Tabasco, ein Küstenstaat der Republik Mexiko, am

Mexikanischen Meerbusen, 25,241 qkm (458,4 QM.) groß mit

(1882) 104,747 Einw., ist ein vom untern Grijalva und einem Arm des

Usumacinta durchzogenes Flachland, feucht und ungesund, aber

ungemein fruchtbar. Nur an der Südgrenze treten bewaldete

Hügel auf. Hauptprodukte sind: Kakao, Mais, Zuckerrohr,

Kaffee, Piment, Bohnen, Reis, Tabak, Vanille, Sassaparille, die

verschiedensten Nutz- und Farbhölzer. Fabriken gibt es nicht.

Die Hauptstadt San Juan Bautista de T. liegt am Grijalva, 100 km

oberhalb dessen Mündung auf einer Anhöhe in fruchtbarer,

Überschwemmungen ausgesetzter Gegend, hat ein

Regierungsgebäude, ein Colegio Juarez, ein Zollamt und 8000

Einw. An der Mündung des Flusses liegt der Hafen Frontera de

T. mit Leuchtturm und (1880) 2168 Einw. Die Ausfuhr wertete

1883-84: 626,209 Pesos.

Tabasmyrte, s. Pimenta.

Tabatiere (franz., spr. -tjähr),

Schnupftabaksdose.

Tabatieregewehr, das Snider-Gewehr mit

tabaksdosenähnlichem Verschluß, wurde 1870/71 von der

franz. Mobilgarde geführt; s. Handfeuerwaffen, S. 104.

Tabatinga, Stadt in der brasil. Provinz Amazonas, dicht

an der Grenze von Peru am Amazonenstrom, 3375 km oberhalb

Pará, hat lebhaften Handel und ist in der neuesten Zeit als

Dampfschiffstation wichtig geworden.

Tabellen (lat.), auch Tafeln, in Rubriken geordnete

Zusammenstellungen des Gesamtinhalts irgendeines Wissensgebiets.

Derartige T. finden mannigfache Verwendung im Unterrichtswesen,

wenn auch ihr Wert nach dem heutigen Stande der wissenschaftlichen

Pädagogik nicht mehr so hochgeschätzt wird wie ehedem,

indem sie nur nachträglich zur festern Einprägung

einzelner Hauptpunkte oder zum Nachschlagen bei der Vorbereitung

benutzt werden, aber nicht in den Mittelpunkt des Unterrichts

treten sollen. Dahin gehören unter andern Geschichtstabellen,

Regenten- u. Stammtafeln, tabellarische Übersichten

naturhistorischer Systeme, des spezifischen Gewichts der

wichtigsten Naturkörper, des Atomgewichts der Elemente; auch

Logarithmentafeln, Zins- und Zinseszinstabellen für Arithmetik

und Trigonometrie u. a. Wichtiger noch ist die Rolle, welche das

Tabellenwesen in der Statistik spielt. Die gesetzmäßig

wiederkehrenden Zahlenverhältnisse im Wechsel der

Bevölkerung etc. sind von dieser Wissenschaft in feste T.

gebracht worden, auf welchen sich dann die praktischen

Schlußfolgerungen aufbauen, wie z. B. die Berechnung der

Beiträge für Lebensversicherung, Witwenversorgung etc.

auf den Mortalitätstabellen. Auch die Ergebnisse statistischer

Erhebungen über Alters-, Erwerbsverhältnisse,

Nationalvermögen, Gesundheitsstand werden zumeist in Form der

T. sich darstellen. Erhellt hieraus die weitgreifende Bedeutung der

T. für das moderne Leben, so darf anderseits nicht

verschwiegen werden, daß sie im Organismus der Verwaltung oft

unverhältnis-

485

Taberistan - Täbris.

mäßig viel Kraft verzehren, und daß sie, um mit

Sicherheit praktisch verwertet zu werden, ebenso sorgfältig

aufgestellt wie vorsichtig benutzt sein wollen.

Taberistan (Tabaristan), Landschaft im nördlichen

Persien, den gebirgigen Südosten der Provinz Masenderan

umfassend, das Land der Tapuri im alten Hyrkanien, hat

schönes, die Viehzucht begünstigendes Weideland, viel

dichten Wald und Wild, zahlreiche kleine Flüsse und ein

angenehmes Klima. Das Mineralreich liefert besonders Schwefel. Die

teils ansässigen, teils nomadisierenden Einwohner bekennen

sich zum Islam.

Tabernaculum (lat., Tabernakel), s. v. w.

Sakramentshäuschen. In der lateinischen Bibelübersetzung

heißt T. die Stiftshütte der Israeliten, daher bei

Methodisten s. v. w. Bethaus.

Tabernaemontana Arn., Gattung aus der Familie der

Apocynaceen, Sträucher oder Bäume mit

gegenständigen, ganzen Blättern, zu zweien

endständigen, weißen oder gelben, wohlriechenden

Blüten und fleischigen, wenigsamigen Früchten. Viele in

den Tropen weitverbreitete Arten. T. utilis Arn. (Milchbaum von

Demerara, Hya-Hya), ein Baum Guayanas von 9-12 m Höhe, mit

grauer, etwas rauher Rinde, aus welcher bei Verletzungen eine

weiße Milch fließt, die von der des Kuhbaums (s.

Galactodendron) wesentlich verschieden ist, aber, wie diese, als

nahrhaftes, wohlschmeckendes Getränk benutzt werden kann und

frei von aller Schärfe ist. T. dichotoma Roxb. (Evaapfelbaum),

ein immergrüner Baum Ceylons mit wohlriechenden Blüten

und an fadenförmigen Zweigen hängenden, sehr giftigen

Früchten, welche Äpfeln ähneln, aus denen ein

Stück herausgebissen ist. T. coronaria W., mit großen,

weißen, sehr wohlriechenden Blüten, aus Ostindien

stammend, wird als Zierpflanze kultiviert.

Taberne (lat., auch Taferne), Wirtshaus, namentlich

Weinschenke; seltener Herberge.

Tabes (lat.), Auszehrung, Schwindsucht, besonders

Rückenmarksschwindsucht (s. d.); T. meseraica.

tuberkulöse und käsige Zerstörung des Darms und der

Gekrösdrüsen.

Tableau (franz., spr. tabloh), Gemälde; wirkungsvoll

gruppiertes Bild (namentlich im Schauspiel); auch s. v. w.

übersichtlich angeordnete Darstellung. Tableaux vivants ,

lebende Bilder (s. d.).

Table de marbre (franz., "Marmortafel"), in Frankreich

ehemals Name des Marschalls-, Admiralitäts- und besonders des

Oberforstgerichts; früher auch Name der Bühne, auf

welcher die Clercs der Bazoche (s. d.) ihre Theatervorstellungen

gaben.

Table d'hote (franz., spr. tabl doht), "Wirtstafel" in

einem Gasthaus (Hotel) mit festem Preis für das Gedeck, an

welcher die Gäste gemeinschaftlich teilnehmen, ohne sich die

Speisen auswählen zu können.

Tablette (franz.), Täfelchen; Schreibtafel;

Büchergestellchen; Präsentierteller. Tabletterie, kleine

Artikel der Kunsttischlerei, wie Kästchen, kleine

Schränke, Kartenpressen, Damenbretter u. dgl., Gegenstand

einer namentlich in Wien, Nürnberg, Fürth, Berlin,

Dresden, Prag etc. vertretenen Industrie.

Tablinum (lat.), der Teil des altrömischen Hauses,

welcher sich zwischen dem Atrium und dem hintern Raum (Peristylium)

befand und meistens dem Herrn zum Geschäftszimmer diente. S.

Tafel "Baukunst VI", Fig. 4.

Taboga, Insel im Golf von Panama (Zentralamerika), 30 km

südlich von der Stadt Panama, ist etwa 6 km lang, dicht

bewaldet und hat 1568 Einw., die Perlenfischerei treiben.

Taboleira (Platte, Tischplatte), in Brasilien Name der

kaum merklich wellenförmigen, zugleich vorherrschend

dürren Ebenen, welche den Mesas in den Llanos von Venezuela

entsprechen.

Tabor, in der türk. Armee das Infanteriebataillon,

im Kriegsetat etwa 830 Köpfe stark; 3 Tabors bilden 1 Regiment

und 8 Kompanien (Bölük) 1 T.

Tabor (vom türk. thabur, "Lager"), bei den Tschechen

übliche Bezeichnung für Volksversammlung.

Tabor (Atabyrius mons, arab. Dschebel Tûr), Berg in

Palästina, 9 km südwestlich von Nazareth, ein 650 m hoher

stumpfer Kegel, nach der (irrigen) Tradition der Berg der

Verklärung Christi. Am T. schlug Barak den Kanaaniter Sissera

(Richter 4, 6 ff.); Antiochos d. Gr. fand 218 v. Chr. eine Stadt T.

auf dem Gipfel des Bergs; 53 n. Chr. wurde hier von den Römern

unter Gabinius den Juden eine Schlacht geliefert. Später

ließ Josephus den T. befestigen, ebenso 1212 Melek el Adil,

der Bruder Saladins; im April 1799 siegte hier General Kleber

über die englisch-türkische Armee. Heutzutage befinden

sich aus dem Gipfel zwei (nicht alte) Klöster.

Tabor, Stadt im südöstlichen Böhmen, auf

steiler, von der Luschnitz umflossener Anhöhe, 460 m ü.

M., am Kreuzungspunkt der Staatsbahnlinien Wien-Prag und

Iglau-Pisek, hat eine Bezirkshauptmannschaft, ein Kreisgericht,

eine Finanzbezirksdirektion, ein Oberrealgymnasium, eine

landwirtschaftliche Lehranstalt, eine Dechanteikirche und ein

Rathaus (mit Museum), beide aus dem 16. Jahrh., mittelalterliche

Stadtmauern mit Türmen, eine neue Synagoge, ein Theater,

hübsche Anlagen, eine Badeanstalt, eine Sparkasse (2 Mill.

Gulden Einlagen), eine ärarische Tabaksfabrik, Bierbrauerei,

Malzfabrik, Gerberei, Kunstmühlen, starken Vieh- und

Getreidehandel und (1880) 7413 Einw. Den Marktplatz schmückt

seit 1877 ein Denkmal Ziskas. Die Stadt steht an der Stelle der

uralten Festung Kotnow, deren malerische Trümmer noch

vorhanden sind, und wurde 1420 von den Hussiten unter Ziska als

verschanztes Lager (Tábor) erbaut.

Tabora, großer Markt der arabischen

Sansibarhändler, südlich vom Ukerewesee, unter 5°

südl. Br. und 33° östl. L. v. Gr., die vielbesuchte

Zwischenstation aller Reisenden, welche von Sansibar westwärts

nach Innerafrika gehen.

Taboriten, Partei der Hussiten (s. d.), welche sich nach

der Hussitenfeste Tabor (Kotnow) benannte und in politischer wie

religiöser Hinsicht radikale Tendenzen verfolgte, selbst aber

wieder in zahlreiche Sekten zerfiel. Gemeinsame Forderungen

derselben waren die Anerkennung der individuellen Überzeugung

auf Grund der Heiligen Schrift und eine republikanische Verfassung

ohne Unterschied der Stände u. des Eigentums. Ausartungen

waren die Adamiten (s. d.) und Picarden (s. d.). Der niedere Adel,

die Bürgerschaft der Städte und die Masse des Landvolkes

schlossen sich meist den T. an. Ihre Führer waren Nikolaus von

Pistna (Hus) und Ziska, dann die beiden Prokope. Im Kampf gegen die

deutschen Kreuzheere zeigten sie sich tapfer und

unüberwindlich; war die Gefahr vorbei, so wandte sich ihr

Haß gegen die Gemäßigten (Kalixtiner), und sie

verheerten Böhmen und die Nachbarländer durch

Plünderungszüge, bis sie durch die gemäßigte

Partei in der Schlacht bei Böhmisch-Brod 30. Mai 1434

vernichtet wurden. Vgl. Krummel, Utraquisten und T. (in der

"Zeitschrift für historische Theologie" 1871); Preger,

über das Verhältnis der T. zu den Waldesiern (Münch.

1887).

Täbris, Stadt, s. Tebriz.

486

Tabu - Tachometer.

Tabu (Tapu), nach einem aus der Sprache der

Südseeinsulaner herrührenden Wort s. v. w. unverletzlich.

So gelten bei Naturvölkern die Person des Häuptlings,

Begräbnisplätze, Kultstätten etc. an sich als t.;

aber man wußte auch jede beliebige andre Örtlichkeit,

einen Baum, verlassene Wohnungen, ja ein einzelnes

Besitzstück, vor Annäherung, Berührung oder Wegnahme

zu schützen, indem man sie mit einem einfachen Faden, in den

unter bestimmten Zeremonien einige Knoten mit oder ohne Fetische

eingeknüpft worden waren, umgrenzte oder umband (s.

Knotenknüpfen). Die Rassenangehörigen waren

überzeugt, daß bei Verletzung dieses Fadens alle

Übel, die der Knotenschürzer hineingeknüpft hatte,

unfehlbar auf sie fallen würden, und so ersetzte der

Aberglaube die noch unausgebildete Sicherheitspolizei bei den

verschiedensten Naturvölkern, denn unter verschiedenen Formen

findet oder fand sich das T. in allen Erdteilen.

tabula Amalphitana. s. Amalfi.

tabula rasa (lat.), eigentlich abgekratzte, leere

Schreibtafel, auf welcher das mit dem Griffel in den

Wachsüberzug derselben Eingegrabene durch Umkehrung des

Griffels wieder vertilgt worden; daher sprichwörtlich T. r.

machen, s. v. w. alles aufzehren, aufarbeiten, vollständig

beseitigen.

Tabularium (lat.), öffentliches Archiv.

Tabulat (lat.), gedielter Gang in Klöstern etc.

Tabulatur (v. lat. tabula, Tafel), eine seit dem Beginn

des vorigen Jahrhunderts veraltete Tonschrift, welche sich der

Liniensysteme und Notenköpfe nicht bediente, sondern die

Töne nur durch Buchstaben oder Zahlen bezeichnete. Da unsre

Notenschrift auf Linien nur eine abgekürzte

Buchstabentonschrift ist (der Baßschlüssel ist ein

unkenntlich gewordenes F, der Altschlüssel ein c, der

Violinschlüssel ein g), so ist es nicht verwunderlich,

daß die Buchstabentonschrift von A-G älter ist als unser

Notensystem; ihr Ursprung reicht mindestens bis ins 10. Jahrh.

zurück, wenn auch bestimmt nicht bis zu Gregor d. Gr., wie man

früher annahm (vgl. Buchstabentonschrift). Speziell für

die Orgel und für das Klavier war diese sogen. deutsche oder

Orgeltabulatur besonders im 15. und 16. Jahrh. in Deutschland

allgemein üblich; für andre Instrumente, besonders die

Laute (s. d.), hatte man in verschiedenen Ländern verschiedene

eigne Buchstaben- oder Zifferntabulaturen, welche sich aber auf die

Griffe bezogen und je nach Stimmung des Instruments verschiedene

Tonbedeutung hatten. Das Gemeinsame aller Tabulaturen ist eine

eigentümliche Bezeichnung der rhythmischen Werte der Töne

durch über die Buchstaben, resp. Zahlen gesetzte Marken,

nämlich: einen Punkt [....] für die Brevis, einen Strich

| für die Semibrevis, eine Fahne [...] (Häkchen) für

die Minima, eine Doppelfahne [...] für die Semiminima, eine

Tripelfahne für die Fusa und eine Quadrupelfahne für die

Semifusa. Dieselben Zeichen über einem Strich, [...], [...]

etc., galten als Pausen. Später (im 17. Jahrh.) entspricht

aber der Strich | unserm Viertel, [...] dem Achtel, d. h. die

moderne Schreibweise in den kurzen Notenwerten ist von den

Tabulaturen her übernommen worden. Da die Tabulaturen schon im

16. Jahrh. statt der Fähnchen bei mehreren einander folgenden

Minimen etc. die gemeinsame Querstrichelung anwandten, welche die

Mensuralnotenschrift erst zu Anfang des 18. Jahrh. bekam, z. B.

[...] und den Taktstrich durchweg gebrauchten, so sehen jene

Tabulaturen unsrer heutigen Notierung in mancher Beziehung

ähnlicher als die Mensuralnotationen, besonders wenn sie, was

auch vorkam, den Melodiepart auf ein Fünfliniensystem mittels

schwarzer Notenköpfe aufzeichneten, mit denen die rhythmischen

Wertzeichen verbunden wurden. Zahlreiche Druckwerke in

Orgeltabulatur sind auf uns gekommen (von Virdung, Agricola, Paix,

Amerbach, Bernh. Schmid, Woltz u. a.). - Über die T. der

Meistersänger s. Meistergesang.

Tabulett (lat.), Kasten aus dünnen Brettern, worin

wandernde Krämer (Tabulettkrämer, Reffkrämer) ihre

Waren herumtragen.

Tabun (russ.), die in den russischen Steppen und Feldern

weidenden Pferdeherden.

Taburett (franz. Tabouret), Polstersessel, niedriger

Stuhl ohne Arm- und Rücklehne.

Tacamahaca, s. Calophyllum.

Tacchini (spr. tackini), Pietro, Astronom, geb. 21.

März 1838 zu Modena, studierte an verschiedenen

Universitäten Italiens und ward 1859 Direktor der Sternwarte

seiner Vaterstadt. Seit 1863 an der Sternwarte in Palermo

thätig, hauptsächlich mit Beobachtung der Erscheinungen

an der Sonne beschäftigt, gründete er behufs

systematischer spektroskopischer Beobachtung der Sonne mit Secchi

1871 die Italienische Spektroskopische Gesellschaft, in deren

Memoiren er seitdem den größten Teil seiner Arbeiten

veröffentlicht hat. 1874 beobachtete er in Indien den

Venusdurchgang. Gegenwärtig ist T. Direktor des Collegio

Romano zu Rom. Vgl. "Il passaggio di Venere sul Sole dell' 8-9 dec.

1874, osservato a Muddapur" (Pal. 1875).

Tace! (lat.), schweige!

Tacet (lat., auch ital. tace oder taci, abgekürzt

tac., "schweigt") bedeutet in Chor- oder Orchesterstimmen,

daß das Instrument (die Stimme) während der betreffenden

Nummer nicht mitzuwirken hat.

Tachau, Stadt im westlichen Böhmen, an der Mies,

Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit

Dechanteikirche, Franziskanerkloster, Schloß des Fürsten

Windischgrätz, einem Kaiser Joseph-Denkmal, einer Fachschule

für Drechslerei, lebhafter Holzindustrie, Knopffabrikation,

Bierbrauerei und (1880) 4177 Einw. In der Nähe mehrere

Glashütten. Vgl. Stocklöw, Geschichte der Stadt T.

(Tachau 1879).

Tacheometer (Tachymeter), s. Theodolit.

Tachina, Mordfliege; Tachinariae, s. v. w.

Mordfliegen.

Tachira, Sektion des Staats Andes der venezuelan.

Bundesrepublik, an der Grenze von Kolumbien, ist meist gebirgig

(bis 3208 m hoch) und 12,545 qkm (227,8 QM.) groß mit (1873)

68,619 Einw. Landbau bildet die Haupterwerbsquelle, Petroleum ist

gefunden worden. Hauptstadt ist San Christóbal.

Tachograph (griech., "Schnellschreiber"), ein dem

Hektograph ähnlicher Apparat zur leichten Herstellung vieler

Abzüge einer Schrift oder Zeichnung.

Tachometer (griech., Tachymeter,

"Geschwindigkeitsmesser"), mechan. Vorrichtungen zum Messen der

Geschwindigkeit von Maschinen in jedem Augenblick ihrer Bewegung.

Bei allen bisher konstruierten Tachometern wird die

Zentrifugalkraft der sich bewegenden Maschine als treibendes

Element benutzt. Uhlhorn in Grevenbroich bei Düsseldorf hat um

1817 derartige T., namentlich für Baumwollspinnereien, zuerst

konstruiert. Gegen 1844 trat Daniel mit einem T. zum Gebrauch bei

Lokomotiven hervor, bei welchem ein Zentrifugalpendel auf Gewichte

und Federn wirkt und ein Uhrwerk zur Registrierung des Ganges der

Lokomotive mittels Zeichenstifts auf Pappscheiben in

487

Tachopyrion - Tacitus.

Bewegung setzt. Vervollkommt wurde dieses T. durch Dato (s.

Stathmograph). Donkin in England hat das Ausfließen von

Quecksilber zum Messen der Geschwindigkeit benutzt. Dieses

Konstruktionsprinzip ist durch Schäfer und Buddenberg in

Magdeburg für die Praxis weiter entwickelt worden.

Hydrotachometer (Hydrometer) sind Instrumente zur Bestimmung der

Geschwindigkeit fließenden Wassers, also s. v. w. Strommesser

(s. Fluß, S. 410). Vgl. Schell, Die Tachymetrie (Wien

1880).

Tachopyrion (griech.), s. Feuerzeuge.

Tachygraphie (griech.), s. Stenographie.

Tachyhydrit (fälschlich Tachhydrit), Mineral aus der

Ordnung der Doppelchloride, kristallisiert rhomboedrisch, ist

wachs- bis honiggelb, durchsichtig bis durchscheinend,

zerfließt sehr schnell an der Luft (daher der Name) und

besteht aus Chlorcalcium, Chlormagnesium und Wasser

CaCl2+2MgCl2+12H2O. Es findet sich in rundlichen Massen im dichten

Anhydrit der Abraumsalze von Staßfurt.

Tachylyt, Gestein, s. Basalte, S. 414.

Tachymeter, s. v. w. Tachometer; auch ein Distanzmesser

und ein Theodolit besonderer Konstruktion.

Tachypetes, Fregattenvogel.

Tacitus, Marcus Claudius, röm. Kaiser, geb. 200 n.

Chr., leitete sein Geschlecht vom Historiker T. ab und befahl,

dessen Werke in allen Bibliotheken aufzustellen und zehnmal

jährlich auf Staatskosten abzuschreiben. Er ward nach Kaiser

Aurelians Tod und nach einem sechsmonatlichen Interregnum 25. Sept.

275 gegen seinen Willen vom Senat, dem das Heer die Wahl

freigestellt hatte, zum Kaiser erhoben. Er entsprach durch Milde

und Weisheit vollkommen dem Vertrauen, welches ihn auf den Thron

gehoben hatte, führte auch, als 75jähriger Greis, einen

glücklichen Krieg gegen die Alanen, ward aber schon nach sechs

Monaten (April 276) zu Tyana in Kleinasien von den zügellosen

Soldaten erschlagen. Ihm folgte sein Bruder Florianus T., der nach

drei Monaten dasselbe Schicksal hatte.

Tacitus, (Publius?) Cornelius, berühmter röm.

Geschichtschreiber, geboren um 54 n. Chr., war zuerst mit

Auszeichnung als Sachwalter und Redner in Rom thätig, wurde,

wahrscheinlich 79, Quästor, dann, wahrscheinlich 81,

Volkstribun oder Ädil, 88 Prätor, brachte hierauf vier

Jahre, 90-94, vielleicht als Statthalter einer Provinz,

außerhalb der Hauptstadt zu und bekleidete 97 das Konsulat.

In öffentlicher Thätigkeit erscheint er uns zuletzt 100,

wo er mit dem jüngern Plinius, seinem Freund, in einem

bedeutenden Prozeß als Ankläger auftrat. Er starb nach

117. Seine frühste Schrift ist der "Dialogus de oratoribus",

welcher von den Ursachen des Verfalls der Beredsamkeit seit der

Kaiserzeit handelt, eine geistvolle, leider lückenhaft auf uns

gekommene Schrift, wahrscheinlich um 80 verfaßt, die man T.

wegen mancher sprachlicher und stilistischer Verschiedenheiten von

den spätern Schriften mit Unrecht abgesprochen hat. Hierauf

folgten 98 zwei andre kleinere Schriften. "De vita et moribus

Agricolae" und die sogen. "Germania" (eigentlicher Titel: "De

origine, situ, moribus ac populis Germanorum"), ersteres die

Lebensbeschreibung seines Schwiegervaters, letzteres die bekannte,

für uns Deutsche ungemein wertvolle, mit

bewunderungswürdigem Sinn für die Eigentümlichkeiten

eines Naturvolkes abgefaßte Schilderung des damaligen

Deutschland. Des T. beide Hauptwerke aber sind die "Historiae" und

die sogen. "Annales" (eigentlicher Titel: "Ab excessu divi

Augusti"), erstere in 14 Büchern die Geschichte seiner Zeit

von 69 bis 96 n. Chr., letztere, welche später als die

Historien verfaßt und zwischen 115 und 117 herausgegeben

sind, in 16 Büchern die Geschichte des Julisch-Claudischen

Hauses von Augustus' Tode (daher der Titel) von 14 bis 69

enthaltend, so daß beide zusammen ursprünglich die

vollständige Kaisergeschichte von Tiberius bis zum Tode

Domitians umfaßten; von beiden sind nur Teile erhalten, von

den Historien die vier ersten Bücher und ein Teil des

fünften, nicht volle zwei Jahre, 69-70, umfassend, von den

Annalen die sechs ersten (mit einer Lücke zwischen dem

fünften und sechsten Buch), Tiberius' Zeit (14-37), und die

sechs letzten (zu Anfang und zu Ende unvollständigen)

Bücher, Claudius' Regierung und Neros Geschichte 47-68. In

beiden Werken herrscht die annalistische Anordnung des Stoffes

durchaus vor. Sie beruhen auf eingehenden und umfänglichen

Quellenstudien und sorgfältiger Kritik, wenn sie auch

hinsichtlich selbständiger Forschung und genauer Kenntnis

aller Verhältnisse, besonders des Militärischen und der

Örtlichkeiten, nicht an einen Thukydides und Polybios

heranreichen. Stets bemüht, das Thatsächliche zu

ermitteln und vornehmlich die innern Gründe der Ereignisse aus

den Verhältnissen und den handelnden Persönlichkeiten zu

erklären, zeigt T. sich als Meister in der Charakterzeichnung

und der psychologischen Analyse. Seinem Versprechen, ohne

Parteilichkeit (sine ira et studio) zu schreiben, getreu, strebt er

durchaus nach einer objektiven Darstellung, und wenn man auch

vielfach seine subjektive Ansicht durchfühlt, so darf ihm doch

nie absichtliche Färbung und Entstellung vorgeworfen werden,

wie es in neuerer Zeit mehrfach, namentlich in Bezug auf die

Schilderung des Tiberius, geschehen ist (so von Sievers, "Studien

zur Geschichte der römischen Kaiser", Berl. 1870; Stahr,

"Tiberius", 2. Aufl., das. 1873, u. in der Übersetzung der

ersten sechs Bücher der "Annalen", das. 1871; Freytag,

"Tiberius und T.", das. 1870). Voll von Bewunderung für die

ehemalige Tugend u. Größe Roms, ist er im Herzen

Republikaner, aber ebenso überzeugt, daß das

gegenwärtige Rom wegen des Sittenverfalls, den er aufs

schmerzlichste empfindet, die Republik nicht ertrage; daher der

entsagungsvolle und schwermütige, hier und da sogar bittere

Ton, der sich, auch ohne durch Worte ausgedrückt zu werden,

überall in seinen Schriften kundgibt. Im Gegensatz zu der

heitern Anmut und Fülle seiner Erstlingsschrift wird sein Stil

im Fortschreiten seiner schriftstellerischen Thätigkeit immer

ernster und pathetischer und zeigt eine sich steigernde Neigung zur

rhetorischen Färbung und Annäherung an den poetischen

Ausdruck; dazu kommt das Streben nach Kürze des Ausdrucks bis

zur epigrammatischen Zuspitzung, das sich am eigentümlichsten

und großartigsten in den "Annalen" zeigt. Die erste, aber

noch unvollständige Ausgabe erschien Venedig 1470. Die erste,

durch Hinzufügung der sechs ersten Bücher der "Annalen"

vervollständigte Gesamtausgabe ist die von Beroaldus (Rom

1515). Unter den spätern sind hervorzuheben die von Bekker

(Leipz. 1831, 2 Bde.), Ritter (Bonn 1834-1836, 2 Bde.; Cambridge

1848, 4 Bde.), Orelli (Zürich 1846-48, 2 Bde.; neubearbeitet,

Berl. 1877 ff.); Textausgaben von Haase (Lpz. 1855), Halm (4.

Aufl., das. 1883) und Nipperdey (Berl. 1871-76, 4 Bde.). Auch gibt

es eine große Anzahl von guten Ausgaben einzelner Schriften

des T., so der Annalen von Nipperdey und Andresen (8. u. 4. Aufl.,

Berl. 1884 u. 1880, 2 Bde.), der Historien von Heräus (4.

Aufl., Leipz. 1885,2Bde.) und Wolff (Berl. 1886 ff.); des

"Dialogus" von Michaelis (Leipz. 1868), von Andresen (das. 1872 und

in

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Tacna - Tadschurrabai

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 141 / 302 段