April 1692 zu Pirano in Istrien, erhielt seinen ersten
Musikunterricht im Kollegium dei padri delle scuole zu Capo
d'Istria, begab sich 1710 nach Padua, um Jurisprudenz zu studieren,
mußte eines Liebeshandels wegen von da fliehen und fand im
Minoritenkloster zu Assisi Aufnahme, wo er sich mit Eifer dem
Violinspiel und zugleich dem theoretischen Studium der Tonkunst
widmete. Später lebte er mehrere Jahre in Ancona und
vervollkommte sich, angeregt durch den berühmtesten Geiger
jener Zeit, Veracini, den er auf der Durchreise in Venedig
gehört, mehr und mehr auf der Violine; 1721 wurde er bei der
Kirche Sant'Antonio zu Padua als Solospieler angestellt und zwei
Jahre später nach Prag berufen, um bei den Festlichkeiten
gelegentlich der Krönung des Kaisers Karl VI. mitzuwirken.
Nachdem er hierauf noch drei Jahre im Dienste des kunstsinnigen
Grafen Kinsky zugebracht hatte, kehrte er nach Padua zurück
und begründete hier 1728 seine berühmte Geigerschule, aus
der viele treffliche Künstler hervorgingen. Er starb 16. Febr.
1770. Von seinen zahlreichen, durch edlen Gedankengehalt, Schwung
und Korrektheit sich auszeichnenden Violinkompositionen erschienen
neun Sammlungen; neuerdings wurden von David, Alard u. a. einzelne
seiner Werke mit Klavierbegleitung herausgegeben. Die von T.
hinsichtlich der Bogenführung aufgestellten Prinzipien gelten
noch gegenwärtig in den Violinschulen italienischer und
französischer Meister. Als Theoretiker ist er besonders durch
seine Schrift "Trattato di musica secondo la vera scienza
dell'armonia" (Padua 1754) berühmt geworden, in welcher er das
von ihm erdachte, auf den sogen. Kombinationston (s. d.)
begründete Harmoniesystem zur Darstellung bringt.
Tartinischer Ton, s. v. w. Kombinationston (s. d.). Vgl.
Schall, S. 398.
Tartlau, Markt im ungar. Komitat Kronstadt
(Siebenbürgen), bei Kronstadt, mit sehenswerter Kirche, (1881)
3233 deutschen und ruman. Einwohnern und Fischzuchtanstalt.
Tartrate (Tartarate), s. v.w. Weinsäuresalze, z.B.
Kaliumtartrat, weinsaures Kali.
Tartsche, seit dem 13. Jahrh. viereckiger Schild,
namentlich bei Turnieren gebräuchlich, zum Einlegen der Lanze
mit Ausschnitt versehen und an den Brustharnisch angeschraubt (s.
Schild, mit Abbildung); im 15. Jahrh. kleiner Faustschild der
Reiter.
Tartsenflechte, s. v. w. Isländisches Moos, s.
Centraria.
Tartuffe (Tartüff), Name der Hauptperson in
Molières gleichnamigen Lustspiel; danach verallgemeinert s.
v. w. scheinheiliger Schurke; Tartüfferie, Scheinheiligkeit,
Heuchelei. "Lady T." , Titel eines Lustspiels von Mad. de Girardin
(1853).
Tartulin, esthn. Name von Dorpat (s. d.).
Tarudant, Hauptstadt der marokkan. Provinz Sûs, am
Südfuß des Atlas, 52 km östlich vom Atlantischen
Ozean, rechts am Wadi Sûs, ist dem Umfang nach
größer als Fes; der Raum innerhalb seiner mit
Türmen versehenen Umfassungsmauer wird aber meist von
Gärten und Olivenhainen eingenommen; im Ost-
527
Tarumares - Taschenspieler.
teil erhebt sich die starke Kasbah. DieStadt selbst hat enge
Straßen, niedrige Häuser und nur 8300 meist maur.
Einwohner, deren Hauptgewerbe die Anfertigung kupferner
Gefäße aus unpoliertem englischen Metall ist zur Ausfuhr
nach Kuka, Kano, Timbuktu.
Tarumares, Indianerstamm, s. Chihuahua.
Tarussa, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kaluga, an der
Oka, mit Fabriken und (1886) 2561 Einw.
Tarutino, 1) Dorf im russ. Gouvernement Kaluga, 32 km von
Borowsk, bekannt durch den am 18. Okt. 1812 errungenen Sieg der
Russen unter Kutusow über die Franzosen, an den ein Denkmal
erinnert. - 2) Deutsche Kolonie in Bessarabien, Kreis Akjerman,
Verwaltungszentrum sämtlicher deutscher Ansiedelungen der
Provinz, mit (1882) 3642 Einw.
Tarvis, Marktflecken im österreich. Herzogtum
Kärnten, Bezirkshauptmannschaft Villach, Hauptort des
Kanalthals, an der Staatsbahnlinie St. Valentin-Pontafel, von
welcher hier die Linie T.-Laibach abzweigt, mit Bezirksgericht,
schöner Kirche, Zementfabrik und (1880) 1506 Einw. T. ist
wegen seiner herrlichen Lage beliebte Sommerfrische und
Touristenstandort. In der Nähe der Luschariberg (1721 m) mit
Wallfahrtskirche, das Dorf Raibl mit ärarischem Bleibergwerk
und der Paß Predil.
Tasa (Teju, Stadt in Marokko, östlich von Fes, mit
3500 Einw., ein strategisch sehr wichtiger Platz mit einer kleinen
marokkanischen Garnison, die aber aus der doppelten Umwallung sich
kaum herauswagt aus Furcht vor dem räuberischen Stamm der
Riati, welcher in Wirklichkeit Herr der ganzen Gegend ist.
Tasbusen, östliche Abzweigung des Obischen
Meerbusens, in dessen westlichen Arm der Pur, in dessen
östlichen der Tas mündet. Zwischen letzterm und dem
Jenissei breitet sich die Tastundra aus.
Tasch ("Stein"), im Mittelalter die türkische
Meile.
Täschelkraut, s. Capsella.
Taschen, Mißbildungen an Pflaumenbäumen, s.
Exoascus.
Taschenberg, Ernst Ludwig, Entomolog, geb. 10. Jan. 1818
zu Naumburg a. S., studierte seit 1837 in Leipzig und Berlin
Mathematik und Naturwissenschaft, ging dann als Hilfslehrer an die
Franckeschen Stiftungen nach Halle und widmete sich beim Ordnen der
bedeutenden Käfersammlung des Professors Germar und bei der
Beschäftigung mit der Insektensammlung des zoologischen
Museums speziell der Entomologie. Er fungierte dann als Lehrer zwei
Jahre in Seesen und fünf Jahre zu Zahna und folgte 1856 einem
Ruf als Inspektor am zoologischen Museum in Halle, 1871 wurde er
zum außerordentlichen Professor ernannt. Taschenbergs
Thätigkeit gipfelte in der Erforschung der praktischen
Bedeutung der Insektenwelt für den Landwirt, Gärtner und
Forstmann. Er schrieb: "Was da kriecht und fliegt, Bilder aus dem
Insektenleben" (Berl. 1861, 2. Aufl. 1878); "Naturgeschichte der
wirbellosen Tiere, die in Deutschland den Feld-, Wiesen- und
Weidekulturpflanzen schädlich werden" (Leipz. 1865); "Die
Hymenopteren Deutschlands" (das. 1866); "Entomologie für
Gärtner und Gartenfreunde" (das. 1871); "Schutz der
Obstbäume und deren Früchte gegen feindliche Tiere" (2.
Aufl., Stuttg. 1879); "Forstwirtschaftliche Insektenkunde (Leipz.
1873); "Das Ungeziefer der landwirtschaftlichen
Kulturgewächse" (das. 1873); "Praktische Insektenkunde" (Brem.
1879-80, 5 Tle.); "Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden"
(Leipz. 1882); auch bearbeitete er die Insekten für Brehms
"Tierleben (2. Aufl. 1877) und lieferte einige Wand.-tafeln
für den Schulgebrauch. - Sein Sohn Otto, geb. 28. März
1854, außerordentlicher Professor an der Universität
Halle, schrieb: "Die Flöhe" (Halle 1880); "Die Mallophagen"
(das. 1882), "Die Lehre von der Urzeugung" (das. 1882), "Die
Verwandlungen der Tiere" (Leipz. 1882), "Bilder aus dem Tierleben"
(das. 1885) und bearbeitete eine neue Folge der "Bibliotheca
zoologica, 1861-80" (das. 1886 ff.) u. a.
Taschenbücher, jährlich erscheinende
Bücher in kleinem Format, welche früher einen Kalender,
genealogische Nachrichten und allerlei gemeinnützige
Mitteilungen enthielten, nach und nach aber immer mehr
belletristischen, besonders novellistischen, Inhalt aufnahmen und
sich endlich mit wenigen Ausnahmen auf letztern allein
beschränkten, als charakteristisches Merkmal aber fast
sämtlich eine Zugabe an Kupferstichen (von Chodowiecki zuerst
aufgebracht) enthielten. Erwähnung verdienen namentlich das
Viewegsche "Taschenbuch" (Berl. 1798-1803), in welchem 1798 Goethes
"Hermann und Dorothea" erschien; das "Taschenbuch der Liebe und
Freundschaft" (Frankf. 1801-41); die "Urania" (Leipz. 1810-38, neue
Folge 1839-48) u. das "Frauentaschenbuch" (Nürnb. 1815-3l).
Späterhin fing man auch an, für die ernstern
Wissenschaften jährliche T. herauszugeben; hierher
gehören besonders Fr. v. Raumers "Historisches Taschenbuch"
(1830 gegründet, seit 1881 hrsg. von Maurenbrecher), Prutz'
"Literarhistorisches Taschenbuch" (1843-48) u. a. Auch gibt es T.
für Botaniker, Jäger, für das Bühnenwesen
etc.
Taschengeige, s. Quartgeige.
Taschenkrebs, s. Krabben.
Taschenpfeffer, s. Capsicum.
Taschenspieler, Personen, welche verschiedenartige, auf
den ersten Anblick an das Wunderbare grenzende Kunststücke
verrichten. Letztere beruhen auf einer Täuschung des
Zuschauers, die der Künstler hauptsächlich durch
große Gewandtheit in seinen Körperbewegungen, namentlich
Fingerfertigkeit, durch Ablenken der Aufmerksamkeit des Zuschauers
auf Nebendinge vermittelst eines möglichst gewandten Vortrags,
durch Einverständnis mit einigen Gehilfen und Zuschauern,
durch geschickte Benutzung der Chemie und Experimentalphysik,
endlich durch allerhand mechanische Vorrichtungen, Apparate mit
Doppelböden, durchlöcherte Tische und Fußböden
etc. bewirkt. Früher pflegten derartige Künstler alle zu
ihren Stücken nötigen Vorbereitungen in einer
großen Tasche (Gaukeltasche) mit sich herumzutragen (daher
der Name T.). Bei allen gesitteten Völkern finden wir diese
Kunst zur Unterhaltung geübt, vor allen andern berühmt
sind die T. Indiens und Chinas. Auch im alten Griechenland und Rom
waren T. früh beliebt; ebenso finden wir sie in Italien, wo
sie unter dem Namen Praestigiatores, Pilarii (Ballspieler) oder
Saccularii (Taschenkünstler) in Städten und Dörfern
umherzogen. Im Mittelalter waren die umherreisenden Spielleute die
auf den einsamen Burgen allezeit willkommenen Vertreter der
"heitern Kunst" (gaya scienza) zugleich Sänger, Musiker, T.
und Spaßmacher (joculatores), weshalb dieser Name in den
Ableitungsformen Gaukler und Jongleur ihnen verblieben ist. Sie
gerieten früher leicht in den Ruf, Zauberer zu sein; der
berühmte Doktor Faust war einer der geschicktesten dieser
Zunft. In der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
zeichneten sich Pinetti, Eckartshausen und vor allen Philadelphia,
in neuerer Zeit Bosco, Professor Döbler, Becker, Frickell,
Robert-Houdin, Bellachini, Basch, Hermann als geschickte T. aus.
Eine Menge der ältern Taschenspielerkünste findet man in:
Martius, Unterricht in der
528
Taschentücher - Tasmania.
natürlichen Magie, umgearbeitet von Wiegleb, fortgesetzt
von Rosenthal (Berl. 1786-1805, 20 Bde.). Über die durch die
heutige Physik und Chemie sehr erweiterten Hilfsmittel der modernen
Taschenspielerei vgl. die Werke von Robert-Houdin: Contidences d'un
prestidigitateur (2. Aufl., Par. 1861, 2 Bde.), Comment on devient
sorcier (neue Ausg., das. 1877) und Magie et physique amusante
(das. 1877); ferner Grandpré, Le magicien moderne (das.
1879); Marian, Das Ganze der Salonmagie (Wien 1888).
Taschentücher (Schnupftücher) waren noch im 16.
Jahrh. Luxusartikel, welche zuerst in Italien (s. Facilletlein)
aufkamen und sich von da nach Frankreich, England und dem
übrigen Europa, zunächst nur zum Gebrauch der Damen,
verbreiteten. Schon damals wurden sie mit Spitzen und Stickereien
geschmückt und parfümiert (mouchoir de Venus). Auch im
Orient waren sie anfangs nur ein Vorrecht der Fürsten und
höhern Würdenträger, welche T. im Gürtel
trugen. Das Zuwerfen von Taschentüchern, besonders an Frauen,
war eine Gunstbezeigung und wird heute noch in der Türkei in
diesem Sinn geübt.
Taschi Lhunpo, Klosterftadt im südlichen Tibet,
südwestlich bei Digardschi (s. d.), an einer Bergwand erbaut
und aus 300-400 Häusern bestehend, in denen 3300 Priester mit
Beamten und einem geringen weltlichen Gefolge wohnen. T. ist
Residenz des Pantschen Rinpotsche ("Kleinod des großen
Gelehrten"), gewissermaßen des zweiten Papstes der Buddhisten
Innerasiens, der als eine Verkörperung des Gottes Amitabha
gilt, außerordentliches Ansehen genießt und im
südlichen Teil Tibets Regierungsrechte ausübt. T. hat
eine berühmte Holzdruckerei und Fabrikation von
Gottesbildern.
Taschkent (Taschkund), Hauptstadt des russ.
Generalgouvernements Turkistan im westlichen Zentralasien,
nördlich vom Tschirtschik, einem Zufluß des Jaxartes,
besteht aus einer umfangreichen ummauerten Altstadt von ovaler Form
und einem europäischen Viertel mit geraden Straßen, zu
deren beiden Selten sich Kanäle mit fließendem Wasser
und Baumreihen hinziehen. Die russische Citadelle mit ihren
militarischen Etablissements liegt südlich von der Altstadt.
Die Stadt lst Mittelpunkt der russischen Zivil- und
Militärverwaltung Turkistans, hat zahlreiche
Militärwerkstätten und Arsenale, russische Unter- und
Mittelschulen, ein gutes astronomisches Observatorium, eine
russische Zeitung und Bibliothek von 10,000 Bänden, eine
Geographische Gesellschaft, eine kirgisische Zeitung,
Karawanseraien und lebhaften, sich bereits auf 20 Mill. Rub.
belaufenden Handel mit Rußland und Innerasien. Seit 1873 ist
T. auch mit der europäischen Telegraphenlinie verbunden. Die
Einwohner, ca. 100,000 (80,000 Sarten, 1500 Russen, 120 Deutsche
etc.), fabrizieren Seiden-, Leder- und Filzwaren und grobes
Porzellan, treiben aber meist Handel. Die Stadt, früher
Hauptstadt eines selbständigen Chanats, fiel 1810 vor den
Angriffen Chokands und wurde 1865 von den Russen erobert.
Taschkurgan, Stadt, s. Chulm.
Taschlich (hebr., auch "T. machen"), Bezeichnung eines
altjüd. Gebrauchs, der darin besteht, daß Israeliten am
ersten Nachmittag des Neujahrsfestes an einen Fische enthaltenden
Bach sich stellen und ein Gebet um Vergebung der Sünden
sprechen.
Täschner, ehemals zünftige Handwerker, die
allerlei Lederarbeiten verfertigen, Koffer und Stühle mit
Leder überziehen; meist mit den Beutlern verbunden.
Tasco de Alarcon, alte Bergstadt im mexikan. Staat
Guerrero, 1773 m ü. M., mit prächtiger Pfarrkirche (von
J. de la Borda, einen. reichen Grubenbesitzer, im vorigen
Jahrhundert erbaut), Gold- und Silbergruben und (1880) 12,395 Einw.
im Munizipium. Die schon von den alten Mexikanern angelegten
Zinngruben sind jetzt aufgegeben.
Tasen, Volk, s. Orotschen.
Tasimeter (griech., Mikrotasimeter, "Dehnungsmesser"),
ein von Edison angegebenes, äußerst empfindliches, auf
die vom Mikrophon her bekannte Änderung des galvanischen
Widerstandes der Kohle durch Änderung des Druckes
gegründetes Instrument, mit welchem sich die Ausdehnung der
Körper durch Wärme, Feuchtigkeit etc. nachweisen
läßt. Auf einer starken eisernen Fußplatte erheben
sich, 10 cm voneinander entfernt, zwei kurze, dicke, mit der Platte
in einem Stück gegossene Zapfen, zwischen welche der auf seine
Ausdehnung zu prüfende stabförmige und an seinen Enden
zugespitzte Körper in horizontale Lage gebracht wird. Das eine
Ende des Stäbchens wird aufgenommen von der Höhlung einer
Schraube, welche durch den einen Zapfen hindurchgeht. An den andern
Zapfen ist eine vertikal stehende Platinplatte angeschraubt, welche
zugleich eine cylindrisch ausgehöhlte Scheibe von
Hartkautschuk festhält. Gegen die Platinplatte legt sich eine
Platte von Kohle, auf die folgt ein Platinblech, gegen welches eine
Messingplatte drückt, die mit einer Höhlung zur Aufnahme
des andern Endes des Stäbchens versehen ist. Der zweite Zapfen
einerseits und das Platinblech anderseits sind mit den Drähten
einer Leitung verbunden, in welche ein galvanisches Element und ein
Galvanometer eingeschaltet sind. Dehnt sich nun das Stäbchen
aus und preßt das Platinblech stärker gegen die
Kohlenplatte, so wird der Widerstand vermindert, und das
Galvanometer gibt einen größern Ausschlag. Die
Ausdehnung eines Stäbchens von Hartkautschuk durch die
Wärme der mehrere Zoll entfernt gehaltenen Hand verursacht
eine Ablenkung der Galvanometernadel von mehreren Graden; selbst
ein Glimmerstreifen wird durch die Wärme der Hand noch
merklich affiziert. Ein Stäbchen von Gelatine wird durch den
Wasserdampf eines 7-8 cm entfernten feuchten Stückes Papier
sofort ausgedehnt. Das Instrument eignet sich sonach zu feinen
thermometrischen und hygrometrischen Beobachtungen.
Tasman, Abel Jansz, holländ. Seefahrer, fuhr im
Auftrag van Diemens, des Gouverneurs von Batavia, 1642 mit zwei
Schiffen über Mauritius im südlichen Bogen um Australien
herum, entdeckte dabei Tasmania, ohne es als Doppelinsel zu
erkennen, und kehrte durch die Gruppe der Freundschafts- und der
Fidschiinseln hindurch über Neubritannien nach Batavia
zurück. Auf einer zweiten Fahrt 1644 nahm er die Ost- und
Westküste des Carpentariagolfs auf, doch blieb ihm die
Torresstraße auch diesmal unbekannt. Durch ihn wurde die
Ansicht, daß Australien sich sehr weit nach S. hin erstrecke,
ein für allemal beseitigt. Sei nGeburts- u. Todesjahr sind
nicht bekannt.
Tasmania (früher Vandiemensland), große brit.
Insel an der Südostspitze des Australkontinents (s. Karte
"Australien") und von diesem durch die Baßstraße
getrennt. Sie hat die Form eines unregelmäßigen Dreiecks
und ein Areal von 64,644 qkm (1174 QM.), wozu noch eine Anzahl von
Nebeninseln kommen mit einem Areal von 4122 qkm (74,9 QM.). Von den
letztern sind bedeutender: am Ostende der Baßstraße die
Furneauxgruppe mit der Flindersinsel, Kap Barren-, Clarke- und
Chappellinsel nebst der Kentgruppe, alle von Seehunds- und
Alkenfängern (zum Teil Mischlingen) bewohnt; am Westende:
529
Tasmanische Sprachen - Tassilokelch.
Kingsinsel, Robbinsinsel und die Hunterinseln. Andre
größere Inseln sind: Waterhouse-, Swan-, Scouten-,
Maria-, Bruni- und Huoninsel. Die Westküste von T. ist steil
und felsig und hat nur drei gute Häfen: Port Davy, Pieman's
River und Macquarie Harbour. Häfen der Nordküste sind
Stanley bei Circular Head, Emubai, Port Frederick an der
Merseymündung, Port Dalrymple an der Mündung des Tamar
und Waterhouse Roads zwischen der Anderson- und der Ringaroomabai;
an der Östküste: Georges-, Oyster-, Spring- und
Fortescuebai. Die Süd- u. Südostküste hat zahlreiche
sichere Baien und Häfen: Port Arthur, Storm- und Norfolkbai,
d'Entrecasteauxkanal, Port Esperance, Southport und Recherchebai.
Die Hauptinsel ist von zwei durch eine zentrale Senkung
geschiedenen Gebirgsketten durchzogen. In der östlichen
erreicht Ben Lomond 1527 m; in der westlichen, welche aus einem
durchschnittlich 1000 m hohen Tafelland besteht, erhebt sich der
höchste Berg der Insel, Cradle Mountain, zu 1689 m. Zahlreiche
Ausläufer gehen nach allen Richtungen, nur nicht nach O., aus.
Hier befinden sich auch alle große Seen der Kolonie: der
Große See, St. Clairsee, Arthurs- und Echosee. Aus ihnen
kommen die meisten Flüsse: Derwent, Huon, Tamar (entstanden
aus Nord- und Süd-Esk), Ringarooma. Das Klima ist nicht so
trocken wie das des Festlandes, die Niederschläge sind
regelmäßiger, das Thermometer steigt nicht über
26° C. und sinkt nicht unter -5° C. Tier- und Pflanzenwelt
sind wie die des Festlandes. - Die Einwohner (1887: 142,478 Seelen)
sind fast durchweg Briten oder britischer Abstammung; Deutsche
zählte man 1881 nur 782. Die Religion ist vorwiegend die
protestantische. Hauptnahrungszweige sind Ackerbau und Viehzucht.
Man baut hauptsächlich Weizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln. Sehr
reich ist die Insel an Obst, das teils frisch (namentlich nach
Neusüdwales und Victoria), teils als Mus ausgeführt wird.
Der Viehstand der Kolonie war 1887: 29,528 Pferde, 147,092 Rinder,
1,547,242 Schafe, 52,408 Schweine. An Mineralien ist T. reich;
ausgebeutet werden namentlich Zinn, Gold, Wismut, Kohle; auch
Kupfer und Blei werden gefunden. Der Handel führt
europäische Fabrikate und Manufakte ein und führte 1887
aus: Wolle für 415,425, Zinn für 407,857 Pfd. Sterl.,
ferner Obst, Hopfen, Kartoffeln, Gerberrinde, Holz. Die Einfuhr
betrug 1,596,817, die Ausfuhr 1,449,371 Pfd. Sterl. Die Eisenbahnen
hatten 1887 eine Länge von 508 km, die Telegraphenlinien 2301
km. Die Handelsflotte der Kolonie zählte 177 Segelschiffe von
13,341 Ton. und 26 Dampfer von 4601 T., die Zahl der Walfänger
hat mit den Walen sehr abgenommen. Der Tonnengehalt aller ein- und
ausgelaufenen Schiffe war 735,299. Das Unterrichtswesen ist in
geordnetem Zustand; Schulzwang ist eingeführt, und vier
höhere Schulen sind errichtet. Die Royal Society of T. in
Hobart verfolgt allgemein wissenschaftliche Zwecke. Die Kolonie ist
in 18 Grafschaften geteilt, außerdem in besondere
Wahldistrikte. Nach der Verfassung steht an der Spitze der
Verwaltung ein von der Königin von England ernannter
Gouverneur mit verantwortlichen Ministern, Oberhaus und Unterhaus.
Die Staatseinnahmen betrugen 1887: 594,976, die Ausgaben 668,759,
die Staatsschuld 4,109,370 Pfd. Sterl. Hauptstadt ist Hobart.
Die Insel wurde 24. Nov. 1642 von dem holländischen
Seefahrer Tasman entdeckt und zu Ehren seines Auftraggebers, des
indischen Generalgouverneurs Anton van Diemen, Vandiemensland
genannt, ein Name, der 1856 in den jetzigen umgeändert wurde.
Die Insel blieb unbesucht, bis 1772 der Franzose Marion in der
Frederick Hendrick-Bai landete. Fourneaux entdeckte 1773 die
Adventurebai, welche 1777 auch von Cook berührt wurde. Bligh
sah T. 1788 und 1792. d'Entrecasteaux, der Laperouse aufsuchen
sollte, segelte in die Mündungen des Derwent und Huon und
benannte mehrere Punkte. Kapitän Hayes untersuchte T. 1794
noch weiter. Baß bewies 1798 die Inselnatur Tasmanias. Die
Kolonisation der Insel begann 1803 mit der Anlage einer
Verbrecherkolonie am Derwent, die aber schon 1804 nach Hobart
verlegt wurde. T. war nur eine Dependenz von Neusüdwales,
erhielt aber 1824 auf Ansuchen der Kolonisten eigne Verwaltung, und
1853 hörte die Deportation [corr!] auf. Die Eingebornen (s.
Tafel "Ozeanische Völker [corr!]", Fig. 4), welche man
vorfand, waren den Australnegern ganz nahe verwandt, sie wurden
aber teils in vielfachen Kämpfen ausgerottet, teils starben
sie infolge ihrer gewaltsamen Versetzung auf die Flindersinseln bis
auf wenige, welche man nach Hobart zurückführte. Die
letzte ihres Stammes, Trucamini oder Lalla Rookh, starb 1876 in
London. Vgl. Trollope, Victoria and T. (Lond. 1874); Jung, Der
Weltteil Australien, Bd. 2 (Leipz. l882); Fenton, History of T.
(Lond. 1884); Bonwick, The lost Tasmanian race (das. 1884).
Tasmanische Sprachen, s. Australische Sprachen.
Tasnád (spr. táschnahd. Trestenberg), Markt
im ungar. Komitat Szilágy, mit (1881) 3375 ungar.
Einwohnern, vorzüglichem Weinbau und Bezirksgericht.
Tassaert (spr. -ssart), Antoine, niederländ.
Bildhauer, geboren um 1729 zu Antwerpen, wo er seine Ausbildung
erhielt, ging dann nach England und Paris, wo er sich durch eine
Statue Ludwigs XV. bekannt machte. Der Prinz Heinrich von
Preußen beauftragte ihn, mehrere Statuen und Gruppen für
sein Palais in Berlin auszuführen, wohin er um 1770
übersiedelte. Er entfaltete dort eine rege Thätigkeit,
wurde Rektor der Kunstakademie und starb 1788. Er schuf unter
anderm die Statuen der Generale v. Seydlitz und Keith auf dem
Wilhelmsplatz in Berlin (später entfernt) und die Büsten
Friedrichs II. und M. Mendelssohns.
Tasse, s. v. w. Banse, s. Scheune.
Tassenrot, s. Safflor.
Tassilo, Herzog von Bayern, aus dem Geschlecht der
Agilolfinger, mußte 757 die Oberlehnshoheit seines Oheims,
des fränkischen Königs Pippin, anerkennen, suchte sich
aber unter Karl d. Gr. seiner Lehnspflicht zu entziehen, trat zu
diesem Zweck mit seinem Schwager, dem Langobarden Adalgis, und den
Avaren in geheime Verbindung, wurde zwar 787 mit Waffengewalt zur
Unterwerfung gezwungen, erneuerte indes die Verschwörung,
wurde deshalb 788 auf dem Reichstag zu Ingelheim zum Tod
verurteilt, aber begnadigt und in das Kloster Jumièges bei
Rouen eingeschlossen, wo er, nachdem er 794 nochmals feierlich dem
Herzogtum Bayern entsagt, starb. Mit ihm erlosch das Geschlecht der
Agilolfinger.