man in dem nördlichern Belgien nur Wolle und lieferte im
14.-17. Jahrh. namentlich in Antwerpen, Brüssel, Brügge,
Courtrai gewirkte T. mit figürlichen Darstellungen nach
Entwürfen hervorragender Künstler. Im 17. Jahrh. galten
solche Wandteppiche, zu welchen selbst Rubens Vorlagen lieferte,
und auf denen später mit Vorliebe Genrebilder von Teniers,
Jagden u. dgl. m. nachgebildet wurden, als kostbares Besitztum.
Sehr geschätzt waren die T. von Arras, unter denen diejenigen,
welche Leo X. nach Kartons von Raffael anfertigen ließ,
besonders berühmt geworden sind (vgl. Arrazzi). Neben den
gewirkten T. fertigte man auch solche aus Seide oder Leinen, die
mit Malereien oder Stickereien geschmückt wurden. Ein solcher
Wandteppich befindet sich zu Bayeux in Frankreich (Departement
Calvados), ein 70 m langer, 0,50 m hoher Leinwandstreifen, aus
welchem in Stickerei mit Leinwandfäden die Eroberung Englands
durch die Normannen dargestellt ist. Aus den Niederlanden gelangte
die Teppich- und Tapetenweberei auch nach Frankreich (um 1550
Schule von Fontainebleau) und Deutschland, und unter Ludwig XIV.
legte Colbert eine Teppichweberei in der Fabrik der Gebrüder
Gobelin an, aus welcher die nach diesen Fabrikanten benannten
Gobelins (s.d.) hervorgingen. Die Herstellung derselben (je nachdem
die Kette senkrecht oder wagerecht aufgezogen wird, Hautelisse-
oder Basselisseweberei genannt) ist ungemein mühsam und
gleichsam ein Sticken oder Malen mit dem Faden. Auf die Kette des
leinwandartigen Gewebes wird das auf durchsichtiges Papier
gezeichnete Muster gelegt und mit Punkten auf die Kette
übertragen, worauf jede Farbe, welche auf der Zeichnung
isoliert steht, in Schußfäden mittels kleiner Spulen aus
freier Hand eingezogen wird. Die Savonnerietapeten (nach dem Ort
ihrer Anfertigung, einer frühern Seifenfabrik in Chaillot,
benannt) ahmen persische und türkische T. nach und erfordern
gleichfalls viel Handarbeit, indem die Noppen einzeln an die
Kettenfäden angeknüpft werden. Schon im 11. Jahrh. wurden
in Spanien Ledertapeten (Cordovatapeten) hergestellt, indem man das
Leder versilberte, polierte und mit goldfarbenem Lack überzog,
worauf die Muster mit hölzernen Modeln eingepreßt und
der Grund von oben mit Bunzen gemustert wurde. Auch trat
später Malerei hinzu. Im 16. Jahrh. wurden Ledertapeten in
Venedig und Sizilien, im 17. Jahrh. in den Niederlanden und
Frankreich, auch in Deutschland und England verfertigt, bis sie im
18. Jahrh. durch Seiden- und Papiertapeten verdrängt wurden.
In neuerer Zeit sind sie wieder in Aufnahme gekommen, doch wird das
Leder meist durch eine Nachahmung aus Papiermasse ersetzt. Ein
billigerer Ersatz der Ledertapeten waren die Wachstuchtapeten,
welche auch mit Wollpulver (Flocktapeten) gemustert wurden. Neben
ihnen sind noch zu erwähnen: die Kattuntapeten der
Holländer, atlas- und damastartig gewirkte seidene T., wie
Brocatelles, Bergamées etc., die mit der Nadel auf Kanevas
ausgeführten Chinatapeten, die Federtapeten (s. d.) etc.
Heutigestags versteht man unter T. die zur Wandbekleidung
angewendeten Papiertapeten, welche in Stücken (Rollen) von
etwa 0,5 m Breite und 10 bis 11 m Länge oder als Borten von
geringerer Breite oder auch in abgepaßten Größen
(Plafond- und Füllungstapeten) einfarbig und gemustert
hergestellt werden. Zur Erzeugung derselben dient im Stoff
gefärbtes oder einseitig mit Farbe überzogenes
(grundiertes) Papier. Man trägt die mit Leimlösung
gemischte Farbe mit Bürsten oder auf der Grundier- (Foncier-)
Maschine auf. Hierbei läuft das Papier von einer Rolle ab
über eine große Trommel, nachdem es von einer Filzwalze
die Farbe erhalten hat, welche durch hin- und hergehende
Bürsten verstrichen wird. Darauf folgt ein Trocknen in einer
Hängemaschine, welche sich unmittelbar an die Grundiermaschine
anschließt. Sollen die T. Glanz erhalten (Glanztapeten), so
werden sie nach dem Grundieren satiniert, indem man sie mit Talkum
abbürstet. Glätte erhalten sie mittels Kalander (s. d.).
So vorbereitet gelangen die Rollen zum Bedrucken, wobei entweder,
wie beim Kattundruck, Druckformen oder neuerdings vielfach
Tapetendruckmaschinen, welche in der Stunde 800-900 m Papier
bedrucken, zur Verwendung kommen. Das Wesen derselben besteht in
Druckwalzen aus Holz, Letternmetall oder Kupfer, in deren
Peripherie die Muster entweder erhaben oder vertieft vorhanden
sind. Eine solche Maschine besteht aus einem Apparat zur
ununterbrochenen Zuführung des Papiers, aus so viel
Druckwalzen, als Farben verwendet werden sollen, aus ebensoviel
Vorrichtungen zum Auftragen der Farben, aus einem
widerstandsfähigen Organ zum Auflegen des Papiers während
des Druckens, endlich aus einer Vorrichtung zum Aufhängen und
Trocknen der bedruckten Papiere. Auch die auf Maschinen gedruckten
T. müssen nachher geglättet werden.
Besondere Arten von T. sind: Veloutierte T. (Wolltapeten,
Samttapeten), auf welchen der Grund oder ein Teil des Musters mit
festklebenden, gefärbten kurzen Wollhärchen (Scherwolle)
oder auch fein zerriebenen Holzspänchen (Holzwolle) derart
bedeckt ist, daß diese Stellen eine dichte und
gleichmäßig wollige Oberfläche zeigen. Das
Veloutieren wird nach dem Drucken dadurch vorgenommen, daß
man die Stellen der T., welche Wolle annehmen sollen, mittels
hölzerner Formen mit einem sehr zähen Leinölfirnis
bedruckt oder bestreicht, dann in einem langen Kasten mit einem
Boden aus Kalbleder oder Pergament ausbreitet, Scherwolle ausstreut
und den Deckel des Kastens schließt. Durch Trommeln auf dem
Boden desselben mit Holzstäben werden die Wollstäubchen
in die Höhe geworfen und verteilen sich herabfallend auf den
T., wo sie an den noch nassen gefirnißten Stellen kleben
bleiben und mit antrocknen. Vergoldete und versilberte T. stellt
man durch Andrucken von Blattgold oder Blattsilber an mit
Leinöl bedruckte Stellen oder durch direktes Bedrucken mit
pulverförmigem Gold, Silber oder Bronze her. Gepreßte
(gaufrierte) T. heißen solche, welchen mittels eines
besondern Walzwerks (Gaufriermaschine) ein Reliefmuster aufgedruckt
ist. Gefirnißte T. Mit dem Firnissen bezweckt man, den T. ein
hohen Glanz zu geben, sie gegen Feuchtigkeit zu schützen, so
daß sie abgewaschen werden können, und
widerstandsfähiger zumachen. Man bedient sich dazu in der
Regel des Kopalfirnisses, der mit großen Bürsten wie
beim Grundieren aufgetragen wird. Namentlich sind es die die
Holzmaserung nachahmenden Holztapeten, welche gefirnißt
werden, um ihnen das Ansehen polierter Holzflächen zu geben.
Iristapeten sind solche, bei denen zwei oder mehrere nebeneinander
aufgetragene Farben durch sanft verwaschene Mitteltöne
ineinander übergehen, woraus ein buntes, dem Farbenreichtum
des Regenbogens zuvergleichendes Ansehen hervorgeht. Die Irisierung
kann entweder beim Grundieren oder beim Drucken vorgenommen werden.
Vgl. Exner, Die T.-
517
Tapetenzellen - Tapir.
und Buntpapierindustrie (Weim. 1869); Hoyer, Fabrikation des
Papiers, der Buntpapiere und T. (Braunschweig 1887); Seemann, Die
Tapete (Wien 1882); Planchon, Étude sur l'art de fabriquer
les tapisseries des gobelins (Par. 1867); Guiffrey, Müntz und
Pinchart, Histoire générale de la tapisserie (das.
1878-85, l00 Tafeln); de Campeaux, Tapestry (Lond. l878); Guiffrey,
La tapisserie depuis le moyen-âge, etc. (Tours 1885);
Müntz, La tapisserie (Par. 1888); Farabulini, L'arte degli
arazzi e la nuova galleria dei Gobelins al Vaticano (Rom 1885);
Havard u. Vachon, Les manufactures nationales (Par. 1889). S. auch
Tapezieren.
Tapetenzellen, s. Embryosack, S. 598.
Tapetum nigrum (lat.), schwärzliche Pigmentlage,
welche die Regenbogenhaut, Strahlenkörper und Aderhaut von
innen bedeckt.
Tapezierbiene (Blattschneider, Megachile Latr.),
Insektengattung aus der Ordnung der Hautflügler und der
Familie der Bienen (Apiariae), Insekten mit sehr breitem Kopf,
stumpfer Unterlippe, welche um die Hälfte länger ist als
die Lippentaster, sehr langer, säbelförmiger Kieferlade,
kurzen, zweigliederigen Tastern und beim Weibchen auf dem
Rücken bedeutend abgeflachtem Hinterleib, welcher nach oben
sticht, während beim Männchen die beiden letzten
Hinterleibsringe nach unten eingekrümmt sind; zahlreiche,
über alle Erdteile verbreitete Arten, welche ihre Nester in
Baumlöcher, Mauerspalten, Erdhöhlen etc. bauen und aus
Blattstücken gewisser Pflanzen fingerhutförmige,
aneinander gereihte Zellen fertigen. Die gemeine T. (M.
centuncularis L.), am Mittelleib braungelb und schwärzlich, am
Hinterleib fast kahl, nur vorn mit graulichen Zottenhaaren, mit
weißen, oft unterbrochenen Bändern und am Bauch mit
rotbraunen Sammelhaaren, fliegt in Europa und Nordamerika und baut
ihr Nest in Baumlöcher, z. B. in den Gang einer
Weidenbohrerraupe, welchen sie zurechtnagt und mit sorgfältig
ausgeschnittenen Blattstückchen, besonders von
Rosenstöcken, tapeziert. Sie füllt die Zellen mit Honig ,
legt in jede ein Ei und verschließt sie mit einem
Blattstück. Eine Zelle steht auf der andern. Die entwickelte
Larve spinnt ein Gehäuse, überwintert, und im
nächsten Frühjahr schlüpft die Biene aus.
Tapezierblei, s. Bleiblech.
Tapezieren, die Wände mit Tapeten überziehen,
im weitern Sinn die Kunst des Dekorateurs, welcher in den Wohnungen
Vorhänge, Gardinen, Portieren etc. anordnet; auch die
Polsterung von Sitzmöbeln gehört in das Gebiet des
Tapeziererhandwerks. Das T. ist zuerst von den Franzosen
künstlerisch ausgebildet worden. Nachdem sie bis um die Mitte
der 60er Jahre den europäischen Geschmack fast allein
beherrscht hatten, machten sich zuerst die Österreicher, seit
Mitte der 70er Jahre auch die Deutschen unabhängig. Vgl.
Reuter, Schule des Tapezierers (2. Aufl., Weim. 1884); "Die
Tapezierkunst" (Berl. 1887); Streitenfeld, Die Praxis des
Tapezierers (48 Tafeln, das. 1888 ff.); Deville, Dictionnaire du
tapissier (Par. 1879-1880, 2 Bde.) und Litteratur bei Tapeten.
Tapferkeit kommt mit dem Mut (s. d.) darin überein,
daß sie wie dieser die Gefahr nicht scheut, aber nicht wie
dieser eine aus körperlicher Organisation entsprungene,
sondern auf Bewußtsein und Willen beruhende Eigenschaft ist
und daher weder, wie die Tollkühnheit (s. d.), aus Unkenntnis,
noch, wie die Verwegenheit, aus Geringschätzung der Gefahr,
sondern im Bewußtsein der Pflicht derselben nicht achtet.
Tapferkeitsmedaillen, militärische Ehrenzeichen,
welche vornehmlich für Unteroffiziere und Soldaten bestimmt
sind, die sich durch eine besonders tapfere That im Krieg
ausgezeichnet haben, während Offiziere Ehrenkreuze und Orden
erhalten. Beinahe sämtliche Staaten haben solche Medaillen,
die, in Gold oder Silber oder Kupfer verliehen, auf der Brust oder
im Knopfloch am Band eines Militärordens getragen werden und
meist mit einer Pension, resp. Zulage zur Löhnung verbunden
sind.
Tapia, Don Eugenio de, span. Dichter und Schriftsteller,
geb. 1785 zu Avila in Altkastilien, studierte zu Toledo und
Valladolid, ließ sich in Madrid als Advokat nieder und
redigierte während des Unabhängigkeitskampfes mehrere
patriotische Blätter. Unter der konstitutionellen Regierung
(1820) ward er Direktor der Staatsdruckerei und Deputierter der
Cortes, deshalb aber nach der Restauration 1823 proskribiert. 1830
zurückgekehrt, wurde er zum Mitglied der
Gesetzgebungskommission sowie zum Generalstudiendirektor und
Mitglied der Akademie ernannt. Er starb 1860. T.
veröffentlichte: "Poesia líricas, satíricas y
dramáticas" (Madr. 1821, 2 Bde., und im 67. Bande der
"Biblioteca de autores españoles", 1877); die satirischen
Schriften: "Viage de un curioso por Madrid" und "Ensayos
satíricos en prosa y verso" (unter dem Namen Machuca); das
umfangreiche juristische Werk "Elementos de jurisprudencia
mercantil" (1828, 15 Bde.; neue Ausg. 1845, 10 Bde.) und eine durch
Reichtum des Inhalts und echt historischen Stil ausgezeichnete
"Historia de la civilisacion española" (l840, 4 Bde.), sein
Hauptwerk.
Tapiau, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Königsberg, Kreis Wehlau, am Ausfluß der Deime aus dem
Pregel und an der Linie Seepothen-Eydtkuhnen der Preußischen
Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Oberförsterei, ein Warendepot der Reichsbank, eine
Zuckerfabrik, Biskuitfabrikation, eine Dampfsäge- und eine
Dampfmahlmühle, Dampfbäckerei und (1885) 3059 meist
evang. Einwohner. Dabei ein altes Schloß des Deutschen Ordens
(jetzt die ostpreußische Landarmen- und
Besserungsanstalt).
Tapioka, s. Kassawa.
Tapir (Tapirus L.), Säugetiergattung aus der Ordnung
der Huftiere, repräsentiert allein die Familie der Tapire
(Tapirina), verhältnismäßig kleine, plump gebaute
Tiere mit verlängertem, schmächtigem Kopf, schlankem
Hals, kurzen, aufrecht stehenden Ohren, kleinen Augen,
rüsselförmig verlängerter Oberlippe, drei
Schneidezähnen, einem Eckzahn und oben sieben, unten sechs
Backenzähnen in jedem Kiefer, mittelhohen, kräftigen
Beinen, vorn vier-, hinten dreizehigen Füßen und
stummelhaftem Schwanz. Der indische T. (Schabrackentapir, Tapirus
indicus Desm.), 2,4 m lang, 1 m hoch, mit 8 cm langem Schwanz und
sehr gleichmäßigem Haarkleid, ist am Kopf, Hals und
Vorderteil des Leibes bis hinter die Schulterblätter und an
den Beinen schwarz, sonst grauweiß, lebt in Hinterindien,
Südchina und auf Sumatra und wurde in Europa erst 1772
bekannt. Über sein Freileben ist nichts bekannt. Der
amerikanische T. (T. americanus L.), bis 2 m lang, 1,7 m hoch,
schwärzlich graubraun, mit kurzer, steifer Nackenmähne,
lebt im südlichen und östlichen Südamerika,
während ihn im Norden und Westen sowie in Mittelamerika andre
Arten ersetzen. Er bewohnt dichte Wälder, durch welche er
regelmäßige Pfade bricht, meist einsam oder in kleinen
Familien, erinnert in seinem Wesen vielfach
518
Tapisseriearbeit - Tarabulus.
an die Schweine, wälzt sich in jeder Pfütze, schwimmt
und taucht vortrefflich und läuft längere Zeit auf dem
Grunde der Gewässer hin. Er ist sehr friedlich und furchtsam,
und nur in seltenen Fällen stürzt er blind wütend
auf den Feind. Er hält sich am Tag meist verborgen und ruht,
geht in der Dämmerung und in der Nacht seiner Nahrung nach,
die aus allerlei Pflanzenstoffen, besonders Blättern, besteht,
und richtet in Plantagen oft große Verwüstungen an. Das
Weibchen wirft ein gestreiftes Junge. Fleisch und Fell werden
benutzt, Klauen und Haaren schreibt man Heilkräfte zu. In der
Gefangenschaft hält er gut aus, hat sich aber noch nicht
fortgepflanzt.
Tapisseriearbeit, die Kunst, aus farbigen wollenen oder
seidenen Fäden, Perlen etc. vermittelst der Nadel auf Kanevas
nach Mustern Teppiche, Schuhbesätze, Schmuck für
Ofenschirme, Bürsten, Kasten, Hosenträger u. dgl. m.
anzufertigen. Besondere Geschäfte sorgen für den Bedarf
von Vorlagen und Material. Die T. wird vornehmlich von Dilettanten
betrieben. Während bisher naturalistische Blumenmuster,
Figuren und ganze Bilder nachgeahmt wurden, hat J. Lessing in den
"Altorientalischen Teppichmustern" (Berl. 1877) stilistisch
mustergültige Vorbilder für die Straminstickerei auf
Kanevas geboten. Vgl. Handarbeiten, weibliche.
Tapolcza (spr. tápolza), 1) Markt im ungar.
Komitat Zala, mit Nonnenkloster, (1881) 2913 Einw., Weinbau,
Schwefelquelle, Badeanstalt und Bezirksgericht. - 2) Badeort im
ungar. Komitat Borsod, 3 km von Miskolcz, mit einer ergiebigen
indifferenten Therme von 25° C., die mehrere Teiche bildet.
Tapotement (franz., spr. -pott'mang), das Klopfen bei der
Massage.
Tapp, süddeutsches Kartenspiel mit 36 Blättern
(As bis Sechs), welche wie im Sechsundsechzig rangieren. Drei
Personen sind nötig; jeder erhält 11 Karten, 3 Karten
bleiben als Talon. Coeur ist stets höchste Farbe; die andern
Farben rangieren gleich. Man spielt Coeurfrage (mit Einnehmen des
Talons und Ekartieren), Solo in schlechter Farbe und Coeursolo. Bei
Solo zählt der Talon für den Spieler, darf aber nicht
angesehen werden. Zum Gewinnen muß der Spieler 61 Points
haben. Die Pointzahl, welche er darüber hat, wird ihm bei
Frage zum vierten Teil, bei schlechtem Solo zur Hälfte und bei
Coeursolo voll ausbezahlt. Ein angesagter Tout kostet doppelt.
Tappert, mantelartiges, bis auf die Füße
reichendes Überkleid mit und ohne Kapuze, welches vom Anfang
des 14. bis zum Anfang des 16. Jahrh. in Frankreich, England,
Deutschland und den Niederlanden getragen wurde.
Tappert, Wilhelm, Komponist und Musikschriftsteller, geb.
19. Febr. 1830 zu Ober-Thomaswaldau bei Bunzlau in Schlesien,
erhielt seine Ausbildung von 1848 bis 1850 am Schullehrerseminar zu
Bunzlau sowie von 1856 bis 1858, nachdem er mehrere Jahre als
Schullehrer gewirkt, in Berlin durch Kullak und Dehn. Später
war er wieder mehrere Jahre in Groß-Glogau als Lehrer
thätig, bis er 1866 in Berlin seinen bleibenden Wohnsitz nahm.
Hier hat er als Kritiker, namentlich als Verteidiger der
neudeutschen Schule, Hervorragendes geleistet, redigierte auch von
1878 bis 1881 die "Allgemeine Deutsche Musikzeitung". Außer
zahlreichen Beiträgen für diese sowie für andre
Blätter veröffentlichte er: "Musik und musikalische
Erziehung" (Berl. 1867), "Musikalische Studien" (das. 1868), "Das
Verbot der Quintenparallelen" (Leipz. 1869), "Wagner-Lexikon.
Wörterbuch der Unhöflichkeit, enthaltend grobe,
höhnende, gehässige und verleumderische Ausdrücke,
welche gegen den Meister Richard Wagner etc. gebraucht worden sind"
sowie einen Band "Gedichte" (Berl. 1878) und gab auch Bearbeitungen
altdeutscher Gedichte mit Klavierbegleitung heraus.
Taprobane, alter Name der Insel Ceylon.
Tapti, Fluß in Britisch-Indien, entspringt in den
Zentralprovinzen und mündet nach einem Laufe von 720 km
unterhalb Surate in den Golf von Cambay.
Tapu, s. Tabu.
Tapu (türk.), Besitztitel für Immobilien und
die mit denselben verbundene Steuer.
Taquary (Tacoary), Fluß in der brasil. Provinz Mato
Grosso, entspringt an der Grenze der Provinz Goyaz, hat viele
Krümmungen, bildet mehrere Wasserfälle und mündet
links in den Paraguay.
Taquary, deutsche Kolonie in der brasil. Provinz Rio
Grande do Sul, am schiffbaren Fluß gleiches Namens, 80 km von
Porto Alegre, hat Ausfuhr von Holz und landwirtschaftlichen
Produkten.
Tara (ital., ursprünglich arab., Abzug), das Gewicht
der Umhüllung (Kiste, Faß etc.) verpackter Waren. Der
Unterschied zwischen Gesamtgewicht und T. ist das reine oder
Nettogewicht der Ware. Reine oder Nettotara ist die durch besondere
Wägung eines jeden Stücks ermittelte und in Abzug
gebrachte T.; usanzmäßige, usuelle T. (Uso- oder
Usanztara) ist die durch Herkommen bestimmte T., insbesondere bei
den über See bezogenen Kolonialwaren, für welche das
Bruttogewicht berechnet und als Gewichtsvergütung für die
T. ein durch bestimmtes Prozent (daher auch Prozenttara) als Abzug
an der Kaufsumme verstattet wird. Hierher gehört auch die
gesetzliche T. des Zollwesens, welches, um das Tarieren und die oft
unthunliche Abnahme der Umhüllung zu ersparen, feststehende,
nach Art der Gegenstände und der Verpackungsweise bestimmte
Tarasätze (Zolltara) vom Bruttogewicht der zollpflichtigen
Ware in Abzug bringen läßt. Supertara oder Sopratara ist
die an manchen Orten neben der gewöhnlichen T. vorkommende
besondere Vergütung auf das Gewicht. Reduzierte T., die T.,
welche aus der am Orte der Verpackung festgesetzten Originaltara
nach einem usanzmäßigen Verhältnis in das Gewicht
des Bestimmungsortes umgerechnet wurde. Tarieren heißt das
Abwägen der Warenumhüllung zum Behuf der
Taraermittelung.
Tara, Hügel inmitten der irischen Grafschaft Meath,
10 km südsüdöstlich von Navan. Auf ihm stand der
Palast (Teaghmor) der alten Könige von Irland, und hier
versammelte sich 554 das letzte Parlament unter König Diarmid.
O'Connell hielt hier 1843 eine große Volksversammlung ab.
Tara, Kreisstadt im asiatisch-russ. Gouvernement Tobolsk,
an der Mündung der Tara in den Irtisch, mit (1885) 8654 Einw.,
welche Handel mit Talg, Hauten, Pelzwerk, Getreide und Butter
treiben.
Tarabulus (Tripolis), Stadt im asiatisch-türk.
Wilajet Schâm (Syrien), am Libanon, unweit des Mittelmeers,
hat ein altes Kastell, gegen 20 Moscheen, 18 Kirchen und 7
Klöster, starke Getreideausfuhr, Seiden- und
Baumwollmanufakturen, Schwammfischerei, Handel mit Seide, Seife,
Tabak, Orangen etc., welche die fruchtbare Umgebung liefert, und
17,000 Einw. Schiffsverkehr 1886: 310 Dampfer von 328,686 Ton. und
929 Segelschiffe von 275,747 T. Die Stadt ist Sitz eines deutschen
Konsuls. - T. ist das alte Tripolis, eine phönikische
Bundesstadt. Von den Kreuzfahrern wurde es 1109 erst nach
fünfjähriger Belagerung erobert und war dann 180 Jahre
lang
519
Taracanae pulvis - Taraschtscha.
Sitz einer fränkischen Grafschaft, bis es 1289 vom Sultan
Kilawun erstürmt ward.
Taracanae pulvis, s. v. w. Antihydropin (s. d.).
Tarafa, berühmter arab. Dichter, kurz vor Mohammed,
Neffe des Amrilkais (s. d.), im jugendlichen Alter umgekommen
(worüber eine hübsche Sage in Rückerts
"Morgenländischen Sagen und Geschichten", Stuttg. 1837). Seine
"Moallaka" ist einzeln herausgegeben von Reiske (Leid. 1742) und
Vullers (Bonn 1829), seine sämtlichen Gedichte in Ahlwardts
Ausgabe der sechs alten Dichter (Lond. 1870).
Tarai, s. Himalaja, S. 541.
Tarancon, Bezirksstadt in der span. Provinz Cuenca, am
Rianzares und der Eisenbahn Aranjuez-Cuenca, mit prächtigem
Sck)loß des Herzogs von Rianzares, lebhaftem Handel und
(1878) 4588 Einw.
Tarandus, Renntier.
Taranis, der Donnergott der alten Gallier; Menschenopfer
wurden ihm dargebracht, und Eichen waren sein Idol, weshalb noch
das spätere Mittelalter in Gallien Eichenklötze
verehrte.
Tarantás (russ.), bedeckter Wagen auf langen
Tragbäumen, das gewöhnliche Gefährt bei Relsen auf
russischen Landstraßen.
Tarantel (Tarantula Walck.), Spinnengattung aus der
Ordnung der Webspinnen und der Familie der Zweilungigen
(Dipneumones), Wolfsspinnen, deren vordere Kopffläche steil
abfällt und verhältnismäßig hoch oben auf
einer Querschwiele die vier vordersten, unter sich fast gleichen,
kleinen Augen trägt; je zwei große Augen stehen in den
beiden hintern Reihen, eine mehrzähnige, stark entwickelte
Klaue bewehrt die weiblichen Taster, und von den vier langen
Beinpaaren ist das dritte das kürzeste. Sie spinnen keine
Fangnetze, sondern erjagen ihre Beute im Lauf, jagen aber meist nur
nachts. Die schwarzbäuchige T. (T. melanogastra Walck.),
über 2 cm lang, oberseits gelbbraun, dunkel gezeichnet,
unterseits schwarz, an den Beinen unregelmäßig schwarz
und weiß gefleckt, lebt in Südfrankreich, in der
Türkei und in den pontischen Steppen in steinigen, unbebauten
Gegenden. Die apulischeT. (T. Apuliae Walck., s. Tafel
"Spinnentiere"), 3,5 cm lang, rehfarben, auf dem Hinterleib mit
schwarzen, rötlichweiß eingefaßten Querstrichen,
am Bauch mit schwarzer Mittelbinde, auf dem Vorderleib schwarz,
rötlich gezeichnet, lebt in Spanien und Süditalien, baut
einen etwa 30 cm langen Gang in die Erde, tapeziert diesen mit
Gespinst und überwintert darin, nachdem sie ihn mit
versponnenen Blättern etc. verschlossen hat. Im Sommer jagt
sie auf Heuschrecken und andre Insekten. Den weißen Eiersack,
welcher 600-700 Eier enthält, schleppt sie mit sich herum; die
im Hochsommer ausgeschlüpften Jungen bleiben in der Nähe
der Mutter, bis sie selbständiger geworden sind. Der Biß
der T. hat besonders im Süden und in der heißesten
Jahreszeit üble Folgen, er erzeugt Schmerz, Entzündung,
Ermattung, Unbehagen, Zuckungen, große Reizbarkeit,
Melancholie, Tobsucht. Gewisse Farben und musikalische Dissonanzen
sollen den Zustand verschlimmern, der in der kalten Jahreszeit sich
bessert, aber zuweilen regelmäßig wiederkehrt. Man heilt
die Kranken durch Querschnitte über die Wunde und Einreiben
mit Ammoniak, auch durch Behandeln der Wunde mit Öl oder
Branntwein; in Italien und Spanien aber scheinen mit dem Zustand
eigentümliche Idiosynkrasien verbunden zu sein, und das Volk
heilt sich durch einen wilden Tanz ( "Tarantella"), welcher nach
bestimmten Melodien getanzt wird und heftigen Schweiß
hervorruft; dieser, noch mehr der feste Glaube bringt den
Gebissenen (Tarantati) Genesung. Wahrscheinlich steht dieser
Volksglaube. mit der mittelalterlichen Tanzseuche (Tarantismus),
welche in Apulien und andern Teilen Italiens herrschte, in
Zusammenhang. Vgl. Bergsöe, Über die italienische T. und
den Tarantismus (Kopenh. 1865, dänisch). Tarantella, ein
neapolitanischer, aber wahrscheinlich ursprünglich
tarentinischerTanz, wenn man nicht annehmen will, daß er
seinen Namen von der Wolfsspinne, der Tarantel (s. d.), erhielt.
Die von ältern Schriftstellern mitgeteilten Proben von
Heiltänzen für den Tarantelbiß haben wenig
Ähnlichkeit mit der modernen T. Letztere hat eine
äußerst geschwinde Bewegung (Presto) und steht im 3/8-
oder 6/8-Takt. Wie alle andern Tänze ist auch die T. von der
Kunstmusik aufgegriffen und eine Lieblingsform brillanter
Solostücke (für Klavier, Violine, Cello etc.)
geworden.
Taranto, Stadt, s. Tarent.