Syntax (griech.), die Lehre von der Verbindung der

Wörter zu Sätzen, also die Satzlehre, bildet neben der

Formenlehre als dem ersten den zweiten Hauptteil der Grammatik.

Obwohl sich über die naturgemäße Ordnung der Worte,

wie sie das innere oder logische Verhältnis der in die Rede

aufgenommenen Vorstellungen verlangt, allgemeine Grundsätze

aufstellen lassen, deren Inbegriff die allgemeine S. bilden

würde, so macht doch der eigentümliche Bau der einzelnen

vorhandenen Sprachen für eine jede derselben eine besondere S.

nötig, die wiederum in zwei Hauptteile, die Rektionslehre und

die Topik oder Lehre von der Wortfolge, zerfällt. Die

Begründung der vergleichenden Sprachwissenschaft hat dann auch

zu einer historischen und vergleichenden Betrachtungsweise der S.

Veranlassung gegeben. Die historische S. geht darauf aus, die

Entwickelung und Umbildung der S. in einer und derselben Sprache zu

verfolgen; die vergleichende S. hat die Geschichte der S. in

mehreren Verwandten Sprachen zum Gegenstand. Vgl. Dräger,

Historische S. der lateinischen Sprache (2. Aufl., Leipz. 1878-81,

2 Bde.); Delbrück und Windisch, Syntaktische Forschungen

(Halle 1871-88, Bd. 1-5); Jolly, Ein Kapitel vergleichender S.

(Münch. 1872).

Synthema (griech.), alles, was auf Verabredung beruht;

eine in verabredeten Zeichen bestehendeSchrift; daher

Synthematographie, die Kunst, mit solchen Zeichen in die Ferne zu

korrespondieren.

Synthesis (griech., Synthese), Zusammenstellung,

Verknüpfung (im Gegensatz zur Analysis, d. h. Zerlegung,

Trennung), insbesondere die Verbindung von Vorstellungen und

Begriffen untereinander, wie sie in der Auffassung der sinnlichen

Erscheinungen stattfindet, insofern hierbei die Mannigfaltigkeit

der wahrgenommenen Merkmale in eins zusammenfließt. Hiernach

versteht man unter einer synthetischen Erklärung eine solche,

bei welcher sich der Begriff aus dem zusammenfassenden Denken

ergibt, indem seine Merkmale vorher bekannt sind und auch die Art

ihrer Verknüpfung nicht zweifelhaft ist. Ein synthetisches

Urteil ist ein solches, dessen Prädikat nicht mit dem

Subjektsbegriff schon gegeben ist, wie z. B. in dem Urteil: alle

Körper nehmen einen Raum ein, sondern als eine neue Bestimmung

zu jenem hinzutritt, wie in dem Urteil: jeder Veränderung

liegt eine Ursache zu Grunde. Ist dabei das Urteil von der

Erfahrung abhängig, so wird es (mit Kant) S. a posteriori, im

entgegengesetzten Fall S. a priori genannt. Analog ist die

Unterscheidung der synthetisch (progressiv) und analytisch

(regressiv) gebildeten Schlußreihen, insofern man entweder

von gewissen Prämissen aus fortschreitend Folgerungen zieht,

oder rückwärts zu den letzten Gründen zu gelangen

sucht. Ebenso versteht man unter synthetischer Methode diejenige,

bei welcher, von den Prinzipien ausgehend, die Folgerungen

entwickelt, unter analytischer Methode dagegen diejenige. bei

welcher die Prinzipien aus den Thatsachen abgeleitet werden. - S.

heißt auch die Darstellung chemischer Verbindungen aus den

Elementen oder aus einfachern Verbindungen durch Einführung

von Atomen oder Atomgruppen. Die S. besitzt als

Untersuchungsmethode neben der Analyse (s. d.) eine große

Bedeutung für die Chemie und feierte den ersten Triumph 1828,

als Wöhler den Harnstoff aus den Elementen darstellte. Diese

große Entdeckung blieb aber ganz vereinzelt, bis Berthelot

auf die Wichtigkeit der S. für die organische Chemie hinwies.

Seitdem wurden durch S. unter anderm erhalten: Essigsäure,

Ameisensäure, Alkohol, Benzol, Kreatin, Guanidin,

Krotonsäure, Senföl, Cholin, Vanillin, Pikolin, Indigo,

Muskarin, Coniin etc., auch wurden Methoden ausgearbeitet zur S.

ganzer Körpergruppen, wie der Alkohole, Phenole, Aldehyde,

Säuren, Basen etc. Von besonderm Interesse ist die S. solcher

Verbindungen, welche im Organismus durch den Lebensprozeß

gebildet werden, weil die künstliche Darstellung dieser

Substanzen lehrt, daß in den lebenden Organismen dieselben

Gesetze walten wie in der sogen. toten Natur. Auch für die

Praxis haben die Erfolge der S. hohe Bedeutung und dürften

solche in Zukunft noch mehr gewinnen. Alizarin, Vanillin, Indigo

und Senföl werden künstlich dargestellt und spielen

bereits neben dem Krapp, der Vanille, den aus der Indigopflanze und

den Senfsamen gewonnenen Produkten eine Rolle in der Industrie. Man

hat auch schon synthetisch gewonnenen Alkohol auf den

Industrieausstellungen gezeigt, und da man von der

Ameisensäure und Essigsäure leicht zur Stearin- und

Palmitinsäure gelangen kann, da anderseits auch Glycerin durch

S. darzustellen ist und die genannten Säuren mit dem Glycerin

sich leicht zu Fetten vereinigen lassen, so ist die

Möglichkeit der Gewinnung von Fett ohne Pflanzen und Tiere

gegeben. Die moderne Chemie wendet die S. hauptsächlich an, um

über die Konstitution der Verbindungen Aufschluß zu

erhalten.

Synthetische Sprachen, seit A. W. Schlegel Bezeichnung

für solche Sprachen, in denen die grammatischen

Verhältnisse, wie z. B. im Latein und Griechischen,

vorherrschend auf dem Weg der Flexion gebildet werden, im Gegensatz

zu den analytischen

465

Syntonine - Syphilis.

Sprachen (s. d.), wie Französisch, Italienisch, Deutsch, in

welchen zum gleichen Zweck meistens mit Artikeln,

Hilfszeitwörtern etc. zusammengesetzte Ausdrücke

angewendet werden.

Syntonine, s. Proteinkörper.

Syphax, König der Massäsylier im westlichen

Numidien, ward im zweiten Punischen Krieg von Scipio 207 v. Chr.

für die Sache Roms gewonnen, aber bald darauf dadurch,

daß Hasdrubal ihm seine dem Masinissa verlobte Tochter

Sophonisbe (s. d.) zur Gattin gab, wieder auf die Seite der

Karthager gezogen. Er führte den Krieg gegen Scipio anfangs

nicht ohne Glück, ward aber 203 erst von Scipio, dann im

eignen Land von Lälius und Masinissa geschlagen und gefangen

genommen. Er starb als Gefangener in Tibur, nachdem er vorher (wie

von Polybius und Tacitus berichtet, aber von Livius bestritten

wird) im Triumph des Scipio aufgeführt worden war.

Syphilid, jeder infolge allgemeiner Syphilis auftretende

Hautausschlag.

Syphilis (griech., Lustseuche, Venerie,

Franzosenkrankheit, lat. Luës, Morbus gallicus), die

wichtigste der ansteckenden Geschlechtskrankheiten, da sie nicht

allein örtliche, auf die Stelle der Ansteckung

beschränkte Veränderungen herbeiführt, sondern sich

auf dem Weg der Lymph- und Blutbahn dem ganzen Körper mitteilt

und so zu einer Konstitutionskrankheit wird. Der krankmachende

Stoff (virus syphiliticum) ist seinem Wesen nach noch nicht

erforscht; man vermutet, daß es eine Bakterienart sei, hat

auch schon eine Reihe von Syphilisbacillen aufgefunden, welche mit

mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit als Ursache der S. bezeichnet

wurden, allein sichere Ergebnisse sind bisher noch nicht gewonnen.

Am meisten ist es wohl die Ähnlichkeit der syphilitischen

Gewebsveränderungen mit denen, welche durch die

Tuberkelbacillen hervorgebracht werden, welche den Gedanken an eine

ähnliche bacilläre Ursache immer wach erhält, und

vor allem die Analogie mit andern ansteckenden Krankheiten, bei

denen in den letzten Jahren die Bacillen tatsächlich

aufgefunden sind. Die S. würde alsdann in die Gruppe der

Wundinfektionskrankheiten einzureihen sein. Die Übertragung

findet nur von Mensch zu Mensch statt, Tiere leiden nicht an S.,

die Luft überträgt den Ansteckungsstoff nicht. Der

Hergang der Ansteckung wird in der Regel der Fälle so

vermittelt, daß a) ein mit syphilitischem Geschwur (Schanker)

an der Haut oder Schleimhaut behaftetes Individuum etwas von dem

Wundsekret dieses Geschwürs in eine kleine Schrunde der Haut

eines bis dahin nicht syphilitischen Individuums

überträgt, worauf sich an dieser Stelle ein primäres

Schankergeschwür entwickelt. Diese Art der Übertragung

vollzieht sich gewöhnlich beim Beischlaf an den Genitalien,

kann aber auch von syphilitischen Geschwüren der Lippen, der

Finger etc. aus erfolgen; b) durch Überimpfung von Blut und

Lymphe eines an konstitutioneller S. leidenden Menschen in eine

Wunde eines andern; c) durch Übertritt des Gifts vom Blut

einer syphilitischen Mutter auf das in ihrem Uterus sich

entwickelnde Kind. Die Krankheitserscheinungen sind 1) primäre

oder örtliche, an der Stelle der stattgehabten Ansteckung sich

entwickelnde Entzündungen und Geschwürsbildung; 2)

sekundäre, durch Aufnahme des Gifts in den Körper

bedingte Allgemeinerscheinungen. Manche Ärzte unterscheiden

auch wohl als 3) tertiäre S. solche Erkrankungen, welche noch

jahrelang nach der Ansteckung in verschiedenen innern Organen

beobachtet werden; da diese späten Nachschübe meist an

Leber, Nieren, Gehirn vorkommen, so hat man sie auch als

Eingeweide-S. (viscerale S.) bezeichnet. Die primäre S. ist

eine entzündliche Zellenwucherung, welche, an der Impfstelle

langsam wachsend, einen etwa bohnengroßen Knoten

hervorbringt, welcher sich derb anfühlt und als

Gummigeschwulst im Sinn Virchows aufzufassen ist. Die Zellen dieses

Knotens zerfallen fettig, die dünne bedeckende Hautschicht

wird abgestoßen, nach 4-6 Wochen ist aus ihm ein

Geschwür, der harte Schanker, entstanden. Als hartes,

induriertes Geschwür wird es bezeichnet im Gegensatz zu

einfachen, nicht auf S. beruhenden Hautgeschwüren, welche

nicht immer ihrem Namen "weicher Schanker" entsprechen und daher

leicht zu Verwechselungen Anlaß geben; die Frage, welche von

beiden Geschwürsformen vorliegt, wird oft erst durch die

spätern Folgezustände sicher entschieden. Während

bei einfachen Geschwüren der Verlauf meist ein schneller ist,

das Geschwür bei guter Reinhaltung rasch heilt, höchstens

zur Bildung schmerzhafter Schwellungen der Leistendrüsen

führt, so stellt sich beim syphilitischen Geschwür

langsame schmerzlose Schwellung der Nachbardrüsen ein, welche

den Übertritt des Gifts ins Blut anzeigt und nun die

sekundären Erscheinungen einleitet; man nennt diese

geschwollenen Lymphdrüsen indolente Bubonen. In ihrem nun

folgenden sekundären Stadium, in welchem der Körper mit

dem Gift als durchseucht gedacht wird (daher konstitutionelle S.),

treten gewöhnlich etwa zwei Monate nach der Ansteckung sehr

mannigfache Hautausschläge auf, welche in Form von Flecken,

Knötchen, Schuppenwucherung, nässenden Entzündungen

auftreten und als Syphilid en zusammengefaßt werden. Sie

verursachen höchst selten das Gefühl von Brennen und

Jucken und treten in der Kälte deutlicher hervor als in der

Wärme. Die häufigste Form ist ein rotfleckiger Ausschlag

(Roseola syphilitica), welcher in Gestalt von

halblinsengroßen, runden, geröteten Flecken auf der Haut

des Gesichts, am Rumpf und an den Extremitäten auftritt. Nach

längerm Bestehen bekommen die Flecke ein schmutzig braun-rotes

Ansehen und verschwinden endlich mit schwach kleienförmiger

Abschelferung der Oberhaut. Eine andre Ausschlagsform ist der

Lichen syphiliticus, bestehend aus kupferroten, nicht juckenden

Knötchen, die vereinzelt oder in Gruppen auftreten und an den

verschiedensten Körperstellen vorkommen. Die Psoriasis

syphilitica (Schuppenausschlag) besteht in einer reichlichen

kleienartigen Abschelferung der Epidermis, die auf mehr oder

weniger dicht stehenden, geröteten Hautflecken stattfindet.

Die Psoriasis syphilitica hat die Eigentümlichkeit, daß

sie die Kniee und Ellbogen (wo die nicht syphilitische Psoriasis am

häufigsten vorkommt) immer verschont und dagegen sehr gern an

den Handtellern und an der Fußsohle sich zeigt, die

ihrerseits von nicht syphilitischen Schuppenausschlägen fast

ausnahmslos verschont bleiben. Das pustulöse, aus

Eiterbläschen bestehende Syphilid (Ecthyma syphiliticum)

befällt namentlich den behaarten Kopf und das Gesicht. Aus den

beim Kämmen der Haare etc. zerkratzten Pusteln entstehen

zuweilen tiefe Geschwüre mit gerötetem Hof, welche

äußerst hartnäckig sind. Seltener als die genannten

Hautausschläge kommen die blasen- und

bläschenförmigen Syphiliden vor. Die Blasen hinterlassen

nach ihrem Zerplatzen oder Eintrocknen einen Schorf, unter welchem

sich ein Geschwür entwickelt (Schmutzflechte, Rupia

syphilitica). Große Blasen kommen bei neugebornen Kindern als

Zeichen angeborner S. häufig, bei Erwachsenen um so seltener

vor (Pemphi-

466

Syphilom - Syracuse.

gus syphiliticus. s. Tafel "Hautkrankheiten", Fig. 3).

Außer diesen Ausschlägen kommen auch in der Haut

wirkliche Gummiknoten vor, namentlich im Gesicht und an der Stirn,

wo sie als Corona Veneris bezeichnet werden. Alle diese

syphilitischen oder gummösen Entzündungsknoten,

gleichviel ob sie in der Haut als derbe rote Knoten oder in den

Schleimhäuten als dicke Wucherungen auftreten, oder ob sie in

der Iris, in Leber, Nieren oder Gehirn, Knochenhaut oder

Knochenmark mehr als flache Geschwülste oder große

Knoten hervorwuchern, sie alle haben eine gleiche Struktur wie der

primäre Schankerknoten, sie bestehen aus weichem Bindegewebe

und können 1) bei geeigneter Behandlung verfetten und so

völlig zurückgebildet werden, oder 2) sie können,

wenn sie oberflächlich liegen, geschwürig zerfallen, und

3) sie bilden sich teilweise zurück, teilweise schrumpfen sie

und hinterlassen derbe, strahlige, weiße oder gefärbte

Narben. Durch diese große Mannigfaltigkeit in der

äußern Erscheinung der S. ist es bedingt, daß

nahezu in jedem Organ Erkrankungen vorkommen, welche durch gewisse

Eigentümlichkeiten als spezifisch syphilitische erkannt

werden. Es gibt an der Regenbogenhaut des Auges eine zu

Verwachsungen führende Entzündung (Iritis syphilitica, s.

Tafel "Augenkrankheiten" , Fig. 5), es gibt im Kehlkopf

gummöse Neubildungen, welche große, strahlige Narben

hinterlassen (s. Tafel "Halskrankheiten", Fig. 3); an den Knochen

kommen sowohl knöcherne Auswüchse (Exostosen) als

Defektbildungen, eine Art von Knochenfraß (Caries sicca) vor,

welche durch bohrende Schmerzen (dolores osteocopi) ausgezeichnet

sind. In der Leber bringt die S. Narben hervor, durch welche das

Organ in unregelmäßige Lappen eingeteilt wird (hepar

lobatum), in der Nase führen syphilitische Geschwüre zur

Bildung stinkender Borken (Ozaena syphilitica) und Einfallen der

Nase; im Gehirn und Rückenmark können Lähmungen

aller Art durch gummöse Knoten entstehen; an der Haut wuchern

warzige Gebilde (Feigwarzen, Kondylome) mit breiter Basis und

höckeriger Oberfläche hervor; in den Lungen kann die S.

eine besondere Art der Schwindsucht bedingen, und endlich kommen im

Herzen Geschwülste, im Darm Geschwüre vor, welche der S.

zuzuschreiben sind. Personen, welche an konstitutioneller S.

leiden, erleben oft viele Jahre hindurch immer neue

Organerkrankungen, so daß sie schließlich an

Erschöpfung, nicht selten unter allgemeiner Amyloidentartung

zu Grunde gehen. Die Behandlung richtet sich zunächst auf die

Behandlung des primären Geschwürs. Dieses heilt bei

gründlicher Reinhaltung, event. unter gleichzeitiger Anwendung

von Quecksilber ohne Schwierigkeit. Die konstitutionelle S. wird

mit richtiger und frühzeitiger Anwendung von Quecksilber in

Form von Einreibung von grauer Quecksilbersalbe oder subkutaner

Einspritzung von Sublimat (Lewin) oder innerlicher Darreichung von

Kalomel (Ricord) oft vollständig geheilt. Bei veralteter S.

sind Jodkalium, der Gebrauch von Schwefelbädern, wie Aachen,

Nenndorf und andern warmen Bädern, von guter Wirkung. Die S.

ist von den Eltern auf die Kinder übertragbar. Frauen, welche

zur Zeit der Konzeption bereits an sekundärer S. leiden oder

auch erst während der Schwangerschaft syphilitisch werden,

bringen fast immer unreife, tote Früchte durch Abortus oder

Frühgeburt zur Welt. In andern Fällen wird das Kind zwar

ausgetragen, stirbt aber bei oder kurz nach der Geburt ab. Nur

selten wird das Kind einer syphilitischen Mutter längere Zeit

am Leben erhalten. In diesem Fall sind entweder schon gleich bei

der Geburt Symptome der S. an dem Kind vorhanden, oder die S. ist

noch latent, und die Symptome derselben treten erst nach Wochen

oder Monaten hervor. Die meisten der Kinder mit angeborner S.,

welche am Leben bleiben, haben die Krankheit von dem zur Zeit der

Zeugung syphilitischen Vater geerbt. Es ist sicher konstatiert,

daß die S. vom Vater auf das Kind übergehen kann, ohne

daß die Mutter syphilitisch infiziert ist oder von dem

kranken Kind, welches sie in ihrem Schoß birgt, infiziert

wird. Auch die von einem syphilitischen Vater herstammende vererbte

S. verrät sich in manchen Fällen gleich bei der Geburt

durch deutliche Zeichen, während in andern erst später

charakteristische Störungen auftreten. Die erstere Gruppe von

Fällen bietet für die Behandlung wenig Aussicht, meistens

gehen die Kinder, namentlich wenn schwere Knochenleiden oder

Pemphigus vorhanden sind, zu Grunde. Dagegen hat die Behandlung der

angebornen, aber anfangs latent gebliebenen S. günstige

Erfolge aufzuweisen. Gewöhnlich gibt man den Kindern kleine

Dosen Kalomel oder läßt Sublimatbäder anwenden.

Dabei muß man die Kräfte des Kindes durch Zufuhr einer

möglichst zweckmäßigen Nahrung (Muttermilch)

aufrecht erhalten. Dem syphilitischen Kind eine Amme zu geben, ist

nicht rätlich, weil letztere der Gefahr der Ansteckung

ausgesetzt ist. Die S. erregte zuerst am Ende des 15. Jahrh. als

Franzosenkrankheit (Morbus gallicus) die Aufmerksamkeit der

Ärzte und richtete bei den damaligen Sitten und der Unkenntnis

über ihre zweckmäßige Behandlung furchtbares

Unglück an. Der Name S. ist zuerst von dem Italiener

Fracastoro (1521; vgl. dessen "S. oder gallische Krankheit",

deutsch, Leipz. 1880) gebraucht worden. Vgl. Ricords Vorlesungen

über S. (übersetzt von Gerhard, Berl. 1848); v.

Bärensprung, Die hereditäre S. (das. 1864); Geigel,

Geschichte, Pathologie und Therapie der S. (Würzb. 1867);

Lewin, Die Behandlung der S. mit subkutaner Sublimatinjektion (das.

1869); Zeißl, Pathologie und Therapie der S. (5. Aufl.,

Stuttg. 1888); Weil, Über den gegenwärtigen Stand der

Lehre von der Vererbung der S. (Leipz. 1878); Rosenbaum, Geschichte

der Lustseuche im Altertum (Halle 1888).

Syphilom, Gummigeschwulst, s. Syphilis.

Syphon, s. Siphon.

Syphonoid (griech.), ein mit dem Pulsometer (s. d.)

verwandter Wasserhebeapparat, welcher sich von diesem durch seine

Heberform, durch das Vorhandensein eines besondern Raums für

Dampfkondensation und dadurch, daß er den Dampf nicht direkt

auf die Wasseroberfläche läßt, sondern einen

dazwischengeschalteten, schlecht wärmeleitenden Schwimmer

wirken läßt, durch welchen ein starker Dampfverlust

verhütet und die Steuerung des Dampfes mittels eines Hahns

bewirkt wird, unterscheidet. Vgl. Uhland, Der praktische

Maschinenkonstrukteur, S. 95 (Leipz. 1878).

Syra (bei den Alten und neuerdings wieder offiziell

Syros), 1) eine der Kykladen, fast mitten im Archipel gelegen, 80

qkm (1,45 QM.) groß und bis 431 m hoch, erzeugt Getreide und

Wein und hat (1879) 26,946 Einw., welche vornehmlich vom Handel

leben. Derselbe ist vorwiegend Kommissions- und Speditionshandel

und versorgt fast ausschließlich die sämtlichen Inseln

des Archipels mit ihren Bedürfnissen. Auf S. befindet sich ein

deutsches Konsulat. - 2) (Neu Syra), Stadt, s. Hermupolis.

Syracuse (spr. ssirrakjuhs), Stadt im nordamerikan. Staat

New York, am Südende des Onondagasees, hat ein Irrenhaus, ein

Asyl für Blödsinnige, ein Zuchthaus und (1880) 51,792

Einw. In der Nähe un-

467

Syrakus (Provinz und Stadt).

gemein ergiebige Solen. S. hat außer seinem Salzhandel

noch Hochöfen, Maschinenbau und Brauerei.

Syrakus (Siracusa), Provinz des Königreichs Italien,

umfaßt den südöstlichen Teil der Insel Sizilien,

wird im N. und W. von den Provinzen Catania und Caltanissetta, im

Süden und O. vom Afrikanischen und Ionischen Meer begrenzt und

hat ein Areal von 3697 qkm (nach Strelbitsky 3729 qkm = 67,73 QM.)

mit (1881) 341,526 Einw. Der Boden ist sehr fruchtbar und liefert

Getreide (besonders Weizen, 1887: 586,620 hl), Öl (48,281 hl),

Wein (1,770,942 hl), Südfrüchte in Überfluß,

auch zur Ausfuhr. Von geringerer Bedeutung ist die Viehzucht mit

Ausnahme der Schafzucht (1881: 100,631 Schafe), wichtig dagegen die

Seefischerei. Die Provinz zerfällt in die drei Kreise Modica,

Noto und S. (s. Karte "Sizilien"). Die gleichnamige Hauptstadt

liegt auf der mit dem Festland durch einen Damm verbundenen Insel

Ortygia, am Endpunkt der von Messina kommenden Eisenbahn, ist durch

Wassergräben mit Mauern an der Landseite und durch ein Kastell

an der Südseite der Insel befestigt, hat aber nur einen Umfang

von 4 km (gegen 33 km Umfang des antiken S.). Die Bedeutung der

Stadt liegt in dem großen Hafen, welcher die ganze Bucht

zwischen der Insel Ortygia im N. und dem Vorgebirge Plemmyrion

(Massolivieri) im SO. umfaßt und für die Aufnahme der

größten Flotte geeignet ist. Unter den öffentlichen

Bauten sind hervorzuheben: der Dom Santa Maria del Piliero (in die

gewaltigen Säulen eines dorischen Tempels eingebaut); die

Kirchen San Giovanni (aus dem 12. Jahrh.) und Santa Lucia; der

elegante Palazzo Communale u. a.; ferner von Privatgebäuden:

der gotische Palast Montalto und der Palazzo Lanza. S. hat ein

Lyceum, ein Gymnasium, eine technische Schule, ein Seminar, ein

Museum (mit zahlreichen Antiquitäten, darunter eine Statue der

Venus, ein kolossaler Kopf des Neptun u. a.), eine Bibliothek mit

über 10,000 Bänden, ferner eine Filiale der Nationalbank,

mehrere selbständige Banken, eine Handelskammer,

Wohlthätigkeitsanstalten, Fabrikation von Chemikalien und

Töpferwaren, lebhaften Handel (besonders mit Agrumen, Wein,

Öl, Seesalz etc.) und (1881) 19,389 Einw. Im Hafen liefen

1887: 1215 Schiffe mit 158,084 Ton. ein. S. ist Sitz der

Präfektur, eines Erzbischofs, eines Zivil- und

Korrektionstribunals, eines Assisenhofs etc. sowie mehrerer

Konsulate. Von der Größe der antiken Stadt zeugen nicht

unbedeutende Trümmerreste, so: Überbleibsel von drei noch

sehr altertümlichen dorischen Tempeln, Aquädukte, Reste

der Stadtmauer, ein Altar, die Trümmer der Bergfeste Euryalos,

große Steinbrüche, darunter die Latomia del Paradiso mit

dem "Ohr des Dionysios", einer durch eigentümliche Akustik

ausgezeichneten Grotte, sowie die Latomia dei Cappuccini; das

griechische Theater aus dem 5. Jahrh.; ein römisches

Amphitheater aus der Zeit des Augustus; die Arethusaquelle etc. Aus

altchristlicher Zeit haben sich geräumige Katakomben erhalten.

Schöne Gartenanlagen enthält die Villa Landolina im

antiken Stadtgebiet, wo sich die Grabstätte des Dichters

Platen befindet. Am Kyaneflüßchen, zum Anapo gehend,

gedeiht die Papyrusstaude in besonderer Üppigkeit.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 135 / 302 段