Fühlen dienenden Einrichtungen des tierischen Körpers,
liegen ausnahmslos in der Haut und bestehen aus besondern
Hautzellen, welche nach innen zu mit einer Nervenfaser in
Verbindung stehen, um den empfangenen Reiz zur Wahrnehmung zu
bringen, nach außen gewöhnlich ein Haar oder sonst eine
Vorrichtung zur Erleichterung der Berührung mit einem
Fremdkörper tragen. Bei den meisten Tieren ist nicht die ganze
Haut in gleichem Maß mit Tastwerkzeugen ausgestattet, sondern
diese finden sich meist an besondern Anhängen (Fühlern,
Tentakeln, Gliedmaßen) und dann oft in großer Anzahl.
Bei den Wirbeltieren speziell sind die T. besonders entwickelt in
der Umgebung des Mundes (sogen. Barteln mancher Fische, Tasthaare
oder Schnurrhaare mancher Säugetiere) und vielfach auch an den
Händen und Füßen. Wegen der eigentümlichen
Tastkörperchen s. Haut, S. 232.
Tat, iranischer Volksstamm, welcher mit den verwandten
Guran den äußersten Westen von Iran bewohnt und dort
dieselbe Stelle einnimmt wie die Tadschik im äußersten
Osten. Sie treiben Ackerbau in der Provinz Baku, wohin sie unter
den Sassaniden aus Aserbeidschân eingewandert sein sollen,
die Guran im Zagros. Die Sprache beider Völker nähert
sich dem Persischen.
Tatar-Bazardschik, Stadt in Ostrumelien, an der Maritza
und der nach Konstantinopel führenden Eisenbahn, hat starken
Reisbau und (1887) 15,659 Einw. (ca. ¼ Türken). In der
Umgegend viel Weinbau. T. wurde um 1420 von Tataren gegründet,
welche Sultan Mohammed von Brussa dorthin verpflanzte.
Tatarei (unrichtig Tartarei), im Mittelalter Name
Innerasiens, dessen gegen W. heranstürmende Horden man unter
dem Gesamtnamen der Tataren (s. d.) begriff. Später nannte man
die Kleine oder europäische T. die russischen Gouvernements
Krim, Astrachan und Kasan, im engern Sinn aber insbesondere die
Krim und die Gegenden am untern Dnjepr und Don. Die Große
oder asiatische T., seit dem 13. Jahrh. von ihrem Beherrscher, dem
Sohn Dschengis-Chans, auch Dschagatai genannt, führt jetzt in
den geographischen Werken den allgemeinen. Namen Zentralasien (s.
d.), teilweise auch Turkistan (s. d.). Die Namen chinesische oder
Hohe T. für das östliche und Freie T. für das
westliche (russische) Turkistan sind jetzt außer
Gebrauch.
Tataren, ursprünglich Name eines mongol.
Volksstammes, der aber im weitern Verlauf nicht nur auf die
Mongolen überhaupt, sondern infolge des politischen
Übergewichts, welches dieselben nach Dschengis-Chan in Asien
besaßen, auch auf die ihnen unterworfenen verwandten
Völker übertragen ward. Gegenwärtig bezeichnet man
mit dem Namen T. einen Zweig des uralaltaischen Volksstammes, der
von den Gestaden des Mittelländischen und Schwarzen Meers bis
an die Ufer der Lena in Sibirien eine Reihe von Völkerschaften
umfaßt, als: die Jakuten, die nordöstlichsten Glieder
des Zweigs, an der Lena; die Buruten oder schwarzen Kirgisen, im
chinesischen Turkistan; die Kirgisen oder Kasak (in drei Horden);
die Uzbeken, von Bochara bis zum Kaspischen Meer; die Turkmenen,
südlich vom Oxus bis Kleinasien; die Karakalpaken,
südlich vom Aralsee; die Kumüken, im nordöstlichen
Kaukasus; die Osmanen, die türkischen Bewohner der
europäischen Türkei und teilweise Kleinasiens, und die T.
im engern Sinn. Die letztern werden nach ihrer Lebensweise als
ansässige und nomadisierende T. unterschieden. Ihre Zahl wird
geschätzt auf 1,200,000 im europäischen Rußland,
100,000 im Kaukasus und 70,000 in Sibirien; sie sind alle
Mohammedaner. Die Kasanschen T. haben durch ihre Vermischung mit
Finnen und Russen ihren mongolischen Typus mehrfach
eingebüßt; sie zeichnen sich durch Nüchternheit,
Gastfreiheit und Arbeitsamkeit aus, sind sehr begabt, können
alle lesen und schreiben und ernähren sich vorzugsweise durch
den Handel; ihre Zahl wird auf 450,000 angegeben. Die Krimschen T.
werden in Steppen- und Bergtataren eingeteilt, von denen die
erstern den mongolischen Typus recht rein erhalten haben. Sie
beschäftigen sich vorzugsweise mit Viehzucht, namentlich
Schafhaltung; einige unter ihnen bauen auch Tabak, Arbusen und
Melonen. Der Reichtum der Bergtataren besteht in Frucht- und
Obstgärten. Ihr häusliches Leben ist durch Sauberkeit und
Ordnungsliebe ausgezeichnet. Ihre Zahl wird auf 250,000
geschätzt. Die stark mit Mongolen vermischten Nogaiischen T.
oder Nogaier wohnen, 50,000 Seelen stark, zwischen dem Schwarzen
und dem Kaspischen Meer an den Flüssen Kuban, Kuma, Wolga und
in der Krim. Die Sibirischen T. sind zum größten Teil
ansässig, nur ein kleiner Teil nomadisiert. Ein Hauptstamm
derselben sind die Tureliner, aus denen man die eigentlichen T. und
die nach den von ihnen bewohnten Gegenden benannten Taraischen,
Tobolskischen, Tjumenschen und Tomskischen T. unterscheidet. Zum
Teile leben sie in Städten und
534
Tataren - Tättowieren.
treiben Ackerbau, zum Teile liegen sie dem Ackerbau, der
Viehzucht und der Jagd ob. Weiter gehören zu den Sibirischen
T. die Barabiner in der Steppe Baraba zwischen Ob und Irtisch, ein
gutartiges Naturvolk, das fast ausschließlich Viehzucht und
Fischerei treibt; die Tschulymschen T., am Fluß Tschulym, die
sich schon sehr den Russen genähert haben; die Teleuten (s.
d.), Sagaer, Abakan oder Katschinzen (s. d.), Karagassen (s. d.)
und Reste der einst zahlreichen Ariver und Asanen (s. d.). S. Tafel
"Asiatische Völker", Fig. 7. Die Umbildung des Namens T. in
Tartaren wird auf ein Wortspiel König Ludwigs des Heiligen von
Frankreich zurückgeführt, der denselben von "Tartaros"
ableitete und damit die T. als der Unterwelt Entstiegene bezeichnen
wollte. Vgl. Schott, Älteste Nachrichten von Mongolen und T.
(Berl. 1846); Wolff, Geschichte der Mongolen oder T. (Bresl. 1872);
Vambery, Die primitive Kultur des turko-tatarischen Volkes (Leipz.
1879); Derselbe, Das Türkenvolk (das. 1885); Radloff, Aus
Sibirien (das. 1884, 2 Bde.).
Tataren, irreguläre leichte Reiterei des türk.
Heers, welche im Krieg in Kleinasien aufgeboten wird. Zur
regulären Reiterei des russischen Heers gehört eine
Krim-Tatarendivision, die im Krieg zu einem Regiment von vier
Schwadronen erweitert wird. Die Bezeichnung Tatarennachricht
für unbeglaubigtes Gerücht stammt aus dem Krimkrieg, wo
ein türkischer Tatar nach der Schlacht an der Alma die
unrichtige Nachricht vom Fall Sebastopols brachte.
Tatargebirge, s. Sichota Alin.
Tatargolf (Tatarischer Sund), Meerenge zwischen dem
asiatischen Festland (sibirische Küstenprovinz) und der Insel
Sachalin, welche das Japanische mit dem Ochotskischen Meer
verbindet. Seine schmälste Stelle, die Mamiastraße,
wurde nach dem Seefahrer Mamia Rinzo benannt, welcher 1808 eine
Karte des Golfs verfaßte.
Tatarka, pelzverbrämte niedrige Tuchmütze mit
viereckigem Deckel, 1860 in Osterreich bei den Ulanen
eingeführt, wurde 1876 durch die Czapka (s. d.) ersetzt.
Tati, Missionsstation in Südafrika am
Flüßchen T., unter 21° 50' südl. Br. und
27° 50' östl. L. v. Gr. Der Distrikt wurde bekannter durch
die hier 1868 von Mauch entdeckten goldreichen Quarze.
Tatianus, christlicher Apologet des 2. Jahrh., angeblich
ein Assyrer, wurde durch Justinus Martyr zum Christentum bekehrt,
wandte sich aber nach dem Tod seines Meisters
dualistisch-gnostischen Lehren zu und erwarb sich eine streng
asketische Anhängerschaft. Erhalten ist von ihm eine 176
geschriebene "Oratio ad Graecos" (hrsg. von Otto im "Corpus
Apologetarum", 6. Abteil., 3. Ausg., Jena 1882, und von Schwartz,
Leipz. 1888). Über das von ihm verfaßte "Diatessaron" s.
Evangelienharmonie. Vgl. Daniel, T. der Apologet (Halle 1837);
Zahn, Forschungen zur Geschichte des neutestamentlichen Kanons, Bd.
1 (Erlang. 1881).
Tatihou, franz. Insel, s. Saint-Vaast.
Tatischtschew, Wasilij Nikitisch, russ. Staatsmann und
Schriftsteller, geb. 19. Febr. 1686, entstammte der Schule Peters
d. Gr., machte mehrere Reisen ins Ausland, war unter anderm als
Diplomat in Schweden und als Aufseher des Bergwesens in Sibirien
thätig, bekleidete 1741-45 den Posten eines Gouverneurs von
Astrachan und starb 15. Juli 1750. Er regte zu großen
wissenschaftlichen Unternehmungen an, sammelte das Material zu
einer geographisch-historischen Encyklopädie Rußlands
(hrsg. Petersb. 1793) und schrieb eine mehrbändige Geschichte
Rußlands, welche erst nach seinem Tod (1769-1848, 5 Bde.)
gedruckt wurde. Vgl. Pogow, T. und seine Zeit (Mosk. 1861,
russ.).
Tatius, Titus, nach der Sage König der Sabiner in
Cures, zog wegen des von den Römern an den Sabinerinnen
begangenen Raubes gegen Romulus, besetzte den Quirinalischen und
sodann den Kapitolinischen Berg und beherrschte nach erfolgter
Aussöhnung gemeinsam mit Romulus den Doppelstaat der
Römer und Quiriten, in welchem die zweite Tribus nach ihm
Tatienses oder Titienses genannt ward, bis er bei einem feierlichen
Opfer zu Lavinium von Laurentern, die er beleidigt hatte,
erschlagen ward.
Tatowieren, s. Tättowieren.
Tátra (Hohe T.), s. Karpathen, S. 557.
Tátra-Füred, Badeort, s. Schmeks.
Tatteln (Törteln, Terteln, Derdeln), Spiel unter
zweien mit Pikettkarte, dem Pikett sehr ähnlich. Jeder
erhält 9 Blätter, dann wird Atout aufgeschlagen, und der
Rest der Karten bleibt als Talon, von welchem nach jedem Stich
abgehoben wird. Kartenordnung ist im Nichtatout As, Zehn,
König, Dame etc., im Atout aber Bube, Neun, As, Zehn,
König, Dame. Man zählt nicht Stiche, sondern Augen. As
zählt 11, die Zehn 10, König 4, Dame 3, Bube 2, Atoutbube
aber 20 und Atoutneun 14. Vor dem Ausspiel finden Ansagen statt,
wie im Pikett. Sequenz von drei Blättern heißt "Tattel"
und zählt, sobald der Gegner keine höhere hat; Sequenz
von 4 Blättern heißt "Quart", von 5 Blättern
"Fuß". Eine Quart zählt nicht nur als solche, sondern
auch als zwei Tattel, ein Fuß ebenso als drei Tattel und zwei
Quarten. Drei gleiche Figuren werden von vier gleichen (wenn auch
niedrigern) überboten, sonst schlägt das höhere
Gedritt und Geviert das niedere des Gegners. Die Zehn nimmt bei den
Sequenzen und Kunststücken ihren natürlichen Platz ein.
Farbebekennen wird erst nach Erschöpfung des Talons, in den
letzten 9 Stichen, obligatorisch. Die Atoutsieben raubt. Wer von
den letzten 9 Stichen gar keinen erhält, muß den Matsch
zahlen. Der letzte Stich zählt, auch wenn er leer ist, an sich
10 Points. Bezüglich der Berechnung der Sequenzen und
Kunststücke sowie der Pointszahl, bis zu der man die ganze
Partie spielt, vgl. Pikett. T. kann übrigens auch ohne
Trumpfwahl gespielt werden.
Tattesall (fälschlich Tattersall), Sammelpunkt
für die Freunde des Sports in London, hat seinen Namen von
Richard Tattesall, Training-groom des Herzogs von Kingston, welcher
1795 an der südwestlichen Ecke des Hydeparks ein Etablissement
zur Ausstellung und zum Verkauf von Pferden begründete. Durch
den Enkel Tatesalls wurde das sehr erweiterte Etablissement 1865
verlegt. Ähnliche Einrichtungen in Paris, Berlin etc. haben
denselben Namen angenommen.
Tatti, Jacopo, Bildhauer, s. Sansovino 2).
Tättowieren (richtiger Tatowieren, v. tahit. tatau),
der Gebrauch, gewisse Stoffe, zumal Kohle, in Form von Ruß
oder Tusche (in Europa vielfach Schießpulver) auf
mechanischem Weg, durch Stechen mit Dornen und Nadeln oder durch
Einreiben in die durch Muscheln oder Zähne geritzte Haut eines
Menschen einzuführen, um dadurch möglichst
unvergängliche Zeichnungen hervorzubringen, findet sich bei
beinahe sämtlichen Völkern, den wilden sowohl als den
zivilisierten, der Erde. Er ist vorwiegend auf den Wunsch der
Betreffenden, sich zu verschönern und zu verzieren,
zurückzuführen. Verschiedentlich, zumal da, wo das T. von
Priestern ausgeübt wird sind mit
535
Tatu - Tauben.
demselben Begriffe meist religiöser Art verknüpft, die
ursprünglich nichts mit demselben zu thun haben. Wegen der mit
dem T. verbundenen Schmerzen wird dasselbe bei beiden Geschlechtern
häufig als eine der vielsach grausamen Zeremonien bei der
Feier der eingetretenen Pubertät vollzogen. Es entwickelt sich
auch zum Stammes- oder Häuptlingsabzeichen und kann mehrfach
als ein Ersatz für Kleidung betrachtet werden. Völker mit
dunkler Hautfarbe, wie Neger, Melanesier und Australier, ziehen dem
T. den Gebrauch vor, den Körper mit Narben zu zieren, die auf
der schwarzen Haut, oft künstlich vergrößert,
besser zur Geltung kommen als die dunkelblauen Zeichnungen der
Tättowierung. Zum T. der roten Farbe wird meist Zinnober
verwendet. In der Südsee ist die Sitte des Tättowierens
durch den Einfluß der Missionäre im Aussterben, dagegen
in Hinterindien, Laos, Birma etc., noch lebhaft im Schwange; in
Japan neuerdings verboten. In Europa ist das T., allerdings meist
nur auf einzelne Figuren und Symbole beschränkt, bei Reisenden
aller Gesellschaftsklassen, dann bei Matrosen, Soldaten und
Handwerkern in hohem Grad beliebt und verbreitet. Vgl. Wuttke, Die
Entstehung der Schrift (Leipz. 1872); Lacassagne, Les Tatouages
(Par. 1881); Joest, T., Narbenzeichnen und Körperbemalen
(Berl. 1887).
Tatu, s. Gürteltier.
Tatzmannsdorf (ung. Tarcsa), besuchtes Frauenbad im
ungar. Komitat Eisenburg, an der steirischen Grenze, unweit
Steinamanger, mit einem alkalisch-glaubersalz-eisenhaltigen
Säuerling. Vgl. Thomas, Tatzmannsdorf (Wien 1885).
Tau (Tagh, türk.), Gebirge.
Tau (Seil), s. Tauwerk.
Tau, derjenige wässerige Niederschlag (oder
Ausscheidung eines Teils des in der Atmosphäre enthaltenen
Wasserdampfes), welcher durch eine Erkaltung der an der
Erdoberfläche befindlichen Körper bewirkt wird. Die
Temperatur, bei welcher die Luft mit Wasserdampf gesättigt
ist, d. h. so viel Wasserdampf enthält, als diese Temperatur
zuläßt, nennt man den Taupunkt. Sobald die Temperatur
der an der Erdoberflache zunächst gelegenen Luftschichten
unter den Taupunkt gesunken ist, fängt der Wasserdampf an, aus
ihnen ausgeschieden zu werden und sich in Gestalt kleiner
Wasserkügelchen oder Tauperlen auf die abgekühlten
Gegenstände zu legen. Im gewöhnlichen Leben sagt man:
"der T. fällt"; aber dies ist nach der obigen Erklärung
der Taubildung nicht richtig. Eine für diese genügend
starke Abkühlung der untern Luftschichten tritt jedesmal ein,
so oft bald nach Sonnenuntergang, besonders während der Nacht
und am frühen Morgen, eine kräftige
Wärmeausstrahlung der Erdoberfläche stattfinden kann;
hierzu gehören vor allem klarer Himmel, ruhige Luft und eine
Bodenbedeckung, die leicht ihre Wärme abgibt, z. B.
Rasenflächen und Blätter der Pflanzen. Glänzende und
metallische Gegenstände sowie überhaupt Körper mit
geringem Strahlungsvermögen (s. Wärme) sind für
Taubildung weniger geeignet. Alles, was die nächtliche
Strahlung hindert oder vermindert, wie z. B. ein bedeckter Himmel,
hindert oder vermindert auch die Taubildung. Auch wird eine
Taubildung verhindert oder wenigstens erschwert, wenn die Luft
bewegt ist, weil dann stets von neuem warme Luft mit dem
abgekühlten Erdboden in Berührung kommt und sich dieselbe
daher nicht bis zum Taupunkt abkühlen kann. Ganz besonders
stark ist die Taubildung in den tropischen Gegenden, wo die Luft
viel Wasserdampf enthält und durch die Wärmestrahlung
eine sehr starke Abkühlung erfährt. Das Drosometer, ein
zum Messen des Taues bestimmter Apparat, enthält eine an einer
feinen Zeigerwage befindliche, mit feiner, flockiger Wolle bedeckte
Platte, die sich in der Nacht mit T. bedeckt, und deren
Gewichtszunahme die Taustärke angibt. Die auf diese Weise
erhaltenen Resultate entbehren aber vorläufig noch der
notwendigen Genauigkeit. Wenn der Körper, an welchem sich der
kondensierte Wasserdampf absetzt, unter 0° erkaltet ist, so
kann dieser nicht die flüssige Gestalt annehmen, sondern
erhält die Form von Eisnadeln und bekommt dann den Namen Reif
(s. d.), so daß letzterer nichts andres als gefrorner T.
ist.
Taub, von Gesteinen, s. v. w. keine nutzbaren Mineralien
enthaltend, unhaltig.
Taubahnen, s. Straßeneisenbahnen, S. 377.
Taube Kohle, s. Anthracit.
Tauben (Columbidae, hierzu Tafel "Tauben"), Unterordnung
der Taubenvögel (s. d.). Die große Holz-, Kohl-, Wald-
oder Ringeltaube (Columba Palumbus L.), taubenblau, Kopf u. Brust
rötlichblau, Hals grünlich und purpurn schillernd, an
jeder Seite mit großem, weißem Fleck, Flügel
graublau mit breitem, weißem Streifen am Bug,
Unterrücken und Steiß hellblau, Schwanz mattschwarz, mit
hellerer Querbinde und großem, weißem Fleck, Unterseite
hell graublau, Hinterleib weiß, ist 43 cm lang, findet sich
in ganz Europa und einem großen Teil Asiens, nährt sich
von Getreide und Grassämereien, Schnecken, Regenwürmern,
vorzugsweise aber von Nadelholzsamen, auch Eicheln und Bucheln, im
Sommer von Heidelbeeren u. a. Sie nistet in Nadelholzdickicht,
niedrig oder hoch, auf allerlei Bäumen. Obwohl überaus
scheu und vorsichtig, wohnt sie zuweilen doch inmitten volkreicher
Städte auf den Bäumen der Anlagen, so in Stuttgart und
namentlich in Paris, wo sie zutraulich und dreist von den
Spaziergängern sich füttern läßt. Die kleine
Holz- oder Hohltaube (C. Oenas L.), mohnblau, Kopf aschgraublau,
Hals wie bei der vorigen schillernd, Oberrücken dunkler
graublau, Schwingen schieferblau, nur mit reihenweise stehenden,
schwarzen Flecken, kein Weiß im Flügel, Brust
rötlichgrau, Unterleib schwach rötlich aschgrau, ist etwa
32,5 cm lang. Verbreitung wie die vorige; sie nistet jedoch nur in
Baumhöhlungen und wird, weil diese überall mangeln, immer
seltener. Zugvogel. Die Felsentaube (C. livia L.. s. Tafel
"Tauben", Fig. 1), oberhalb aschgraublau, unterhalb mohnblau, Kopf
hell graublau, Hals wie bei den vorigen metallisch schillernd,
Schwingen aschgrau und Flügel mit zwei schwarzen Binden,
Unterrücken rein weiß, Schwanz dunkel graublau, mit
schwarzem Endsaum, die beiden äußersten Federn mit
weißem Endsaum, Auge hellgelb, Schnabel schwarz,
Füße rot, 34 cm lang, findet sich in fast ganz Europa,
Asien und Nordafrika, doch nur, wo es Felsen gibt, in deren
Höhlungen oder auch in den Löchern alten Gemäuers
sie nistet. Man unterscheidet zwei Varietäten mit weißem
und blauem Unterrücken und nennt letztere auch Bergtaube (C.
glauconotos Br.). Sie nährt sich vorzugsweise von Getreide und
Samen der Vogelwicke und andern Unkräutern. Sie soll die
Stammmutter aller Haustaubenrassen sein. Die Turteltaube (C. Turtur
L.), oberhalb rötlich braungrau, schwarz und aschgrau
gefleckt, Stirn weißlichgrau, Oberkopf und Hals graublau,
letzterer mit vier schwarzen, weiß gesäumten
Querstreifen, Flügel schwärzlich aschgrau, Kehle und
Oberbrust weinrot, ganze Unterseite rötlich graublau,
Hinterleib gräulichweiß, 28,6 cm lang, findet sich in
fast ganz Europa und Asien, besonders in Nadelholz-
536
Tauben (Haustaubenrassen).
wäldern, wandert, wie die vorige, südwärts. Sie
nistet auf mittelhohem Gebüsch, nährt sich namentlich von
Erbsen, Linsen, Wicken und wird vielfach in Käfigen gehalten.
Die Lachtaube (C. risoria L.), blaß rötlich
gelbweiß, mit halbmondförmigem, schwarzem Fleck am
Hinterhals, unterseits heller, Schnabel schwarz, Augen hellrot,
Füße karminrot, 31,2 cm lang, bewohnt Afrika, Mittel-
und Südasien. Außer dem Girren hat sie besondere Laute,
welche menschlichem Lachen einigermaßen ähneln, daher
der Name. Die Wandertaube (C. migratoria L., Ectopistes migratorius
L.), oberhalb schieferblau, unterhalb rötlichgrau, Hals
violettrot schillernd, Schwingen schwärzlich, weiß
gesäumt, Schwanzfedern schwarz, an beiden Seiten hellgrau,
weiß gespitzt, Bauch und Hinterleib weiß, Schnabel
schwarz, Augen und Füße rot, 42,4 cm lang, bewohnt fast
ganz Amerika, vorzugsweise das östliche Nordamerika. Sie
wandert im Herbst und Frühjahr in ungeheuern Schwärmen,
welche in früherer Zeit in angebauten Gegenden großen
Schaden verursachten, gegenwärtig aber durch die
unausgesetzten Verfolgungen sehr stark zusammengeschmolzen sind.
Audubon schätzte den wöchentlichen Bedarf eines
Wandertaubenzugs auf 1,712,000 Scheffel Sämereien und seine
Verbreitung auf einen Raum von 8-10 engl. Meilen, während
seine Brutplätze bei einer Verbreitung von 4-5 engl. Meilen
sich 50 Meilen weit durch die Wälder ziehen sollten, so
daß man auf manchen Bäumen 50-100 Nester fand. Von den
fremdländischen T. gelangen 70 Arten lebend in den Handel und
werden zum Teil als Stubenvögel gehalten.
Haustauben. (Vgl. beifolgende Tafel "Tauben".)
Unsre Haustauben stammen wahrscheinlich von der Felsentaube ab,
von welcher manche unsrer Feldflüchter kaum zu unterscheiden
sind. Die Domestizierung derselben reicht ins graue Altertum
zurück. Inder und Ägypter hatten bereits besondere
Rassen. Auch in neuerer Zeit blüht die Taubenzucht im Orient.
Eine völlig befriedigende Einteilung der Haustauben scheint
noch nicht gefunden zu sein. Die neuern Taubenkundigen
("Peristerologen") verteilen die gegen 10 Rassen mit etwa 80
Unterrassen oder Schlägen unter 4 oder 5 Hauptgruppen.
I. Feld- oder Farbentauben. Im Bau und in der Haltung der wilden
Felsentaube ähnlich, ist Färbung des Gesamtgefieders oder
einzelner Teile entscheidend. Sie neigen mehr oder weniger zum
Felden. Von den etwa 25 Rassen nebst vielen Farbenschlägen
sind die schönsten und beliebtesten: Eistaube, Porzellantaube,
Lerchentaube, Starhals, Blässentaube, Pfaffentaube,
Mäusertaube, Mönchtaube, Deckeltauben, Flügeltauben,
Schwingentauben, Schnippentaube, Farben- (Mohren-) Köpfe,
Elstertaube, Hyacinthtaube, Viktoriataube, Strasser u. a. Bei
vielen der genannten Rassen gibt es Farbenschläge, d. h. die
gefärbten Teile kommen in den vier Hauptfarben (Blau, Schwarz,
Rot, Gelb) oder in verschiedenen Nebenfarben (Mischungen aus den
Hauptfarben) vor; ebenso verschiedene Kopf- und
Beinbefiederungsarten (Haube, Kuppe, Doppelkuppe, Latschen etc.).
Zur II. Gruppe, welche sich durch eigentümliche Stimme
(Trommeln) auszeichnen, gehören die drei Rassen der
Trommeltauben (Trompeter), die Altenburger (Fig. 3), Russische und
Bucharische (Fig. 2).
Die III. Gruppe enthält die durch besondere Federstruktur
des Gesamtgefieders (Locken- [Fig. 4l oder Strupptaube) oder
einzelner Teile desselben (Mähnentaube, Perückentaube
[Fig. 10], Möwentaube) oder zugleich auch durch
größere Anzahl der Schwanzfedern, Haltung derselben und
des Halses (Pfautaube [Fig. 14 u. 15]) gekennzeichneten. Unter den
Lieblingen dieser Gruppe, den Möwentauben (Fig. 11, 12 u. 13),
sind die orientalischen (Sattinetten, Blondinetten, Turbitins)
Muster der Züchtungskunst in Bezug auf Reinheit der
Färbung und Zeichnung.
Die IV. Gruppe, die der Formtauben, begreift drei sehr
voneinander verschiedene Unterabteilungen.
1) Die Huhntauben zeigen in Körperform und Haltung
große Ähnlichkeit mit den Hühnern: länglicher,
spitz zulaufender Kopf, großer, huhnartig gebauter und
getragener Rumpf und Schwanz, S-förmig gebogener Hals, kurze
Flügel, starke, hohe, glatte Beine. Hauptrassen sind: die
Malteser T., die Florentiner, die Monteneur, die Modeneser T.
2) Die Kropftauben (Kröpfer) zeichnen sich durch kleinen
Kopf, langen Hals, schmalen Rumpf, lange, schmale Flügel,
langen Schwanz, langen, dünnen Schenkel und Lauf (glatt oder
bis auf die Zehen herab befiedert) und durch den riesigen Kropf
aus, den möglichst hervorzuheben der lange, schlanke Korperbau
sehr geeignet ist. Man kennt gegen 15 nach den Züchtungsorten
benannte Rassen und Unterrassen. Englische (Fig. 16),
Französische (Fig. 17), Pommersche, Sächsische,
Brünner (Fig. 18), Prager etc.