1. Antentempel. 2. Prostylos. 3. Ampyiprostylos.
[siehe Graphik] [siehe Graphik] [siehe Graphik]
4. Peripteros. 5. Dipteros. 6. Pseudodipteros.
nach der Zahl der Säulen an der Tempelfronte (vgl. auch
Baukunst, S. 486). Die erstere Einteilung ist die geläufigere.
Man unterschied demnach: 1) T. in antis (Antentempel), bei welchen
zwischen den über den Haupteingang zur Cella vorgeschobenen
Seitenmauern (antae) des Tempels zwei Säulen standen. Die
dadurch gewonnene Vorhalle hieß Pronaos. Um die Cella auch
von hinten zugänglich zu machen, wurde die Rückseite des
Tempels später mit einer gleichen Anlage (Opisthodomos,
Hinterhaus) versehen (Fig. 1). 2) Prostylos hieß der T., wenn
die Stirnseiten der Seitenmauern bis zur Eingangsthür der
Cella zurücktraten und die Vorhalle des Tempels allein durch
Säulen getragen wurde (Fig. 2). 3) Der Amphiprostylos
entsteht, wenn diese Säulenstellung sich am Hinterhaus des
Tempels wiederholt (Fig. 3). 4) Der Peripteros ist die Erweiterung
des Amphiprostylos durch eine Säulenhalle, welche um alle vier
Seiten des Tempels als freier Umgang herumgeführt wird. Es ist
die edelste Form des griechischen Tempelbaues, dessen klassisches
Beispiel der Parthenon ist (Fig. 4). Eine römische Abart ist
der Pseudoperipteros, bei welchem die Säulen in Form von
Halbsäulen und Pilastern den Seitenwänden angefügt
waren und das Gebälk tru-
582
Tempel - Tempelherren
gen, im wesentlichen also nur einen dekorativen Zweck hatten. 5)
Der Dipteros entsteht, wenn um den T. eine doppelte
Säulenstellung herumgeführt wird, also an der Vorder- und
Rückseite vier Reihen von Säulen stehen (Fig. 5). Der
Pseudodipteros (Fig. 6) unterscheidet sich von dem Dipteros
dadurch, daß die innere Säulenstellung fehlt, aber der
Zwischenraum zwischen der äußern Säulenstellung und
der Cellawand der gleiche geblieben ist. Je nach der Zahl der
Säulen an der Vorderseite, welche immer eine gerade war,
unterscheidet man: Naos (T.) tetra-, hexa-, okta-, deka- und
dodekastylos (d. h. 4-, 6-, 8-, 10- und 12säulige T.). Eine
besondere Abart der T. waren die Rundtempel, welche bisweilen auch
von Säulen umgeben waren und dann Monopteros hießen.
Vgl. Nissen, Das Templum (Berl. 1869).
Tempel, 1) Abraham van den, holländ. Maler, geboren
um 1622 zu Leeuwarden, war ein Schüler von Joris van Schooten
in Leiden und daselbst bis 1660 thätig und starb 1672 in
Amsterdam. Er hat Bildnisse und Porträtgruppen von vornehmer
Aufsassung, aber konventioneller Detailbehandlung gemalt.
Gemälde von ihm befinden sich zu Amsterdam, im Haag, in
Berlin, Kassel u. a. O.
2) Ernst Wilhelm Leberecht, Astronom, geb. 4. Dez. 1821 zu
Niederkunnersdorf in der Oberlausitz, ließ sich als
Lithograph in Venedig nieder und begann 1859 sich mit
astronomischen Beobachtungen zu beschäftigen, wandte sich dann
1860 nach Marseiile, wo er kurze Zeit an der Sternwarte, dann aber
als Lithograph thätig war; 1870 als Deutscher vertrieben, ging
er nach Italien, wo er anfangs an der Sternwarte in Mailand
beschäftigt war, 1875 aber Observator an der Sternwarte zu
Arcetri bei Florenz wurde; hier starb er 16. März 1889. T. hat
sich namentlich durch zahlreiche Kometen- und
Planetoiden-Entdeckungen und Beobachtung der Nebelflecke bekannt
gemacht.
Tempelburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Köslin, Kreis Neustettin, zwischen Zeppliner und Dratzigsee
und an der Linie Ruhnow-Konitz der Preußischen Staatsbahn,
hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht,
Zündholz- und Dachpappenfabrikation, eine
Dampfsägemühle, Bierbrauerei und (1885) 4510 Einw. Die
Stadt ward um 1291 von den Tempelrittern gegründet und kam
1668 von Polen an Brandenburg.
Tempeldiener, s. Hierodusen.
Tempelgesellschaft, eine 1854 in Württemberg
entstandene, 1861 aus der Kirche ausgetretene religiöse Sekte,
welche sich seit 1868 in Palästina angesiedelt und die drei an
der syrischen Küste gelegenen "Tempelkolonien" Haifa, Jafa und
Sarona samt einer vierten in Jerusalem gegründet hat. Die Zahl
der dort lebenden deutschen Templer belief sich 1878 etwa auf 850,
1884 auf 1300; 1886 waren 362 Mitglieder in Haifa, 203 zu Jafa, 256
zu Sarona. Die Gemeinden sind gut organisiert und besitzen in
Jerusalem eine höhere Schule, in Jafa ein Töchterinstitut
und ein Krankenhaus; ihre Glieder haben sich in Bezug auf die
Bodenkultur als tüchtige Kolonisten bewährt und auch um
Weg- und Straßenbau verdient gemacht. Haupt der T. war bis zu
seinem Tod Christoph Hoffmann (s. d. 10), der 1878 den Zentralsitz
der T. nach Jerusalem verlegte. Vgl. dessen Schriften: "Occident
und Orient. Eine kulturgeschichtliche Betrachtung vom Standpunkt
der Tempelgemeinden in Palästina" (Stuttg. 1875) und "Mein Weg
nach Jerusalem" (das. 1881-85, 2 Bde.). Nachdem er in
christologische Ketzereien verfallen war, sagte sich 1876 der
Reichs-Bruderbund zu Haifa unter Hardegg von dem Haupttempel los.
Hardegg starb 1879, Hoffmann 8. Dez. 1885. Sein Nachfolger ist Chr.
Paulus geworden. Ein Mitglied der Gemeinde zu Haifa, G. Schumacher,
ist seit 1885 als türkischer Beamter für Straßen-
und Brückenbau thätig.
Tempelherren (Templer, Tempelbrüder, Milites templi,
Templarii), geistlicher Ritterorden, entstand zur Zeit der
Kreuzzüge in Palästina, indem 1119 neun französische
Ritter, an ihrer Spitze Hugo von Payens und Gottfried von St.-Omer,
zu einer Gesellschaft zusammentraten, um zur Ehre der
süßen Mutter Gottes Mönchtum und Rittertum
miteinander zu verbinden und am Grab des Heilands sich zugleich dem
keuschen und andächtigen Leben sowie der tapfern Beschirmung
des Heiligen Landes und der Geleitung der Waller durch die
gefährlichen und unsichern Gegenden zu widmen. Sie erhielten
vom König Balduin II. einen Teil seiner auf dem Platz des
ehemaligen Salomonischen Tempels erbauten Residenz und zur
Beherbergung armer Pilger von den Kanonikern des Heiligen Grabes
mehrere Gebäude in der Nähe und nannten sich daher T.
oder Templer. Ihre Kleidung bestand in einem weißen leinenen
Mantel mit einem achteckigen blutroten Kreuz und in einem
weißen leinenen Gürtel; ihr Ordenssiegel zeigte den
Tempel, später zwei Reiter (einen Templer und einen hilflosen
Pilger) auf Einem Pferd. Papst Honorius II. erteilte dem Orden 1127
die Bestätigung. Bernhard von Clairvaux entwarf 1128 in Troyes
die erste Ordensregel, welche den spätern Ordensstatuten (72
Artikel) zu Grunde lag, und schrieb eine Schrift zum Lob des Ordens
("Liber de lande[statt laude] novae militiae admilites templi").
Auf einer Reise in das Abendland bewirkte Hugo von Payens den
Eintritt vieler Ritter in den Orden und die Schenkung reicher
Besitzungen. Während sich der aristokratische Teil des Ordens
dem Kampf gegen die Ungläubigen widmete, beschäftigte
sich eine Anzahl von Brüdern mit dem religiösen Dienst,
andre mit dem Pilgerschutz und der Pilgerpflege; aber erst bei der
Revision der Statuten in der Mitte des 13. Jahrh. wurden die
Ordensmitglieder förmlich in Ritter, Priester und dienende
Brüder (Waffenknechte und Hausleute) eingeteilt. An der Spitze
des Ordens stand der Großmeister (magister Templariorum), der
fürstlichen Rang hatte, unter ihm die Großprioren,
welche den Provinzen vorstanden, dann die Baillifs, Prioren und
Komture. Der Großmeister hatte zur Seite das Generalkapitel
oder an dessen Stelle den Konvent zu Jerusalem und durfte nur mit
dessen Zustimmung über Krieg und Frieden, Käufe und
Veräußerungen etc. beschließen. In den Provinzen
des Ordens hatten die Vorsteher der einzelnen Landschaften
ähnliche Kapitel zur Seite. Der Orden der T. entsprach am
meisten dem Ideal des Rittertums und genoß deswegen besonders
die Gunst der Großen, weshalb er sich rasch vermehrte und
durch Schenkungen großen Besitz und Vorrechte erwarb. Um 1260
zählte er an 20,000 Ritter und besaß 9000 Komtureien,
Balleien, Tempelhöfe etc. mit liegendem Besitz, der zehntfrei
war. Unter den Nachfolgern Hugos von Payens (gest. 1136) in der
Großmeisterwürde sind hervorzuheben: Bernhard von
Tremelay, der 1153 bei einem Angriff auf Askalon fiel; Odo de
Saint-Amand (gest. 1179), der viel für die Erweiterung der
Macht des Ordens that; Wilhelm von Beaujeu, unter dem Akka, das
letzte Bollwerk der Christen in Palästina, im Mai 1291 in die
Hände der Sarazenen fiel, und Gaudini, unter dem sich der
Orden nach Cypern zurückzog. Schon im 12. Jahrh. waren Klagen
über Anmaßlichkeit, Treulosigkeit und
583
Tempellhof - Tempeltey.
Ausschweifungen der T. laut geworden. Bibere templariter (saufen
wie ein Templer) wurde fast sprichwörtlich gebraucht. Ohne
Rücksicht auf die allgemeinen Interessen verfolgten sie aus
Habgier und Herrschsucht eine nicht selten verderbliche
Sonderpolitik. Oft standen sie mit den Sarazenen im geheimen Bunde,
den Kaiser Friedrich II. wollten sie auf seinem Kreuzzug an
dieselben verraten; mit den Johannitern lebten sie in
beständigem, oft blutigem Streit, und von den Bischöfen
wurden sie, weil deren Aufsicht seit 1162 vom Papst entzogen, ohne
dies gehaßt. Dazu waren die Fürsten schon lange auf dle
Macht des Ordens eifersüchtig. Der Orden gab auch dem Neid und
der Mißgunst aufs neue Nahrung, als er den Kampf gegen die
Ungläubigen aufgab und 1306 unter dem Großmeister Jakob
von Molay nach Paris übersiedelte, um sich anscheinend
müßigem Wohlleben zu ergeben. Hiermit gab er sich in die
Gewalt Philipps IV. von Frankreich, der nach den Schätzen des
Ordens lüstern und wegen der Haltung desselben in seinem
Streit mit Bonifacius VIII. und wegen seiner Unabhängigkeit
gegen ihn erbittert war. Auf Grund der Aussagen zweier
verdächtiger Männer erhob er gegen die T. die Anklage
wegen Verleugnung Christi, Verehrung des Götzenbildes Baphomet
(s. d.), Verspottung des Abendmahls, unnatürlicher Wollust
etc., - Beschuldigungen, welche durch manche Umstände, durch
frivole Äußerungen mancher Templer, durch frühere
Anklagen seitens der Päpste, so 1208 Innocenz' III. u. a.,
unterstützt werden, aber durch unwiderlegliche Zeugnisse noch
nicht bewiesen sind. Namentlich ist die Behauptung von einer
förmlichen ketzerischen Geheimlehre der T. (vgl. Prutz,
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherrenordens, Berl. 1879),
wonach sie an einen Doppelgott, den wahren himmlischen und den
andern, der die Freuden der Welt erteile, geglaubt und letztern im
Bild eines aus edlem Metall geformten Menschenkopfs verehrt
hätten, keineswegs unbestritten. Am 13. Okt. 1307 wurden die
T. in Frankreich mit ihrem Großmeister verhaftet.
Gleichzeitig begann die Einziehung ihrer Güter. Man
erpreßte von den Rittern durch die Folter Geständnisse,
die dann als unverwerfliche Beweise der Strafbarkeit aller
Mitglieder angesehen wurden. Nicht bloß die Reichsversammlung
in Tours, auch Papst Clemens V. erklärte die Anklage gegen die
T. für begründet und befahl 12. Aug. 1308 überall
das gerichtliche Einschreiten gegen sie. Der Prozeß dauerte
bis 5. Juni 1311, worauf dann das Konzil von Vienne das Urteil
fällen sollte, aber zu fällen sich weigerte. Noch vor dem
Schluß der Akten ließ Philipp 54 Ritter verbrennen (12.
Mai 1310), denen die Folter kein Geständnis abgezwungen hatte.
Papst Clemens V. hob den Orden durch eine Bulle vom 22. März
1312 auf, ohne jedoch ein Verdammungsurteil zu wagen. Der
Großmeister wurde mit dem 80jährigen Großprior
Guido von der Normandie und mehreren andern Rittern auf einer Insel
der Seine zu Paris 18. März 1313 auf des Königs Befehl,
weil er die auf der Folter erzwungenen Geständnisse
öffentlich zurückgenommen, bei langsamem Feuer verbrannt.
Die Güter der T. wurden in Frankreich, in Kastilien und einem
Teil von England von der Krone eingezogen, in Aragonien und
Portugal aber dem Orden von Calatrava, in Deutschland den
Johannitern und Deutschen Rittern überwiesen. In Portugal
bestand der Orden unter dem Namen Christusorden, in Schottland
unter dem Namen Ritter von der Distel fort. In der Mitte des 18.
Jahrh. bemühten sich die Jesniten, das auftauchende
Freimaurerwesen mit dem alten Templerorden in Verbindung zu
bringen, um den Bund in katholisch-hierarchischem Sinn zu lenken.
So entstand der neue Templerorden in Frankreich, dessen
Haupttendenzen die Bewahrung des ritterlichen Geistes und das
Bekenntnis eines aufgeklärten, in der Zeitphilosophie
wurzelnden Deismus waren, und dem die ersten Personen des Hofs und
der Pariser Gesellschaft beitraten. Nachdem derselbe während
der Revolution sich aufgelöst hatte, sammelte in den letzten
Jahren das Direktorium seine Trümmer wieder, und man suchte
nun dem Bund eine politische Richtung zu geben. Napoleon I.
begünstigte ihn als ein Adelsinstitut. Die Restauration sah
den aufgeklärte Tendenzen verfolgenden Bund zwar mit
argwöhnischen Augen an, doch bestand derselbe fort. Die
Philhellenenvereine fanden in ihm eifrige Teilnehmer. Nach der
Julirevolution trat der Bund sogar in Paris wieder öffentlich
hervor und zwar mit kommunistischen Tendenzen, und seine Mitglieder
nannten sich Chrétiens catholiques primitifs. Seine
Geheimlehre war in einem "Johannisevangelium" zusammengefaßt.
Der Orden erlosch 1837. Vgl. Wilcke, Geschichte des Ordens der T.
(2. Ausg., Halle 1860, 2 Bde.); Michelet, Procès des
Templiers (Par. 1841-51, 2 Bde.); Havemann, Geschichte des Ausgangs
des Tempelherrenordens (Stuttg. 1846); Merzdorf, Geheimstatuten des
Ordens der T. (Halle 1877); Schottmüller, Der Untergang des
Templerordens (Berl. 1887, 2 Bde.); Prutz, Entwickelung und
Untergang des Tempelherrenordens (das. 1888).
Tempelhof, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam,
Kreis Teltow, südlich bei Berlin, an der Berliner Ringbahn und
mit Berlin durch eine Pferdebahn verbunden, hat eine evang. Kirche,
ein Garnisonlazarett, das Elisabeth-Kinderhospital, eine
Gardetrainkaserne, ein Proviantamt, Elfenbeinbleicherei und (1885)
3522 Einw. Nördlich dabei das Tempelhofer Feld,
Übungsplatz der Berliner Garnison. T. kam 1318 aus dem Besitz
des Templerordens in den der Johanniter; seit 1435 gehörte es
längere Zeit den Städten Berlin-Kölln.
Tempelkolonien, s. Tempelgesellschaft.
Tempeln, sehr einfaches Hasardspiel mit Karte, vom Pharo
im Grund nur durch Weglassung der Lappe, Paroli etc. unterschieden.
13 durch Kreidestriche bezeichnete Felder (für Zwei bis As)
nehmen die Einsätze auf, und der Bankier zieht die Karte ab
wie beim Pharo. Links gewinnt die Bank, rechts verliert sie.
Tempeltey, Eduard, Dichter, geb. 13. Okt. 1832 zu Berlin,
studierte daselbst Philologie und Geschichte, war dann längere
Zeit bei der "Nationalzeitung" beschäftigt und lebt seit 1861
am Hof des Herzogs Ernst von Koburg-Gotha, der ihn zunächst
provisorisch mit der Leitung des Theaters betraute und 1871
definitiv zum Hoftheater-Intendanten ernannte. Seine beiden Dramen:
"Klytämnestra" (Berl. 1857) und "Hie Welf - hie Waiblingen"
(Leipz. 1859), erregten ihrer Zeit großes Aufsehen wegen der
klassischen Formvollendung und verrieten ein bedeutendes
dramatisches Talent; 1882 folgte ein Drama: "Cromwell", das
ebenfalls seinen Weg über die großen deutschen
Bühnen nahm. Außerdem veröffentlichte er einen
Liederkranz: "Mariengarn" (5. Aufl., Leipz. 1866), worin das
Liebesleben in seinen verschiedenen Phasen mit tiefer Empfindung
und in makelloser Form geschildert wird, und eine kleine Schrift:
"Th. Storms Dichtungen" (Kiel 1867). T. war inzwischen zum Geheimen
Kabinettsrat ernannt worden und erhielt 1887 das Prädikat
"Präsident".
584
Tempera - Temple.
Tempera (ital.), eigentlich jede Flüssigkeit, mit
welcher der Maler die trocknen Farben vermischt, um sie mittels des
Pinsels auftragen zu können; dann insbesondere eine im
Mittelalter gebräuchliche Art der Malerei (Temperamalerei),
wobei die Farben mit verdünntem Eigelb und Leim von gekochten
Pergamentschnitzeln vermischt wurden (peinture en détrempe).
Seit Cimabue verdrängte die T. in Italien die altbyzantinische
Manier. In Deutschland malte man mit einer verwandten Technik, bis
die von den van Eycks verbesserte Ölmalerei dieselbe im Lauf
des 15. Jahrh. verdrängte. In Italien hielt sich die T.
teilweise bis um 1500, wo die Ölmalerei auch hier vollkommen
durchdrang.
Temperament (lat.), ursprünglich ein gewisser
spezifischer Wärmegrad (Temperatur) des Körpers. Man
glaubte früher, daß dieser spezifische Wärmegrad
abhängig sei von der Mischung der Säfte, und stellte
daher so viel Temperamente auf, als man Kardinalsäfte des
Körpers (rotes Arterienblut, schwarze Galle, gelbe Galle oder
der Schleim und Lymphe) annahm. Je nach dem Vorherrschen des einen
oder andern Safts im Körper hat der Mensch ein sanguinisches,
melancholisches, cholerisches oder lymphatisches (phlegmatisches)
T. Das sanguinische T. hieß auch das warme, das
melancholische das kalte, das cholerische das trockne, das
phlegmatische auch das feuchte T. Obgleich sich dieser Ideengang
keineswegs auf positive Thatsachen gründen läßt und
als eine zusammenhängende Reihe von Irrtümern erscheint,
so hat sich doch das Wort T. in der Umgangssprache erhalten, weil
man das Bedürfnis fühlte, für gewisse Zustände
und Erscheinungen am Körper, deren Wesen und innere
Bedingungen nicht klar vor uns liegen (wie für andre
unbestimmte Begriffe), ein einfaches Wort zur Hand zu haben. Die
wissenschaftliche Medizin macht in Deutschland wenigstens keinen
Gebrauch mehr von dem Wort und dem Begriff T., wohl aber geschieht
dies noch in Frankreich. Um so mehr findet das Wort T. von seiten
der Laien Verwendung, und man versteht darunter einen gewissen Teil
der Konstitution, nämlich die Stimmung und die Weise der
Thätigkeitsäußerung des Gehirns. Man hat die
Temperamente folgendermaßen charakterisiert. Das
sanguinische, warme T. ist mit Körperfülle, weicher,
zarter Haut, angenehmer frischer Gesichtsfarbe, starker
Füllung der Blutgefäße verbunden. Die
körperlichen wie geistigen Funktionen sind leicht anzuregen;
die Individuen von sanguinischem T. sind reizbar und empfindlich,
meist heiter und fröhlich, aber veränderlich in ihrer
Stimmung. Das melancholische oder sentimentale T. ist
gekennzeichnet durch festen, straffen Körperbau,
größere oder geringere Magerkeit, durch dicke, trockne,
kühle Haut, die mit dunkeln Haaren besetzt ist. In allen
Bewegungen und Handlungen zeigt sich eine gewisse Langsamkeit, die
aber von großer Ausdauer begleitet ist. Die melancholischen
Individuen sind ernst, mehr zu trüber Stimmung geneigt,
verfallen verhältnismäßig oft in
Geisteskrankheiten. Das cholerische oder trockne T. steht zwischen
dem sanguinischen und melancholischen gleichsam in der Mitte. Es
zeichnet sich durch einen leichtern und beweglichern
Körperbau, durch weniger braune und behaarte Haut und eine
lebhaftere Gesichtsfarbe aus, als diese dem melancholischen T.
zukommen. Die cholerischen Individuen sind beweglich, erhalten
leicht ein wildes Aussehen, sind zum Zorn geneigt, zeigen dabei
Stärke und Nachhaltigkeit der Erregungen,
Leidenschaftlichkeit. Die Kennzeichen des phlegmatischen, feuchten
Temperaments sind: ein schlaffer, weicher Körperbau, weiche,
weiße Haut, die wenig Haare zeigt, blondes Kopfhaar,
hervorstehende Augen, gleichgültige Gesichtszüge; die
geistigen und körperlichen Funktionen gehen träge von
statten, geringe und langsame Reaktion gegen geistige Erregungen,
geringe Empfindlichkeit gegen eigne und fremde Leiden; die
phlegmatischen Individuen neigen zu Fettbildung. Man hat diese
Temperamente auch untereinander kombiniert zu einem
melancholisch-phlegmatischen etc. T., womit der Willkür in der
Anwendung dieses ohnehin unbestimmten Begriffs vollkommene Freiheit
gegeben wurde. Auch ein nervöses T. hat man aufgestellt,
welches sich durch Muskelschwäche und große
Nervenreizbarkeit kennzeichnen soll. Man hat auch versucht, den
verschiedenen Temperamenten einen Einfluß auf die Entstehung
gewisser Krankheiten zuzuschreiben.
Temperantia (sc. remedia, lat.), mildernde Arzneimittel,
s. Einhüllende Mittel.
Temperánzgesellschaften (engl. temperance
societies), s. Mäßigkeitsvereine.
Temperatur (lat.), der dem Gesühl und durch das
Thermometer (s. d.) sich kundgebende Erwärmungszustand eines
Körpers; kritische T., s. Gase, S. 930; mittlere T., s.
Lufttemperatur. - In der Musik heißt T. die von der absoluten
akustischen Reinheit abweichende Stimmung der zwölf
Halbtöne einer Oktave, welche es ermöglicht, von jedem
beliebigen Ton als Grundton auszugehen. Es wird dies erreicht,
indem man unter Beibehaltung der Reinheit der Oktave die
übrigen Töne etwas oberhalb oder unterhalb der von der
reinen Stimmung geforderten Höhe "schweben" läßt.
Die T. heißt gleichschwebend, wenn alle Intervalle durch die
ganze Tonleiter einander gleich, ungleichschwebend, wenn sie
voneinander verschieden angenommen werden.
Temperatursinn, s. Tastsinn.
Temperguß, s. v. w. hämmerbares
Gußeisen.
Temperieren (lat.), mäßigen, mildern.
Tempern, s. v. w. Adoucieren.
Tempésta (ital.), Sturm, Seesturm (auch als
Gemälde); tempestoso, stürmisch, ungestüm.
Tempesta, Maler, s. Molyn 2).
Tempête (franz., spr. tangpäht, "Sturm"),
gesellschaftlicher Tanz, an dem viele Paare teilnehmen. Die
Aufstellung geschieht in Reihen zu je zwei Paaren, die sich an die
mittlern wie an die gegenüberstehenden Paare nach beiden
Seiten anschließen. Die mittlern vier Paare beginnen den Tanz
mit Rond, Chassé, Croisé, Balancé und
ähnlichen Touren, die dann nach beiden Seiten der Reihe nach
wiederholt werden. Die ziemlich lebhafte Melodie steht im
Zweivierteltakt und besteht aus mehreren Reprisen von acht
Takten.
Tempieren, den Zünder für Hohlgeschosse auf
eine bestimmte Brennzeit stellen; s. Zündung.
Tempio Pausania, Kreishauptstadt in der ital. Provinz
Sassari (Sardinien), am Nordabhang des Limbaragebirges, bildet mit
Ampurias ein Bistum, hat ein Gymnasium, eine technische Schule, ein
Seminar und (1881) 5452 Einw.
Tempi passati! (ital.), vergangene Zeiten!
Temple, 1) (le Temple, spr. tangpl) ehemals Ordenshaus
der Tempelherren in Paris, in der Revolutionszeit
Staatsgefängnis, in welchem auch Ludwig XVI. und seine Familie
im Winter 1792/93 bis zur Hinrichtung (21. Jan.) gefangen gehalten
wurde. Unter Napoleon III. ward der T. abgebrochen und an dessen
Stelle ein 7500 qm großes Square mit Trödlerhallen
anlegt. Vgl. Curzon, La maison du T. (Par. 1888). - 2) (spr.
tempel) ehemaliges Ordens-
585
Temple - Tenasserim.
haus der Tempelherren in London, welches 1346 den
Rechtsgelehrten überlassen wurde, seither die wichtigste der
sogen. Inns of Court; s. London, S. 900.