Telaw, Kreisstadt im russisch-kaukas. Gouvernement

Tiflis, Hauptort der Landschaft Kachetien, in obst- und weinreicher

Gegend, mit Palästen und den Ruinen alter Befestigungen, einem

Bazar, lebhaftem Handel mit Wein und (1879) 7022 Einw.

564

Telchinen - Telegraph.

Telchinen, in der griech. Mythologie ein aus dem Meer

entsprossenes Urgeschlecht auf der Insel Rhodos. Sie galten

für die ältestem Metallarbeiter und Verfertiger von

Götterbildern und mythischen Waffen und Geräten,

namentlich der Sichel des Kronos und des Dreizacks des Poseidon

(welch letzterer ihnen von Rhea zur Erziehung anvertraut sein

sollte, wie Zeus den rhodischen Kureten), aber auch für

neidische Zauberer und Göttern wie Menschen feindliche

Dämonen. Sie wurden daher von Apollon getötet, nach

andrer Sage von Zeus durch eine Überschwemmung der Insel

vernichtet; nach noch andrer Tradition wanderten sie von Rhodos aus

und zerstreuten sich nach Lykien, Cypern, Kreta und

Griechenland.

Teleangiëktasie (griech.), s. Feuermal.

Telega, russ. Fuhrwerk, s. Kibitka.

Telegonos, im griech. Mythus Sohn des Odysseus und der

Kirke, zog auf Geheiß seiner Mutter aus, den Vater zu suchen,

und ward durch einen Sturm nach Ithaka verschlagen. Als er hier,

von Hunger getrieben, auf den Feldern des Odysseus raubte und

dieser ihm entgegentrat, tötete er seinen Vater, ohne ihn zu

kennen. Auf Geheiß der Athene ging er darauf mit Telemachos

und Penelope zur Kirke zurück und vermählte sich dort mit

Penelope, die ihm den Italos gebar. Er soll Präneste und

Tusculum gegründet haben.

Telegramm (griech.), aus Amerika (1852) stammende

Bezeichnung einer telegraphischen Nachricht (sprachlich richtiger

Telegraphem, wie im heutigen Griechenland üblich). Man

unterscheidet: 1) T. in offener Sprache mit allgemein

verständlichem Inhalt in einer gebräuchlichen Sprache; 2)

T. in verabredeter Sprache in Wörtern, die nur für den

Eingeweihten einen Sinn geben. Die Wörter werden für die

internationale Korrespondenz zugelassenen Wörterbüchern

entnommen und bezeichnen oft ganze Sätze, so daß das T.

sehr kurz und billig wird; 3) T. in chiffrierter Sprache, d. h. aus

Ziffern oder Buchstaben bestehend, zu deren Deutung ein

Schlüssel nötig ist (s. Chifferschrift). Die

Gebühren werden nach einem Einheitssatz für das Wort

berechnet. Größte Länge eines Wortes für T. 1)

im europäischen Verkehr 15, im außereuropäischen

Verkehr 10 Buchstaben, für T. 2) höchstens 10 Buchstaben.

Bei T. 3) sind je 5 Ziffern oder Buchstaben = ein Wort. Worttaxe

(1889) im innern Verkehr Deutschlands 6, für Stadttelegramme 3

Pfennig und im Verkehr mit Algerien-Tunis 27, Belgien 10,

Bosnien-Herzegowina 20, Bulgarien 25, Dänemark 10, Frankreich

15, Gibraltar 25, Griechenland mit Euböa und Poros 40,

griechische Inseln 45, Großbritannien 20 (Grundtaxe 40),

Helgoland 15, Italien 20, Luxemburg 6, Malta 40, Marokko 40,

Montenegro 20, Niederlande 10, Norwegen 20, Österreich-Ungarn

10, Portugal 25, Rumänien 20, Rußland (europäisches

und kaukasisches) 25, Schweden 20, Schweiz 10, Serbien 20, Spanien

25, Tripolis 105, Türkei 45 Pfennig. Dringende Telegramme

(dringend, urgent, D.) werden gegen dreifache Gebühr vor

andern befördert. Bezahlte Antwort (Antwort bezahlt, reponse

payee, R. P.) wird für zehn Worte berechnet, man kann aber

auch für mehr Worte und für dringende Antwort (R. P. D.)

bezahlen. Verglichene Telegramme (Vergleichung, collation, T. C.)

werden von der Ankunftsstelle zurücktelegraphiert, Gebühr

für Vergleichung ein Viertel der Gebühr für das T.

Empfangsanzeige (Empfangsanzeige bezahlt, accuser réception

C. R.), Gebühr gleich T. von zehn Worten. Nachzusendendes T.

(nachzusenden, faire suivre, F. S.) wird innerhalb Europas dem

Empfänger nachgesandt und die Gebühr von letzterm

erhoben. Zu vervielfältigendes T. an mehrere Empfänger in

demselben oder an mehrere Wohnungen desselben Empfängers in

demselben Ort. Gebühr für jede Abschrift 40 Pf. Offen zu

bestellendes T. (remettre ouvert, R. O.) wird unverschlossen

übergeben. P. P. = poste payée, Post bezahlt; X. P. =

exprés payé, Eilbote bezahlt. Seetelegramm

(sémaphorique) für Schiffe in See muß

Empfänger, Namen des Schiffs und der zu benutzenden

Seetelegraphenanstalt enthalten. Berichtigungs- oder

Ergänzungstelegramm: 72 Stunden nach Empfang, resp. Absenduug

eines Telegramms kann man Richtigstellung zweifelhaft erscheinender

Wörter fordern, hat die Gebühr für die

erforderlichen Telegramme zu hinterlegen, erhält dieselbe aber

zurück, wenn Entstellung durch Schuld des Telegraphendienstes

sich ergibt. Die für diese besondern Telegramme angegebenen

Bezeichnungen sind vor das T. zu setzen, sie sind gleich dem Inhalt

des Telegramms gebührenpflichtig, die Abkürzungen

zählen aber nur als ein Wort.

Telegraph (griech., "Fernschreiber", hierzu Tafeln

"Telegraph I u. II"), jede Vorrichtung, welche den Austausch von

Nachrichten zwischen entfernten Orten ohne Zuhilfenahme eines

Transportmittels ermöglicht. Licht, Schall und

Elektrizität sind die Mittel, deren man sich zur Erreichung

dieses Zwecks bedienen kann; doch finden die optischen und

akustischen Telegraphen nur noch zu Signalen, im Eisenbahnbetrieb,

bei der Schiffahrt und im Kriegswesen Verwendung. Optische

Telegraphen sind schon im Altertum angewandt worden; nach

Äschylos erfuhr Klytämnestra die Eroberung von Troja

durch Feuerzeichen auf den Bergen noch in derselben Nacht, obwohl

eine Strecke von 70 Meilen dazwischenlag. Ähnliche Alarmfeuer

waren bei den Feldzügen Hannibals, insbesondere bei den

Schotten, aber auch bei den germanischen und andern

Völkerschaften gewöhnliche Mittel der Telegraphie,

worüber sich unter andern bei Polybios, I. Africanus und

sonstigen Schriftstellern Nachrichten finden. Kleoxenos und

Demokleitos (450 v. Chr.) sollen die Buchstaben des griechischen

Alphabets auf fünf Tafeln verteilt und dann durch Erheben von

Fackeln nach links oder rechts zuerst die Tafel, auf welcher der zu

telegraphierende Buchstabe stand, darauf die Nummer des letztern

selbst bezeichnet haben. Polybios (196) ließ diese

Feuerzeichen durch Röhren beobachten, welche in gewissen

Stellungen fixiert waren. Weitere Ausbildung erhielt der optische

T. erst 1793 durch die Gebrüder Chappe, welche drei Balken an

einem weithin sichtbaren Ort so an einem Gestell befestigten,

daß sie in vielfachen Kombinationen eine große Zahl

bestimmter Zeichen geben konnten. Zwischen Paris und Lille

telegraphierte man mit diesem Apparat, unter Benutzung von 20

Stationen, in 2 Minuten, und seitdem verbreitete sich derselbe sehr

schnell. In neuerer Zeit benutzt man nach dem Vorgang der

Amerikaner während des Bürgerkriegs auch bei der

optischen Telegraphie die Zeichen des Morsealphabets und stellt sie

durch kurze und lange Lichtblitze, Stellung beweglicher Arme,

Tafeln an Stangen oder Flaggen dar. Die Engländer haben im

Kapland und Afghanistan den Heliographen (s. d.) angewendet.

Mackenzie hat mit dem Heliographen den Taster des Morse-Apparats

verbunden und fixierte auf der Empfangsstation die Lichtblitze

photographisch. Spankowski hat die Lichtblitze durch Verbrennung

zerstäubten Petroleums in einer Spiritusflamme, und auf

Telegraph I.

Fig. 3. Schaltung für Kabelstation.

Fig. 13. Korrektionsrad.

Fig. 5. Schriftprobe des Heberschreibapparats.

Fig. 18. Isolier-Doppelglocke.

Fig. 17. Gegensprechschaltung von Canter.

Fig. 16. Gegensprechschaltung von Fuchs.

Fig. 4. Thomsons Heberschreibapparat.

Fig. 19. Querschnitte der Kabel

Zum Artikel »Telegraph«.

Telegraph.

Fig. 1. Casellis Pantelegraph.

Fig. 12. Druckvorrichtung des Hughes-Apparats.

Fig. 10. Hughes-Apparat.

Telegraph II.

Fig. 11. Elektromagnetsystem und Verkuppelung des

Hughes-Apparats.

Fig. 7 Morse-Taste.

Fig. 6. Normalfarbschreiber.

Fig. 2. Thomsons Spiegelgalvanometer.

Fig. 9. Plattenblitzableiter.

Fig. 8. Galvanoskop.

Fig. 14. Stiftbüchse des Hughes-Apparats.

Fig. 15. Schlitten des Hughes-Apparats mit seitlichem

Kontakt.

565

Telegraph (elektrische Telegraphie).

kurze Entfernungen hat man sie durch Öffnen und

Schließen einer hellleuchtenden Lampe hervorgebracht. In

Deutschland, Rußland u. a. O. hat man in gefesselten

Luftballons durch elektrisches Licht ähnliche Zeichen gegeben.

Bruce benutzte einen aus dünnem Stoff gefertigten Luftballon

von 4-5 m Durchmesser, in welchem eine oder mehrere Glühlampen

aufgehängt sind, deren Erglühen durch eine Leitung im

Haltetau hervorgerufen wird; der Luftballon erscheint dann als

glühende Kugel. Die Franzosen haben zwischen Mauritius und

Réunion auf 180 km Entfernung einen optischen Telegraphen

eingerichtet, bei dem die Lichtblitze einer Petroleumflamme durch

Prismen verstärkt werden. Zur Zeichengebung durch bewegliche

Arme bedient man sich im Festungskrieg, auch auf den

Schießplätzen der Artillerie, der vierarmigen

Semaphoren. In gleicher Weise erfolgt die Zeichengebung durch zwei

nebeneinander stehende Leute, die in jeder Hand eine Tafel mit

kurzem Stiel halten; die senkrechte Stellung derselben bedeutet

Punkte, die wagerechte die Striche des Alphabets. Nachts treten an

Stelle der Tafeln farbige Laternen; je nach Vereinbarung bedeutet

die eine Farbe Punkte, die andre Striche. Diese Art des

Telegraphierens bildet den Übergang zum Signalisieren (s.

Signale), wobei gewisse Zeichen oder Armstellungen gewisse

Bedeutung erhalten, die durch ein Signalbuch festgestellt sind.

Die elektrische Telegraphie

beruht auf der schnellen Fortpflanzung der Elektrizität in

metallischen Leitern. Die Versuche, die Reibungselektrizität

zum Telegraphieren zu benutzen, führten zu keinem praktischen

Ergebnis; nachdem aber in der galvanischen oder

Berührungselektrizität eine viel geeignetere Kraftform

entdeckt war, benutzte Sömmerring 1809 die durch die Voltasche

Säule bewirkte Wasserzersetzung zum Telegraphieren, indem er

35 Drähte zu ebenso vielen mit Buchstaben und Ziffern

bezeichneten Wassergefäßen der entfernten Station

leitete. Die hohen Kosten einer solchen Leitung sowie die

Schwierigkeit, einen Strom von erforderlicher Stärke auf

größere Entfernungen zu entsenden, ließen auch

diese Idee als im großen unausführbar erscheinen. In

späterer Zeit hat man die chemische Wirkung des elektrischen

Stroms zur Herstellung von Schreib- und Kopiertelegraphen zu

verwenden gesucht, indem man Papierstreifen mit einer farblosen

Flüssigkeit tränkte, welche durch den Strom in

gefärbte Bestandteile zerlegt ward, z. B. mit einer

Lösung von Jodkalium oder Blutlaugensalz. Derartige

Telegraphen sind angegeben worden von Davy (1838), Bain (1847),

Gintl und Stöhrer (1852), haben aber keine Verbreitung

gefunden.

Der Pantelegraph von Caselli (Fig. 1, Tafel I) war 1865 zwischen

Paris und Lyon im Gebrauch. Ein innerhalb eines eisernen Rahmens

bei D befestigtes langes Pendel mit der Eisenlinse E schwingt unter

Mitwirkung eines Chronometers F und der Batterie B zwischen den

Elektromagneten M M1 und überträgt durch die Zugstange de

seine Bewegung auf die an dem Schlitten f befestigten

Schreibstifte. Letztere bewegen sich demnach hin und her über

den auf den gekrümmten Blechpulten A A1 aufliegenden, chemisch

zubereiteten Papierblättern und rücken zugleich bei jeder

Schwingung um eine Linienbreite auf ihrer Achse vor. Der eine Stift

arbeitet nur auf dem Hingang, der andre auf dem Rückgang; es

können mithin zwei Telegramme zugleich abgegeben werden. Die

Epoche der elektromagnetischen Telegraphie begann 1820 mit

Örsteds Entdeckung, daß eine in der Nähe des

Schließungsdrahts einer Voltaschen Säule aufgestellte

Magnetnadel je nach der Richtung des Stroms nach der einen oder der

andern Seite hin abgelenkt wird. Da hierzu, wenn die Nadel von

zahlreichen Drahtwindungen (Multiplikator) umgeben ist, ein

schwacher Strom ausreicht, so war die Möglichkeit, auf

große Entfernungen zu telegraphieren, gegeben. Jedoch weder

das Telegraphenmodell von Ampère und Ritchie (1820) mit 30

Nadeln und 60 Leitungsdrähten noch dasjenige von Fechner

(1829) mit 24 Nadeln und 48 Drähten eignete sich zur

Ausführung im großen. Erst 1832 versuchte Schilling von

Canstadt, Eine Nadel mit nur zwei Leitungsdrähten anzuwenden

und die verschiedenen Buchstaben durch Kombination mehrerer

Ablenkungen nach rechts und links auszudrücken. Aber schon

1833 hatten Gauß und Weber zu Göttingen zwischen der

Sternwarte und dem physikalischen Kabinett eine auf derselben von

ihnen selbständig gefundenen Idee beruhende telegraphische

Verbindung hergestellt. Von ihnen angeregt, legte Steinheil 1837

zwischen München und Bogenhausen eine ¾ Meile lange

Telegraphenleitung an; er wandte, wie Gauß und Weber, statt

der gewöhnlichen galvanischen Ströme die

Magnetinduktionsströme an und fixierte die Zeichen in Form

einer Schrift, indem seine zwei Magnetnadeln, wenn sie abgelenkt

wurden, auf einen durch ein Uhrwerk vorübergeführten

Papierstreifen Punkte zeichneten. In England wurde der

Nadeltelegraph durch Cooke und Wheatstone eingeführt; ersterer

hatte 1836 in Heidelberg ein Modell des Schillingschen Apparats

gesehen und verband sich 1837 mit Wheatstone zur Verbesserung und

praktischen Verwertung der Schillingschen Erfindung.

Der Nadeltelegraph von Wheatstone und Cooke, welcher auf

englischen Eisenbahnlinien noch gegenwärtig vereinzelt in

Gebrauch ist, enthält zwei auf gemeinschaftlicher horizontaler

Achse befestigte, im Ruhestand vertikal stehende Magnetnadeln,

deren eine sich innerhalb einer Multiplikatorrolle, die andre als

Zeiger auf der Vorderseite des Apparatgehäuses befindet; sie

bilden ein sogen. astatisches Nadelsystem, indem ihre gleichnamigen

Pole nach entgegengesetzten Seiten gekehrt sind. Zum Zeichengeben

dient der im untern Teil des Apparats angebrachte sogen.

Schlüssel, durch dessen Drehung die Nadeln sämtlicher in

die Leitung eingeschalteter Apparate so abgelenkt werden, daß

sie mit der Stellung, die man dem Handgriff jeweilig gegeben hat,

parallel stehen. Durch Kombinationen von Ablenkungen nach rechts

und links werden die Buchstaben ausgedrückt. Der

Doppelnadeltelegraph derselben beiden Erfinder, eine

Zusammensetzung zweier Nadelapparate der eben beschriebenen Art,

erfordert eine doppelte Drahtleitung, gestattet aber eine raschere

Korrespondenz. Die Nadeltelegraphen haben den Vorteil, daß zu

ihrem Betrieb schon sehr schwache Ströme ausreichen; sie

eignen sich deshalb vorzugsweise zur Verwendung auf Kabellinien, wo

sie in der Form empfindlicher Galvanometer auch heute noch benutzt

werden.

Das Spiegelgalvanometer von Thomson (Fig. 2 auf Tafel II),

welches auf den meisten längern Unterseekabeln als

Empfänger dient, besteht aus einer Multiplikatorrolle mit

vielen Umwindungen, innerhalb deren eine ungemein leichte, kleine

Magnetnadel an einem Kokonfaden freischwebend aufgehängt ist.

An der Magnetnadel ist ein kleiner Spiegel befestigt, welcher das

in der Richtung von D einfallende Bild einer dem Instrument

gegenübergestellten Lichtquelle C (gewöhnlich einer

Petroleumflamme) nach E auf einen dunkel gehaltenen Schirm AB

reflektiert. Die

566

Telegraph (Wheatstones Zeigertelegraph, Morses

Schreibapparat).

Schraube s dient dazu, das Lichtbild im Ruhezustand auf den

Nullpunkt einzustellen, der gekrümmte Magnet NS, den

Einfluß des Erdmagnetismus zu neutralisieren, indem man

denselben längs des Stäbchens t verschiebt. Jeder noch so

schwache Strom, welcher die Umwindungen des Galvanometers

durchläuft, lenkt die Nadel ab; mit dieser dreht sich auch der

Spiegel, und das Lichtbild auf der Wand bewegt sich dem

entsprechend von seinem Ruhepunkt nach rechts oder links. Ein bei x

eintretender und bei y zur Erde geführter positiver Strom

bewegt die Nadel und den Lichtschein nach der einen, ein negativer

nach der andern Seite; durch passende Gruppierung der Ablenkungen

wird das Alphabet gebildet. Das Abtelegraphieren erfolgt mit einer

Doppeltaste, welche nach Belieben positive oder negative

Ströme in die Leitung zu schicken gestattet. Fig. 3 (Tafel I)

zeigt die gebräuchlichste Schaltung für zwei durch ein

Unterseekabel K verbundene Stationen A und B. T1 T2 sind die

Doppeltasten, G1G2 die Spiegelinstrumente, B1B2 die Batterien; C1C2

stellen Kondensatoren von beträchtlichem Ladungsvermögen

dar, die behufs Unschädlichmachung der Erdströme zwischen

Kabel und Apparaten eingeschaltet werden; U1U2 endlich sind

Kurbelumschalter, welche beim Geben die Doppeltaste, beim Empfangen

das Galvanometer mit dem Kondensator in Verbindung bringen. Die

Doppeltaste besteht aus zwei Hebeln mit Knöpfen, welche im

Ruhezustand gegen eine obere Querschiene federn, beim Tastendruck

aber diese verlassen und mit der untern Querschiene in leitende

Verbindung treten. Da zwischen beiden Querschienen die Batterie

eingeschaltet ist, während der eine Tastenhebel mit der Erde

E, der andre mit der Leitung in Verbindung steht, so wird beim

Niederdrücken der einen oder der andern Taste entweder ein +

oder ein - Strom in die Leitung fließen.

An die Stelle des Spiegelgalvanometers ist jetzt vielfach der

Heberschreibapparat (Syphon recorder) von Thomson (Fig. 4, Tafel I)

getreten. Eine Multiplikatorolle S aus feinem Drahte, die um einen

Rahmen gewickelt ist, hängt freischwebend und leichtbeweglich

zwischen den Polen eines kräftigen Elektromagnets MM; sie

verhält sich genau wie die Nadel des Spiegelinstruments. Der

ankommende Strom durchläuft die Spule und lenkt sie nach

rechts oder links ab; diese nimmt dabei einen feinen Glasheber t

mit, der durch Kokonfäden mit ihr verbunden ist, und dessen

Spitze einem bewegten Papierstreifen unmittelbar

gegenübersteht, ohne ihn jedoch zu berühren. Der

Glasheber taucht mit feinem kürzern Ende in ein

Tintenfaß aus Metall K, welchem durch eine eigenartig

konstruierte, im Apparat selbst angebrachte Elektrisiermaschine B

stets eine elektrische Ladung erteilt wird, die genügt, um aus

der Heberöffnung nach dem Papierstreifen hin beständig

kleine Tintentröpfchen abzuspritzen. In der Ruhelage des

Multiplikators steht die Heberöffnung über der Mitte des

Streifens; die übergeriffenen Tintentröpfchen zeichnen

mithin eine punktierte gerade Linie mitten auf den Streifen. Lenkt

ein ankommender Stromimpuls die Multiplikatorrolle und mit ihr den

Heber ab, so verwandelt sich die Gerade in eine Schlangenlinie, und

zwar weicht die Punktreihe je nach der Stromrichtung oberhalb und

unterhalb ab (Fig. 5, Tafel I).

Die wichtigste Förderung hat die Telegraphie erfahren durch

die Anwendung von Elektromagneten. Wheatstone bediente sich

derselben zuerst zur Herstellung eines Läutwerkes, welches

seinem Nadeltelegraphen als Alarmvorrichtung beigegeben war, bald

aber auch zur Konstruktion seines Zeigertelegraphen (1839), bei

welchem ein durch ein Uhrwerk getriebener Zeiger durch eine am

Anker eines Elektromagnets angebrachte Hemmungsvorrichtung von der

entfernten Abgangsstation aus nach Belieben vor jedem der am Rande

des Zifferblattes verzeichneten Buchstaben angehalten werden kann.

Auch Kramer, Siemens u. Halske, Froment, Breguet u. a. haben

Zeigertelegraphen konstruiert, die indessen nur selten noch benutzt

werden.

Die größte Verbreitung erlangte der 1836 von Morse

erfundene Schreibapparat. Derselbe besteht aus einem Elektromagnet

mit beweglichem Anker, dessen Hebel auf einem durch Uhrwerk

vorübergeführten Papierstreifen Punkte und Striche

erzeugt. In den Reliefschreibern geschah dies durch einen an dem

freien Ende des Ankerhebels befestigten stählernen Stift,

welcher, sobald der Anker von dem Elektromagnet angezogen wurde,

sich gegen den zwischen zwei Walzen des Laufwerkes durchgezogenen

Papierstreifen anlegte und in demselben kürzere oder

längere Eindrücke hinterließ, je nachdem die zum

Schließen der Batterie dienende Taste nur einen Augenblick

oder längere Zeit niedergedrückt wurde. In neuerer Zeit

finden die Morseapparate vorzugsweise als Farbschreiber Verwendung,

in welchen die Hebelbewegung des Ankers benutzt wird, um den

Papierstreifen gegen ein Farbrädchen oder umgekehrt ein

Farbrädchen gegenden Papierstreifen anzudrücken. Der

Siemenssche Normalfarbschreiber der deutschen

Reichstelegraphenanstalten mit Morsebetrieb ist in Fig. 6 auf Tafel

II abgebildet. E ist der hufeisenförmige Elektromagnet, dessen

Kerne mit Polschuhen U versehen sind. Den Polen gegenüber

befindet sich der hohle, oben aufgeschlitzte Eisenanker K, der

durch eine Preßschraube in dem Messinghebel H1 befestigt ist;

letzterer hat seine Achse im Innern des Apparatgehäuses W. Die

Auf- und Abwärtsbewegung des Ankerhebels wird begrenzt durch

die Kontaktschrauben C1C2 des Messingständers T. In dem Rohr B

befindet sich eine regulierbare Abreißfeder, während

durch Drehung der Mutter M1 das ganze Elektromagnetsystem gehoben

oder gesenkt werden kann. Der federnde Ansatz F2 des Ankerhebels

läßt sich durch die Stahlschraube s höher oder

tiefer stellen; er trägt den Stift t1 und die Achse q1, um

welche sich ein zweiarmiger Hebel H4 gelenkartig bewegen

läßt. Unterhalb H4 befindet sich ein in die vordere

Apparatwange eingeschraubter Stahlstift t2, auf welchen der

längere Arm von H4 sich auflegt, wenn die Schraube s angezogen

wird; der kürzere Arm verläßt dann den Stift t1,

und die beiden Teile F2H4 bilden einen Knickhebel, so daß H4

sich hebt, wenn F2 sich senkt, und umgekehrt. Wird dagegen die

Schraube s nachgelassen, so legt sich der kürzere Arm von H4

gegen t1, und die Bewegungen von F2 und H4 erfolgen im gleichen

Sinn. Im letztern Fall ist der Apparat für Arbeitsstrom

verwendbar, wobei die telegraphischen Zeichen durch das Entsenden

eines Batteriestroms in die vorher stromfreie Leitung gebildet

werden, während die erstere Stellung der Schraube s dem

Arbeiten mit Ruhestrom entspricht, bei welchem die Zeichen durch

Unterbrechungen der für gewöhnlich vom Strom

durchflossenen Leitung entstehen. Der Hebel H4 trägt in seinem

hakenförmig gestalteten Ende die Achse des vom Laufwerk in

drehender Bewegung erhaltenen Farbrädchens O3, welches mit

seinem untern Rand in die Öffnung des Farbgefäßes F

taucht. Durch die Führungswalzen O1O2 wird der Papierstreifen

über r3x1 t oberhalb des Farbrädchens

vorübergeführt,

567

Telegraph (Relais, Morse- und Estienneschrift).

um über die Platte P nach links abzulaufen. T1 ist die

Federtrommel des Laufwerkes mit der Handhabe G zum Aufziehen und

dem Kontrollstern C zur Begrenzung der Federspannung.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 164 / 302 段