Vorrichtung zum Anbringen und Handhaben der Segel auf einem Schiff:
die Masten, Raaen, Segel und das Tauwerk mit seinen
zugehörigen Blöcken (Rollen, Kloben). Von den Masten
heißt der vordere der Fock-, der mittlere der Groß- und
der hintere der Besahnmast, und alle Rundhölzer, Spieren,
Segel und Taue, die an einem Mast geführt werden, werden mit
den entsprechenden Beiwörtern gekennzeichnet. Bei den
Takelungen mit zwei Masten fehlt bei der Brigg der Besahnmast, beim
Schoner der Fockmast. Der Mast besteht nur bei kleinen Fahrzeugen
seiner Länge nach aus einem Stück, auf Schiffen
gewöhnlich aus drei Stücken. Von diesen ist das
wichtigste der Untermast (Fig 1 I), welcher, mit seinem Fuß
auf dem Kielschwein (s. Schiff, S. 455) stehend, durch alle Decke
geht und mit 1/2-2/3 seiner Länge über das Oberdeck
emporragt. Der hölzerne Untermast besteht aus dem innern Teil
(Herz), welcher, wenn in der erforderlichen Länge vorhanden,
aus Einem Stück gemacht wird, und den um dieses gruppierten
Schalen, die zum Schutz und zur Verstärkung dienen und durch
viele eiserne Ringe unter sich und mit dem Herzen zu einem Ganzen
verbunden sind. Die Masten stehen nicht senkrecht zur Wasserlinie,
sondern nach hinten geneigt, die vordern weniger, die hintern mehr.
Durch Änderung der Neigung der Masten ist man im stande, die
Lage des Segelschwerpunktes, d. h. des Druckmittelpunktes des
Windes auf die Segel, zu modifizieren und dadurch die
Segeleigenschaften des Schiffs zu verbessern. Unter dem obern Ende
des Untermastes (Topp, II) ist derselbe durch zwei Kniee (III)
verstärkt, auf denen die Längs- und Quersalingen (IV und
V) ruhen. Auf letztern endlich ist der Mars (s. d., VI) verbolzt.
Gestützt wird der Untermast nach vorn durch ein Stag (a) und
nach hinten und den Seiten durch die Wanten (b b), starke Taue,
welche mit einem Auge über den Topp des Mastes gestreift, mit
dem andern Ende am Deck, resp in den Rüsten an der Schiffseite
befestigt werden. Die Wanten werden nebenbei benutzt, um
aufzuentern, d. h. in die T. zu klettern; sie sind dazu mit
Querleinen, den sogen. Webeleinen, ausgewebt. Wanten sind
allerdings, heißen darum aber keineswegs "Strickleitern". Die
nächste und Hauptverlängerung des Mastes ist die
Marsstenge (VII), welche mit ihrem Fuß mittels eines
Schloßholzes (Riegels) auf den Längssalingen steht und
weiter oben durch das Eselshaupt (VIII) an dem Untermast
festgehalten wird; sie hat ebenfalls einen Topp (IX), Stagen (a'
a') und Wanten (b' b'), außerdem Stütztaue nach hinten
(Pardunen, c' c'). An ihrem Topp ist in derselben Weise (nur ein
Mars fehlt) die zweite Verlängerung, die Bramstenge (X), durch
ein Eselshaupt (XI) befestigt und durch Stagen (a'' a'''), Wanten
(b'' b'') und Pardunen (c'' c'') gestützt. Ähnlich wie
ein Mast, besteht auch das vorn am Bug befindliche, schräg
liegende Bugspriet aus dem eigentlichen Bugspriet und seinen
Verlängerungen, dem Klüver- und
Außenklüverbaum, welche durch Bug-, Back- und
Wasserstagen nach den Seiten und unten gestützt werden. Das
bisher erwähnte Tauwerk heißt stehendes Gut zum
Unterschied vom laufenden (s. d. und unten), welches seinen Namen
daher hat, daß es über allerlei Rollen und durch
Blöcke läuft, ehe es zur bequemen Handhabung auf dem
Oberdeck bereit ist. Zum stehenden Gut benutzt man häufig
Drahttauwerk, welches dauerhafter und widerstandsfähiger ist.
An den Befestigungsstellen des stehenden Gutes auf dem Oberdeck und
anderwärts sind stets Vorrichtungen vorhanden, um die Spannung
in dem betreffenden Tau zu regulieren, resp. dasselbe
nachzuspannen. Es sind dies meist sogen. Taljereeps, d. h.
flaschenzugartige Apparate ohne Rollen, in neuerer Zeit auch
Spannschrauben. Gegen Witterungseinflüsse wird das stehende
Gut bekleidet und stark geteert, daher es schon
äußerlich an seiner schwarzen Farbe zu erkennen ist. Das
laufende Gut ist braun, wenn aus europäischem Hanf, oder fast
weiß, wenn aus Manilahanf gefertigt. An dem Untermast, dicht
unter dem Topp, hängt die Unterraa (1). Sie wird, wie jede
andre Raa, nach oben durch Toppnanten (d) an ihren Nocken
gestützt und mit Brassen (e) versehen, welch letztere sie in
einer Horizontalebene drehen (anbrassen) können. An den
Unterraaen sind die Untersegel (A A) befestigt, welche nach unten,
also bis zum Oberdeck, gesetzt (ausge-
495a
Takelung der Seeschiffe.
I Untermast.
II Topp.
III Kniee.
IV Längssalingen.
V Quersalingen.
VI Mars.
VII Marsstenge.
VIII Eselshaupt.
IX Topp der Marsstenge.
X Bramstenge.
XI Eselshaupt der Bramstenge.
XII Leesegelspieren.
XIII Gaffel.
A Untersegel.
B Marssegel.
C Bramsegel.
D Oberbramsegel.
E Stagsegel.
F Gaffelsegel.
G Leesegel.
J Jungfern.
P Püttinj
a Stag.
a' Stenge
a'' Bramstengestag.
a'" Oberbramstengestag.
b Wanten,
b'b" Stengewanten.
c' Pardunen.
c"c,"' Bramstenge- }
Oberbramstenge- } Parduncn.
f ^Pferde^,
g Reefleinen.
1 Unterraa.
2 Marsraa.
3 Bramraa
4 Oberbramraa.
Fig. 9. Yawl.
496
Takeu - Takowo-Orden.
spannt) werden. An der Marsstenge, dicht über dem
Eselshaupt (VIII), befindet sich die Marsraa (2), aber zum
Heißen (Aufziehen) mittels des Marsdrehreeps eingerichtet; an
ihr ist das Marssegel (B B) befestigt, dessen Schoothörner
(untere Zipfel) durch Taue, welche Schooten heißen, nach den
Enden oder Nocken der Unterraa hin ausgeholt werden; es wird
zuletzt die ganze Marsraa geheißt und dadurch das Segel
gespannt. Wie die Marssegel, sind die Bram- und Oberbramsegel (C
und D) an den Bram- und Oberbramraaen (3 und 4) eingerichtet. Die
Taljen, resp. Taue, mit denen die Raaen geheißt werden,
heißen Fallen. Sollen die Segel geborgen (eingezogen) werden,
so werden sie mittels der Geitaue und Gordings
zusammengeschnürt, dann gehen Matrosen auf die Raaen, um, in
den Paarden (Pferden, f) stehend, das Segel aufzurollen und
vollends festzubinden. Mars und Untersegel können auch
verkleinert oder gerefft werden und sind dazu mit Reffleinen (g g)
versehen, welche, im Segel befestigt, von demselben mehrere,
gewöhnlich vier, Streifen (jeder = ein Reff) abteilen. Beim
Reffen läßt man die Raa etwas herunter, dann ziehen
Matrosen, welche auf der Raa verteilt sind, das Segel in die
Höhe und befestigen die Reffleine auf der Raa. Etwas
abweichend sind die Schratsegel eingerichtet. Die Normalstellung
der bisher besprochenen Raasegel ist senkrecht zur
Längsrichtung des Schiffs. die der Schratsegel liegt in
derselben. Sie sind entweder Stagsegel (E E) oder Gaffelsegel (F
F). Erstere sind dreieckig: an der obern Ecke, der Piek oder dem
Fallhorn, ist das Fall (s. oben) befestigt; die untere, der Hals,
sitzt fest an irgend einem Mastteil; die hintere, das Schoothorn,
wird durch die Schoot gespannt. Zu den Stagsegeln gehört der
Klüver. Gaffelsegel s. unten. Bei leichtem und günstigem
Wind wird die Segelfläche durch die Leesegel (G G)
vergrößert, dazu die Raaen durch Leesegelspieren (XII)
verlängert, zwischen denen erstere ausgespannt werden. Man
unterscheidet Unter-, Ober- und Bramleesegel, welche resp. die
Unter-, Mars- und Bramsegel seitlich vergrößern.
Auf kleinern Schiffen ist die Schoner- oder Gaffeltakelung
zweckmäßiger als die bisher besprochene Raatakelung,
weil sie leichter zu bedienen ist, und weil mit derselben besser
bei dem Wind (s. Segelmanöver) gesegelt werden kann. Jeder
Mast hat hier nur ein trapezförmiges Hauptsegel, das an einer
Gaffel (XIII) und am Mast selbst befestigt ist und, wie die
Stagsegel, mit einer Schoot gesetzt wird. Über diesem kann ein
zweites, das Gaffeltoppsegel, zwischen den Enden der Gaffel und des
Mastes, der nur eine Stenge hat, angebracht werden (Fig. 7). Am
Bugspriet kommt auch bei dieser T. noch eine Anzahl Stagsegel
hinzu. Neuere und große Schiffe haben nicht selten eiserne
Masten, welche von demselben Durchmesser wie hölzerne, aber
hohl, nur inwendig stark verstrebt, gefertigt werden; zuweilen
bestehen Untermast und Stenge aus einem Stück. Sie sind
dauerhafter und, wo Hölzer von der erforderlichen
Größe schwer zu beschaffen sind, auch billiger; Raaen
stellt man aus demselben Grund zuweilen aus Stahlröhren her.
Auf Kauffahrteischiffen sind doppelte Marsraaen und Patentmarsraaen
vielfach in Gebrauch. Bei letztern kann man schnell, und ohne
daß einer in die T. zu gehen braucht, reffen. Indem
nämlich die Raa gefiehrt (herabgelassen) wird, dreht sie sich,
mittels eines Zahnrades an der mit einer Zahnleiste versehenen
Stenge herunterrollend, und wickelt dabei den obern Teil des
Marssegels um sich selbst auf. Nach den verschiedenen Takelungen
unterscheidet man bei den Seeschiffen: Voll- oder Fregattschiffe
(drei Masten, alle mit Raatakelung, Fig. 2); Barken (drei Masten,
Fock- und Großmast mit Raatakelung, Besahnmast
Gaffeltakelung, Fig. 5); Schonerbarken (nur der Fockmast
Raatakelung, Groß- und Besahnmast Gaffeltakelung, Fig.4);
dreimastige Schoner (alle drei Masten Gaffeltakelung); Briggs (zwei
Masten, beide mit Raaen, Fig. 3); Schonerbriggs (auch Voll- oder
Raaschoner; Fockmast mit Raaen, Großmast mit Gaffeltakelung,
Fig. 6); Schoner (beide Masten mit Gaffeltakelung, Fig. 7).
Einmastige Schiffe mit Raaen gibt es nicht. Die kleinern
(Küsten-) Fahrzeuge unterscheiden sich mehr nach ihrer Bauart,
wie z. B. Kuff, Galjaß, Galjot, und führen dabei eine
der vorerwähnten Takelungen mit geringen Abweichungen. Die
Gesamtsegelfläche wird durch eine Zahl angegeben, deren
Einheit der Flächeninhalt des größten Querschnitts
des Schiffs unterhalb der Wasserlinie ist. Sie beträgt bei den
großen modernen Kreuzern mit Dampfkraft 25-30, bei kleinern
30-40; bei den großen Segelschiffen einer vergangenen Periode
40-50, bei den kleinern 60. Hat man die Gesamtsegelfläche
eines zu erbauenden Schiffs bestimmt, dann muß die T. so
angeordnet werden, daß der Segelschwerpunkt, d. h. der
Angriffspunkt der gesamten zur Wirkung kommenden Windkraft, eine
auf dem Erfahrungsweg bestimmte Lage hat, nämlich etwas vor
dem Schwerpunkt und hinter der Drehachse des Schiffs und in einer
Höhe über der Wasserlinie, welche mit der Stabilität
in Einklang steht. Liegt der Schwerpunkt der Segelfläche zu
weit nach hinten, so wird das Schiff luvgierig, d. h. von der Seite
kommender Wind wird bestrebt sein, den Bug des Schiffs dem Wind
entgegenzudrehen. Liegt der Segelschwerpunkt zu weit nach vorn, so
wird das Schiff leegierig. Etwas luvgierig müssen gute
Seeschiffe sein. Über die T. der Boote s. Boot. Vgl. Sterneck,
T. und Ankerkunde (Wien 1873); Bréart, Manuel de
gréement (4. Aufl., Par. 1875), und die Litteratur bei Art.
Seemannschaft.
Takeu, Stadt, s. Takao.
Takkaceen, monokotyle, nur 8-10 Arten umfassende, im
tropischen Asien, Neuholland und Polynesien einheimische
Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Liliifloren, die zunächst
mit den Dioskoraceen verwandt ist. Die T. wachsen an feuchten
Stellen des Meeresufers und in den Bergwäldern des tropischen
Asien, Afrika und der Inseln des Ozeans.
Takonisches System, eine von amerikanischen Geologen
gebrauchte Bezeichnung sehr alter Gesteinsschichten, in seiner
untern Abteilung mit der Huronischen Formation (s. d.) identisch,
in der obern Abteilung mit den kambrischen Schichten (s. Silurische
Formation) oder dem Untersilur der europäischen Geologen zu
parallelisieren.
Takowo, Graf von, Name, den der frühere König
Milan von Serbien nach seiner Abdankung (1889) annahm.
Takowo-Orden, serb. Zivil- und
Militärverdienstorden, gestiftet von Milosch Obrenowitsch
III., 1876 von Milan IV. erneuert und 15. (27.) Febr. 1878 mit
Statuten versehen. Der Orden hat fünf Klassen:
Großkreuze, Offiziersgroßkreuze, Kommandeure,
Offiziere, Ritter. Die beiden ersten Klassen haben gleiche, nur
durch die Größe unterschiedene Dekorationen, bestehend
in einem grünen Lorbeerkranz, dessen Zweige in einer rot
emaillierten Krone endigen, darauf liegend ein goldenes
Andreaskreuz, in dessen Mitte die
497
Taksim - Taktik.
Chiffer MO steht, von blauem Band umwunden, mit der Devise:
"Für Glauben, Fürst und Vaterland"; dazu einen
achtstrahligen, weiß emaillierten Stern mit dem Takowokrenz
in der Mitte. Die erste Klasse trägt das Kreuz am Band
über die Schulter, die zweite um den Hals, den Stern auf der
Brust; die dritte Klasse trägt nur das Kreuz um den Hals, die
vierte das Kreuz an einem im Dreieck zusammengelegten Band auf der
Brust, die fünfte ein Kreuz ohne Email. Das Band ist rot mit
blauen und weißen Randstreifen.
Taksim (arab.), in den orientalischen Städten das
Reservoir der Wasserleitungen; auch s. v. w. musikalischer Vortrag,
Phantasie.
Takt (ital. Tempo, franz. Mesure), die nach bestimmten
Verhältnissen abgemessene Bewegung der Töne und
Tonverbindungen in der Zeit. Der T. zerfällt in Taktteile, die
hinsichtlich der Zahl je nach der Taktordnung verschieden sind,
immer aber dazu dienen, die verschiedenen Töne, Tonfiguren
etc. nach der Zeit zu messen. Die nächste Unterabteilung der
Taktteile sind die Taktglieder, wie z. B. im Zweivierteltakt die
Viertelnoten Taktteile, die Achtelnoten Taktglieder sind. Der
Anzahl der Taktteile nach unterscheidet man zunächst eine
zweiteilige und eine dreiteilige (gerade und ungerade) Taktordnung.
Beide sind einfache Taktordnungen. Durch Zusammenziehung von je
zwei Abschnitten der zweiteiligen entsteht die vierteilige, durch
Zusammenziehung von je zwei Abschnitten der dreiteiligen die
sechsteilige Taktordnung. Werden je drei Abschnitte der
dreiteiligen Ordnung zusammengezogen, so entsteht die neunteilige
und durch Zusammenziehung von vier Abschnitten der dreiteiligen die
zwölfteilige Taktordnung. Sämtliche Taktordnungen von der
vierteiligen an heißen zusammengesetzter T. Durch den Accent
erhalten die Taktteile verschiedenen innern Wert. Hiernach
unterscheidet man gute oder schwere Taktteile, welche den Accent
haben (Thesis, Niederschlag), und schlechte oder leichte Taktteile,
welche den Accent nicht haben (Arsis, Aufschlag). Aus der obigen
Entwickelung der Taktordnungen ergibt sich, daß in der
zweiteiligen und dreiteiligen der 1., in der vierteiligen der 1.
und 3. Taktteil, in der sechsteiligen das 1. und 4., in der
neunteiligen das 1., 4. und 7. und in der zwölfteiligen das
1., 4., 7. und 10. Taktglied den Accent haben müssen. Die
Taktnoten zweiteiliger Ordnung sind: der Zweizweiteltakt (kleiner
Allabrevetakt), dessen zwei Taktteile aus halben Noten bestehen und
nur durch 2/2 bezeichnet werden; der Zweivierteltakt (2/4) und der
Zweiachteltakt (2/8). Die dreiteilige Ordnung enthält den
Dreizweitel- (3/2), den Dreiviertel- (3/4) und den Dreiachteltakt
(3/8). Der vierteiligen Taktordnung gehören der
Vierzweiteltakt (großer Allabrevetakt), bezeichnet durch
(2/1), 2,2, der Viervierteltakt (gewöhnlich durch C
bezeichnet) und der Vierachteltakt (4/8) an. In der sechsteiligen
Ordnung sind der Sechsviertel- (6/4), Sechsachtel- (6/8) und der
Sechssechzehnteltakt (6/16) zu nennen. Die neunteilige Ordnung
enthält den Neunachteltakt (9/8), die zwölfteilige den
Zwölfachteltakt (12/8) und den Zwölfsechzehnteltakt
(12/16). Die jedesmalige Taktart wird mit den betreffenden Zeichen
oder Ziffern, Taktzeichen genannt, am Anfang des Tonstücks
bemerkt. Die Taktarten mit einer geraden Anzahl von Taktteilen
nennt man gerade, die mit einer ungeraden Anzahl von Taktteilen
ungerade Taktarten (Tripeltakt). Die durch den T. im Rhythmus
gebildeten Abschnitte scheidet man durch die Taktstriche, welche
das Liniensystem senkrecht durchschneiden. Im psychologischen Sinn
bezeichnet T. das verständige Gefühl des Richtigen und
Schicklichen oder die Fähigkeit, aus bloß
äußerer Aufeinanderfolge rasch das innerlich wirklich
Zusammengehörige zu erraten und passend anzuwenden, eine
Eigenschaft, welche besonders dem Frauengeschlecht eigen ist und
als "scheinbare Einfalt" sich von dieser durch Verständigkeit,
vom wirklichen Verstande dagegen durch die Bewußtlosigkeit
unterscheidet.
Taktieren, bei Aufführung eines Musikstücks mit
einem Stab (Taktierstock) den Takt angeben. Die dabei üblichen
Bewegungen sind konventionell feststehend und zwar im wesentlichen
folgende: der erste Taktteil (Taktanfang) wird
regelmäßig durch den Herunterschlag ^ angezeigt, die
übrigen Schläge halten sich mehr unten, und der letzte
geht nach oben ^. Ob der zweite Schlag von rechts nach links oder
von links nach rechts geführt wird, ist einerlei. Die
üblichsten Arten der Taktierung sind der zweiteilige Takt, der
dreiteilige, vierteilige und der sechsteilige Takt (vgl. Takt). Man
schlägt sie in folgender Weise:
Ein Crescendo wird gewöhnlich durch weiter ausholende
Schläge anschaulich gemacht, während die Verkleinerung
der Schläge ein Diminuendo andeuten soll; scharfe Accente,
Sforzati etc. verlangt man durch kurze, zuckende Bewegungen,
Veränderungen des Tempos (stringendo, ritardando) durch
Zuhilfenahme der andern Hand, doch fangen hier bereits die
individuellen Eigentümlichkeiten an. Die Dauer einer Fermate
wird durch Stillhalten des Taktstocks in der Höhe angedeutet,
ihr Ende durch eine kurze Hakenbewegung. Vgl. K. Schröder,
Katechismus des Taktierens und Dirigierens (Leipz. 1889).
Taktik (griech., Aufstellungslehre, Fechtweise), Lehre
von der Führung und dem Verhalten der Truppen auf dem
Gefechtsfeld. Wenn die Strategie der Kriegführung Richtung und
Ziele gibt, so ist die Anordnung zur Ausführung der
Märsche, die Unterbringung und Sicherung der Truppen
während der Ruhe wie die Durchführung der Gefechte die
Aufgabe der T. Man unterscheidet eine niedere oder Elementartaktik,
welche sich nur mit der Thätigkeit der taktischen Einheiten
(Kompanie, Eskadron und Batterie) beschäftigt, und höhere
T.. welche den Gebrauch der größern Truppenverbände
lehrt. Die Vorschriften (Reglements) für Aufstellung, Bewegung
und Gefecht der Truppenkörper ohne Rücksicht auf
Kriegslage, Terrain und Feind bilden das Gebiet der reinen oder
formellen T., die Anwendung dieser Formen im Terrain und dem Feind
gegenüber das Gebiet der angewandten T. Vgl. v. Boguslawski,
Die Entwickelung der T. von 1793 bis zur Gegenwart (2. u. 3. Aufl.,
Berl. 1873-85, 4 Bde.); v. Brandt, Grundzüge der T. (3. Aufl.,
das. 1859); v. Decker, Die T. der drei Waffen (3. Aufl., das.
1851-54, 2 Bde.); v. Griesheim, Vorlesungen über T. (3. Aufl.,
das. 1872); Meckel, Lehrbuch der T. (2. Aufl., das. 1873 ff.);
Derselbe, Elemente der
498
Taktmesser - Talent.
T. (2 Aufl., das. 1883); Pönitz, T. der Infanterie und
Kavallerie (4. Aufl., Adorf 1859, 2 Bde.); Rüstow, Allgemeine
T. (2. Aufl., Zürich 1868); Derselbe, Strategie und T. der
neuesten Zeit (Stuttg. 1872-75, 3 Bde.); v. Lettow, Leitfaden der
T. für die königlichen Kriegsschulen (6. Aufl., Berl.
1884); v. Verdy du Vernois, Studien über Truppenführung
(das. 1873-75, 2 Tle.); Derselbe, Taktische Beispiele (das. 1880) ;
v. Scherff , Von der Kriegführung (das. 1883).
Taktmesser (griech Metronom), einschwingendes Pendel mit
verschiebbarem Gewicht und einer Skala, welche angibt, wie viele
Hin- und Hergänge das Pendel in der Minute macht, je nachdem
das Gewicht gestellt ist. Der T. dient zur genauen Bestimmung des
Tempos, in welchem der Komponist sein Werk ausgeführt wissen
will, und ist daher eine höchst bedeutsame Erfindung, da unser
Allegro, Andante etc. doch Angaben von wenig Bestimmtheit sind. Der
jetzt allgemein verbreitete T. ist der Metronom des Mechanikers
Johann Nepomuk Mälzel (geb. 1772 zu Regensburg, gest. 1838 in
Amerika), 1816 patentiert, doch eigentlich nicht Mälzels
Erfindung, sondern die eines Mechanikus Winkel in Amsterdam. Auf
ihn bezieht sich die seitdem übliche Bezeichnung von
Kompositionen, z. B. M. M. ^ = 100 etc. (die Halben von der Dauer
eines Pendelschlags, wenn das Gewicht auf 100 gestellt ist, d. h.
100 in der Minute). Vorausgegangen waren ihm ähnliche, mehr
oder minder unvollkommene Versuche von Loulié, Stöckel
u. a.
Taktstrich, s. Takt.
Taktvorzeichnuugen, die Bruchzahlen oder Zeichen, welche
am Anfang der Tonstücke, unmittelbar hinter dem Schlüssel
stehen und die Taktart derselben bezeichnen, als ^, ^. 3/4, 6/8
etc. Dieselben sind insofern ungenügend, als sie wohl die Zahl
der Taktteile angeben, aber die eigentlichen Zählzeiten nicht
immer deutlich genug hervorheben, wie z. B. die Vorzeichnung 6/4
nicht erkennen läßt, ob der Takt dreizählig (3/2)
oder zweizählig (2/3) sein soll.
Taku, Befestigungen, welche den Eingang zum
Peihofluß in Ch1na verteidigen, an welchem Peking liegt. Vgl.
Tientsin.
Talanti (Atalanti), Stadt im griech. Nomos Phthiotis und
Phokis, 6 km von der Meerenge von T., welche das griechische
Festland von der Insel Negroponte (Euböa) scheidet, Sitz eines
Bischofs, mit (1879) 1377 Einw.
Talar (lat.), zunächst als Haustracht der kathol.
Geistlichen ein langer, gewöhnlich schwarzer Rock, der weit
und faltenreich vom Hals bis auf die Füße hinabgeht,
woraus sich später der T. als Amtskleid der evangelischen
Geistlichen, der Gerichtspersonen etc. entwickelte.
Talar (pers.), eine längliche Halle, Vorhalle, auch
Empfangssalon der Fürsten.
Talarien (lat.), die Flügelschuhe des Merkur.
Talaro, in Persien, Arabien etc. der
Mariatheresienthaler, = 4,20 Mk.
Talassio (Talassus), röm. Hochzeitsgott, dem
Hymenäos der Griechen entsprechend, gehörte zu den
verschollenen Göttern und wurde nur im Refrain ("Talasse") des
bei der Heimführung der Braut gesungenen Hochzeitsliedes
angerufen. Spätere Deutung machte ihn zu einem beim Raub der
Sabinerinnen beteiligten Genossen des Romulus.
Tala'ut, Gruppe kleiner ostind. Inseln, zwischen Celebes
und den Philippinen, nordöstlich von den Sangirinseln, in
administrativer Hinsicht zur niederländischen Residentschaft
Menado auf Celebes gehörig. Die Inseln, deren bedeutendste
Tulur (Karkelong), Salibabu und Kabruang heißen, sind
sämtlich fruchtbar, gut bevölkert und angebaut.
Talavera de la Réina, Bezirksstadt in der span.
Provinz Toledo, am Tajo, über den eine Steinbrücke mit 25
Bogen führt, und an der Eisenbahn Madrid-Lissabon, hat starke
Töpferei (im 16.-18. Jahrh. Hauptfabrikationsort der nach T.
benannten bemalten Fayencen), Wachszieherei und Bleicherei, eine
große Messe (im August) und (1878) 10,029 Einw. Hier 27. und
28. Juli 1809 Sieg Wellingtons über die Franzosen unter
König Joseph.
Talbot, John, s. Shrewsbury.
Talca, Provinz der südamerikan. Republik Chile,
liegt zwischen dem Rio Mataquito und dem schiffbaren Rio
Máule, reicht vom Stillen Ozean bis zum Kamm der Kordilleren
u. umfaßt 9527 qkm (173 QM.) mit (1885) 133,472 Einw. Landbau
und Viehzucht sind die Haupterwerbszweige. Gold kommt im
Flußsand vor, die Ausbeute aber ist unbedeutend. Die
Hauptstadt San Augustin de T., am Rio Claro, einem Nebenfluß
des Máule, 83 m ü. M., hat eine schöne Kathedrale,
eine höhere Schule, ein Hospital und (1875) 17,496 Einw., die
lebhaften Handel und Handweberei (Ponchos) betreiben. Eine
Eisenbahn verbindet Talca mit Santiago und Concepcion.
Talcahuana, Hafenstadt im südamerikan. Staat Chile,
Provinz Concepcion, 20 km von der Hauptstadt, ist Sitz der
Marinebehörden, hat ein Kriegsarsenal, Schiffwerfte, einen
Molo, an dem die größten Schiffe anlegen können,
und (1875) 2495 Einw. Die Einfuhr in den Hafen von T. betrug 1887:
5,492,628 Pesos, die Ausfuhr 5,504,767 Pesos.
Talch, s. Acacia, S. 74.
Talcium, s. v. w. Magnesium.
Talegalla, Huhn, s. Wallnister.
Taleman (schwed.), der Sprecher des Bauernstandes auf den
schwedischen Reichstagen.
Talent (griech.), ausgezeichnete geistige oder auch
körperliche Befähigung. In diesem Sinn spricht man von
mathematischem, philosophischem, künstlerischem etc., aber
auch technischem, mechanischem etc. T. Der innere Grund der
Verschiedenartigkeit der einzelnen Talente ist, wie alles, was
unter den allgemeinen Begriff der Anlage (s. d.) fällt, ein
Problem der Psychologie. Der Unterschied des Talents vom Genie ist
aber deshalb schwer festzustellen, weil das T. in seinen
höchsten Entfaltungen sich dem Genie bis auf einen
unmerklichen Abstand nähern kann. Im allgemeinen kann man
sagen, daß dem Genie die schöpferische
Ursprünglichkeit, mit der es sich seine eigne Bahn bricht und
neue Wirkungskreise aufthut, daher unter günstigen
Umständen der Kunst und Wissenschaft ganz neue Gebiete
öffnet, als Eigentum zuzusprechen sei, während sich das
T. an das Gegebene hält, das Vorhandene seinem Zweck
gemäß zu benutzen und umzuformen weiß, aber
weniger aus sich selbst produziert und auch weniger seinen eignen
Weg geht. Vgl. Genie.