und von Peter (Jena 1877) ; des "Agricola" von Walch (Berl. 1828),
Wex (Braunschw. 1852), Kritz (3. Aufl., Berl. l874), Urlichs
(Würzb. 1875) und Peter (Jena 1876); der "Germania" von Haupt
(3. Aufl., Berl. 1869), Kritz (3. Aufl., das. 1869),
Schweizer-Sidler (2. Aufl., Halle 1874), Holder (Leipz. 1878),
Baumstark (das. 1875-80, 2 Bde.). Unter den deutschen
Übersetzungen sind die von Gutmann (4. Aufl., Stuttg. 1869, 5
Bde.) und Roth (4. Aufl., Berl. 1888) hervorzuheben. Als
Hilfsmittel für die Einsicht in den Sprachgebrauch des T.
dient das "Lexicon Taciteum" von Bötticher (Berl. 1830); ein
neues, weit vollständigeres ist begonnen von Gerber und Greef
(Leipz. 1877 ff.). Vgl. Hoffmeister, Die Weltanschauung des T.
(Essen 1831); Dräger, Über Syntax und Stil des T. (3.
Aufl., Leipz. 1882); Dubois-Guchan, Tacite et son siècle
(Par. 1862, 2 Bde.); Urlichs, De Taciti vita et honoribus
(Würzb. 1879).
Tacna, ehemaliges Departement der südamerikan.
Republik Peru, am Stillen Ozean, vom Rio Zama bis zum Rio Camarones
und im Innern bis jenseit der westlichen Kordilleren reichend,
wurde 1884 an Chile (s. d., S. 1022) abgetreten. Die Küste
steigt steil an. Das Innere besteht aus stufenweise zu den
Kordilleren ansteigenden, meist wüsten Hochebenen. Die wenigen
Flüsse nehmen ihren Lauf durch tiefe Schluchten (Quebradas).
Der Tacorapaß (4170 m, s. d.) verbindet T. mit Bolivia.
Fruchtbare Stellen kommen fast nur im nördlichen Teil des
Departements vor. T. hat ein Areal von 22,500 qkm (408,62 QM.) und
(1885) 29,523 Einw. Die Ausfuhr besteht vorwiegend aus Kupfer,
Zinn, Silber, Gold, Koka, Alpako- und Schafwolle. Hauptstadt ist
San Pedro de T., 560 m ü. M., in hübscher Ebene, am
gleichnamigen Fluß, mit (1876) 7738 Einw. T. ist Sitz eines
deutschen Konsuls. Die Stadt wurde 1605 gegründet, hat ein
Colegio, ein Hospital, ein kleines Theater und eine schöne
Alameda. Eine Eisenbahn verbindet sie mit Arica (s. d.).
Tacoary, Fluß, s. Taquary.
Tacoma, Berg im nordamerikan. Staat Washington, 4400 m
hoch, ein fast erloschener Vulkan mit Gletschern; hieß
früher Mount Rainier.
Tacoma, Stadt im nordamerikan. Staat Washington, am
Pugetsund, Endstation einer Pacificbahn, mit großem
Hotel.
Tacorapaß (auch Gualillos), ein fahrbarer Paß
der Kordilleren in 17°50' südl. Br., verbindet Tacna mit
Bolivia und ist 4170 m hoch. Nördlich von ihm erhebt sich der
Tacora Pik oder Chipicani (6017 m), ein ausgebrannter Vulkan mit
einer Solfatare in seinem zusammengestürzten Krater; an
demselben liegt das Dorf Tacora, eine der höchsten
Wohnstätten der Erde (4000 m).
Tacnarembo, ein Departement des füdamerikan. Staats
Uruguay, ein Hügelland, 21,022 qkm (381,8 QM.) groß mit
(1885) 27,329 Einw., die fast nur Viehzucht treiben (1,034,000
Rinder, 65,000 Pferde, 476,000 Schafe). Gold ist 1859 im Cunapires
entdeckt worden. Hauptstadt ist San Fructuoso mit 3000 Einw.
Tacubaya, Villa, 5 km südwestlich von Mexiko, bei
Chapultepec, mit dem Sommerpalast des Erzbischofs von Mexiko, den
Villen reicher Mexikaner, der Militärakademie (Colegio) und
(1880) 7867 Einw.
Tacullies, f. Carrierindianer.
Tacunga (Llactacunga), Hauptstadt der Provinz Leon in der
südamerikan. Republik Ecuador, am Fuß des Cotopaxi 2780
m ü. M. gelegen, hat ein Colegio, eine Pulverfabrik und 17,000
Einw.
Taeda Koch. Gruppe der Gattung Pinus. s. Kiefer, S.
714.
Tadcaster, alte Stadt in Yorkshire (England), am
schiffbaren Wharfe, zwischen Leeds und York, mit (1881) 2965 Einw.
Es ist das römische Calcaria. Dabei das Schlachtfeld von
Towton (1461), wo Eduard von York das Lancastrische Heer
besiegte.
Tadel, als Äußerung des ästhetischen oder
sittlichen Mißfallens (wie Lob des Gefallens) durch Rede oder
Handlung, unterscheidet sich von diesem selbst dadurch, daß
er unterdrückt werden kann und unter Umständen soll,
während das Mißfallen (und Gefallen) als
unwillkürliches Geschmacks- oder Gewissensurteil sich nicht
hemmen läßt.
Tadema, Maler, s. Alma-Tadema.
Taedium vitae (lat.), Lebensüberdruß.
Tadjainseln, s. Togianinseln.
Tadmor, Stadt, s. Palmyra.
Tadolini, 1) Adamo, ital. Bildhauer, geb. 1789 zu
Bologna, bildete sich auf der Kunstschule daselbst, dann in Ferrara
und Rom und erhielt 1811 eine Professur in Bologna. Von seinen
Werken sind zu nennen: Venus und Amor; Ganymed, der den Adler
tränkt; die Bacchantin, für das Museum Borghese, der Raub
Ganymeds; das Grabmal des Kardinals Lante, für die Stadt
Bologna, und eine große Anzahl Büsten. Zu seinen
kirchlichen Hauptwerken gehört die Statue des heil. Franz von
Sales in der Peterskirche zu Rom. Er arbeitete in der Richtung
Canovas. T. starb 23. Febr. 1868 in Rom.
2) Eugenia, ital. Bühnensängerin, Gattin des
Komponisten Giovanni T. (geb. 1793 zu Bologna, gest. 1872
daselbst), geb. 1810 zu Florenz, trat zuerst daselbst, dann in
Venedig und endlich an der Italienischen Oper in Paris auf. Nach
der Scheidung von ihrem Gatten (1834) kehrte sie nach Italien
zurück, wo sie sich auf allen ersten Bühnen bis 1850 der
größten Beliebtheit zu erfreuen hatte, namentlich in den
von Mercadante ("Schwur") und Donizetti ("Lucia", "Don Pasquale",
"Regimentstochter", "Linda") für sie geschriebenen Opern. Auch
in Wien feierte sie die größten Triumphe.
Tadorna, s. Enten, S. 671.
Tadousac (spr. tadusak), Dorf in der brit.-amerikan.
Provinz Quebec, an der Mündung des Saguenay in den St.
Lorenzstrom, der erste Ort, an welchem die Franzosen in Amerika ein
steinernes Haus bauten, jetzt als Badeort vielbesucht.
Tadsch (Tadschmahal), ein Mausoleum, s. Agra.
Tadschik (auch Dihkan, "Landleute", und Dihvar,
"Dorfbewohner", od. Parsevan, "Perser", genannt), die
ansässige, Ackerbau treibende Bevölkerung Irans, welche
zur iranischen Völkerfamilie gehört und durchgehends die
persische Sprache spricht. Sie finden sich in Ostiran
(Afghanistan), in Kabul und Herat, in Balch, Chiwa, Bochara sowie
in Badachschan bis gegen die Hochebene Pamir und in Kaschgarien
unter dem angeführten Namen, während sie im westlichen
Iran (Persien) unter dem speziellen Namen der Perser (Farsi)
bekannt sind. Als Handel treibendes Volk trifft man sie auch
vielfach außer Landes, östlich bis nach China und
westlich bis Orenburg und Kasan. Die östlichen T.
unterscheiden sich von den Persern durch manche körperliche
Eigenschaften und bewahren auch verschiedene altertümliche
Sitten und Gebräuche. Vgl. Afghanistan, S. 143, Persien, S.
866, etc.
Tadschurrabai, tief eindringende Meeresbucht in
Nordostafrika, an der Danakilküste, westlich von Bab
Ta-dse - Taft. 4^9 el Mandeb, deren Einfahrt im N. Ras Bir, im
S. Ras Dschebuti markiert. In derselben liegen die früher
England, jetzt Frankreich gehörigen Muscha-inseln; an der
Nordseite die Ortschaften Obok (s. d.), Tadschurra, Ambado,
Sagallo. Ta-dse, Volk, s. Orotschen. Tael (spr. tehl, chines.
Liang), Gewicht und Rech-nungsgeld, in China a 10 Mace a 10
Candarin a 10 Käsch; in Schanghai 1 T. = 34,246 g fein Silber,
=6,164 Mk., etwa 2,75 Proz. mehr alsderRegierungs-(Haikuan-) T.
für Zölle und Tonnengelder. Im aus-wärtigen Handel
rechnet man 72 T. = 100 mexikan. Dollar; mithin ist 1 T. = 33,^87 g
fein Silber = 6 Mk. 1 Kanton- T. als Gold- und Silbergewicht =
37,573 g; 16 Taels = 1 Kin oder Kätty; als Han-delsgewicht =
37,79.^ g. Tafalla, Bezirksstadt in der span. Provinz Navarra, an
der Eisenbahn Alsasua-Saragossa, mit altem Schloß und (1878)
6040 Einw. Tafelauffa.^, ein zum Schmuck der Tafel dienendes
Schaustück, zumeist aus Edelmetall (Silber und ver- goldetem
Silber), in neuerer Zeit auch aus Bronze. Der T. hat
gewöhnlich die Gestalt einer flachen, von einem hohen
Fuß getragenen Schale, aus welcher ein kelchförmiger
Aufsatz zur Aufnahme von Blumen emporsteigt. Dieser Grundform
^entspricht der be-rühmte T. von Iamnitzer (s. Tafel
"Goldschmiede-kunst", Fig. 3). Doch wurden in der gotischen und
Renaissan^zeit auch Tafelaufsätze in der Gestalt von
phantastischen oder tropischen Tieren (Elefanten, Straußen
etc.), von Schiffen (das "glückhafte Schiff"), Brunnen,
Festungen etc. angefertigt. Die neuere Gold-schmiedekunst hat die
Tafelaufsätze durch Anordnung von Schalen neben- und
übereinander, durch Verbin-dung von Kristall mit Edelmetall
noch reicher gestaltet. Tafelbai, große Bai an der
Südwestküste des Kap- landes, offen und daher trotz
vielfacher Verbefserun- gen nicht sicher. An derselben liegt die
Kapstadt und hinter dieser der Tafelberg (1072 m), welcher oben
eine 2 km breite vollständige Ebene hat. Tafelbauaue, s.
Heliconia. Tafelberg, s. Tafelbai. Tafelbild, ein auf einer
Holztafel gemaltes Bild; dann im Gegensatz zur Wandmalerei jedes
beweg-liche, also auch auf Leinwand gemalte Bild; danach
Tafelmalerei, die Malerei auf Holzplatten. Tafelbouillou, s.
Bouillontafeln. Tafeldru.k, Zeugdruck mit Applikations- (Tafel-)
Farben, s. Zeugdruckerei. Tafelfichte, die höchste Spi.tze des
Isergebirges (s. d.), 1123 m hoch. Tafelgefchäft (auch
Handverkauf genannt), im Bankgeschäft der Verkauf von Effekten
an die Stamm-kunden der Bank. Tafelgüter (Bona mensalia), zum
Unterhalt des landesherrlichen Hofs, besonders in den ehemaligen
geistlichen Staaten, bestimmte Güter. Sie hießen, wenn
in Lehngütern bestehend, Tafellehen. Vgl. Domäne.
Tafella^, s. Schellack. Tafelland, Hochebene größerer
Ausdehnung; be- sonders eine Hochebene, welche sich nur einseitig
an ein Gebirge anschließt und, aus ungefähr
horizonta-len Schichtsystemen zusammengesetzt, gewöhnlich in
mehreren Stufen gegen das Tiefland abfällt. P la-teau
würde in dieser Ausscheidung des engern Be-griffs als Synonym
von T. aufzufaffen sein. Die Plateaus der Kalkalpen, des Karstes,
die von Süd-afrika u. a. sind Beispiele solcher
Tafelländer. Tafelruude, in der Sage der Kreis von Helden, die
zu des britischen Königs Artus Hofhaltung gehör- ten und
von ihm um eine runde Tafel, um die Gleich-heit der an ihr
Sitzenden zu bezeichnen, an seinen Hoffesten versammelt wurden.
Weiteres s. Artus. Tafelfchiefer, s. Thonschiefer. Tafelspat, s. v.
w. Wollastonit. Tafelstein, s. Edelsteine, S. 314. Täfelwerk^
(Täfelung, Intabulation), Beklei- dung der Wände und
Decken in Zimmern und Sä-len mit gefalzten oder genuteten
Brettern, befser mit Rahmhölzern und Füllungen, welche
beim Schwin- den des Holzes keine Spalten zeigen. Hartes, z. B.
Eichenholz, ist, weil es weniger leicht stockt oder fault, weichem,
z. B. Tannen- oder Kiefernholz, vorzu^ie-hen und bei Anwendung des
letztern das T. in einem Abstand von 15-25 mm von der
Wandfläche anzu- bringen. Bei einfachern Gebäuden wird
das T. mit gekehlten Rahmhölzern, bei Prachtbauten mit
Schnitz-werk versehen. Die Firnisse oder Ölanstriche, welche
man demselben zur Verbesserung seines äußern An-sehens
meist in Naturfarbe gibt, tragen zugleich zum Schutz des Holzes
gegen Feuchtigkeit bei. Die Holz- bekleidung ganzer Wände,
welche un Mittelalter nicht selten und oft sehr kunstvoll
ausgeführt war, wovon unter anderm Nürnberg und die^
Feste Koburg treff-liche Beispiele geben, wird in der Gegenwart
meist auf die untern Teile derselben (Brüstungen, Lam- bris)
beschränkt und das T. hierbei mit Fuß- und Deckleiste
versehen. Vgl. Fink, Der Bautischler (Leipz. 1867-69, 2 Bde.).
Tasseh, türk. Gewicht für Seide, = 1,954 kg. Taffia, f.
v. w. Rum. Tafilet (Tafilelt), große Oase in Marokko, im S.
des Atlas, unter 31° nördl. Br. und 3° 30^ westl. L.
v. Gr., die südlichste einer vom Wadi Sis durchzogen nen Reihe
von Oasen, wird von diesem wie von meh-reren andern Wadis
bewässert, welche aber nur im Frühjahr Wasser führen
und dann im südlichsten Teil der Oase dieSebchaDaya elDura
bilden. Berg- züge, darunter der Dschebel Belgrüll im
NW., um- schließen fast ringsum den 1000 qkm messenden Raum,
welcher wegen der mangelhaften Bewässerung nur für
Dattelpalmen geeignet ist; die Datteln von T. sind aber auch als
die vorzüglichsten der Wüste bekannt, nur selten ist der
Anbau von Weizen, Gerste, Klee möglich. Datteln sind der
bedeutendste Aus-fuhrartikel, daneben gegerbte Felle,
Straußfedern, Sklaven und Goldstaub. Fast alle
europäischen Wa-ren werden in den Bazaren verkauft. Die ca.
100,000 Einw., teils Araber, teils Berber, wohnen in 150
Dörfern oder Ksurs, unter welchen Er Rissani, Sitz des
Gouverneurs, das größere, Abuam aber durch Industrie und
Handel viel bedeutenderist. DieBewoh-ner der einzelnen Ksurs leben
in beständigem Kampf miteinander. Nahe bei Abuam die Ruinen
des im Mittelalter berühmten Sedjelmafsa. Vgl. Rohlfs, Reise
durch Marokko (Brem. l 869). Tafna, Küstenfluß in der
alger. Provinz Oran, bekannt durch die Kämpfe zwischen
Franzosen und Kabylen 26. -28. Ian. 1836. An der T. schlossen di^
Franzosen 30. Mai 1837 Frieden mit Abd el Kader. Taft, großes
Dorf in der persischen Provinz Ira.^ Adschmi, südwestlich
unweit Iezd, mit 5000 Einw , einer der Hauptwohnsitze von
Feueranbetern, besitzt einen hübschen Bazar, ein kleines Fort
und viele schöne Gärten und ist berühmt wegen der
Fabrikation einer vorzüglichen Filzsorte. Taft (Taffet),
lein1vandartig gewebter Stoff aus entschälter Seide mit
Organsinkette und Einschlag von Tramseide, meist schwarz, aber von
verschiedener
490
Taftpapier - Taganrog.
Dichtigkeit. Hiernach unterscheidet man ganz leichten Futtertaft
(Avignon, Florence), etwas schwerern Kleidertaft, Doppeltaft
(Marcelline) und Gros (mit vielen Beinamen, wie de Naples, de
Tours, d'Orleans etc.), welcher auf der Oberfläche eine Art
regelmäßiger Körnung zeigt oder, wenn starke mit
schwachen Fäden wechseln, gerippt erscheint.
Taftpapier, einseitig gefärbtes und mit Glanz
versehenes Papier.
Tag (lat. Diës), entweder die Dauer eines
scheinbaren Umlaufs des Fixsternhimmels oder der Sonne um die Erde,
oder im gewöhnlichen Sinn: die Zeit des Verweilens der Sonne
über dem Horizont, im Gegensatz zur Nacht, während
welcher sie sich unter dem Horizont befindet. Bestimmter nennt man
Sterntag die Dauer eines scheinbaren Umlaufs des Fixsternhimmels
oder einer Rotation der Erde um ihre Achse. Die Dauer des Sterntags
ist so gut wie unveränderlich, wenn auch gewisse
Unregelmäßigkeiten der Mondbewegung eine geringe
Veränderung andeuten, während zugleich in der Wirkung der
Flutwelle (wie schon Kant bemerkt hat) und in den durch
allmähliche Erkaltung der Erde, durch Einstürze u. dgl.
in ihrem Innern bedingten Massenumsetzungen Ursachen für eine
Veränderung gegeben sind. Der Sterntag beginnt im Augenblick
der obern Kulmination des Frühlingspunktes. Er wird in 24
gleich lange Stunden zu 60 Minuten zu 60 Sekunden geteilt;
Zeitangaben in diesem Maß nennt man Sternzeit. Obwohl uns nun
die Natur in der Rotation der Erde um ihre Achfe das
gleichförmigste Zeitmaß darbietet, so ist doch der Auf-
und Untergang der Sonne von so überwiegender Wichtigkeit
für das bürgerliche Leben, daß man in diesem nicht
nach Sterntagen, sondern nach Sonnentagen rechnet. Wahrer Sonnentag
ist die Zeit zwischen zwei aufeinander folgenden mittägigen
Kulminationen der Sonne. Da aber dieser Zeitraum infolge der
Ungleichförmigkeit der Bewegung der Sonne am Fixsternhimmel im
Lauf des Jahrs nicht unbeträchtlichen Veränderungen
seiner Dauer unterliegt (vgl. Sonnenzeit), so benutzt man den
jährlichen Mittelwert desselben unter dem Namen mittler T.
(bürgerlicher T.). Derselbe beträgt 24 Stunden 3 Min.
56,6 Sek. Sternzeit und wird ebenfalls in 24 gleiche Stunden zu 60
Minuten zu 60 Sekunden eingeteilt. Die in diesem Maß
ausge-drückte Zeit heißt mittlere Zeit; sie wird von
unsern mechanischen Uhren angegeben und sowohl im bürgerlichen
Leben als auch in der Wissenschaft angewandt. Die christlichen
Völker beginnen den T. mit Mitternacht und zählen
während desselben ziemlich allgemein zweimal 12 Stunden. Die
Astronomen aber fangen den T. erst mit dem Mittag an und
zählen die Stunden bis 24. Es bedeutet also die astronomische
Angabe "Juli 23, 19h 12m" so viel wie "7 Uhr 12 Min. vormittags am
24. Juli" (h=hora, Uhr; m=Minuten). Man bezeichnet den Zeitraum von
24 Stunden auch als künstlichen T., im Gegensatz zum
natürlichen T., worunter man die Zeit des Verweilens der Sonne
über dem Horizont versteht. Am Äquator beträgt der
letztere jahraus jahrein 12 Stunden; an andern Punkten der Erde ist
dies nur im Frühlings- und im Herbstanfang, wenn die Sonne im
Äquator steht, der Fall. Sobald die Sonne sich nördlich
über den Äquator erhebt, werden auf der nördlichen
Hemisphäre der Erde die Tage immer länger, und für
die Orte zwischen Äquator und Polarkreis (66 1/2° Br.)
erreicht der T. seine größte Dauer, wenn die Sonne im
Wendekreis des Krebses steht (Sommersolstitium). Von da nimmt die
Tageslänge wieder ab, erreicht den Wert von 12 Stunden im
Herbstanfang und den kleinsten Wert (24 Stunden weniger des
längsten Tags), wenn die Sonne im Wendekreis des Steinbocks
steht (Wintersolstitium). worauf er wieder wächst. Für
die südliche Erdhalbkugel dagegen tritt der längste T.
ein, wenn die Sonne im Wendekreis des Steinbocks, der
kürzeste, wenn sie im Wendekreis des Krebses steht. Die
Größe t des halben Tagbogens für den längsten
T. in der Breite f erhält man aus der Formel cos t=-tan f.tan
23 1/2; je 15 Bogengrade entsprechen einer Stunde. Es ergeben sich
auf diese Weise folgende Werte:
Breite f Tagbogen 2t Längster Tag
0° 180° 0,0' 12 Stunden 0 Minuten
5° 184° 21,0' 12 Stunden 18 Minuten
10° 188° 50,5' 12 Stunden 35 Minuten
15° 193° 21,2' 12 Stunden 53 Minuten
20° 198° 10,3' 13 Stunden 13 Minuten
23 1/2° 201° 42,1' 13 Stunden 27 Minuten
25° 203° 20,8' 13 Stunden 33 Minuten
30° 209° 0,7' 13 Stunden 56 Minuten
35° 2l5° 22,5' 14 Stunden 21 Minuten
40° 222° 42,0' 14 Stunden 51 Minuten
45° 231° 25,7' 15 Stunden 26 Minuten
50° 242° 16,3' 16 Stunden 9 Minuten
55° 256° 34,8' 17 Stunden 6 Minuten
60° 277° 26,7' 18 Stunden 30 Minuten
65° 317° 0,8' 21 Stunden 8 Minuten
66 1/2° 360° 0,0' 24 Stunden 0 Minuten
Für den Polarkreis beträgt der längste T. 24
Stunden; für die dem Pol noch näher liegenden Orte aber
geht schon vor der Sommersonnenwende die Sonne nicht mehr unter, es
ist dann immerwährender T., dessen Dauer mit der
Annäherung an den Pol zunimmt und für diesen selbst ein
halbes Iahr beträgt. Dem immerwährenden T. entspricht ein
halbes Jahr später die gleich lange immerwährende Nacht.
Der immerwährende T. währt so lange, als die Poldistanz
(90° weniger der Deklination) der Sonne kleiner ist als die
geographische Breite; seine Dauer ist
1 Monat in 67° 23' Breite 4 Monate in 78° 11' Breite
2 Monate in 69° 51' Breite 5 Monate in 84° 5' Breite
3 Monate in 73° 40' Breite 6 Monate in 90° 0' Breite
Bei verschiedenen orientalischen Völkern, auch den
Israeliten, ferner bei Griechen und Römern wurde im Altertum
der natürliche T. und ebenso die Nacht in 12 gleich lange
Stunden geteilt, deren Dauer in den verschiedenen Jahreszeiten
verschieden war (horae temporales bei den Römern, während
die immer gleich langen horae aequinoctiales hießen). Vgl.
Bilfinger, Der bürgerliche T. (Stuttg. 1888). - T. heißt
auch eine im voraus bestimmte Versammlung, z. B. Landtag,
Reichstag, Fürstentag etc.
Tag, der bergmännische Ausdruck für
Erdoberfläche, im Gegensatz zu den unterirdischen
Grubenräumen, daher die Ausdrücke "über" und
"unterTage".
Tagal, Stadt, s. Tegal.
Tagala (Tekela), Berglandschaft im südlichen
Kordofan, vom Sirga durchflossen.
Tagálen, Volk, s. Philippinen, S. 1004.
Taganai, ein Berg des südlichen Urals, im russ.
Gouvernement Ufa, Kreis Slatoust, 1203 m hoch, berühmt durch
seine Aventurine.
Taganrog, Hafenstadt im russ. Gouvernement
Jekaterinoslaw, am nordöstlichen Ufer des Asowschen Meers, auf
einer Landzunge, 30 km westlich von der Mündung des Don, an
der Eisenbahn Charkow-Rostow gelegen, hat 11 Kirchen (darunter 10
griechisch-russische), eine Synagoge, ein griechisches Kloster
(Jerusalemkloster), ein kleines kaiserliches Palais, in welchem
Alexander I. 1825 starb, ein Denkmal des
491
Tagblindheit - Tagewählerei.
genannten Kaisers (1831 errichtet), 2 Gymnasien (eins für
Knaben und eins für Mädchen), ein Theater, eine
Börse und (1885) 56,047 Einw. (sehr viele Griechen und Juden,
aber auch Armenier, Italiener und Deutsche). T. ist einer der
wichtigsten Handelsplatze Südrußlands. Die weite Reede
ist flach und durch Sandbänke gefährlich. Die Ausfuhr
betrug 1887: 14 Mill., die Einfuhr 2 Mill. Rubel. Ausfuhrartikel
sind hauptsächlich: Weizen, Butter, Leinsaat und Talg;
Gegenstände der Einfuhr: Früchte, Wein, Öl und
Metallfabrikate. Die Gewerbthätigkeit ist gering. Im Hafen
liefen 1887: 868 Schiffe mit 483,152 Ton. ein, außerdem im
Küstenverkehr 1465 Fahrzeuge mit 282,800 Ton. Die
Militär- und Zivilverwaltung liegt in den Händen eines
Stadtpräfekten. T. war ursprünglich eine Festung, die
1698 von Peter I. angelegt und nach ihrer Schleifung infolge des
Friedens am Pruth (1711) von Katharina II. 1769 wiederhergestellt
ward. Es wurde 22. Mai 1855 von einer englisch-französischen
Flotte bombardiert und teilweise zerstört.
Tagblindheit (Nachtsehen, Nyktalopie, Coecitas diurna),
Mangel des Gesichts, der darin besteht, daß die Kranken bei
Tag und besonders gegen Mittag schwachsichtig oder blind sind, mag
sie nun Licht oder Dämmerung umgeben, während sie des
Nachts, vorzüglich gegen Mitternacht, bei Kerzen- oder bei
Mondlicht am besten sehen. Die Krankheit befällt fast immer
beide Augen zu gleicher Zeit. Die wahre T. ist eine rein
periodische Krankheit und hängt nicht von dem Grade des Lichts
ab wie die symptomatische T. Beide beruhen auf einem
Reizungszustand der Retina, in welchem dieselbe helles Licht nicht
verträgt. Als Ursachen der T. werden genannt verschiedene
Krankheiten des Auges und des Körpers überhaupt, ferner
Entwöhnung vom Licht, erbliche Anlage und endemische
Einflüsse. Die Prognose hängt von den Ursachen ab. Die
als reines Lokalleiden der Netzhaut auftretende T. pflegt in 2-3
Monaten zu verschwinden, macht aber bisweilen, selbst zu bestimmten
Jahreszeiten, Rückfälle. Die durch Entwöhnung vom
Licht entstandene T. geht bei falscher Behandlung des Auges leicht
in vollkommene Blindheit über. Außer der Beseitigung der
Ursachen hat die ärztliche Behandlung namentlich darauf zu
sehen, daß der Kranke seine Augen längere Zeit hindurch
vollkommen ruhen lasse und sie erst ganz allmählich dem
Lichtreiz wieder aussetze. In nordischen Ländern ist der
Gebrauch einer Schneebrille als schützendes Mittel zu
empfehlen.
Tagbogen, der Teil des Tagkreises, den ein Gestirn im
täglichen Umschwung um die Erde oberhalb des Horizonts
beschreibt, im Gegensatz zu dem unterhalb des Horizonts gelegenen
Teil, dem Nachtbogen.
Tagebau, im Gegensatz zum Grubenbau Abbauanlagen
über Tag; vgl. Bergbau, S. 723.
Tagebruch, Einsenkung der Erdoberfläche, entstanden
durch Einsturz alter bergmännischer Anlagen.
Tagebuch, s. v. w. Journal (s. Buchhaltung, S. 565). Bei
der doppelten Buchführung paßt die Bezeichnung T. nur
dann, wenn die Übertragungen aus den Vorbüchern
täglich erfolgen, wie dies bei der französischen
Buchhaltung geschieht. Über die Tagebücher der Makler s.
Makler, S. 135.
Tagegelder, s. Diäten.
Tagekranz, s. Hängebank.
Tagelied (Tageweise, Wächterlied), eine Gattung des
mittelalterlichen Minnegesangs, welche balladenartig das Scheiden
zweier Liebenden schildert, woran der Turmwächter, den
anbrechenden Tag verkündend, mahnt. Diese Dichtungsform war in
der Provence erfunden, wurde aber in Deutschland schon früh
nachgeahmt und hier, teils mit der Figur des Wächters, teils
ohne dieselbe als bloßes Scheideduett, bald sehr
populär; als größter Meister derselben erscheint
Wolfram von Eschenbach. Später übernahm das Volkslied die
Pflege der Tageweisen, die in der Reformationszeit auch eine
geistliche Umdeutung erfuhren, wodurch die sogen. geistlichen
Wächterlieder entstanden, als deren letztes das noch heute
gesungene Lied "Wachet auf, ruft uns die Stimme" von Ph. Nicolai zu
nennen ist. Vgl. Bartsch, Gesammelte Vorträge und
Aufsätze (Freiburg 1883); Gruyter, Das deutsche T. (Leipz.
1887).
Tagelöhner, derjenige, welcher gegen Tagelohn
arbeitet. Vgl. Arbeitslohn, S.759.
Tages, nach röm. Mythus der Sohn eines Genius und
Enkel des Jupiter, tauchte bei Tarquinii in Etrurien aus der Furche
eines frisch gepflügten Feldes plötzlich empor und
lehrte, ein Knabe von Ansehen, ein Greis an Weisheit, den Etruskern
die Haruspizien (s. Haruspices), die dann von ihnen in den Libri
tagetici aufgezeichnet wurden.
Tagesbefehl, s. v. w. Parolebefehl, s. Parole.