vermischten Turko-Tataren im Kuldschagebiet, welche sich von
chinesischen Einflüssen freier gehalten haben als ihre
Nachbarn und Verwandten, die Dunganen. Sie sind Mohammedaner, ohne
aber die Vorschriften des Islam streng einzuhalten. Ihre Vorfahren
wurden von den Chinesen im 18. Jahrh. nach der Eroberung der
Dsungarei aus Ostturkistan in das Ilithal übergesiedelt, teils
wegen ihrer Teilnahme an dem Aufstand von 1756, teils zur
Wiederbevölkerung des verödeten Landes überhaupt.
Während des Dunganenaufstandes bildeten die T. ein eignes
Reich, das infolge von Unruhen von den Russen in Verwaltung
genommen, durch den Vertrag vom 14. Febr. 1881 aber wieder an China
zurückgegeben wurde. Darauf siedelten an 80,000 T. auf
russisches Gebiet über. Sie sind sämtlich Ackerbauer.
Tarapacá, Provinz des südamerikan. Staats
Chile, liegt am Stillen Ozean zwischen Rio Camarones und Rio Loa,
erstreckt sich bis zum Gipfel der Kordilleren, die sie von Bolivia
trennen, und hat ein Areal von 50,006 qkm (908 QM.). Die
Küstenkordillere steigt bis 1770 m an; hinter derselben
breitet sich die wüste Pampa de Tamarugal (1000 m ü. M.)
aus, mit reichen Lagern von Salpeter und Borax (Ausfuhr 1885:
9,478,000 Ztr.). Das Innere bietet Weiden für Schafe, Lamas,
Alpakos und Vicuñas. Ergiebige Silberminen liegen in der
Nähe der Küste, und Guano findet sich in Mengen
nördlich vom Rio Loa bis Patillos. Ackerbau ist nur an wenigen
durch Bewässerung begünstigten Stellen möglich. T.
hat etwa (1885) 45,086 Einw., der Mehrzahl nach Chilenen. Die
Provinz wurde 1883 von Peru an Chile abgetreten. Hauptstadt ist
Iquique. Die ehemalige Hauptstadt T., in 1158 m Meereshöhe im
Innern gelegen, hatte früher ergiebige Silbergruben, ist aber
jetzt nur ein Dorf mit (1876) 1038 Einw.
Tarapoto, Stadt im südamerikan. Staat Peru
(Departement Loreto), 374 m ü. M., an einem Nebenfluß
des Rio Mayo, hat Baumwollweberei und (1876) 4740 Einw. Tarar
(Aspirator), s. Mühlen, S. 848.
Tarare (spr. rár), Stadt im franz. Departement
Rhône, Arrondissement Villefranche, an der Turdine und der
Eisenbahn Lyon-Roanne, mit Handelskammer, Marmorbrüchen,
lebhafter Industrie in Musselin, Tarlatan, Samt, Plüsch,
Stickereien, Druckwaren, Handel und (1886) 11,651 Einw. Westlich
davon der erzreiche Mont T. (719 m).
Taraschtscha, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kiew, hat
3 Kirchen und (1885) 15,801 Einw., die sich großenteils mit
Ackerbau beschäftigen.
520
Tarascon - Tardieu.
Tarascon (spr. -kóng), 1) (T. sur Ariége)
Stadt im franz. Departement Ariége, Arrondissement Foix, am
Ariége und an der Eisenbahn Toulouse-T., mit
Schloßruinen, Eisengruben, Wollspinnerei, Fabrikation von
Eisenwaren und (1881) 1404 Einw. - 2) (T. sur Rhône) Stadt im
franz. Departement Rhônemündungen, Arrondissement Arles,
am Rhône, über welchen eine Hängebrücke nach
dem gegenüberliegenden Beaucaire führt, hat alte
Ringmauern, ein auf einem Felsen unmittelbar am Rhône sich
erhebendes, trefflich erhaltenes Schloß (ein festungsartiger
gotischer Bau, einst König Renés Residenz), eine auf
den Resten eines römischen Tempels errichtete gotische Kirche
(Ste.-Marthe), ein Kommunalcollège, Handelsgericht, wichtige
Fabrikation von Wollen-, Seiden-, Baumwollen- und Leinenstoffen
etc., Bereitung von Fleischwürsten ("saucissons d'Arles"),
Schiffbau und (1886) 5881 Einw. T., an der eigentlichen Spitze des
Rhônedeltas gelegen, war immer von großer Bedeutung
für den Verkehr, wie sich auch heute dort die Linien nach
Nîmes, Remoulins und St.-Remy von der Eisenbahn
Paris-Marseiile abzweigen.
Tarasp, die einzige kathol. Gemeinde des Graubündner
Thals Engadin, 1401 m ü. M., mit (1880) 346 Einw.,
berühmt durch ihre Heilquellen. Im Revier Schuls-T.-Fettan
folgen sich in bunter Reihe Säuerlinge, Bitter-, Salz-,
Schwefel- und Stahlwässer. Dem frühern Mangel an
Einrichtungen und Kommunikationen ist abgeholfen; ein
großartiges Etablissement ist zu Nairs. Oberhalb Vulpera
zeigt man die "Todeslöcher", kleine Trichteröffnungen im
Boden, aus deren Spalten Kohlensäure aufsteigt. Die
Löcher haben etwa 1 m Durchmesser und 2-2½ dcm Tiefe,
und die Kohlensäure liegt darin etwa l0 cm hoch. Vgl. Arquint,
Der Kurort T. und seine Umgebung (Chur 1877), und die Schriften von
Killias (9. Aufl., das. 1886), Pernisch (3. Aufl., das.1887).
Tarawera, Vulkan auf der Nordinsel von Neuseeland, im
Seendistrikt, welcher 1886 durch eine Eruption die berühmten
Sinterterrassen des Rotomahanasees vollständig
zerstörte.
Taraxacum Haller. Gattung aus der Familie der Kompositen,
sehr kurzstengelige Kräuter mit grundständiger Rosette
ungeteilter, gezahnter, buchtiger oder schrotsägeförmiger
Blätter, blattlosen, einköfsigen Blütenschäften
und länglichen Achänen mit einfachen, ungleich langen
Pappushaaren. Auf der ganzen nördlichen Erdhälfte
verbreitet. T. vulgare Schrk. (Leontodon T. L., gemeiner
Löwenzahn, Butterblume, Pfaffenröhrlein), sehr gemein an
Wegen, auf Wiesen etc., ausdauernd, stark milchend, mit walzig
spindelförmiger Wurzel, kahlen, lanzettlichen, buchtig
fiederspaltigen Blättern und hohlem, kahlem Blütenschaft
und gelben Blüten, wächst gemein auf der nördlichen
Erdhälfte, die Wurzel mit dem Kraut ist offizinell und wird
gegen Stockungen im Unterleib als mild lösendes Mittel
angewandt. Das Kraut gibt gutes Futter für Ziegen und
Rindvieh; die jungen Blätter benutzt man auch als Salat.
Tarazona, Bezirksstadt in der span. Provinz Saragossa, am
Queiles, in einem rebenbedeckten Hügelgelände, hat ein
Priesterseminar und (1878) 8270 Einw. Die Stadt ist
Bischofsitz.
Tarbagatai, Gebirge im russisch-asiat. Gebiet
Semipalatinsk, an der Grenze gegen die chinesische Mongolei und das
Gebiet Semiretschinsk, erstreckt sich nach O. bis zum See Ulungur
in der Dsungarei und bildet die Wasserscheide zwischen dem
dsungarischen Steppengebiet und dem Saissanbecken. Die mittlere
Kammhöhe des Gebirges ist 2300 m, doch gibt es mehrere 3000 m
hohe Piks. Ewigen Schnee trägt aber erst der östlich
abgezweigte Musstau. S. Karte "Zentralasien".
Tarbert, zwei Fjorde (Lochs) in Schottland, die sich an
ihrem obern Ende bis auf 1½ km nähern und die Halbinsel
von Kintyre (s. d.) fast vom Hauptland abtrennen. Ein Kanal
durchschneidet die Landenge. Das gleichnamige Dorf am
östlichen Loch hat (1881) 1629 Einw.
Tarbert, kleine Hafenstadt in der irischen Grafschaft
Kerry, am Ästuar des Shannon, mit (1881) 712 Einw. Dabei die
befestigte Insel T. mit Leuchtturm.
Tarbes (spr. tarb), Hauptstadt des franz. Departements
Oberpyrenäen und der ehemaligen Grafschaft Bigorre, in
reichbebauter Ebene, am Adour und an der Eisenbahn Bayonne-Toulouse
gelegen, von welcher hier die Linien nach Bagnères, Auch und
Morceux abzweigen, hat eine Kathedrale mit gotischer Kuppel, eine
Kirche St.-Jean aus dem 14. Jahrh., eine stattliche
Kavalleriekaserne (vor derselben steht das Denkmal des Chirurgen
Larrey), einen schönen öffentlichen Garten mit Museum,
ein treffliche Reitpferde lieferndes Gestüt, einen Hippodrom
(jährlich im August große Pferderennen) und (1886)
21,090 (Gemeinde 25,146) Einw., welche Eisengießerei,
Maschinenbau, Fabrikation von groben Wollenstoffen u. Filz und
Marmorschneidemühlen sowie Handel mit Vieh und
landwirtschaftlichen Produkten betreiben. Der Staat besitzt in T.
eine Waffenfabrik und Kanonengießerei. Von Bildungsanstalten
bestehen daselbst ein Lyceum, eine Lehrerbildungsanstalt, ein
geistliches Seminar und eine Bibliothek (16,000 Bände); T. ist
Sitz eines Bischofs, eines Gerichts- und Assisenhofs wie eines
Handelsgerichts. - Die Stadt hieß unter römischer
Herrschaft Tarba und gehörte zu Aquitania tertia, sodann zu
Novempopulania. Mehrmals von den Goten, Arabern und Normannen
zerstört, blühte sie als Hauptstadt der Grafschaft
Bigorre wieder auf, war bis 1370 in der Gewalt der Engländer
und litt später sehr durch die Hugenottenkriege.
Tardando (ital.) , s. v. w. Ritardando (s. d.).
Tardieren (franz.), zögern, zaudern,
säumen.
Tardieu (spr. -djöh), 1) franz.
Kupferstecherfamilie. Nicolas Henri T., geb. 1674 zu Paris,
Schüler Audrans, stach zahlreiche Blätter nach Rigaud,
Lebrun, Domenichino u. a.; starb 1749. Sein Sohn Jacques Nicolas
T., genannt Cochin, geb. 1718, gest. 1795 als Hofkupferstecher des
Kurfürsten von Köln, hat besonders Porträte
gestochen. Von seinen Neffen lieferte Pierre Alexandre T., geb.
1756 zu Paris, Schüler von I. I. Wille, gest. 1844,
schätzbare Porträte und Blätter nach Raffael,
Domenichino, van Dyck, David u. a., während Jean Baptiste
Pierre T., geb. 1746 zu Paris, gest. 1816, und Antoine
François T., geb. 1757 zu Paris, gest. 1822,
Landkartenstecher waren. Des letztern Sohn Pierre T., geb. 1784 zu
Paris, stach Karten zu Werken v. Humboldts, v. Buchs,
Brönsteds, Ségurs u. a. Ambroise T., geb. 1790 zu
Paris, gest. 1837, stach Landkarten, Porträte und
Architekturstücke.
2) Auguste Ambroise, Mediziner, geb. 10. März 1818 zu
Paris, studierte daselbst, wurde 1850 Chefarzt am Spital
Lariboisière, 1861 Professor an der Pariser medizinischen
Fakultät, 1864 beratender Arzt des Kaisers, 1867
Präsident des Komitees für öffentliche
Gesundheitspflege. Er übernahm 1870 die Leitung des Hotel-Dieu
in Paris und starb 12. Jan. 1879. Seine ersten Arbeiten waren
klinischer Natur, später wandte er sich der gerichtlichen
Medizin zu und gewann für diese eine große Bedeutung,
namentlich
521
Tardigrada - Targum.
durch die Ableitung von Erfahrungssätzen aus den
überaus zahlreichen Fällen, die seiner Begutachtung
unterlagen. Seine Hauptwerke sind: "Étude
médico-légale sur l'attentat aux moeurs" (6. Aufl.
1872; deutsch von Theile, Weim. 1860); "Étude
médico-légale et clinique sur l'empoisonnement" (2.
Aufl. 1874; deutsch von Theile u. Ludwig, Erlang. 1868).
Außerdem schrieb er: "Dictionnaire d'hygiène publique
et de salubrité" (2. Aufl. 1862, 4 Bde.); "Étude
médico-légale sur la pendaison, la strangulation et
la suffocation" (2. Aufl. 1879); "Étude
médico-légale sur la folie" (2. Aufl. 1879), "sur
l'avortement" (4. Aufl. 1881) und "sur l'infanticide" (2. Aufl.
1879) u. a.
Tardigrada, s. Spinnentiere, S. 154.
Tarént (Taranto), befestigte Seestadt und
Kreishauptort in der ital. Provinz Lecce, auf einer Insel zwischen
dem großen Golf von T. und dem lagunenartig ins Land
hineinragenden Mare piccolo gelegen, ist durch eine sechsbogige
Brücke und einen alten byzantinischen Aquädukt mit dem
Festland verbunden und Station der Eisenbahn von Bari nach Reggio
di Calabria. Die Lage von T. ist eine so überaus
günstige, daß diese Stadt, wie es im Altertum der Fall
war, zum Organ bestimmt erscheint, durch welches Italien mit dem
Orient in Beziehungen tritt. Es hat im Mare piccolo einen tiefen,
völlig geschützten Hafen, und auch der äußere
Golf bietet in seiner Verengerung mit den beiden vorgelagerten,
trefflich zur Verteidigung geeigneten Inseln San Pietro und Paolo
einer ganzen Flotte sichern Schutz. Zwei Eisenbahnen, die eine an
der ganzen West-, die andre an der Ostseite der Halbinsel bis zum
Golf von T. verlängert, finden hier ihren natürlichen
Endpunkt. Treffliches Quellwasser sprudelt im Mare piccolo wie im
Mare grande selbst empor. So dürfte sich T., namentlich wenn
das Projekt der Verlegung des Kriegshafens von Neapel und der
Werfte von Castellammare dorthin zur Ausführung gelangen
sollte, neuerlich zu großer Bedeutung erheben. Auch der
Handel hebt sich schon einigermaßen. 1886 sind im Hafen 408
Schiffe mit 144,962 Ton. eingelaufen. Der Warenverkehr zur See
(Einfuhr von Kohle, Holz, Getreide, Ausfuhr von Öl, Wein,
Hülsenfrüchten etc.) beläuft sich allerdings erst
auf 65,000 Ton. Fischerei, auch Austernzucht, Handel, Oliven-,
Feigen- u. Weinbau sind die Haupterwerbszweige der als sehr
indolent geltenden Bewohner, deren man 1881: 25,246 zählte.
Die Stadt dehnt sich jetzt nur auf der kleinen felsigen Halbinsel
zwischen den Meeren aus und hat wenig Reste des Altertums wie des
Mittelalters aufzuweisen. Sie ist Sitz eines Erzbischofs, eines
Unterpräfekten, eines Zivil- und Korrektionstribunals, eines
Hauptzollamtes sowie eines deutschen Konsuls und hat ein Lyceum,
ein Gymnasium etc. - T. ist das Tarentum (Taras) der Alten. Taras
wurde 708 v. Chr. von den spartanischen Partheniern unter dem
Herakliden Phalanthos gegründet und durch seine
geschützte Lage und seinen vorzüglichen Hafen eine der
mächtigsten griechischen Pflanzstädte in Unteritalien.
272 ward dieselbe von den Römern erobert, nachdem Pyrrhos, der
für sie seit 280 gegen Rom Krieg geführt, 275 Italien
verlassen hatte. Im zweiten Punischen Krieg ward sie 211 von
Hannibal erobert, die Römer behaupteten sich indes in der Burg
und bemächtigten sich von da aus 209 der Stadt wieder. Diese
ward geplündert und zum Teil zerstört, und gegen 30,000
Einw. wurden in die Sklaverei verkauft. 123 ward die Stadt mit
römischen Bürgern bevölkert und blühte seitdem
wieder auf. Das dortige Erzbistum soll 378 gegründet worden
sein. Im Mittelalter stand die Stadt erst unter den byzantinischen
Kaisern, ward dann von den Sarazenen erobert und endlich dem
Königreich beider Sizilien und mit diesem 1861 dem
Königreich Italien einverleibt. T. ist die Vaterstadt des
Musikers Giovanni Paësiello. Der französische Marschall
Macdonald (s. d.) wurde von Napoleon I. zum Herzog von T. ernannt.
Vgl. Döhle, Geschichte Tarents bis auf seine Unterwerfung
unter Rom (Straßb. 1877); de Vincentiis, Storia di Taranto
(Neap. 1878 ff., 5 Bde.); Gagliardo, Descrizione topogratica di
Taranto (Tarent 1886).
Tarent, Goif von, ein fast viereckiger, zwischen den
Vorgebirgen Santa Maria di Leuca und Nao in die Apenninenhalbinsel
eindringender Golf, der von den Halbinseln von Apulien und
Kalabrien begrenzt wird, im Altertum der Hauptsitz griechischer
Kultur in Unteritalien. Tarent, Metapont, Herakleia, Sybaris,
Thurii, Proton und andre Griechenstädte blühten an seinen
Ufern, denen jetzt, versumpft und ungesund, wie sie sind, zwei
Eisenbahnen, welche sie wieder mit der Ost- und Westküste der
Halbinsel verbinden, neues Leben zuzuführen bestimmt sind.
Tarentaise (spr. -rangtâhs^), Landschaft im franz.
Departement Savoyen, das Hochthal der Isère mit seinen
Seitenthälern, durch welches die Straße über den
Kleinen St. Bernhard führt, reich an Wäldern und Weiden,
von einem kleinen, lebhaften und sich ausfallend von den Umwohnern
unterscheidenden Menschenschlag bewohnt. Wichtigster Ort
Moutiers.
Tarfabaum, s. Tamarix.
Targovist (Tirgovist, Targu-Vestia), ehemals (von
1383-17l6) Hauptstadt der Walachei, jetzt Hauptort des Kreises
Dimbowitza und heruntergekommen, liegt 262 m hoch am Fuß der
Karpathen, durch Zweigbahn mit der Linie Roman-Verciorova
verbunden, und hat 29 griechisch-orthodoxe Kirchen (darunter die
schöne Metropolitankirche), eine alte kath. Kirche, Ruinen des
Schlosses der Woiwoden, ein Tribunal, ein Arsenal (seit 1865),
Gymnasium und 7125 Einw. (ehedem über 40,000).
Targowicz (Targowice), Stadt im russ. Gouvernement Kiew,
Kreis Uman, an der Siniusca, mit 2000 Einw. Hier 14. Mai 1792
Konföderation des polnischen Adels gegen die Konstitution von
1791.
Targum (chald., Plur. Targumim, "Übersetzung"), Name
der chaldäischen Übersetzungen und teilweise
Umschreibungen des Alten Testaments, die vom Beginn des zweiten
jüdischen Staatslebens an, als sich das Bedürfnis
einstellte, den Synagogenbesuchern, welche der hebräischen
Sprache nicht mehr mächtig waren, die Bibelvorlesungen (s.
Sidra, Haftara) zu übersetzen und, wenn erforderlich, durch
Umschreibung zu erklären, entstanden sind. Die
Übersetzung und Deutung geschah durch besonders angestellte
Übersetzer. Jahrhunderte ward, wie dies mit dem
mündlichen Gesetz (s. Midrasch, Talmud) üblich war, das
T. nicht niedergeschrieben. Die erste schriftliche Fixierung
geschah nach dem 3. Jahrh. n. Chr. und zwar mit dem fast
wortgetreuen T. Onkelos (aramäische Form des griechischen
Eigennamens Akylas), einer Pentateuchübersetzung, welche im
Gegensatz zu T. jeruschalmi (das jerusalemische T. des Jonathan ben
Usiel) T. babli heißt und im ostaramäischen Dialekt
abgefaßt ist. Westaramäische Targumim sind zu Ruth,
Esther, Hoheslied, Prediger, Klagelieder, Psalmen, Sprüche,
Hiob und Chronik vorhanden. Sie sind meistens weitschweifige, mit
Geschichte, Sage und Legende verquickte Textum-
522
Tarieren - Tarn-et-Garonne.
schreibungen. Ein vorzügliches Lexikon zu den Targumim gab
Levy (3. Ausg., Leipz. 1881), das T. Onkelos Berliner (Berl. 1884),
eine "Chrestomathia targumica" Merx (das. 1888) heraus.
Tarieren, s. Tara.
Tarif (arab.), ein Verzeichnis verschiedener Waren oder
Leistungen mit beigesetzten Preisen, namentlich ein amtlich
festgestelltes Verzeichnis, daher Zolltarif (vgl.
Handelsverträge), Münz-, Steuertarif, insbesondere im
Verkehrswesen: Droschken-, Post-, Schiff-, Eisenbahntarif etc.
Tarifieren, in einen T. mit bestimmtem Tarifsatz aufnehmen; daher
tarifierte Münzen, solche, welchen durch den gesetzlichen
Münztarif ein bestimmter Kurs gegeben ist.
Tarifa, alte befestigte Stadt in der span. Provinz Cadiz,
an der Straße von Gibraltar, der südlichste Ort des
europäischen Festlandes, mit Hafen und Leuchtturm (auf der
Insel T.) und (1878) 12,234 Einw.; benannt nach dem
Berberhäuptling Tarifa ibn Malik, welcher zuerst in Spanien
landete.
Tarija (spr. -richha), ein Departement der
südamerikan. Republik Bolivia, zwischen den Departements
Chuquisaca und Potosi und der Argentinischen Republik, 296,500 qkm
(5385 QM.) groß. Den Westen durchzieht die östliche
Kordillere, der Osten erstreckt sich durch die Chaco boreal bis zum
Paraguay. Die wichtigsten Flüsse sind der Pilcomayo und der
Tarija (oberer Rio Vermejo), die beide dem Paraguay zueilen. T.
bietet sowohl fruchtbare Ackerländereien als vorzügliche
Weiden und schöne Waldungen dar. An nutzbaren Mineralien ist
es arm. Die Industrie ist ganz unbedeutend. Die Bevölkerung
schätzte man 1882 auf 53,389 Seelen, ohne etwa 50,000 wilde
Indianer. - Die Hauptstadt T., 1770 m ü. M., in fruchtbarem
Thal, wo viel Tabak gebaut wird, hat ein Franziskanerkloster
(ehemals berühmtes Missionskollegium mit Bibliothek) und etwa
8300 Einw.
Tarik, arab. Feldherr, Sohn Zejjads, ward 711 von dem
Oberfeldherrn der Araber in Afrika, Musa, mit 12,000 Mann nach
Spanien geschickt, landete bei Gibraltar (Gebel al T., "Felsen des
T."), besiegte in der siebentägigen Schlacht bei Ieres de la
Frontera 19.-25. Juli 711 die Westgoten unter Roderich, eroberte,
indem er den Sieg rasch verfolgte, den größten Teil der
Halbinsel, wurde aber von dem auf ihn neidischen Musa, obwohl er
ihm seine ungeheure Beute demütig darbrachte, seiner
Würde entsetzt und, mit Ketten belastet, in den Kerker
geworfen, rächte sich zwar nach seiner Befreiung, indem er
Musas Sturz herbeiführte, starb aber unbelohnt und in
Vergessenheit.
Tarlatan (franz. tarlatane), eine Sorte glatter
baumwollener Gaze, welche meist einfarbig hergestellt und zu
Ballkleidern und zum Ausputz benutzt wird. Die Stoffe sind sehr
wohlfeil, vertragen aber das Waschen nicht. Grüner T. ist oft
mit Schweinfurter Grün gefärbt, welches sich staubartig
ablöst und der Trägerin des Kleides durch Einatmen der
arsenikhaltigen Farbe gefährlich werden kann.
Tarma, Stadt im Departement Junin der südamerikan.
Republik Peru, im tiefen, aber fruchtbaren Chanchamayothal, 3053 m
ü. M., hat eine höhere Schule, Fabrikation von Ponchos
etc. aus Vicuñawolle und (1876) 3834 Einw.
Tarn, Fluß im südlichen Frankreich, entspringt
am Fuß des Pic de Malpertus im Lozèregebirge,
durchfließt in vorherrschend westlicher Richtung die
Departements Lozère, Aveyron, T., Obergaronne und
Tarn-et-Garonne und mündet 6 km unterhalb Moissac nach einem
Laufe von 375 km (wovon 148 km schiffbar) rechts in die Garonne.
Nebenflüsse sind rechts: der Aveyron, links: Dourbie und
Agout. Der T. bildet oberhalb Albi den prächtigen, 19 m hohen
Wasserfall Saut de Sabo.
Tarn, franz. Departement, aus den ehemaligen
Diözesen von Albi, Castres und Lavaur des Languedoc gebildet,
grenzt im N. und NO. an das Departement Aveyron, im SO. an Herault,
im S. an Aude, im W. an Obergaronne und im NW. an Tarn-et-Garonne
und hat einen Flächenraum von 5743 qkm (104,7 QM.). Das Land
ist die nach SW. geneigte plateauartige Abdachung des zentralen
Hochfrankreich, im O. gegen 600, im W. wenig über 100 m hoch.
Es lehnt sich im SO. an die rauhen Berge von Lacaune (1266 m), im
S. an die Montagne Noire an. Während es in den höhern
Gebenden nur für Viehzucht und Industrie geeignet ist,
überwiegt nach W. hin in den sich immer breiter öffnenden
fruchtbaren Flußthälern mit dem mildern, fast
mediterranen Klima der Ackerbau, der sich auch auf Wein- und
Seidenkultur erstreckt. Der Hauptfluß ist der Tarn, welcher
fast alle Gewässer des Departements (Rance, Agout, Aveyron u.
a.) aufnimmt. Die Bevölkerung belief sich 1886 auf 358,757
Einw. (darunter ca. 17,000 Reformierte). Von der Oberfläche
kommen (1882) 309,805 Hektar auf Äcker, 52,755 auf Wiesen,
59,510 auf Weinberge, 77,677 auf Wälder, 37,894 Hektar auf
Heiden und Weiden. Hauptprodukte sind: Getreide (3 Mill. hl),
insbesondere Weizen, Roggen und Mais; ferner
Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Hanf und Flachs, Wein (bei
Gaillac und Albi, in guten Jahren bis 1 Mill. hl), Obst, Kastanien,
Rindvieh (117,874 Stück), Schafe (410,177). Schweine
(127,788), viel Geflügel (besonders Hühner und Tauben),
Kaninchen. Der Bergbau liefert Steinkohlen (Gruben bei Carmaux mit
einem Erträgnis von 330,000 Ton.); auch hat das Departement
mehrere Mineralquellen, darunter die von Trébas. Die
Industrie hat namentlich in der Schafwollwarenfabrikation
große Bedeutung; dieselbe verfügt über 55,000
Spindeln, 5000 Hand- und 140 mechanische Webstühle und hat
ihre Hauptsitze zu Castres und Mazamet. Andre Industriezweige sind:
Seidenspinnerei, Gerberei, Fabrikation von Stahl, Sensen, Glas,
Fayence u. a. Der ziemlich lebhafte Handel vertreibt die Natur- und
Industrieprodukte des Landes. Das Departement wird von der
Eisenbahnlinie Figeac-Toulouse und der von ersterer abzweigenden
Linie über Albi nach Castres und Castelnaudary mit
Seitenlinien nach Carmaux und Mazamet durchzogen. Es zerfällt
in die vier Arrondissements: Albi, Castres, Gaillac und Lavaur;
Hauptstadt ist Albi. Vgl. Bastié, Description du
département du T. (Graulhet 1876-77, 2 Bde.).
Tarn-et-Garonne, franz. Departement, aus Teilen der
Guienne (Quercy, Rouergue, Agenais), der Gascogne (Lomagne,
Armagnac) u. des Languedoc (Diözese Montauban)
zusammengesetzt, grenzt im N. an das Departement Lot, im O. an
Aveyron, im SO. an Tarn, im S. an Obergaronne, im SW. und W. an
Gers und Lot-et-Garonne und hat einen Flächenraum von 3720 qkm
(67,8 QM.). Es ist ein Hügelland von 200-300 m Höhe, in
welches die drei großen Flüsse Garonne (mit der Gimone),
Tarn und Aveyron, die sich hier vereinigen, und deren Spiegel bei
ihrem Eintritt in das Departement kaum höher, zum Teil sogar
niedriger als 100 m liegt, breite, überaus fruchtbare
Thäler eingeschnitten haben. Der Schifffahrt dient außer
Garonne und Tarn der Seitenkanal der Garonne. Das Klima ist im
allgemein
523
Tarnkappe - Tarock.