Tavannes (spr. -wánn), Gaspard de Saulx de, franz.

Marschall, geb. 1509 zu Dijon, kam als Page an den

französischen Hof, widmete sich dann der militärischen

Laufbahn, zeichnete sich in den Kriegen unter Franz I. und Heinrich

II. aus, bewies sich in der Zeit der Hugenottenkriege als eins der

fanatischten Häupter der katholischen Partei, ward 1569 nach

den Siegen von Jarnac und Moncontour Marschall und entflammte in

der Bartholomäusnacht 1572 persönlich den Pariser

Pöbel zur Ermordung der Protestanten; starb 1573 auf dem

Schlosse Suilly bei Autun. Seine Briefe an Karl IX. wurden 1857

veröffentlicht, "Lettres diverses" von Barthélemy 1858.

Seine Biographie verfaßte sein Sohn Jean (Lyon 1657). - Sein

Sohn Guillaume de Saulx de T., geb. 1553, gest. 1633,

hinterließ "Mémoires historiques", von 1560 bis 1596

reichend (Par. 1625).

Tavernikus (Tavernicorum regalium magister),

Schatzmeister, ehemals Titel des ungarischen

Reichswürdenträgers, der den königlichen Schatz zu

verwalten hatte, und unter welchem die königlichen Städte

standen. Später wurde die Verwaltung des Schatzes einem eignen

Beamten übergeben, und der T. fungierte als oberster Aufseher

eines Teils der königlichen Städte, der sogen.

Tavernikalstädte, als Mitglied des königlichen Rats und

des obersten Gerichtshofs (Tavernikalgericht). Noch später war

der T. Mitglied der königlich ungarischen Statthalterei und

der Septemviraltafel sowie in Verhinderung des Palatins und des

Judex curiae Präsident der Magnatentafel. Gegenwärtig

besteht die Würde des T.(Tavernikat) nur noch als Titel.

Tavetscher Thal, Alpenthal im schweizer. Kanton

Graubünden, oberhalb Disentis, vom Vorderrhein durchflossen,

mit (1880) 784 Einw. Hauptort ist Sedrun (1398 m).

Tavira, wohlgebaute Stadt in der portug. Provinz Algarve,

an der Südküste, zu beiden Seiten des Rio Sequa, mit

maurischem Kastell, 2 Kollegiatkirchen, Hospital, Schwefelbad

(26° C.), Hafen, Sardellen- und Thunfischfang und (1878) 11,459

Einw.

Tavistock, Stadt in Devonshire (England), nördlich

von Plymouth, am Tavy, der hier zwischen engen Ufern rasch

dahineilt, hat eine Abteiruine, 2 Lateinschulen, Kupfer- und

Bleigruben und (1881) 6914 Einw. Es ist Geburtsort von Franz

Drake.

Taviuni (Vuna), eine der Fidschiinseln,

südöstlich von Vanua Levu und durch die Somo Somo-Passage

von demselben getrennt, 553 qkm. Der Mittelpunkt dieser

schönsten und fruchtbarsten aller Inseln der Gruppe hebt sich

800 m über den Meeresfpiegel und hat auf seiner Spitze einen

See, vermutlich die Ausfüllung eines erloschenen Kraters.

Tavolara (bei den Römern Bucina), unbewohnte Insel

an der Nordostküste der Insel Sardinien, zur italienischen

Provinz Sassari gehörig, hat einen Umfang von 22 km,

beherbergt wilde Ziegen und lieferte ehemals Purpurschnecken.

Tawastehus, Gouvernement im Großfürstentum

Finnland, von den Gouvernements Nyland, Abo, Wasaund St. Michel

begrenzt, 21,584 qkm (392 QM.) groß mit (1886) 240,896 Einw.,

ist im allgemeinen gebirgig, hat eine große Menge Seen und

Flüsse und ist relch bewaldet. Der Boden ist im ganzen

fruchtbar, und der Ackerbau wird mit Erfolg betrieben. - Die Stadt

T. (finn. Hämeenlinna), am See Wanajäjärvi gelegen,

durch Zweigbahn mit der Linie St. Petersburg-Helsingfors verbunden,

hat 4098 Einw. und ist Sitz des Gouverneurs. Dabei Schloß

Kronoborg oder Tawasteborg, von Birger Jarl 1249 erbaut, jetzt

Kaserne und Besserungsanstalt.

Tawastland, Landschaft im Innern von Finnland, etwa dem

Gouvernement Tawastehus entsprechend.

Taxation (lat.), Schätzung oder Wertbestimmung einer

zum Verkauf, zum Austausch oder zur Übergabe bestimmten Sache,

geschieht auf Anordnung einer Staatsbehörde oder auf

Veranlassung von Privatpersonen durch Taxatoren,

Sachverständige, welche von den Parteien in gleicher Anzahl

vorgeschlagen oder gemeinschaftlich gewählt oder von der

Behörde ernannt werden. Wo eine Grundsteuer erhoben wird,

stellt der Staat Taxatoren an, welche die Abschätzungen der

Bodengüte (Bonitierung, s. d.) unter der Anleitung von

Ökonomiekommissaren vornehmen. Gleiches geschieht unter

Mitwirkung der Behörden, wenn Grundstücke auf dem Weg der

Expropriation verkauft werden sollen; bei Truppenbewegungen (z. B.

Manövern), durch welche Saaten vernichtet werden, beiden

Vorkehrungen gegen gefährliche Feinde der Pflanzen, bei

Ausbruch der Rinderpest, Hagelschaden, Viehsterben etc. Die auf

Feldern etc. stehende Kreszenz oder der für diese gemachte

gesamte Bestellungsaufwand wird Gegenstand einer T., um

festzustellen, wieviel ein anziehender Pachter oder Käufer

eines Guts dem Vorgänger an Entschädigung zu zahlen hat,

soweit nicht eine Verpflichtung für ihn vorlag. Schwieriger

ist die T. bei Ablösungen von Gerechtsamen, um zu ermitteln,

welchen Wert die Gerechtsame für den Berechtigten hatten. Je

nachdem die Zeitströmung dem Berechtigten oder dem Belasteten

günstig war, hat man den ermittelten Gesamtjahreswert solcher

Gerechtsame (abzüglich der Kosten) mit 14, 15, 16, 17, 18

multipliziert, um die Ablösungssumme festzustellen. Die T. bei

Gewannwegsregulierungen, Separationen und Meliorationsarbeiten

fordert zunächst eine Feststellung des Wertes aller

Grundstücke, welche verändert oder dem Besitzer genommen

werden sollen; sodann wird der gesamte Kostenaufwand entsprechend

auf die Beteiligten ausgeschlagen und schließlich jedem

wieder ein dem Wert seines frühern Besitztums analoger Wert

überwiesen. Die T. am Schluß eines Geschäftsjahrs

und zu Beginn eines Betriebs (Inventur) besteht in der Ermittelung

des gesamten Vermögens, soweit solches zum Geschäft

verwendet wird. Wieder eine andre Art der T. wird seitens derer,

die

551

Taxationsrevision - Taxodium.

Geld auf Hypothek darleihen wollen, vorgenommen: die Kredit-

oder Grundwerttaxe. Da, wo eine gute Buchführung mit

regelmäßiger Inventur sich findet, bedarf es einer

solchen besondern Taxe nicht. In den meisten Fällen

begnügt man sich aber mit einer durch ortskundige Personen

gerichtlich abgegebenen Taxe der Grundstücke und der

Gebäude, und das gesamte Inventarium, der bewegliche

Vermögensteil, bleibt ausgeschlossen. Vielfach fertigt man

jedoch auch, um die Höhe des zu gewährenden Kredits zu

bemessen, einen besondern Anschlag über das zu erwartende

wirtschaftliche Ergebnis und zwar in etwa derselben Weise an, wie

es bei Kauf und Verpachtung üblich ist, den sogen.

Ertragsanschlag (s. d.). Vgl. Birnbaum, Landwirtschaftliche

Taxationslehre (Berl. 1877); Pabst, Landwirtschaftliche

Taxationslehre (3 Aufl., Wien 1881); v. d. Goltz,

Landwirtschaftliche Taxationslehre (Berl. 1880-82, 2 Bde.).

Vorzügliche Details finden sich in Block, Beiträge zur

Landgüterschätzungskunde (Bresl. 1840), und in dessen

"Mitteilungen landwirtschaftlicher Erfahrungen etc." (das. 1836-39)

sowie in den entsprechenden Werken von v. Flotow, Kleemann, v.

Honstedt, Meyer, Kreyßig etc., in Krämer,

Landwirtschaftliche Berechnungen (Stuttg. 1858), und Graf zur

Lippe, Der landwirtschaftliche Ertragsanschlag (Leipz. 1862).

Taxationsrevision, die periodische Berichtigung, bez.

Fortsetzung der Forsteinrichtung (s. d.) mit Rücksicht auf die

im Wald- und Wirtschastszustand eingetretenen Veränderungen.

Dergleichen Revisionen sollen etwa alle zehn Jahre vorgenommen

werden. Taxe (franz., v. lat. taxare), Würdigung,

Wertschätzung einer Sache, insbesondere durch vereidete

Schätzer (Taxatoren), welche sich vielfach an bestimmte

Taxgrundsätze zu halten haben; dann der öffentlich

festgesetzte Preis für Waren oder Leistungen, daher auch eine

besonders in Süddeutschland übliche Bezeichnung für

Gebühren und verschiedene Verkehrssteuern (z. B.Taxen für

Anstellung und Beförderung, Stempeltaxe etc.). Früher

wurden auch für notwendige Lebensmittel von der Behörde

Taxen (Polizeitaxen) festgesetzt, man hatte Fleischtaxen (s. d.),

Brottaxen (s. d.), Biertaxen (s. d.) etc., dann auch Lohntaxen (s.

d.) und Zinstaxen (vgl. Wucher). Doch sind viele derselben und zwar

in Deutschland durch die Gewerbeordnung als eine Konsequenz der

Gewerbefreiheit aufgehoben worden. Man ging hierbei von der

Überzeugung aus, daß es der Polizei nicht möglich

fei, einen angemessenen Preis zu bestimmen, wie er sich als

Ergebnis der freien Konkurrenz bilde. Insbesondere vermag sie nicht

den mannigfaltigen, rasch wechselnden Produktionsbedingungen und

den veränderlichen Konjunkturen Rechnung zu tragen. Ist die T.

zu hoch angesetzt, so hat sie keine praktische Bedeutung; ist sie

zu niedrig bemessen, so wird sie nicht allein für den

Verkäufer, sondern auch für den Käufer

schädlich wirken, indem sie das Angebot herabdrückt und

eine volle Deckung auch derjenigen Bedarfe verhindert, für

welche gern höhere Preise gezahlt werden. Ein Fehler der

Polizeitaxe ist noch der, daß sie in vielen Fällen den

außerordentlich verschiedenen Qualitäten der einzelnen

Waren sich nicht anzubequemen vermag und auch nicht verhüten

kann, daß sich der Verkäufer durch Verschlechterung der

Ware schadlos halte. Allerdings können Taxen eine Wohlthat

sein, wo die freie Konkurrenz eine beschränkte und eine

Ausbeutung durch monopolistische Preise nicht ausgeschlossen ist.

Sie waren deshalb früher Zwangs- und Bannrechten

gegenüber ein unerläßliches Mittel zum Schutz des

Publikums und sind auch heute noch bei vielen Privilegien und

natürlichen Monopolen (Eisenbahnen) nicht zu entbehren. Die

deutsche Gewerbeordnung läßt darum Taxen zu für

Personen, welche an öffentlichen Orten ihre Dienste oder

Transportmittel anbieten, für Schornsteinfeger, wenn ihnen

Bezirke ausschließlich zugewiesen sind, für

Gewerbtreibende, welche nur in beschränkter Zahl angestellt

sind, insbesondere auch für Apotheker. Die betreffenden

Gewerbtreibenden können jedoch diese Taxen

ermäßigen. Die Bezahlung der approbierten Ärzte

bleibt der freien Vereinbarung überlassen, doch sind Taxen

aufgestellt, welche in streitigen Fällen im Mangel einer

Vereinbarung zur Anwendung kommen sollen. Die Gebührentaxe

für Rechtsanwalte wird durch die Gewerbeordnung nicht

berührt. Über die Preiskurante der Gastwirte s.

Gastwirt.

Taxes assimilées (franz.), in Frankreich die den

direkten Steuern zugesellten Abgaben, wie die Steuer von der Toten

Hand, die Bergbauabgabe etc.

Taxidermie (griech.), die Kunst des Ausstopfens und der

Zubereitung von Tieren für Sammlungen, besteht im wesentlichen

in dem Abbalgen oder in der Entfernung aller

fäulnisfähigen Weichteile aus dem Hautsack, Anfüllen

desselben mit trocknem Sand oder Ausstopfen des Balgs mit

entsprechend geformten Körpern aus Werg und Trocknen des so

weit hergerichteten Tiers in einer möglichst natürlichen

Stellung. Bei größern Tieren zieht man, um die

nötige Festigkeit zu erzielen, Drähte oder

Eisenstäbe durch das Werg, bildet auch wohl den Körper

oder nur einzelne Teile desselben aus festem Stoff nach und

überzieht ihn dann mit der Haut. Der Erfolg ist wesentlich von

der genauen Beachtung der anatomischen Verhältnisse

abhängig, und eine verbesserte Methode, die Dermoplastik, geht

hierin am weitesten, indem sie die Gestalt des Tiers vor dem

Überziehen der Haut durch plastischen Thon naturgetreu

nachbildet. Um der Beschädigung der ausgestopften Tiere durch

Insekten vorzubeugen, benutzt man Arsenikseife, auch Kampfer mit

Seife und Koloquintentinktur und ähnliche Mittel. Vgl.

Naumann, Taxidermie (2. Aufl., Halle 1848); Martin, Praxis der

Naturgeschichte (2. Aufl., Weim. 1876-82, 3 Tle.); Eger, Der

Naturaliensammler (5. Aufl., Wien 1882); Förster, Anleitung

zum Ausstopfen (Osnabr. 1887).

Taxineen (Eibengewächse), Pflanzenfamilie in der

Ordnung der Koniferen (s. d.).

Taxionomie (griech.), Ordnungslehre, Systematik.

Taxis (griech.), die Reposition von

Eingeweidebrüchen (s. Bruch, S. 485).

Taxis, s. Thurn und Taxis.

Taxites Brongn., vorweltliche Pflanzengattung unter den

Koniferen (s. d., S. 1013).

Taxodium Rchd., (Taxodie, Sumpfcypresse, Sumpfzeder,

Eibencypresse), Gattung der Kupressineen, hohe Bäume mit

eirund länglicher Krone und deutlich hervortretendem Stamm,

zerstreut stehenden Ästen, kurzen, auf zwei Seiten mit

hautartigen, linsenförmigen, hellgrünen Blättern

besetzten Zweigen, welche scheinbar ein gefiedertes Blatt

darstellen und meist im Herbst abfallen, monözischen

Blüten und rundlichen, nicht großen Fruchtzapfen am Ende

verkürzter Äste. T. distichum L. (kalifornische Zeder)

ist ein 30-40 m hoher Baum mit wagerecht stehenden Hauptästen,

im Winter abfallenden Zweigen und linienförmigen, oben

abgerundeten, aber mit einer Spitze endigenden Blättern, deren

Mittelnerv auf der Oberfläche eingesenkt ist. Die Wurzeln

breiten sich zum Teil auf der Oberfläche des Bodens aus und

bilden häufig über demselben bis

552

Taxus - Taylor.

1,5 m hohe kegelförmige Knollen. Der Baum findet sich von

Delaware und Virginia bis Florida und Mexiko, auch in Kalifornien,

besonders aufsumpfigem Boden und an Flußufern und wird bei

uns als einer der schönsten Bäume kultiviert. Er erreicht

ein sehr hohes Alter; De Candolle schätzt das Alter der

Cypresse des Montezuma auf nahe an 6000 Jahre. Man pflanzt den Baum

zur Befestigung der Ufer an Kanälen und benutzt das Holz als

weißes Zedernholz. Der Baum findet sich bereits in

Tertiärschichten.

Taxus L. (Eibenbaum), Gattung aus der Familie der

Taxineen, immergrüne Bäume oder Sträucher der

gemäßigten Klimate der nördlichen Halbkugel mit

weißem Splint und rotbraunem harten Kernholz, zerstreut

stehenden, durch die herablaufenden Blattbasen kantigen Zweigen,

lederigen, spiralig dicht gestellten und fast zweiseitswendigen,

linealischen bis ovaloblongen, flachen, oft sichelförmig

gekrümmten, kurz stachelspitzigen Blättern,

diözischen Blüten, auf der Spitze eines Kurztriebes in

den Blattachseln stehenden, fast kugeligen männlichen

Blütenkätzchen und einzeln an der Spitze eines

Kurztriebes stehenden weiblichen Blüten, deren kurze,

napfförmige Hülle sich zu einem fleischigen, hochroten,

den Samen bis fast zur Spitze umhüllenden, aber offenen

Fruchtbecher entwickelt. Man kennt sechs Arten, unter denen eine

europäische. T. baccata L. (gemeiner Taxbaum, Roteibe), ein

bis 12-15 m hoher, meist aber niedrigerer Baum oder (in Kultur)

Strauch mit 2,5 cm langen, am Rand kaum umgeschlagenen, oberseits

dunkelgrünen, unterseits hellgrünen (nicht blauweiß

gestreiften, wie bei der Tanne) Blättern, hell scharlachroten

Scheinfrüchten u. blauvioletten Früchten, wächst in

Wäldern Mittel- und Südeuropas von den britischen Inseln,

dem mittlern Norwegen, Schweden und Rußland

südwärts bis Spanien, Sizilien, Griechenland und zum

Kaukasus, in Deutschland jetzt nur noch sehr zerstreut, besonders

auf Kalkboden in der Eichen- und Buchenregion. Die Eibe findet sich

ferner auf den Azoren, in Algerien, in Vorderasien, am Himalaja, am

Amur; sie soll ein Alter von 2000 Jahren erreichen. Man benutzt sie

zu Lauben, Hecken, und namentlich zu Ludwigs XIV. Zeiten spielte

sie eine große Rolle in den Gärten. Das Holz ist

ungemein fest und fein (deutsches Ebenholz, Eibenholz) und dient zu

Schnitzereien, Haus- und Tischgeräten, ehemals auch zu

Armbrüsten. Die Früchte sind genießbar, von fadem

Geschmack, die Blätter aber giftig, Als Emmenagogum und

Abortivum werden sie noch jetzt vom Volk benutzt. Bei den Alten war

der T. ein Baum des Todes; die Furien trugen Fackeln von Eibenholz,

und die Priester bekränzten sich im innern Heiligtum von

Eleusis mit Myrten- und Taxuszweigen. Mehrere Varietäten,

besonders T. hibernica Mack., mit aufrecht stehenden Zweigen, aus

Irland und andre Arten aus Nordamerika und aus dem östlichen

Asien werden bei uns als Ziersträucher kultiviert.

Tay (spr. teh), Fluß in Perthshire (Schottland),

entspringt als Dochart im Gebirge nördlich vom Loch Lomond,

fließt nordöstlich durch den Loch T., tritt bei Dunkeld

in das fruchtbare Strathmore ein und mündet durch den Firth of

T. in die Nordsee. Der T. ist besonders in seinem obern Lauf sehr

reißend und bildet bei Mones einem schönen Wasserfall.

Seeschiffe können auf ihm mit der Flut bis nach Perth fahren.

Seine bedeutendsten Nebenflüsse sind: der Tummel mit Garry,

die Isla und der Earn. Die großartige Eisenbahnbrücke

über den T., oberhalb Dundee, die 1877 gebaut wurde und 3,2 km

lang war, stürzte Weihnachten 1879 mit einem über sie

hineilenden Zug in die Fluten. Seit 1883 ist indes vom Ingenieur W.

H. Barlow eine neue Brücke erbaut worden, die auf eisernen,

mit Zement gefüllten Cylindern ruht, 3214 m lang und 18,3 m

breit ist, 85 Öffnungen hat (11 zu je 75,3 m) und in der Mitte

sich 23,5 m über den mittlern Wasserstand erhebt.

Taÿgetos (auch Taygeton, jetzt Pentedaktylon,

"Fünffingerberg"), Gebirge im Peloponnes, zieht sich als

Grenze zwischen Lakonien und Messenien von der Grenze Arkadiens bis

zum Vorgebirge Tänaron hinab, eine ununterbrochene Kette

bildend, durch welche nur ein einziger, sehr beschwerlicher

Paß, die sogen. Langada (von Sparta nach Kalamata),

hindurchführt. Die höchsten, mit Schnee bedeckten Spitzen

hießen Taleton (2409 m hoch) und Euoras.

Taylor (spr. tehler), 1) Zachary, zwölfter

Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, geb. 24.

Nov. 1784 in Orange County im Staat Virginia, verlebte seine Jugend

in Kentucky, wohin seine Eltern als Farmer übersiedelten, ward

1808 Leutnant in einem Infanterieregiment, 1812, nachdem er mit 50

Mann im Fort Harrison am Wabashfluß 5. Sept. 1812 die

Angriffe zahlreicher Indianerscharen mit Erfolg

zurückgeschlagen, Major und 1832 Oberst des 6.

Infanterieregiments, an dessen Spitze er im Blackhawkkrieg unter

Scott focht. Auch an dem Feldzug gegen die Indianer in Florida 1836

nahm er als General mit Auszeichnung teil, und im Dezember 1837

erfocht er an der Spitze einer Brigade über die Indianer einen

blutigen Sieg am See Okitschobi. Nachdem er das Oberkommando in

Florida noch bis 1840 geführt, erhielt er das Kommando im

ersten, die Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama umfassenden

Militärdepartement, 1845 aber den Oberbefehl über die

nach Texas bestimmte Okkupationsarmee. Er überschritt 1846 im

Kriege gegen Mexiko den Rio Grande, nahm nach einer Reihe kleiner

Gefechte Monterey (24. Sept.), erfocht 22. und 23. Febr. 1847 mit

seinen 6000 Mann über Santa Annas 21,000 Mann einen

entscheidenden Sieg und schlug im April noch ein andres Korps

Mexikaner bei Tula. Diese Erfolge hatten ihm solche

Popularität erworben, daß er von der Whigkonvention in

Philadelphia als Kandidat für die Präsidentschaft

aufgestellt, 7. Nov. 1848 mit bedeutender Majorität

gewählt ward und 4. März 1849 sein Amt antrat. Aber

40jährige Kriegsstrapazen hatten seine Gesundheit untergraben,

und er starb nach kurzer unparteiischer Verwaltung schon 9. Juli

1850 in Washington

2) Henry, engl. Dichter und Schriftsteller, geb. 1810 in der

Grafschaft Durham, trat im Kolonialamt in den Staatsdienst,

verheiratete sich mit der Tochter Lord Monteagles, wurde 1873 zum

Ritter erhoben und starb 27. März 1886 in Bornemouth. Als

Dramatiker begann er mit "Isaac Comnenus" (1827); dann folgte die

zweiteilige historische Tragödie "Philip van Artevelde"

(1829), sein Hauptwerk, von ihm selbst als "historischer Roman in

dramatischer und rhythmischer Form" bezeichnet, durch kräftige

Charakteristik ansprechend und reich an wirkungsvollen Szenen. Von

seinen übrigen, wiederholt aufgelegten Stücken nennen

wir: "Edwin the Fair" (1842), "The virgin widow" (1850) und "St.

Clement's eve" (1862). Außerdem schrieb er: "The statesman",

eine Abhandlung voll scharfer und feiner Beobachtungen (1836); "The

eve of the conquest, and other poems" (1847); "Notes from life"

(1847); "Notes from books" (1849); "A Sicilian summer, and minor

poems" (1868) u. a. Seine gesammelten

553

Taylors Lehrsatz - Teano.

"Works" erschienen 1877-78, 5 Bde.; seine "Autobiography" 1885,

2 Bde. Seine "Correspondence" gab Dowden heraus (1888).

3) Tom, engl. Dramatiker und Humorist, geb. 1817 bei Sunderland

als Sohn einer Deutschen, studierte in Glasgow und Cambridge, wurde

Rechtsanwalt, dann Professor der englischen Litteratur am

University College in London, trat 1850 in den Staatsdienst, ward

1854 Hauptsekretär des Gesundheitsamtes und bei Auflösung

dieser Behörde nach 21jähriger Dienstzeit in Ruhestand

versetzt. Inzwischen hatte er als Kunstkritiker der "Times"

bedeutenden Einfluß erworben, als Mitarbeiter des "Punch"

viel Heiteres geschrieben und besonders als dramatischer

Schriftsteller sich hervorgethan. Mehr als 100 Stücke sind aus

seiner Feder hervorgegangen, freilich viele nach fremden Mustern.

"The fool's revenge", "An unequal match". "The ticket-of-leave

man", "Clancarty" haben sich auf der Bühne erhalten, ebenso

die historischen Dramen: "Twixt axe and crown", "Joan of Arc" und

"Anne Boleyn". Während der letzten acht Jahre seines Lebens

war er Herausgeber des "Punch". Er starb 12. Juli 1880 in London.

Auch als Herausgeber der Biographien englischer Künstler, wie

Haydons (1853), Leslies (1859), Reynolds (1865), sowie eines

"Catalogue of the works of Sir J. Reynolds" (1869) hat sich T.

verdient gemacht.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 160 / 302 段