Syrjänen - Syrphus
hervorgegangen. Von der ältesten syrischen Litteratur ist
nichts bekannt. Die zahlreichen erhaltenen Schriftdenkmäler
rühren meist aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. her und sind
vorwiegend christlich-theologischen Inhalts. Doch fanden damals
auch die Geschichte und Philosophie sowie die Naturwissenschaften
unter den Syrern Pflege, in welchen Fächern diese im 8. und 9.
Jahrh. Lehrer der Araber wurden, wie sie überhaupt als
Vermittler älterer Kulturen einen großen Einfluß
in Vorderasien ausgeübt haben. Der letzte klassische
Schriftsteller der Syrer ist Bar-Hebräus (gest. 1286),
jakobitischer Weihbischof zu Maraga. Das älteste noch
vorhandene Denkmal der christlich-syrischen Litteratur ist eine
Übersetzung des Alten und Neuen Testaments, die sogen.
Peschito (s. d.). Für die Kirchengeschichte sind die meist
schon mehrfach herausgegebenen Werke der syrischen
Kirchenväter von großem Interesse; eine Auswahl
derselben hat Bickell zu übersetzen begonnen (Kempten 1874
ff.). Unter den historischen Werken ist namentlich die Chronik des
Bar-Hebräus zu erwähnen. Die um das Jahr 515 geschriebene
Chronik des Josua Stylites hat der französische Orientalist
Martin herausgegeben in den "Abhandlungen für die Kunde des
Morgenlandes" (Leipz. 1876). Die berühmte indische
Märchensammlung "Pantschatantra" ist schon im 6. Jahrh. auch
ins Syrische übertragen worden, und diese alte Version (hrsg.
mit Übersetzung u. d. T.: " Kalilag und Damnag" von Bickell,
nebst einer Einleitung von Benfey, Leipz. 1876) ist
ursprünglicher als das auf die Gegenwart gekommene indische
Original. Ebenso sind manche gar nicht mehr oder nicht in ihrer
ursprünglichen Gestalt erhaltene Werke des klassischen
Altertums in syrischen Versionen oder arabischen Übertragungen
derselben bewahrt. Den Text eines syrischen historischen Romans:
"Julianos der Abtrünnige", gab Hoffmann heraus (2. Ausg., Kiel
1887). Die Poesie der Syrer ist lediglich kirchlicher und
liturgischer Art und entbehrt alles wahrhaft dichterischen Geistes.
Der älteste Hymnendichter ist der Gnostiker Bardesanes; neben
ihm ist noch Ephräm der Syrer zu nennen. Die reichsten
Sammlungen syrischer Handschriften besitzen Rom, Paris und das
Britische Museum zu London. Vgl. Nestle, Litteratura syriaca
(Bibliographie, Berl. 1888).
Syrjänen, ein Volk nordfinn. Stammes, wohnt in den
russischen Gouvernements Wologda und Archangel und ist nahe
verwandt mit den Permiern und Wotjaken. Im Gouvernement Archangel
wohnen die S. nur im Kreis Mesen an der Petschora und dem obern
Lauf des Flusses Mesen; in Wologda bilden sie fast die ganze Masse
der ländlichen Bevölkerung in den Kreisen Ustsyssolsk und
Jarensk; ihre Zahl wird auf 85,500 angegeben. Einst wohnten sie an
der Kama und Wjatka und nennen sich deshalb noch beute Kama
-Männer (Komi-mort, Komi-jas und Komi-woitur). Als Stephan,
Bischof von Perm, zu Ende des 14. Jahrh. mit ungewöhnlicher
Energie unter den finnischen Völkern der permischen Gruppe das
Christentum verbreitete und ihre Götzen verbrannte, wanderten
die S. in die Flußgebiete der Petschora, Wytschegda und des
Mesen aus. Die S. sind bekannt durch Fleiß und Ehrlichkeit,
gehören der griechischen Kirche an, unterscheiden sich in
Kleidung und Sitte wenig von den Russen, wohnen in gut gebauten
Dörfern, beschäftigen sich mit Landwirtschaft, Viehzucht,
Jagd und Fischerei und sind wohlhabender als ihre russischen
Nachbarn. Vom Januar bis in den April begeben sie sich in
Gesellschaften von 10-20 Mann tief hinein in die Urwälder, oft
über 500 km von den Wohnstätten, mit Hilfe eines kleinen
Kompasses (madka) und machen Jagd auf Bären, Wölfe,
Luchse, Füchse, Marder und hauptsächlich auf
Eichhörnchen, von welch letztern sie in guten Jahren bis
900,000 Stück verkaufen. Roggen, Gerste, Talg und Häute
schicken sie nach Archangel, Wild nach Petersburg und Moskau,
Eichhörnchen-, Marder- und Fuchsfelle auf die Jahrmärkte
von Nishnij Nowgorod und Irbit. Die Sprache der S. gehört zu
der finnisch-ugrischen Gruppe des uralaltaischen Sprachstammes und
ist am nächsten mit der permischen verwandt. Vgl.
Castrén, Elementa grammaticae syrjaenae (Helsingf. 1844);
Wiedemann, Grammatik der syrjanischen Sprache (Petersb. 1884);
Derselbe, Syrjänäsch-deutsches Wörterbuch (das.
1880).
Syrlin, Jörg, Bildschnitzer, war seit ca. 1450 in
Ulm thätig, wo er eine Anzahl von Chorstühlen,
Singepulten und selbständigen Bildwerken in Holz
ausgeführt hat, unter denen das Chorgestühl im
Münster (1469-74) durch Feinheit der Charakteristik in den
Figuren und durch die naturalistische, von edlem
Schönheitssinn verklärte Detailbehandlung eine erste
Stelle in der deutschen Bildnerei des 15. Jahrh. einnimmt. Er hat
auch den Steinernen Brunnen auf dem Marktplatz zu Ulm geschaffen.
Sein gleichnamiger Sohn ist in Ulm und Blaubeuren ebenfalls als
Bildschnitzer thätig gewesen.
Syrmien, ehemals Herzogtum in Slawonien, benannt nach der
römischen Stadt Sirmium (s. d.), umfaßte den
östlichen Teil der von der Drau, Save und Donau umflossenen
sogen. Syrmischen Halbinsel, stand erst unter den ungarischen
Königen, dann unter den Türken, nach deren Vertreibung
1688 Kaiser Leopold I. das italienische Haus Odescalchi damit
belehnte. Später kam S. an das Haus Albani. Das jetzige
kroatisch-slawonische Komitat S. grenzt an die Komitate
Torontál, Bács-Bodrog und Veroviticz sowie an Bosnien
und Serbien, hat ein Areal von 6848,5 qkm (124,4 QM.), ist gebirgig
(Fruska-Gora), fruchtbar (vorzüglicher Weizen und Wein, Mais,
Obst, Kastanien), hat (1881) 296,678 Einw. (meist Serben) u.
lebhafte Pferde-, Vieh-, Bienen- und Seidenraupenzucht.
Komitatssitz ist Vukovar (s. d.).
Syrnium, s. Eulen, S. 906.
Syrokomla, Wladyslaw (eigentlich Ludwig Kondratowicz),
poln.Dichter, geb. 17. Sept. 1823 zu Jaskowice in Litauen, lebte
bis 1853 als Landwirt in Zalucz am Niemen, später in
Borejkowszczyzna bei Wilna und starb in letzterer Stadt 15. Okt.
1862. S. war kein Dichter von hohem Gedankenflug. aber vom Feuer
echter Begeisterung und tiefem, auf, richtigem Gefühl
erfüllt, zugleich von einer ungewöhnlichen Einfachheit im
Ausdruck. Unter seinen zahlreichen im Volkston gehaltenen
poetischen Erzählungen (Gawedy) sind hervorzuheben: "Urodzony
Jan Deborog", "Janko Cmentarnik", "Noc hetmanska" und "Zgon Acerna"
auf den Tod Klonowicz' (f. d.), dessen trübe Lebensschicksale
ein Spiegelbild der seinigen bildeten. Weniger erfolgreich
versuchte er sich) auf dramatischem Gebiet ("Kaspar Karlinski"
u.a.). S. lieferte auch eine Geschichte der polnischen Litteratur
("Dzieje literatury w Polsce", 2. Ausg., Warsch. 1874, 3 Bde.)
sowie eine treffliche metrische Übersetzung der
polnisch-lateinischen Dichter Janicki, Sarbiewski, Szymonowicz,
Klonowicz u. a. (Wilna 1852, 6 Bde.). Eine Gesamtausgabe seiner
Dichtungen erschien in 10 Bänden (Warsch. 1872). Seine
Biographie schrieb I. I. Kraszewski(Warsch. 1863).
Syrphus, Schwebfliege; Syrphidae, Familie aus der Ordnung
der Zweiflügler, s. Schwebfliegen
472
Syrrhaptes - Szajnocha.
Syrrhaptes, Steppenhuhn.
Syrte, Name zweier Busen des Mittelländischen Meers
an der Küste Nordafrikas. Die Große S. (Dschûnel
Kebrit, auch Golf von Sidra), zwischen der Landschaft Tripolis und
dem Plateau von Barka, bildet den am weitesten nach Süden
einbiegenden Teil des Mittelmeers; die Kleine S. (auch Golf von
Gabes) liegt südlich von der Bai von Tunis zwischen den
Landschaften Tunis und Tripolis.
Syrup (Sirob, arab., lat. syrupus), s. Sirup.
Syrus, röm. Dichter, s. Publilius Syrus.
Sysran (Ssysran), Kreisstadt im russ. Gouvernement
Simbirsk, unweit der Wolga, an der Eisenbahn Morschansk-Orenburg,
hat 7 Kirchen, eine Stadtbank, eine Realschule und (1885) 28,624
Einw., welche Acker- und Gartenbau, Industrie in Leder, Eisen und
Talg und Handel mit Getreide und Salz treiben. S. wurde I683
angelegt.
Syssitien (griech.), gemeinschaftliche Männermahle
in den altdorischen Staaten Griechenlands, besonders Sparta, wo sie
auch Pheiditien hießen. Zur Teilnahme an den täglichen
S. waren alle männlichen Bürger Spartas vom 20.
Lebensjahr an verpflichtet und mußten hierzu einen Beitrag in
Naturalien und Geld entrichten. Das Hauptgericht war die
berühmte schwarze Blutsuppe, Schweinefleisch in Blut gekocht
und mit Essig und Salz gewürzt. An jedem Tisch speisten in der
Regel 15 Personen, welche auch im Krieg Zeltgenossen waren.
System (griech., das "Zusammengestellte"), jedes nach
einer gewissen regelrechten Ordnung aus Teilen zusammengesetzte
Ganze. In diesem Sinn redet man von einem Nervensystem, insofern
die Verbindung der Nerven deren Zusammenwirken zu den Zwecken des
tierischen Lebens bedingt; von einem Tonsystem oder der Reihenfolge
der Töne nach bestimmten Intervallen; von einem
Planetensystem, das durch die Abhängigkeit der Bewegung der
einzelnen Planeten von einem Zentralkörper, der Sonne, zu
stande kommt; ferner von Eisenbahn-, Verwaltungs-, Ackerbausystemen
etc. Insbesondere aber versteht man unter S. ein geordnetes Ganze
von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die vollendete Form aller
wissenschaftlichen Darstellung, welche dadurch gewonnen wird,
daß alle Begriffe aus einem oder einigen höchsten
Prinzipien hergeleitet und entwickelt werden, wobei sich das
Verfahren nach der Art, wie ein Ganzes wissenschaftlicher
Erkenntnisse überhaupt zu stande kommt, verschiedenartig
modifiziert. Die unterste Form systematischer Darstellung oder der
Systematik ist die Klassifikation, insofern dieselbe lediglich die
Verhältnisse logischer Über- und Unterordnung zu
berücksichtigen hat, wobei der Zusammenhang des Mannigfaltigen
mehr ein äußerlicher ist. Diese Systematik gestaltet
sich nicht allein nach der verschiedenen Natur und Erkenntnisquelle
der einzelnen Wissenschaften verschieden, sondern es machen sich
auch innerhalb des Gebiets einer einzelnen Wissenschaft im Lauf der
Zeit Veränderungen nötig, je nachdem man bei Ableitung
und Begründung des Details bald von diesem, bald von jenem
Standpunkt ausgeht, wodurch nicht nur die Form, sondern auch der
Inhalt der Wissenschaft verschiedene Modifikationen erleiden
muß. Die Darlegung der allgemeinen Formen des systematischen
Verfahrens ist Aufgabe der Logik, während deren nähere
Anwendung auf besondere Gebiete wissenschaftlicher Erkenntnis der
einzelnen Wissenschaft überlassen bleibt. In der
Naturwissenschaft versteht man unter S. die wissenschaftliche
Aneinanderreihung der Naturkörper nach gewissen gemeinsamen
Merkmalen zu Arten, dieser zu Gattungen, dieser weiter zu Familien,
Ordnungen und Klassen. Je nachdem man hierbei von einem einzelnen
Merkmal oder einigen wenigen ausgeht oder die Gesamtheit derselben
berücksichtigt, unterscheidet man künstliche und
natürliche Systeme. Künstliche Systeme hat man namentlich
in der Botanik gehabt, z. B. solche, welche nach der Beschaffenheit
des Stammes alle Pflanzen in Kräuter und Bäume trennten,
oder nach der Beschaffenheit der Fortpflanzungswerkzeuge (wie
Linné) oder nach der Frucht (wie Gärtner) einteilten.
Sie wurden schon am Ende des vorigen Jahrhunderts durch das alle
Merkmale gleichmäßig berücksichtigende und der in
der allgemeinen Tracht (Habitus) sich aussprechenden
natürlichen Verwandtschaft Rechnung tragende natürliche
System (von Jussieu) ersetzt (weiteres s. Pflanzensystem). In der
Zoologie hat man niemals eigentlich künstliche Systeme gehabt,
da sich hier die natürliche Verwandtschaft deutlicher
ausprägt; doch hat auch das zoologische S. im einzelnen
selbstverständlich die größten Veränderungen
erfahren. Der Zug der modernen Forschung geht dahin, die
natürlichen Systeme der Lebewesen zu genealogischen Systemen
umzugestalten (vgl. Darwinismus, S. 567 f.). Über Geologische
Systeme s. Geologische Formation.
Systematik (griech.), die Kunst der systematischen
Darlegung (s. System), Anleitung dazu. Systematisch, ein System
bildend, planmäßig.
Système de la nature, Titel des berühmten
philosophisch-materialistischen Buches im Geiste der
französischen Encyklopädisten, das pseudonym 1770
erschien, und als dessen Verfasser jetzt der Baron v. Holbach (s.
d.) gilt.
Systole (griech.), in der Prosodie im Gegensatz zur
Diastole (s. d.) die Verkürzung einer von Natur langen Silbe
durch die Aussprache, welche regelmäßig in der Senkung
des Versfußes unmittelbar vor der folgenden Hebung eintritt,
z. B. "Obstupui steteruntque comae" (Vergil); in der Physiologie
die Zusammenziehung der Herzmuskulatur (weiteres s. Blutbewegung,
S. 60).
Sytschewka (Ssytschewka), Kreisstadt im russ.
Gouvernement Smolensk, an der Wasusa und der Bahnlinie
Wjasma-Rshew, mit (1885) 4984 Einw.
Syzygien (griech.), in der Astronomie gemeinsame
Bezeichnung für Konjunktion und Opposition, also für
diejenigen Stellungen eines Planeten zur Sonne, wo beide, von der
Erde aus betrachtet, entweder gleiche oder um 180° verschiedene
Länge haben.
Szabadka (spr. ssá-), s. Maria-Theresiopel.
Szabolcs (spr. ssáboltsch), ungar. Komitat am
linken Theißufer, grenzt an die Komitate Szatmár und
Bereg im O., Ung und Zemplin im N., Borsod und Szolnok im W. und
Bihar im Süden und umfaßt 4917 qkm (89,3 QM.). Der Boden
bildet eine im O. bewaldete, im W. und NW. aber längs des
Laufs der Theiß mit Sodaseen und Morästen
angefüllte, doch überaus fruchtbare Ebene mit fetten
Weiden. Nur der sogen. Nyir, eine sandige Fläche mit
dünenartigen Erhebungen, ist weniger fruchtbar.
Hauptfluß ist die Theiß mit der Szamos. Die Einwohner
(1881: 214,008), meist Ungarn, betreiben die Rindvieh-, Schaf- und
Schweinezucht im großen. Hauptort des Komitats, welches die
Ungarische Staatsbahn durchschneidet, ist die Stadt
Nyiregyháza.
Szajnocha (spr. schai-), Karl, poln. Dichter und
Geschichtschreiber, geb. 1818 zu Komaro bei Sambor in Galizien,
wurde 1835 als Gymnasiast zu Lemberg wegen eines politischen
Gedichts, das man bei ihm
473
Szalay - Szasz
fand, mit schwerer Gefängnishaft bestraft, die seine
Gesundheit zerrüttete und ihm den Weg zu höherer Bildung
verschloß, und schlug nun die schriftstellerische Laufbahn
ein, indem er Gedichte, Erzählungen und Dramen aus der Vorzeit
Polens in Lemberger Zeitungen veröffentlichte. Bald wandte er
sich jedoch von diesen poetischen Versuchen ab, einem ernsten und
vertieften Studium der polnischen Geschichte zu und ließ als
nächste Frucht desselben zwei mit verdientem Beifall
aufgenommene Schriften erscheinen: "Boleslaw Chrobry" (Lemb. 1848)
und "Pierwsze odrodzenie Polski" ("Die Wiedergeburt Polens", das.
1849), worin die Zeiten Wladislaw Lokieteks und Kasimirs d. Gr.
treu und anschaulich geschildert werden. Bedeutenderes noch
leistete er in "Jadwiga i Jagiello" (Lemb. 1855, 3 Bde.; 2. Aufl.
1861, 4 Bde.), seinem Hauptwerk, das sein Talent für
historische Malerei im vollsten Glanz erscheinen läßt.
S. war inzwischen (1853) Kustos der Ossolinskischen Bibliothek in
Lemberg geworden, doch mußte er die Stelle schon nach wenigen
Jahren wegen Erblindung wieder aufgeben. Er starb, bis zuletzt
litterarisch thätig, 10. Jan. 1868 in Lemberg. Von seinen
Schriften sind noch hervorzuheben: "Lechicki poczatek Polski" ("Der
lechische Ursprung Polens", Lemb. 1858); die vortrefflichen "Szkice
historyczne" (das. 1854-69, 4 Bde.) und "Dwa lata dziejów
naszych" ("Zwei Jahre polnischer Geschichte"), eine Schilderung der
Kriege Polens mit den Kosaken (das. 1865-69, 2 Bde.). Eine Sammlung
seiner historischen Werke (mit Biographie von Kantecki) erschien
unter dem Titel: "Dziela Karola Szajnochy" (Lemb. 1876-78, 10
Bde.).
Szalay (spr. ssállai), Ladislaus von, ungar.
Historiker und Staatsmann, geb. 18. April 1813 zu Ofen, widmete
sich von 1824 bis 1826 in Stuhlweißenburg und Pest
philosophischen und juridischen Studien, begann 1833 die
Advokatenpraxis und ward infolge seiner Schrift "Das Strafverfahren
mit besonderer Rücksicht auf die Strafgerichte" (Pest 1840)
zum Schriftführer der vom Reichstag zur Ausarbeitung eines
Strafkodex niedergesetzten Kommission gewählt. 1843 wurde er
von der Stadt Karpfen als Deputierter zum Reichstag entsendet, wo
er sich der liberalen Opposition anschloß. Er beteiligte sich
seit 1844 teils als Redakteur, teils als Mitarbeiter am "Pesti
Hirlap". Seine Abhandlungen, worin er namentlich für
administrative Zentralisation und Reform des Komitatswesens seine
Stimme erhob, erschienen gesammelt als "Publicistai dolgozatok"
(Pest 1847, 2 Bde.). Sein "Státusférfiak könyve"
(Pest 1847-52) enthält Lebens- und Charakterschilderungen
bedeutender reformatorischer Staatsmänner. Von der ungarischen
Regierung 1848 zu ihrem Gesandten bei der deutschen Zentralgewalt
in Frankfurt ernannt, ging er dann in derselben Eigenschaft nach
London, ward aber hier nicht anerkannt, begab sich darauf in die
Schweiz und kehrte später nach Pest zurück, wo er 1861
zum Reichstagsabgeordneten gewählt wurde. Er starb 17. Juli
1864 in Salzburg. Seine Hauptwerke (in ungarischer Sprache) sind:
"Geschichte Ungarns" (Leipz. 1850-60, 6 Bde.; deutsch von
Wögerer, Pest 1866 bis 1875, 3 Bde.); "Nikolaus
Esterházy von Galantha, Palatinus von Ungarn" (das. 1862-66,
2 Bde.); "König Johann und die Diplomatie" (im "Budapesti
Szemle" 1858-60); "Ungarisch-geschichtliche Denkwürdigkeiten"
(Pest 1858-60, 3 Bde.). Vgl. Flegler, Erinnerungen an L. v. S.
(Leipz. 1866).
Szamarodny (spr. ssá-), s. Tokayer.
Szamos (spr. ssámosch), Nebenfluß der
Theiß in Ungarn, entspringt im Biharer und Aranyoser Gebirge
in zwei Quellflüssen, die sich bei Deés vereinigen,
fließt dann nordwestlich, nimmt die Kraszna auf und
mündet in der Nordwestecke des Szatmárer Komitats bei
Ocsva-Apathi.
Szamos-Ujvár (spr. ssámosch-,
Armenierstadt), Stadt im ungar. Komitat Szolnok-Doboka
(Siebenbürgen), an der Klausenburg-Bistritzer Bahn, Sitz eines
griechisch-kath. Bischofs, mit schöner armenischer Kirche,
altem Schloß, bischöflichem Palais, Franziskanerkloster,
griechisch-katholischer theologischer Akademie, (1881) 5317 meist
armen. Einwohnern, lebhaftem Getreide- und Viehhandel,
Lederindustrie, Landesstrafanstalt und Bezirksgericht. In der
Nähe das Schwefelbad Kérö.
Szanthó (spr. ssánto), Markt im ungar.
Komitat Abauj-Torna, am Hegyaljagebirge, mit (1881) 4279 Einw.,
Weinbau und Bezirksgericht.
Szapary (spr. ssápp-), 1) Ladislaus, Graf,
öfterreich. General, geb. 22. Nov. 1831 zu Pest, trat 1848 in
die österreichische Kavallerie, ward 1857 Major, 1860
Flügeladjutant des Kaisers, 1862 Kommandant des 1. (jetzt 13.)
freiwilligen Husarenregiments, mit welchem er 1866 in Italien
wichtige Dienste leistete, 1869 Generalmajor und Brigadekommandeur
in Pest, 1874 Feldmarschallleutnant und Kommandeur der 20.
Division, mit der er 1878 in Bosnien einrückte. Nach der
Verstärkung der Okkupationsarmee ward er zum Kommandeur des 3.
Armeekorps ernannt, nahm an der völligen Okkupation
hervorragenden Anteil und erhielt im Oktober das
Militärkommando in Temesvár, dann in Kaschau. Er starb
28. Sept. 1883 in Preßburg.
2) Julius, ungar. Staatsmann, Vetter des vorigen, geb. 1. Nov.
1832, ward 1861 Deputierter für Szolnok und in rascher
Karriere Ministerialrat im Ministerium des Innern und
Staatssekretär im Kommunikationsministerium (August 1870),
welcher Stellung er aber schon im Mai 1871 entsagte, um dann 5.
März 1873 Minister des Innern zu werden. Er bekämpfte da
die Schäden des alten Regimes mit Nachdruck und übernahm
bei der Rekonstruktion des Ministeriums Tisza im Dezember 1878 das
Finanzportefeuille, das er bis zum Februar 1887 innehatte.
Szárvady (spr. ssar-). Wilhelmine, s.
Clauß.
Szarvas (spr. ssárwasch). Markt im ungar. Komitat
Békés, an der Körös, Station der
Ungarischen Staatsbahn, mit (1881) 22,504 Einw. (Slawen und
Ungarn), evang. Obergymnasium und Bezirksgericht.
Szász (spr. ssaß). Karl, ungar.
Schriftsteller, geb. 15. Juni 1829 zu Nagy-Enyed in
Siebenbürgen, studierte daselbst und gewann schon 1847 mit
einer poetischen Erzählung einen Preis. Nach der Revolution,
in deren letzten Kämpfen er als Honvéd mit focht,
studierte er Theologie, wirkte als Gymnasiallehrer in
Nagy-Körös, wurde dann calvinistischer Seelsorger zuerst
in Kézdi-Vásárhely, dann in
Kun-Szent-Miklós, vertrat den Fülöpszallaser
Bezirk auf dem Reichstag von 1865 und trat 1867 als Sektionsrat im
Kultusministerium in den Staatsdienst. Zwei Jahre später wurde
er zum Schulinspektor und 1876 zum Ministerialrat im Ministerium
ernannt. S., der Mitglied der Akademie und der
Kisfaludy-Gesellschaft ist und von beiden wiederholt mit Preisen
ausgezeichnet wurde, hat auf dem Felde der Lyrik und poetischen
Erzählung ("Almos", "Salamon") sowie des Dramas ("Zrinyi",
"Herodes", "Georg Frater"), besonders aber als poetischer
Übersetzer eine reiche Thätigkeit entwickelt und unter
anderm das Nibelungenlied, Dantes "Göttliche Komödie",
zwei Bände Gedichte von Goethe, mehrere Dramen von
Shakespeare, Ten-
474
Szászkabánya - Szécsény.
nysons Idylle, Lustspiele von Molière u. a. ins
Ungarische übersetzt. Auch sein Buch "A vilápirodalom
eposzai" ("Die großen Epen der Weltliteratur", Budapest 1882,
2 Bde.) enthält zahlreiche ausgezeichnete
Übersetzungsproben. - Auch seine Brüder, Dominik, geb.
1838, reformierter Bischof von Siebenbürgen, und Béla,
geb. 1840, jetzt Professor der Philosophie in Klausenburg, haben
sich, der erstere auf theologisch-politischem Gebiet, der letztere
als Lyriker, einen litterarischen Namen gemacht.
Szászkabánya (spr.
ssáhßkabanja), Markt im ungar. Komitat
Krassó-Szörény, mit (1881) 2812 Einw., Kupfer-
und Schwefelkiesbergbau, Kupferschmelzhütten und
Bezirksgericht.
Szatmár (spr. ssátt-), ungar. Komitat am
linken Theißufer, von den Komitaten Bereg, Ugocsa, Marmaros,
Szolnok-Doboka, Szilágy, Bihar und Szabolcs begrenzt,
umfaßt 6491 qkm (117,9 QM.), ist im Süden und O.
gebirgig, im übrigen Teil eben und stellenweise sumpfig. Die
Theiß fließt an der Nordgrenze und nimmt die Szamos,
Kraszna und den Tur auf. S. hat (1881) 293,092 Einw. (meist Ungarn)
und ist in der Ebene sehr fruchtbar. In den gebirgigen Gegenden
blüht Rindvieh-, Schaf-, Schweine- und Bienenzucht. Das
Mineralreich liefert Gold, Silber, Kupfer und Antimon; auch sind
Glashütten und Sägemühlen in Betrieb. Hauptort ist
Nagy-Károly. - Die Stadt S. (seit der 1715 erfolgten
Vereinigung der Städte S. und Németi auch S.-
Németi), königliche Freistadt im Komitat S. und Station
der Ungarischen Nordostbahn, liegt an beiden Ufern der Szamos, ist
Sitz eines römisch-kath. Bischofs und Domkapitels sowie eines
Gerichtshofs und einer Finanzdirektion, hat eine Kathedrale, 2
Klöster, ein katholisches und ein reform. Gymnasium, eine
Lehrer- und eine Lehrerinnenpräparandie, eine theologische
Diözesanlehranstalt, ein Seminar und (1881) 19,708 ungar.
Einwohner, die Gewerbe, Handel und auf dem benachbarten S.-Hegy
(einer städtischen Ansiedlung mit 2000 reform. Einwohnern)
auch Weinbau betreiben. S. hat eine Dampfmühle, ein
königliches Tabaksmagazin und am Domplatz eine Büste des
ungarischen Dichters Kölcsey.
Szczawnica (spr. sstschá-), Badeort in der galiz.
Bezirkshauptmannschaft Neumarkt, in den Karpathen, nahe der
ungarischen Grenze, mit mehreren Heilquellen
(alkalisch-muriatischen Säuerlingen, Natron- und
Natronlithion-, jod- und bromhaltigen Quellen), besuchter Trink-
und Badeanstalt (ca. 3000 Kurgäste) und (1880) 2140 Einw.