Fluß Tikitsch, hat 3 griechisch-russische und eine kath.
Kirche und (1885) 11,562 Einw.
Swenziany, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wilna, eine
der ältesten Ortschaften Litauens, hat eine
griechisch-russische, eine kath. Kirche und (1885) 8517 Einw.
(meist Juden).
Swert, Jules de, Violoncellist und Komponist, geb. 16.
Aug. 1843 zu Löwen in Belgien, erhielt von früher
Kindheit an gründlichen Unterricht von seinem Vater, der
Kapellmeister an der Kathedrale zu Löwen war, und machte schon
im 10. Jahr Kunstreisen durch Belgien und Holland, wo er Servais'
Aufmerksamkeit erregte und, nachdem er ins Brüsseler
Konservatorium eingetreten war, von diesem ausgebildet wurde. 1858
mit dem ersten Preis gekrönt, begab er sich zunächst nach
Paris, von da nach Schweden, Dänemark und Deutschland, wo er
überall mit glänzendem Erfolg konzertierte, und wurde
1865 in Düsseldorf, später in Weimar, bald darauf aber
als Konzertmeister am Hoftheater und zugleich als Lehrer an der
Hochschule zu Berlin angestellt. Diese Stellung verließ er
Anfang der 70er Jahre, um sich ausschließlich der Komposition
zu widmen, und verlegte seinen Wohnsitz nach Wiesbaden. Ende 1888
wurde er zum Professor am königl. Konservatorium zu Gent,
zugleich zum Direktor der Musikakademie und Kapellmeister der
Kursaal-Symphonie-Konzerte zu Ostende ernannt. Seine bisher in die
Öffentlichkeit gedrungenen Werke bestehen in zahlreichen
beachtenswerten Arbeiten für sein Instrument (darunter drei
Konzerte, eine Violoncelloschule. "Gradus ad parnassum"), einer
Symphonie ("Nordseefahrt") und den Opern: "Die Albigenser" (1880,
Wiesbaden) und "Graf Hammerstein" (Mainz, 1884).
Swerts, Jan, belg. Maler, geb. 1825 zu Antwerpen,
Schüler N. de Keysers daselbst, machte sich um die monumentale
Kunst Belgiens dadurch verdient, daß er die Regierung zu
einer Ausstellung von Kartons deutscher Meister in Brüssel und
Antwerpen (1859) veranlaßte. Mit Godefried Guffens hat er
eine Reihe von Wandbildern religiösen und historischen Inhalts
geschaffen, welche sich an die Richtung der neudeutschen Klassiker
anschließen (näheres s. bei Guffens). Seit 1874 Direktor
der Kunstakademie zu Prag, starb er 11. Aug. 1879 in Marienbad.
Sweynheym, Konrad, mit Arnold Pannartz (s. d.) erster
Buchdrucker zu Subiaco bei Rom 1464.
Swiaschsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kasan, an der
Mündung der Swiaga in die Wolga, hat einige alte Kirchen und
Klöster und (1885) 2883 Einw.
Swiedack, Karl, unter dem Pseudonym Karl Elmar bekannter
österreich. Volksdramatiker, geb. 23. Mai 1815 zu Wien, war
erst Kaufmann, dann eine Zeitlang Artillerist und versuchte sich
endlich als Schauspieler wie auch als Theaterdichter. Sein erstes
Stück: "Die Wette um ein Herz" (1841), hatte einen
ungewöhnlichen Erfolg. Es folgten dann: "Der Goldteufel", in
welchem namentlich der Schauspieler Kunst glänzte, "Dichter
und Bauer" und "Unter der Erde", welch letzteres Stück sich
auf dem Repertoire erhalten hat. In allen bewährte S. ein
glückliches Nachstreben auf der Bahn Raimunds, ebenso nach
1848 in den Dramen: "Des Teufels Brautfahrt" und "Paperl" sowie in
den realistisch angelegten Volksstücken: "Unterthänig und
unabhängig" und "Liebe zum Volk". Dem Meister Ferdinand
Raimund brachte S. seine besondere Huldigung dar in dem
gleichnamigen Charakterbild, das sehr gefiel; auch "Das
Mädchen von der Spule" und andre Volksstücke
bewährten noch seine dichterische Kraft. Als dann das
französische Gesangs- und Ausstattungsstück zur
Herrschaft kam, zog sich S. von der Bühne zurück und
wandte sich der humoristisch-satirischen Journalistik zu. Er starb
2. Aug. 1888 in Wien.
Swieten, Gerard van, Arzt, geb. 7. Mai 1700 zu Leiden,
studierte daselbst und in Löwen, ward Professor der Medizin in
Leiden, 1745 Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, Vorsteher der k.
k. Bibliothek,
451
Swietenia - Swift.
Präsident der medizinischen Fakultät zu Wien, Direktor
des Medizinalwesens in der Monarchie und Bücherzensor. Er
starb 18. Juni 1772 in Schönbrunn. Er schrieb: "Commentarii in
Boerhaavii aphorismos de cognoscendis et curandis morbis" (Leid.
1741-42, 5 Bde.; neue Ausg., Tübing. 1790, 8 Bde.). Vgl. Beer,
Friedrich II. und van S. (Leipz. 1873); Fournier, Gerh. van S. als
Zensor (Wien 1877); W. Müller, Gerh. van S. (das. 1883). -
Sein Sohn Gottfried van S., geb. 1734 zu Leiden, gestorben als
Direktor der kaiserlichen Hofbibliothek zu Wien 29. März 1803,
war ein vertrauter Freund Haydns und Mozarts und bearbeitete
für erstern die Texte zur "Schöpfung" und den
"Jahreszeiten".
Swietenia L. (Mahagonibaum), Gattung aus der Familie der
Meliaceen, mit der einzigen Art S. Mahagoni L. (gemeiner
Mahagonibaum), einem 25-30 m hohen Baum mit weit ausgebreitetem,
dicht belaubtem Wipfel, drei- bis fünfpaarig gefiederten
Blättern, eirund-lanzettlichen, zugespitzten, lederigen
Blättchen, kleinen, weißlichgelben Blüten in
reichen axillären Rispen und braunen, faustgroßen
Samenkapseln. Dieser in Westindien und auf der Landenge von Panama
auf felsigem Boden wachsende Baum liefert das wegen seiner
Polierfähigkeit, Härte und Dauer als Furnierholz sehr
geschätzte Mahagoniholz. Im Handel unterscheidet man dasselbe
teils nach dem Vaterland, teils nach dem Ansehen. Am
geschätztesten ist das aus Jamaica, welche Insel aber infolge
des schonungslosen Fällens der Bäume jetzt nur noch
geringe Quantitäten liefert; das meiste, aber auch
geringwertigste, weil schrammige, grobfaserige Holz kommt von den
Küsten der Hondurasbai. Härter und schöner
gefärbt ist das Mahagoniholz von Haiti, Cuba und den
Bahamainseln (das Inselholz geht im Handel als spanisches
Mahagoni). Es ist schön braun, dunkelt stark an der Luft,
spaltet sehr schwer, spez. Gew. 0,56-0,88, schwindet sehr wenig,
nimmt schöne Politur an und verträgt auch gut
Temperaturwechsel. Da das Mahagoniholz nicht von Würmern
angegriffen wird und im Wasser von ungewöhnlicher Dauer ist,
so ist es auch zum Schiffbau sehr geeignet; außerdem dient es
zu Lagern für Maschinenbestandteile. Es ist seit dem Ende des
16. Jahrh. in Europa bekannt, wohin es von Trinidad gebracht wurde;
aber erst ein Jahrhundert später wurde es für unsern
Weltteil Handelsgegenstand. Während die Spanier es schon im
16. Jahrh. zum Schiffbau verwendeten, datiert seine Benutzung als
Möbelholz erst von 1724. Die bitter adstringierende Rinde
(Amarantrinde) wird in Jamaica gegen Wechselfieber und
Durchfälle angewendet und dient auch zur Verfälschung der
Chinarinde. Nach Einschnitten liefert der Baum ein Gummi, das als
Acajougummi in den Handel kommt. Afrikanisches Mahagoniholz
(Madeiramahagoni), s. v. w. Kailcedraholz; weißes
Mahagoniholz, das Holz von Anacardium; neuholläindisches
Mahagoni, das rote, veilchenartig riechende Holz von einigen
Eucalyptus-Arten.
Swift, Jonathan, polit. Satiriker der Engländer,
geb. 30. Nov. 1667 zu Dublin, zeigte bereits als Knabe jene
Misanthropie und stolze Selbstgenügsamkeit, welche S. als Mann
charakterisieren und ihn zu einer der originellsten, aber auch
abstoßendsten litterarischen Erscheinungen gemacht haben.
Drei Jahre seiner Kindheit brachte er in England zu, kam dann auf
die Schule zu Kilkenny, studierte seit 1682 im Trinity College zu
Dublin und ward 1688 Sekretär Sir William Temples zu Norr Park
in Surrey. Als Temple 1699 starb, gab S. dessen politische
Schriften heraus und ging dann als Kaplan des Earl Berkeley,
Vizekönigs von Irland, dorthin zurück. Seine Pfarrstelle
zu Laracor brachte ihm 400 Pfd. Sterl. jährlich ein. Bis 1710
lebte er daselbst, machte aber alljährlich Besuche in England
und zugleich die Bekanntschaft der leitenden Staatsmänner der
Whigpartei, welche damals das Ministerium in Händen hatten. Zu
gunsten der Whigminister veröffentlichte er 1701 das Pamphlet
"A discourse of the contests and dissensions between the nobles and
commons of Athens and Rome". 1710 unterhandelte S. im Auftrag des
Erzbischofs King, Primas von Irland, über die Abschaffung der
seitens der Iren an die englische Regierung zu zahlenden Zehnten,
und seine Bemühungen waren so erfolgreich, daß er bei
seiner Rückkehr nach Irland mit Glockengeläute empfangen
wurde. Indes sehnte er sich nach England zurück, um dem Herde
der hohen Politik näher zu sein, und da er bei den Whigs nicht
reüssiert hatte, machte er sich kein Gewissen daraus, nunmehr
zu den Tories überzugehen und seine frühern
Parteigenossen mit noch heftigerer Satire zu befehden als zuvor die
Tories. Das Ziel seines Ehrgeizes war ein englischer Bischofsitz;
die Minister waren auch nicht abgeneigt, ihm einen solchen zu
verschaffen, allein ihre Bemühungen blieben fruchtlos, und S.
wurde zu seiner höchsten Enttäuschung nur mit dem Dekanat
von St. Patrick in Dublin bedacht. Während seines nun
folgenden Aufenthalts in Irland (1714-26) wußte er von neuem
den höchsten Grad der Popularität zu erlangen, indem er
in heftigen Pamphleten, besonders in den "Drapier's letters"
("Tuchhändlerbriefe", 1723), gegen die englischen Minister die
Lage des unglücklichen Landes darlegte, was ihm mannigfache
Verfolgungen seitens der Regierung zuzog. Zu seinem Groll über
die Vernichtung seiner ehrgeizigen Hoffnungen kam um jene Zeit der
tragische Ausgang einer Doppelliebe. S. hatte längst ein
inniges Verhältnis mit Esther Johnson (Stella genannt), die er
in Sir Temples Haus hatte kennen lernen, faßte dann eine
zweite Neigung zu einer andern jungen Dame in London, Esther van
Homrigh (Vanessa), der er aber sein Verhältnis zu Stella nicht
zu gestehen wagte. Nach der Entdeckung starb Vanessa aus Gram
(1723) und einige Jahre später (1728) auch Stella, mit der er
sich kurz vorher noch heimlich hatte trauen lassen (vgl. sein
"Journal to Stella". deutsch, Berl. 1866). Allmählich
schwanden seine Geisteskräfte; er starb 19. Okt. 1745 in
Dublin und wurde in der Kathedrale von St. Patrick begraben. Als
Schriftsteller wurde S. berühmt durch die zuerst anonym
herausgegebenen Schritten: "Battle of the books" (1697) und "The
tale of a tub" (1704; deutsch von Boxberger, Stuttg. 1884).
Letzteres ist ein beißendes Pasquill gegen Papismus,
Luthertum und Calvinismus; in den Abenteuern der drei Helden Peter,
Jack und Martin werden die Streitigkeiten jener drei Kirchen
veranschaulicht. Die "Bücherschlacht" ist der Form nach eine
Art Parodie der Homerischen Schlachten und behandelt eine Frage,
die damals das ganze litterarische Europa beschäftigte,
nämlich die Überlegenheit der Alten (Griechen und
Römer) über die Modernen. S. entschied sich für die
erstern und entfaltete dabei, wie im "Märchen von der Tonne",
einen Sarkasmus, der ihn zum gefürchtetsten Pamphletisten
seiner Zeit machte. Seit 1724 war S. mit der Abfassung seines
berühmtesten Werkes: "Travels of Lemuel Gulliver",
beschäftigt, das 1726 erschien und allgemein die höchste
Bewunderung er-
452
Swilajinatz - Swir.
regte, auch in fast alle zivilisierten Sprachen übersetzt
wurde. Es enthält in einfacher und natürlicher Sprache
und unter der Miene der größten Ernsthaftigkeit eine
ergötzliche Satire auf menschliche Thorheit und Schwäche
im allgemeinen, mit zahlreichen Schlaglichtern auf die politischen,
religiösen und sozialen Zustände des damaligen England,
ist aber auch nicht frei von manchem Verletzenden, wozu namentlich
die von Swifts Menschenhaß eingegebene Schilderung der Yahoo
gehört. Von Schriften sind noch anzuführen: die im Verein
mit Pope herausgegebenen "Miscellanies" (1727, 3 Bde.) und die
posthume "History of the four last years of Queen Anne". Seine
Werke wurden herausgegeben von Hawkesworth (Lond. 1755, 14
Quartbände, Oktavausgabe in 24 Bänden), Sheridan (das.
1784, 17 Bde.), Walter Scott (mit Biographie, das. 1814, 19 Bde.;
neue Ausg. 1883, 10 Bde.), Roscoe (das. 1853, 2 Bde.), Purves (das.
1868). Sein Briefwechsel erschien in 3 Bänden (Lond. 1766) und
in Auswahl von Lane Pool (das. 1885). Eine Übersetzung der
humoristischen Werke lieferte Kottenkamp (Stuttg. 1844, 3 Bde.).
Aussprüche von S. sammelte Regis ("Swiftbüchlein",
biographisch-chronologisch geordnet, Berl. 1847). Vgl. auch R. M.
Meyer, I. S. und G. Lichtenberg (Berl. 1886). Sein Leben
beschrieben S. Johnson, Sheridan (Dubl. 1787), Forster
(unvollendet; Bd. 1, bis 1711 reichend, Lond. 1875), H. Craik (das.
1882); kürzer L. Stephen (das. 1882).
Swilajinatz, Flecken im serb. Kreis Tschupria, an der
Resawa, Sitz des Bezirkshauptmanns, mit Kirche, Untergymnasium und
(1884) 4563 Einw. Hier stand die römische Station Idimus.
Swinburne (spr. sswinnbörn), Algernon Charles, engl.
Dichter, geb. 5. April 1837 zu Henley an der Themse (Oxfordshire)
aus einer ursprünglich dänischen Familie, erhielt seine
Bildung in Eton und Oxford und schloß sich schon auf der
Hochschule einer Gruppe junger Männer an, die den Zweck
verfolgte, die englische Kunst umzugestalten. Ohne seine
Universitätsstudien zu beenden, begab er sich dann auf Reisen
und brachte einige Zeit in Florenz bei dem greisen Dichter W.
Savage Landor zu, welchem er seitdem die größte
Bewunderung erwies. Ähnliche Bewunderung hat er immer für
Victor Hngo und für Mazzini ausgesprochen. Er trat zuerst 1860
mit den Dramen: "The queen mother" und "Rosamond" auf, die aber
kaum Beachtung fanden. Dagegen erregte er bald darauf durch seine
von glühender Sinnlichkeit und politischem und religiösem
Radikalismus erfüllten, aber vom höchsten Wohllaut
getragenen Dichtungen ("Poems and ballads", 1866) einen Sturm
ebensowohl ästhetischer Bewunderung wie sittlicher
Entrüstung, welch letztere sich so entschieden aussprach,
daß S. sich in einer besondern Schrift: "Notes on poems and
reviews" (1866), verteidigte, sein Buch aber dem fernern Vertrieb
durch den Buchhandel entzog. Gegenwärtig zählt ihn die
Kritik, die ihn zuerst niederzuschlagen versuchte, zu den
hervorragendsten Erscheinungen der Litteratur Englands. Seine
Dramen, deren Stoff bald dem Altertum, bald der neuern Geschichte
entlehnt und deren Form teils den Griechen, teils Shakespeare
nachgeahmt ist, sind ihres hohen Schwunges, ihrer kraftvollen
Schilderung und ihrer reichen poetischen Einbildungskraft
ungeachtet teils durch antike Fremdartigkeit, teils durch
übermäßige Länge zur Aufführung
ungeeignet. Es sind: die Tragödie "Atalanta in Calydon" (1864;
deutsch von A. Graf Wickenburg, Wien 1878), die Trilogie
"Chastelard" (1865; deutsch von Horn, Brem. 1873), "Bothwell"
(1874, 3. Aufl. 1882), "Erechtheus" (1876) und "Mary Stuart"
(1881), "Marino Faliero" (1885) und "Locrine", Tragödie
(1887). Außerdem hat S. auf dichterischem Gebiet
veröffentlicht: "A song of Italy", ein Mazzini gewidmeter
dithyrambischer Hymnus in republikanischem Sinn" (1867); "Siena, a
poem" (1868); "Ode on the proclamation of the French republic"
(Victor Hugo gewidmet, 1870); die vortrefflichen "Songs before
sunrise" (1871), die zu seinen reifsten Schöpfungen
gehören, und "Songs of two nations" (1875); die "Songs of the
springtides" (1875), welche seine "Birthday ode" an Victor Hugo
enthalten; zwei neue Folgen von "Poems and ballads" (1878 u. 1889),
das epische Gedicht "Tristram of Lyoness" (1882), eine Sammlung
lyrisch-didaktischer Gedichte: "A century of roundels (1883), und
"A midsummer holiday" (1884). In den "Notes of an English
republican on the Muscovite crusade" (1876) trat er Gladstone und
seinem russenfreundlichen Anhang mit Wucht entgegen. Ebenso
bewährte er sich als scharfer Kritiker in einer Reihe von
Schriften, wie: "William Blake" (1868), "Under the microscope",
eine Verteidigung gegen die Anklage der Begründung einer
"fleischlichen Schule der Poesie" (1872), "George Chapman" (1875),
"A note on Charlotte Bronte" (1877), "A study of Shakespeare"
(1879), "Studies in song" (1881), "Study of Victor Hugo" (1886),
"Miscellanies" (1886) u. a. Eine Sammlung seiner kleinern
Prosaschriften erschien unter dem Titel: "Essays and studies"
(1875, 3. Aufl. 1888). S. schreibt auch französische Verse und
hat den altfranzösischen Dichter Villon durch
Übersetzungen in England eingeführt. Vgl. "Bibliography
of A. C. S." (Lond. 1887).
Swindon (spr. sswinnd'n), Stadt in Wiltshire (England),
hat eine Kornbörse, einen Park, großartige
Werkstätten der Westbahn und (1881) 22,374 Einw.
Swinemünde, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Stettin, auf der Insel Usedom, an der Mündung der Swine und an
der Linie Ducherow-S. der Preußischen Staatsbahn, hat eine
evangelische und eine altluther. Kirche, eine altkatholische
Kapelle, ein israelitisches Bethaus, einen Hafen (Vorhafen von
Stettin), welcher an der Seeseite durch einige Forts befestigt ist,
einen Leuchtturm, elektrische Straßenbeleuchtung, ein
Amtsgericht, ein Hauptzollamt, ein Lotsenkommando, ein Seebad
(1887: 3941 Badegäste), lebhafte Schiffahrt, Fischerei und
(1885) mit der Garnison (ein Füsilierbat. Nr. 34 und ein Bat.
Fußartillerie Nr. 2) 8626 meist evang. Einwohner. Im Hafen
von S. liefen 1886 beladen ein: 557 Schiffe von 270,114 Ton., aus:
240 Schiffe von 71,462 T. S. besaß 1887: 26 Schiffe von 4245
T. Der Ort wurde 1748 von Friedrich d. Gr. an Stelle des Dorfs
Westswine angelegt und erhielt 1765 Stadtrechte. In der Nähe
der Ziroberg mit Aussichtsturm.
Swinton (spr. sswinnt'n), Stadt im westlichen Yorkshire
(England), 8 km nordöstlich von Rotherham, hat Glashütten
und Töpfereien und (1881) 7612 Einw.
Swinton mit Pendlebury (spr. péndelböri),
Fabrikstadt in Lancashire (England), unfern Manchester, mit
Baumwollmanufaktur, Ziegeleien und (1881) 18,107 Einw.
Swir, schiffbarer Fluß im russ. Gouvernement
Olonez, der Abfluß des Onegasees in den Ladogasee, ist 214 km
lang und gehört zu dem großen Wassersystem, welches die
Newa mit der Wolga und dem Weißen Meer verbindet, indem er
zunächst das Verbindungsglied zwischen dem Tichwinschen
Kanal-
453
Swischtow - Sydenham.
system und dem Marienkanalsystem bildet. Der Swirkanal
führt aus dem S. in den Sjas.
Swischtow (Sistov), Kreishauptstadt in Bulgarien, rechts
an der Donau, zwischen Nikopoli und Rustschuk, hat Baumwollweberei,
Gerberei, Schifffahrt, Handel, Weinbau und (1887) 12,482 Einw. Hier
30. Dez. 1790 Friedenskongreß und 4. Aug. 1791
Definitivfriede zwischen Österreich und der Türkei. 1810
durch die Russen zerstört und durch Auswanderung vieler
Bulgaren herabgekommen, gelangte S. erst durch die
Donaudampfschiffahrt zu neuer Blüte. Am 22. Juni 1877 gingen
die Russen von Zimnitza nach S. über die Donau und schlugen
darauf eine Schiffbrücke bei S., über welche ihre Armee
in Bulgarien einrückte.
Swjatoi-Noß, niedriges Vorgebirge im ruff.
Gouvernement Archangel, auf der Halbinsel Kola, westlich am Eingang
in das Weiße Meer.
Swod Sakonow (russ., "Sammlung von Gesetzen"), russisches
Gesetzbuch, enthaltend das in den Ukasen gegebene Recht; publiziert
1833 und seitdem wiederholt herausgegeben.
Syagrius, letzter röm. Statthalter in Gallien, Sohn
des Ägidius, der seit 461 Beherrscher eines Landstrichs im
nordwestlichen Gallien mit der Hauptstadt Soissons gewesen war,
erbte nach des Vaters Tod 476 jenes Gebiet, erweiterte dasselbe und
be-herrschte es, bis er 486 von dem Frankenkönig Chlodwig bei
Soissons besiegt und hingerichtet wurde.
Sybaris, berühmte, von Achäern und
Trözenern um 720 v. Chr. gegründete griech. Pflanzstadt
in der Landschaft Chonia (Lukanien), am Tarentinischen Meerbusen,
gelangte durch die Fruchtbarkeit ihres Gebiets und ihren
blühenden Handel bald zu bedeutender Macht und
Größe. Zu ihrem Gebiet gehörte zur Zeit ihrer
Blüte die ganze Westhälfte des spätern Lukanien,
doch ist ihre Geschichte ziemlich unbekannt. Infolge ihres
großen Reichtums ergaben sich die Bewohner (Sybariten) einem
so üppigen und weichlichen Leben, daß das
"Sybaritenleben" sprichwörtlich wurde. Nachdem die Stadt 510
von den Krotoniaten zerstört worden, legten 443 die Reste der
vertriebenen Sybariten, durch neue Kolonisten aus Griechenland
(darunter Herodot und der Redner Lysias) verstärkt, weiter
landeinwärts von der zerstörten Stadt eine neue an, die
sie nach einer nahen Quelle Thurii nannten. Hannibal ließ
dieselbe 204 plündern; 194 wurde sie römische Kolonie.
Die Zeit ihres Untergangs ist nicht bekannt. Im Winter 1887/88 hat
die italienische Regierung mit der Ausgrabung der Ruinen von S.
begonnen.
Sybel, Heinrich von, deutscher Geschichtschreiber, geb.
2. Dez. 1817 zu Düsseldorf, studierte in Berlin, namentlich
von Ranke angeregt, Geschichte, habilitierte sich 1841 als
Privatdozent der Geschichte zu Bonn, ward 1841 Professor daselbst
und 1846 in Marburg. Er war 1848-49 Mitglied der hessischen
Ständeversammlung und 1850 des Erfurter Staatenhauses, ward
1856 Professor in München, 1857 Mitglied der dortigen Akademie
und 1858 Sekretär der Historischen Kommission. Seit 1861
Professor in Bonn, war er 1862-64 Mitglied des preußischen
Landtags, in welchem er namentlich die polnische Politik Bismarcks
tadelte, ward 1867 nationalliberales Mitglied des konstituierenden
Reichstags des Norddeutschen Bundes, 1874 wieder Mitglied des
Abgeordnetenhauses, in welchem er auf Grund seiner Erfahrungen am
Rhein besonders die Ultramontanen bekämpfte, 1875 Direktor der
Staatsarchive in Berlin, 1876 Mitglied der dortigen Akademie und
1878 Geheimer Oberregierungsrat. Sein Abgeordnetenmandat legte er
1880 nieder. Er veranlaßte die "Publikationen aus den
preußischen Staatsarchiven", die Herausgabe der "Politischen
Korrespondenz Friedrichs d. Gr.", die Gründung der
preußischen historischen Station und ward Mitglied der
Direktion der "Monumenta". Er schrieb: die durch kritische
Schärfe und geistvolle Darstellung ausgezeichnete "Geschichte
des ersten Kreuzzugs" (Düsseld. 1841, 2. Aufl. 1881); "Die
Entstehung des deutschen Königtums" (Frankf. 1844, 2. Aufl.
1881), über welche er mit Waitz in eine lange litterarische
Fehde geriet; "Geschichte der Revolutionszeit von 1789 bis 1795"
(Marb. 1853-58, 3 Bde.; 4. Aufl., Düsseld. 1877), welche auf
Grund eingehender Studien die französische Revolution
namentlich im Zusammenhang mit der damaligen europäischen
Politik beleuchtet, S. aber wieder in einen heftigen Streit mit
Hüffer, Herrmann und Vivenot verwickelte, da S. die
preußische Politik, besonders den Baseler Frieden,
verteidigte, dagegen die österreichische Politik seit 1792
scharf verurteilte. Es folgten: die "Geschichte der Revolutionszeit
von 1795 bis 1800" (Düsseldorf 1872-74, 2 Bde.; 2. Aufl.
1878-79); "Die deutsche Nation und das Kaiserreich" (das. 1862).
Seine "Kleinen historischen Schriften" (Münch. 1863-81, 3
Bde.) enthalten auch seine vorzüglichen Vorträge. 1856
gründete er die noch unter seiner Leitung stehende
"Historische Zeitschrift". S. ist ein ebenso gründlicher,
methodischer Forscher wie glänzender, wirkungsvoller
Darsteller.
Syceesilber (Sissisilber), hochfeines (0,960) Silber in
schuhähnlichen Barren (daher shoes), dient in China als
Tausch- und Zahlungsmittel für den größern Verkehr.
Das große Sissi wiegt 50, das kleine 7,10 oder 19 Taels.