spr. sséhtschenji), ein ungar. Adelsgeschlecht, das seit dem
Schluß des 16. Jahrh. emporkommt und vom 17. Jahrh. ab
bedeutende Kirchenfürsten und Staatsmänner aufweist:
1) Georg, 1645 Domherr von Gran, 1647 Bischof von
Fünfkirchen, 1649 von Veszprim, 1658-68 von Raab, 1668-85
Erzbischof von Kalocsa, zugleich Administrator des Raaber Bistums,
1685-95 Graner Primas; ein "Wunder der Freigebigkeit" ("prodigium
munificentiae") genannt.
2) Paul, Pauliner Eremit, in welcher Lebensstellung er die
Ordensprofessur der Theologie und Philosophie bekleidete, Prior und
Generaldefinitor des Ordens, 1676 Bischof von Fünfkirchen und
kaiserlicher Rat, Abt von St. Gotthardt und Propst von Raab, 1687
Bischof von Veszprim.
3) Stephan, Graf von, ungar. Staatsmann, geb. 21. Sept. 1792 zu
Wien, Sohn des durch Stiftung des ungarischen Nationalmuseums
bekannten Grafen Franz von S. (gest. 20. Dez. 1820), diente erst
beim Insurrektionsheer gegen die Franzosen, machte dann in der
regulären Armee die wichtigsten Feldzüge des
europäischen Völkerkriegs mit, schied aber 1825 aus dem
Militärdienst, um sich der Förderung des geistigen und
industriellen Interessen seines Vaterlandes zu widmen. Verdienste
erwarb er sich namentlich durch seine Mitwirkung zur Errichtung
einer ungarischen Akademie, der er 60,000 Gulden
Konventionsmünze überwies, durch seine Verwendungen 1832
zur Errichtung eines ungarischen Nationaltheaters und
Konservatoriums der Musik und zur Erbauung einer festen
Donaubrücke zwischen Pest und Ofen sowie 1834 als Kommissar
für die oberste Leitung der Regulierungsarbeiten am Eisernen
Thor und der Regulierung des Theißbettes. Nach dem Ausbruch
der Revolution von 1848 ward er zum Minister der öffentlichen
Arbeiten ernannt, sah sich aber als Aristokrat von der
demokratischen Partei bald in den Hintergrund gedrängt. Der
Schmerz über den Bruch mit Österreich im Oktober 1848
hatte für ihn eine Geisteskrankheit zur Folge, und er ward in
die Irrenanstalt nach Döbling gebracht, wo er auch nach seiner
scheinbaren Genesung blieb. Er erschoß sich 8. April 1860. Im
J. 1880 wurde ihm in Pest ein Denkmal errichtet. Von seinen
Schriften sind noch hervorzuheben: "Hitel" ("Über den Kredit",
deutsch, Pest 1830), "Világ" ("Licht, oder aufhellende
Bruchstücke und Berichtigung einiger Irrtümer und
Vorurteile"; deutsch, das. 1832) und "Stadium", 1. Teil (Leipz.
1833), das drittbedeutendste, den Reformplan enthaltend, die ihm
den Beinamen "Vater der Reform" erwarben; ferner "A kelet
népe" ("Das Volk des Ostens", Pest 1841); "Politai
programmtöredékek" ("Politische Programmfragmente",
das. 1846) und "Hunnia" (18^8), "Blick auf den Rückblick"
(nämlich auf die Druckschrift "Rückblick" von dem
Minister Bach; anonym, Lond. 1860). Vgl. Lónyay, Graf
Stephan S. und seine hinterlassenen Schriften (deutsch von Dux,
Pest 1875) ; A. Zichy, Die Tagebücher des Grafen Stephan S.
(Budapest 1884). - Sein Neffe Graf Emmerich, geb. 15. Febr. 1825,
ist seit Januar 1879 österreichischer Botschafter in Berlin,
ein andrer Neffe, Graf Paul, geb. 1838, war bis 1888 ungarischer
Handelsminister.
4) Béla, Graf, Asienreisender, geb. 3. Febr. 1837 zu
Budapest, studierte in Berlin und Bonn Staatswissenschaft, bereiste
1863 Nordamerika und schrieb daraus "Amerikai utam" ("Meine
amerikanische Reise", Pest 1865), ging 1865 nach Algerien und trat
im Dezember 1877 von Triest aus, begleitet vom Obersten Kreitner
und dem Geologen L. v. Loczy, eine Reise nach Asien an. Indien,
Japan, Java, Borneo und einen großen Teil von China
durchreisend, gelangte er zwar nicht nach Lhassa, der Hauptstadt
Tibets; aber es war ihm doch möglich, unter vielen Gefahren
wertvolle Daten von solchen Gegenden des Weltteils zu sammeln,
über welche bisher kein Europäer nach direkter Anschauung
geschrieben hatte. Auf der Rückreise kam S. durch Jünnan
und so von China nach Hinterindien. S. war zweimal Abgeordneter
für das Ödenburger Komitat und lebt gegenwärtig in
Budapest. Die Schilderung jener Expedition gibt das Werk seines
Reisebegleiters Kreitner: "Im fernen Osten. Reisen des Grafen S.
1877-80" (Wien 1881). In Verbindung mit Kreitner, Lóczy u.
a. gab er 1883 ein wissenschaftliches Werk über seine Relsen
mit Atlas auf eigne Kosten heraus.
Szécsény (spr. sséhtschenj), Markt
im ungar. Komitat Neográd, mit Franziskanerkloster, einst
berühmtem festen Schloß, (1881) 3097 Einw. und
Bezirksgericht.
475
Szegedin - Szemere.
Szegedin (spr. sségg-), königliche Freistadt
im ungar. Komitat Csongrád, am Zusammenfluß der Maros
und Theiß, Kreuzungspunkt der Österreichisch-Ungarischen
Staats- und der Alföld-Fiumaner Bahn und Dampfschiffstation,
wurde durch die 11. und 12. März 1879 eingetretene furchtbare
Überschwemmung, wobei die Theißfluten den Damm der
Alföldbahn durchbrachen, beinahe ganz vernichtet. Über
5300 Häuser sind teils eingestürzt, teils unbewohnbar
geworden, und erst Mitte August 1879 wurde die Stadt wasserfrei.
Zur Sicherung derselben gegen die fast jährlich wiederkehrende
Hochflut hat man zwei Dammgürtel und einen 9 1/2 m hohen
Ringdamm errichtet und die ganze Stadt, für welche damals 2,9
Mill. Gulden an Liebesgaben eingingen, unter der Leitung des
Regierungskommissars, des jetzigen Grafen Ludwig Tisza,
rekonstruiert. Das heutige S., der Hauptort des Alföld, ist
eine ganz moderne Stadt mit zwei großen, durch mehrere
Radialstraßen verbundenen Ringen, breiten, geraden
Nebengassen, großen Plätzen (darunter der
Széchényiplatz in der Mitte der Stadt) und
zahlreichen Pracht- und Monumentalbauten. Die hervorragendsten
neuen Gebäude sind: das große Rathaus mit imposantem
Turm am Széchényiplatz, das Hotel Tisza
(Redoutengebäude), das Justiz-, Post- und Telegraphen- und das
Finanzpalais, das Theater mit Kiosk und Stephaniepromenade am
Theißufer (an Stelle der frühern Citadelle), das
Gefangenhaus, der Honvéd-Offizierspavillon, die
Honvédkaserne, die Infanteriekaserne mit Offizierspavillon,
die große Mädchenschule, die evangelische u. die reform.
Kirche etc. Über die Theiß führt außer zwei
Eisenbahnbrücken eine monumentale eiserne Bogenbrücke
(nach dem Plan Gustav Eiffels, 405 m lang, samt
Brückenköpfen und Auffahrtrampe 591 m). S. hat (1881)
73,675 ungar. Einwohner, viele Fabriken (für Spiritus, Seife,
Soda, Salami, Zündhölzchen, Tabak, Tuch, Ziegel etc.),
eine Schiffswerfte, lebhaften Handel mit Getreide, Holz, Wolle
etc., bedeutende Viehzucht, Acker-, Tabaks-, Wein-, Gemüse-,
Paprikabau, hervorragende Märkte, einen großen
Schiffsverkehr, eine Staatsoberrealschule, ein kath. Obergymnasium,
eine Lehrerpräparandie und 4 Klöster. S. ist Sitz des
Komitats, eines Honvéd-Distriktskommandos, einer Finanz- u.
Staatsgüterdirektion, eines Gerichtshofs und hat ein
Tabakseinlösungs- und Tabaksmagazin und eine Filiale der
Österreichisch-Ungarischen Bank. - S., schon zu Matthias
Corvinus' Zeiten eine berühmte ungarische Stadt, fiel nach der
Schlacht bei Mohács in Solimans II. Gewalt, welcher sie
stärker befestigen ließ. 1686 wurden die Türken
geschlagen und mußten S. räumen. Hier 3. Aug. 1849
Haynaus Sieg über die aufständischen Ungarn.
Szeghalom (spr. ssé-), Markt im ungar. Komitat
Békés, an der Mündung des Berettyókanals
in die Schnelle Körös, mit (1881) 7537 ungar. Einwohnern,
Ackerbau, bedeutender Rindvieh-, Schaf- u. Schweinezucht und
Bezirksgericht.
Szegszárd (spr. sségssard), Markt und Sitz
des ungar. Komitats Tolna, am Sárviz, mit Nonnenkloster,
Landes-Seidenbauinspektorat, Gerichtshof und (1881) 11,948 Einw.,
die sich mit Wein-, Obst- und Seidenkultur beschäftigen; der
Szegszárder Rotwein gehört zu den besten Weinen
Ungarns.
Szék (spr. ßehk), Stadt im ungar. Komitat
Szolnok-Doboka (Siebenbürgen), mit 4 Kirchen, großem
Stadthaus, (1881) 2759 ungarischen und rumän. Einwohnern,
Salzquellen und Bezirksgericht. S. war ehemals der Hauptort des
Komitats Doboka.
Székely (spr. sséhk-), Bartholomäus,
ungar. Maler, geb. 1835 zu Klausenburg, studierte in München
bei Piloty und in Brüssel bei Gallait und machte sich seit
1860 durch Bilder aus der ungarischen Geschichte, von denen die
Auffindung der Leiche Lndwigs II. zu Mohács, Doboczy
tötet seine Gattin (beide im Nationalmuseum zu Pest), die
Schlacht bei Mohács, die Frauen von Erlau verteidigen ihre
Stadt gegen die Türken und die Flucht Emmerich
Tökölys aus der Festung Lika hervorzuheben sind, bekannt.
Er hat auch zahlreiche Illustrationen gezeichnet (zu
Eötvös, Petöfi u. a.). S. ist Professor an der
königlichen Landesmusterzeichenschule zu Pest und hat eine
Schrift über die Grundprinzipien seines Faches (Budap. 1877)
veröffentlicht.
Székely-Keresztur (spr. ssék-, auch
Szitas-Keresztur), Markt im ungar. Komitat Udvarhely
(Siebenbürgen), an der Ungarischen Staatsbahnlinie
Schäßburg-Székely-Udvarhely, mit (1881) 2968
ungarischen und rumän. Einwohnern,
Staatslehrerpräparandie, unitar. Gymnasium und Fabrikation von
Sieben.
Székely-Udvarhely (spr.
sséhkelj-úddwarhelj), Stadt, Sitz des ungar. Komitats
Udvarhely (Siebenbürgen), am Großen
Küküllö und an der Ungarischen Staatsbahnlinie
Schäßburg-S., mit 2 Kirchen, Burgruine,
Franziskanerkloster und (1881) 5003 ungarischen und rumän.
Einwohnern, die zumeist Tabaksbau, Bienenzucht und verschiedene
Gewerbe betreiben. S. hat ein kath. Gymnasium, ein reform.
Kollegium, eine Staatsoberrealschule und einen Gerichtshof. In der
Nähe das Bad Szejke, mit alkalisch-muriatischer
Schwefelquelle.
Székler (spr. ssék-, ungar.
Székely), ungar. Volksstamm, welcher die östlichen und
nordöstlichen Gegenden Siebenbürgens bewohnt und den
Urtypus des Magyarentums am treuesten bewahrt hat. Ihre alte
Freiheit behauptend, galten die S. bis 1848 als adlig, hatten
freies Jagd- und Weiderecht, leisteten keine Frondienste und
unterstanden nur ihren eignen Richtern. Obgleich treffliche
Grenzwächter, sträubten sie sich doch lange gegen den
regulären Militärdienst und wurden erst nach
Unterdrückung eines Aufstandes dazu vermocht, ein
Husarenregiment und zwei Infanterieregimenter zu stellen. Sie waren
1848 und 1849 die tapfersten Verfechter des Magyarentums in
Siebenbürgen, und an ihrer Spitze vornehmlich erfocht Bem
seine Siege. Sodann verloren sie mit ihrer Verfassung auch ihre
Vorrechte und wurden den übrigen Landesbewohnern
gleichgestellt. Das Land der S. war bis 1876 in fünf sogen.
Stühle eingeteilt; jetzt bildet es zumeist die Komitate
Udvarhely, Csik und Háromszék. Vgl. Hunfalvy,
Ethnographie Ungarns (Leipz. 1877); v. Herbich, Das
Széklerland, geologisch beschrieben (Pest 1878). Die
Volkspoesien der S. wurden von Kriza ("Székely
vadrózsák". "Wilde Rosen der S.", 1863)
gesammelt.
Széll (spr. ssell), Koloman, ungar.
Finanzminister, geb. 8. Jan. 1842 zu Rátót im
Eisenburger Komitat, studierte in Pest und Wien, ward 1867 zum
Deputierten in den Reichstag gewählt und war aus allen
bisherigen Reichstagen eins der thätigsten Mitglieder sowie
1868-75 Schriftführer des ungarischen Abgeordnetenhauses. 1875
wurde S. Finanzminister und führte große Ersparnisse
ein. Wegen der großen Kosten der bosnischen Okkupation nahm
er Ende 1878 seine Entladung und wurde Präsident der
Ungarischen Kreditbank in Pest.
Szemere (spr. ssé-), Bartholomäus, ungar.
Staatsmann und Schriftsteller, geb. 27. Aug. 1812 zu Vatta im
Borsoder Komitat, studierte in Preßburg, praktizierte darauf
im Borsoder Komitat als Advokat, ward
476
Szene - Szilagy.
1842 zum Oberstuhlrichter, 1846 zum Vizegespan in Borsod und von
demselben Komitat als Deputierter in den Reichstag gewählt. Er
erwies sich hier als eins der thätigsten Mitglieder der Partei
des Fortschritts und bearbeitete als Reichstagsschriftführer
eine Reihe der wichtigsten Gesetzentwürfe. Im März 1848
im Ministerium Batthyányi mit dem Portefeuille des Innern
betraut, entschied er sich mit Kossuth für entschlossene
Revolution, übernahm nach dem Rücktritt des Ministeriums
mit jenem die provisorische Leitung der Landesangelegenheiten und
trat auch in den Landesverteidigungsausschuß ein. Im Dezember
1848 als Reichskommissar nach Oberungarn delegiert, bildete er hier
ein Guerillakorps zur Abwehr des eingefallenen Schlikschen Korps.
Nach der Unabhängigkeitserklärung (14. April 1849)
übernahm er das Präsidium des neuen Kabinetts und floh,
nachdem Görgei die Waffen gestreckt, nach Konstantinopel,
machte dann eine Reise nach Griechenland und ließ sich
hierauf in Paris nieder. Hier veröffentlichte er die
vornehmlich gegen Kossuth gerichteten Charakteristiken: "Ludwig
Batthyanyi, A. Görgei und L. Kossuth" (Hamb. 1851). 1865
kehrte er, gebrochen an Leib und Seele, in die Heimat zurück
und starb 18. Jan. 1869 in einer Privatirrenanstalt zu Ofen. Seine
gesammelten Schriften sind 1869 in Pest erschienen.
Szene (griech.), der Platz im Schauspielhaus, wo das
Stück gespielt wird, die Bühne; dann auch der Ort und das
Land, wo die Handlung vorgeht; auch s. v. w. Auftritt (f. d.). Ein
Stück in S. setzen, s. v. w. es zur theatralischen
Aufführung vorbereiten, fertig machen. Szenerie, das auf der
S. oder Bühne vermittelst der Dekorationen etc. dargestellte
Bild; allgemeiner s. v. w. Landschaftsbild, Gegend.
Szenische Spiele (Ludi scenici), bei den Römern
Spiele, welche auf einer Schaubühne (scena), der Sage nach
seit der Pest von 361 v. Chr., aufgeführt wurden und anfangs
nur in Tanz mit Flötenbegleitung, ohne Beimischung von Gesang
und Mimik, die erst später hinzukam, bestanden; vgl.
Komödie.
Szent (ungar., spr. ssent), s. v. w. Sankt.
Szeut-Endre (spr. ssent-. Sankt-Andrä), Stadt im
ungar. Komitat Pest, am rechten Donauufer, 15 km nördlich von
Ofen, Sitz des Ofener griechisch-orientalischen Bischofs, mit
vielen Kirchen, (1881) 4229 deutschen, serbischen und ungar.
Einwohnern, Weinbau und Bezirksgericht. S. heißt auch eine
schmale Donauinsel, welche sich von Waitzen bis gegen Budapest
erstreckt und mehrere Dörfer enthält.
Szentes (spr. ssénntesch), Stadt im ungar. Komitat
Csongrád, liegt an der Kurcza unfern der Theiß und hat
mehrere Kirchen, (1881) 28,712 Einw., starken Weinbau und ein
Bezirksgericht.
Szent-Miklós (spr. ssent-miklösch), Name
mehrerer Orte in Ungarn: 1) Gyergyó-S. (s. d.), Markt im
Komitat Csik. - 2) Kún-S. (s. d.), Markt im Komitat Pest. -
3) Liptó-S. (s. d.), Markt im Komitat Liptau. - 4) Nagy-S.
(s. d.), Markt im Komitat Torontál. - 5) Török-S.,
Markt im Komitat Iasz-Nagy-Kun-Szolnok, an der Ungarischen
Staatsbahn, mit (1881) 16,046 ungar. Einwohnern.
Szent-Peter (Sajó-S., spr.
schájö-ssent-), Markt im ungar. Komitat Borsod, am
Sajó und der Ungarischen Staatsbahnlinie
Fülek-Miskolcz, mit schöner reform. Kirche, (1881) 3230
ungar. Einwohnern, vorzüglichem Weinbau und
Bezirksgericht.
Szent-Tamas (spr. ssent-támäsch), Markt im
ungar. Komitat Bács-Bodrog, am Franzenskanal, mit (1881)
10,609 meist serb. Einwohnern, Getreidebau und Viehzucht.
Szepes-Bela (spr. ssépesch-), eine 1881
entdeckteTropfsteinhöhle von riesigem Umfang im ungar. Komitat
Zips (in der Hohen Tátra, am Berg Kobuly Vrch), zu der man
durch das 8 km lange prachtvolle Tatraseenthal gelangt. Sie ist
Eigentum der Stadt Bela (s. d.), besteht aus mehreren
übereinander liegenden Grotten und zeichnet sich durch die
großartigsten Tropfsteingebilde aus. In der Nähe der
Szepes-Bélaer Tátra-Höhlenhain, klimatischer
Kurort, 763 m ü. M., 10 km von der Bahnstation
Poprád-Felka.
Szepes-Olaszi-Váralja (spr. ssépesch-),
Name der Kaschau-Oderberger Bahnstation für die Städte
Wallendorf und Kirchdrauf (s. d.) im ungar. Komitat Zips. In der
Nähe von Kirchdrauf das Bad Baldócz, mit zwei erdigen,
kalkhaltigen Säuerlingen.
Szerdahely (spr. ssér-, auch Duna-S.), Markt im
ungar. Komitat Preßburg, Hauptort der Schüttinsel, mit
(1881) 4182 ungar. Einwohnern, lebhaftem Vieh- handel und
Bezirksgericht.
Szerencs (spr. ssérentsch), Markt im ungar.
Komitat Zemplin, an der Ungarischen Staatsbahnlinie
Debreczin-Miskolcz, mit altem Schloß und (1881) 2370 ungar.
Einwohnern. In der Umgegend gedeiht vortrefflicher Wein.
Szetschuan, chines. Provinz, s. Setschuan.
Sziget (spr. ssi-), 1) (Szigetvár) Markt und
ehemals bedeutende Festung Im ungar. Komitat Somogy, am
Almás, Station der Fünfkirchen-Barcser Bahn, mit noch
sichtbaren Mauern und Gräben, mehreren Kirchen,
Franziskanerkloster und (1881) 5014 Einw. S. ist denkwürdig
durch den Heldentod Nikolaus Zrinys (s. d.) 15. Sept. 1566 bei der
Vertei- digung der Festung gegen die Türken unter Soliman. -
2) Stadt, s. Marmaros-Sziget.
Szigligeti (spr. ssi-), Eduard (eigentlich Joseph
Szathmary), ungar. Dramatiker, geb. 1814 zu Großwardein,
bildete sich in Pest zum Ingenieur aus, betrat aber 1834 in Ofen
die Bühne und ward dann Sekretär und Regisseur des
Nationaltheaters zu Pest. Von 1834 bis 1872 hat S. gegen hundert
Stücke geschrieben und diese Zahl seitdem noch
beträchtlich über-stiegen. Von seinen Lustspielen und
Tragödien, denen eine gewisse Bühnenwirksamkeit nicht
abzusprechen, wiewohl ihnen jeder tiefere poetische Wert abgeht,
wurden viele von der Akademie mit dem Preis gekrönt.
Besonderes Verdienst erwarb sich S. durch das ungarische
Volksstück (ein von ihm geschaffenes Genre), in welchem er
magyarisches Volksleben schildert und die magyarischen Volkslieder
auf die Bühne bringt. Mehrere seiner hierher gehörigen
Dramen, wie: "Der Deserteur", "Zwei Pistolen", "Der Jude", "Der
Csikós" etc., fanden auch auf deutschen Bühnen Beifall.
Seine Stücke bilden fast ausschließlich das Repertoire
der Provinzialtheater und wandernden Schauspielertruppen Ungarns.
S., der außerdem viele Beiträge zur Geschichte des
magyarischen Schauspielwesens geliefert und eine Dramaturgie ("A
dráma és vál-fajai", Budap. 1874) geschrieben
hat, war Mitglied der ungarischen Akademie und der
Kissaludy-Gesellschaft sowie seit 1873 dramatischer Direktor des
Nationaltheaters. Er starb 20. Jan. 1878.
Szikszo (spr. ssíkssö), Markt im ungar.
Komitat Abauj-Torna, an der Miskolcz-Kaschauer Bahnlinie, mit
reform. Kirche in gotischem Stil, (1881) 3586 Einw., Getreide-,
Wein- u. Obstbau u. Bezirksgericht.
Szilagy (spr. ssílädj), ungar. Komitat am
linken Theißufer, 1876 aus den Komitaten Kraszna,
Mittelszolnok und einem Teil von Doboka gebildet, grenzt im N. an
das Komitat Szatmár, im O. an Szolnok-Doboka, im Süden
an Klausenburg, im W
477
Szilagy-Somlyo - Szymanowski.
an Bihar, umfaßt ein Gebiet von 3671 qkm (66,6 QM.), das
sehr wald- und wildreich ist, und wird vom Kraszna- oder
Bükkgebirge erfüllt und von den Flüssen Kraszna,
Szamos, Berettyo, Szilagy etc. bewässert. S. hat (1881)
171,079 Einw. (Rumänen und Ungarn, meist Griechisch-Unierte),
welche Acker- und Weinbau, Rindvieh- und Schweinezucht treiben.
Sitz des Komitats ist die Stadt Zilah.
Szilágy-Somlyó (spr.
ssiladj-schómljó), Stadt im ungar. Komitat
Szilágy, an der Kraszna, mit Schloß, alter Felsenburg,
1434 von Stephan Bathori erbauter Kirche und Minoritenkloster, hat
(1881) 4189 ungarische und rumän. Einwohner, Weinbau, eine
Mineralquelle, ein Untergymnasium und Bezirksgericht.
Szilicze (spr. ssilize, auch Lednice genannt),
Eishöhle im ungar. Komitat Gömör, in der Nähe
von Rosenau, mit großartigen Eisbildungen.
Szinyák (spr. ssinjak), Badeort im ungar. Komitat
Bereg, nordöstlich von Munkács, mit einer bei Gicht,
Rheuma, Nervosität und Hautleiden heilkräftigen kalten
alkalischen Schwefelquelle.
Szinver-Váralja (spr. ssinjer-wáhralja),
Markt im ungar. Komitat Szatmar, mit (1881) 3691 rumänischen
und ungar. Einwohnern, Weinbau und Töpfereien.
Szkleno (spr. sskléno), berühmtes altes Bad
im ungar. Komitat Bars, liegt im wildromantischen Teplathal, unweit
von Schemnitz, mit acht gegen Rheumatismus, Gicht, Nerven- und
Hautübel wirksamen gipshaltigen Thermen von 45-53,5° C.
Temperatur. Vgl. Bachschitz, Kurort S. (Budap. 1877).
Szlachcic (poln.), s. Schlachtschitz.
Szlatina (spr. sslá-, Akna-S.), Ort im ungar.
Komitat Marmaros, 4,6 km von Marmaros-Sziget, mit dem es durch eine
Schmalspurbahn verbunden ist, hat ein großes Salzbergwerk,
das jährlich ca. 350,000 metr. Ztr. produziert.
Szlávy (spr. sslawi), Joseph, ungar. Staatsmann,
geb. 23. Nov. 1818 zu Raab, trat, nachdem er seine Studien an der
Schemnitzer Bergakademie absolviert hatte, in den Staatsdienst,
zuletzt bei der ungarischen Hofkammer in Ofen, und ward 1848 von
Kossuth mit der Leitung der Montanangelegenheiten in Oravicza
beauftragt. Hier wurde S. nach der Revolution verhaftet; vom
Temesvarer Kriegsgericht zu fünf Jahren Festungshaft in Eisen
verurteilt, verbrachte er zwei Jahre in Olmütz. Dann in
Freiheit gesetzt, lebte er zurückgezogen abwechselnd in
Preßburg und auf seinem Landgut zu Almosd im Biharer Komitat.
1861 wurde er zum Statthaltereirat, 1865 zum Obergespan des Biharer
Komitats, 1867 zum Staatssekretär im Ministerium des Innern,
1870 nach Abdankung des Grasen Miko zum Handelsminister und 1872
zum Ministerpräsidenten ernannt; doch blieb er in dieser
Stellung nur wenige Monate. 1879 wurde er Präsident des
Abgeordnetenhauses, 1880 Reichsfinanzminister und 1882 ungarischer
Kronhüter und Vizepräsident des Oberhauses.
Szliács (spr. ssliatsch, Ribarer Bad),
berühmter und besuchter Badeort im ungar. Komitat Sohl,
südlich von Neusohl, Station des Altsohl-Neusohler
Flügels der Ungarischen Staatsbahn, mit bei Frauenkrankheiten
und Nervenleiden heilsamen, kohlensäurereichen Eisenthermen
(25-32° C.). Vgl. Hasenfeld, Der Kurort S. (3. Aufl., Wien
1878).
Szobráncz (spr. sso-), Bad bei Ungvár im
ungar. Komitat Ung, liegt, gegen N. vollständig
geschützt, an der Südseite des Vihorlátgebirges
und hat vier kalte salz- und schwefelhaltige Quellen und
Schlammbäder.
Szofer, s. Sopher.
Szolnok (spr. ssól-), Stadt, Sitz des ungar.
Komitats Jász-Nagy-Kun-S., Knotenpunkt der
Österreichisch-Ungarischen u. Ungarischen Staatsbahn, an der
Mündung der Zagyva in die Theiß, über die zwei
Brücken führen, mit (1881) 18,247 ungar. Einwohnern, die
Ackerbau, Gewerbe, Fischerei und Handel mit Obst, Bauholz etc.
treiben. S. hat eine königliche Tabaks- u. eine
Maschinenfabrik, ein Franziskanerkloster, ein Obergymnasium, ein
Tabakseinlösungsamt und ein Bezirksgericht.
Szolnok-Doboka (spr. ssól-), ungar. Komitat in
Siebenbürgen, grenzt an die Komitate Szilágy,
Szatmár, Marmaros, Bistritz-Naszód und Klausenburg,
umfaßt 5150 qkm (93,5 QM.), ist besonders im nördlichen
Teil gebirgig und waldreich, wird von der Großen und Kleinen
Szamos durchströmt und hat (1881) 193,677 meist rumän.
Einwohner (Griechisch-Katholische), die Ackerbau, Viehzucht und
Bergbau betreiben. Das Land ist namentlich in den Thälern
fruchtbar (im Süden gedeiht auch Wein) sowie reich an Vieh und
Wild, Salz und Eisen. Hauptort ist Dees.
Szörény (spr. ssörenj), ehemaliges
Komitat in Ungarn, welches 1876 aus dem östlichen Teil der
1873 aufgelösten Banater Militärgrenze errichtet und 1880
mit dem Komitat Krassó vereinigt wurde (s.
Krassó-Szörény). Amtssitz war Karansebes.
Szováta (spr. ssówata), Badeort im ungar.
Komitat Maros-Torda (Siebenbürgen), mit (1881) 1471
ungarischen und rumän. Einwohnern, mehreren Salzseen,
Solbädern und dem höchst merkwürdigen Salzberg, bei
dem das Steinsalz in ganzen Felsen frei zu Tag tritt (s.
Parajd).