oberhalb der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Stillen
Ozean und 22 km westlich von einem geräumigen, aber seichten
Haff, mit (1880) 24,438 Einw. in seinem Munizipium (meist
Indianer), liegt an der schmälsten Stelle des
nordamerikanischen Kontinents, auf dem nur 190 km breiten Isthmus
von T., der sich zwischen dem Golf von T. im S. und dem Golf von
Guazacualca des Mexikanischen Meerbusens im N. erstreckt, und
dessen Einsenkung das Hochland von Guatemala von dem Plateau von
Anahuac trennt. Die niedrigste Stelle der Wasserscheide (bei
Tarifa) liegt 207 m ü. M. Diese Stelle veranlaßte schon
frühzeitig das Projekt einer Verbindungsstraße zwischen
dem Atlantischen und dem Stillen Ozean. Nachdem bereits Cortez 1520
einen Kanalbau vorgeschlagen, ließ der Vizekönig
Bucareli 1771 Vermessungen zu diesem Zweck anstellen. Ein Gleiches
geschah 1825 im Auftrag der mexikanischen Regierung. Am 25. Febr.
1842 erhielt endlich der Mexikaner José Garay ein
Privilegium zur Herstellung eines Kanals oder einer Eisenbahn
über den Isthmus. Er trat sein Privilegium (1846) an
Engländer ab, diese (1850) an die Louisiana-Tehuantepec
Company, die auch wirklich, nachdem die Regierungen von England und
Amerika sich 1853 vereinigt hatten, das Unternehmen zu
schützen, einige Dampfer auf den Guazacualca setzte und einen
Überlanddienst nach Ventosa am Stillen Ozean ins Werk setzte.
Die politische Unsicherheit und die erfolgte Eröffnung der
Panamabahn hinderten aber die Ausführung eines Kanals oder
auch einer Eisenbahn. Im J. 1879 wurde abermals eine T.
Interoceanic Railway Company gegründet, und als auch das
Privilegium dieser Gesellschaft ablief, ohne daß etwas
geschehen war, nahm die Regierung das Werk selbst in die Hand. Der
Plan des Kapitän J. B. Eads (1881), eine Eisenbahn zu bauen,
vermöge welcher auch beladene Schiffe von Meer zu Meer
geschafft werden könnten, ist nie mehr als Projekt geworden.
T. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Vgl. Shufeldt, T.,
explorations and surveys (Washingt. 1873).
Tehueltschen ("Südvolk") nennen die Araukanier die
Patagonier, während sie die Pampasindianer in Argentinien
Pueltschen ("Ostvolk") nennen.
Teich, größere Ansammlung von Wasser, welche
durch natürliche oder künstliche Ufer eingeschlossen ist
und mittels gewisser Vorrichtungen abgelassen und gespannt
(angefüllt) werden kann. Die Teiche dienen vorzüglich zur
Zucht von Fischen, außerdem zur Bewegung von Rädern und
Maschinenwerken und zur Bereithaltung eines Wasservorrats. Die
Teichfischerei (Teichwirtschaft, s. Fischerei, S. 305) hat infolge
der Vervollkommnung der Bodenkultur an Ausdehnung sehr verloren und
dem einträglichen Feld- und Wiesenbau weichen müssen. Am
ausgedehntesten wird sie noch in Schlesien, Böhmen, in der
Oberlausitz, im Vogtland, im Altenburgischen, Thüringischen,
Halberstädtischen, in Bayern und Holstein und zwar vornehmlich
auf Karpfen betrieben. Große Teiche kann man bald zur
Fischerei, bald auch zum Feld- und Wiesenbau anwenden
(Sämerung). Man legt zu dem Ende den T. im Herbste trocken,
ackert den Grund um, bestellt ihn ein bis drei Jahre lang mit
Feldfrüchten und benutzt ihn dann wieder zur Fischerei, um
nach sechs Jahren das Besäen zu wiederholen. Vgl. D e l i u s,
Die Teichwirtschaft (Berl. 1875); Nicklas, Lehrbuch der
Teichwirtschaft (Stett. 1879); Benecke, Die Teichwirtschaft (2.
Aufl., Berl. 1889); v. dem Borne, Handbuch der Fischzucht und
Fischerei (das. 1886).
Teichhuhn, s. Wasserhuhn.
Teichkolben, s. Typha.
Teichlilie, s. Iris.
Teichlinse, s. v. w. Lemna.
Teichmüller, Gustav, philosoph. Schriftsteller, geb.
19. Nov. 1832 zu Braunschweig, studierte in Tübingen und
vorzugsweise in Berlin unter Trendelenburg Philosophie,
veröffentlichte als Lehrer am
561
Teichmuschel - Teilbarkeit.
Annengymnasium in St. Petersburg 1859 seine philosophische
Erstlingsschrift: "Die Einheit der Aristotelischen Eudämonie",
habilitierte sich 1860 als Privatdozent in Göttingen und ward
1868 als außerordentlicher Professor nach Basel, 1871 als
ordentlicher Professor der Philosophie nach Dorpat berufen, wo er
23. Mai 1888 starb. Neben einer Reihe Aristotelischer Forschungen:
"Beiträge zur Erklärung von Aristoteles' Poetik" (Halle
1866), "Aristoteles' Philosophie der Kunst" (das. 1869) und
"Geschichte des Begriffs der Parusie" (das. 1873), schrieb er:
"Über die Unsterblichkeit der Seele" (Leipz. 1874, 2. Aufl.
1879); "Studien zur Geschichte der Begriffe" (Berl. 1874);
"Herakleitos"(Gotha 1876); "Die Platonische Frage", eine
Streitschrift gegen Zeller (das. 1876); "Frauenemanzipation" (Dorp.
1877); "Darwinismus und Philosophie" (das. 1877) und die
humoristische, gegen den Neukantianismus gerichtete Schrift
"Wahrheitsgetreuer Bericht über meine Reise in den Himmel von
Immanuel Kant" (das. 1878); ferner: die "Neuen Studien zur
Geschichte der Begriffe" (Gotha 1876-79, 3 Bde.); "Über das
Wesen der Liebe" (Leipz. 1879); "Die wirkliche und die scheinbare
Welt; neue Grundlegung der Metaphysik" (Bresl. 1882); "Chronologie
der Platonischen Dialoge" (das. 1881); "Zu Platons Schriften, Leben
und Lehre" (das. 1884); "Religionsphilosophie" (das. 1886); "Neue
Grundlegung der Psychologie und Logik" (das. 1889). Der
Grundgedanke der geschichtlichen Arbeiten Teichmüllers ist
der, die Abhängigkeit des Aristoteles von Platon nachzuweisen
und das Platonische System durch strengere Verknüpfung der
Ideen mit dem Prinzip der Bewegung in Einklang zu bringen, daneben
aber eine eigne, von ihm als "vierte Weltansicht" bezeichnete, dem
Leibnizschen System mannigfach verwandte philosophische Anschauung
geltend zu machen.
Teichmuschel (Entenmuschel, Anodonta Lam.), Gattung aus
der Familie der Flußmuscheln, hat ein dünnes,
zerbrechliches Gehäuse und längliche, ungleichseitige
Schalen mit glatter, brauner Oberhaut. Sie lebt besonders in
stehenden, schlammigen Gewässern, einzelne Arten auch in
Flüssen. Je nach Wohnort, Alter, Nahrung und Geschlecht
weichen die Individuen ungemein voneinander ab, und die
Unterscheidung der zahlreichen Arten ist daher sehr schwierig und
noch keineswegs festgestellt. Die beiden wichtigsten sind die
große Schwanenteichmuschel (A. cygnea L.),
breit-eiförmig, mit geradem oder meist aufsteigend gebogenem
Oberrand und gerundetem, sehr krummlinigem Unterrand, bis 18 cm
breit, und die Cellenser T. (A. cellensis Schröt.),
länglich-eiförmig, mit fast geradem, parallelem Ober- und
Unterrand. Die T. findet sich fast in ganz Europa und vermehrt sich
sehr stark; ein Tier enthält bisweilen an 40,000 junge
Muscheln. Diese entwickeln sich zuerst innerhalb der Kiemen des
Muttertiers, schwärmen dann als kleine, sehr unreife Larven
aus und heften sich mittels eines Byssusfadens an die Flossen von
Fischen an. Der von ihnen als Fremdkörpern verursachte Reiz
hat eine Schwellung in ihrer Umgebung zur Folge; die Haut erhebt
sich zu einem Wall und schließt in 3-4 Tagen die Larve
völlig ein. In einem solchen Gefängnis nun bleibt
letztere über 70 Tage und entwickelt sich dabei bedeutend.
Ursprünglich mit nur einem Schließmuskel versehen,
büßt sie diesen ein und erhält dafür zwei
neue; ferner wachsen ihr Kiemen, Herz, Geschlechtsorgane etc.
Endlich öffnet sich die Haut des Fisches, und die junge
Muschel tritt hervor, um von da ab frei um herzukriechen.
Teichrohr, s. Arundo.
Teichrohrgras, s. Calamagrostis.
Teichrohrfänger, s.Schilffänger.
Teichrose, s. v. w. Nymphaea alba; gelbe T., s. v. w.
Nuphar luteum (Nymphaea lutea).
Teichunke, s. v. w. Feuerkröte, s. Frösche, S.
752.
Teichwirtschaft, s. Teich.
Teichwolframsdorf, Dorf im sachsen-weimar.
Verwaltungsbezirk Neustadt a. O., an der Linie Werdau-Mehltheuer
der Sächsischen Staatsbahn, 311 m ü. M., hat eine evang.
Kirche, eine Burgruine, Kammgarnspinnerei, Harmonikafabrikation u.
(1885) 1946 Einw.
Teifun (Taifun, Tyfon, Typhon), Wirbelstürme in den
chinesischen und japanischen Meeren, kommen zur Zeit des Wechsels
der Monsune (s. d.) vom Juni bis November, am häufigsten im
September und Oktober, vor und unterscheiden sich von den andern
Wirbelstürmen dadurch, daß sie gewöhnlich einen
sehr kleinen Durchmesser (d. h. Breite) besitzen. Ihre Zentra (die
Punkte der Windstille innerhalb des Sturmwirbels), die oft beinahe
stillzustehen scheinen, bewegen sich von O. nach W. oder von OSO.
nach WNW., während die Rotationsrichtung wie bei allen
Wirbelwinden auf der nördlichen Halbkugel, entgegengesetzt der
des Uhrzeigers ist. Sie sind, weil bei ihnen alle sonstigen
Vorzeichen eines herannahenden Sturms fehlen, und weil innerhalb
eines so eng begrenzten Raums, wie ihn der T. einnimmt, die Winde
in ihren Richtungen ungewöhnlich rasch wechseln, für die
Schiffe äußerst gefährlich. Das Wort T. (tai-fung)
ist chinesischen Ursprungs, und zwar heißt fung Wind, und tai
ist eine Bezeichnung der alten Bewohner von Formosa für einen
äußerst heftigen Wind während der Monate Juni bis
September.
Teigdrucke, Abdrücke in einer Teigmasse von
mäßig tief eingeschnittenen Metallplatten mit biblischen
Darstellungen, welche als Vorläufer des von der gestochenen
Kupferplatte genommenen Abzugs gelten. Sie gehören der
Frühzeit des 15. Jahrh. an und sind meist auf Deckeln von
Andachtsbüchern geklebt gefunden worden. Sie sind teilweise
bemalt und vergoldet. Man kennt bis jetzt etwa 20 T.
Teigfarben, s. Pastellfarben.
Teignmouth (spr. tannmoth oder tinn-), Seestadt in
Devonshire (England), an der Mündung des Teign in den Kanal,
hat einen Kursaal für Badegäste, Marmorschleiferei,
Ausfuhr von Granit (aus den Heytorbrüchen), Töpferthon
und Apfelwein und (1881) 7120 Einw. Zum Hafen gehören (1888)
23 Seeschiffe von 2456 Ton. und 76 Fischerboote; Wert der Einfuhr
18,302, der Ausfuhr 7330 Pfd. Sterl. T. ist Sitz eines deutschen
Konsulats.
Teigwaren, Nudeln, Maccaroni, Biskuits.
Teilaccept, s. Accept.
Teilbarkeit, allgemeine Eigenschaft der Körper,
zufolge welcher sich dieselben in kleinere gleichartige Teile auf
mechanischem Weg trennen lassen. Ob die physikalische T. der
Körper bis ins Unendliche gehe, oder ob dieselbe bei gewissen
kleinsten Teilchen (Atomen), die nicht mehr teilbar seien, ihre
Grenze habe, darüber hat man vorzüglich auf dem Gebiet
der Philosophie bis jetzt viel gestritten, weil man hierin einen
wichtigen Schlüssel zur Erforschung des Wesens der Materie zu
finden hoffte (s. Atom). Die Bemühungen um Auffindung der
Grenze, bis zu welcher faktisch die Teilung der Körper
getrieben werden kann, hat zwar noch nicht eine derartige Grenze
ergeben, aber doch gezeigt, daß, wenn eine solche vorhanden
ist, die kleinsten Teilchen nicht mehr meßbar sind. Man nimmt
gegenwärtig an, die mechanische Teilung führe
schließlich auf die Mole, während als die
562
Teilbau - Teiresias.
wirklich kleinsten Teile, in welchen ein Körper im freien
Zustand existieren kann, die Moleküle gelten. Diese bestehen
mit wenigen Ausnahmen aus mindestens zwei Atomen, welche nur durch
chemische Mittel voneinander getrennt werden können.
Teilbau, s. Halbpacht.
Teilfrüchtchen, s. Frucht, S. 755.
Teilhaberschaft, s. Arbeitslohn, S. 759, und
Handelsgesellschaft.
Teilmaschine, Vorrichtung zur Ausführung von Kreis-
oder Längenteilungen, namentlich zur Herstellung der Grad- und
Längenteilungen an Meßinstrumenten. Beide haben den zu
teilenden Kreis oder Stab periodisch um eine genau bestimmte
Strecke zu bewegen und dann durch ein feststehendes sogen.
Reißerwerk einen Strich von bestimmter Länge
auszuführen. Bei der Kreisteilmaschine wird nach Reichenbach
die Originalteilung eines Mutterkreises unter Benutzung des
Mikroskops kopiert oder nach Ramsden der zu teilende Kreis mit
Schraube und Schraubenrad gleichmäßig gedreht und in
passenden Momenten durch das Reißerwerk eingeritzt und
endlich nach Örtling eine Kombination beider Prinzipien
vorgenommen. Reichenbachs Prinzip ist genau, aber zeitraubend, das
von Ramsden ziemlich ungenau; die Kombination nach Örtling
gestattet verhältnismäßig schnelles und genaues
Arbeiten. Vgl. "Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des
Gewerbfleißes in Preußen", Bd. 29, 1850, S. 133. Bei
den Längenteilmaschinen wird die Bewegung des auf einem
Schlitten befestigten Maßstabs in der Regel durch
Mikrometerschraube bewirkt, z. B. die T. von Gebrüder Ehrlich
in Dresden und ähnlich die von Breithaupt in Kassel. Bei der
T. ohne Führungsschraube von Meyerstein in Göttingen und
ähnlich bei der von Nasmyth wird ein Normalmaßstab zu
Hilfe gezogen, dessen Teilung gewissermaßen kopiert werden
muß.
Teilnahme am Verbrechen (Mitschuld, Concursus ad
delictum), die Beteiligung mehrerer Personen an einer strafbaren
Handlung; und zwar spricht man von einer notwendigen T., wenn zu
dem Begriff eines Verbrechens, z. B. zu dem Verbrechen des
Aufruhrs, das Vorhandensein mehrerer Thäter (Mitschuldige,
Komplicen) erforderlich ist, während eine freiwillige T.
vorliegt, wenn ein Verbrechen, z. B. ein Diebstahl, von mehreren
gemeinschaftlich begangen wird, welches aber auch von einer
einzelnen Person verübt werden kann. Die der
gemeinschaftlichen Ausführung vorangehende Verabredung eines
oder mehrerer einzeln bestimmter Verbrechen wird Komplott genannt.
Handelt es sich dagegen um eine Verbindung, welche auf die
Wiederholung von einzeln noch nicht bestimmten Verbrechen gerichtet
ist, so wird dieselbe als eine Bande bezeichnet. Keine T. ist die
Begünstigung (s. o.), weil es sich dabei um einen
nachträglichen Beistand handelt. Nur wenn die
Begünstigung vor Begehung der That zugesagt war, soll sie als
Beihilfe bestraft werden. Im übrigen werden in dem deutschen
Strafgesetzbuch Mitthäter, Anstifter und Gehilfen
unterschieden. Mitthäter sind diejenigen, welche ein
Verbrechen gemeinschaftlich ausführen. Wird dagegen die
verbrecherische That von einer Person (dem physischen Urheber)
ausgeführt, welche hierzu von einer andern (dem
intellektuellen Urheber) durch Geschenke oder Versprechen, durch
Drohung, durch Mißbrauch des Ansehens oder der Gewalt, durch
absichtliche Herbeiführung oder Beförderung eines Irrtums
oder durch andre Mittel vorsätzlich bestimmt worden war, so
erscheint die letztere als Anstifter (mittelbarer, intellektueller,
moralischer, physischer Urheber). Hat dagegen der Teilnehmer dem
Thäter nur wissentlich durch Rat oder That Beihilfe geleistet,
so wird er als Gehilfe bestraft, und zwar kennt das deutsche
Strafgesetzbuch eine strafbare Beihilfe nur bei eigentlichen
Verbrechen und Vergehen, nicht auch bei bloßen
Übertretungen. Von den Mitthätern wird jeder als
Thäter bestraft (§ 47); ebenso wird der Anstifter gleich
dem Thäter bestraft (§ 48). Die Strafe des Gehilfen
dagegen ist geringer als diejenige des Thäters; sie soll sich
nach den Grundsätzen des Versuchs richten und diesen
entsprechend ermäßigt werden (§ 49). Übrigens
ist auch der Versuch der Anstiftung für strafbar erklärt,
wofern es sich um ein eigentliches (schweres) Verbrechen handelt,
zu welchem der Anstifter einen andern, wenn auch ohne Erfolg,
aufforderte. Die lediglich mündlich ausgedrückte
Aufforderung zum Verbrechen wird nur dann bestraft, wenn diese
Aufforderung an die Gewährung von Vorteilen irgend welcher Art
geknüpft war. Auch die Annahme einer solchen Aufforderung ist
strafbar. Das Komplott, bei welchem es noch nicht zum Beginn der
Ausführung der verbrecherischen That gekommen, ist beim
Hochverrat (§ 83) strafbar. Im deutschen
Militärstrafgesetzbuch (§ 59) ist auch die Verabredung
eines Kriegsverrats mit Strafe bedroht. Die Komplotthäupter
(Rädelsführer) sind beim Hochverrat und beim
Landfriedensbruch vom Gesetz als besonders strafbar bezeichnet. Die
Bande ist nach dem Reichsstrafgesetzbuch an und für sich nicht
strafbar. Dagegen macht die bandenmäßige Ausführung
den Diebstahl und den Raub zum schweren Diebstahl, resp. Raub. Vgl.
v. Bar, Zur Lehre vom Versuch und Teilnahme am Verbrechen (Hannov.
1859); Langenbeck, Die Lehre von der T. (Jena 1867); Schütze,
Die notwendige T. (Leipz. 1869).
Teilscheibe, Vorrichtung an Räderschneidmaschinen,
Drehbänken etc. zur Zerlegung von Kreisen in eine bestimmte
Anzahl genau gleicher Teile.
Teilung, Bezeichnung für eine Art der
ungeschlechtlichen Fortpflanzung (s. d.).
Teilung der Arbeit, s. Arbeitsteilung.
Teilungsgewebe, s. Meristem.
Teilungslager, s. Zollniederlagen.
Teilungszeichen, s. Divis.
Teilungszwang, s. Gemeinheitsteilung.
Teilurteil, s. Urteil.
Teilzahlung, s. Abschlagszahlung.
Teinach, Dorf und Badeort im württemberg.
Schwarzwaldkreis in einem schönen, waldreichen Thal an der
Teinach und der Linie Pforzheim-Horb der Württembergischen
Staatsbahn, 398 m ü. M., hat eine evang. Kirche,
kohlensäurehaltige Stahlquellen und alkalisch-erdige
Säuerlinge, welche bei Katarrh der Luftwege, Tuberkulose,
Gicht, Blasenkatarrh etc. getrunken werden, und 405 Einw. Von dem
Wasser werden jährlich gegen 1 Mill. Krüge versandt. In
der Nähe die Stadt Zavelstein (s. d.). Vgl. Wurm, Das Bad T.
(5. Aufl., Stuttg. 1884).
Teint (franz., spr. täng), Gesichts- oder
Hautfarbe.
Teiresias (Tiresias), griech., der Ödipussage
angehöriger Seher, ward in seinen Jünglingsjahren von den
Göttern mit Blindheit geschlagen, weil er den Menschen
Geheimnisse der Götter mitteilte (oder weil er Athene im Bad
gesehen hatte), dann von Zeus mit der Gabe der Weissagung und einem
Leben von sieben Menschenaltern beschenkt. Bei dem Zug der Epigonen
gegen Theben als Gefangener abgeführt, starb er unterwegs an
der Quelle Tilphussa. Er weissagte auch noch in der Unterwelt.
563
Teirich - Telaw.
Teirich, Valentin, Zeichner und Kunstschriftsteller, geb.
23. Aug. 1844 zu Wien, besuchte unter Fr. Schmidt die Kunstakademie
daselbst und bildete sich darauf im Atelier van der Nülls und
auf Reisen zu einem gediegenen Kenner der deutschen und
italienischen Renaissance. Er ward 1868 Dozent, später
Professor an der Kunstgewerbeschule des Österreichischen
Museums und zugleich Dozent am Polytechnikum. In dieser Stellung
schuf er eine große Anzahl von trefflichen Entwürfen
für die Möbel-, Bronze- und Thonwarenindustrie,
begründete 1872 die "Blätter für Kunstgewerbe", die
später von Storck fortgeführt wurden, starb aber schon 8.
Febr. 1877. Er schrieb: "Die moderne Richtung in der Bronze- und
Möbelindustrie" (Wien 1868) und gab heraus: "Die Ornamente aus
der Blütezeit der italienischen Renaissance" (das. 1871);
"Marmorornamente des Mittelalters und der Renaissance in Italien"
(das. 1874; "Kabinett, im Auftrag Sr. Majestät des Kaisers
Franz Joseph I. entworfen" (das. 1874). Nach seinem Tod erschienen.
"Bronzen der italienischen Renaissance" (1878).
Teisendorf, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern,
Bezirksamt Laufen, an der Sur und dem Fuß der Alpen sowie an
der Linie München-Rosenheim-Salzburg der Bayrischen
Staatsbahn, hat eine kath. Kirche, Öberförsterei,
Bierbrauerei und 630 Einw. In der Nähe die Schloßruine
Raschenberg und Spuren der Römerstraße von Augsburg nach
Salzburg.
Teisserenc de Bort (spr. täß'rang d'bor),
Pierre Edmond, franz. Staatsmann, geb. 1814 zu Chateauroux, ward
auf der polytechnischen Schule gebildet, dann Ingenieur bei der
Verwaltung des Tabaksmonopols, darauf Regierungskommissar bei
verschiedenen Eisenbahngesellschaften, Mitgründer der Bahn
Paris-Lyon-Mittelmeer, im Februar 1871 Mitglied der
Nationalversammlung, wo er sich den konservativen Republikanern
anschloß, war vom April 1872 bis 24. Mai 1873 Minister der
öffentlichen Arbeiten, wurde 1876 Mitglied des Senats und war
vom März 1876 bis 16. Mai 1877 und 13. Dez. 1877 bis Februar
1879 wieder Minister der öffentlichen Arbeiten. Er bekleidete
darauf bis 1880 den Botschafterposten in Wien.
Teiste (Stechente), s. Lumme.
Teja, Stadt in Marokko, s. Thesa.
Tejada, Staatsmann, s. Lerdo de Tejada.
Tejas, letzter König der Ostgoten, war Feldherr des
Totilas, nach dessen Fall bei Tagina 552 er in Pavia zum König
erhoben wurde, sammelte in Oberitalien die Reste der Goten und zog
darauf nach Unteritalien seinem in Cumä von den Römern
belagerten Bruder Aligern zu Hilfe. Hier am Sarnus kämpfte er
einen 60tägigen Verzweiflungskampf gegen die Römer, in
dem er endlich nach heldenhaftem Widerstand mit dem
größten Teil seines Volkes fiel.
Tejo (spr. teschu), Fluß, s. Tajo.
Teju (Tejus Gray), Eidechsengattung aus der Ordnung der
Saurier (Sauria) und der Familie der Schienenechsen (Ameivae),
amerikanische Reptilien mit gestrecktem Körper, meist 2-3
Querfalten an der Kehle, glatten, in quere Binden geordneten
Rückenschuppen, glatten, vierseitigen, in der Fünfform
stehenden Bauchschuppen, an der Basis einstülpbarer Zunge, mit
zwei oder drei Einschnitten versehenen obern Schneidezähnen
und in der Jugend dreispitzigen, im Alter höckerigen
Backenzähnen. Der T. (Salompenter, T. teguixin Gray), bis 2 m
lang, oberseits bräunlichschwarz mit weißgelben und
weißen Flecken und Binden, unterseits rötlichgelb,
schwarz gebändert, bewohnt Südamerika von Guayana bis
Paraguay, lebt hauptsächlich in der Nähe der Küste,
in Plantagen, Gebüschen, Wäldern, gräbt sich
Erdhöhlen unter Baumwurzeln, nährt sich von Früchten
und allerlei kleinen Tieren und wird auf Hühnerhöfen
schädlich durch das Rauben von Eiern und jungem Geflügel.
Er ist sehr schüchtern und flüchtig, leistet aber im
Notfall tapfere Gegenwehr und beißt äußerst
scharf. Man jagt ihn eifrig auch des wohlschmeckenden Fleisches
halber und benutzt dies und besonders das Fett gegen
Schlangenbiß.
Tejuco, Stadt, s. Diamantina.
Tekendorf (ungar. Teke), Stadt im ungar. Komitat
Klausenburg (Siebenbürgen), mit 3 Kirchen, (1881) 2032
ungarischen, rumänischen und deutschen Einwohnern,
Bezirksgericht und Weinbau.
Tekiëh, ein mohammedan. Mönchskloster.
Tekke-Turkmenen (Tekinzen), ein Stamm der Turkmenen,
nördlich vom Kopet Dagh bis zur Sandwüste Karakum und
südöstlich bis Merw in einem mit zahlreichen Festungen
besetzten Gebiet wohnhaft; sie zerfallen in drei Stämme: die
Achal-T., die Tetschen-T. und die Merw-T. Die erstern wurden nach
zweijährigem hartnäckigen Widerstand von den Russen
unterworfen, indem General Skobelew 24. Jan. 1881 ihre Hauptfestung
Gök-Tepe erstürmte. Durch Ukas vom 18. Mai 1881 wurde das
Gebiet der Achaltekinzen mit dem transkaspischen Gebiet vereinigt
und 31. Jan. 1884 auch Merw von den Russen in Besitz genommen.
Tekrit, kleine, früher bedeutendere, von Arabern
bewohnte Stadt im türk. Wilajet Bagdad, am rechten User des
Tigris, etwa 160 km nordnordwestlich von Bagdad auf mehreren
Hügeln, die zum Flusse steil abfallen, mit Ruinen einer alten
Festung und angeblich 2000 Einw.
Tekrur, der einheimische Name für die Osthälfte
des Sudân vom Niger bis Kordofan.
Tektonik (griech.), die Kunst, Räume herzustellen,
in welchen man wohnt, die Baukunst im weitern Sinn; dann auch die
Kunst, Geräte und Möbel unter Berücksichtigung des
Verhältnisses der tragenden und getragenen Teile aus Holz und
andern Materialien zu verfertigen (Möbeltischlerei,
Zimmermannskunst, Gefäßbildnerei etc.).
Tektur (lat.), Decke, Umschlag eines
Aktenstücks.
Tekutsch (rumän. Tecuciu), Kreishauptstadt in
Rumänien (Moldau), am Berlad, Knotenpunkt der Eisenbahnen nach
Galatz, Berlad und Marasesti (Linie Roman-Verciorova), Sitz der
Präfektur und eines Tribunals, mit einem Gymnasium, Weinbau,
Handel und 9081 Einw.
Tela (lat.), Gewebe, z. B. T. cartilaginea,
Knorpelgewebe.
Telabun, s. Eleusine.
Telamon, griech. Heros, Sohn des Äakos und der
Endeis, Bruder des Peleus, flüchtete wegen des an seinem
Halbbruder Phokos verübten Mordes nach Salamis zum Kychreus,
der ihn zum Schwiegersohn erkor und ihm bei seinem Tode die
Herrschaft hinterließ. Seine spätere Gattin Periböa
gebar ihm den Aias. T. begleitete Herakles nach Troja, wo er die
Tochter des Luomedon, Hesione, zum Geschenk erhielt, die ihm den
Teukros gebar, und nahm auch teil an der kalydonischen Jagd und der
Argonautenfahrt.
Telamonen (griech.), in der Architektur, s.
Karyatiden.