Seerose zur Übersiedelung veranlassen. Dagegen gehört

das Besetzen der Schalen andrer Krebsarten mit Schwammtieren,

Polypen und Algen mehr unter den Gesichtspunkt des Maskierens (s.

d.). Von den Landbewohnern hat besonders das Wohnen vieler Tiere in

Ameisennestern zahlreiche Studien veranlaßt. Manche

Käfer, wie der blinde Keulenkäfer (Claviger), bringen

ihre ganze Lebenszeit im Ameisennest zu und werden von den

Einwohnern sorgsam gepflegt und behütet, andre, wie der

bekannte Rosengoldkäfer, verleben nur ihre Larvenzeit bei den

Ameisen; die Brut gewisser Blattläuse wird im Winter dort

aufgenommen. Wahrscheinlich sind die meisten dieser sehr

mannigfachen Gäste der Ameisen denselben durch ihre

Absonderungen angenehm, wie dies von den Blattläusen, den

"Milchkühen" der Ameisen, bekannt ist, andre mögen die

Abfälle fressen, und noch andre, zu denen sowohl zahlreiche

Insekten als selbst Amphibien und Vögel gehören, sind

wohl nur geduldete Genossen. Von besonderm Interesse ist die S.

zwischen Pflanzen und Tieren, weil dadurch dauernde organische

Veränderungen sowohl in der äußern Gestalt und

Färbung als in der Lebensweise hervorgebracht und neue Arten

gezüchtet wurden. Dabei kann nun entweder die Pflanze oder das

Tier als Quartiergeber auftreten. Schon längst hatte man im

Körper sowohl der Protisten, wie z. B. der Radiolarien , als

in demjenigen wirbelloser Tiere gewisse gelbe, bräunliche oder

grüne Zellen entdeckt, die denselben, da sie meist nahe an der

Oberhaut liegen, ihre gelbliche, bräunliche oder

grünliche Hautfarbe geben, ohne daß man über ihre

eigentliche Bedeutung für das Leben klar wurde. Ihre Rolle

wurde um so unverständlicher, als Häckel Stärkemehl

in ihnen nachwies, und endlich wurde durch die Untersuchungen von

Geza Enz, O. Hertel, Brandt u. a. nachgewiesen, daß es sich

um einzellige Algen handelt, die in die Körper von Protisten,

Süßwasserpolypen, Seeanemonen und Korallen,

Seewürmern, Quallen und andern Tieren eindringen, in dem

durchsichtigen Gewebe derselben Nahrungsstoffe bilden, sich

vermehren und auch isoliert weiterleben. Daher haben diese durch

einzellige Algen gefärbten Wassertiere die Gewohnheit, ihren

Körper zeitweise dem Sonnenschein oder hellem Tageslicht

auszusetzen, und scheiden dann einen Überschuß von

Sauerstoff, wie Pflanzen, aus, obwohl die Tiere sonst Sauerstoff

als Atmungsstoff verbrauchen. Im beständigen Dunkel gehalten,

siechen diese Tiere dahin, weil sie von den in ihrem Körper

lebenden und nunmehr absterbenden Algen sowohl Sauerstoff als auch

zubereitete Nahrung empfingen. Da die Tiere ihrerseits

Kohlensäure und andre Stoffe ausscheiden, von denen die Algen

leben, so ist hier im engsten Bezirk ein Austausch und Kreislauf

der Lebensstoffe hergestellt, wie er sonst erst im weitern Umkreis

zwischen der Gesamtheit der Tiere und Pflanzen stattfindet. Unter

den umgekehrten Fällen, in denen die Pflanzen ihnen

nützlichen Tieren Obdach und Nahrung darbieten, ist die

Gegenseitigkeit und das Ineinanderleben bei Pflanzen und Ameisen am

auffallendsten. In den Tropen bedürfen zahlreiche Pflanzen

einer beständigen Schutzwache von Ameisen gegen die Angriffe

der sogen. Blattschneider- oder Sonnenschirmameisen, welche die

Blätter niedriger Pflanzen und Bäume rauben und in

wenigen Stunden ganze Baumwipfel entlauben. Pflanzen und Bäume

können sich ihrer nur erwehren, indem sie gewissen kleinen,

mit einem Stachel bewaffneten Ameisen, welche die grimmigsten

Feinde der erstern sind, Wohnung und Kost gewähren. Die sogen.

Ochsenhornakazie und andre Akazienarten beherbergen sie in ihren

vergrößerten hohlen Dornen, die Armleuchterbäume

(Cecropia-Arten) in den hohlen Internodien des Stammes, an denen

sich eine besondere Durchbruchsstelle für die Weibchen

ausgebildet hat, noch andre Pflanzen in beulen- oder

blasenförmigen Austreibungen des Stammes, der Äste oder

Blattstiele. In neuerer Zeit sind sehr zahlreiche, gewissen Ameisen

ständige Wohnung bietende Pflanzen bekannt geworden, und man

hat auch angefangen, gewisse Wucherungen und Haarbüschel in

den Nervenwinkeln der Blätter (z. B. unsrer Linden) für

ähnliche, den Milben als Wohnung dienende Gebilde

("Acaro-Domatien") anzusehen. Im weitern Sinn würden hierher

auch alle die zahllosen gegenseitigen Anpassungen der Blüten

an Insektenbesuch und der Insekten an Honig- und Pollenraub

gehören (s. Blütenbestäubung). Vgl. de Bary, Die

Erscheinung der S. (Straßb. 1879); O. Hertwig, Die S. (Jena

1883); Huth, Ameisen als Pflanzenschutz (Berl. 1886); Derselbe,

Myrmekophile und myrmekophobe Pflanzen (das. 1887); Schimper, Die

Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Ameisen im tropischen

Amerika (Jena 1888).

Symbiotes, s. Milben, S. 606.

Symblepharon (griech.), Verwachsung des Augenlides mit

dem Augapfel, entsteht meist durch ausgedehnte Verbrennungen oder

Ätzungen der Bindehaut und muß operativ beseitigt

werden.

Symbol (griech., lat. symbolum), Erkennungs- oder

Merkzeichen; daher auch s. v. w. Parole, meist aber gleich Sinnbild

(s. d.) gebraucht. Im heidnischen Kultus war S. ein für den

Geheimdienst gewähltes Sinnbild, besonders eine Formel oder

ein Merkwort, woran sich die in die Mysterien Eingeweihten

erkannten; daher in der christlichen Kirche s. v. w. Sakrament und

insbesondere die sinnlichen Zeichen, welche bei den Sakramenten

gebraucht werden (Wasser, Brot, Wein); endlich auch s. v. w.

Glaubensbekenntnis, als Erkennungszeichen der zu einer

Religionspartei Gehörigen (s. Symbolische Bücher).

Symbolik (griech.), Wissenschaft und Lehre von den

Symbolen (Sinnbildern), insbesondere den religiösen. Die S.

lehrt uns, den hinter einem Zeichen oder Sinnbild verborgenen

tiefern Sinn erkennen, welchem etwas Geistiges, Unsichtbares oder

Undarstellbares zu Grunde liegt. Der Ursprung der S. ist auf die

Hieroglyphen- oder Bilderschrift der alten Ägypter

zurückzuführen, von denen sie durch Vermittelung der

Juden auf die ältesten Christen übergegangen ist. Die

Ägypter symbolisierten ihre Götter durch Tiere,

Verbindungen von menschlichen und tierischen Gestalten oder

Gliedern, Hieroglyphen oder durch mystische Zeichen, welche sich

auf ihren Kult bezogen. So ist z. B. die geflügelte

Sonnenscheibe das Symbol des Siegs des Guten über das

Böse, der Sperber das Sinnbild des Horus, die

Uräusschlange das Zeichen der königlichen Würde. Die

ältesten Christen bedienten sich der Sinnbilder, um sich durch

nicht jedermann verständliche Zeichen vor Verfolgungen zu

schützen. Sie entnahmen dieselben sowohl dem Tier- und

Pflanzenreich als dem Alten und Neuen Testament. Das Lamm war z. B.

das Symbol für den Opfertod Christi, das Kreuz und der Gute

Hirt für Christus selbst, der Weinstock das Sinnbild der

christlichen Verheißung und die Palme das Siegeszeichen der

Märtyrer. Die Zahlensymbolik gehörte im Altertum mehr zur

Astrologie; doch gab es auch bei Juden, Heiden und Christen gewisse

heilige Zahlen. Die Sieben war z. B. die heilige Zahl der

458

Symbolik - Symbolische Bücher.

Juden (siebenarmiger Leuchter), und die Christen deuteten sie

später auf die sieben letzten Worte am Kreuz, auf die sieben

Sakramente, die sieben Werke der Barmherzigkeit etc. Die Drei war

das Zeichen der heiligen Dreieinigkeit und der drei christlichen

Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), die Vier das Symbol der vier

weltlichen Tugenden, der vier Elemente etc., die Fünf das

Sinnbild der Wundenmale Christi. Die Tiersymbolik wurde im

Mittelalter sehr umständlich ausgebildet, indem namentlich die

naturwissenschaftlichen Lehrbücher, die sogen. Bestiarien (s.

Bestiaire), gewisse Tiere zu Vertretern besonderer Eigenschaften,

Tugenden und Lastern machten, für welche sie von der bildenden

Kunst als Symbole benutzt wurden. Die vier Evangelisten hatten

schon frühzeitig ihre Symbole (Matthäus einen Engel,

Markus einen Löwen, Lukas einen Ochsen, Johannes einen Adler).

Der Löwe war das Sinnbild der Stärke und des Edelmuts,

der Adler das der königlichen Würde, der Pfau das des

Hochmuts, das Einhorn das der Unschuld, der Hund das der Treue, das

Schwein das der Völlerei etc. Auf mittelalterlichen

Grabsteinen ist der Löwe sehr häufig das Attribut der

Männer, der Hund das der Frauen. Die geläufigsten Tier-

und Pflanzensymbole wurden auch von der Kunst der Renaissance

übernommen und haben sich bis auf die Gegenwart in der Kunst

und im Gebrauch des gewöhnlichen Lebens erhalten. So sind z.

B. Kreuz, Herz und Anker die Symbole von Glaube, Liebe und

Hoffnung. Neben der Tier-, Pflanzen- und Zahlensymbolik gibt es

noch eine Farbensymbolik, die ebenfalls alten Ursprungs ist.

Weiß gilt als Symbol der Unschuld, Grün als das der

Hoffnung, Blau als das der Treue, Rot als das der Liebe etc. Vgl.

Creuzer, S. und Mythologie der alten Völker (3. Aufl., Leipz.

1836-43, 4 Bde.); Bahr, S. des mosaischen Kultus (Heidelb. 1837-39,

2 Bde.; Bd. 1, 2. Aufl. 1874); Münter, Sinnbilder der alten

Christen (Altona 1825); Piper, Mythologie und S. der christlichen

Kunst (Weim. 1847-51, 2 Bde.); W. Menzel, Christliche S. (Regensb.

1854, 2 Bde.). Im engern Sinn versteht man unter S. oder

symbolischer Theologie diejenige Disziplin, welche sich mit den

kirchlichen Bekenntnisschriften und deren Lehrinhalt unter

beständiger Vergleichung der Lehrbegriffe der verschiedenen

Kirchen und Konfessionen beschäftigt. Je nachdem bei der

Aufstellung und Beleuchtung dieser Gegensätze das rein

historische oder das dogmatisch-polemische Interesse vorwaltet, ist

die S. ein integrierender Teil der Dogmengeschichte, oder sie

fällt mit der Polemik (s. d.) zusammen. Eine S. aller

christlichen Kirchenparteien lieferten: Marheineke (Heidelb.

1810-14, 3 Bde.; 1848), Winer (4. Aufl. von P. Ewald, Leipz. 1882),

Köllner (Hamb. 1837-44, 2 Bde.), Guericke (3. Aufl., Leipz.

1861), Matthes (das. 1854), Hofmann (das. 1857), Plitt (Erlang.

1875), Reiff (Basel 1875), Öhler (Tübing. 1876), Scheele

(Upsala 1877 ff.; deutsch, 2. Aufl., Leipz. 1886, 3 Bde.), Wendt

("S. der römisch-katholischen Kirche", Gotha 1880 ff.),

Philippi (Gütersl. 1883), Graul ("Die Unterscheidungslehren

der verschiedenen christlichen Bekenntnisse", 11. Aufl., Leipz.

1884) und namentlich der katholische Theolog Möhler (s. d.),

dessen Werk eine große Reihe protestantischer Entgegnungen,

besonders von Nitzsch und Baur, hervorgerufen und das Interesse an

der katholisch-protestantischen Streitsache neu belebt hat,

während die hierher gehörigen Untersuchungen von Matth.

Schneckenburger (s. d.) neue Bahnen für das Verständnis

der innerprotestantischen Lehrgegensätze eröffnet

haben.

Symbolische Bücher, Schriften, durch welche eine

Kirche den Glauben, an dessen Bekenntnis ihre Mitglieder sich teils

untereinander erkennen, teils von andern religiösen

Genossenschaften unterscheiden, urkundlich bezeugt. Schon die alte

katholische Kirche legte ihren Taufbekenntnissen den aus der

Mysteriensprache entlehnten Namen Symbol bei, da ja auch die Taufe

als ein Mysterium galt. Die theologischen Streitigkeiten des 4. und

der folgenden Jahrhunderte mußten die Zahl der Symbole noch

erhöhen, und dreien von ihnen, dem sogen. Apostolischen (s.

d.), dem Nicäisch-Konstantinopolitanischen (s. d.) und dem

sogen. Athanasianischen (s. d.), verschafften als sogen.

allgemeinen oder ökumenischen Symbolen die weltliche Macht der

Kaiser und das Ansehen der Konzile absolute Geltung in der Kirche.

Die Reformatoren des 16. Jahrh. haben diese allgemeinsten

Grundlagen der christlich-katholischen Weltanschauung nicht

angetastet; zugleich machte sich jedoch das Bedürfnis geltend,

ein gemeinsames Bekenntnis des evangelischen Glaubens abzulegen und

die Unterscheidungslehren, welche zur Trennung von der

römischen Kirche geführt hatten, klar und bestimmt

hinzustellen. In den auf Luthers Tod folgenden theologischen

Streitigkeiten wurde das Unterschreiben derselben insbesondere

für die Geistlichen obligatorisch, namentlich seit 1580 beim

Erscheinen des Konkordienbuchs von den sich dazu bekennenden

Fürsten und Ständen bestimmt ausgesprochen worden war,

daß bei der darin enthaltenen Lehre allenthalben beharrt

werden sollte. Gleichwohl tauchte schon im 17. Jahrh. der Gedanke

auf, daß die Verpflichtung auf s. B. eine unevangelische

Beschränkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit sei; das

folgende Jahrhundert regte die Frage an, ob man die Geistlichen auf

sie verpflichten solle, nicht "weil" (quia), sondern "inwiefern"

(quatenus) sie mit der Heiligen Schrift übereinstimmten, und

mit der letztern Formel behalf sich namentlich der Rationalismus.

In unserm Jahrhundert gewann der Grundsatz, daß sich die

Geistlichen streng an die Lehrformen der symbolischen Bücher

zu halten hätten (Symbolzwang), besonders in Norddeutschland

neue Geltung. Selbst wo, wie in Preußen, die Union herrscht,

will man doch bald in der Augsburgischen Konfession, bald in dem

sogen. Apostolikum eine unantastbare Autorität erkennen, ohne

welche eine die Gemüter der Gemeinden verwirrende

Lehrwillkür einreißen müsse. Die Gegner des

Symbolzwanges machen geltend, daß derselbe den

Protestantismus im Prinzip bedrohe und durch Aufhebung der

Lehrfreiheit (s. d.) den Fortschritt in der Wissenschaft

beeinträchtige; sie wollen daher den protestantischen

Geistlichen nur eine pietätvolle, von pädagogischem Takt

geleitete Berücksichtigung der symbolischen Bücher und

ihres Lehrgehalts zur Pflicht gemacht wissen. Fast bei allen

kirchlichen Streitigkeiten der neuern Zeit stand die Frage des

Symbolzwangs im Vordergrund. Über die symbolischen Bücher

der verschiedenen christlichen Religionsparteien s. die besondern

Artikel: Glaubensbekenntnis, Griechische Kirche,

Römisch-katholische Kirche, Lutherische Kirche, Reformierte

Kirche etc. Vgl. Schleiermacher, Über den eigentlichen Wert

und das bindende Ansehen symbolischer Bücher (Frankf. 1819);

Johannsen, Die Anfänge des Symbolzwanges unter den deutschen

Protestanten (Leipz. 1847); Scheurl, Sammlung kirchenrechtlicher

Abhandlungen, Abteil. 1 (Erlang. 1872); Winer, Komparative

Darstellung des Lehrbegriffs der verschiedenen christlichen

Kirchenparteien (4. Aufl. von Ewald, Leipz. 1882).

459

Symi - Sympathie.

Symi (im Altertum Syme, türk. Sumbeki), kleine

türk. Insel an der Südwestküste Kleinasiens, 79 qkm

(1,43 QM.) groß mit der Stadt S., die angeblich 16,000

ausschließlich christliche Einwohner zählt, welche

berühmte Schwammfischer sind.

Symmachie (griech.), Schutz- und Trutzbündnis, von

den griechischen Staaten untereinander geschlossen und zwar meist

so, daß ein mächtigerer (z. B. Athen) die Hegemonie

hatte. Berühmt ist namentlich die S. (Seebund) Athens mit den

Städten und Inseln des Ägeischen Meers 476-404 v.

Chr.

Symmachus, 1) von Geburt ein Samaritaner, später

Jude, vielleicht auch Christ, verfaßte eine griechische

Übersetzung des Alten Testaments.

2) Quintus Aurelius, röm. Redner und Epistolograph, um

340-402 n. Chr., bekleidete unter Theodosius d. Gr. wichtige

Staatsämter, wie die Präfektur 384 und das Konsulat 391,

und war ein unerschrockener Vorkämpfer des sinkenden

Heidentums, dem jedoch selbst seine christlichen Gegner wegen der

Reinheit seines Lebens und seiner Gelehrsamkeit die Achtung nicht

versagen konnten. Außer drei unvollständigen Lobreden

auf Valentinian I. und dessen Sohn Gratian aus dem Jahr 369 und

Bruchstücken von fünf Senatsreden besitzen wir von ihm

eine für die Kenntnis der Zeit und Persönlichkeit des

Verfassers nicht unwichtige Briefsammlung in zehn Büchern,

deren letztes wie bei Plinius die amtliche Korrespondenz

(relationes) des S. und seines Sohns mit den Kaisern enthält.

Eine treffliche Gesamtausgabe seiner Schriften besorgte Seeck (in

den "Monumenta Germaniae historica", Bd. 6, Berl. 1883).

3) Cölius, Papst seit 498, aus Sardinien gebürtig,

ließ 502 auf einer Synode zu Rom jede Einmischung von Laien

in die Angelegenheiten der römischen Kirche verpönen und

starb 19. Juli 514.

Symmelie (griech.), Verwachsung von Gliedern; angeborne

Mißbildung, die an einfachen und Doppelmißbildungen

angetroffen wird, meist an nicht lebensfähigen. Das

gewöhnlichste Beispiel der S. ist die Sirenenbildung (s.

d.).

Symmetrie (griech.), das Ebenmaß oder die

Übereinstimmung bei der Anordnung der Teile eines Ganzen in

Hinsicht auf Maß und Zahl. Die S. zeigt sich besonders darin,

daß sich das Ganze in zwei hinsichtlich der Anordnung des

Einzelnen übereinstimmende Hälften teilen

läßt. S. in diesem Sinn zeigt in der anorganischen Natur

die Kristallform, im Pflanzenreich namentlich die Bildung der

Blüten und Früchte, vorzugsweise aber der Körper der

höhern Tierklassen, bei welchem im normalen Zustand die

gleichen oder ähnlichen Teile an jeder Hälfte dieselbe

Stelle einnehmen. Die Wahrnehmung dieser S. oder

ebenmäßigen Anordnung der gleichartigen Teile wird durch

Hervorhebung eines Mittel- oder Augenpunkts unterstützt und

erleichtert. Doch ist diese strenge S. keineswegs bei allen

Kunstwerken zu beobachten, da sie oft den Eindruck des Steifen,

Unnatürlichen und Gezwungenen hervorbringen würde, wie in

der Stellung und Gruppierung der Figuren in der Malerei und

Plastik, bei Anordnung theatralischer Szenen etc. Am meisten eignet

sie sich für die Architektur, indem das mangelnde symmetrische

Verhältnis der einzelnen Teile eines Bauwerks einen mehr oder

weniger störenden Eindruck hervorbringt. In der Gartenkunst,

wo früher ebenfalls symmetrische Anordnung üblich war,

ist dieser Zwang durch Auskommen der sogen. englischen Anlagen,

welche die Natur nachzuahmen suchen, meist beseitigt worden. Vom

meßbaren Räumlichen ist der Ausdruck S. auch auf

zeitliche Verhältnisse übertragen worden, doch ist hier

der Ausdruck Eurhythmie zutreffender (vgl. Rhythmus). In der

Mathematik ist S. die Übereinstimmung der Teile eines Ganzen

untereinander. Symmetrisch ist z. B. jeder Kreis, jede Ellipse,

jede Parabel und Hyperbel gebildet, auch jedes gleichseitige

Dreieck, Viereck etc. Symmetrische Funktionen mehrerer unbestimmter

Größen, z. B. a, b, c, sind algebraische Ausdrücke,

worin jene Größen alle auf ganz gleiche Art vorkommen,

so daß man sie beliebig miteinander vertauschen kann, ohne

daß dadurch der Wert des Ausdrucks geändert wird: a+b,

ab+ac+bc.

Symmikta (griech., "Vermischtes"), Titel für

Sammlungen von allerhand Aufsätzen etc.

Sympathetisch (sympathisch, griech.), mitleidend,

mitfühlend, auf Sympathie (s. d.) beruhend, seelenverwandt,

gleichgestimmt.

Sympathetische Kuren, Heilungen von Krankheiten, die

nicht durch die Einwirkung von Arznei- oder andern allgemein

bekannten Heilmitteln, sondern durch eine geheimnisvolle Kraft

solcher Körper geschehen, die mit dem Kranken oft gar nicht in

unmittelbare Berührung zu kommen brauchen. Als die hier

wirksame Kraft nahm man eine Sympathie des Menschen- oder

Tierkörpers mit Geistern, Sternen, andern Menschen, Tieren,

Pflanzen, Steinen an, wofür man jedoch die Beweise schuldig

blieb. Man hängt dem Kranken Amulette um, nimmt mit gewissen

Gegenständen Handlungen vor, die auf den entfernten Kranken

einwirken sollen, oder "bespricht" die kranke Stelle durch

Beschwörungen und Gebete. Die Wirksamkeit aller

sympathetischen Mittel ist nicht nur nicht erwiesen, sondern auch

im höchsten Grad unwahrscheinlich; doch ist der Glaube an die

Heilkraft derselben im Volk noch überaus verbreitet. Die

Wirksamkeit sympathetischer Kuren, wenn eine solche überhaupt

vorhanden ist, scheint vornehmlich darauf zu beruhen, daß in

dem Kranken der feste Glaube erweckt werde, daß das Mittel

helfen werde; denn durch diesen wird die Hoffnung auf Genesung und

dadurch die Lebensthätigkeit des Organismus, die

"Naturheilkraft", angeregt, durch welche dann die Krankheit

überwunden wird, wenn dies überhaupt möglich ist. Am

leichtesten wird dies bei Krankheiten geschehen, die im

Nervensystem oder im Seelenleben ihren Sitz haben. S. K. feiern

namentlich auch in solchen Fällen Triumphe, bei welchen oft

eine plötzliche Heilung ohne äußeres Zuthun

erfolgt. So sieht man häufig Warzen in ganz kurzer Zeit

vollständig verschwinden, und wenn gegen dieselben vorher

zufällig eine sympathetische Kur angewandt worden war, so

erscheint dem urteilslosen Beobachter deren Wirksamkeit

erwiesen

Sympathetisches Gefühl, s. Mitgefühl.

Sympathetische Tinte, s. Tinte.

Sympathie (griech., "Mitempfindung"), unwillkürliche

und daher grundlos scheinende Zuneigung zu andern, auch wohl zu

lebendigen oder leblosen Gegenständen, die entweder

physiologische (angeborne S.) oder psychologische (entstandene S.)

Gründe haben und im letztern Fall auf ganz zufälligen und

deshalb den Schein der Grundlosigkeit der S. erzeugenden

Assoziationen beruhen kann (vgl. Antipathie). In der Physiologie

versteht man unter S. (consensus) die Eigenschaft eines Organismus,

vermöge deren durch die gesteigerte oder herabgestimmte

Thätigkeit eines Organs auch die eines andern gesteigert oder

herabgestimmt wird. Diese Erscheinung wird durch das Nervensystem,

das Gefäßsystem oder das Zellgewebe vermittelt, und zwar

wirkt das erstere

460

Sympathikus - Symphoricarpus.

besonders durch psychische Vermittelung oder Reflex. Zu den

Erscheinungen der S. rechnet man die Ausbildung der Stimme mit

eintretender Mannbarkeit, die gleichzeitige Steigerung der

Thätigkeit der Leber, Speicheldrüsen, des Pankreas etc.

zur Zeit der Verdauung, das Niesen bei Einwirkung von Licht auf das

Auge etc. Häufiger aber werden die Erscheinungen der S. in

Krankheiten beobachtet. So ruft die Erkrankung des einen Auges eine

"sympathische" Affektion des andern hervor. Vorzugsweise schreibt

man derartige Verbindungen dem Sympathikus zu. Andre Arten der

Übertragung von Krankheiten, welche früher auch wohl

unter den Gesichtspunkt der S. fielen, werden zur Metastase

gerechnet. Vgl. Idiopathie und Sympathetische Kuren.

Sympathikus (sympathischer Nerv, Eingeweide- oder

sympathisches Nervensystem), derjenige Teil des Nervensystems,

welcher die unwillkürlichen Thätigkeiten des sogen.

vegetativen Lebens regelt und so im Gegensatz zu dem animalen

Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) steht. Die zu ihm

gehörigen Nerven verzweigen sich hauptsächlich an den

Eingeweiden. Auch bei niedern Tieren findet sich vielfach ein S.

vor, steht aber immer mit dem animalen Nervensystem an irgend einer

Stelle in Zusammenhang. Letzteres ist auch bei den Wirbeltieren der

Fall, doch wird die Verbindung nicht direkt mit dem Gehirn oder

Rückenmark, sondern mit den Rückenmarksnerven getroffen.

Zu beiden Seiten der Wirbelsäule (s. Tafel "Nerven des

Menschen II", Fig. 5) verläuft nämlich je ein Strang, der

sogen. Grenzstrang oder Stamm des S., welcher aus einer Kette von

Ganglien besteht, von Wirbel zu Wirbel durch einen feinen Nerv mit

dem benachbarten Rückenmarksnerv verbunden ist und mit dem

Steißbeinknoten endet. Vom Grenzstrang gehen dann die

peripherischen Nerven des S. aus und vereinigen sich in der

Nähe der größern Eingeweide zu Geflechten, in

welche, wie überhaupt in den Verlauf dieser Nerven, zahlreiche

kleinere Ganglien eingelagert sind. Ein besonders großes

Geflecht dieser Art ist der Plexus solaris, das Sonnengeflecht, das

unmittelbar unter dem Zwerchfell liegt. Die Herznerven des S.

entspringen bei den höhern Wirbeltieren vom Hals. Auch im Kopf

liegen sympathische Ganglien und Geflechte, so z. B. in den

Speichel- und Thränendrüsen. Die Endungen der

sympathischen Nervenfasern in den von ihnen versorgten Organen

(Herz-, Darm-, Harn-, Geschlechtswerkzeuge etc.) sind noch wenig

bekannt. Gewöhnlich treten sie an die glatten Muskelfasern

heran und veranlassen deren vom Willen unabhängige

Zusammenziehungen. Da sie auch die Muskulatur in den Wandungen der

Blutgefäße als sogen. Gefäßnerven (s. d.)

innervieren, so verengern sie durch ihre Thätigkeit deren

Weite und sind daher von großem Einfluß auf den

Blutzufluß , somit auf die Ernährung der Organe.

Sympathisch (griech.), s. Sympathetisch.

Sympathische Färbung, s. Schutzeinrichtungen.

Sympathisieren (franz.), mit jemand gleich empfinden,

gleiche Neigung haben.

Sympetalae (griech.-lat.), s. Monopetalen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 133 / 302 段