Zum Schließen und Öffnen des Stroms dient die in Fig.

7 auf Tafel II abgebildete Taste, ein um die Achse q in dem

Ständer L drehbarer Messinghebel B mit zwei Kontakten R und T,

von denen R im Zustand der Ruhe durch die Wirkung der Spiralfeder F

gegen die Schiene s3 gepreßt wird, während beim Drucken

auf den Knopf O die leitende Verbindung zwischen R und s3

aufgehoben, dagegen zwischen T und s1 hergestellt wird. Ob Strom

vorhanden ist, erkennt man an dem Galvanoskop (Fig. 8, Tafel II),

dessen Zeiger n an einem zwischen Drahtumwindungen in senkrechter

Ebene drehbar aufgehängten Winkelmagnet befestigt ist und je

nach der Richtung des Stroms nach rechts oder links

ausschlägt. Als Schutzmittel gegen Beschädigungen der

Apparate durch den Blitz (s. Blitzableiter) dient der

Plattenblitzableiter (Fig. 9, Tafel II). Die mit den Leitungen und

den Apparaten verbundenen Messingplatten P1P2 haben Querreifeln und

sind innerhalb des Rahmens R mit dem abnehmbaren, auf der

Unterseite mit Längsreifeln versehenen Deckel d so angeordnet,

daß sie für gewöhnlich sowohl untereinander als von

Rahmen und Deckel isoliert bleiben, aber im Bedarfsfall mittels des

Stöpsels s gegenseitig und mit dem Deckel leitend verbunden

werden können. Letzterer steht über den Rahmen und die

Klemmschraube k mit der Erde in Verbindung; etwanige aus der

Leitung kommende Blitzschläge vermögende geringe

Entfernung zwischen Leitungs- und Deckplatte leicht zu

überspringen und werden von dort unschädlich zur Erde

abgeleitet.

Die Verbindung der beschriebenen Apparate untereinander und mit

der Batterie ergibt sich aus den Stromläufen (Textfig. I

für Arbeitsstrom und Textfigur II für Ruhestrom), in

welchen T die Taste, A den Schreibapparat, G das Galvanoskop, B den

Blitzableiter, L B die Linienbatterie, E den zur Erde und L den zur

Leitung führenden Draht bezeichnen.

Wo die Stärke des ankommenden Stroms zur Ingangsetzung der

Schreibapparate nicht ausreicht, schaltet man in die Leitung ein

Relais. Dasselbe besteht aus einem Elektromagnet mit leicht

beweglichem Ankerhebel, welcher durch die anziehende Kraft des

Stroms an eine Kontaktschraube gelegt wird und dadurch eine

Ortsbatterie schließt, deren Strom dann den Schreibapparat in

Bewegung setzt. Relais mit besonders lautem Anschlag dienen unter

dem Namen Klopfer auch zum Aufnehmen von Telegrammen nach dem

Gehör. In den sehr empfindlichen polarisierten Relais sind die

Eisenkerne der Elektromagnetrollen auf Stahlmagneten befestigt und

dadurch dauernd magnetisiert.

Das durch internationale Vereinbarungen festgesetzte

Morsealphabet besteht aus Punkten und Strichen in nachstehender

Gruppierung: [siehe Grafik]

Die wagerechten Elementarzeichen erscheinen auf dem

Papierstreifen sehr gestreckt, was die Leichtigkeit des Ablesens

beeinträchtigt; auch nimmt die Darstellung der Striche durch

längern Tastendruck eine größere Zeit in Anspruch

und vermindert die Leistungsfähigkeit der Apparate. Der

Apparat von Estienne, welcher in neuerer Zeit von der deutschen

Reichstelegraphenverwaltung vielfach verwendet wird, stellt die

Striche und Halbstriche senkrecht zur Längsrichtung des

Papierstreifens und benutzt zur Erzeugung derselben je einen Strom

von gleicher Dauer, aber entgegengesetzter Richtung. An

nachstehendem Wort (Berlin) in Morse- und in Estienneschrift kann

der Unterschied erkannt werden: [siehe Grafik]

Der Estienne-Apparat besitzt an Stelle des Schreibrädchens

zwei Schreibfedern, welche die Farbe durch Kapillarwirkung aus dem

Farbebehälter entnehmen

568

Telegraph (Wheatstones automatischer Apparat, Hughes'

Typendrucktelegraph).

und auf den Streifen übertragen. Sie werden durch die

beiden Zinken eines gabelförmigen Hebels in Bewegung gesetzt,

der sich unter dem Einfluß der Stromwirkungen nach rechts

oder links anlegt. Die Schreibfläche der einen Feder ist

doppelt so breit als diejenige der andern; erstere dient zur

Darstellung der Striche, letztere zur Erzeugung der Punkte. Die

Gabelwelle trägt auf der Rückseite des Apparats eine

Zunge aus weichem Eisen, deren oberes Ende zwischen die Polschuhe

eines Elektromagnets ragt, während das untere Ende durch den

beweglichen Polschuh eines unterhalb des Apparatgehäuses

gelagerten Stahlmagnets eine magnetische Polarisation erhält,

so daß Ströme verschiedener Richtung die Zunge in

entgegengesetztem Sinn ablenken. Zum Betrieb des Apparats dienen

Wechselströme, deren Entsendung mittels einer Doppeltaste

erfolgt.

Eine ausgiebigere Benutzung der Telegraphenleitungen wird auch

durch die automatische Telegraphie erreicht. Sie

überträgt die Abtelegraphierung der Zeichen einer

mechanischen Vorrichtung, die bei vollkommner

Regelmäßigkeit der Schrift eine beträchtlich

größere Geschwindigkeit zu erreichen gestattet, als dies

der menschlichen Hand möglich ist. Wheatstone, dessen

automatischer Apparat in England mit großem Erfolg verwendet

wird, benutzt zum Geben einen gelochten Papierstreifen und zum

Empfangen einen schnell laufenden polarisierten Farbschreiben. Das

Lochen des Streifens geschieht unabhängig von der eigentlichen

Abtelegraphierung an besondern Stanzapparater. Der vorbereitete

Streifen durchläuft sodann den Geber, dessen Thätigkeit

er mittels zweier vertikal stehender Nadeln reguliert, die auf

Kontakthebel wirken und jedesmal in Thätigkeit treten, sobald

ein ausgestanztes Loch dem Nadelende den Durchgang gestattet. Der

Apparat arbeitet mit Wechselströmen, wobei jedem

Elementarzeichen zwei entgegengesetzt gerichtete Ströme von

gleicher Dauer entsprechen, von denen der eine den Schreibhebel des

Empfängers wider den Papierstreifen legt, der andre die

Zurückführung bewirkt. Außer Wheatstone haben noch

Bain, Siemens, Little u. a. automatische Telegraphen

konstruiert.

Nächst dem Morse-Apparat findet im Betrieb der

europäischen Telegraphenverwaltungen der Typendrucktelegraph

von Hughes (Fig. 10, Tafel I) die ausgedehnteste Verwendung. Sein

Mechanismus ist weniger einfach, aber seine Leistungsfähigkeit

bedeutend größer als diejenige des Morse-Apparats, vor

welchem er außerdem den Vorzug besitzt, daß die

Telegramme in gewöhnlicher Druckschrift ankommen, mithin

für jedermann ohne Übersetzung lesbar sind. An der

Vorderseite des Tisches befindet sich die Klaviatur, bestehend aus

28 Tasten, welche mit den Buchstaben, Ziffern und

Interpunktionszeichen beschrieben sind und beim Niederdrücken

die Verbindung zwischen Batterie und Leitung herstellen; dahinter,

zwischen den aufrecht stehenden Apparatwangen, ist das mit einem

Gewicht von 60kg bewegte Laufwerk, verbunden mit einer

Bremsvorrichtung und der in einem gußeisernen

Ansatzstück des Apparattisches gelagerten Regulierlamelle,

angeordnet; links neben dem Laufwerk das Elektromagnetsystem, und

an der Vorderwand des Apparats sieht man die Druckvorrichtung mit

dem Typenrad, wozu noch die auf der rechten Seite befestigte

Papierrolle gehört. Die Vorrichtung auf der linken hintern

Ecke der Tischplatte ist ein Umschalter, welcher die Richtung des

Telegraphierstroms beliebig zu wechseln gestattet. Vgl. Sack, Der

Drucktelegraph Hughes (2. Aufl., Wien 1884).

Das Elektromagnetsystem des Hughes-Apparats (Fig. 11 der Tafel

II) besteht aus einem kräftigen Stahlmagnet in Hufeisenform,

auf dessen Pole zwei von Elektromagnetrollen E umgebene hohle Kerne

von weichem Eisen so aufgesetzt sind, daß dieselben die

Verlängerung der Pole bilden und an ihren obern, mit

Polschuhen versehenen Enden selber entgegengesetzte Magnetpole

besitzen. Den Polschuhen gegenüber und im Ruhezustand auf

diesen aufliegend, befindet sich der flache Eisenanker E1E2,

welcher zwischen zwei Messingständern T um die Zapfenschrauben

s leicht drehbar eingelagert und mit zwei nach unten reichenden

Stahlfedern ee versehen ist, die sich gegen die Stellschrauben b1

b2 anlegen. Unter Mitwirkung dieser Federn erfolgt das Abschnellen

des Ankers, sobald ein Strom von solcher Richtung den Elektromagnet

durchfließt, daß dessen Polarität dadurch

geschwächt wird. Der Anker stößt bei seinem

Abfallen gegen den Hebel einer Sperrvorrichtung, löst diese

aus und bewirkt dadurch die Verkuppelung der Druckvorrichtung mit

dem Laufwerk und den Abdruck desjenigen Zeichens, welches sich in

diesem Moment an der untersten Stelle des Typenrades befindet. Weil

nun die anziehende Kraft des Magnets nicht ausreicht, um den

abgeschnellten Anker unter Überwindung der durch die

Spannfedern ausgeübten Gegenkraft wieder auf die Polschuhe

zurückzuführen, so überträgt Hughes diese

Arbeit der Mechanik des Apparats, indem er durch ein auf der

Druckachse befestigtes Exzenter F1 den rechtsseitigen Arm des

Auslösehebels G wieder emporheben und dadurch den Anker auf

die Polschuhe niederdrücken läßt, die ihn dann bis

zum nächsten Stromimpuls festhalten. Gleichzeitig wird

während dieses Vorganges die Kuppelung selbstthätig

wieder aufgehoben, die Druckachse bleibt stillstehen, und der

Auslösehebel nimmt, nachdem er den Anker

zurückgeführt hat, seine alte Stellung wieder ein.

Die Druckachse bildet die vordere Verlängerung der

Schwungradwelle. Letztere trägt auf ihrem freien Ende ein mit

feinen, schief geschnittenen Zähnen versehenes Sperrrad z und

einen Zapfen, auf welchen die Druckachse mit ihrem hintern,

entsprechend ausgehöhlten Ende aufgeschoben ist. Auf dem

hintern Ende der Druckachse ist das zweiarmige Querstück FF

befestigt, welches einerseits die drehbare Sperrklinke n,

anderseits die gegen die Sperrklinke drückende Feder f

trägt. Ein Ansatzstück F2 legt sich im Ruhestand gegen

den Anschlag G2 des Auslösehebels G, während ein an der

Sperrklinke angebrachter kegelförmiger Ansatz auf einem an dem

Winkel p befestigten prismatischen Stahlstück m, der sogen.

schiefen Ebene, ruht. Senkt sich der rechte Arm des

Auslösehebels G, so gleitet der kegelförmige Ansatz der

Sperrklinke von der schiefen Ebene herunter, die Sperrklinke

gelangt dadurch zum Eingriff in die Zähne des Sperrrades, und

die Verkuppelung der Druckachse mit der an der Bewegung des

Laufwerkes beständig teilnehmenden Schwungradachse tritt ein.

Nach Vollendung einer Umdrehung trifft indessen der Sperrkegel von

rechts her wieder auf den prismatischen Ansatz m, steigt an

demselben in die Höhe u. hebt dadurch den Sperrkamm aus den

Zähnen des Sperrrades; die Verkuppelung wird mithin jedesmal

selbstthätig wieder aufgehoben. Die Druckachse c (Fig. 12,

Tafel I) ist an ihrem vordern, außerhalb des

Äpparatgehäuses L1 befindlichen, in dem Messingwinkel J

gelagerten Teil mit mehreren verschiedenartig geformten Nasen

versehen, welche die Druckvorrichtung in Thätigkeit setzen.

Das Typenrad A trägt auf seiner Peripherie die Buchstaben,

Ziffern und Satzzeichen in erhabener Gravierung;

569

Telegraph (Hughes' Typendrucktelegraph).

es sitzt mit noch zwei andern Rädern, dem in der Figur

sichtbaren Korrektionsrad B und dem sogen. Friktionsrad, auf

derselben Achse, jedoch so, daß nur das Friktionsrad an der

Bewegung des Laufwerkes teilnimmt, während die auf einer

Buchse befestigten vordern Räder sich vollständig frei um

die Achse bewegen und an deren Umdrehungen nur dann sich

beteiligen, wenn sie mit dem Friktionsrad durch eine ähnliche

Einrückvorrichtung, wie sie zur Verkuppelung der

Schwungradwelle mit der Druckachse dient, verbunden werden.

An dem mit 28 scharfen Zähnen versehenen Korrektionsrad B

(Fig. 13, Tafel I) befindet sich der mit dem Typenrad durch eine

besondere Buchse verbundene Figurenwechsel. Letzterer besteht aus

dem zweiarmigen Hebel hh1, dessen Arm h innerhalb eines runden

Ausschnitts der Stahlscheibe w spielt. Je nachdem der eine oder der

andre Vorsprung dieser Scheibe eine Zahnlücke bedeckt, nimmt

der Hebel und damit das Typenrad eine um ein Feld der Zeichenfolge

verschobene Stellung ein. Da nun auf dem Umfang des Typenrades

Buchstaben und Ziffern, bez. Satzzeichen miteinander abwechseln,

erfolgt in dem einen Fall der Abdruck vom Buchstaben, im andern von

Ziffern und Satzzeichen. Das Umlegen des Wechselhebels bewirkt ein

Daumen der Druckachse c, welcher bei jeder Umdrehung in eine

Zahnlücke des Korrektionsrades trifft und dessen Stellung in

der Weise berichtigt, daß er durch den auf die abgerundeten

Zähne desselben ausgeübten Druck das Korrektionsrad und

mit ihm das Typenrad etwas vorschiebt, wenn es

zurückgeblieben, und zurückdrückt, wenn es

vorangeeilt war. Die Lücken unter den Vorsprüngen des

Wechselhebels entsprechen zwei freien Feldern des Typenrades,

welche zur Herstellung der Zwischenräume dienen. Im

Ruhezustand liegt der Korrektionsdaumen auf der an dem Ebonitwinkel

T1 (Fig. 12) befestigten isolierten Feder und stellt dadurch eine

leitende Verbindung zwischen dem Körper des Apparats und dem

Elektromagnet her.

Der Abdruck der Zeichen geht in der Weise vor sich, daß

das Papierband wider die in voller Drehung begriffene Typenscheibe

geschleudert wird und von den mit Druckerschwärze befeuchteten

Typen diejenige abdrückt, welche in dem betreffenden

Augenblick an der tiefsten Stelle des Rades sich befindet. Dieses

Emporschnellen des über die Druckrolle D2 (Fig. 12)

geführten Papierbandes bewirkt ein Daumen der Druckachse,

welcher gegen die obere Nase des um S drehbaren Druckhebels D1

trifft; gleichzeitig findet ein Fortrücken des Papierstreifens

um eine Typenbreite statt, indem durch einen andern Ansatz der

Druckachse der Hebel K1K2 und mit ihm der Arm K4

niedergedrückt wird, wobei dessen hakenförmiger Ansatz in

die Zähne eines mit der Druckrolle verbundenen Sperrrades

eingreift und hierdurch die Druckrolle dreht.

Der dreiarmige Einstellhebel U1U2U3 dient dazu, das

Korrektionsrad und das Typenrad außer Verbindung mit dem

Laufwerk zu bringen und in der Ruhelage festzuhalten. Ein auf den

Knopf o des horizontalen Hebelarms U1 ausgeübter Druck bringt

zunächst den als Träger von o dienenden Stift in

Berührung mit der darunter befindlichen, an dem

Ebonitstück e befestigten Blattfeder, welche über t2T2

unmittelbar mit der Leitung in Verbindung steht; erst wenn

hierdurch der Elektromagnet ausgeschaltet ist, folgt der Hebel dem

Druck nach unten und bewirkt durch einen Ansatz des Arms U2,

welcher die Blattfeder a mit ihrem Stahlansatz v in den Bereich

eines an der Sperrklinke des Korrektionsrades angebrachten Stiftes

bringt, die Aufhebung der Verbindung zwischen dem Korrektions- und

Typenrad und dem Laufwerk. Die Auslösung des Einstellhebels

und Einlösung der Verkuppelung mit dem Sperrrad erfolgt durch

Anschlagen eines Ansatzstiftes der Druckachse wider das

verlängerte Ende von U2.

Die Stromgebung beim Hughes-Apparat erfolgt mittels einer

Klaviatur von 28 Tasten, die in zwei Reihen übereinander

angeordnet sind (Fig. 10); die obere Reihe ist schwarz, die untere

weiß. Alle Tasten, mit Ausnahme der ersten und fünften

weißen, von links anfangend, sind mit je einem Buchstaben und

einem Ziffer-, bez. Satzzeichen versehen. Die weißen Tasten

dienen zur Herstellung der Zwischenräume; sie entsprechen den

Nasen des Wechselhebels und werden deshalb auch angeschlagen, wenn

von Buchstaben auf Ziffern oder umgekehrt übergegangen werden

soll. Die Tastenhebel T (Fig. 14 der Tafel II) haben ihren

Drehpunkt in Achsen, welche an der untern Fläche einer starken

Gußeisenplatte P1 befestigt sind; auf dieser Platte ruht

mittels des flantschartigen Ansatzes R die Stiftbüchse P,

welche an ihrem untern Rand J mit senkrechten Einschnitten versehen

ist. Beim Niederdrücken einer Taste hebt das durch einen

Einschnitt in die Stiftbüchse eingreifende freie Ende des

Tastenhebels T einen darüber ruhenden Kontaktstift S mit

seinem obern hakenförmigen Ende längs der schrägen

Fläche des konischen Ringes k aus der Stiftscheibe N und

bringt ihn in den Weg des um eine senkrechte, innerhalb der

Stahlhülse b gelagerte Achse w über der Stiftscheibe

kreisenden Schlittens, welchem durch konische Verzahnung mit der

Typenradachse gleiche Winkelbewegung mit dem Typenrad erteilt wird.

Beim Loslassen der Taste wird der Stift durch die Feder f in seine

Ruhelage zurückgezogen.

Auf die Schlittenachse w (Fig. 15 der Tafel II) ist eine

Stahlbuchse B mit vorspringenden Rändern aufgeschoben. An der

Achse unwandelbar befestigt, befindet sich das gabelförmig

ausgeschnittene Messingstück G, dessen mittlerer vorragender

Teil an seinem untern Ende ein geschweiftes Stahlstück R1, die

sogen. Streichschiene, trägt. Die beiden äußern

Arme dienen als Achslager für den beweglichen Teil g1,

dessennach außen liegendes Mittelstück den abwärts

gekehrten, abgeschrägten Stahlstreifen e, die Lippe,

enthält. Das andre Ende des beweglichen Teils bildet einen

Winkelhebel, welcher mit einem seitlich angebrachten Stahlstift a

auf dem weitern Rande der Buchse B ruht und diese bei aufsteigender

Bewegung der Lippe e abwärts drückt. An der linken Seite

der vordern Apparatwange unterhalb der Achse des Auslösehebels

ist der Messingwinkel P1 angeschraubt; er bildet das Lager für

den zweiarmigen Kontakthebel HH1. Rechts trägt dieser Hebel

einen seitlich angebrachten Stahlstift, welcher unter den obern

vorspringenden Rand der Hülse greift, so daß beim Auf-

und Niedergang derselben die an dem linken Hebelarm angebrachte

Blattfeder F1 abwechselnd die Kontaktschrauben c1 und c2

berührt, von denen jene mit der Batterie, diese mit der Erde

verbunden ist, während der Hebel selber über den

Körper des Apparats und die Elektromagnetrollen mit der

Leitung in Verbindung steht. Jedesmal, wenn der Schlitten einen

gehobenen Kontaktstift passiert, wird mithin durch das Niedergehen

der Buchse B und des Hebelarms H1 ein Strom in die Leitung gesandt,

der sowohl auf dem gebenden als auf dem empfangenden Amte die

Apparate zum Ansprechen bringt und den Abdruck des betreffenden

Buchstabens bewirkt. Die Umlaufgeschwindigkeit des Schlittens

beträgt 100-120 Umdrehungen in der Minute.

570

Telegraph (Multiplexapparate, Doppel- u. Gegensprechen; Land- u.

Seeleitungen).

Bei allen bis jetzt beschriebenen Telegraphenapparaten bleibt

zur Trennung der einzelnen Buchstaben oder Schriftzeichen die

Leitung eine Zeitlang unbenutzt. In der Multiplex- oder

Vielfachtelegraphie werden diese notwendigen Pausen ausgefüllt

mit der Schriftbildung auf einem zweiten, dritten etc. Apparat,

wobei die Leitung nacheinander mit sämtlichen Apparaten in

Verbindung tritt. Allen Vielfachapparaten gemeinsam ist die

Einrichtung einer kreisförmigen Verteilerscheibe aus

isolierendem Material, auf welcher je nach Anzahl der Apparate eine

größere oder geringere Menge metallischer Sektoren

befestigt sind, die mit den einzelnen Apparatsätzen in

Verbindung stehen. Über diesen Sektoren schleift eine

metallische Feder, an welcher die Leitung liegt; letztere nimmt bei

jeder Umdrehung einmal aus jedem Apparatsatz die entsprechend

vorbereiteten Telegraphierströme auf und führt sie auf

dem andern Amt über eine gleichlaufende Verteilereinrichtung

dem betreffenden Empfangsapparat zu.

Der vierfache T. von Meyer ist auf die Übermittelung von

Morsezeichen berechnet, die an vier Klaviaturen mit je acht Tasten

vorbereitet werden. Der Verteiler enthält 50 voneinander

isolierte Lamellen verschiedener Breite, von denen 32 mit den

Tasten der Klaviaturen verbunden sind, während die

übrigen teils mit der Erde in Verbindung stehen und die

nötigen Zwischenräume bewirken, teils für die

Herstellung des Synchronismus benutzt werden. Die Schriftbildung

erfolgt senkrecht zur Längsrichtung des Papierstreifens in

polarisierten Empfangsapparaten.

Während Meyer und Baudot bei ihrem sechsfachen

Typendruckapparat die Leitung jedesmal für eine Zeit an ein

Apparatpaar legen, welche zur Erzeugung eines telegraphischen

Zeichens ausreicht, läßt Delany die Wechsel so rasch

aufeinander folgen, daß die Nachwirkung in den

Elektromagneten sozusagen die stromlosen Pausen

überbrückt und jeder Apparat ohne Rücksicht auf die

andern arbeitet. Eine schwingende Stimmgabel vermittelt die

Stromsendung durch den Elektromagnet eines phonischen Rades, dessen

Achse eine über der Verteilerscheibe schleifende Kontaktfeder

trägt. Je nach der Anzahl der einzuschaltenden Apparate sind

die Kontaktplatten der Verteilerscheibe untereinander zu Gruppen

vereinigt, so daß jeder Apparat in der Sekunde gleich oft mit

der Leitung in Verbindung tritt. Erfolgt diese Verbindung

häufig genug, z. B. 30 mal in der Sekunde, so wirkt dies

bezüglich des Telegraphierens ebenso, als ob die Leitung

beständig am Apparat läge. Die Delanysche Einrichtung

kann teils mit Morse, teils mit Typendruckapparaten betrieben

werden und vermag angeblich bis zu 72 Telegrammen gleichzeitig zu

befördern.

Den gleichen Zweck einer bessern Ausnutzung der

Telegraphenleitungen hat man auch zu erreichen gesucht durch das

Doppelsprechen (gleichzeitige Beförderung zweier Telegramme

auf demselben Draht in gleicher Richtung) und das Gegensprechen

(gleichzeitige Beförderung in entgegengesetzter Richtung). Bis

jetzt hat sich nur das Gegensprechen bleibenden Eingang erringen

können. Die erste diesem Zweck entsprechende Schaltung wurde

1853 von Gintl vorgeschlagen; ihm folgten Frischen, Siemens u.

Halske, Edlund, Maron u. a. In neuerer Zeit sind einfache Methoden

von Gattino, Fuchs und Canter angegeben worden. Fuchs, dessen

Schaltung in Fig. 16 (Tafel I) schematisch dargestellt ist,

schaltet eine mit einem Hilfshebel a versehene Taste zwischen die

beiden Elektromagnetrollen mm des Schreibapparats, so daß der

abgehende Strom nur die eine, der ankommende aber beide Rollen

durchläuft: bei entsprechender Regulierrung bleibt daher der

Apparat des gebenden Amtes in Ruhe, während der

Empfangsapparat anspricht. Drücken beide Ämter

gleichzeitig Taste, so geben die mit entgegengesetzten Polen an

Leitung liegenden Batterien einen doppelt so starken Strom, der die

magnetisierende Wirkung der einen Rolle entsprechend verstärkt

und auf beiden Ämtern das Ansprechen der Apparate

herbeiführt, wobei jeder Apparat dem Batteriestrom des andern

Amtes gehorcht.

In der Schaltung von Canter (Fig. 17, Tafel I) sind die beiden

Elektromagnetrollen mm des Farbschreibers ebenfalls getrennt, und

die Taste, hier eine gewöhnliche, liegt zwischen ihnen;

außerdem ist zwischen Mittelschiene und Ruheschiene der Taste

ein Rheostat R angebracht, in welchen so viel Widerstand

eingeschaltet wird, daß beim Niederdrücken der Taste der

eigne Apparat nicht anspricht und die magnetisierende Kraft im

Empfangsapparat die gleiche bleibt, ob nur auf einer oder auf

beiden Seiten gearbeitet wird. Die Batterien liegen mit gleichen

Polen an der Leitung. In oberirdischen Leitungen bis zu 350 km

Länge sind mit diesen Schaltungen befriedigende Resultate

erzielt worden; auf größere Entfernungen und in

Kabelleitungen wird ihre Verwendung durch das Auftreten der

Ladungserscheinungen erschwert.

Als Elektrizitätsquellen werden in der Telegraphie

vorzugsweise galvanische Elemente (s. Galvanische Batterie)

benutzt; doch beginnt man neuerdings auch die Dynamomaschinen als

Stromerzeuger für telegraphische Zwecke nutzbar zu machen.

Zum Bau der oberirdischen Telegraphenlinien bedient man sich

imprägnierter Stangen von 7-10 m Länge und 12-15 cm

Zopfstärke, an welche Isolationsvorrichtungen von Porzellan

auf eisernen Stützen festgeschraubt werden. Die deutsche

Reichstelegraphenverwaltung verwendet die von Chauvin angegebene

Doppelglocke (Fig. 18, Tafel I) auf hakenförmiger

Schraubenstütze. Zur Herstellung der Leitungen wird in der

Regel verzinkter Eisendraht von 2,5-5 mm Durchmesser benutzt; in

neuerer Zeit kommt auch Bronze zur Verwendung. Die unterirdischen

Linien bestehen aus Kupferdrähten oder Kupferlitzen, die mit

Guttapercha isoliert sind; gewöhnlich werden 4 oder 7 solcher

Adern zu einem Kabel verseilt und mit einer Schutzhülle von

verzinkten Eisendrähten umgeben. Die in der

Reichstelegraphenverwaltung gebräuchlichen Querschnitte sind

aus Fig. 19 (Tafel I), zu ersehen. Für die Überschreitung

von Gewässern gibt man den Kabeln eine zweite Schutzhülle

von stärkern Drähten und schließt sie

außerdem in verzinkte gußeiserne Gelenkmuffen ein.

Unterirdische Leitungen sind weniger Beschädigungen

ausgesetzt, erfordern aber vorzügliche Isolation und

bedeutende Anlagekosten, während ihre Benutzbarkeit auf

längern Strecken durch die den Kabeln anhaftenden

Ladungserscheinungen eine gewisse Einschränkung erfährt.

Schon bei Entstehung der elektrischen Telegraphie angewendet, haben

dieselben erst seit 1876 eine größere Verbreitung

erlangt, nachdem die deutsche Reichstelegraphenverwaltung mit der

Anlage ihres ausgedehnten unterirdischen Liniennetzes bahnbrechend

vorangegangen war. 1886 besaß Deutschland 5648 km, Frankreich

1661 km, Großbritannien 1146 km und Rußland 289 km

unterirdische Linien.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 165 / 302 段