geschriebenes Werk für großes Orchester. Das griechische
Symphonia ("Zusammenklang") ist im Altertum Bezeichnung für
das, was wir jetzt Konsonanz der Intervalle nennen. Als zu Anfang
des 17. Jahrh. in Florenz sich die Oper entwickelte, erhielt die
(sehr kurze) Instrumentaleinleitung den Namen S., welcher
jedenfalls auch schon den Instrumentalstücken der im
Madrigalenstil komponierten Pastorales eigen war. Die S.
entwickelte sich zunächst besonders in der neapolitanischen
Oper. Ihre Vorgeschichte ist durchaus die der Ouvertüre (s.
d.), welche bekanntlich außer in Frankreich auch den Namen S.
weiterführte. Je ausgeführter ihre Form wurde, desto mehr
eignete sie sich zum Vortrag als selbständiges Stück (sie
wurde dann zur Kammermusik gerechnet, da Orchestermusik als deren
Gegensatz noch nicht existierte); um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts begannen die Komponisten (Grétry, Gossec,
Sammartini, Stamitz, Cannabich) besondere Symphonien für
allmählich vergrößertes Orchester zu schreiben und
trennten die drei bis dahin noch lose zusammenhängenden Teile
der Ouvertüre. Haydn vollendete die Form durch
Übertragung der indes durch D. Scarlatti und Ph. E. Bach
entwickelten Form des Sonatensatzes, welcher seinerseits erst kurz
vorher von der Ouvertüre den Gegensatz mehrerer Themen
angenommen hatte; Haydn war es auch, der zwischen den langsamen und
den Schlußsatz das Menuett einschob (ebenfalls im
Anfchluß an die Sonate). Viel höher aber steht noch das
Verdienst Haydns, die Orchesterinstrumente nach ihrer Klangfarbe
individualisiert zu haben; damit hat er erst die S. zu dem gemacht,
was sie heute ist. Was Mozart und besonders Beethoven hinzugebracht
haben, ist hauptsächlich die Verschiedenheit ihrer eignen
Natur: der jovialere Haydn scherzt und neckt in seinen Symphonien,
der sinnige Mozart schwärmt, und der finstere,
leidenschaftliche Beethoven grollt oder reißt mit sich fort.
Zudem hat Beethoven das Orchester erheblich vergrößert
(vgl. Orchester). Eine Neuerung von ihm ist auch die Ersetzung des
Menuetts durch das Scherzo sowie in der neunten S. die
Einführung des Chors und die Umstellung der Sätze Adagio
und Scherzo, die seitdem mehrfach nachgeahmt wurde. Beethoven hat
den Inhalt der S. im ganzen bedeutungsvoller, die tiefsten Tiefen
des Seelenlebens ergreifend gestaltet, die einzelnen Sätze zu
längerer Dauer ausgeführt und dem Finale statt der
rondoartigen mehr eine an Form und Charakter dem ersten Satz
nahekommende Gestalt gegeben. Die Symphoniker seit Beethoven haben
die Form nicht mehr weiter zu entwickeln vermocht;
nichtsdestoweniger würde es ein arger Fehlschluß sein,
wollte man sie als ausgelebt ansehen; die Symphonien von Schumann,
von Brahms und Raff beweisen, daß sie noch zur Füllung
mit immer neuem Inhalt tauglich sein wird. Die symphonischen
Dichtungen der neuesten Zeit (Berlioz, Liszt, Saint-Saëns)
sind nicht eigentliche Fortbildungen der Form der S.; der Gedanke
ist schon dadurch ausgeschlossen, daß sie eine eigentliche
definierbare Form überhaupt nicht haben. Sie gehören zur
Kategorie der sogen. Programmmusik (s. d.), deren wesentlichste
Repräsentanten sie sind. Die Programmmusik ist aber eine
gemischte Kunstform, deren Gestaltungsprinzipien nicht
musikalischer, sondern poetischer Natur sind; in erhöhtem
Maß gilt das natürlich von der S. mit Chören
(Symphoniekantate, franz. Ode-symphonie), zu welcher Gattung
Beethovens neunte S. nur bezüglich ihres letzten Satzes
gehört.
Symphonische Richtung, s. Symphonie und
Programmmusik.
Symphoricarpus Juss. (Schneebeere), Gattung aus der
Familie der Kaprifoliazeen, Sträucher mit kurzgestielten,
rundlichen oder eiförmigen, ganzrandigen Blättern,
kleinen, weißen oder rötlichen Blüten in kurzen,
achselständigen Trauben oder Ähren und eiförmiger
oder kugeliger, zweisamiger Beere. Sechs
461
Symphosius - Synandrisch.
nordamerikanische und mexikanische Arten, von denen S. racemosa
Mich. in Nordamerika, mit weißen, sehr schwammigen Beeren,
als Zierstrauch kultiviert wird.
Symphosius (Symposius), röm. Dichter aus dem 4. bis
5. Jahrh. n. Chr., Verfasser einer Sammlung von 100
Rätselgedichten von je drei ziemlich reinen Hexametern (bei
Riese, "Anthologia latina", Bd. 1, Leipz. 1869, und Bährens,
"Poetae latini minores", Bd. 4, das. 1882). Vgl. Paul, De Symposii
aenigmatibus (Berl. 1854).
Symphysis (griech.), feste, knorpelige Verbindung
zwischen zwei Knochen, z. B. S. ossium pubis, Schambeinfuge.
Symphytum L. (Schwarzwurzel, Beinwurzel, Beinwell),
Gattung aus der Familie der Asperifoliaceen, ausdauernde, meist
borstig behaarte Kräuter mit starken Wurzeln, abwechselnden,
ganzen, manchmal am Stengel weit herablaufenden Blättern,
daher geflügelten Stengeln, in Wickelähren gestellten,
röhrenförmigen Blüten und glatten
Nüßchen. Etwa 16 Arten in Europa, Nordafrika, Westasien.
S. asperrimum Bieb., auf dem Kaukasus, mit stachlig behaarten
Blättern und schönen, erst purpurnen, dann himmelblauen
Blüten, findet sich als Zierpflanze in Gärten und ist als
treffliches Viehfutter empfohlen worden. S. officinale L.
(Schwarzwurz, Wallwurz), mit spindeliger, ästiger, außen
schwarzer Wurzel, aufrechtem, 30-90 cm hohem, ästigem,
steifhaarigem Stengel, runzeligen, rauhhaarigen, lang
herablaufenden Blättern und gelblichweißen und
violettroten Blüten, auf feuchten Wiesen, an Ufern der
Flüsse im größten Teil von Europa, war früher
offizinell. S. asperrimum (kaukasische Comfrey) wird als
perennierende Futterpflanze gebaut; sie liebt einen warmen,
zeitweise feuchten und fruchtbaren Lehmboden, eignet sich aber auch
vorzüglich, vegetationsarme Landstrecken mit minder gutem
Boden allmählich unter beschattende Pflanzendecke zu bringen.
Sie liefert bereits im zweiten Jahr ihrer Anpflanzung vier starke
Schnitte mit einem Gesamtertrag von 7500 kg pro Hektar. Der
Nährwert des Krauts kommt dem des Klees sehr nahe. Dasselbe
eignet sich nicht zur Heubereitung, liefert aber gutes
Sauerfutter.
Symplegaden (Insulae Cyaneae), zwei kleine Felsen an der
Mündung des Thrakischen Bosporus in den Pontus Euxinus, die
der Sage zufolge früher fortwährend aneinander
stießen und alle dazwischen hinsegelnden Schiffe
zertrümmerten, bis sie seit der Argonautenfahrt auf des
Orpheus Saitenspiel unbeweglich stehen blieben.
Symploke (griech., "Verknüpfung"), Wortfigur, die
Verbindung von Anaphora und Epiphora (s. d.), z. B. bei Fragen,
welche mit demselben Wort beginnen, und auf welche dieselbe Antwort
erfolgt: Was ist der Thoren höchstes Gut? Geld! Was verlockt
selbst den Weisen? Geld! Was schreit die ganze Welt? Geld!
Sympodium (Scheinachse), s. Stengel, S. 288.
Symposion (griech.), s. v. w. Trinkgelage (s. d.); auch
Titel zweier Dialoge des Platon und Xenophon.
Symptom (griech.), Anzeichen, eine Erscheinung, aus deren
Auftreten man schließt, wie etwas steht; insbesondere
Krankheitszeichen, d. h. die Erscheinungsform, unter welcher sich
eine Krankheit äußert. Gelbsucht ist z. B. das S., unter
dem sich mannigfache Krankheiten des Darms oder der Leber
äußern, Fieber ist S. sehr zahlreicher ansteckender
Krankheiten. Aus der Deutung der Symptome ergibt sich die Diagnose.
Symptomatologie, Lehre von den Krankheitssymptomen (s.
Semiotik).
Symptomatische Mittel, s. Palliativ.
Synagoge (griech.), das Gotteshaus der Israeliten, wie es
sich in und nach dem babylonischen Exil aus Versammlungen zur
Feststellung aller Lebensverhältnisse nach und nach zum
Bethaus ohne Opferkultus entwickelt hat, und dessen zur Zeit Esras
teilweise schon eingeführte Gebetordnung noch heute die
Grundlage des jüdischen Gottesdienstes bildet. In allen
ansehnlichen Städten Judäas waren schon im 1. Jahrh. nach
Esra Räumlichkeiten, wo allsabbatlich und an den Festtagen,
später am zweiten und fünften Tag der Woche, den Markt-
und Gerichtstagen, anfänglich in freier Auswahl, dann nach
festgesetzter Reihenfolge ein Abschnitt aus dem Pentateuch und bald
auch ein Prophetenabschnitt (Haftara) vorgelesen und in
Gemeinschaft gebetet wurde. Auch außerhalb Palästinas,
wo Jerusalem allein 480 Synagogen besessen haben soll, gab es viele
und schöne Synagogen; als größte wird die in
Alexandria erwähnt. Neben dem Bethaus befand sich oft das
Lehrhaus; nicht selten wurde das höhere Studium in jenem
selbst betrieben, was den Namen Judenschule für S.
veranlaßte. Seit dem 5. Jahrh. fanden hinsichtlich der
Anlegung und der Anzahl derselben vielfache beschränkende
Gesetze statt. Die wesentlichsten Bestandteile jeder S. sind: dem
Eingang gegenüber die die Gesetzrollen enthaltende heilige
Lade (Aron Hakodesch), Repräsentant der ehemaligen Bundeslade;
daneben ein Leuchter, dem siebenarmigen Leuchter des Tempels
entsprechend; in der Mitte die Almemor oder Bimah genannte Estrade,
für die Vorlesungen bestimmt, und das ewige Licht. Männer
und Frauen sitzen gesondert. Zur Abhaltung der öffentlichen
Andacht sind mindestens zehn über 13 Jahre alte männliche
Israeliten erforderlich (Minjan). Die Gebete und biblischen
Lektionen verrichtet der Vorbeter; Vorträge an Sabbaten und
Festtagen hält der Rabbiner oder der Prediger. In neuerer Zeit
hat die Orgel in vielen Synagogen Eingang gefunden und ist neben
der hebräischen die Landessprache mehr in Aufnahme gekommen. -
S. in anderm Sinn heißt zuweilen auch die Judenheit, als
Gegensatz zur Christenheit (ecclesia). Die große S.
(kenesseth hagdolah) nennen talmudische und rabbinische Quellen
eine aus 120 Gelehrten bestehende Versammlung, welche unter dem
Präsidium Esras die religiösen Angelegenheiten ordnete;
geschichtlich ist aber darunter nur eine von Esra bis auf Simon den
Gerechten (gestorben um 292 v. Chr.) reichende Thätigkeit der
Schriftgelehrten, die sich auf Redaktion der biblischen
Bücher, Feststellung und Weiterbildung des mündlich
überlieferten Gesetzstoffes der Tradition, auf kulturelle
Einrichtungen und Ähnliches bezog, zu verstehen.
Synalöphe (griech., "Verschmelzung"), die
Vereinigung zweier Silben, namentlich in zwei aufeinander folgenden
Wörtern, entweder durch die Krasis (s. d.) oder durch die
Elision (s. d.).
Synandrae, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem
Brauns unter den Dikotyledonen, Sympetalen, mit
regelmäßigen oder zygomorphen Blüten mit
fünfgliederigen Blattkreisen, meist fünf
Staubgefäßen, welche bald unter sich, bald mit dem
Griffel, bald auch allein mit ihren Antheren verwachsen sind, und
mit unterständigem Fruchtknoten, umfaßt die Familien der
Kukurbitaceen, Kampanulaceen, Lobeliaceen, Goodeniaceen, Stylideen,
Kalycereen und Kompositen. Im System Eichlers bilden diese Familien
mit Ausnahme der Kompositen und Kalycereen die Reihe der
Kampanulinen.
Synandrisch (griech.), Bezeichnung für Blüten
mit verwachsenen Staubblättern.
462
Synanthereen - Synesios.
Synanthereen, s. Kompositen.
Synantherin , s. Inulin.
Synaptas, s. Emulsin.
Synapte (Synapta), s. Holothurioideen.
Synäresis (Synizesis, griech.), in der Grammatik s.
v. w. Kontraktion (s. d.).
Synarthrosis (griech.), unbewegliche Knochenverbindung
durch die Naht, die Knorpelfuge (Synchondrosis oder Symphysis) und
die Syndesmosis (feste Vereinigung durch Bänder).
Syncelli (griech. Synkelloi), in der griech. Kirche etwa
seit dem 4. Jahrh. Hilfs- oder Hausgeistliche, Vertraute der
Bischöfe.
Synchondrose (griech.), s. Knochen, S. 877.
Synchronismus (griech., "Gleichzeitigkeit"), in der
Geschichte das Zusammentreffen verschiedener Begebenheiten in einem
und demselben Zeitpunkt. Synchronistische Geschichtserzählung
nennt man daher diejenige, in welcher die in dieselbe Zeit
fallenden Begebenheiten unter verschiedenen Völkern und in
verschiedenen Ländern nebeneinander fortschreitend dargestellt
werden. Zum Studium der Geschichte dienen synchronistische
Tabellen, d. h. Verzeichnisse, in denen in nebeneinander stehenden
Kolumnen die Hauptbegebenheiten der Geschichte verschiedener
Völker angeführt sind.
Syndaktylie (Daktylosymphysis, griech.), Verwachsung der
Finger untereinander. Kommt angeboren vor und ist entweder so
vollkommen, daß man nur am Skelett die einzelnen Finger
getrennt erkennen kann, oder mehr oberflächlich, so z. B.
daß eine Art Schwimmhaut die ersten Fingerglieder verbindet.
Erworben wird S. nach Verbrennungen. Die Behandlung besteht in der
operativen Trennung der Finger, oder sie sucht durch Dehnungen und
Bewegungen narbige Verwachsungen beweglicher zu machen.
Syndesmologie (griech.), Bänderlehre, Teil der
Anatomie (s. d.).
Syndesmose (griech.), s. Knochen, S. 877.
Syndikalkammern (franz. Chambres syndicales), in
Frankreich früher die Vorstände verschiedener
privilegierter Genossenschaften sowie von gewerblichen Vereinen und
Verbänden, dann solche zur Förderung eigner und allgemein
gewerblicher Interessen gebildete genossenschaftliche Verbände
selbst. 1791 verboten, bildete sich doch unter stillschweigender
gesetzlicher Anerkennung eine große Anzahl solcher
Verbände, welche 1883 auch formell gesetzlich anerkannt und
geregelt wurden. Insbesondere bildeten sich nach Aufhebung des
Koalitionsverbots (1864) auch viele S. von Arbeitern mit
ähnlichen Einrichtungen und Zwecken wie die englischen und
deutschen Gewerkvereine. Vgl. Lexis, Gewerkvereine und
Unternehmerverbände in Frankreich (Leipz. 1879).
Syndikat, s. Syndikus.
Syndikatsverbrechen, s. Beugung des Rechts aus
Parteilichkeit.
Syndikus (griech.), der von einer Korporation
(Stadtgemeinde, Stiftung, Verein, Aktiengesellschaft) zu Besorgung
ihrer Rechtsgeschäfte aufgestellte Bevollmächtigte. Die
dem S. zu erteilende Vollmacht heißt Syndikat. Letzteres Wort
wird auch gebraucht für ein Konsortium (s. d.), welches sich
bildet, um eine Börsenoperation etc. durchzusühren.
Syndi-katsklage, Klage auf Entschädigung gegen den Richter,
welcher absichtlich oder infolge groben Versehens ein ungerechtes
Urteil fällte. Vgl. Kronsyndikus.
Synechie (griech.), krankhafte Verwachsung.
Synedrion (griech., neuhebr. sinhedrin und sanhedrin)
oder großes S. hieß die höchste, in der zweiten
Hälfte des jüdischen Staatslebens, nach dem Muster der
großen Synode und des biblischen 70-Ältestenkollegiums
mit Bezug auf das 5. Mos., 17, 9 bezeignete Obergericht, zu
Jerusalem konstituierte, aus 71 Richtern bestehende
Rechtsbehörde in Staats-, Rechte- und Religionssachen, welcher
das aus 23 Richtern zusammengesetzte kleine S. und das
Dreimännergericht untergeordnet waren. Den Vorsitz im S.
führte der vom Richterkollegium zu wählende
Oberpräsident (Nassi) und Gerichtspräsident (Ab-bet-din),
als dessen Stellvertreter die zwei Schreiber galten. Während
unter den Makkabäern das S. weltliche und geistliche
Machtbefugnis hatte, ward ihm unter Herodes die politische, unter
den Römern die richterliche Gewalt entzogen, so daß es
zu einer Art kirchlicher Synode wurde.
Synekdoche (griech., "Mitverstehen"), rhetor. Figur,
durch welche etwas Allgemeines durch ein Besonderes, namentlich ein
Abstraktes durch ein Konkretes, die Gattung durch eine Art, das
Ganze durch einen seiner Teile, die Vielheit durch ein Einzelnes
etc. oder auch umgekehrt veranschaulicht wird. Sie sagt z. B. "der
Römer" für die Römer, "Kiel" für Schiff,
"Jugend" für junge Leute, "Eisen" für Schwert etc.
Synepheben (griech.), Jugendgenossen.
Synergiden, s. Embryosack, S. 598.
Synergismus (griech.), die dogmatische Ansicht, wonach
der Mensch zu seiner Bekehrung "mitwirken" müsse. Einst hatte
Augustinus im Gegensatz zum Pelagianismus (s. d.) und
Semipelagianismus (s. d.) alle derartige Mitwirkung verworfen, und
dieser Ansicht folgte Luther, während Melanchthon den Anteil
der menschlichen Willenskraft je länger, desto bestimmter in
die erhaltene Fähigkeit setzte, der göttlichen
Gnadenwirkung zuzustimmen. Dieselbe Vorstellung war in das
Leipziger Interim übergegangen, und mehrere Theologen,
darunter V. Strigel (s. d.), begünstigten sie. Aber erst
seitdem Joh. Pfeffinger (s. d.) in Leipzig ("De libero arbitrio",
1555) sich für dieselbe erklärt hatte, begannen Amsdorf
und Flacius zu Jena 1558 den sogen. synergistischen Streit. Die
Wittenberger nahmen für Pfeffinger Partei, während der
herzogliche Hof im sogen. Konfutationsbuch (1559) eine offizielle
Widerlegung des S. veröffentlichte und die Verteidiger des
letztern, Strigel und Hügel, 1559 gefangen setzen ließ.
Bald aber schlug die Hofgunst um, zumal als 1560 in der Disputation
zu Weimar Flacius die Erbsünde geradezu für die Substanz
des Menschen erklärte. Jetzt wurde Strigel 1562 wieder
eingesetzt, dagegen 40 dem Flacius anhängende Prediger
abgesetzt. Aber unter dem 1567 zur Regierung gelangten Herzog
Johann Wilhelm von Weimar änderte sich die Lage der Dinge
abermals: durch eine allgemeine Kirchenvisitation wurden die
Überreste ebensowohl des Strigelschen S. als des Flacianischen
Manichäismus unterdrückt, und die Konkordienformel (s.
d.) verdammte beides.
Synergus, s. Gallwespen.
Synesios, neuplaton. Philosoph, geb. 375 n. Chr. zu
Kyrene, studierte in Alexandria als Schüler und Freund der
Hypatia (s. d.) die neuplatonische Philosophie, trat um 408 zur
christlichen Kirche über, ward 410 Bischof zu Ptolemais, starb
aber schon 415. Seine philosophischen Ansichten, die er auch als
Christ beibehielt, legte er in Reden, Briefen, Hymnen und andern
Schriften nieder. Er verrät darin mannigfaltige Kenntnisse,
große Belesenheit und Scharfsinn und gute, gewählte
Diktion. Die beste Gesamtausgabe seiner Werke ist von Petavius
463
Synesis - Synopsis.
(Par. 1631, zuletzt 1640); eine kritische Ausgabe der Reden und
Homilien besorgte Krabinger (Landsh. 1850), der Hymnen Flach
(Tübing. 1875). Vgl. Volkmann, S. von Kyrene (Berl. 1869).
Synesis (griech.), Sinn, Verstand; vgl. Sensus.
Synezeugmenon (griech.), s. v. w. Zeugma.
Syngenesia (griech.), 19. Klasse des Linneschen Systems,
Pflanzen enthaltend, deren Antheren miteinander zu einer Röhre
verwachsen sind, der Familie der Kompositen entsprechend. Daher
Syngenesisten, s. v. w. Kompositen.
Syngramma Suevicum. Name der von Brenz (s. d.)
verfaßten, von Schnepf (s. d.) und zwölf andern
schwäbischen Geistlichen unterschriebenen Gegenschrift gegen
das Buch des Ökolampadius: "De genuina verborum domini (hoc
est corpus meum) expositione", welches das Wort "Leib" als das
"Zeichen des Leibes" fassen wollte.
Synizesis (griech.), s. Synäresis.
Synkarp (griech.), in der Botanik ein Gynäceum,
dessen einzelne Karpelle durch Einschlagen ihrer Ränder
völlig geschlossen sind und miteinander verwachsen; der
Fruchtknoten besitzt in diesem Fall so viel Fächer, wie
Karpelle vorhanden sind.
Synklinale (griech.), s. Antiklinale.
Synkope (griech.), in der Grammatik die Verkürzung
eines Wortes um eine mittlere Silbe (z. B. ewiger statt ewiger
etc.); in der Musik die Zusammenziehung des unbetonten Taktteils
mit dem nachfolgenden betonten zu einer einzigen Note; in der
Medizin s. v. w. plötzliche Entkräftung, Ohnmacht.
Synkrasis (griech.), Vermischung.
Synkratie (griech., "Mitherrschaft"), im Gegensatz zur
Autokratie diejenige Art der Staatsverfassung, nach welcher das
Volk durch seine Vertreter an der Regierung einen gewissen Anteil
nimmt.
Synkretismus (griech.), die ausgleichende Vereinigung
streitender Parteien, Sekten, Systeme etc. durch Abschwächung
der trennenden Gedanken sowie durch Aufstellung von
Lehrsätzen, die jeder nach seiner Meinung deuten kann;
insbesondere seit 1645 die unionistische Theologie des Georg
Calixtus (s. d.), daher die Kontroverse mit ihm als
synkretistischer Streit bekannt ist.
Synodalverfassung, s. Presbyterial- und
Synodalverfassung.
Synode (griech.), Versammlung in kirchlichen
Angelegenheiten, also s. v. w. Konzilium (s. d.).
Diözesansynode (synodus dioecesalis) heißt eine S.,
welche ein Bischof mit den ihm untergebenen Pfarrern,
Provinzialsynode (synodus provincialis) eine solche, welche ein
Erzbischof mit seinen Bischöfen abhält, Nationalsynode
oder allgemeine S. (synodus universalis oder nationalis) eine
solche, zu der die gesamte Geistlichkeit eines Landes unter Vorsitz
eines päpstlichen Legaten zusammentritt, um wichtige, die
kirchlichen Angelegenheiten betreffende Fragen zu erledigen. In der
protestantischen Kirche sind die Synoden die Organe der kirchlichen
Selbstverwaltung und Vertretungskörper der Kirchengenossen
gegenüber dem landesherrlichen Kirchenregiment. Diesen Synoden
ist ein Mitwirkungsrecht bei der kirchlichen Gesetzgebung und
Verwaltung eingeräumt. Nach der Kirchengemeinde- und
Synodalordnung für die östlichen Provinzen Preußens
vom 10. Sept. 1873 umfaßt der Kreissynodalverband
(Kirchenkreis) regelmäßig eine Diözese,
ausnahmsweise auch mehrere kleinere Diözesen. Die Kreissynode
besteht aus sämtlichen innerhalb des Kirchenkreises ein
Pfarramt definitiv oder vikarisch verwaltenden Geistlichen und der
doppelten Zahl der durch die vereinigten Gemeindeorgane auf drei
Jahre gewählten Mitglieder (Synodalen). Die eine Hälfte
dieser gewählten Synodalen wird aus den dermaligen oder
frühern Kirchenältesten, die andre Hälfte von den an
Seelenzahl stärkern Gemeinden aus den angesehenen, kirchlich
erfahrenen und verdienten Männern des Synodalkreises
gewählt. Die Kreissynoden einer Provinz bilden den Verband der
Provinzialsynoden, deren Mitglieder teils erwählt, teils
landesherrlich ernannt werden. Die Generalsynode aber setzt sich
aus 150 von den Provinzialsynoden, 6 von den
evangelisch-theologischen Fakultäten aus ihrer Mitte
gewählten, 30 vom König ernannten Mitgliedern und den
Generalsuperintendenten zusammen (Generalsynodalordnung vom 20.
Jan. 1876). In der Provinz Hannover bestehen Bezirkssynoden und
eine Landessynode; in Schleswig-Holstein Propsteisynoden und eine
Gesamtsynode; in Baden, Bayern und Württemberg
Diözesansynoden und eine Landessynode, und zwar in Bayern
für das rechtsrheinische und für das linksrheinische
Staatsgebiet je eine Landessynode. In Oldenburg sind Kreissynoden
und eine Landessynode, in Hessen Dekanatssynoden und eine
Landessynode eingerichtet; im Königreich Sachsen, in Anhalt,
Braunschweig, Sachsen-Weimar und Sachsen-Meiningen bestehen nur
Landessynoden. Für die Wahrnehmung der laufenden
Geschäfte sind, während die S. nicht versammelt ist, in
der Regel die Synodalvorstände oder Synodalausschüsse
(Synodalräte) berufen (s. Presbyterial- und
Synodalverfassung). Vgl. Kähler, Visitation und S. (Gotha
1886).
Synodische Umlaufszeit, die Zeit zwischen zwei
aufeinander folgenden gleichnamigen Konjunktionen eines Planeten
mit der Sonne; synodischer Monat, die Zeit von einer Konjunktion
von Sonne und Mond bis zur nächsten (von einem Neumond bis zum
folgenden).
Synonymen (griech.), gleichbedeutende oder sinnverwandte
Wörter. Meist stehen die durch solche Wörter
ausgedrückten Begriffe als Unterarten unter einem höhern,
und man gebraucht sie als gleichbedeutend, indem man hier einzelne
Merkmale nicht beachtet, dort dieselben sich hinzudenkt. Im
Interesse der Deutlichkeit und Bestimmtheit des Ausdrucks hat man
aber das Bedürfnis gefühlt, die Bedeutung der S.
festzustellen, wodurch die Wissenschaft der Synonymik entstanden
ist, die vorzüglich auf einer richtigen Kenntnis und feinen
Beobachtung des Sprachgebrauchs beruht. Im Sammeln und
Erläutern der S. ist man erst in neuerer Zeit zu einem
befriedigenden Resultat gelangt. Namentlich sind die S. der
lateinischen Sprache von Dumesnil, Haase, Ernesti, Ramshorn,
Döderlein, Habicht, Lübker, Schmalfeld und Schultz, die
der deutschen Sprache von Aug. Eberhard, Meyer, K. Weigand und Dan.
Sanders behandelt worden.
Synonymie (griech.), Sinnverwandtschaft der Wörter;
rhetorische Figur, nach welcher eine Häufung von Synonymen zur
nachdrücklichen Hervorhebung des Gedankens angewendet wird,
wie Cicero von Catilina spricht: "Abiit, excessit, evasit,
erupit".
Synopsis (griech.), zusammenfassender Überblick,
übersichtliche Zusammenstellung verschiedener denselben
Gegenstand betreffender Schriften; insbesondere S. der Evangelien,
die Zusammenstellung derjenigen Stellen der drei ersten Evangelien,
worin dasselbe in mehr oder minder gleicher Weise berichtet
464
Synoptisch - Synthetische Sprachen.
wird (s. Evangelium, S. 948). Synopsen der letztern Art
lieferten Griesbach, De Wette, Lücke, Planck, Matthäi,
Friedlieb, Anger, Tischendorf, Schulze, Sevin. Vgl. Holsten, Die
synoptischen Evangelien (Heidelb. 1886).
Synoptisch (griech.), übersichtlich,
kurzgefaßt.
Synoptische Karten, Wetterkarten, welche die gleichzeitig
über einem großen (Gebiet herrschende Witterung
darstellen. Dieselben werden nach den an einen Zentralort
telegraphisch eingesandten Witterungsnachrichten zusammengestellt.
Für Deutschland geschieht das von der deutschen Seewarte (s.
d.) in Hamburg, und zwar werden bei der Zeichnung dieser Karten
diejenigen Depeschen zu Grunde gelegt, welche von einer
größern Anzahl von Orten täglich eintreffen und die
Witterung des Morgens 8 Uhr, von einzelnen Hauptstationen
außerdem auch noch die Nachmittags 2 Uhr angeben. Das Gebiet,
aus welchem die deutsche Seewarte ihre Morgentelegramme
erhält, erstreckt sich nach Westen bis nach der Westküste
von Irland, nach Süden bis Corsica und Süditalien, nach
Osten bis Moskau und nach Norden bis Bodö, nördlich vom
Polarkreis. Ganz besonders wertvoll werden die synoptischen Karten
für das Studium der Witterungsveränderungen und sind
daher für das Aufstellen von Wetterprognosen (s. d.) ganz
unentbehrlich (s. Meteorologie).
Synostosis (griech.), Knochenverbindung durch
Knochensubstanz, Knochenverwachsung.
Synovia (griech.), Gelenkschmiere, s. Gelenk.
Synovialhaut, s. Gelenk.
Synovitis, s. Gelenkentzündung.
Syntagma (griech.), Sammlung mehrerer Schriften oder
Aufsätze verwandten Inhalts, dann überhaupt eine
Zusammenstellung verschiedener Bemerkungen; im altgriechischen Heer
eine Abteilung von etwa 250 Mann (s. Phalanx); im Neugriechischen
s. v. w. Verfassung.