dramatischer Dichter, geb. 1835 zu Tarnow in Galizien, beendete
seine Studien 1858 zu Krakau, zog sich dann auf sein
väterliches Gut Kurdwanow bei Krakau zurück, war 1868-69
Reichsratsabgeordneter und wurde 1869 ordentlicher Profefsor der
polnischen Geschichte an der Krakauer Universität. 1881 zum
Mitglied des österreichischen Herrenhauses ernannt, starb er
schon 7. Febr. 1883. S. gehörte zur konservativ-monarchischen
Partei. Er veröffentlichte zahlreiche historische, durch
lebensvolle Charakteristik ausgezeichnete Schauspiele ("Samuel
Zborowski", "Halszka z Ostroga". "Hieronim Radziejowski",
"Jadwiga", "Jerzy Lubomirski", "Sawanarola", "Michal Korybut", "Jan
III.", "Kopernikus", "Dlugosz i Kallimach" u. a.), ferner eine
vorzügliche "Geschichte Polens" ("Dzieje Polski", Lemb.
1862-65, 4 Bde.), "Rys driejót literatury zwiawa
niechszescianskiego" (Krak. 1867) und metrische Übersetzungen
von Äschylos, Aristophanes etc. In deutscher Sprache schrieb
er: "Die Polen und Ruthenen in Galizien" (Teschen 1882). Seine
gesammelten Werke erscheinen seit 1885 in Krakau.
Szymanowska (spr. schü-), Sophie, s.
Lenartowicz.
Szymanowski (spr. schü-), Waclaw, poln.
Schriftsteller, geb. 1821 zu Warschau, nach absolvierten Studien
Finanzbeamter, seit 1867 Redakteur des verbreitetsten polnischen
Lokalblattes: "Kurjer warszawski"; starb 21. Dez. 1886. Er schrieb
die Dramen: "Salomon i Sedziwoj", "Dzieje serca"
("Herzensgeschichte"), "Matka" ("Die Mutter"), "Ostatnie chwile
Kopernika" ("Die letzten Augenblicke des Kopernikus"), "Ostatnia
próba" ("Die letzte Probe", 1880) etc.; ferner die
Dichtungen : "Timur Leng" (1872), "Gawedy ("Erzählungen") und
"Satyry" ("Satiren", 1874) etc.
478
T - Tabak.
T.
T (te) t, lat. T, t, der harte oder tonlose dentale
Verschlußlaut. Die Lautphysiologie zeigt, daß er auf
vier verschiedene Arten gebildet werden kann. Von diesen ist das
sogen. alveolare t besonders in Norddeutschland üblich; der
Verschluß wird hier dadurch hervorgebracht, daß man den
vordern Teil der Zunge an das hintere Zahnfleisch (Alveolen) der
Oberzähne anlegt. Dagegen wird das in Süddeutschland
(besonders im z) vorherrschende dorsale t dadurch hervorgebracht,
daß man den vordern Teil des Zungenrückens (Dorsum) dem
Gaumen nähert, während die Zungenspitze herabhängt.
Außerdem pflegt in der norddeutschen Aussprache ein leiser
Hauch dem t zu folgen. Das Sanskritalphabet hat ein besonderes
Zeichen für das cerebrale t, das dadurch entsteht, daß
man den vordern Zungensaum stark in die Höhe biegt und dem
Gaumen nähert; ganz ebenso wird das gewöhnliche t des
Englischen ausgesprochen. Das hochdeutsche t geht, geschichtlich
betrachtet, vermöge der Lautverschiebung (s. d.) auf ein
älteres d zurück, das in den übrigen germanischen
Sprachen noch geblieben ist; man vergleiche z. B. unser toll mit
englisch dull. plattdeutsch doll. Das altgermanische d geht aber
seinerseits auf ein aspiriertes d zurück, das sich z. B. im
Sanskrit als dh, im Griechischen als th zeigt; so finden wir
für das griechische ther im Gotischen dius, im Englischen
deer, während im Hochdeutschen aus dem d wieder ein t geworden
ist: Tier; gotisch ga-daursan, "wagen", englisch to dare,
heißt im Sanskrit dharsh, im Griechischen tharsein. Das th
ist im Englischen ein gelispelter Laut, der zur Klasse der
Reibelaute gehört, ebenso wie das th der Neugriechen, das c in
gewissen spanischen Wörtern. Früher, in der
althochdeutschen Periode, existierte dieser oder ein ähnlicher
Laut auch in der deutschen Sprache; da derselbe aber längst
verschollen ist und das th jetzt überall wie t ausgesprochen
wird, so ist es wenigstens in deutschen Wörtern ganz
überflüssig geworden und wirkt nur störend. Es sind
daher Schreibungen wie Heimath, Monath mit Recht in Abnahme
gekommen; doch ist, obwohl namentlich J. Grimm und andre deutsche
Altertumsforscher einen Vernichtungskrieg gegen das th
eröffneten, dasselbe so festgewurzelt, daß selbst die
reformatorische neue Orthographie es nicht ganz beseitigt. Sie
behält es (außer in Fremdwörtern, wie Katheder,
Theater, Thee) bei in Silben, die nicht schon sonstwie als lang
kenntlich sind, daher z. B. in Thal, Thor, That, thun; nicht aber
in Teil, Tier, Mut, Turm, der Silbe -tum, z. B. in Altertum, und
den meisten andern Fällen. Der Buchstabe t stammt von dem
griechisch-phönikischen Tau ab.
Abkürzungen. Als Zahlzeichen bedeutet im Griechischen
$\tau$' 300, ,$\tau$ 300,000; im Lateinischen T 160, T 160,000. Als
Abkürzung bedeutet T. den römischen Vornamen Titus; im
Handel ist T. = Tara; bei Büchercitaten = Tomus (Band); t =
Tonne.
T., bei botanischen Namen für Tonrnefort (s. d.).
t. a. = testantibus actis (lat.), wie die Akten bezeugen.
T C, in der internationalen Telegraphie =
télégramme comparé (franz.), verglichenes
Telegramm.
T. F., in Frankreich früher den Zuchthanssträflingen
auf die Schulter eingebrannte Buchstaben, = travail forcé,
"Zwangsarbeit"; desgleichen:
T. P. = travaux à perpétuité.
"lebenslängliche Zwangsarbeit".
T. P. L. = twice past the line (engl.), "zweimal die Linie (den
Äquator) passiert", auf den Etiketten mancher Weine.
t. s. = tasto solo (s. d.).
t. s. V. p. = tournez, s'il vous plaît! (franz.), "wenden
Sie gefälligst (das Blatt) um!"
Ta, in der Chemie Zeichen für Tantal.
Ta, Gewicht, s. Pikul.
Taaffe, Eduard, Graf, österreich. Staatsmann, geb.
24. Febr. 1833 zu Prag aus irischem Geschlecht, Sohn des Ministers
von 1848, sodann Präsidenten des obersten Gerichtshofs, Grafen
Ludwig Patrick T. (geb. 23. Dez. 1791, gest. 21. Dez. 1855), ward
mit dem jetzigen Kaiser erzogen, trat 1857 in den Staatsdienst und
durchlief sehr schnell die Stufen der Beamtenlaufbahn. 1861 noch
Statthaltereisekretär, ward T. Ende 1861 Statthaltereirat und
Vorsitzender der Kreisbehörde in Prag. Im April 1863 wurde er
zum Landeschef im Herzogtum Salzburg, im Januar 1867 zum
Statthalter in Oberösterreich, 7. März d. J. nach
Belcredis Sturz zum Minister der innern Angelegenheiten ernannt. T.
hatte bereits 1865-66 dem Landtag Böhmens als Abgeordneter
angehört und damals zur verfassungstreuen Partei gestanden;
Ende März 1867 wählte ihn der fideikommissarische
Grundbesitz Böhmens zu seinem Vertreter im Landtag, und im
April wurde er Mitglied des Reichsrats. Als es sich im Dezember
1867 darum handelte, für die Länder diesseit der Leitha
ein parlamentarisches Ministerium zu berufen, wurde T. Minister der
Landesverteidigung und öffentlichen Sicherheit sowie
Stellvertreter des Ministerpräsidenten Carlos Auersperg. Als
dieser im Herbst 1869 zurücktrat, war T. bis 15. Jan. 1870
Ministerpräsident. Vom 12. April 1870 bis 7. Febr. 1871 war er
wieder Minister des Innern und wurde darauf zum Statthalter von
Tirol ernannt. Nach dem Rücktritt des Ministeriums Auersperg
wurde T. im Februar 1879 Minister des Innern und 12. Aug.
Ministerpräsident und bezeichnete 5. Dez. die "Versöhnung
der Nationalitäten" als sein Ziel. Nachdem sein Versuch, eine
Mittelpartei zu bilden, gescheitert war, stützte er sich ganz
auf die Ultramontanen, Polen und Tschechen, behauptete sich zwar
trotz mancher Ministerwechsel, mußte aber seinen
Anhängern wichtige Zugeständnisse in der Sprachenfrage,
in materiellen Punkten und in der Volksschulsache machen, wodurch
er die liberalen Deutschen gegen sich erbitterte, ohne doch die
slawischen Ansprüche zu befriedigen.
Taasinge (Thorseng), dän. Insel,
südöstlich von Fünen, Amt Svendborg, 69 qkm (1,25
QM.) groß mit (1880) 4529 Einw. und dem Flecken Troense.
Tabagie (franz., spr. -schih). Kneipe.
Tabago, Insel, s. Tobago.
Tabagorohre, s. Bactris und Cocos, S. 194.
Tabak (Nicotiana Tourn.), Gattung aus der Familie der
Solanaceen, ein-, seltener mehrjährige, häufig
drüsenhaarige, klebrige Kräuter, bisweilen halbstrauchig,
selten strauch- oder baumartig, mit einfachen, ganzrandigen, selten
buchtigen Blättern, endständigen Blütentrauben oder
Rispen und trockner, zweifächeriger, vom bleibenden Kelch
umgebener Kapsel mit zahlreichen sehr kleinen Samen. Etwa 50, bis
auf wenige australische und polynesische, in Amerika heimische
Arten. Bauerntabak (N. rustica L.), einjährig, 60-120 cm hoch,
drüsig kurz behaart, klebrig, mit mehr oder weniger
verästeltem Stengel,
479
Tabak (Anbau, Handelssorten).
eiförmigen, oben sitzenden, unten gestielten, gerippten
Blättern, grünlichgelben Blüten in
endständigen, gedrängten Rispen und fast kugeligen
Kapseln, in Mexiko und Südamerika, wird bei uns seltener
gebaut, im Orient aber ausschließlich und liefert den
türkischen T. und Latakia. Gemeiner, virginischer T. (N.
Tabacum L., s. Tafel "Genußmittelpflanzen"), einjährig,
1-2 m hoch, drüsig kurz behaart, klebrig, mit sitzenden (die
untern halbstengelumfassend, herablaufend), länglich
lanzettförmigen, lang zugespitzten Blättern, in
endständiger, ausgebreiteter Rispe stehenden,
langröhrigen, hellroten Blüten und eiförmigen
Kapseln, in Südamerika, wird in den gemäßigten und
subtropischen Klimaten aller Erdteile kultiviert. Der
großblätterige Marylandtabak (N. macrophylla Metzg.)
unterscheidet sich von letzterer Art durch breitere, stumpfe, am
Grund geöhrte, sitzende oder geflügelt gestielte
Blätter und durch den gedrungenern Blütenstand, ist aber
vielleicht nur eine Varietät derselben. Der T. gedeiht im
allgemeinen noch, wo der Winterweizen im ersten Dritteil des Monats
August reif wird; guter T. fordert aber ein Weinklima, und die
feinsten Sorten werden zwischen 15 und 35° gebaut. Der
Normalboden für den T. ist ein kalkhaltiger oder gemergelter
Lehm der Sandkonstitution, welcher leicht erwärmbar und
humushaltig ist. Auch milder Kalkmergelboden paßt noch
für den T., muß aber recht warm liegen. Dem T. geht
Klee, Luzerne, eine beliebige grün untergebrachte Frucht oder
eine Hackfrucht voran; er folgt zwei und mehrere Jahre auf sich
selbst und gibt sogar im zweiten oder dritten Jahr ein feineres
Produkt als im ersten. Der T. entnimmt seinem Standort bedeutende
Mengen Kali, leidet aber durch Chlorverbindungen. Für
Pfeifengut und Deckblätter wirkt Gründüngung oder
untergebrachter Klee mit Rindermistdüngung im Herbst am
günstigsten, und im Spätherbst gibt man eine tiefe
Furche. Auf sandreichem Boden wirkt eine Auffuhr von Moder
vortrefflich. Kurz vor der Bestellung erhält das Land
gartenartige Bearbeitung. Die jungen Pflanzen erzieht man in
Mistbeeten oder in Kasten mit eingeschlagenen Pfählen
(Kutschen); man säet im März, begießt
fleißig, schützt die Pflanzen durch Strohdecken vor
Frost, lichtet die Saat zur Zeit der Baumblüte, verpflanzt die
kräftigsten Pflänzchen 2,5-5 cm weit mit Erdballen in
Gartenbeete, schützt sie auch hier durch Strohdecken vor
Nachtfrösten und bringt sie Ende Mai oder mit der ersten
Junihälfte mit 6-7 Blättern auf den Acker. Man stellt sie
60 cm weit voneinander in 60 cm weit entfernten Reihen und
läßt nach je zwei Reihen einen Weg. Sobald die Pflanzen
angegangen sind, werden sie behackt, beim zweiten Behacken auch
behäufelt und, wenn sich die Blütenrispe entwickeln will,
geköpft, so daß je nach der Varietät 8-12
Blätter stehen bleiben. Später entfernt man auch die aus
den Blattwinkeln entspringenden Seitentriebe (Geizen). Bei der
ersten Behackung gräbt man zwischen je vier Pflanzen
Löcher und gießt mit Wasser verdünnte und mit Guano
gemengte Jauche hinein. Man kann statt dessen auch im Frühjahr
Mist einbringen, doch gibt die Jauche stets ein feineres Produkt.
Wenn der T. etwa 90 Tage auf dem Acker gestanden hat, sind die
Blätter reif; sie werden matt, gelbfleckig, klebrig und
bekommen einen starken Geruch. In diesem Zustand erntet man den
für Deckblätter bestimmten T., Pfeifengut aber erst, wenn
die Blätter anfangen, ihre Ränder einzurollen. Man
verliert dadurch an Gewicht, aber das Produkt wird feiner. Bei der
Ernte bricht man zuerst die untersten Blätter
(Sandblätter), dann die folgenden (Erdblätter) und
zuletzt als Haupternte die übrigen, welche die besten sind.
Bei gutem Wetter knickt man die Blätter nur ein und löst
sie am folgenden Tage ganz ab. Man trocknet sie in einem luftigen
Raum auf Stangengerüsten, indem man sie auf Ruten anspillt
oder an Bindfaden auffädelt, und läßt sie wochen-
und monatelang hängen. Das Ernteverfahren variiert
übrigens mehrfach, und in Amerika nimmt man die ganzen
Pflanzen vom Feld ab, nachdem man sie einige Tage vorher so weit
angehauen hat, daß sie sich umlegen, und hängt sie mit
den Blättern zum Trocknen auf. Der Ertrag schwankt zwischen
900-2000 kg pro Hektar. Behandelt man den Geiz wie die Haupternte,
so gibt auch jener noch einen Ertrag, freilich von geringer
Qualität. Die geernteten Blätter bindet man in kleine
Bündel, trocknet sie an der Luft und unterwirft sie dann einem
Gärungsprozeß, indem man sie in lange, frei stehende
Haufen von 1,25-1,5 m Breite und Höhe aufschichtet
(Brühhaufensetzen, Aufstocken, Lagern) und nach eingetretener
hinreichender Erwärmung der Haufen umschlägt, so
daß die äußern Schichten nach innen zu liegen
kommen. Diese Arbeit wird so oft wiederholt, bis die Blätter
vollständig eingeschrumpft sind und eine mehr oder weniger
dunkelbraune Farbe angenommen haben. Dann setzt man die Bündel
zu sogen. Trockenbänken auf und lagert sie in
größern Haufen. In der Pfalz, welche viele Blätter
als Zigarrendeckblatt versendet, streicht man diese bei
gehörigem Feuchtigkeitsgrad sorgfältig glatt, schichtet
sie zu kleinen Stößen auf und preßt diese. Die
feinern Sorten werden auch entrippt, indem man die beiden
Blatthälften von der dicken Mittelrippe abzieht. Die Rippen
selbst dienen zu Schnupftabak oder, zwischen Stahlwalzen flach
gepreßt, zu Zigarreneinlagen oder billigem Rauchtabak.
Handelssorten. Wirkung des Tabaksgenusses. Die Handelssorten
sind meist nach ihren Produktionsländern benannt; die
wichtigsten sind etwa folgende: 1) Südamerikanischer T. a)
Varinas (Kanaster) aus den Provinzen Varinas, Merida, Margarita
etc. der Republik Venezuela, kommt in 7-8 kg schweren, 4-5 cm
dicken, gesponnenen Rollen in Körben aus gespaltenem Rohr
(canastra, daher der Name) in den Handel; er ist äußerst
mild, mit feinem, weichem, kastanienbraunem Blatt und bildet den
feinsten Rauchtabak. Die besten Rollen bilden den Muffkanaster; b)
Orinokokanaster, sehr stark; c) Ori-nokokanasterblätter; d)
Cumanátabak, dem Varinas gleichstehend; e)
Cumaná-Andouillen oder Karotten; f) brasilischer T. in
Rollen, Zigarren und Zigarretten, gegenwärtig ziemlich beliebt
und stark eingeführt; g) Paraguaytabak, zum Teil sehr stark;
h) Columbiatabak aus Neugranada und den angrenzenden Ländern:
Carmen, Giron-Palmyra, Ambalema, meist Zigarrentabak, dem Varinas
nahestehend; i) mexikanischer T., erst in neuester Zeit in den
großen Markt eingetreten. 2) Westindischer T. a) Cuba oder
Havana, die vorzüglichste aller Sorten, deren ausgesuchteste
und teuerste Blätter Cabanos heißen. Der Havanatabak
wird größtenteils an Ort und Stelle auf Zigarren
verarbeitet; es kommen aber auch Blätter in Bündeln und
Seronen nach Europa, um namentlich als Deckblatt benutzt zu werden,
und fette, schwere Sorten, aus denen man in Spanien den Spaniol
darstellt. Der als Cuba in den Handel kommende T. ist in
verschiedenen Gegenden der Insel gewachsen, kommt zum Teil dem
Havana sehr nahe und dient meist zu Zigarren. Von den verschiedenen
Spezialsorten kommt am häufigsten Yara vor; b) Do-
480
Tabak (chemische Bestandteile, Fabrikation des Rauchtabaks
etc.).
mingo, von der gleichnamigen Insel, Tortuga und Samane, dient zu
Zigarren und Rauchtabak; c) Portorico, von der gleichnamigen Insel,
nächst Varinas der beste Rauchtabak, wird an Ort und Stelle
auch viel auf Zigarren verarbeitet. 3) Nordamerikanischer T. a)
Maryland, allgemein beliebter Rauchtabak, fein, gelb, von
angenehmem, süßem Geruch; die beste Sorte ist der
Baytabak. Ähnlich ist der Ohio-tabak. b) Virginia, lebhaft
braun, teils fette, schwere Sorten für feinen Schnupftabak,
teils leichtere Blätter für mittlern Rauchtabak; c)
Kentucky, zu Zigarren, Rauch- und Schnupftabak benutzt; ihm
schließen sich an die Tabake aus Tennessee und Missouri.
Seedleaf wird in Pennsylvanien, Connecticut und Ohio aus Samen von
Cuba erzogen und dient zu Zigarren. Florida gibt ein
vorzügliches, sehr schön geflecktes Deckblatt. 4)
Asiatischer T. a) Manila, sehr gute Ware, meist an Ort und Stelle
zu Zigarren verarbeitet; b) Java, von feinem Aroma, meist zu
Zigarren verarbeitet; chinesische, japanische und indische Tabake
sind bei uns keine Marktartikel. 5) Europäischer T. Frankreich
produziert in 18 Departements T., welcher zu Schnupf- und
ordinären Rauchtabaken benutzt wird. Auch Algerien liefert
große Quantitäten; die Produktion wird aber im Land
selbst verbraucht. Österreich-Ungarn baut T. in Tirol,
Galizien, namentlich aber in Ungarn am linken Ufer der Theiß.
Der ungarische T. hat ein dünnes, weiches, gelbes Blatt und
eignet sich besonders zu Rauch- und Schnupftabak, wird aber zum
Teil auch zu Zigarren benutzt. Vom holländischen T. ist der
Amersfoorter der beste und besonders zur Fabrikation von
Schnupftabak gesucht; das belgische Gewächs steht dem
holländischen nach. In Deutschland ist die
hauptsächlichste Kulturgegend die Pfalz, wo man namentlich
Zigarrentabak baut, der nicht nur an inländische, Bremer und
Hamburger Fabriken abgesetzt, sondern auch nach Amerika exportiert
wird. Ebenso beziehen Frankreich, Holland, die Schweiz etc.
deutschen T. Italien, Spanien, Portugal haben Tabaksmonopol und
kommen für den europäischen Handel nicht in Betracht.
England baut gar keinen T. Der türkische T. verdankt den
klimatischen und Bodenver-hältnissen, der sorgfältigen
Kultur und Behandlung die vorzügliche Beschaffenheit, welche
ihn mit dem Havana rivalisieren läßt. Alle Provinzen
produzieren T., den besten aber Makedonien in den Thälern von
Karasu, Wardar und Krunea. Die hier erzogenen feinen Sorten: Druma,
Pravista, Demirli, Yenidje, Sarishaban, Ginbeck etc. sind in lange,
dünne Fäden geschnitten, schön goldbraun,
aromatisch, kräftig, trocken und schmackhaft zugleich. Die
Tabake der asiatischen Türkei sind schwerer als die
rumelischen und stärker; von den syrischen Sorten ist der
Latakia und Abou Reha aus der Provinz Saida grob geschnitten, braun
bis schwarz, stark fermentiert. Als türkischer T. geht
übrigens auch viel griechisches und russisches Produkt.
Tabaksblätter riechen narkotisch, schmecken widerlich und
scharf bitter; sie enthalten 16-27 Proz. anorganische Stoffe,
welche zu 1/4-1/3 aus Kalk, oft bis zu 30 Proz. aus Kali bestehen,
auch reich an Phosphorsäure und Magnesia sind. Der
Stickstoffgehalt beträgt 4,5 Proz. Die Basen find
großenteils an organische Säuren gebunden, und die
leichte Einäscherung der Blätter, also die richtige
Brennbarkeit des Rauchtabaks, ist abhängig von der Gegenwart
organischer Kalisalze. Schlecht brennender T. liefert eine an
Kaliumsulfat und Chlorkalium reiche, aber von Kaliumcarbonat freie
Asche. Von großem Einfluß auf die Brennbarkeit des
Tabaks ist auch der Gehalt an Salpetersäure, welcher in der
Hauptrippe 6 Proz., im übrigen Blatt 2 Proz. betragen kann.
Der wirksame Bestandteil der Tabaksblätter ist das Nikotin (s.
d.), von welchem sie wechselnde Mengen enthalten, ohne daß
der Gehalt in erkennbarem Verhältnis zur Güte des Tabaks
stände. Geringere Tabakssorten pflegen reicher an Nikotin zu
sein; doch ist dessen Menge auch von der Zubereitung abhängig,
welcher der T. unterworfen wird. Guter lufttrockner Pfälzer T.
enthält 1,5-2,6 Proz. Nikotin. Andre Bestandteile des Tabaks
sind: Nikotianin (s. d.), Äpfel-, Zitronensäure, Harz,
Gummi, Eiweiß etc. Trockne und gegorne Blätter enthalten
als Gärungsprodukte Ammoniak, auch Trimethylamin und
Fermentöle. Beim Rauchen würden sich aus der Cellulose,
dem Gummi, Eiweiß etc. unangenehm riechende Substanzen
entwickeln; man entfernt daher die an Cellulose reiche Mittelrippe
und sucht durch den Gärungsprozeß und durch Beizen die
übrigen unwillkommenen Bestandteile der Blätter zu
entfernen. Die bei diesen Operationen sich bildenden
Fermentöle tragen wohl zum Aroma des Tabaks wesentlich bei.
Bei dem Verglimmen der Blätter entstehen Ammoniak,
flüchtige Basen, empyreumatische Stoffe, Blausäure,
Schwefelwasserstoff, flüchtige Säuren, Kohlenoxyd,
Kohlensäure etc. Das Nikotin wird vollständig zersetzt;
wohl aber geht Nikotianin in den Tabaksrauch über, und diesem
sowie den Basen (Pyridin, Picolin, Lutidin, Collidin etc.) und dem
Kohlenoxyd sind die Wirkungen desselben zuzuschreiben. Die je nach
Abstammung, Boden- und klimatischen Verhältnissen und nach der
Behandlung milden oder stärkern, angenehm aromatischen oder
scharfen, rauhen Blätter werden für den Handel
sorgfältig sortiert und entsprechend gemischt. Geringere
Sorten werden oft durch jahrelanges Lagern, wobei sie einer
leichten Gärung unterliegen, verbessert; bisweilen laugt man
sie auch mit Wasser, Kalkwasser, Ammoniak, Aschenlauge oder mit
Salzsäure angesäuertem Wasser aus oder röstet sie,
indem man die ganzen oder zerschnittenen Blätter (oft nach dem
Be-sprengen mit Salzsäure oder Essig) auf mäßig
erhitzten eisernen Platten behandelt und dabei auch wohl mit den
Händen rollt (Kraustabak). Am häusigsten unterwirft man
den T. einer Gärung, zu welchem Zweck man ihn mit
Siruplösung oder Fruchtsäften besprengt, auch wohl Hefe,
Weinstein, Salz etc. zusetzt und in die
Gärungsgefäße einpreßt. Durch Ausbreiten an
der Luft, auch wohl durch Rösten wird der Prozeß
unterbrochen, worauf man die Blätter mit gewürzhaften
Brühen besprengt, welchen man auch Salpeter zusetzt, um die
Brennbarkeit zu erhöhen. Zur Darstellung des Rauchtabaks
werden die so weit vorbereiteten Blätter sortiert, entrippt
oder zwischen Walzen geglättet, mit Saucen, deren Bestandteile
(Sirup, Salze, Gewürze), fast in jeder Fabrik anders gemischt
sind, besprengt oder darin eingetaucht, gefärbt und auf der
Spinnmühle oder Spinnmaschine ähnlich wie ein Seil
gesponnen oder geschnitten und dann getrocknet oder geröstet.
Über die Darstellung der Zigarren s.d. -Schnupftabak bereitet
man hauptsächlich aus Virginiatabak, Amersfoorter und andern
holländischen Sorten und benutzt auch wohl polnischen,
ungarischen und Pfälzer T. Die Blätter werden sortiert,
entrippt, mit Saucen gebeizt und der Gärung unterworfen.
Überhaupt ist hier die Anwendung von Beizen und Saucen von
größter Wichtigkeit, und der Rohstoff wird durch die
Anwendung derselben und durch die Gärung viel eindringlicher
verändert als beim Rauchtabak. Nach der Gärung
481
Tabak (Wirkung des Tabaksgenusses, Produktion und
Verbrauch).
werden die Blätter entweder gleich zerschnitten, gestampft,
gemahlen, gesiebt, oder vorher in Karotten geformt. Letztere sind
30cm und darüber lange, nach beiden Enden verjüngte
Rollen von gebeizten Blättern in einer festen Umwickelung von
Bindfaden; man läßt sie längere Zeit lagern und
erzielt dadurch eine eigentümliche Nachgärung, welche
wesentlich zur Verbesserung des Schnupftabaks beiträgt. Um die
kostspielige Arbeit des Karottierens zu ersparen, preßt man
die Blätter auch nur in Kisten zusammen und läßt
sie darin gären. Zum Zerreiben der Karotte dient die
Rapiermaschine, welche ein gröbliches Pulver, Rapé,
liefert. Man benutzt aber auch Stampfen, und die mehlförmigen
Sorten werden nach dem Trocknen auf Tabaksmühlen erzeugt.
Kautabak wird in der Regel aus schwerstem Virginiatabak
dargestellt, den man nach dem Fermentieren und nach dem Behandeln
mit verschiedenen Saucen in fingerdicke Rollen spinnt und
preßt.