zwischen 25° nördl. bis 2° südl. Br. und

73-120° östl. L. v. Gr., in Hinterindien und auf den

Malaiischen Inseln, liefert vortreffliches Nutzholz, welches

besonders für den Schiffbau von höchstem Wert ist, und

wird in neuerer Zeit sorgfältig kultiviert. Man fällt die

Bäume gewöhnlich zwischen dem 40. und 60. Jahr, wo sie

eine Höhe von 17-20 und eine Stärke von 1,3 m besitzen.

Das Holz wird zum Teil in Asien verarbeitet, kommt aber auch in

großen Mengen nach Europa; das siamesische gilt als das

beste. Es ist hell braunrötlich, wird an der Luft braun bis

braunschwarz, riecht stark, angenehm, besitzt das spez. Gew. 0,89,

ist hart, spaltet sich nicht schwer, läßt sich gut

verarbeiten, soll Eichenholz an Dauer um das Dreifache

übertreffen, wird von Insekten und Pilzen nicht angegriffen.

Es dient auch in Indien zu Tempelbauten, zu Dammkonstruktionen etc.

Die Rinde benutzt man zum Gerben, mit den Blättern färbt

man Seide und Baumwolle purpurrot; auch dienen sie, wie die

Blüten, als Heilmittel.

Tecuciu, s. Tekutsch.

Teda, Volk in Nordafrika, s. Tibbu.

Teddington, Dorf in der engl. Grafschaft Middlesex, an

der Themse, 30 km oberhalb London, bis wohin die Flut steigt, mit

(1881) 6599 Einw.

Tedesco (ital.), deutsch.

Tedeum (lat.), s. v. w. Hymnus auf die Worte des sogen.

Ambrosianischen Lobgesangs (Tedeum laudamus etc.), dessen

ursprüngliche Komposition eine würdige Choralmelodie ist,

während das T. in neuerer Zeit gern für mehrere

Chöre und großes Orchester (nebst Orgel) im großen

Stil komponiert wird. Vgl. Bone, Das T. (Frankf. 1881).

Tedschen, Bezirk in der Transkaspischen Provinz des

asiatisch-russ. Generalgouvernements Turkistan, eine vom Herirud

bewässerte Oase, die früher nur von Tekke-Turkmenen aus

Merw und Atok während des Sommers besucht wurde, um den

fruchtbaren Boden mit Getreide zu besäen, seit 1884 aber in

ihrem nördlichen Teil besiedelt wird und schon 7500 Einw.

(Tekinzen) zählt.

Teer, Produkt der trocknen Destillation vieler

organischer Körper, entsteht stets neben einer

wässerigen, sauren oder ammoniakalischen Flüssigkeit und

einem Gasgemisch. Man gewinnt den T. häufig als Nebenprodukt,

wenn es sich um die Darstellung andrer Produkte der trocknen

Destillation handelt, z. B. bei der Leuchtgasfabrikation, bei der

Darstellung von Holzessig etc.; in andern Fällen ist der T.

das Hauptprodukt, und stets besitzt er großen Wert, seitdem

man zahlreiche in verschiedenster Weise verwertbare Substanzen in

ihm entdeckt hat. Je nach der Natur des der Destillation

unterworfenen Körpers ist der T. von sehr verschiedener

Beschaffenheit; stets aber ist er braun bis schwarz,

dickflüssig, von empyreumatischem Geruch, schwerer als Wasser,

entzündlich, er brennt mit rußender Flamme und gibt an

Wasser und Alkohol lösliche Stoffe ab. Alle Teere sind Gemenge

verschiedenartiger Körper und enthalten stets

Kohlenwasserstoffe, sowohl flüssige als starre, von sehr

verschiedener Flüchtigkeit (wie Benzol, Toluol, Paraffin,

Naphthalin etc.), ferner säureartige Körper (die Phenole,

Karbolsäure etc.) und Basen (Anilin, Chinolin etc.), dann auch

pech- oder asphaltbildende Substanzen von nicht näher

bekannter Beschaffenheit. Wegen ihres Gehalts an Phenolen wirken

die Teere stark fäulniswidrig. Holzteer gewinnt man als

Nebenprodukt bei der Darstellung von Holzkohle, Holzgas (s.

Leuchtgas, S. 735) und Holzessig; doch ist die Teerschwelerei

bisweilen auch Hauptzweck und verarbeitet dann harzreiche

Nadelhölzer teils in Meilern mit trichterförmiger Sohle,

von welcher der T. in ein Sammelgefäß abgeleitet wird,

teils eingemauerte, stehende große eiserne Kessel, in welchen

das Holz erhitzt wird, während man die Teerdämpfe in

einem durch Luft gekühlten Apparat zur Verdichtung bringt. Man

erhält etwa 17 Proz. T. Der Holzteer ist dunkelbraun, riecht

durchdringend, schmeckt widrig scharf und bitter, vom spez. Gew.

1,075-1,160, löst sich größtenteils in Alkohol und

Äther, mischt sich mit Fetten und gibt an Wasser

Essigsäure und brenzlige Stoffe ab. Man benutzt ihn zu

konservierenden Anstrichen, zum Kalfatern der Schiffe, zum Teeren

der Taue etc.; zur Darstellung von Pech und Ruß, auch wird er

destilliert, und man gewinnt hierbei leichte Teeröle

(Holzöl), die wenig Benzol enthalten und meist als Fleckwasser

benutzt werden, schwere Öle, die man auf Ruß verarbeitet

oder zum Imprägnieren von Holz verwertet, auch wohl Paraffin

und Kreosot. Letzteres wird besonders aus Buchenholzteer

dargestellt. Birkenholzteer dient zur Bereitung des Juftenleders.

Torfteer wird durch trockne Destillation des Torfs in

Schachtöfen oder Retorten, ähnlich wie Braunkohlenteer,

dargestellt, auch bei der Verkohlung des Torfs als Nebenprodukt

gewonnen. Er ist ölartig, braun bis schwarzbraun, von sehr

unangenehmem Geruch und dem spez. Gew. 0,896-0,965. Man gewinnt aus

demselben durch Destillation leichte Kohlenwasserstoffe, die wie

Benzin und Photogen benutzt werden (Turfol), schwere, noch als

Leuchtöle verwendbare Öle, Schmieröle, Paraffin und

sehr schwer flüchtige, flüssige Kohlenwasserstoffe, aus

welchen Leuchtgas bereitet wird, als Rückstand Asphalt.

Braunkohlenteer ist sehr verschieden je nach der Beschaffenheit der

Kohle. Im allgemeinen ist er dunkelbraun, riecht widerlich

kreosotartig und erstarrt leicht durch hohen Paraffingehalt. Der

aus Pyropissit gewonnene T. ist butterartig, wachsgelb und bildet

das Rohmaterial der Paraffinfabriken. Man gewinnt daraus durch

Destillation leichte und schwere Öle (Benzin, Photogen,

deutsches Petroleum, Solaröl), Schmieröl und namentlich

Paraffin (s. d.). In ähnlicher Weise gewinnt und verwertet man

T. aus bituminösen Schiefern. Am wichtigsten ist der

Steinkohlenteer (Kohlenteer), den man in Leuchtgasanstalten,

bisweilen auch bei der Koksbereitung als Nebenprodukt gewinnt. Er

ist schwarz bis braunschwarz, übelriechend, dickflüssig,

vom spez. Gew. 1,15-1,22. Er besteht aus flüssigen und festen

Kohlenwasserstoffen (Benzol, Toluol, Cumol, Cymol, Anthracen,

Naphthalin etc.), Säuren (Phenol, Kresol, Phlorol,

Rosolsäure), Basen (Anilin, Chinolin, Toluidin etc.) und

Asphalt bildenden Substanzen. Die quantitative Zusammensetzung des

Teers schwankt je nach der Beschaffenheit der Kohle und der

Ausführung der Destillation. Im allgemeinen entsteht bei

schneller Destillation in hoher Temperatur viel Gas und wenig T.,

welcher arm an Ölen, aber reich an Naphthalin ist. Die

Bestandteile des Steinkohlenteers bilden das Rohmaterial für

mehrere wichtige Industriezweige. Um sie zu gewinnen, unterwirft

man den T. in sehr großen Blasen, liegenden Cylindern oder

kofferförmigen Retorten aus Eisenblech einer Destillation

über freiem Feuer. Es entweichen zuerst Gase, dann gehen mit

steigender Temperatur ammoniakalisches Wasser, leichte Öle,

schwere Öle und feste Kohlenwafferstoffe über, und als

Rückstand bleibt Steinkohlenasphalt, welcher um so härter

ausfällt, je weiter die Destillation bei immer gesteigerter

Temperatur getrieben wurde. Bisweilen treibt man die

flüchtigsten Öle durch Wasserdampf ab, den man di-

558

Teerbutt - Tegel.

rekt in den T. leitet. Der Wasserdampf reißt die

flüchtigen Kohlenwasserstoffe dampfförmig mit sich fort

und wird mit ihnen zugleich in Kühlapparaten verdichtet. Die

erste Verwertung des Teers zur Gewinnung von Leuchtölen

datiert von 1839, wo Selligue und de la Haye in Autun den T. von

bituminösem Schiefer in dieser Weise verarbeiteten. Zu Ende

der 40er Jahre stellte Young bei Glasgow aus Bogheadkohlenteer ein

Mineralöl (Hydrokarbür) und Paraffin dar, und um dieselbe

Zeit entstanden die irischen Öl- und Parafsinfabriken, welche

Torf verarbeiteten. Seit 1850 entwickelte sich die

Paraffinindustrie in Deutschland (vgl. Paraffin). Steinkohlenteer

wurde zuerst etwa 1846 destilliert, um karbolsäurehaltiges

Teeröl zur Imprägnierung von Eisenbahnschwellen

zugewinnen. Das leichte Teeröl wurde nur von Brönner als

Fleckwasser benutzt und galt als lästiges Nebenprodukt, bis es

um 1856 durch die Entwickelung der Anilinfarbenindustrie

allmählich der wichtigste Bestandteil des Teers wurde. Die

erste größere Fabrik zur Verarbeitung von

Steinkohlenteer in Deutschland wurde 1860 in Erkner bei Berlin

gegründet. Erst später gewannen wieder die schwerer

flüchtigen Teerbestandteile, wie Karbolsäure, Naphthalin

und Anthracen, erhöhte Bedeutung. Die leichten

Steinkohlenteeröle werden wegen ihres Gehalts an Benzol und

Toluol hauptsächlich in der Farben-Industrie benutzt,

schwerere karbolsäurehaltige Öle dienen zum

Imprägnieren des Holzes, schwere Kohlenwasserstoffe als

Schmieröl, Naphthalin und Anthracen finden Verwendung inder

Farbenindustrie, ebenso das Phenol, welches aber auch zu sehr

vielen andern Zwecken, namentlich zur Darstellung von

Salicylsäure und in der Medizin, benutzt wird. Aus Toluol und

Naphthalin stellt man auch Benzoesäure dar. Der Asphalt wird

zur Darstellung von Asphaltröhren und Briketten, zum Belegen

von Fußböden etc. benutzt, außerdem dient

Steinkohlenteer auch zu konservierenden Anstrichen, zum Vertreiben

von Ungeziefer, und wo er keinen Absatz findet, verbrennt man ihn

in Gasanstalten zum Heizen der Retorten. Der Steinkohlenteer der

Berliner Gasanstalten liefert:

Benzol und Toluol ... 0,80

Sonstige wasserhelle Öle ... 0,60

Kristallisierte Karbolsäure ... 0,20

Kresol etc. ... 0,30

Naphthalin ... 3,70

Anthracen ... 0,20

Schwere Öle ... 24,00

Steinkohlenpech ... 55,00

Wasser und Verlust ... 15,20

Die Teermenge beträgt bei der Leuchtgasfabrikation 5 Proz.

vom Gewicht der Steinkohlen, und da nun in Berlin jährlich 6

Mill. Ztr. Kohle verarbeitet werden, so erhält man 300,000

Ztr. T., dessen Beschaffenheit aber von der Beschaffenheit der

Kohle abhängig ist. In England verarbeitet man jährlich

3,5, in Frankreich 1, in Deutschland 0,75, in Belgien und Holland

0,45, zusammen 5,7 Mill. Ztr. T., welche an Ausbeute ergeben:

Anthracen 19,000, Benzol 57,000, Naphtha 42,700 Ztr. Von

großer Bedeutung dürfte der T. werden, welcher beim

Raffinieren des Erdöls als Rückstand bleibt, insofern

derselbe, wenigstens derjenige von südrussischem Erdöl,

Produkte liefert, die reich an Benzol, Toluol und Anthracen sind

und daher für die Teerfarbenindustrie ein wertvolles

Rohmaterial bilden. Vgl. Lunge, Destillation des Steinkohlenteers

(Braunschw. 1867); Derselbe, Industrie der

Steinkohlenteerfabrikation (3. Aufl., das. 1888); Bolley-Kopp,

Chemische Verarbeitung der Pflanzen- und Tierfasern (das. 1867-74);

Wagner, übersicht der Produkte der trocknen Destillation der

Steinkohlen (Würzb. 1873); Schultz, Chemie des

Steinkohlenteers (2. Aufl., Braunschw. 1887 ff., 2 Bde.),

Teerbutt, f. v. w. Flunder, s. Schollen.

Teerfarben, aus Teerbestandteilen dargestellte Farben,

also die farbigen Derivate des Anilins (welches aus Benzol gewonnen

wird), Naphthalins, Anthracens, Phenols etc. Vgl. Schultz, Chemie

des Steinkohlenteers, Bd. 2 (2. Aufl., Braunschw. 1887 ff., 2

Bde.); Nietzki, Organische Farbstoffe (Bresl. 1886); Schultz und

Julius, Übersicht der künstlichen organischen Farbstoffe

(Berl. 1888); Heumann, Die Anilinfarben und ihre Fabrikation

(Braunschw. 1888).

Teerfeuer (Blüse), Feuerzeichen in der Nähe von

Sandbänken, Untiefen, Klippen.

Teergalle, s. v. w. Harzgalle, s. Harzfluß.

Teerjacke, Spitzname der Matrosen (vgl. Jack).

Teeröl, s. Teer.

Teerpappe, s. Dachpappe.

Teerseife, Hebras flüssige, s. Kaddigöl.

Tees (spr. tihs), Fluß im nördlichen England,

entspringt am Croß Fell in Westmoreland, durchfließt

das romantische Teesdale und mündet nach einem Laufe von 153

km unterhalb Middlesbrough in die Nordsee. Seine Einfahrt

schützen zwei große aus Schlacken gebildete

Wellenbrecher, je 3292 m lang.

Teetotalismus (neuengl., spr. ti-), das System der

vollständigen Enthaltsamkeit von dem Genuß alkoholischer

Getränke, wie es Joseph Livesay 1. Sept. 1832 zu Preston

begründete. Die Vorsilbe scheint auf den an die Stelle des

streng verbotenen Branntweingenusses empfohlenen Thee hindeuten zu

sollen. Vgl. Mäßigkeitsvereine.

Tef, s. Eragrostis.

Teffe (früher Ega), kleine Stadt in der brasil.

Provinz Amazonas, an einer seeartigen Erweiterung des Flusses T.,

der 10 km unterhalb in den Amazonenstrom mündet. Handel mit

Waldprodukten und Viehzucht bilden die Haupterwerbsquellen.

Tefilla (hebr.), s. Siddur.

Tefnut, ägypt. Göttin, löwenköpfig

und mit dem Diskus auf dem Haupte dargestellt, gewöhnlich die

Gefährtin des Gottes Schu.

Tegal (Tagal), niederländ. Residentschaft auf der

Nordküste der Insel Java, 3800 qkm (69 QM.) groß mit

(1885) 986,544 Einw., worunter 706 Europäer, 6859 Chinesen und

380 Araber. Das Land ist außerordentlich fruchtbar und

vortrefflich kultiviert. Die gleichnamige Hauptstadt hat einen

Hafen, ein Fort, nicht unbedeutenden Handel und 30,000 Einw.

Tegea, feste Stadt im alten Arkadien, mit eignem Gebiet

(Tegeatis), hatte früher eigne Könige und war die

bedeutendste Stadt Arkadiens, öfters (560, 479, 464) mit

Sparta im Kampf, aber im Peloponnesischen Krieg dessen treuer

Verbündeter. Nach der Schlacht von Leuktra trat es gezwungen

in den Achäischen Bund. Ruinen 6 km sudöstlich von

Tripolitsa (s. d.). In T. stand ein berühmter Prachttempel der

Athene Alea, von Skopas 394 v. Chr. gebaut.

Tegel, Lokalname für einen kalkhaltigen

Tertiärthon des Wiener Beckens, s. Tertiärformation.

Tegel, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam,

Kreis Niederbarnim, am gleichnamigen Havelsee, 11 km von Berlin und

mit diesem durch eine Pferdebahn verbunden, hat eine evang. Kirche,

eine Schiff- und Maschinenbauanstalt, eine große Mühle,

Wasserwerke für die Stadt Berlin und (1885) 1652 meist evang.

Einwohner. Dabei das durch Schinkel 1822 bis 1824 umgebaute

Schloß T., ehedem Besitzung und Wohnstätte Wilhelms v.

Humboldt, mit sehenswerten Kunstschätzen und schönem

Park, welcher die Grabstätte der Brüder Humboldt

enthält. Vgl. Waagen, Schloß T. und seine Kunstwerke

(Berl. 1859).

559

Tegernsee - Tegner.

Tegernsee, See im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern,

Bezirksamt Miesbach, in reizender Gebirgsgegend, 732 m ü. M.,

ist 6 km lang, 2 km breit, 72 m tief, nimmt mehrere kleine

Flüsse auf und ergießt sein Wasser durch die Mangfall in

den Inn. Das gleichnamige Pfarrdorf, an der Ostseite des Sees und

an der Eisenbahn Schaftlach-Gmund, hat eine kath. Kirche, ein

Schloß mit prächtigem Garten und einer

Gemäldesammlung, eine Musik- und eine Zeichenschule, ein

Amtsgericht, ein Forstamt, eine diätetische Naturheilanstalt,

eine Dampfbrauerei und (1885) 1022 kath. Einwohner. Das

Schloß T. war sonst eine gefürstete Benediktinerabtei,

welche zur Zeit Pippins 736 von den Agilolfingern gegründet

und 1803 aufgehoben wurde. Dabei der Parapluieberg mit

prächtiger Fernsicht. Am nördlichen Ende des Sees liegt

der Musterökonomiehof Kaltenbrunn und südlich vom See im

Thal der Weißach Bad Kreuth (s. d.). Vgl. Freyberg,

Älteste Geschichte von T. (Münch. 1822); Krempelhuber,

Der T. und seine Umgebungen (3. Aufl., Münch. 1862).

Tegetthoff, Wilhelm, Freiherr von, österreich.

Admiral, geb. 23. Dez. 1827 zu Marburg in Steiermark, wurde im

Marinekollegium zu Venedig erzogen und trat 1845 als Kadett in die

österreichische Marine ein. 1848-49 machte er die Blockade von

Venedig mit, dann, 1851 zum Fregatten-, 1852 zum

Linienschiffsleutnant befördert, größere

Seeexpeditionen im Mittelländischen Meer, namentlich nach der

Levante, gegen die Barbareskenstaaten und nach verschiedenen

Punkten der afrikanischen Westküste. 1857 zum

Korvettenkapitän ernannt, führte er auf Veranlassung des

Erzherzogs Maximilian eine Expedition an die Küsten des Roten

Meers aus. 1859 begleitete er den Erzherzog auf einer Reise nach

Brasilien, wurde 1860 Fregatten-, 1861 Linienschiffskapitän

und befehligte 1862 das österreichische Geschwader, welches

nach König Ottos Absetzung in den griechischen und

levantischen Gewässern kreuzte. Seine erste eigentliche

Waffenthat war das für die österreichische Flagge

ehrenvolle Seegefecht bei Helgoland gegen die Dänen 9. Mai

1864, wobei er auf dem Flaggenschiff Schwarzenberg bis zu dessen

Brand ausharrte. T. wurde darauf zum Konteradmiral ernannt. Zu

einer glänzenden Rolle war T. im Krieg des Jahres 1866

berufen; die Seeschlacht von Lissa (s. d.) 20. Juli d. J. endete

trotz der bedeutenden Überlegenheit der Italiener mit einem

glänzenden Sieg der Österreicher. T., welcher hierbei

geniale Begabung für Flottenführung bewiesen, ward durch

seine Ernennung zum Vizeadmiral belohnt. Im Juli 1867 erhielt er

den Befehl, die Leiche des erschossenen Kaisers Maximilian von

Mexiko nach Europa überzuführen, und ward Ende Februar

1868 an Stelle des Erzherzogs Leopold zum Generalinspektor und

Kommandanten der Marine, 1. April 1868 zum Geheimrat und Mitglied

des Herrenhauses ernannt, in welchem er zur liberalen

Verfassungspartei gehörte, starb aber plötzlich nach

kurzer Krankheit 7. April 1871 in Wien. In Marburg, Pola und Wien

wurden ihm Denkmäler errichtet. Vgl. "Admiral T. und die

öfterreichische Kriegsmarine" (Meran 1867); A. Beer, Aus

Wilhelm v. Tegetthoffs Nachlaß (Wien 1882).

Tegetthoff-Expedition, 1872-74, s. Maritime

wissenschaftliche Expeditionen, S. 257.

Tegnér, Esaias, berühmter schwed. Dichter,

geb. 13. Nov. 1782 zu Kyrkerud in Wermland, Sohn eines Pfarrers,

ward als Knabe auf einem Kontor beschäftigt, fand aber hier

Gelegenheit zu weiterer Bildung, die er mit solchem Erfolg

benutzte, daß er schon 1799 die Universität Lund

beziehen konnte, wo er sich theologischen und philologischen

Studien widmete und 1805 zum Adjunkten der Ästhetik, 1812 zum

Professor der griechischen Sprache ernannt wurde. Nachdem er 1818

Mitglied der Akademie geworden und die theologische

Doktorwürde erhalten hatte, erfolgte 1824 seine Ernennung zum

Bischof von Wexiö, wo er, gegen das Ende seines Lebens an

zeitweiliger Geistesstörung leidend, 2. Nov. 1846 starb. Seine

ersten größern poetischen Produkte waren das von der

Akademie gekrönte Gedicht "Svea" (1811), das durch tiefen

religiösen Ernst und anmutige Naturschilderungen ergreifende

Idyll "Nattvardsbarnen" (1821; deutsch von Mohnike: "Die

Nachtmahlskinder", 5. Aufl., Halle 1876) und die etwas

sentimentale, aber an schönen lyrischen Episoden reiche

poetische Erzählung "Axel" (1822; deutsch von Vogel, Leipz.

1876), deren Stoff dem Zeitalter Karls XII. entnommen ist. Ein

bereits in Lund begonnenes großes Gedicht: "Helgonabacken",

kam nicht zur Vollendung, ebensowenig seine letzten

größern Dichtungen: "Gerda", deren Fabel der Zeit

Waldemars d. Gr. angehört, und "Kronbruden". Als die

vorzüglichsten unter seinen zahlreichen kleinern Gedichten

sind "Carl XII", der "Epilog vid magister promotionen 1826" und

"Sång till solen" ("Gesang an die Sonne") hervorzuheben. Den

größten Ruhm aber erwarb ihm seine allbekannte Dichtung

"Frithjofs Saga" (Stockh. 1825 u. öfter; Prachtausgabe mit

Illustrationen von J. A. Malmström, das. 1868; mit

Wörterbuch hrsg. von Silberstein, Frankf. 1873), die fast in

alle lebenden Sprachen Europas übersetzt worden ist, ins

Deutsche über 20 mal, unter andern von Amalie v. Helwig

(Stuttg. 1826, neue Ausg. 1879), Mohnike (19. Aufl., Halle 1885),

Berger (11. Aufl., Stuttg. 1887), v. Leinburg (14. Aufl., Leipz.

1885), Viehoff (Hildburgh. 1865), Simrock (mit den

"Abendmahlskindern", 4. Aufl., Stuttg. 1883), Zoller (Leipz. 1875),

Freytag (3. Aufl., Norden 1883). Eine Auswahl der kleinern Gedichte

übersetzten Zeller (Stuttg. 1862) und G. v. Leinburg (2.

Aufl., Leipz. 1885), der auch die "Lyrischen Gedichte"

übertrug (das. 1882). T. schlug in seinen Poesien frei und

unabhängig seinen eignen Weg ein, ebenso fern sich haltend von

der blinden Sucht, die Franzosen nachzuahmen, wie von der neuern

Schule, die nach dem Vorbild Atterboms die deutsche Romantik als

alleiniges Muster der Nachahmung aufstellte. Seine bilderreiche,

bewegliche, leicht erregbare Phantasie, seine reiche Witzesader,

sein lebendiges poetisches Gefühl ließen sich in keine

Fesseln schlagen. Diese Eigenschaften, verbunden mit einer

schönen, echt dichterischen Sprache und rhythmischer

Vollendung, stellen Tegnérs Gedichte unter die bedeutendsten

Erscheinungen auf dem Gebiet der neuern Poesie. Seine kleinern

Gedichte sind entweder Gelegenheitsgedichte voll schöner

Gedanken, männlicher Gesinnung und religiöser Weihe oder

Naturschilderungen voll Gemütlichkeit und Sinn für das

Idyllische. Außer den poetischen Arbeiten sind Tegnérs

"Reden" (deutsch von Mohnike, Strals. 1829) und seine Aufsehen

erregenden, trefflichen "Schulreden" (in Auswahl deutsch von

Mohnike, 2. Aufl., Jena 1882) als Zeugnisse einer eminenten

Rednergabe hervorzuheben. Tegnérs sämtliche Werke

wurden von seinem Schwiegersohn Böttiger gesammelt (Stockh.

1847-50, 7 Bde.; Jubelausgabe, das. 1882 bis 1885, 8 Bde.); seine

nachgelassenen Schriften gab sein Enkel Elof Tegnér (das.

1873-74, 3 Bde.) heraus. Eine Auswahl seiner poetischen und

prosaischen Werke in deutscher Übersetzung gab G. v. Lein-

560

Tegucigalpa - Teichmüller.

burg (Leipz. 1882, 7 Bde.) heraus. 1853 ward in Lund eine

Kolossalstatue des Dichters errichtet. Vgl. Böttiger,

Tegnérs Leben (deutsch, Leipz. 1885); Waldeck,

Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie (Stuttg.

1863); Brandes, E. Tegnér (in "Moderne Geister", Frankf.

1882), und die biographischen Schriften von Christensen (2. Aufl.,

Leipz. 1883), Peschier (Lahr 1882), Kippenberg (Leipz. 1884).

Tegucigalpa, Hauptstadt des mittelamerikan. Staats

Honduras, Rio Grande, 1036 m ü. M., von Bergen umgeben, mit

vielen schönen Privathäusern, einer in edlem Stil

erbauten Hauptkirche, einer 1847 gegründeten Academia

Literaria (Hochschule) und 12,000 Einw. Die Stadt hat lebhaften

Handel; früher hatte sie auch viel Bergbau.

Tegumént (lat.), s. v. w. Knospendecke, s.

Knospe.

Teheran, Hauptstadt des pers. Reichs, liegt in der

Provinz Irak Adschmi auf einer baumlosen Hochebene, 1170 m ü.

M., südlich vom Elburz, hat an Stelle der frühern

unansehnlichen Häuser und engen, unregelmäßigen

Straßen im letzten Vierteljahrhundert mit Bäumen

bepflanzte Boulevards, Plätze und befahrbare Straßen

erhalten, und die alten Stadtmauern sind durch Erdwälle

ersetzt, welche fast das doppelte Areal umschließen. In der

Mitte der Nordseite liegt der große befestigte Palast des

Schahs mit Gärten, Teichen, dem Zeughaus, den

Gefängnissen, der Militärschule etc. Die Stadt hat 11

Moscheen, eine 1850 gegründete Gelehrtenschule mit Bibliothek,

mehrere theologische Hochschulen, große moderne Bazare,

zahlreiche Karawanseraien und Bäder, Fabrikation von

Eisenwaren, Teppichweberei, Seiden- und Baumwollmanufakturen.

Innerhalb der Stadt, besonders an ihrer Nordseite, finden sich

schöne Gärten. Im Winter, wo der Hof in T. ist,

beträgt die Zahl der Einwohner gegen 200,000 (nach andern nur

120,000), fast lauter Schiiten, von denen im Sommer wegen der

unerträglichen Hitze ein großer Teil (darunter auch die

europäischen Gesandtschaften) nach der am Fuß des Elburz

gelegenen gesündern Landsihaft Schemiran übersiedelt. Die

Stadt ist für den europäischen Verkehr, der vornehmlich

auf der Straße von Poti über Tiflis, Eriwan, Tebriz und

Kazwin hierher stattfindet, wie als Sitz des Hofs, der Großen

des Reichs und der fremden Gesandten von Wichtigkeit. Durch

Neuanlage vieler unterirdischer Wasserleitungen hat sich die

früher steppenartige Umgegend neuerdings in bebautes Land

umgewandelt mit zahlreichen Ansiedelungen, Dörfern und

Palästen. In der Nähe von T. liegen unter andern die

königlichen Lustschlösser Negristan mit schönen

Gärten, Kasr Kadschar, ein kühner, von Feth Ali

ausgeführter terrassenförmiger Bau, und Niaveran im N.;

südlich die Trümmer des alten Rhagä (s. d.).

Tehl, s. v. w. Tael.

Tehri (Tiri), Staat und Stadt in Britisch-Indien, s.

Garwhal 2).

Tehuacan de las Granádos, Stadt im mexikan. Staat

Puebla, südöstlich von der Hauptstadt, 1640 m Ü. M.,

ehemals ein besuchter heiliger Ort der Azteken, mit (1880) 9173

Einw. im Munizipium.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 162 / 302 段