Sydenham (spr. ssíddenhäm), eine der

südlichen Vorstädte Londons, an der Grenze der

Grafschaften Kent und Surrey, berühmt durch den 1853-54 von

Sir Joseph Paxton errichteten Glaspalast (Crystal Palace), bei

dessen Bau die Materialien (ausschließlich Glas und Eisen)

des 1851 im Hyde Park erbauten Ausstellungsgebäudes Verwendung

fanden. Nachdem das nördliche Querschiff 30. Dez. 1866 durch

eine Feuersbrunst zerstört worden, hat der Bau eine

Gesamtlänge von 324 m. Das Mittelschiff ist 22 m breit und 32

m hoch, das mittlere Querschiff 118 m lang, 36,5 m breit und 51,2 m

hoch. Vier Galerien laufen um dasselbe herum. Am westlichen Ende

steht das Händel-Orchester mit Raum für 4000

Künstler und einer Orgel mit 4598 Pfeifen. Ein Konzertsaal und

Theater schließen sich an dasselbe an. Im nördlichen

Teil des Palastes findet man Nachbildungen verschiedener Baustile,

meist in verjüngtem Maßstab, als: einen ägyptischen

Tempel, griechische und römische Wohnhäuser, einige

Räumlichkeiten der Alhambra und Höfe im byzantinischen,

gotischen und italienischen Stil. Das ehemalige "tropische

Departement" ist leider ein Raub der Flammen geworden. Südlich

vom Händel-Orchester liegen vier sogen. Industrial courts,

für den Verkauf von Glas, Kurzwaren, Kunstgegenständen

etc., und die Nachbildung eines pompejanischen Hauses. Im

südlichen Querschiff befinden sich ein von reizenden

Blumenbeeten umgebener Springbrunnen, eine Sammlung ethnologischer

Modelle, Abgüsse einiger der berühmtesten Bildhauerwerke

der Welt etc. Die geräumigen Galerien bieten Raum für

eine Gemäldeausstellung, Lesezimmer, Verkaufsbuden etc. Im

Unterstock endlich liegt ein Aquarium. Großartig sind auch

die Gartenanlagen und die Wasserkünste, welche alle

ähnlichen Werke weit

454

Sydenham - Sydow.

übertreffen; der bedeutendste Wasserstrahl erreicht eine

Höhe von 75 m. Der Kristallpalast, dessen Baukosten sich auf 1

1/2 Mill. Pfd. Sterl. beliefen, ist Eigentum einer

Privatgesellschaft und wird jährlich von über 2 Mill.

Menschen besucht.

Sydenham (spr. ssídenhäm), Thomas, Arzt, geb.

1624 zu Windford-Eagle in Dorsetshire, studierte seit 1642 zu

Oxford und London, erwarb dann in Oxford das Bakkalaureat,

promovierte in Cambridge und ließ sich als Arzt in London

nieder. Er gilt Paracelsus gegenüber, welcher immer nur

umzustürzen bestrebt war, als der "positive" Reformator der

praktischen Medizin. Die Bedeutung der Thatsachen und direkten

Beobachtungen stellte er obenan; die Krankheiten faßte er auf

als Prozesse, die Symptome derselben als etwas rein

Äußerliches, das nach der Konstitution wechseln kann; er

suchte namentlich die verschiedenen Krankheitsformen bestimmt

abzugrenzen, zunächst um für die Anwendung spezifischer

Heilmittel sichere Anhaltspunkte zu gewinnen. Hierbei geriet er

jedoch in eine rein ontologische Auffassung hinein, die ihn sogar

dahin bringt, die Krankheiten nach einem botanischen Schema zu

klassifizieren. S. huldigte im allgemeinen einer energischen

Therapie, in welcher China und Opium und namentlich der

Aderlaß eine hervorragende Rolle spielten. Er starb 29. Dez.

1689. Gesammelt erschienen seine durchweg in lateinischer Sprache

abgefaßten Schriften als "Opera omnia" London 1685 (zuletzt,

das. 1844; in engl. Übersetzung, das. 1848-50, 2 Bde.;

deutsch, Wien 1786-87, 2 Bde.). Vgl. Jahn, Sydenham (Eisenach

1840); Brown, Locke and S. (Edinb. 1866).

Sydney (spr. ssíddni), 1) Hauptstadt der

britisch-austral. Kolonie Neusüdwales, am südlichen Ufer

des Port Jackson und 6 km vom Stillen Ozean, unter 33° 51'

südl. Br. und 151° 11' östl. L. v. Gr. Die Stadt ist

mit Ausnahme des ältesten Teils regelmäßig

angelegt, hat Gas- und Wasserleitung, Dampftrambahnen und besitzt

viele schöne Bauten, wie die Universität, die

anglikanische und die katholische Kathedrale, den Palast des

Gouverneurs, die 13 Bankgebäude, Börse, Generalpostamt,

Rathaus, Museum, Regierungsgebäude, 5 Theater. Von den

öffentlichen Anlagen sind der schöne botanische Garten,

die "Domäne", Hydepark, Prince Alfred-Park u. a. zu nennen,

mit Statuen Sir Richard Bourkes, Cooks und Prinz Alberts. Die Stadt

hatte 1800 erst 200, Ende 1887 aber mit den Vorstädten bereits

348,695 Einw., welche schon lebhafte Industrie treiben. Es bestehen

großartige Leder-, Schuhzeug- und Wollzeugfabriken, 50

Kleiderfabriken, große Dampftischlereien, Wagen- und

Maschinenbauaustalten, Eisengießereien, Brauereien etc. Auf

mehreren mit allen modernen Hilfsmitteln ausgerüsteten Werften

mit Docks werden große Dampfer gebaut. Eine nach dem Innern

führende Eisenbahn verzweigt sich wenige Kilometer von der

Stadt. Der Hafen ist vorzüglich, die größten

Schiffe können an den Kais anlegen; 1887 liefen ein: 1665

Schiffe von 2,109,830 Ton. Zum Hafen von S. gehören 576

Segelschiffe von 63,121 T. und 403 Dampfer von 47,675 T. S. ist

Endstation für die Postdampfer des Norddeutschen Lloyd, der

Messageries maritimes, der großen englischen

Postdampferlinien durch den Suezkanal und über San Francisco

nach Europa und vieler andrer Dampfergesellschaften. Von

Bildungsanstalten besitzt S. außer einer Universität mit

3 theologischen Seminaren mehrere höhere Schulen, eine

Kunstschule mit Bibliothek von 25,000 Bänden und Museum,

öffentliche Bibliothek mit 70,000 Bänden,

Handwerkerinstitut mit 20,000 Bänden. Es erscheinen 6

Zeitungen täglich, 15 wöchentlich, 10 monatlich. Die

Stadt hat zahlreiche Wohlthätigkeitsanstalten und ist Sitz des

Gouverneurs, des Parlaments und der Regierung, eines katholischen

Erzbischofs und eines englischen Bischofs, des obersten

Gerichtshofs, eines deutschen Berufskonsuls (für Australien

und die Südsee) und eines Konsuls, einer Handelskammer u.

Münzstätte. Stadt und Hafen sind durch eine Reihe von

Forts geschützt; außer einem Freiwilligenkorps besitzt

die Stadt kein Militär, ist aber Hauptquartier für die

neun britischen Kriegsschiffe der australischen Station. -

Situationsplan von Sydney

2) Hauptort von Cape Breton Island (s. d.).

Sydow, 1) Karl Leopold Adolf, protestant. Theolog, geb.

23. Nov. 1800 zu Charlottenburg, einer der treuesten Schüler

Schleiermachers, wurde 1836 zum Hofprediger in Potsdam, 1846 zum

Prediger an der Neuen Kirche in Berlin berufen. Von Friedrich

Wilhelm IV. nach England zur Beobachtung der dortigen kirchlichen

Zustände geschickt, gab er ein von der Königin Viktoria

veranlaßtes Gutachten über die schottische

Kirchentrennung heraus: "Die schottische Kirchenfrage" (Potsd.

1845). Bekannt ist er namentlich durch die infolge eines 12. Jan.

1872 im Unionsverein von ihm gehaltenen Vortrags: "Über die

wunderbare Geburt Jesu" (gedruckt in der Sammlung "Protestantischer

Vorträge", Berl. 1873), gegen ihn eingeleitete

Disziplinaruntersuchung geworden, die 5. Juli 1873 mit einem

"geschärften Verweis" endete (vgl. darüber die von S.

veröffentlichten "Aktenstücke", 2. Aufl., Berl. 1873).

Bald darauf trat er in den Ruhestand und starb 22. Okt. 1882. Sein

Leben beschrieb seine Tochter Marie S. (Berl. 1883).

2) Emil von, hervorragender Geograph, geb. 15. Juli 1812 zu

Freiberg in Sachsen, trat 1830 als Leutnant in die preußische

Armee, ward 1843 als Mitglied der

Militärexaminationskommission nach Berlin berufen, wo er

später auch Vorlesungen an der Kriegsakademie hielt, lebte

1855-60 in Gotha und starb 13. Okt. 1873 in Berlin als Oberst und

Abteilungschef im Nebenetat des Großen Generalstabs. Seine

Aufsätze und kritischen Arbeiten über Kartographie in

"Petermanns Mitteilungen", seine zahlreichen Kartenwerke:

"Wandkarten", "Methodischer Hand-

455

Syene - Sylt.

atlas" (4. Aufl., Gotha 1867; neu bearbeitet von H. Wagner, 2.

Aufl. 1889), "Schulatlas in 42 Blättern" (28. Aufl., das.

1876), "Hydrographischer Atlas" u.a., ebenso seine Aussätze in

den "Mitteilungen", "Unsere Zeit" und namentlich in

militärischen Zeitschriften sind zu ihrer Zeit von

großem Wert gewesen. Auch veröffentlichte S.:

"Grundriß der allgemeinen Geographie" (Gotha 1862, 1. Abt.)

und "Übersicht der wichtigsten Karten Europas" (Berl. 1864).

Vgl. "Emil v. S., ein Nachruf" (Berl. 1874).

Syene, Stadt, s. Assuân.

Syenit, gemengtes kristallinisches Gestein, in seinen

typischen Varietäten aus Orthoklas und Hornblende bestehend.

Mit dem Granit (s. d.) ist der S. vermittelst Übergänge,

welche durch Zurücktreten der Hornblende und Ausnahme von

Quarz und Glimmer hervorgerufen werden, eng verknüpft

(Syenitgranit). Neben Orthoklas tritt mitunter gleichzeitig auch

Oligoklas in das Gemenge, der sich dann von dem Orthoklas

häufig durch leichtere Verwitterbarkeit und dadurch bedingte

Trübung unterscheidet. Von accessorischen Bestandteilen ist

außer Magneteisen, Eisenkies, gediegenem Kupfer und

Kupferverbindungen als besonders charakteristisch Titanit

aufzuführen. S. besitzt gewöhnlich mittelkörnige

Struktur; eine porphyrartige entsteht, wenn einzelne Orthoklase in

großern Individuen entwickelt sind, schieferige durch

lagenweise Verteilung der Hornblende oder auch des Glimmers in den

granitischen Varietäten. Absonderungsformen sind selten, doch

kennt man von einzelnen Lokalitäten kugelige und

säulenförmige, erstere namentlich bei beginnender

Verwitterung hervortretend. Die mittlere chemische Zusammensetzung

schwankt zwischen 50-62 Proz. Kieselsäureanhydrid, 15-20

Thonerde, 6-14 Eisenoxydul, 1-6 Magnesia, 4-9 Kalk, 2-5 Natron und

3-7 Proz. Kali. Das spezifische Gewicht ist 2,7 bis 2,9.

Hinsichtlich der Altersverhältnisse und der Hypothesen

über Bildung des Syenits ist auf das, was über Granit

gesagt worden ist, zu verweisen. Die Verwitterung des Syenits

führt häufig zur Blockbildung, deren Residua, lokal

aufgehäuft, sogen. Felsenmeere darstellen. Eins der

berühmtesten ist dasjenige bei Auerbach an der

Bergstraße (s. Felsberg). Als letztes Produkt der

Verwitterung bildet sich ein ockergelber eisenschüssiger Lehm,

oft mit Splittern von Hornblende oder mit aus derselben

entstandenen Chloritschüppchen gemengt. Dem Vorkommen nach ist

der S. gewöhnlich wiederum mit granitischen Gesteinen eng

verknüpft. Besonders entwickelt ist er in Sachsen (Umgegend

von Dresden und Meißen), Thüringen, im Odenwald, in

Mähren, Norwegen, Irland und Nordamerika. Er dient, wie schon

im alten Ägypten, zu architektonischen Zwecken, Säulen,

Obelisken, Vasen etc. Sein Magneteisengehalt, infolge von

natürlichen durch Anlage von Fanggruben unterstützten

Schlämmungsprozessen lokal aufgehäuft, versieht am

Vitosgebirge in der Türkei eine kleine Eisenindustrie mit Erz.

Verwandte Gesteine, teilweise nur als lokale Varietäten des

Syenits zu betrachten, sind: der Monzonit (nach dem Berg Monzoni in

Südtirol so genannt), aus Orthoklas, Oligoklas u. Augit,

accessorisch auch Hornblende, bestehend ; der Zirkonsyenit

Norwegens und Grönlands, welcher neben Orthoklas und

Hornblende Eläolith (s. Nephelin) und Zirkon führt und

sich im Gegensatz zu dem normalen S. durch seinen Reichtum an

accessorischen Bestandteilen (mehr als 50 zum Teil sehr seltene

Mineralspezies) auszeichnet; der Foyait (vom Berg Foya in

Portugal), aus Orthoklas, Hornblende und Eläolith

zusammengesetzt; der Miascit (von Miask im Ilmengebirge), von

Orthoklas, Glimmer und Eläolith, mitunter auch Sodalith,

gebildet.

Syenitgranit (Hornblendegranit), s. Granit und

Syenit.

Syke, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk

Hannover, an der Linie Wanne-Bremen der Preußischen

Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Schweinehandel

und (1885) 1118 Einw.

Sykomore, s. v. w. Maulbeerfeigenbaum, s. Ficus, auch s.

v. w. Platane und gemeiner Bergahorn.

Sykophanten (griech.), in Athen diejenigen, welche jemand

wegen verbotener Ausfuhr von Feigen denunzierten; sodann die

Denunzianten, welche ein Gewerbe daraus machten, durch Androhung

von falschen Anklagen, Verleumdungen und Schikanen aller Art die

Begüterten zu brandschatzen. Die strengsten Strafen vermochten

in der Zeit der politischen Entartung das Unwesen nicht

auszurotten.

Sykosis, s. Bartfinne.

Sylburg, Friedrich, Philolog, geb. 1536 zu Wetter bei

Marburg, lehrte an den Schulen zu Neuhaus bei Worms und zu Lich in

der Wetterau, ward 1582 Korrektor bei dem Buchdrucker Wechel in

Frankfurt a. M., 1591 bei Commelin in Heidelberg und Bibliothekar

der Universität daselbst; starb dort 17. Febr. 1596. Er war

ein eifriger Förderer des Griechischen. Seine Ausgaben des

Pausanias, Aristoteles, Dionysios von Halikarnaß, Clemens von

Alexandria, des "Etymologicum magnum" u. a. sind ausgezeichnet

durch Genauigkeit der kritischen Methode. Auch bearbeitete er des

Clenardus "Institutiones linguae graecae" (Frankf. 1580) und war

Mitarbeiter des H. Stephanus am "Thesaurus linguae graecae". Vgl.

F. G. Jung, Lebensbeschreibung Fr. Sylburgs (Berleburg 1745);

Creuzer, Opuscula selecta, S. 196 ff.

Syllabarium (lat.), ABC-Buch.

Syllabieren, Buchstaben, richtiger: Laute, zusammen in

Silben aussprechen; syllabisch, silbenweise. Syllabiermethode,

wobei nach Aussprechen der einzelnen Buchstaben die einzelnen

Silben und zuletzt die ganzen Wörter ausgesprochen werden, wie

es z. B. in den Anstalten Pestalozzis geschah.

Syllabus (griech.), Verzeichnis; bekannt besonders der

der päpstlichen Encyklika vom 8. Dez. 1864 beigegebene S.,

eine Aufzählung und Verdammung aller mit der streng

römischen Auffassung nicht verträglichen Prinzipien und

Formen des modernen Lebens (s. Pius 9).

Syllepsis (griech., "Zusammenfassung"), Zusammenziehung

zweier Silben in eine; auch grammatische Figur, durch welche ein

Prädikat auf zwei oder mehrere Subjekte bezogen wird, die in

Bezug auf Person, Numerus und Genus verschieden sind (s.

Zeugma).

Syllogismus (griech.), in der Logik der einfache

Schluß, in welchem die Gültigkeit eines Urteils

(Schlußsatz) durch zwei andre (Vordersätze oder

Prämissen) begründet wird. S. Schluß.

Sylochelidon, Raubseeschwalbe, s. Seeschwalbe.

Sylphen (griech.), im System des Paracelsus

Elementargeister, deren Wohnort die Luft war, und die zum Dienste

der Menschen bereit waren. Ein solcher war z. B. Oberon (s. d.).

Sylphiden heißen die weiblichen Luftgeister.

Sylt (Silt, v. altfries. Silendi, "Seeland"), Insel in

der Nordsee, zum Kreis Tondern der preuß. Provinz

Schleswig-Holstein gehörig, 12-22 km von der schlesischen

Küste entfernt, ist von N. nach Sü-

456

Sylva - Symbiose.

den 36 km lang, 1-14 km breit und zählt 3410 Einw. Der

nördliche Teil der Insel heißt List, die südliche

Halbinsel Hörnum. In der Mitte ragt gegen SO. in das

Wattenmeer ("Haff") eine breite Halbinsel hinein, deren

äußerste Spitze Nösse heißt. Sandklittern

oder Dünen erfüllen die südliche Halbinsel, ebenso

die nördliche Hälfte der nördlichen Halbinsel,

während der mittlere Hauptteil, auf der Tertiärformation

aufgebaut (Morsumkliff am Wattenmeer, Rotes Kliff an der Seeseite),

Geest- und Marschland enthält, von denen das letztere sich

durch Absetzung von Schlamm in das Wattenmeer hinein beständig

vergrößert, während auf der Seeseite Stürme

und die Wellen der Nordsee der Insel ebenso stetig Abbruch thun, so

daß die teilweise bis 30 m hohen Sandberge, in

beständiger Wanderung begriffen, immer mehr landeinwärts

rücken. Im Januar 1300 wurde der Flecken Wenningstadt an der

Westküste, 1362 das Dorf Steidum von den Fluten verschlungen.

Die wichtigsten Orte auf S. sind: Keitum (s. d.) mit 853 Einw.,

Tinnum mit Amtsgericht und 162 und Morsum mit 671 Einw. auf der

östlichen, Rantum auf der südlichen Halbinsel mit 260,

Westerland (s. d.) an der See mit Seebad, Krankenisolierhaus und

899 und Norddörfer mit 295 Einw. Ein Leuchtturm befindet sich

auf einem Hügel südlich von Kampen, Leuchtfeuer an

verschiedenen Stellen der Küste. Die Bewohner sind Friesen,

nur in List Dänen; Kirchen-, Unterrichts- und Gerichtssprache

war von jeher deutsch. In der Nähe des Lenchtturms wurden

neuerlich altheidnische Grabstätten von bedeutendem Umfang

aufgefunden. S. ward im Krieg von 1864 durch den dänischen

Kapitän Hammer schwer heimgesucht, von den Preußen aber

13. Juli in Besitz genommen. Seitdem hat die preußische

Regierung größere Summen zum Schutz der Westseite der

Insel gegen die gefahrdrohenden Abspülungen durch das Meer

verwendet. Der Besuch des Seebades ist in steter Zunahme begriffen.

Regelmäßige Dampferverbindungen finden von Hoyer nach

Keitum statt, von wo jetzt aus Munkmarsch eine

Dampfstraßenbahn nach Westerland führt. Ferner hat S.

Dampferverbindung mit Hamburg über Helgoland. Vgl. Hansen, Die

nordfriesische Insel S. (Leipz. 1859); Meyn, Geologische

Beschreibung der Insel S (Berl. 1876); Kunkel, Der Kurort S. und

seine Heilwirkung (Kiel 1878); Hepp, Wegweiser auf S. (3. Aufl.,

Tondern 1885).

Sylva (lat.), s. Silva.

Sylva, Carmen, Pseudonym der Königin Elisabeth von

Rumänien (s. Elisabeth 10).

Sylvanerz, Sylvanit, s. v. w. Schrifterz (s. d.).

Sylvester, s. Silvester.

Sylvester, James Joseph, Mathematiker, geb. 3. Sept. 1814

zu London, studierte in Cambridge, wurde 1837 Professor der Physik

am University College in London, 1840 Professor der Mathematik an

der Universität von Virginia, 1855 an der Militärakademie

in Woolwich, 1870 an der John Hopkin's University in Baltimore und

1883 Professor der Geometrie in Oxford. Er erfand mehrere

geometrische Instrumente, wie den Plagiographen, den geometrischen

Fächer etc., 1885 veröffentlichte er die "Theorie der

Reciprozienten", durch welche die frühern Hilfsquellen der

modernen Algebra mehr als verdoppelt wurden. S. stellte auch eine

Theorie der Verifikation auf.

Sylvesterorden, s. Goldener Sporn.

Sylvia, Grasmücke.

Sylviidae (Sänger), Familie der Sperlingsvögel

(s. d.); Sylviinae, echte Sänger.

Sylvin (Hövellit, Schätzellit), Mineral aus der

Ordnung der einfachen Haloidsalze, kristallisiert tesseral, findet

sich meist in körnigen oder stängeligen Aggregaten, auch

derb und eingesprengt, ist farblos oder gefärbt,

glasglänzend, durchsichtig, Härte 2, spez. Gew. 1,9-2,0,

besteht aus Chlorkalium und findet sich in größter Menge

in linsenförmigen Einlage-rungen von 3-5 cm Dicke und 2-4 m

Länge im salzführenden Thon bei Kaluschin und wird hier

bergmännisch gewonnen. In Staßfurt findet sich S. im

Kieserit, auch kommt er als vulkanisches Sublimat am Vesuv vor. Er

dient zur Darstellung von Kalisalzen.

Sylvius, 1) Jacob (Dubois), Anatom, geb. 1478 zu Amiens,

studierte in Paris, hielt dort bis zu seinem Tod 1555 unter

großem Beifall anatomische Vorlesungen und bereicherte die

Anatomie durch wichtige Entdeckungen und Erfindungen. Nach ihm sind

die Sylviussche Grube und die Sylviussche Wasserleitung im Gehirn

(s. d., S. 2) benannt. Seine "Opera medica" erschienen in Genf

1630.

2) Franz, Mediziner, s. Boe.

3) Pseudonym, s. Texier 2).

Symbiose (griech.), nach einem von dem Botaniker A. de

Bary eingeführten Kunstausdruck das engere Zusammenleben

mehrerer, gewöhnlich zweier Lebewesen verschiedener Art, die

einander wechselseitig nützen und zusammen besser gedeihen als

jeder der Genossenschafter für sich. Der letztere Umstand

unterscheidet die S. vom Parasitismus, bei welchem der Schmarotzer

(s. d.) einseitig Vorteil zieht und der Wirt einzig Nachteil hat.

Einen Übergang zwischen beiden Verhältnissen macht das

durch I. van Beneden als Mutualismus bezeichnete Verhältnis,

bei welchem z. B. Hautschmarotzer ihrem Wirte durch Verzehren von

Hautabfällen und Absonderungsprodukten Säuberungsdienste

leisten, ein näheres Ineinanderleben und gegenseitiges

Anpassen aber nicht stattgefunden hat. Man kann drei

Hauptfälle der S. unterscheiden: 1) zwischen Pflanzen unter

sich, 2) zwischen Tieren unter sich und 3) zwischen Tier und

Pflanze. Von dem Zusammenleben zweier niederer Pflanzen geben die

aus Pilzen und einzelligen Algen bestehenden Flechten (s. d.) das

lehrreichste und am längsten bekannte Beispiel; die Algen

bereiten dabei im Licht Nahrungsstoffe aus der Luft, während

die davon mitzehrenden Pilzfäden Nahrung aus der Unterlage

ziehen und eine geeignete, Feuchtigkeit zurückhaltende

Hülle bilden. Ein andres derartiges Beispiel bietet die

Mycorhiza (s. d.). Zu der S. zwischen Tieren gehört als das am

längsten bekannte Beispiel das Wohnen des Muschelwächters

(Pinnoteres veterum), einer kleinen Krabbenart, in den Schalen der

Steckmuscheln (Pinna). Die Alten glaubten, der an der

Schalenöffnung liegende Krebs benachrichtige das Muscheltier

durch Kneipen mit den Scheren von nahender Gefahr oder Beute und

erhalte dafür seinen Anteil an der letztern. Sicherer

festgestellt ist der gegenseitige Vorteil bei dem oft geschilderten

"Freundschaftsverhältnis" der Einsiedlerkrebse mit den

Aktinien oder Seerosen, die sich auf den von jenen bewohnten

Schneckenhäusern ansiedeln. Denn die Seerosen sind wegen der

von ihnen ausgeschleuderten Nesselorgane gefürchtete

Meerestiere, die dem namentlich von Sepien verfolgten

Einsiedlerkrebs Schutz gewähren und dafür von ihm an

günstige Beuteplätze geführt werden sowie auch

dreist zulangen, wenn der Krebs ein gutes Beutestück erwischt

hat. Man hat in Aquarien festgestellt, daß Krebse, die man

aus ihren mit Seerosen besetzten Schalen vertrieben, auch die

befreundete

457

Symbiotes - Symbolik.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 132 / 302 段