporär (lat.), zeitweilig, vorübergehend.
Temporäre Sterne, s. Fixsterne, S. 324.
Temporal (franz.), zeitlich, weltlich.
Temporisieren (lat.), sich nach den Zeitumständen
richten; in Erwerbung eines günstigen Zeitpunktes etwas
hinhalten.
Temps, le (spr. tang, "die Zeit"), eine der angesehensten
Pariser Zeitungen, 1861 begründet, hielt sich unter Napoleon
III. zur gemäßigten Opposition und vertritt jetzt den
gemäßigten Republikanismus.
Tempus (lat., Plur. tempora), Zeit; in der Grammatik der
Ausdruck der Zeitbeziehung am Verbum oder in konkreter Bedeutung
eine Gruppe von Verbalformen, die je ein bestimmtes
Zeitverhältnis ausdrücken. S. Verbum.
Temrjuk, Kreisstadt im kubanischen Gebiet in Kaukasien,
am Nordufer der Halbinsel Taman und an dem den Liman Achtanisow mit
der Bucht von T. verbindenden Kanal, mit (1883) 10,496 Einw. 6 km
von der Stadt wird der temrjuksche Mineralschlamm aus fünf
Gruppen kleiner Krater in Zwischenräumen von ½-¼
Minute in großen Massen ausgeworfen, dessen Gebrauch in
Bädern bei Rheumatismen, Skrofeln u. a. sich sehr heilsam
erwiesen hat.
Temuco, Departement der chilen. Provinz Cantion, 4600 qkm
groß mit (1885) l6,111 Einw. Die gleichnamige Hauptstadt hat
3000 Einw.
Temulénz (lat.), Trunkenheit.
Temurdschi, s. Dschengis-Chan.
Tenaille (franz., spr. -náj, "Zange"), ein
Festungswerk, dessen Linien abwechselnd ein- und ausspringende
Winkel bilden. Über die Tenaillensysteme von Landsberg und
Montalembert s. Festung, S. 182. T. ist auch s. v. w. Grabenschere
(s. d.).
Tenakel (lat.), "Halter", Blatthalter der Schriftsetzer;
auch Vorrichtung zur Befestigung von Seihtüchern,
Filtrierbeuteln etc.
Tenancingo, Stadt im mexikan. Staat Mexiko, südlich
von Toiuca, 1840 m ü. M., in reizender, fruchtbarer Gegend, wo
Weizen neben Zuckerrohr gedeiht, hat Weberei von wollenen
Tüchern (Panos) und (1880) 15,906 Einw. (im Munizivium).
Tenant (engl., spr. ténnänt), Pachter oder
Mieter; T.-at-will ("aus freiem Willen"), Mieter, dem nach Belieben
des Eigentümers geendigt werden kann (wogegen der lease-holder
auf die abgemachte Reihe von Jahren im Besitz nicht zu stören
ist, solange er die bedungene Pacht oder Miete zahlt).
Tenasserim (Tanengthari), Regierungsbezirk der
britisch-ind. Provinz Birma, im südlichstem Teil
586
Tenazität - Teneramente.
derselben an der Küste gelegen, 121,026 qkm (1280 QM.)
groß mit (1881) 825,741 Einw. (meist Buddhisten). Das Land
wird durch 1500 m hohe Gebirge von Siam geschieden, ist sonst
fruchtbar, wohlbewässert und zum Reisbau trefflich geeignet.
Der Hauptfluß T. ist für große Boote 53 km
aufwärts bis zu der früher bedeutenden, jetzt zu einem
elenden Dorf herabgesunkenen Stadt T. schiffbar.
Tenazität (lat.), Zähigkeit (vgl. Dehnbarkeit),
hartnäckiges Festhalten an etwas.
Tenbrink-Feuerung, s. Dampfkessel, S. 451, und
Lokomotive, S. 885.
Tenby (spr. tennbi), beliebtes Seebad in Pembrokeshire
(Südwales), mit Ruinen eines normännischen Schlosses,
Ausfuhr von Fischen, Austern und Geflügel und (1881) 4750
Einw.
Tence (spr. tangs), Stadt im franz. Departement
Oberloire, Arrondissement Yssingeaux, am Lignon, mit Hengstedepot,
Fabrikation von Papier, Hüten, Seide, Blonden und Spitzen und
(1881) 1520 Einw.
Tencin (spr. tangssang), Claudine Alexandrine
Guérin, Marquise de, franz. Schriftstellerin, geb. 1681 zu
Grenoble, entfloh 1714 aus dem Kloster nach Paris, gewann dort
durch ihre Schönheit und ihren Geist mächtige Freunde,
mischte sich in Staats-und Liebesintrigen, ging nacheinander mit
d'Argenson, Bolingbroke, dem Regenten, dem Kardinal Dubois u. a.
intime Verbindungen ein und wußte dieselben geschickt zu
ihrem und ihres Bruders (des Kardinals Pierre Guérin de T.,
gest. 1758; vgl. über ihn die biographische Schrift von
Audouy, Lyon 1881) Vorteil zu benutzen. Eins ihrer illegitimen
Kinder, das sie aussetzen ließ, war der berühmte
d'Alembert. Eine bedeutende Rolle spielte sie in den Streitigkeiten
der Jansenisten, deren heftige Gegnerin sie war. Später (1726)
mußte sie auf einige Zeit in die Bastille wandern, als sich
einer ihrer Liebhaber in ihrer Wohnung erschossen hatte. Seitdem
führte sie ein unanstößiges Leben und machte ihren
Salon zum Mittelpunkt der eleganten und gebildeten Gesellschaft.
Sie starb 4. Dez. 1749. Ihre Romane, besonders "Mémoires du
comte de Comminges" (1735, 1885) und "Le siége de Calais"
(1739), tragen ganz das Gepräge des 18. Jahrh. und gleichen
auffallend denen der Mad. de Lafayette, mit deren Schriften die
ihrigen auch zusammen herausgegeben wurden (Par. 1786, 8 Bde.;
1825, 5 Bde.; 1864). Die "Correspondance" mit ihrem Bruder erschien
Paris 1790, 2 Bde.; die "Lettres au duc de Richelieu" daselbst
1806. Vgl. Barthélemy, Mémoires secrets de Madame de
T. (Grenoble 1790).
Tendelti, Name eines Teichs, an welchem Fascher, die
Hauptstadt von Dar Fur, liegt, und nach welchem diese Stadt selbst
bisher auf den Karten bezeichnet wurde. Der Ort liegt 2000 In
ü. M., am Wadi el Ko, war früher Sitz des
ägyptischen Gouverneurs und hat 8000 Einw., welche lebhaften
Handel mit Wadai und Kordofan treiben. Bis 1874 war T. Hauptstadt
des selbständigen Reichs Dar Fur, wurde damals von den
Ägyptern erobert, die in neuester Zeit aber den Anhängern
des Mahdi weichen mußten. Die letztern sollen Dar Fur wieder
an die Anhänger der Snussisekte von Kufra verloren haben.
Tendénz (lat.), Streben in bestimmter Absicht oder
Richtung, auf einen bestimmten Zweck hin; daher Tendenzdichtungen,
solche, die nicht bloß auf die eigentlich poetische Wirkung
berechnet sind, sondern noch andre (politische, religiöse
etc.) Interessen verfolgen; tendenziös, bestimmten Zwecken
gemäß.
Tender (engl.), das einem größern Schiff oder
Geschwader zur Überbringung von Befehlen etc. beigegebene
Begleitschiff; dann der der Lokomotive angehängte Vorratswagen
für Kohlen und Wasser.
Tendo (lat.), Sehne, z. B. T. Achillis.
Achillessehne.
Tendovaginitis (lat.-griech.),
Sehnenscheidenentzündung.
Tendre (franz., spr. tangdr), zart, empfindlich; als
Substantiv s. v. w. Vorliebe, zärtliche Schwäche für
etwas; Tendresse, Zärtlichkeit, zärtliche Zuneigung.
Tendrons (franz., spr. tangdróng), in der
Kochkunst die Brustknorpel vom Kalb und Lamm.
Tenê (Tenneh), Fluß, s. Faleme.
Tenebrae (lat., "Finsternis"), s. Finstermetten.
Tenebrio, Mehlkäfer.
Tenebrionen (Schwarzkäfer, Melasoma Latr.,
Tenebrionidae Leach), Käferfamilie aus der Gruppe der
Heteromeren, düster, gewöhnlich ganz schwarz
gefärbte Käfer mit fünfgliederigen Tarsen an den
Vorder- und Mittel- und viergliederigen an den Hinterbeinen,
kurzem, kräftigem Oberkiefer, quer gestellten, vorn
ausgebuchteten Augen, elf-, selten zehngliederigen Fühlern,
sehr häufig verkümmerten Hinterflügeln und dann
verwachsenen Flügeldecken. Die sehr übereinstimmend
geformten Larven sind langgestreckt, schmal, etwas
niedergedrückt, ganz hornig, mit sechs fünfgliederigen
Beinen, viergliederigen Fühlern, einer Lade am Unterkiefer und
am letzten Hinterleibssegment meist mit zwei Hornfortsätzen
versehen. Viele T. sondern aus ihren Körperbedeckungen ein
Sekret ab, welches sie wie bereift oder behaucht erscheinen
läßt; auch entwickeln die meisten einen starken
widerlichen Geruch. Die metallisch oder lichter gefärbten
Arten sind am Tag an Pflanzen zu treffen; die dunkeln sind meist
lichtscheu, träge und halten sich am Tag an dunkeln Orten auf.
Man unterscheidet gegen 400 Gattungen, deren Artenzahl derjenigen
der Laufkäfer fast gleichkommt. Die sehr artenreiche Gattung
Blaps Fab. umfaßt zahlreiche, besonders in Südeuropa und
Nordasien heimische, große Käfer mit länglichem
Körper, ohne Flügel, die Männchen mit
zapfenförmig ausgezogenen Flügeldecken. Der gemeine
Trauerkäfer (Totenkäfer, Blaps mortisaga L., s. Tafel
"Käfer"), 20-25 mm lang, mattschwarz, fein und zerstreut
punktiert, mit fast quadratischem Halsschild, hinter der Mitte
schwach erweiterten, lang geschwänzten und undeutlich
gestreiften Flügeldecken, ist häufig in Häusern,
besonders in Kellern, und nährt sich von allerlei Unrat. Zu
derselben Familie gehört der Mehlkäfer (s. d.).
Tenedos, griech. Insel im Ägeischen Meer, an der
Küste der alten Landschaft Troas, war berühmt im Altertum
wegen der Rolle, welche sie im Trojanischen Krieg spielte, sowie
durch ihre Töpferwaren und ihren Wein. Sie stand abwechselnd
unter der Herrschaft der Perser, Athener und Römer. Jetzt
Tenedo oder Bosdscha Ada genannt, gehört sie zum
türkischen Wilajet Dschesair und bildet den Schlüssel zu
der Dardanellenstraße. Die Insel ist 13 km lang, 3-6 km breit
und ziemlich gebirgig, liefert trefflichen Muskatwein und
rötlichen Marmor und hat gegen 7000 Einw. Die Stadt Tenedo,
auf der Nordostküste, ist Sitz eines Kaimakams und eines
griechischen Bischofs, hat einen Hafen, eine Citadelle und 2000
Einw. (drei Viertel Griechen). Am 21. März 1807 erfochten hier
die Russen unter Siniavin über Seid Ali Pascha und 10. Nov.
1822 die Ipsarioten Kanaris und Kyriakos einen Seesieg über
den Kapudan-Pascha.
Teneramente (ital.), zart.
587
Tenerani - Teniers.
Tenerani, Pietro, ital. Bildhauer, geb. 11. Nov. 1789 zu
Torano bei Carrara, bildete sich in Rom bei Canova und später
bei Thorwaldsen, der ihm die Hauptfiguren des Grabmals des Prinzen
Eugen zur Ausführung übertrug. Schon Teneranis erste
Werke: Psyche mit der Büchse der Pandora, dann Amor, der Venus
einen Dorn ausziehend, erwarben ihm zahlreiche Aufträge. Er
ward zum Professor der Akademie von San Luca ernannt, an welcher
Anstalt er bis zu seinem Tod mit größtem Erfolg wirkte.
1860 wurde er Generaldirektor der römischen Museen und
Galerien. Er starb 14. Dez. 1869. T. schuf eine große Zahl
von Gruppen, Einzelstatuen und Porträtbüsten, Werke, die
sich alle durch Schönheit und Weichheit der Form und
vortreffliche, gewöhnlich nur allzu glatte Ausführung
auszeichnen. Ein von ihm modellierter Christus am Kreuz ward 1823
für die Kirche San Stefano zu Pisa in Silber getrieben. Seine
vorzüglichsten Werke sind das 1842 vollendete Marmorrelief der
Kreuzabnahme in der Kapelle Torlonia im Lateran, das Relief
für das Grabmal der Herzogin von Lante und das christliche
Liebespaar, den Märtyrertod erleidend.
Teneriffa (Tenerife), die größte, reichste und
bevölkertste der Kanarischen Inseln, an der Nordküste
Afrikas zwischen Canaria, Gomera und Palma gelegen, 2026 qkm (41,4
QM.) groß mit (1877) 105,052 Einw. Die Küsten, fast ohne
Buchten, fallen steil zum Meer ab und bilden viele Vorgebirge. Der
Boden ist, außer im NO., trefflich bewässert und
äußerst fruchtbar. Den Strand schmücken Dattel- u.
Kokospalmen, höher hinauf wachsen Bananen, Drachenbäume
und Pisang; die Abhänge der Höhen sind mit Reben
bepflanzt, welche den vorzüglichen Kanariensekt liefern. Im
südlichen Teil der Insel erhebt sich in gewaltiger
Großartigkeit der berühmte Pik von T. (Pico de Teyde) zu
3715 m Höhe, so daß er zuzeiten auf 300 km Entfernung
gesehen wird. Ein Ausbruch dieses Vulkans von der Spitze aus ist
nicht bekannt, wiewohl ein Krater vorhanden ist; dagegen haben seit
1385 wiederholte Ausbrüche an den Seiten stattgefunden, von
welchen der vom 5. Mai 1706 die Stadt Guarachico zerstörte.
Der letzte Ausbruch ereignete sich 1798. Am Fuß zeigt der
Berg eine reiche Vegetation, höher hinauf nur Gestrüppe
und Pfriemkräuter und ganz oben nur Lava, Bimsstein und
vulkanische Asche. In seinem obern Teil enthält er die sogen.
Eishöhle (Cueva del yelo) und Spalten (narizes), aus denen
heiße Dämpfe hervordringen. Die Spitze bildet der auf
einem Felsenwall sich ungefähr noch um 300 m erhebende Piton
(Pan de azucar, "Zuckerhut"), der vom November bis April eine
Schneedecke trägt. Die Besteigung des Bergs geschieht
gewöhnlich von Orotava (s. d.) aus, tn dessen Nähe auch
der berühmte ungeheure Drachenbaum stand, dessen Alter von A.
v. Humboldt auf 6000 Jahre geschätzt ward. Das Klima von T.
ist mild und gesund. Hauptstadt ist Santa Cruz. Vgl. Schacht,
Madeira und Tenerife mit ihrer Vegetation (Berl. 1859); Fritsch und
Reiß, Geologische Beschreibung der Insel Tenerife (Winterthur
1868); Stone, Tenerife and its six satellites (Lond. 1887, 2 Bde.),
und die Litteratur bei Art. Kanarische Inseln.
Tenes (Tennes), Sohn des Kyknos (s. d.).
Tenésmus (griech.), s. Stuhlzwang.
Teng ("Korb"), in Birma Getreidemaß, enthält
von geschältem Reis 26,49 kg; als Raummaß ungefähr
8 alte englische Weingallons.
Tenga, Münze in Mittelasien, à 40-44 Pul =
0,567-0,60 Mk. Vgl. Tilla.
Teniers (spr. tenjeh), 1) David, der ältere,
niederländ. Maler, geb. 1582 zu Antwerpen, war Schüler
seines ältern Bruders, Julian, bildete sich dann in Rom bei A.
Elsheimer weiter und wurde 1606 als Freimeister in die Lukasgilde
zu Antwerpen aufgenommen, wo er 29. Juli 1649 starb. Nachdem er
anfangs große Kirchenbilder von trockner Färbung gemalt,
wandte er sich später der Landschaft, dem phantastischen und
bäuerlichen Genre zu, demselben Gebiet, welches sein
berühmterer Sohn behandelte. Die Bilder des Vaters
unterscheiden sich von denen des Sohns durch eine härtere und
trocknere Behandlung und spitzigere Pinselführung bei minder
geistvoller Charakteristik. Hervorzuheben sind: der Auszug der
Hexen (im Museum zu Douai), die zechenden Bauern vor der
Dorfschenke (in der Galerie zu Darmstadt), die Versuchung des heil.
Antonius (in den Galerien zu Berlin und Schwerin), acht
Landschaften mit biblischer und mythologischer Staffage (in der
kaiserlichen Galerie zu Wien) und eine Berglandschaft mit einem
Schloß (im Museum zu Braunschweig).
2) David, der jüngere, Sohn des vorigen, Maler, geboren im
Dezember 1610 zu Antwerpen, war anfangs Schüler seines Vaters
und bildete sich dann unter den Einflüssen von Rubens und
Brouwer weiter. 1633 wurde er in die Lukasgilde zu Antwerpen
aufgenommen und um 1650 als Hofmaler nach Brüssel berufen, wo
er 25. April 1690 starb. T. ist der fruchtbarste der
vlämischen Bauernmaler, der sich jedoch von seinen
Kunstgenossen durch eine maßvollere, minder derbe und
ausgelassene Auffassung der bäuerlichen Vergnügungen
unterschied. Seine Bilder sind durch gemütlichen Humor, eine
reiche, wohldurchdachte Komposition, eine leuchtende, frische,
bisweilen an das Bunte streifende Färbung, durch geistreiche
Charakteristik und frische Lebendigkeit der Darstellung
ausgezeichnet. Außer Bauerntänzen, Dorfkirmessen,
Schlägereien und Wirtshausszenen malte er genrehaft
aufgefaßte Szenen aus der Bibel, phantastische Szenen, wie
die Versuchung des heil. Antonius, Alchimisten in ihren
Laboratorien, Wachtstuben mit Soldaten, das Thun und Treiben der
Menschen parodierende Tierstücke (Affen, Katzen etc.),
Landschaften mit Figuren u. dgl. m. Anfangs in einem
kräftigen, bräunlichen Ton malend, eignete er sich in
seiner besten Zeit einen warmen Goldton an, an dessen Stelle seit
etwa 1650 ein feiner Silberton trat. Er hat etwa 800 Bilder
hinterlassen, von denen wir zur Charakteristik seines Stoffsgebiets
die folgenden hervorheben: ein Alchimist, die Puffspieler, der
Künstler mit seiner Familie, Versuchung des heil. Antonius,
vlämische Kirmes und die Marter der Reichen im Fegefeuer (im
Berliner Museum), die Kirmes im Halbmond, die Rauchgesellschaft,
die Würfler, die Befreiung Petri aus dem Gefängnis und
der Zahnarzt (in der Galerie zu Dresden), die Bauernküche (in
den Uffizien zu Florenz), eine Wachtstube, eine
Schützengesellschaft vor dem Rathaus zu Antwerpen, das
Wirtshaus zum Engel, ein Raucher und ein Hochzeitsmahl (in der
Eremitage zu St. Petersburg), die Tricktrackspieler, die
Belustigung im Wirtshanshof, zwölf Bilder aus Tassos
"Befreitem Jerusalem" und Affen- und Katzenszenen (im Museum zu
Madrid), der verlorne Sohn unter den Dirnen, die Verleugnung Petri,
die Reiherjagd des Erzherzogs Leopold Wilhelm und der Raucher (im
Louvre zu Paris), der Tanz in der Wirtsstube und eine
Bauernhochzeit (in der Münchener Pinakothek), eine
Räuberszene, das Brüsseler Vogelschießen und
Abrahams Dankopfer (in der kaiserlichen Galerie zu Wien), dle
Ausstellung Christi
588
Teniet - Tenngler.
und zwei feierliche Einzüge der Erzherzogin Isabella (in
der Kasseler Galerie). T. war Direktor der Gemäldegalerie des
Erzherzogs Leopold Wilhelm, die 1657 nach Wien kam, und hat
mehrfach das Innere derselben mit getreuer Nachbildung des Stils
der einzelnen Bilder gemalt (Darstellungen dieser Art in
Brüssel, München und Wien). Er hat auch radiert. - Sein
Bruder Abraham T. (1629-70) hat Bauern-und Tierszenen in
ähnlicher Art gemalt.
Teniet (arab.), s. v. w. Übergang, Paß.
Tenimberinseln, zur niederländ. Residentschaft
Amboina gehörende Inselgruppe des Indischen Archipels,
zwischen den Kleinen Sundainseln und Neuguinea, enthält als
Hauptbestandteil die große bergige und waldige Insel
Timorlaut ("Nordost"), die durch die Egeronstraße in eine
Nord- und eine Südhälfte getrennt wird und von
zahlreichen kleinen Inseln (Larat, Vordate, Malu etc.) umgeben ist.
Das Areal beträgt 5782 qkm (105 QM.) mit 25,000 Einw.
Tenkitten, Dorf im preuß. Regierungsbezirk
Königsberg, Kreis Fischhausen, an der Ostsee, hat (1885) 78
Einw. und ist bekannt durch den Märtyrertod des Bischofs
Adalbert von Prag 997. Zum Gedächtnis ist daselbst ein 8 m
hohes Kreuz errichtet.
Tenkterer (Tenchterer), german. Völkerschaft, die
auf dem rechten Rheinufer zwischen Lahn und Wipper wohnte. Sie
waren berühmt als ausgezeichnete Reiter. Sie vereinigten sich
59 v. Chr. mit den Usipetern, gewannen Sitze am Niederrhein im
Gebiet der Menapier, überschritten im Winter 56-55 den Rhein,
wurden aber 55 in der Nähe von Nimwegen von Cäsar fast
vernichtet. 69-70 n. Chr. nahmen die T. am Aufstand des Claudius
Civilis teil.
Tenn., Abkürzung für Tennessee (Staat).
Tennantit, s. v. w. Arsenfahlerz, s. Fahlerz.
Tenne, s. Scheune.
Tenneberg, Amtsgericht, s. Waltershausen.
Tennemann, Wilhelm Gottlieb, Geschichtschreiber der
Philosophie, geb. 7. Dez. 1761 zu Kleinbrembach bei Weimar,
studierte in Erfurt und Jena Kantsche Philosophie, habilitierte
sich 1788 an letzterer Universität, folgte 1804 einem Ruf nach
Marburg, wo er 30. Sept. 1819 starb. Sein Hauptwerk ist die nicht
ganz vollendete (in Kants Geist abgefaßte, bis auf Thomasius
reichende) "Geschichte der Philosophie" (Leipz. 1798-1819, 11
Bde.), woraus der "Grundriß der Geschichte der Philosophie"
(das. 1812; 5. Aufl. von Wendt, 1828) ein Auszug ist.
Tennessee (spr. -ssih), Fluß in den Vereinigten
Staaten von Nordamerika, entspringt als Holston in den Iron
Mountains von Westvirginia, nimmt den von den Black Mountains in
Nordcarolina kommenden Frenchroad River auf, tritt unterhalb
Chattanooga vom Staate Tennessee nach Alabama über und
mündet schließlich, einen weiten Bogen durch Tennessee
nach N. beschreibend, bei Paducah (in Kentucky) in den Ohio.
Dampfer befahren ihn 440 km aufwärts bis Florence in Alabama,
wo er die Stromschnelle der Muscle Shells bildet. Oberhalb ist er
noch 500 km weit schiffbar. Sein gesamter Lauf ist 1600 km
lang.