Tamise (vläm. Temsche), Marktflecken in der belg.
Provinz Ostflandern, Arrondissement St.-Nicolas, an der Schelde und
der Bahn Mecheln-Terneuzen, mit Flachs- und Baumwollspinnerei,
Segeltuch- u. Holzschuhfabrikation, Brauereien, Salzsiederei,
Schiffbau und (1888) 10,701 Einw.
Tammany-Ring, ein nach seinem Versammlungsort, der
Tammany Hall, benannter Klub in New York, 1789 als ein geheimer
Orden (Columbian Order) gestiftet und ursprünglich
konservativ, später demokratisch. Derselbe bemächtigte
sich mit Hilfe der zahlreich zugewanderten Irländer in den
60er Iahren der einflußreichsten Stellen, namentlich der
Finanzämter, in der Stadtverwaltung. Seine Häupter,
Tweed, Sweeney u. a., beuteten die Ämter, in deren Besitz sie
kamen, zu ihrer Bereicherung aufs frechste und schamloseste aus,
wußten durch Bestechung und Terrorismus alle Wähler nach
ihrem Sinn zu lenken und auch in der Verwaltung und Gesetzgebung
des Staats New York einen höchst verderblichen Einfluß
zu gewinnen. Die Stadt New York belasteten sie mit einer Schuld von
vielen Millionen, ohne da-
506
Tammerfors - Tana.
für etwas zu leisten. Endlich 1871 gelang es der zur
Einsicht gekommenen Bürgerschaft, die Herrschast des
Tammany-Rings durch unabhängige Wahlen zu brechen und die
Häupter dem Strafgericht zu überliefern. Trotzdem
behauptete sich die Tammany Society als demokratischer Verein und
gelangte auch allmählich wieder zu Einfluß, so daß
1889 ihrem Vorsitzenden die einträglichste Stelle der Stadt
New York übertragen wurde.
Tammerfors (finn. Tampere), die bedeutendste Fabrikstadt
Finnlands, im Gouvernement Abo-Björneborg, am Tampereenkoski,
einer Stromschnelle, welche die Seen Näsijärvi und
Pyhäjärvi verbindet, und an der Eisenbahn Tawastehus-T.,
hat Baumwoll- und Leinenspinnereien, Papier- und Wollwarenfabriken,
eine mechanische Werkstatt etc. und (1886) 16,744 Einw. T. ist Sitz
eines deutschen Konsulats. Angelegt wurde die Stadt 1779 von Gustav
III.
Tammus (hebr.), im jüd. Kalender der zehnte
29tägige Monat des bürgerlichen, der 4. des Festjahrs,
welcher von einer gleichnamigen syrisch-phönikischen Gottheit
(Hesek. 8, 14) den Namen erhielt. Der 17. ist ein jüdischer
Fasttag zur Erinnerung an das erste Eindringen der Chaldäer in
Jerusalem. Der Tod des erwähnten Gottes wurde mit lauter
Klage, seine Auferstehung mit Freudengeschrei begangen,
entsprechend dem Dumuzi der Chaldäer, Adonis der Griechen und
Osiris der Ägypter. Vgl. Sonnenkultus.
Tampa, Hafenort im nordamerikan. Staat Florida, an
herrlicher, fisch- und schildkrötenreicher Bai am Golf von
Mexiko, mit (1880) 720 Einw.
Tampicin, s. Ipomaea.
Tampico, Hafenstadt im mexikan. Staate Tamaulipas,
oberhalb der Mündung des Rio de T., der aus der Vereinigung
der Flüsse Panuco und Rio de Tula entsteht und über eine
Barre (3 m Wafser) ins Meer mündet, hat ein Theater, Kasino, 2
Hospitäler und (1880) 5000 Einw. Die Stadt wird zwar auch vom
gelben Fieber heimgesucht, ist aber immerhin gesünder als
Veracruz. Ihr Handel ist bedeutend und wird sich nach Vollendung
der im Bau begriffenen Eisenbahn nach San Luis Potosi sowie des
Kunsthafens noch heben. Zur Ausfuhr (1886: 955,400 Pesos) gelangen:
Edelmetalle, Häute, Sassaparille, Jalappe, Tabak, Vanille,
Wolle und Farbholz. T. ist Sitz eines deutschen Konsuls und wurde
erst 1824 gegründet; November 1862 bis August 1866 war es von
den Franzosen besetzt. T. gegenüber, im Staat Veracruz, liegt
der Pueblo viejo de T., jetzt unbedeutender Ort mit Fischerei und
Salinen.
Tamping, in Singapur Sack von 12 engl. Pfund.
Tampon (franz., spr. tangpóng), Pfropfen; in der
Chirurgie Scharpieballen, Gazepfropfen. Daher Tamponade, die
Ausfüllung einer Körperhöhle oder Wunde mit
Wattepfropfen, namentlich zur Blutstillung angewandt, wenn
Unterbindung unmöglich ist. Vgl. Kolpeurynter.
Tamsel, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt
a. O., Kreis Landsberg, an der Linie Berlin-Schneidemühl der
Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche (mit
Grabstätte des Feldmarschalls Hans Adam v. Schöning), ein
Schloß und (1885) 797 Einw.; bekannt durch die öftere
Anwesenheit Friedrichs d. Gr. während seines Aufenthalts in
Küstrin.
Tamsui, chines. Traktatshafen auf der Insel Formosa, am
Nordende desselben, mit 95,000 Einw. In den für
größere Schiffe ungeeigneten und den Teifunen
ausgesetzten Hafen und den des benachbarten Kelung liefen 1886 ein
und aus 273 Schiffe von 118,657 Ton., darunter 78 deutsche von
31,931 T. Die Einfuhr wertete 1887: 1,298,613, die Ausfuhr 44,260
Haikuan Taels. T. ist Sitz eines englischen Konsuls, welcher auch
die deutschen Interessen vertritt. Die Stadt wurde 1. Okt. 1884 von
vier französischen Kriegsschiffen beschossen und die
chinesischen Batterien zum Schweigen gebracht, als aber 8. Okt. die
Franzosen landeten, wurden sie zurückgetrieben.
Tamtam (Gong), ein Schlaginstrument der Chinesen, Inder
etc., bestehend aus einer zum Teil aus edlen Metallen gefertigten
(gehämmerten) Metallscheibe, deren mittelster Teil stark
konkav ist; der breite Rand hat einen ziemlich großen runden
Ausschnitt. Der Ton des Tamtams dröhnt und hallt ungemein
lange nach, seine Wirkung ist sowohl im forte als im piano eine
erschreckende, beängstigende. Das T. wird im neuern
Öpernorchester angewendet, doch ist dasselbe wegen der hohen
Anschaffungskosten (gute Tamtams werden aus China bezogen) ziemlich
selten.
Tamulen, das gebildetste und unternehmendste Volk der
Drawidarasse in Vorderindien, wohnt im sogen. Karnatik, vom Kap
Comorin bis über die Polhöhe von Madras und vom Kamm der
Westghats bis zum Bengalischen Golf. Außerdem gehört zu
den T. auch die Arbeiterbevölkerung des nördlichen und
nordwestlichen Ceylon sowie die Mehrzahl der sogen. Kling (s. d.).
Die Sprache der T. (Tamil oder Tamulisch genannt) wird von 14,8
Mill. Menschen gesprochen; sie besitzt ein eignes, aber mit dem
Sanskritalphabet verwandtes Alphabet, dazu eine ziemlich
reichhaltige, alte Litteratur und ist ohne Zweifel die
interessanteste Sprache vom Drawidastamm. Die Litteratur der T.
reicht mit ihren ältesten erhaltenen Denkmälern bis etwa
ins Jahr 1000 unsrer Zeitrechnung zurück und enthält
neben zahlreichen Übersetzungen aus den Sprachen des
nördlichen Indien auch ausgezeichnete eigne Werke. Als
berühmtestes derselben ist der "Kural" (Kurzzeiler) von
Tiruvalluver zu nennen, ein in vier- oder dreifüßigen
Strophen abgefaßtes gnomonisches Gedicht, mit Sprüchen
über die sittlichen Ziele des Menschen, voll zarter und wahrer
Gedanken, aber krankend an dem Wahn der Wiedergeburt, von dem auf
buddhistischem Weg eine Erlösung erstrebt werden soll. Eine
vollständige Textausgabe des Gedichts mit lateinischer
Übersetzung findet sich in Grauls "Bibliotheca tamulica"
(Leipz. 1854-65, 4 Bde.), die noch andre tamulische Texte mit
lateinischer oder englischer Übersetzung, Glossare und im 2.
Band auch eine Grammatik enthält. Eine Grammatik lieferte noch
J. Lazarus (Lond. 1879). Tamil-englische Lexika lieferten Rottler
(Madras 1834-41) und Winslow (das. 1862), eine Geschichte der
tamulischen Schrift etc. Burnell (in "Elements of South-Indian
palaeography", 2. Aufl., Lond. 1878). Vgl. auch Graul, Reise nach
Ostindien (Leipz. 1854-56, 5 Bde.).
Tamworth, Stadt in Staffordshire (England), am
Zusammenfluß von Tame und Anker, hat eine normännische
Kirche, ein altes Schloß, Baumwollspinnerei etc. und (1881)
4891 Einw. T. ist der Geburtsort Sir Robert Peels, dem hier 1852
eine Bronzestatue errichtet wurde.
Tan, in China s. v. w. Pikul oder Tang.
Tana, 1) (Tanaelv) Fluß in Norwegen, entsteht aus
dem Znsammenfluß des Anarjokka (Enaraelv) und des Karasjokka,
bildet im obern Lauf die Grenze zwischen dem russischen Finnland
und dem norwegischen Amt Finnmarken, fließt in
nordöstlicher Richtung und mündet nach einem Laufe von
280 km in den Tanafjord des Nördlichen Eismeers. - 2) (auch
Dana oder Manga) Fluß in Ostafrika, ent-
507
Tana - Tangaren.
springt am Schneeberg Kenia und mündet unter 2°47'
südl. Br. in die Ungama- oder Formosabai, ein
nördlicherer Mündungsarm, der Osi, bildet die
Südgrenze von Witu. In der Regenzeit kann der T. 180 km
aufwärts befahren werden. Er bildet einen sehr guten
Kommunikationsweg nach dem Innern Ostafrikas und die Nordostgrenze
der britischen Interessensphäre gegen das Somaliland.
Tana, im Mittelalter Name von Asow (s. d.).
Tanab, Flächenmaß in Turkistan, = 3600
Quadratschritt.
Tanacetum L., Gattung aus der Familie der Kompositen, der
Gattung Chrysanthemum sehr nahe stehend und auch mit dieser
vereinigt. T. vulgare L. (Rainfarn), ausdauernd, bis 1,25 m hoch,
mit siederteiligen Blättern, länglich-lanzettlichen,
eingeschnittenen Abschnitten, doldenrispig gehäuften, kleinen,
gelben Blütenköpfchen, nicht strahlenden Randblüten
und mit Harzdrüsen besetzten Achenen mit kurzem Kelchsaum.
Wächst an Wegen und Rainen in Europa. Alle Teile, besonders
die Blüten, riechen beim Zerreiben stark aromatisch,
kampferartig, schmecken gewürzig bitter und enthalten ein
gelbes ätherisches Öl, welches als Wurmmittel verwendbar
ist.
Tanagra, im Altertum Stadt in Böotien, am Asopos
(jetzt Vuriendi), am Einfluß des Baches Thermodon (Laris), wo
man noch den Lauf der Ringmauern erkennt. Jetzt Gremada. Hier 457
v. Chr. Sieg der Spartaner über die Athener, welch letztere
indessen 456 T. eroberten. Noch im 6. Jahrh. n. Chr. blühte
T., dessen Gebiet in neuester Zeit durch die in der Nekropole auf
dem Kokkalihügel gefundenen herrlichen Thonstatuetten von
neuem berühmt geworden ist (s. Terrakotten).
Tanaïs, antiker Name des Don.
Tanak (Tinak), Badeort im russ. Gouvernement Astrachan, 6
km von der Wolga entfernt, mit stark salzhaltigen
Schlammbädern, die bei Rheumatismen und Flechten
vorzügliche Wirkung äußern.
Tánaquil, Gattin des Tarquinius Priscus (s.
d.).
Tanaro, Fluß in Oberitalien, entsteht in den
Seealpen, durchfließt in nördlicher und
nordöstlicher Richtung die Provinzen Cuneo und Alessandria,
wird bei Alessandria für größere Fahrzeuge
schiffbar und mündet nach einem Laufe von 205 km unterhalb
Bassignana rechts in den Po.
Tänaron, Vorgebirge, s. Matapan.
Tanasee (Tsana-, Dembeasee), See im Hochland Abessiniens,
südlich von Gondar, 1755 m ü. M., ist 67 km lang, 15-52
km breit, nach Stecker 2980 qkm (54 QM.) groß. Letzterer
maß 72 m als größte Tiefe in inselfreiem Raum,
Hericourt aber 197 m bei der Insel Meteraha. Mehr als 30
Flüsse ergießen sich in den von malerischen Bergen und
fruchtbaren Hochebenen umgebenen See; der Abai (der Blaue Nil)
fließt in einem bogenförmigen Lauf durch ihn hindurch.
Aus dem klaren Wasser erheben sich viele meist bewohnte
Basaltinseln, deren größte Deg heißt. Der See ist
reich an Fischen und Nilpferden; Krokodile dagegen fehlen. An
seinem östlichen Ufer liegt die Handelsstadt Korata.
Tanbur, Musikinstrument, s. Tambur.
Tandem, Fabrikname eines zweisitzigen Velocipeds.
Tandil, Stadt in der Argentinischen Republik, Provinz
Buenos Ayres, 260 km südsüdwestlich von der Hauptstadt,
bei der Sierra de T. (450 m), hat ein Krankenhaus, 2
Dampfmühlen, eine Seifensiederei und (1882) 3600 Einw.
Tandschor (Tanjore), Hauptstadt des gleichnamigen
Distrikts in der britisch-ind. Präsidentschaft Madras, liegt
am Hauptarm der Kaweri und an der Südbahn, ist ein Sitz
altindischer Gelehrsamkeit, hat großartige Hindubauten, eine
katholische und evang. Mission, lebhafte Industrie und (1881)
54,745 Einw.
Tandur, in der Türkei eine Art Wärmapparat,
welcher mittels einer über einem kupfernen Kohlenbecken
ausgebreiteten Decke hergestellt wird und bei den Frauen in der
Türkei sehr beliebt ist (s. Mangal).
Tanesruft (Hamada), mit scharfkantigen Steinen
übersäete Hochebenen der Sahara (s. d., S. 176).
Tanet-Sande und -Thone, s. Tertiärformation.
Tanfana (Tamfana), Göttin der Marser, hatte einen
Tempel zwischen der Ems und Lippe, den Germanicus 14 n. Chr.
zerstörte. Nach andern führten der Hain und das Heiligtum
selbst diesen Namen.
Tang (Tan), japan. Flächenmaß, = 10 Seh - 300
Tsjubo = 995,73 qm.
Tang, die Meeresalgen, welche die Familien der Fukaceen
und Florideen ausmachen, die hauptsächliche Vegetation des
Meers bilden und durch ihre eigentümlichen, sehr
mannigfaltigen Formen und oft ansehnlichen Dimensionen sich
auszeichnen. Die meisten sind festgewachsen auf dem felsigen
Meeresgrund, an Klippen, Steinen, Schalen von Konchylien etc. und
dienen selbst wieder zahllosen Seetieren zum Aufenthalt und zur
Nahrung; viele Arten leben gesellig und bilden submarine
Wälder, andre fluten mit dem beblätterten Teil an der
Meeresoberfläche, wie die gigantische Macrocystis pyrifera (s.
d.) der Südsee. Vgl. Fucus, Sargassum.
Tanganjika (Msaga der Wakawendi, Kimana der Warungu),
großer See im Innern von Ostafrika, zwischen
3°20'-8°40' südl. Br. und 29°10'-32°30'
östl. L. v. Gr., nach Reichard 780 m ü. M. gelegen,
enthält süßes Wasser und erstreckt sich bei einer
durchschnittlichen Breite von 52 km auf 750 km in die Länge.
Seine an Buchten (Cameron- und Horebai im S., Burtongolf im NW.)
reichen Gestade sind rings von bewaldeten Bergen umgeben und dicht
bevölkert; von allen Seiten fallen zahlreiche Gewässer in
denselben, unter denen jedoch nur der von N. her einmündende
Rusisi bedeutender ist. Als Ausfluß des T. nach W., zum
Lualaba-Congo hin, muß der unter 6° südl. Br.
austretende Lukuga betrachtet werden. Der T. wird von Kähnen
der Eingebornen und arabischen Dhaus befahren; die Ufer sind
produktenreich, sein Wasser beherbergt viele Fische,
Flußpferde und Krokodile. Der wichtigste Ort ist Kawele oder
Udschidschi am Ostgestade, mit arabischer Niederlassung und
Missionsstation; andre nennenswerte Orte und Missionsstationen
sind: Karema, Kawala, Mpala, Kahunda, Pambete. Das Westufer des
Sees gehört dem Congostaat, das Ostufer wird der deutschen
Interessensphäre zugerechnet. Entdeckt wurde der T. 1858 von
Burton und Speke; seine nähere Kenntnis verdanken wir
Livingstone, Cameron u. Stanley, welcher ihn 1875 ganz umfuhr,
ferner Hore, Thomson, Reichard. S. Karte bei "Congo". Vgl. Thomson,
Expedition nach den Seen von Zentralafrika, S. 47 ff. (deutsche
Ausg., Jena 1882); Böhm, Von Sansibar zum T. (Leipz.
1887).
Tangaren (Tanagridae Gray), Familie aus der Ordnung der
Sperlingsvögel, schlank gebaute, zum Teil überaus
prachtvolle Vögel mit schlankem, kegelförmigem, auf der
Rückenfirste wenig, an der Spitze etwas herabgebogenem, vor
derselben meist ausgekerbtem Schnabel, mittellangen Flügeln
und Schwanz, ziemlich kräftigen, kurzen Läufen und Zehen,
starker und langer Hinterzehe und gekrümmten Krallen, bewohnen
die Wälder Amerikas von Paraguay bis Ka-
508
Tangelbaum - Tangentometer.
nada, leben meist gesellig, fliegen gut und bewegen sich auf dem
Boden recht gewandt. Einige sollen ansprechend singen, viele aber
lassen nur unangenehme Laute vernehmen. Sie nähren sich
hauptsächlich von Früchten, zeitweilig von Körnern
und fressen sämtlich auch Insekten. Ihr Nest bauen sie auf
Bäumen oder Sträuchern. Die wandernden Arten brüten
nur einmal im Jahr, während die in wärmern Gegenden
lebenden wohl mehrere Bruten erziehen. Wegen der bestechenden
Schönheit der T. werden viele Arten in Käfigen gehalten,
worin sie bei sorgfältiger Pflege auch ziemlich gut gedeihen.
Die Tapiranga (Rhamphocelus brasiliensis L., s. Tafel
"Stubenvögel") besitzt die Größe des Gimpels, ist
glänzend dunkelblutrot, an den Flügeln und dem Schwanz
schwarz, an den Schwingen und Oberflügeldecken verwaschen
braunrot gesäumt; die Iris ist hochrot, der Schnabel
bräunlichschwarz, die Wurzelhälfte des Unterschnabels
perlmutterweiß, der Fuß schwarz. Das Weibchen ist
oberseits schwarzbraun, am Bürzel und auf der Unterseite
schmutzig rostbraun. Die Tapiranga bewohnt Brasilien und ist in den
Gebüschen sowie in den Rohrbrüchern an den
Flußufern sehr gemein.
Tangelbaum, s. v. w. Kiefer.
Tangénte (lat., Berührungslinie), eine
Gerade, welche mit einer krummen Linie oder mit einer Fläche
zwei zusammenfallende Punkte gemein hat. Man erhält sie, wenn
man erst zwei benachbarte Punkte der Linie oder Fläche durch
eine Gerade (eine Sekante) verbindet und dieselbe dann so weit um
den einen der zwei Punkte dreht, bis der zweite mit diesem
zusammenfällt. Beim Kreis und der Kugel steht die T. senkrecht
auf dem Halbmesser, der nach dem Berührungspunkt geht. Legt
man an einen Punkt einer krummen Fläche beliebig viele
Tangenten, so liegen dieselben in einer Ebene (Tangentialebene). -
In der Trigonometrie ist T. der Quotient aus Sinus und Kosinus.
Beim alten Klavichord hießen so die auf den hintern
Tastenenden stehenden Metallzungen, welche die Saiten nicht
anrissen, wie die Federposen des Kielflügels, sondern nur
streiften (tangierten), daher auf eine ähnliche Weise
tonerzeugend wirkten wie der Bogen der Streichinstrumente (s.
Klavier, S. 816).
Tangentenbussole, Vorrichtung zur Messung der Stärke
eines galvanischen Stroms durch die Ablenkung einer Magnetnadel.
Sie besteht (s. Figur) aus einem kreisförmig gebogenen
Kupferstreifen o, dessen geradlinig nach abwärts gebogene
Enden a b und c d unten mit Klemmschrauben zur Aufnahme der von den
Polen der galvanischen Batterie kommenden Drähte versehen
sind. Im Mittelpunkt des kupfernen Ringes schwebt auf einer Spitze
inmitten eines in Grade geteilten Kreises eine Magnetnadel; der
Ring kann in seinem Fußgestell so gedreht werden, daß
seine Ebene mit der Magnetnadel in ihrer Ruhelage (d. h. mit dem
magnetischen Meridian) zusammenfällt. Sobald nun ein
galvanischer Strom durch den Kupferring geht, wird die Nadel aus
ihrer Ruhelage so weit abgelenkt, bis das Drehungsbestreben der
erdmagnetischen Kraft, welche die Nadel in die Ebene des Ringes
zurückführen will, demjenigen des galvanischen Stroms,
welcher sie senkrecht zu dieser Ebene zu stellen strebt, das
Gleichgewicht hält. Da die Wirkung des Erdmagnetismus auf ein
und dieselbe Magnetnadel als unveränderlich angesehen werden
kann, so läßt sich aus den Ablenkungen, welche
verschiedene Ströme hervorbringen, auf die Stärke dieser
Ströme schließen, und zwar ergibt sich aus obiger
Gleichgewichtsbedingung, daß die Stromstärken sich
verhalten wie die "trigonometrischen Tangenten" der
Ablenkungswinkel. Eine T. zeigt, an welcher Stelle eines
Schließungskreises man sie auch einschalten mag, immer die
gleiche Ablenkung und gibt dadurch kund, daß die
Stromstärke in einer geschlossenen Leitung überall gleich
groß ist. Eine T. zur Messung sehr starker elektrischer
Ströme ist von Obach angegeben worden. Wird durch den Ring
einer gewöhnlichen T. ein sehr starker Strom, z. B. derjenige
einer großen dynamoelektrischen Maschine, geleitet, so
erleidet die Magnetnadel eine Ablenkung von nahezu 90°, welche
allerdings durch eine passende Nebenschließung verringert
werden kann. Da aber der Ring der Bussole nur einen geringen
Widerstand haben darf, die anzubringende Nebenschließung
demnach einen noch geringern, der wegen seiner Kleinheit kaum zu
messen ist, so läßt sich mit der gewöhnlichen T.
eine brauchbare Messung großer Stromstärken nicht
erzielen. Obach hat daher für solche Messungen die T. derart
abgeändert, daß der mit einem Kupferband oder mit
Drahtwindungen belegte Ring um eine mit der Ruhelage der
Magnetnadel zusammenfallende horizontale Achse gedreht und der dem
Ring erteilte Neigungswinkel gegen die Vertikale an einem Teilkreis
abgelesen werden kann. Die Nadel selbst wird nicht auf einer Spitze
balanciert, sondern sie ist, um das bei stärkerm Neigen des
Ringes eintretende Kippen der Nadel zu vermeiden, mit einer in zwei
Lagern drehbaren vertikalen Achse versehen. Die auf die Nadel
ausgeübte Richtkraft des Stroms wird durch diese Einrichtung
in dem Verhältnis von l zu dem Sinus des Neigungswinkels
verringert. Man findet demnach die Stärke des Stroms, wenn man
die wie gewöhnlich aus dem Ablenkungswinkel berechnete
verringerte Stromstärke durch den Sinus des Neigungswinkels
dividiert. Macht man den Ring um seine vertikale Achse drehbar und
dreht denselben der abgelenkten Nadel nach, bis dieselbe wieder auf
dem Nullpunkt der Teilung einsteht, so ist die Stromstärke dem
Sinus des Winkels, um welchen die Nadel abgelenkt ist,
proportional. Dieser Winkel wird an einem horizontalen, mit dem
Stativ fest verbundenen Teilkreis abgelesen. Ein so eingerichtetes
Instrument heißt Sinusbussole.
Tangentialbewegung, s. Zentralbewegung.
Tangentialräder (Partialturbinen), s. Wasserrad.
Tangentometer, von Prüsker in Wien angegebenes
Instrument zum Höhenmessen und Nivellieren, besteht aus
Stativ, worauf mittels Nuß mit Stellschrauben ein um eine
Achse am Okularende auf- und abstellbares Fernrohr ruht,
ähnlich dem Nivellierfernrohr, eher noch wie bei der Kippregel
(s. d.).
509
Tanger - Tanguten.
Die Horizontalstellung des Fernrohrs ist sehr sorgfältig
konstruiert und beruht auf der Horizontalkorrektur einer
Stützplatte als der Grundlage für die Messungen, auf
welcher die Ständer für das Fernrohr befestigt sind, und
auf der darauf selbständig zu bewirkenden Horizontalstellung
des Fernrohrs selbst, also mittels zweier Libellen. Auf der
Stützplatte ist am Objektivende des Fernrohrs ein Lineal
(gerade, nicht Kreisbogen) senkrecht befestigt, an welchem bei
Hebungen das Objektivende auf- und niedergeht und zwar mit einem
entsprechend sich schiebenden Index und Nonius. Bei 0 des Index auf
0 des Lineals und im übrigen einspielenden Libellen ist die
Fernrohrachse horizontal und das Instrument unmittelbar zum
gewöhnlichen Nivellieren mit der Latte zu benutzen. Erhebt
oder senkt man das Fernrohrende, so wird an dem geraden Lineal nun
nicht der Höhen- oder Tiefenwinkel angegeben, wie man ihn zu
Höhenmessungen braucht (mit Theodolit oder Kippregel), sondern
man liest direkt dessen Tangente ab, kann also bei bekannter
Horizontalentfernung des Instruments vom Objekt sofort den
Höhenunterschied ermitteln. Vgl. Prüsker, Der T. (Wien
1879).