Tagesgeschäft, Tageskauf, im Gegensatz zum

Lieferungsgeschäft (s. d.) und zum Lieferungskauf (s. d.)

dasjenige Geschäst, bei welchem die Ware unmittelbar (oder

auch je nach den Börsenusancen mit gewisser Frist) nach

Abschluß des Geschäfts übergeben wird.

Tageshelle, s. Diffusion des Lichts.

Tagesordnung, bei beratenden und beschließenden

Versammlungen das Verzeichnis und die Reihenfolge der zur Beratung

kommenden Gegenstände, welche für die jeweiligen

Sitzungen im voraus auf- und festzustellen sind; daher heißt

zur T. übergehen s. v. w. auf einen Antrag etc. nicht weiter

eingehen. Geschieht dies unter der Angabe von Gründen, so

spricht man von einer motivierten T., welche als eine mildere Form

der Ablehnung eines Antrags gilt.

Tagesregent, in der Astrologie derjenige der sieben

Planeten: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond, der

auf die erste Stunde eines jeden Wochentags kommt, wenn man die

erste Stunde des Sonnabends dem Saturn, die zweite dem Jupiter

etc., die achte wieder dem Saturn u. s. f. in obiger Weise zuteilt.

Sonach sind Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter und Venus

die Regenten der Wochentage, vom Sonnabend angefangen, weshalb

letztere auch die Namen dies Saturni (engl. saturday). d. Solis

(engl. sunday), d. Lunae (Montag, ital. lunedi) , d. Martis (ital.

martedI) , d. Mercurii (ital. mercord1), d. Jovis (ital. gioved1)

und d. Veneris (ital. venerdi) führen.

Tagewählerei, in Luthers Bibelübersetzung (5.

Mos. 18, 10) der Glaube an Glücks- oder Unglückstage bei

den Juden, der sich aber fast bei allen Kulturvölkern findet

und bis heute nicht geschwunden ist. Über die T. der Griechen

belehrt uns das Hesiodsche Gedicht "Werke und Tage"; bei den

Römern galten alle auf die Iden folgenden Tage als

unglücklich, und dazu kamen die drei großen

Unglückstage: 7. Mai, 8. Juli und 8. Nov., die den Toten

gewidmet waren. An solchen Unglückstagen, deren Zahl sich

durch die Daten verlorner Entscheidungsschlachten oder sonstiger

nationaler Unglücksfälle vermehrte, durften keine neuen

Unternehmungen, Feldzüge, Bauten, Reisen, Ehen etc. begonnen

werden; für die Eheschließung galt auch der ganze Monat

Mai für unglücklich. Bei den alten Germanen galten die

den Hauptgöttern Wuotan und Donar heiligen Wochentage (Montag

und Donnerstag) für Glückstage,

492

Tagewasser - Tahiti.

Dienstag und Freitag für unglücklich, und der Freitag

gilt noch heute unzähligen Menschen als ein Tag, an dem man

nichts beginnen darf. Im Mittelalter dehnte sich die T. bis auf die

im Kalender verzeichneten Tage aus, an denen es gut sei, Haare zu

schneiden, zu purgieren etc. Besonders lebendig ist die T. heute

noch bei den Russen und Finnen, Indern, Chinesen und Japanern. Vgl.

Andree, Ethnographische Parallelen und Vergleiche (Stuttg.

1878).

Tagewasser, im Bergbau das von der Erdoberfläche in

die Grube gelangende Wasser.

Tagewerk, früher ein in manchen Gegenden

Deutschlands gebräuchliches Feldmaß, eigentlich so viel

Land, wie ein Ackersmann in einem Tag bestellen kann, also etwa s.

v. w. Morgen.

Tagfahrt, s. v. w. Termin.

Tagfalter (Diurna, Rhopalocera), Familie aus der Ordnung

der Schmetterlinge (s. d., S. 556).

Taggia (spr. taddscha), Stadt in der ital. Provinz Porto

Maurizio, Kreis San Remo, am Fluß T. und an der Eisenbahn

Genua-Nizza, unweit der ligurischen Küste, an welcher sich ein

kleiner Hafen (Arma di T.) befindet, hat ein Gymnasium, mehrere

Kirchen, Weinbau und (1881) 4046 Einw.

Tagil, Fluß im russ. Gouvernement Perm, kommt aus

dem Ural im Kreis Jekaterinenburg, fließt an den

Hüttenorten Werchne-Tagilsk und Nishne-Tagilsk (s. d.)

vorüber und ergießt sich nach einem Laufe von 270 km in

den Fluß Tura.

Tagkreis, dem Himmelsäquator paralleler Kreis,

welchen ein Gestirn bei der täglichen scheinbaren Rotation des

Himmelsgewölbes beschreibt.

Tagliacozzo (spr. talja-), Stadt in der ital. Provinz

Aquila, Kreis Avezzano, mit hoch gelegenem Schloß und (1881)

3142 Einw. Hier 23. Aug. 1268 Schlacht zwischen Karl von Anjou und

Konradin (s. d.) von Schwaben, in der letzterer besiegt wurde. Vgl.

Köhler, Zur Schlacht von T. (Bresl. 1884).

Tagliamento (spr. talja-), Fluß in Venezien,

entspringt in den Friauler Alpen, fließt anfangs

östlich, wendet sich dann südlich, ist von Latisana an

für Barken schiffbar und mündet nach einem Laufe von 170

km ins Adriatische Meer. An der Mündung liegt der kleine Hafen

Porto del T. Der T. gehört zu den gefährlichsten

Flüssen von Friaul und fließt meist in erhöhtem,

aus Gerölle aufgebautem Bett in dünnen Wasserfäden;

bei Hochwasser überschüttet er aber die Fruchtebene mit

Steinen. Bei Codroipo liegt sein Bett 9 m über der Ebene. -

Nach dem T. war unter Napoleon I. ein Departement Italiens mit der

Hauptstadt Treviso benannt.

Tägliche Lieferung, im Lieferungsgeschäft (s.

d.) derjenige Kauf, bei welchem der Käufer berechtigt ist, bis

zu einem bestimmten Termin an jedem Tag die Lieferung zu

fordern.

Taglioni (spr.taljoni), berühmte Tänzerfamilie,

aus der zuerst Philipp T., geb. 1777 zu Mailand, einen Namen

gewann; er wirkte nacheinander als Ballettmeister beim Theater in

Stockholm, Kassel, Wien, seit 1840 in Warschau, ließ sich

1853 am Comersee nieder und starb daselbst 11. Febr. 1871. Er

verfaßte viele Ballette. Von seinen fünf Kindern, die

sich sämtlich der Tanzkunst widmeten, und von denen die

Töchter in altadlige Geschlechter heirateten, sind Maria und

Paul zu Berühmtheit gelangt. Seine Tochter Maria, geb. 23.

April 1804 zu Stockholm, wirkte seit 1827 an der Großen Oper

in Paris, seit 1832 zu Berlin und zog sich 1847 nach ihrer

Verheiratung mit dem Grafen Gilbert de Voisins nach Italien

zurück. Sie war eine der vollendetsten Tänzerinnen und

ausgezeichnet als Sylphide; starb 23. April 1884 in Marseille. Ihr

Bruder Paul, geb. 12. Jan. 1808 zu Wien, debütierte 1825 in

Stuttgart, wurde 1829 in Berlin engagiert und 1869 zum

Ballettdirektor ernannt. Er verheiratete sich mit der Tänzerin

Amalie Galster, die, seit 1815 am Hoftheater zu Berlin engagiert,

sowohl hier als auf Kunstreisen die Triumphe des Gatten teilte; sie

starb 23. Dez. 1881 in Berlin. Bedeutender als Choreograph denn als

Tänzer hat Paul T. eine große Fruchtbarkeit in der

Schöpfung von Balletten entwickelt, deren bekannteste "Flick

und Flock" und "Fantaska" sind. Er starb 7. Jan. 1884 in Berlin.

Seine Tochter Maria, geb. 1833 zu Berlin, debütierte 1847 in

London mit Glück, war längere Zeit beim königlichen

Ballett zu Berlin, dann am San Carlotheater in Neapel engagiert und

vermählte sich 1866 mit dem Fürsten Joseph

Windischgrätz. Eine jüngere Tochter, Auguste, war eine

Reihe von Jahren als Schauspielerin zu Berlin thätig.

Tagsatzung (Tagleistung), in der Schweiz früher

Bezeichnung des Bundestags, welcher zumeist in Baden, später

in Frauenfeld abgehalten wurde. In der T. führte Zürich

als sogen. Vorort den Vorsitz. Mit der Umwandlung des

eidgenössischen Staatenbundes in einen Bundesstaat kam die T.

in Hinwegfall (s. Schweiz, S. 762).

Tagschmetterlinge, s. v. w. Tagfalter.

Taguan, s. Eichhörnchen, S. 362.

Taguanüsse (Elfenbeinnüsse), die Früchte

von Phytelephas macrocarpa; vgl. Elfenbein.

Tagulandang (Tagulanda), Insel an der Nordostspitze der

Insel Celebes, 140 qkm groß mit 2000 Einw., steht unter einem

Radscha und gehört zur niederländischen Residentschaft

Menado.

Tag- und Nachtgleiche, s. Äquinoktium.

Tagwechsel (Präzisewechsel), s. Wechsel.

Tahaa (Otaha), eine der noch unabhängigen

Gesellschaftsinseln im südöstlichen Polynesien, zur

Leewardgruppe gehörig, 82 qkm groß, gebirgig, doch

fruchtbar, mit mehreren guten Häfen und (1885) 634 Einw.,

welche durch englische Missionäre zum Christentum bekehrt

wurden.

Tahiti (Otaheiti), die unter franz. Protektorat stehende

größte und wichtigste der Gesellschaftsinseln, besteht

aus zwei durch eine schmale Landenge zusammenhängenden

Halbinseln, Taiarapu und Porionuu, und hat einen Flächeninhalt

von 1042 qkm (19 QM.). Die Insel ist von einem Korallenriff

umgeben, welches mehrere Öffnungen zum Einlaufen der Schiffe

sowie mehrere Baien und Buchten mit guten Ankerplätzen hat.

Das Land ist vulkanisch und steigt von der Küste gegen die

Mitte hin im Orohea oder Tobreonu bis 2104 m an. Zahlreiche

Bäche ergießen sich von den Bergen, in ihrem obern Lauf

schöne Kaskaden bildend und in der Regenzeit oft zu

reißenden Flüssen anschwellend. Vom Fuß der Berge

bis zum Strand ist die ganze Insel von einer schmalen Niederung

umgeben, auf welcher die Wohnungen zerstreut liegen. Das Klima ist

sehr gesund ; von einheimischen Produkten sind namentlich

Zuckerrohr (eine der Insel eigne Spezies), Bananen, Pisangs,

Brotfrucht- und Kokosbäume, Yams, Bataten, Arum zu nennen. Die

Bevölkerung wurde zu Cooks Zeiten (wohl zu hoch) auf 120,000

Seelen geschätzt, ist sehr gesunken und betrug 1885 nur 9562,

mit dem benachbarten Morea 11,007 Seelen (davon nur 4673 weiblichen

Geschlechts). Von der Gesamtzahl waren 8577 Eingeborne, 288

Franzosen (davon 132 Mann Garnison), außerdem Engländer,

Amerikaner, Deutsche, eine Anzahl Chinesen und als Arbeiter

eingeführte

493

Tahk - Tahkali.

Polynesier andrer Inseln.

Das Christentum (meist methodistisches) ist durchweg

angenommen; es bestehen bereits 34 Schulen, 1n welchen 1800 Kinder

unterrichtet werden. Als Zeitung besteht der amtliche "Messager de

T." Unter Kultur sind 3093 Hektar, davon 2328 mit Kokospalmen

bepflanzt, der Rest mit Baumwolle, Zuckerrohr, Kaffee, Vanille,

Mais u. a.; die Orangenbäume, von Cook eingeführt,

wachsen wild und liefern reiche Erträge zur Ausfuhr nach

Amerika. Der Großhandel ist in den Händen englischer,

deutscher und nordamerikanischer Häuser. Eingeführt

werden: Spirituosen, Konserven, Hausgerät, Bauholz, Kleider;

ausgeführt: Baumwolle, Apfelsinen, Perlschalen, Kopra,

Trepang. 1887 betrug die Ausfuhr 1,644,308 Mk.: es liefen 172

Schiffe ein und 156 aus. Die Post beförderte durch fünf

Ämter 176,483 Sendungen. Die Ausgaben des Mutterlandes

für die Kolonie betrugen 805,000, das Kolonialbudget 1,27

Mill. Frank. Die wichtigsten Häfen sind Papeete (s. d.),

Papeuriri und Antimaono auf der Südküste, Papaoa

ostnordöstlich von Papeete. Ein monatlicher, von der

französischen Regierung subventionierter Schiffsverkehr

besteht mit San Francisco. Auch eine Eisenbahn von 33 km Länge

besitzt T. Hauptstadt ist Papeete; im Innern in Fatuahua befindet

sich ein Fort, das die ganze Insel beherrscht. Die Flagge s. Tafel

"Flaggen I". Die Insel T. wurde von Quiros 1606 entdeckt und

Sagittaria genannt; genauere Kunde verdanken wir aber erst dem

Engländer Wallis, welcher die Insel 1767 besuchte und Georgs

III.-Insel nannte. Im April 1768 wurde sie von Bougainville

besucht, der sie wegen der Sinnlosigkeit der Weiber Nouvelle

Cythère (Neukythera) taufte. Cook, der sie 1769 mit Forster

genauer untersuchte, gab dem Archipel den Namen

Gesellschaftsinseln. Seitdem ist der Archipel von Wilson, Turnbull,

Bellinghausen, Duperrey, Kotzebue, Beechey, Dumont d'Urville u. a.

besucht und beschrieben worden. Der gesellschaftliche Zustand

Tahitis wurde besonders durch die 1797 erfolgte Ankunft der

englischen Missionäre umgewandelt. Der König Pomare I.

nahm die Missionäre günstig auf, aber erst sein

Nachfolger Pomare II. trat 1812 zum Christentum über.

Vielweiberei und Kindermord, früher an der Tagesordnung,

hörten auf; 1822 zählte man auf T. schon 66 Kirchen und

Kapellen. Da Pomare II. 1821 einen erst 18 Monate alten Sohn,

Pomare III., hinterließ, nahmen die Missionäre, damit

die Fortschritte der Bildung nicht gefährdet würden,

selbst das Staatsruder in die Hand. 1824 erhielt T. eine Art von

Konstitution. Der junge König starb aber schon 11. Jan. 1827,

worauf seine 16jährige Schwester als Pomare Wahine I. auf den

Thron erhoben ward. Die Wirksamkeit der englischen Missionäre

ward gestört, als, durch einen belgischen Kaufmann,

Moerenhout, der sich 1829 auf T. niederlassen, veranlaßt,

französische katholische Missionäre auf T. Fuß zu

gewinnen suchten. Die Königin ließ die letztern

gewaltsam vertreiben, worauf die französische Regierung den

Kapitän Dupetit-Thouars beauftragte, Genugthuung und zugleich

Entschädigung für die vertriebenen Missionäre zu

verlangen. Die Königin mußte nachgeben und die

Ansiedelung katholischer Priester auf der Insel dulden. Auf

Moerenhouts Veranlassung baten 1841 einige Häuptlinge die

französische Regierung um Übernahme des Protektorats

über die Insel. Am 1. Sept. 1842 erschien Dupetit-Thouars

wieder vor Papiti und erzwang durch Drohungen die Anerkennung von

Frankreichs Protektorat. Als er aber 1843 die Absetzung der

Königin proklamierte, entstanden daraus Verwickelungen mit

England. Das französische Gouvernement mußte nachgeben

und behielt bloß das Protektorat, welches aber

allmählich in völlige Herrschaft verwandelt wurde. Der

Code Napoléon gilt als Gesetzbuch, die Richter werden aus

den französischen Zivil- und Militärbeamten genommen. Die

Königin starb 17. Sept. 1877; ihr Nachfolger war ihr Sohn

Arijane, der als Pomare V. eine Scheinregierung führte, die er

1880 in aller Formen Frankreich abtrat. Vgl. Le Chartier, T. et les

colonies françaises de la Polynésie (Par. 1887).

Tahk, Längenmaß, s. Thuok.

Tahkali, s. Carrierindianer.

494

Tahoe - Taine.

Tahoe (spr. tahu), See an der Grenze der nordameri-kan.

Staaten Kalifornien und Nevada, 906 qkm groß, liegt 1902 m

ü. M. und fließt durch den 150 km langen

Truckeefluß in den Pyramid Lake ab.

Tahfil-dar, türk. Steuerbeamter, welcher den

Steuerpachtern beigegeben wird.

Taifun, Wirbelsturm, s. Teifun.

Taikun, f. Shogun.

Taillandier (spr. tajangdjeh), Saint-René

(eigentlich René Gaspard Ernest), franz. Schriftsteller,

geb. 16. Dez. 1817 zu Paris, studierte daselbst und in Heidelberg

die Rechte, daneben Philosophie und schöne Litteratur, ward

1841 Professor der Litteratur zu Straßburg , 1843 zu

Montpellier und erhielt 1863 an Saint-Marc Girardins Stelle den

Lehrstuhlder französischen Poesie an der Sorbonne. 1870-72

fungierte er als Generalsekretär des Erziehungsministers; 1873

wurde er zum Mitglied der Akademie ernannt. Er starb 24. Febr.

1879. T. hat sich mit besonderm Erfolg der Aufgabe gewidmet, seine

Landsleute mit der Geschichte und den litterarischen Arbeiten der

Deutschen bekannt zu machen. Wir nennen von seinen Werken: "Scot

Érigène et la philosophie scholastique" (1843, 2.

Aufl. 1877); "Histoire de la jeune Allemagne" (1849) und

"Études sur la révolution en Allemagne" (1853, 2

Bde.); ferner: "Allemagne et Russie" (1856); "Histoire et

philosophie religieuse" (1860); "Écrivains et poètes

modernes" (1861); "La comtesse d'Albany" (1862); "Maurice de

Saxe"(1865)^ "Tchèques et Magyars" (1869); "Drames et romans

de la vie littéraire" (1870); "Le général

Phil. de Ségur" (1875); "Dix ans de l'histoire d'Allemagne"

(nach der Korrespondenz Friedrich Wilhelms IV. mit Bunsen, 1875);

"Le roi Léopold et la reine Victoria, récits

d'histoire contemporaine" (1878, 2 Bde.); "Études

littéraires: Boursault, etc." (1881). Auch gab er die

Übersetzung des Goethe-Schillerschen Briefwechsels von der

Baronin Carlowitz (1863, 2 Bde.) heraus.

Taille (franz., spr. tallje), der Schnitt eines Kleides;

Wuchs, Körpergestalt, insbesondere der Teil zwischen

Hüften und Brust und das entsprechende Stück der

Frauenkleidung, Leibchen; in der Musik s. v. w. Tenor; basse-t.,

der zweite (tiefere) Tenor (auch s. v. w. Bariton). In Frankreich

bedeutete T. ursprünglich eine Steuer, welche der Lehnsherr

von seinen Vasallen erhob; später überhaupt Staatssteuer,

nachdem sie unter Karl VIL zu einer bleibenden geworden war, um die

ersten stehenden Truppen zu erhalten; beim Pharospiel s. v. w.

Abzug, d. h. eine Tour des Spiels und die Karten dazu in der durch

das Mischen bewirkten Reihenfolge.

Taille-douce (franz., spr. taj-duhß), s. v. w.

Kupferstich (im Gegensatz zu Eau forte, Radierung); Taille-dure,

Stahlstich.

Tailleur (franz., spr. tajör), Schneider.

Taillon (franz., spr. tajong), Nachsteuer.

Taimyr, nördlichste Halbinsel des asiatischen

Festlandes zwischen der Jenisseimündung und dem Chatangabusen,

nach neuern Bestimmungen der schwedischen Polarexpeditionen

zwischen 81 und 114° östl. L. v. Gr. gelegen. Ihre

nördlichste Spitze ist das Kap Tscheljuskin unter 77° 36'

48'' nördl. Br. und 103° 17' 12'' östl. L. Die

Halbinsel wird vom Taimyrfluß, welcher den großen,

über 100 km breiten Taimyrsee durchfließt und sich in

die Taimyrbucht ergießt, in zwei Halbinseln, eine

größere östliche und eine kleinere westliche,

geteilt und von dem in nordöstlicher Richtung streichenden

Byrrangagebirge durchzogen, dessen östliche Teile

Nordenskjöld auf 600-900 m Höhe schätzt. Die T.

liegt jenseit der Baumgrenze, so daß auf ihr die

verschiedenen Formen der Tundra (s. d.) in besonders

charakteristischer Weise zur Entwickelung gelangen. Durchforscht

wurde die T. zur Zeit der großen nordischen Expedition

(1735-43) von Minin, Sterlegow, Prontschischew, Chariton, Laptew,

Tschekin und Tscheljuskin; im J. 1843 drang v. Middendorff bis zur

Taimyrbai vor, und 1878 ist dieser nördlichste Teil der

Ostfeste von der Expedition der Vega umfahren worden.

Tain, 1) (spr. täng) Stadt im franz. Departement

Drôme, Arrondissement Valence, am Rhône und an der

Bahnlinie Lyon-Avignon, mit dem gegenüberliegenden Tournon

durch zwei Hängebrücken verbunden, hat einen

römischen Opferaltar, eine Kaltwasserheilanstalt,

Seidenspinnerei, trefflichen Weinbau (auf dem Eremitagehügel)

und (1881) 2150 Einw. - 2) (spr. tähn) Hafenstadt in der

schott. Grafschaft Roß, am Dornoch Firth, mit Lateinschule

und (1881) 1742 Einw.

Taine (spr. tähn), Hippolyte, angesehener franz.

Schriftsteller, Philosoph und Kritiker, geb. 21. April 1828 zu

Vouziers (Ardennen), erhielt seine Bildung am College Bourbon und

an der École normale in Paris, studierte hierauf Philologie,

um sich dem Lehrfach zu widmen, entsagte aber diesem Plan, nachdem

er bereits durch seine beiden Abhandlungen: "De personis

Platonicis" und "Essai sur les fables de Lafontaine" (1853, 11.

Aufl. 1888) sich den Doktortitel erworben hatte, um sich ganz

seinen wissenschaftlichen Forschungen hingeben zu können. Zwei

seiner ersten Schriften, der von der Akademie gekrönte "Essai

sur Tite-Live" (1854, 5. Aufl. 1888) und "Les philosophes francais

du XIX. siècle" (1856, 6. Aufl. 1888), erregten bereits

durch die Unabhängigkeit der darin ausgesprochenen Ansichten

großes Aufsehen; noch mehr war dies der Fall mit seiner

"Histoire de la littérature anglaise" (1864; 5. Aufl. 1886,

5 Bde.; deutsch, Leipz. 1877-78), die von seiten der orthodoxen und

päpstlichen Partei einen wahren Sturm gegen den Verfasser

erregte, weil man darin anti-spiritualistifche Grundsätze

wahrzunehmen glaubte. Die Arbeit erhielt darum trotz ihres

wissenschaftlichen Werts den akademischen Preis nicht. Als

Entschädigung erhielt der Verfasser durch Vermittelung des

Kaisers eine Professur der Geschichte und Kunstgeschichte an der

Ecole des beaux-arts; auch wurde er 1878 an Lomenies Stelle zum

Mitglied der Akademie erwählt. Von seinen sonstigen,

übrigens von Paradoxien nicht immer freizusprechenden

Schriften sind hervorzuheben : "Voyage aux eaux des

Pyrénées" (1855, 11. Aufl. 1887); "Essais de critique

et d'histoire" (1857, 3. Aufl. 1874) und "Nouveaux essais" (1865,

4. Aufl. 1886); "Notes sur Paris, ou Vie et opinions de Fred. -

Thomas Graindorge", satirische Sittenbilder (6. Aufl. 1880); "Le

positivisme anglais", Studien über St. Mill (1864) ; "Voyage

en Italie" (1866, 6. Aufl. 1889); "Philosophie de l'art en Italie"

(1866, 3. Aufl. 1877); "L'ideal dans l'art", Vorträge (1867);

"Philosophie de l'art dans les Pays-Bas" (1868); "Philosophie de

l'art en Grece" (1869); "De l'intelligence" (5. Aufl. 1888, 2

Bde.); "Notes sur l'Angleterre" (8. Aufl. 1886) u. sein Hauptwerk:

"Les origines de la France contemporaine", das in 2 Teile:

"L'ancien regime" (15. Aufl. 1887) und "La Revolution" (1878-84,

Bd. 1-3; 16. Aufl. 1888), zerfallt. In demselben nimmt T. einen

sehr selbständigen und vielleicht etwas paradoxen, aber auf

ein ungeheures tatsächliches Material gestützten

Standpunkt ein, der bei der demokratischen Schule großen

Anstoß er

495

Taiping - Takelung.

regt hat; er führt nämlich alle vorgeblichen

Großthaten, Entdeckungen und Neuerungen der Revolution auf

ältere Institutionen und Ideen zurück und bringt sie so

in einen organischen Zusammenhang mit dem alten Königtum, wie

ihn die Jünger Michelets und Louis Blancs nimmermehr zugeben

wollen. Als Kunstschriftsteller ist T. in der Analyse der

Kunstwerke unübertroffen.

Taiping, Name der Aufständischen in China 1849 bis

1866 (vgl. China, S. 19).

Taitsing, s. Tsing.

Taiwan, chines. Traktatshafen auf der Insel Formosa und

Hauptstadt derselben, Sitz eines englischen Konsuls, welcher mit

Vertretung der deutschen Interessen betraut ist, mit katholischer

und evangelischer Mission, zählt einschließlich des

nördlicher gelegenen Takao 235,000 Einw. Da Anping, der Hafen

von T., nur eine offene, schlechte Reede ist, bewegt sich der

Verkehr mit dem Ausland über Takao (s. d.).

Tajo (spr. tachho), einer der Hauptflüsse der

Pyrenäischen Halbinsel, entspringt an der Grenze der span.

Provinzen Guadalajara und Teruel, am Westabhang der Muela de San

Juan, fließt in westlicher Hauptrichtung an Aranjuez, Toledo

und Alcantara vorüber und erhält beim Übertritt nach

Portugal, wo er reißend wird und den Namen Tejo annimmt, den

Charakter eines Stroms. Unterhalb Salvaterra teilt er sich in zwei

Arme, den westlichen Tejo novo und den östlichen Mar de Pedro,

welche eine Art Delta, die Lezirias do Tejo, bilden. Alle Arme

münden in die herrliche Bai von Lissabon, welche im W. durch

die breite Entrada do Tejo mit dem Meer in Verbindung steht. Die

regelmäßige Schiffahrt beginnt bei Abrantes, Barken

gehen noch 50 km weiter hinauf; bei Santarem beginnt die

Dampfschiffahrt, und von hier ab befahren ihn auch Seeschiffe. Die

Länge des T. beträgt 912 km, der Quellabstand 675 km, das

Stromgebiet 82,525 qkm (1498,8 QM.). Zuflüsse von rechts sind:

Gallo, Jarama (mit Lozoya, Henares, Tajuna und Manzanares),

Guadarrama, Alberche, Tiétar, Alagon, Ponsul, Zezere; von

links: Guadiela, Almonte, Salor, Zatas uno Canha.

Taka, Längenmaß in Sansibar, à 2 Tobe

à 2 Schucka à 2 War (s. d.).

Takao (Takeu), chines. Traktatshafen an der

Südwestküste der Insel Formosa, südlich von Taiwan

(s. d.), mit dem es nahezu ein zusammenhängendes Ganze bildet.

In dem Hafen von T. verkehrten 1886: 190 Schiffe von 103,076 Ton.,

darunter 58 deutsche von 19,732 T. Die Einfuhr betrug 1887:

1,228,238, die Ausfuhr 585,789 Haikuan Tael.

Takazze (Setit), rechter Nebenfluß des Atbara (s.

d.) in Abessinien.

Takel, in der Seemannssprache s. v. w. Flaschenzug.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 143 / 302 段