4) Bayard, nordamerikan. Tourist, Schriftsteller, und Dichter,

geb. 11. Jan. 1825 zu Kennett Square in Pennsylvanien, wurde mit 17

Jahren Buchdruckerlehrling in Westchester, widmete sich nebenbei

der Litteratur und den schönen Wissenschaften und machte mit

seinen Ersparnissen 1844-46 eine Fußtour durch Europa,

worüber er in "Views afoot" (1846) berichtete. Darauf lebte er

zu New York als Mitredakteur an der "New York Tribune" und machte

1848, nachdem er seine "Rhymes of travel" veröffentlicht, im

Auftrag des genannten Blattes eine Reise nach Kalifornien, die er

in "El Dorado" (1849) beschrieb. Seine "Poems and ballads"

erschienen 1851, ebenso sein "Book of romances, lyrics and songs".

In demselben Jahr unternahm er eine Reise nach dem Orient und ins

Innere von Afrika. Im Oktober 1852 begab er sich von England

über Spanien nach Bombay und von da nach China, wo er der

amerikanischen Gesandtschaft beigegeben wurde. Darauf begleitete er

Kommodore Perrys Flottengeschwader nach Japan und kehrte Ende 1853

nach New York zurück. Seine Reiseberichte veröffentlichte

er in der "Tribune", später in Buchform: "A journey to Central

Africa" (1854), "The lands of the Saracen" (1855) und "A visit in

India, Japan and China" (1856). Von 1856 bis 1858 von neuem auf

Reisen, besuchte er namentlich Lappland und Norwegen, dann

Griechenland und Kreta, Polen und Rußland. Früchte

dieser Reisen waren die Schriften: "Northern travel" (1857) und

"Travels in Greece and Russia" (1859). Nachdem sich T. 1857 mit der

Tochter des Astronomen Hansen in Gotha vermählt (die in der

Folge viele seiner Schriften ins Deutsche übertrug), baute er

sich in Cedarcroft bei Philadelphia ein Landhaus, wo er

zunächst seinen Wohnsitz aufschlug, verweilte dann 1862-63 als

Gesandtschaftssekretär in Petersburg, machte 1865 einen

Sommerausflug durch die Felsengebirge, war 1866-68 und wiederum

1872-1874 von neuem in Europa, vorzugsweise in Thüringen,

Italien und in der Schweiz, von wo er auch Abstecher nach

Ägypten und nach Island machte, und wurde im Mai 1878 vom

Präsidenten Hayes zum Gesandten der Vereinigten Staaten in

Berlin ernannt, wo ihn 19. Dez. 1878 ein plötzlicher und

früher Tod ereilte. Von Reisebeschreibungen erschienen noch:

"Home and abroad" (1859, 2. Serie 1862), "Colorado" (1867), "Byways

of Europe" (1869) und "Egypt and Iceland" (1875). Seine poetischen

Arbeiten umfassen noch die Sammlungen: "Poems of the Orient"

(i854), "Poems of home and travel" (1855), "The poet's journal"

(1862), das didaktische Gedicht "The picture of St. John" (1866),

die Idylle: "Lars (1873) und "Home pastorals" (1875) sowie mehrere

dramatische Dichtungen: "The masque of the gods" (1872), "The

prophet" (1874), "Prince Deukalion" (1878) und eine meifterhafte

Übertragung von Goethes "Faust" im Versmaß des Originals

(1870-71, 2 Bde.). Außerdem schrieb T. Novellen, wie: "Hannah

Thurston" (l863), "John Godfrey's fortunes" (1865), "The story of

Kennett" (1866), "Joseph and his friend" (1871) u. a., sowie die

Werke: "A school history of Germany" (1874), "The Echo Club"

(1876), eine harmlose Satire auf englische Dichter der Neuzeit, und

die nach seinem Tod erschienenen "Studies in German literature"

(1879) und "Critical essays and notes" (1880). Eine Sammlung seiner

Reisen erschien in 6 Bänden (New York 1881), seine "Complete

poetical works" Boston 1881. Um die Verbreitung der Kenntnis

deutscher Litteratur in Amerika hat sich T. große Verdienste

erworben. Viele seiner Schriften erschienen auch in deutscher

übersetzung, die "Gedichte" von Bleibtreu (Berl. 1879). Vgl.

Conwell, Life, travels and literary career of B. T. (Boston 1879);

Marie Hansen-Taylor und H. Scudder, Life and letters of Bayard T.

(das. 1884, 2 Bde.; deutsch, Gotha 1885).

5) George, Pseudonym, s. Hausrath.

Taylors Lehrsatz, von dem englischen Mathematiker Brook

Taylor (1685-1731) zuerst 1717 in seinem Werk "Methodus

incrementorum" (Berl. 1862) aufgestellte Formel:

f(x+h) = f(x) + h/1 . f'(x) + h2/1.2 . f''(x) + ... ,

wo f'(x), f''(x), ... der erste, zweite etc.

Differentialquotient (s. Differentialrechnung) der Funktion f(x)

sind. Setzt man darin x = 0 und x an die Stelle von h, so

erhält man die Maclaurinsche Reihe:

f(x) = f(0) + x/1 . f'(0) + x2/1.2 f''(0) + ...

welche zur Entwickelung einer Funktion in eine nach Potenzen von

x fortschreitende Reihe dient.

Tayport (spr. téh-), Stadt, s. Ferry-Port on

Craig.

Taytao, Halbinsel an der Ostküste Patagoniens,

südlich von Chonosarchipel, dicht bewaldet, durch zahlreiche

Fjorde eingeschnitten und 1200 m hoch; endet im SW. mit dem steilen

Kap Tres Montes.

Tazette, s. Narcissus.

Tazie (arab., "bemitleiden"), eine Art Passionsspiele auf

das tragische Schicksal Hassans und Husseins sowie der Aliden

insgesamt, welche im schiitischen Persien und Hindostan

während des Monats Muharrem mit besonderer Feierlichkeit

aufgeführt werden. Einzelne derselben sind auch in Europa

durch Übersetzung bekannt geworden. Taziechan, die Sänger

und Darsteller dieser Spiele. Vgl. Gobineau, Les religions de

l'Asie centrale (2. Aufl., Par. 1866).

Te, in der Chemie Zeichen für Tellur.

Teakbaum (Tikbaum), s. Tectona.

Teano (das antike Teanum), Stadt in der ital. Provinz

Caserta, an der Eisenbahn Rom-Neapel, mit Calvi Sitz eines Bistums,

hat eine Kathedrale mit antiken Säulen, Überreste von

Bauwerken der

554

Teb, El - Technische Hochschulen.

alten Stadt (zur Zeit Strabons nach Capua der beeutendste

Binnenort Kampaniens), ein Gymnasium, eine technische Schule, eine

Mineralquelle, Öl- und Getreidehandel und (1881) 4969

Einw.

Teb, El, Oase in Nubien, südlich von Suakin, auf dem

Weg von Trinkitat am Roten Meer nach dem Fort Tokar. Hier 29. Febr.

1884 siegreiches Gefecht des englischen Generals Graham gegen die

Mahdisten, worauf Tokar besetzt wurde.

Teba, Eugenie Marie de Guzman, Gräfin von, s.

Eugenie 1).

Tebbes, Stadt in der pers. Provinz Irak Adschmi, dicht an

der Grenze von Chorasan, liegt in einer von Bergen umrahmten Ebene,

inmitten eines schmalen Kulturgürtels, besitzt Mauern und eine

Citadelle, die sich aber nicht in verteidigungsfähigem Zustand

befinden, hat weder Bazare noch viel Handel und produziert nur

etwas Seide. Das Klima ist sehr heiß, trotzdem T. etwa 630 m

ü. M. liegt. Die Einwohnerzahl dürfte 40,000 nicht

erreichen.

Tebet (hebr.), im jüd. Kalender der 4. Monat des

bürgerlichen, der 10. des Festjahrs, vom Neumond des Januars

bis zu dem des Februars.

Tebriz (Täbris, Tauris), Hauptstadt der pers.

Provinz Aserbeidschân, in einer fruchtbaren Ebene am

Adschitschai 1348 m hoch gelegen, ist im allgemeinen schlecht

gebaut, hat einige Befestigungen, eine verfallene mittelalterliche

Burg mit Zeughaus, eine Villa des Thronfolgers, zahlreiche

(angeblich 318) Moscheen (darunter sehenswert die Ruine der

berühmten blauen Moschee), 5 armenische Kirchen, reiche Bazare

mit fast 4000 Läden, 166 Karawanseraien, Fabrikation von

seidenen und baumwollenen Zeugen, Teppichen und Lederwaren,

bedeutenden Handel und 160-170,000 (darunter ca. 3000 armenische)

Einw. Im 18. Jahrh. sehr heruntergekommen, verdankt die Stadt ihren

erneuerten Wohlstand namentlich dem starken Transitverkehr

über Eriwan, Tiflis und Poti zwischen Europa und Persien,

welcher T. zur ersten Handelsstadt Persiens gemacht hat. - T. wurde

792 von Zobeide, der Gemahlin des Kalifen Harun al Raschid,

gegründet. Am 6. Aug. 1605 hier Sieg der Perser über die

Türken; 1725 wurde die Stadt von den Türken erobert; bis

1828 war sie die Residenz des Kronprinzen Abbas Mirza, wurde aber

im Oktober 1827 von den Russen besetzt, worauf hier 2. Nov. der

Friede zwischen Rußland und Persien zu stande kam, in welchem

letzteres das Chanat Eriwan an Rußland abtrat. Am 23. Sept.

1854 litt die Stadt durch ein Erdbeben.

Tebu, Volksstamm, s. Tibbu.

Tecax (spr. -aß), Stadt im mexikan. Staat Yucatan,

75 km südöstlich von Merida, mit Ruinen altindianischer

Bauten und (1880) 9637 Einw.

Tech (spr. teck), Küstenfluß im franz.

Departement Ostpyrenäen, entspringt an der spanischen Grenze

in den Pyrenäen, fließt nordöstlich durch ein

malerisches Thal (Vallspire) und fällt nördlich von

Argelès in das Mittelländische Meer; 82 km lang.

Technik (griech.), Inbegriff der Regeln, nach denen bei

Ausübung einer Kunst verfahren wird, z. B. T. der Malerei.

Daher Techniker, Kunstverständiger, einer, der mit der innern

Einrichtung, dem Zweck und der Wirksamkeit praktischer Anstalten

vertraut ist, wie z. B. Werkführer von chemischen und andern

Fabriken, Münzmeister etc.; technisch, alles auf Gewerbe oder

auf den materiellen Teil der Künste Bezügliche;

technische Ausdrücke (termini technici), Kunstausdrücke,

die in einzelnen Gebieten der Künste, Gewerbe oder auch der

Wissenschaften in eigentümlicher Bedeutung gebräuchlichen

Ausdrücke; technische Anstalten, s. v. w. polytechnische

Schulen. In der Musik bezeichnet T. das Mechanische, sozusagen

Handwerksmäßige der Kunst, das, was gelernt werden kann

und gelernt werden muß. Man spricht daher sowohl von einer T.

der Komposition als einer T. der Exekution, meint indes, wenn man

den Ausdruck schlechtweg gebraucht, zumeist die letztere. Zur

Ausbildung in derselben hat man in neuerer Zeit die sogen.

technischen Studien aufgebracht, d. h. die Urelemente, aus denen

sich musikalische Phrasen, Passagen, Läufe, Verzierungen etc.

zusammensetzen, werden in kleinen Bruchstücken, ohne

Zusammenhang, rein systematisch geübt.

Technische Artillerie, s. Technische Institute der

Artillerie.

Technische Hochschulen, Lehranstalten zur höchsten

technischen Ausbildung namentlich der auf diesem Gebiet leitenden

Staatsbeamten. Nachdem während der ersten zwei Drittel unsers

Jahrhunderts diese Fachschulen in Deutschland sehr verschieden

organisiert waren und mancherlei Schwankungen zwischen den beiden

Idealtypen der höhern Gewerbeschule und des akademischen

Polytechnikums durchzumachen hatten, ist ihre Entwickelung in den

letzten beiden Jahrzehnten zu einem gewissen Abschluß

gelangt. über den geschichtlichen Hergang finden sich einige

Andeutungen unter Polytechnikum (s. d.). Als dessen

Schlußpunkt kann man die 1879 erfolgte Vereinigung der

Bauakademie und der Gewerbeakademie in Berlin zu einer technischen

Hochschule betrachten, der das provisorische Verfassungsstatut vom

17. März 1879 im wesentlichen den Zuschnitt der technischen

Hochschulen zu Zürich und zu München gab. Von 1877 bis

1880, zuletzt März 1880 in Berlin, unter Beteiligung

staatlicher Kommissare abgehaltene Konferenzen von Abgeordneten

sämtlicher deutscher Anstalten (auch von Zürich, Wien,

Brünn, Graz) trugen viel dazu bei, die Organisation der

technischen Hochschulen einheitlich zu gestalten. Die drei

preußischen Hochschulen erhielten unter dem unmittelbaren

Eindruck dieser Vorgänge neue Verfassungsstatute, und zwar

Hannover und Aachen gleichzeitig 7. Sept. 1880, Berlin 22. Aug.

1882. Damals bezog die Berliner Anstalt auch ein neues,

großartiges Gebäude in Charlottenburg. Jene Statuten

stimmen in den Hauptpunkten wörtlich überein; doch ist

naturgemäß auf die größere Ausdehnung und

eigentümliche Stellung der hauptstädtischen Anstalt

Rücksicht genommen. Die wichtigsten Vorschriften des Berliner

Statuts sind folgende: § 1. Die technische Hochschule hat den

Zweck, für den technischen Beruf im Staats- und Gemeindedienst

wie im industriellen Leben die höhere Ausbildung zu

gewähren sowie die Wissenschaften und Künste zu pflegen,

welche zum technischen Unterrichtsgebiet gehören. Die

technische Hochschule ist dem Minister der geistlichen,

Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten unmittelbar unterstellt.

§ 2. An der technischen Hochschule bestehen fünf

Abteilungen: 1) für Architektur, 2) für

Bauingenieurwesen, 3) für Maschineningenieurwesen

(einschießlich Schiffbau), 4) für Chemie und

Hüttenkunde, 5) für allgemeine Wissenschaften, namentlich

Mathematik und Naturwissenschaften. § 3. Mit den

Vorträgen in den einzelnen Disziplinen sind je nach

Bedürfnis praktische Übungen, Besuch der Sammlungen,

Ausflüge etc. verbunden. § 4. Der Unterricht ist nach

Jahreskursen geordnet; Ferien vom 1. Aug. bis 1. Okt., ferner zu

Weihnachten und zu Ostern je 14

555

Technische Institute der Artillerie - Technologie.

Tage. § 5. Die Wahl der Vorträge und Übungen ist

bis auf gewisse naturgemäße Beschränkungen frei.

Doch werden Studienpläne aufgestellt und empfohlen. § 6.

Lehrer sind die Professoren (vom König ernannt), Dozenten,

Assistenten und Privatdozenten. Die Habilitation dieser (§ 7)

vollzieht sich bei den einzelnen Abteilungen ähnlich wie bei

den Fakultäten einer Universität. Überhaupt

verhalten sich Hochschule und Abteilungen wie Universität und

Fakultäten; jene wird vom Rektor und Senat, diese vom

Abteilungskollegium und seinem Vorsteher verwaltet. Der Rektor wird

alljährlich von den vereinigten Abteilungskollegien

gewählt und bedarf der Bestätigung des Königs; die

Vorsteher werden auf ein Jahr gewählt und vom Minister

bestätigt. Für Kassen- und Verwaltungssachen steht dem

Rektor ein Syndikus zur Seite (§ 8-28). Deutsche werden als

Studierende nur mit dem Reifezeugnis eines deutschen Gymnasiums

oder eines preußischen Realgymnasiums und einer

preußischen Oberrealschule ausgenommen; doch berechtigt der

Besuch der technischen Hochschule auf Grund eines

Oberrealschulzeugnisses allein nicht zu einer Staatsprüfung

für den höhern technischen Dienst. Es muß noch

mindestens die Prüfung im Lateinischen an einem Realgymnasium

hinzutreten. Über das regelrechte Studium in einer der vier

ersten Abteilungen werden auf Grund vorgängiger Prüfungen

Diplome ausgestellt (§ 29-33). Doch können auch

Hospitanten vom Rektor zugelassen werden (§ 34-36). Dieselben

Grundzüge kehren in den Verfassungen sämtlicher deutscher

technischer Hochschulen wieder; doch ist die Zahl der Abteilungen

an mehreren dieser Anstalten größer, indem z. B.

Braunschweig noch eine pharmazeutische Abteilung hat, München,

Zürich u. a. eine landwirtschaftliche. In Deutschland gibt es

gegenwärtig neun t. H.: Berlin, Hannover, Aachen,

München, Dresden, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt und

Braunschweig (Carolinum, jetzt Carolo-Wilhelminum). Diese neun

Anstalten zählten 1878 zusammen: 535 Dozenten und 6433

Studierende. 1883 war die Zahl der Studierenden um 40 Proz. oder

auf 3900 zurückgegangen. Seitdem fand eine langsame Steigerung

der Besuchsziffer statt, so in den preußischen Anstalten von

1386 (1883) auf 1727 (1888), nämlich Berlin 1098 (gegen 897),

Hannover 418 (gegen 318), Aachen 211 (gegen 171). Von diesen 1727

gehörten den einzelnen Abteilungen an für Architektur

326, Bauingenieurwesen 286, Maschinenwesen und Schiffbau 620,

Chemie und Hüttenkunde 277, allgemeine Wissenschaften 3,

woneben noch 215 Hörer im allgemeinen ohne Bezeichnung einer

bestimmten Abteilung zugelassen waren. Die technische Hochschule zu

München zählte 1887: 612 Hörer, die zu Dresden 370,

die zu Zürich 496. Österreichs sechs t. H. zählten

1884 bei 330 Lehrern 2450 Studierende. Die Gesamtzahl der

Studierenden im Winter 1888/89 betrug 1694 gegen 1619 im Vorjahr

und zwar in Wien 745, Prag (deutsch) 182, Prag (tschechisch) 334,

Brünn 122, Graz 154, Lemberg ebenfalls 154. Davon kamen auf

die allgemeine Abteilung 18, Ingenieurwesen 696, Hochbau 136,

Maschinenbau 508, chemische Technik 214 Studierende. Das ungarische

Josephspolytechnikum zu Budapest hatte 1887 bei 47 Lehrkräften

619 Studierende.

Technische Institute der Artillerie sind in Deutschland die

unter militärischer Leitung stehenden Fabriken zur

Anfertigung von Armeematerial und zwar: Artilleriewerkstätten

zu Spandau, Danzig, Deutz, Straßburg i. E., Dresden,

München; Geschützgießereien zu Spandau, Augsburg;

Feuerwerkslaboratorien zu Spandau, Ingolstadt;

Geschoßfabriken zu Spandau, Teil der

Geschützgießerei, Siegburg, Ingolstadt; Pulverfabriken

zu Spandau, Hanau, Ingolstadt, Gnaschwitz (bei Bautzen);

Schießwollfabrik zu Hanau. Die Arbeiter sind Zivilpersonen;

Meister, Werkführer, Ingenieure etc. sind Beamte. In

Österreich-Ungarn umfaßt die technische Artillerie

(Handwerks-, Zeugsartillerie) das Artilleriearsenal, die

Artilleriezeugsfabrik, die 24 Artilleriezeugsdepots und die

Pulverfabrik in Stein.

Technische Militärakademie, in

Österreich-Ungarn die Artillerie- und Genieschule.

Technisches uud administratives Militärkomitee, in

Österreich-Ungarn ein Organ des Reichskriegsministeriums,

besteht aus Artillerie-, Genieoffizieren und Verwaltungsbeamten und

leitet alle diesen Gebieten angehörigen Versuche.

Technische Truppen, Genie-, Eisenbahn- und Telegraphentruppen;

vgl. Technische Institute der Artillerie.

Technoglyphen (griech.), s. Bildstein.

Technologie (griech., Gewerbskunde), die Lehre von den

Mitteln und Verfahrungsarten zur Umwandlung der rohen Naturprodukte

in Gebrauchsgegenstände. Da diese Umwandlung nur durch eine

Änderung des innern Wesens, d. h. der Substanz, nach den

Gesetzen der Chemie oder durch eine Änderung der

äußern Form oder Gestalt nach den Gesetzen der Mechanik

erfolgen kann, so teilt man das Gebiet der T., das die ganze

Industrie umfaßt, ein in chemische und mechanische T. Die

chemische T. beschäftigt sich mit der Darstellung chemischer

Materialien (Alkalien, Säuren, Salze, Farben, Teerfarben,

Ultramarin etc.), der Brenn- und Leuchtstoffe (Kohle, Stearin,

Leuchtgas etc.), der Nahrungs-, Genuß- und Arzneimittel

(Brot, Bier, Branntwein, Zucker, Chinin etc.), mit der

Färberei, Druckerei, Gerberei, Thonwaren-Fabrikation etc. Die

mechanische T. zieht in ihren Bereich die Bearbeitung der Metalle,

des Holzes und ähnlicher Materialien auf Grund ihrer

Arbeitseigenschaften (Gießfähigkeit, Dehnbarkeit,

Schmiedbarkeit, Teilbarkeit), die Verarbeitung der Faserstoffe

(Spinnerei, Seilerei, Weberei, Pavierfabrikätion), die

Verarbeitung der verschiedenen Produkte (Stickerei, Wirkerei,

Flechterei etc.) etc. Eine Menge Gewerbe gehören

selbstverständlich zum Teil der chemischen, zum Teil der

mechanischen T. an, da sie ihrer Natur nach sowohl chemische als

mechanische Prozesse verlangen (Glas, Thonwaren, Kautschuk

etc.).

Als man anfing, den Gewerben eine wissenschaftliche Grundlage zu

geben, lag es nahe, dies in der Weise zu thun, daß man den

Stoff nach den einzelnen Gewerben ordnete und diese besonders

behandelte (Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Färberei,

Gießerei, Schlosserei, Uhrmacherei, Tischlerei, Drechslerei,

Böttcherei, Baumwoll-, Flachs-, Wollspinnerei etc.). Auf

solche Weise entstand die sogen. spezielle T. als eine Lehrmethode,

welche auch jetzt noch Anwendung findet, wenn es sich um die

Darstellung solcher Gewerbe handelt, die wenig oder gar keine

gemeinsamen Anknüpfungspunkte besitzen. Da dies namentlich in

den chemischen Gewerben der Fall ist, weil in der praktischen

Handhabung der chemischen Gesetze solche Verschiedenheiten

obwalten, daß nur einzelne Gegenstände, z. B.

Feuerungsanlagen, vielen zugleich angehören, so ist hier dle

Methode der speziellen T. die Regel. In der Weiterentwickelung der

T. gewann man jedoch noch eine andre Grundlage für die

Behandlung dadurch, daß man Grup-

556

Technopägnia - Tectona.

pen bildete, indem man alle jene Beschäftigungen, welche in

ihren Prozessen, Mitteln, Manipulationen etc. viele

Ähnlichkeit und Gleichheit besitzen, zusammenfaßte und

ohne Rücksicht auf ihre Einzelheiten ordnete und untersuchte.

Weil dadurch die Behandlung eine allgemeinere wird, so heißt

diese Art der Darstellung allgemeine T. Diese Methode reiht alle

Mittel zu gleichem Zweck (Gußformen, Bohrer, Drehbänke

u. dgl.) aneinander, macht sie dadurch übersichtlich und

stellt sie zum Vergleich nebeneinander, weshalb sie auch

vergleichende T. genannt wird. Einer auf die Weise gewonnenen

Gruppeneinteilung ist namentlich das Gebiet der mechanischen T.

fähig, indem z. B. alle Metallarbeiten, alle Holzarbeiten, die

Spinnerei aller Faserstoffe, die Weberei aller Fäden sich in

einzelne Gruppen zusammenfassen lassen. Da diese Methode

außerdem nicht nur die anregendste und die fruchtbarste ist,

sondern es auch allein ermöglicht, das ausgedehnte Gebiet der

mechanischen Industrie zu beherrschen, so hat sie allgemein als

Lehrmethode in der mechanischen T. Eingang gefunden. Innerhalb der

Gruppen gewinnt man in den Arbeitseigenschaften der Materialien

eine weitere Grundlage für die Anordnung und somit einzelne

Kapitel für die Bearbeitung auf Grund der Schmelzbarkeit

(Gießerei), Dehnbarkeit (Schmieden, Walzen, Drahtziehen),

Teilbarkeit (Scheren, Meißel, Hobel, Bohrer, Sägen,

Fräfen etc.). Die Gewerbskunde wurde zuerst als Bestandteil

der kameralistischen Studien, etwa seit 1772 an der

Universität gelehrt. Beckmann (s. d. 2) wurde durch seine

Schriften, in denen er die einzelnen Industriezweige nach der

innern Verwandtschaft ihrer Hauptverrichtungen behandelte, der

Begründer der T., welcher er auch den Namen gab. Nach ihm

waren Hermbstädt in Berlin und Poppe in Tübingen

bedeutend, die neuere Richtung aber erhielt die T. durch Prechtl

und Altmütter in Wien und namentlich durch Karmarsch in

Hannover, welcher der Begründer der allgemeinen,

vergleichenden T. wurde. Die chemische T. wurde in neuester Zeit

besonders durch Knapp in Braunschweig, Heeren in Hannover, Wagner

in Würzburg, die mechanische durch Hartig in Dresden, Hoyer in

München, Exner in Wien gefördert. Die Litteratur der T.

ist außerordentlich reichhaltig. Als Hauptwerke gelten:

Prechtl, Technologische Encyklopädie oder alphabetisches

Handbuch der T., der technischen Chemie und des Maschinenwesens

(Stuttg. 1829-55, 20 Bde.; Supplemente, hrsg. von Karmarsch 1857

bis 1869, 5 Bde.); Karmarsch und Heeren, Technisches

Wörterbuch (3. Aufl. von Kick und Gintl, Prag 1874 ff.);

Karmarsch, Handbuch der mechanischen T. (6. Aufl. von Fischer,

Leipz. 1888 ff.); Kronauer, Atlas für mechanische T., auf

Grundlage von Karmarsch' "Handbuch", mit Erklärungen (Hann.

1862); Hoyer, Lehrbuch der vergleichenden mechanischen T. (2.

Aufl., Wiesb. 1888); Muspratt-Stohmann, Encyklopädisches

Handbuch der technischen Chemie (4. Aufl., Braunschw. 1886 ff.);

Knapp, Lehrbuch der chemischen T. (3. Aufl., das. 1865-75, 2 Bde.);

Bolley-Birnbaums Sammelwerk: "Handbuch der chemischen T." (das.

1862 ff., 8 Bde., in vielen Teilen); R. Wagner, Handbuch der

chemischen T. (12. Aufl., Leipz. 1886); Payen, Handbuch der

technischen Chemie (deutsch von Stohmann und Engler, Stuttg.

1870-74, 2 Bde.); Wagners "Jahresbericht Über die Leistungen

der chemischen T." (Leipz., seit 1855, jetzt hrsg. von Fischer);

Poppe, Geschichte der T. (Götting. 1807-11, 3 Bde.);

Karmarsch, Geschichte der T. seit der Mitte des 18. Jahrhunderts

(Münch. 1871); Blümner, T. und Terminologie der Gewerbe

und Künste bei Griechen und Römern (Leipz. 1875-1884, 3

Bde.); Noiré, Das Werkzeug und seine Bedeutung für die

Entwicklungsgeschichte der Menschheit (Mainz 1880); Lazarus Geiger,

Zur Entwickelungsgeschichte der Menschheit (2. Aufl., Stuttg.

1878).

Technopagnia (griech.), Kunstspielereien, besonders

Gedichte, deren äußere Form eine bestimmte Figur

darstellt (s. Bilderreime).

Teck, langgestreckter Berg nördlich vor dem

Schwäbischen Jura, südlich von Klrchheim, 774 m hoch. Auf

dem Gipfel die Ruine des Stammschlosses der Herzöge von Teck

und eine Felsengrotte (Sibyllenloch).

Teck, im Mittelalter kleines Herzogtum in Schwaben,

welches von der gleichnamigen Burg auf dem ebenfalls gleichnamigen

Berg im württembergischen Donaukrels den Namen führte.

Dieselbe war ursprünglich im Besitz der Herzöge von

Zähringen und kam 1152 an einen Sohn Konrads, Adalbert I.,

welcher aus dem benachbarten Gebiet und dem durch Erbschaft ihm

zufallenden Ulmburg das Herzogtum T. bildete. Letzteres ging 1381

durch Kauf an Württemberg über, doch starb das

herzogliche Geschlecht erst 1439 mit Ludwig, Patriarchen von

Aquileja, aus. Titel und Wappen des Herzogtums wurden 1495 von

Kaiser Maximilian dem Herzog von Württemberg zugesprochen und

1863 von König Wilhelm den Kindern des Herzogs Alexander von

Württemberg (geb. 9. Sept. 1804, gest. 4. Juli 1885) aus

seiner Ehe mit der Gräsin Rhedey (gest. 1. Okt. 1841)

verliehen; der Sohn desselben, Franz, Herzog von T. (geb. 27. Aug.

1837), seit 1866 mit einer Tochter des Herzogs von Cambridge

vermählt, lebt in London.

Tecklenburg, ehemalige Grafschaft im westfäl. Kreis,

330 qkm (6 QM.) groß mit 18,000 Einw., kam nach dem

Aussterben der Grafen von T. 1262 an die Grafen von Bentheim, 1329

an die Grafen von Schwerin und 1562 an den Grafen Arnold III. von

Bentheim, dessen Sohn Adolf 1606 eine besondere Linie T.

gründete. 1699 folgte Graf Wilhelm Moritz von Solms-Braunfels,

der 1707 T. an Preußen verkaufte. Jetzt gehört die

Grafschaft zum gleichnamigen Kreis im Regierungsbezirk

Münster. Vgl. Essellen, Geschichte der Grafschaft T. (Leipz.

1877). - Die Kreisstadt T., am Teutoburger Wald, 235 m ü. M.,

hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine

Schloßruine, ein Amtsgericht, Zigarrenfabrikation und (1885)

897 meist evang. Einwohner.

Tecoma Juss. (Jasmintrompete), Gattung der Bignoniaceen,

Bäume oder kletternde Sträucher mit gefingerten oder

unpaarig gefiederten Blättern und in Trauben oder Rispen

stehenden Blüten. T. radicans Juss. (virginischer Jasmin),

kletternder Strauch in Virginia, mit 10 m langen, an den Gelenken

wurzelnden Zweigen, unpaarig gefiederten Blättern und

scharlachroten Blüten in endständigen Doldentrauben,

gedeiht bei uns in geschützter Lage im Freien, verlangt aber

im Winter gute Deckung. Auch andre Arten werden als

Ziergehölze kultiviert.

Tectona L. fil. (Teakbaum, indische Eiche), Gattung aus

der Familie der Verbenaceen, große Bäume mit

großen, gegen- oder zu drei wirtelständigen, ganzen,

abfallenden Blättern, großen, endständigen

Blütenrispen mit kleinen, weißlichen oder

bläulichen Blüten und vierfächeriger, vom

aufgeblasenen Kelch umgebener Steinfrucht. Drei tropisch asiatische

Arten. T. grandis L. fil. ein schlanker Baum von 40 m Höhe,

mit großen, eiförmigen, unterseits weißfilzigen

Blättern, weißen Blüten und

haselnußgroßen Früchten, findet sich als Waldbaum

in Ostindien

557

Tecuciu - Teer.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 161 / 302 段