nikskij erhielt und zum deutschen und russischen Reichsgrafen

erhoben wurde. Am 22. Dez. 1790 erstürmte er die Festung

Ismail, deren Einwohner er niedermetzeln ließ. Den polnischen

Aufstand von 1794 beendigte er rasch durch die Erstürmung von

Praga und die Besetzung von Warschau, wofür er zum

Generalfeldmarschall befördert ward. Hierauf zog er sich auf

sein Landgut Kantschanski im Gouvernement Nowgorod zurück, bis

ihm 1799 Kaiser Paul den Oberbefehl über die Truppen

übertrug, welche mit den Österreichern vereint in Italien

gegen die Franzosen fechten sollten. Er schlug die letztern 27.

April bei Cassano, 17., 18. und 19. Juli an der Trebbia und 15.

Aug. bei Novi, eroberte Alessandria und warf binnen 5 Monaten den

Feind aus ganz Oberitalien. Hierauf zog er nach der Schweiz, um

sich mit Korssakow zu vereinigen. Sein Zug über den St.

Gotthard war mit unbeschreiblichen Anstrengungen verknüpft und

kostete ihm den dritten Teil seines Heers, den größten

Teil der Pferde, alle Lasttiere nebst Geschütz und

Gepäck. Als er endlich das vordere Rheinthal betrat, fand er

die Verbündeten inzwischen von Massena bei Zürich, von

Soult an der Linth, von Molitor bei Mollis geschlagen. Er trat

daher den Rückmarsch durch Graubünden nach Italien und

von da, inzwischen zum Generalissimus aller russischen Armeen

ernannt, im Januar 1800 nach Rußland an. Noch vor seiner

Rückkehr aber fiel er infolge angeblicher Nichtbeachtung

kleinlicher kaiserlicher Dienstbefehle in Ungnade. Krank kam er 2.

Mai 1800 in Petersburg an und starb daselbst 18. Mai. Alexander I.

ließ ihm 1801 auf dem Marsfeld zu Petersburg eine kolossale

Statue setzen. Vgl. Anthing, Kriegsgeschichte des Grafen S. (Gotha

1796-99, 3 Bde.); v. Smitt, Suworows Leben und Heerzüge (Wilna

1833-34); Derselbe, S. und Polens Untergang (Leipz. 1858, 2 Bde.).

Neuere Biographien Suworows lieferten Polewoi (deutsch, Mit. 1853)

und Rybkin (russ., Mosk. 1874). Suworows "Korrespondenz über

die russisch-österreichische Kampagne im Jahr 1799" wurde von

v. Fuchs herausgegeben (deutsch, Glog. 1835, 2 Bde.). - Suworows

Sohn Arkadij Alexiewitsch, geb. 1783, that sich im Feldzug von 1807

hervor, ward Generalleutnant, befehligte eine Division der

Donauarmee unter Kutusow und ertrank 1811 im Rimnik, wo sein Vater

den Sieg über die Türken erfochten hatte. Dessen Sohn

Alexander Arkadjewitsch S.-Rimnikskij, Fürst Italijskij, geb.

1. Juli 1804, russ. Diplomat und General, diente im Kaukasus und in

Polen, wurde mehrmals zu diplomatischen Missionen an deutsche

Höfe verwandt, ward 1848 Generalgouverneur der

Ostseeprovinzen, die er vortrefflich verwaltete, 1861

Generalmilitärgouverneur von Petersburg, dann, als im Mai 1866

dies Amt in Wegfall kam, Generalinspektor der Infanterie. Er starb

12. Febr. 1882 in Petersburg.

Suworowinseln, kleine, nur 5 km große Gruppe auf

einem eine Lagune einschließenden, mit Wasser bedeckten Riff,

zur polynesischen Gruppe der Manihikiinseln gehörig, unter

13° 20' südl. Br. und 163° 30' östl. L. v. Gr.

Die nahe aneinander liegenden Eilande sind mit Gebüsch

bedeckt, haben einige Kokospalmen, aber kein Trinkwasser. Ein

tiefer Kanal führt in das Innere der seichten Lagune. Die

Gruppe wurde Anfang 1889 von England in Besitz genommen.

Suzeränität (franz.), Oberhoheit (s. d.).

Svarez (Suarez, eigentlich Schwartz), Karl Gottlieb

(nicht von spanischer Abkunft), der Schöpfer des

preußischen Landrechts, geb. 27. Febr. 1746 zu Schweidnitz,

studierte 1762-65 in Frankfurt a. O. trat hierauf als Auskultator

bei der Oberamtsregierung zu Breslau in den praktischen

Justizdienst, ward 1771 Rat daselbst und wirkte bei Neugestaltung

der Verhältnisse Schlesiens unter dem Provinzialminister v.

Carmer wesentlich mit zur Begründung des landschaftlichen

Kreditsystems, zur Reorganisation der höhern Schulen wie zur

Anbahnung einer Prozeßreform, welch letztere indessen, durch

den Großkanzler v. Fürst bekämpft, ins Stocken

geriet. Als Carmer an Fürsts Stelle berufen wurde, folgte ihm

S. 1780 als vortragender Rat nach Berlin, um dessen legislatorische

Pläne auszuführen. Auf Grund des Prozeßentwurfs von

1775 bearbeitete er das 1781 publizierte erste Buch des "Corpus

juris Fridericianum" (von der Prozeßordnung), woraus

später die "Allgemeine Gerichtsordnung für die

preußischen Staaten" (Berl. 1794-95, 3 Tle.), ebenfalls sein

Werk, hervorging. Auch in der Gesetzkommission für das

allgemeine Gesetzbuch fiel ihm die Hauptarbeit zu. Er schuf den

"Entwurf eines Allgemeinen Gesetzbuchs" (Berl. 1784-88, 6 Abtlgn.),

ebenso die Schlußredaktion des am 20. März 1791 zur

Publikation gelangten Gesetzbuchs selbst. Nachdem dasselbe infolge

von Gegenströmungen 18. April 1792 auf unbestimmte Zeit wieder

suspendiert war, besorgte S. die durch Kabinettsorder vom 17. Nov.

1793 angeordnete Revision, welche in dem "Allgemeinen Landrecht

für die königlich preußischen Staaten", publiziert

5. Febr. 1794, mit Gesetzeskraft vom 1. Juni, ihren endlichen

Abschluß fand. 1787 zum Geheimen Oberjustizrat befördert

und noch in demselben Jahr zum Obertribunalsrat ernannt, starb S.

14. Mai 1798 in Berlin. Vgl. Stölzel, K. G. S.

(Berl.1885).

Svealand (Svearike), historische Bezeichnung für das

mittlere Schweden mit der Hauptstadt Stockholm.

Svegliato (ital., spr. sweljato), aufgeweckt, munter.

Svendborg, dän. Amt, den südöstlichen Teil

der Insel Fünen nebst den Inseln Taasinge, Langeland, Aeroe

und vielen andern umfassend, 1643 qkm (29,8 QM.) mit (1880) 117,577

Einw. - Die gleichnamige Hauptstadt, in schöner Lage am

Svendborgsund, Endpunkt der Eisenbahnlinie Odense-S., hat 2 Kirchen

und (1880) 7184 Einw. Der Hafen ist etwa 4,5 m tief. Schiffahrt und

Schiffbau sind von großer Bedeutung. Die Handelsflotte

zählte 1886: 286 Schiffe von 26,907 Registertonnen. 1886

liefen 4744 Schiffe mit einer Warenmenge von 51,399 Registertonnen

ein und aus. S. ist Sitz eines deutschen Konsulats.

Svendsen, Johann Severin, norweg. Komponist, geb. 30.

Sept. 1840 zu Christiania, erhielt von seinem Vater den ersten

Unterricht im Violinspiel und ging 1862 als Mitglied einer

ambulanten Musikgesellschaft nach Hamburg, setzte nach

Auflösung derselben, mit einem königlichen Stipendium

versehen, seine Studien in Leipzig fort und widmete sich hier, da

er infolge einer Fingerkrankheit das Violinspiel aufgeben

mußte, ausschließlich der Komposition. 1867 machte er

eine Reise nach Island, lebte dann 1868-1869 in Paris, hierauf

wieder in Leipzig und begab sich 1872 in seine Heimat, von wo aus

er im Herbst 1877, abermals mit einem königlichen Stipendium

ausgerüstet, zu weitern Kunststudien nach Italien ging.

Über London und Paris, wo er wieder anderthalb Jahre

verweilte, nach Christiania zurückgekehrt, dirigierte er hier

wieder die schon früher von ihm geleiteten

Musikvereinskonzerte, bis er 1883 einem Ruf als Hofkapellmeister

nach Kopenhagen folgte. Von seinen Kompositionen sind

hervorzuheben: ein Konzert für Violine, eins für

Violoncello, ferner zwei Quar-

448

Sverdrup - Swan's-down.

tette, ein Quintett und ein Oktett für Streichinstrumente,

eine Einleitung zu Björnsons Tragödie "Sigurd Slembe",

zwei Symphonien, von denen besonders die zweite (in B dur)

günstige Aufnahme fand, "Hochzeitsfest" für Orchester,

Ouvertüre zu "Romeo und Julie" u. a.

Sverdrup, Johan, norweg. Politiker, geb. 1816 auf dem

Schloß Jarlsberg, wo sein Vater die Güter des Grafen

Wedel-Jarlsberg verwaltete, studierte die Rechte, machte 1841 sein

Examen und ließ sich in Laurvik als Anwalt nieder. 1851 wurde

er in das Storthing gewählt, dem er seitdem ununterbrochen

angehörte. Radikalen Anschauungen huldigend, gewann er

für dieselben mehr und mehr Anhänger und bildete sich

durch unermüdliche Thätigkeit eine Partei, welche

besonders in der Landbevölkerung vorherrschte (Bauernpartei)

und allmählich die Majorität im Storthing erlangte. An

ihrer Spitze begann er, zum Präsidenten des Storthings

gewählt, den Kamps gegen das Königtum, das er zu einer

bloßen Ehrenstellung herabdrücken wollte, mit dem Streit

über die Zulassung der Minister zum Storthing, aus dem sich

dann der weitere über das königliche Veto entwickelte, in

welchem S. 1883 den Sieg davontrug, indem das Ministerium

verurteilt wurde. S. wurde 1884 an die Spitze des Ministeriums

gestellt, befriedigte aber durch seine Thätigkeit den

radikalen Teil seiner Anhänger nicht, welche sich von ihm

lossagten, und sah sich aus Rücksicht aus die Konservativen,

von deren Stimmen er abhängig war, zu einer

gemäßigten Politik veranlaßt.

Sverige (schwed.), Schweden.

Sverker, König von Schweden, Enkel Svens des

Opferers, stritt nach dem Erlöschen des Hauses König

Stenkils (1129) mit Magnus um den Besitz der Krone und kam endlich

in den alleinigen Besitz derselben. Nach seiner Ermordung (1155)

versuchten seine Nachkommen vergeblich, sich dauernd auf dem Thron

zu behaupten. Mit Johann Sverkerson erlosch 1222 sein

Geschlecht.

Svetla, Karoline, böhm. Schriftstellerin (eigentlich

Frau Professor Muzak), geb. 24. Febr. 1830 zu Prag, gilt als die

hervorragendste Romanschriftstellerin. Unter ihren zahlreichen

Erzählungen sind die besten: "Vesnicky roman" ("Dorfroman")

und "Kriz a potoka" ("Das Kreuz am Bach"). Eine Gesamtausgabe ihrer

zahlreichen Romane erscheint in der "Narodni bibliotheka". S.

schrieb außerdem viele Aufsätze über Erziehung und

Litteratur; ihre "Memoiren" erfreuen sich der allgemeinen

Aufmerksamkeit. Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche,

Französische, Polnische und Russische übersetzt.

Sw., bei botan. Namen Abkürzung für O. Swartz,

geb. 1760, gest. 1818 als Professor in Stockholm; Kryptogamen,

westindische, schwedische Flora.

Swaga, s. Borax.

Swains., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für William Swainson, geb. 1789 zu Liverpool, gest. 1855 auf

Neuseeland (Zoolog).

Swammerdam, Jan, Naturforscher, geb. 12. Febr. 1637 zu

Amsterdam, studierte seit 1661 in Leiden Medizin, ging auf einige

Jahre nach Saumur und Paris, kehrte 1665 nach Amsterdam, 1666 nach

Leiden zurück, erwarb dort 1667 die medizinische

Doktorwürde und lebte dann in Amsterdam ausschließlich

seinen schon bisher mit großem Eifer betriebenen

planmäßigen anatomischen Studien. Körperlich

leidend und von einer pietistisch-schwärmerischen

Gemütsstimmung ergriffen, vertiefte er sich später in die

Schriften der chiliastischen Schwärmerin Bourignon, ging 1675

zu ihr nach Schleswig und geleitete sie nach Kopenhagen, kehrte

dann krank nach Amsterdam zurück und starb daselbst 17. Febr.

1680. S. war als Erforscher der kleinern Tierformen von

epochemachender Bedeutung; er erfand auch die Methode, die

Blutgefäße durch Ausspritzung mit Wachs haltbar und der

Untersuchung zugänglich zu machen. In seiner "Allgemeene

verhandeling van bloedeloose diertjens" (Utr. 1669; lat., Leid.

1685) legte er die Grundlage für die erste

naturgemäße Klassifikation der Insekten, und seine

anatomischen Arbeiten über die Insekten, veröffentlicht

in der "Biblia naturae" (hrsg. von Boerhaave, das. 1737-38, 2 Bde.;

deutsch, Leipz. 1752), sind die bedeutendste Erscheinung auf diesem

Felde der Zootomie bis in die neuere Zeit geblieben. Auch

beschäftigte er sich mit der Metamorphose der Insekten und

suchte die Gleichartigkeit der Zeugungsweise bei Tieren aller

Klassen nachzuweisen, indem er die Rolle des Samens feststellte. Er

schrieb noch "Miraculum naturae, seu uteri muliebris fabrica"

(Leid. 1672).

Swampies, Indianer, s. Kri.

Swamps (engl.), Moräste, Sümpfe in Nordamerika,

speziell die am Albemarlesund.

Swamy, Sir Mutu Coomara, gelehrter Ceylonese, geb. 1836

zu Kolombo auf Ceylon, studierte englisches Recht und erlangte als

der erste Nichtchrist in England die Würde eines Barristers

(Anwalts), wurde dann in seiner Heimat Mitglied des Legislative

Council und heiratete eine englische Dame. Seine verdienstlichen

Arbeiten zur Quellenkunde des südlichen Buddhismus: "History

of the tooth relic of Buddha" und "Sutta Nipata, the dialogues and

discourses of Gotama Buddha" (Pâlitexte, mit engl.

Übersetzung, Lond. 1874), trugen ihm die Erhebung in den

englischen Adelstand ein. Er starb 4. Mai 1879 in Kolombo.

Swaneten, zum kartwelischen Stamm gehöriges Volk in

Transkaukasien, das, 12,000 Köpfe stark, die obern Thäler

des Ingur und der Tskenis im Gouvernement Kutais bewohnt. Aus den

Ebenen Mingreliens vertrieben, haben sie sich in eine fast

unzugängliche Gebirgswelt zurückgezogen, wo sie in

Verwilderung und nach dem Gesetz der Blutrache sich beständig

befehdend ein elendes Dasein führen. Not trieb bei ihnen zur

Sitte des Mädchenmordes; Christen sind sie nur dem Namen nach,

ebenso ist ihre Abhängigkeit von Rußland (seit 1853) nur

nominell.

Swanevelt, Herman, holländ. Maler, geboren um 1600

zu Woerden bei Utrecht, begab sich 1623 nach Paris, von da nach

Rom, wo er bis um 1637 lebte, und ließ sich dann, nach kurzem

Aufenthalt in der Heimat, 1652 in Paris nieder, wo er 1653 Mitglied

der Akademie wurde und 1655 starb. Er hat italienische Landschaften

in der Art des Claude Lorrain gemalt, die man zumeist in den

Galerien von Rom und Florenz, aber auch in denen von Paris,

Frankfurt a. M., München und des Haag findet. Hervorragender

sind seine landschaftlichen Radierungen, deren er 116 hinterlassen

hat.

Swanhild, nach nord. Sage Sigurds Tochter von Gudrun,

wurde am Hof ihres Stiefvaters, des Königs Jonakur (den Gudrun

geheiratet, nachdem sie vergeblich den Tod in den Wellen gesucht),

erzogen und sollte König Jormunrekr (d. h. Ermanarich, den

Ostgotenkönig) heiraten. Weiteres s. Jormunrekr.

Swan River, s. Schwanenfluß.

Swan's-down (engl., spr. swónns-daun,

"Schwanendaunen"), eine Art feinen Wollenzeugs, das mit Seide und

Baumwolle gemischt ist.

449

Swansea - Swedenborg.

Swansea (spr. sswónssih), Stadt in Glamorganshire

(Wales), an der Mündung des Tawe in die Swanseabai des

Bristolkanals, mit (1881) 65,597 Einw. S. ist eine wenig anziehende

Stadt, und die den Schlöten seiner zahlreichen

Kupferschmelzhütten entsteigenden Dämpfe verhindern den

Pflanzenwuchs in der ganzen Gegend. Es verdankt seine Blüte

den reichen Kohlenlagern, die es in den Stand setzen, die ihm aus

Cornwall und allen Teilen der Welt zugeschickten Kupfer- und

Zinkerze zu verschmelzen. Außerdem hat es Töpfereien und

Porzellanwerke, Blechfabriken und Schiffbau. Sein Handel ist

bedeutend und wird gefördert durch die im Ästuar des Tawe

angelegten großartigen Docks. Es gehörten zum Hafen

1888: 166 Seeschiffe von 58,727 Ton. Gehalt und 45 Fischerboote.

Die Einfuhr vom Ausland belief sich auf 1,593,752 Pfd. Sterl., die

Ausfuhr dorthin (meist Steinkohlen) auf 2,868,612 Pfd. Sterl. An

öffentlichen Anstalten verdienen Erwähnung die Royal

Institution (mit Museum und Bibliothek), ein Lehrerseminar, eine

Lateinschule, eine Kunstschule und ein Taubstummeninstitut. S. ist

Sitz eines deutschen Konsuls. Dicht dabei liegt Landore mit den

ehemals Siemensschen Stahlwerken.

Swanskin (engl., spr. sswonn-, "Schwanfell"), eine Art

Fanell.

Swantewit (Swentowit), eine slaw. Gottheit,

ursprünglich wohl lichter Sonnen- (und Tages-) Gott

gegenüber Tschernebog (s. d.). Besonders berühmt war sein

Tempel zu Arkona auf Rügen, den König Waldemar I. 1168

zerstörte. S. wurde vierköpfig (nach den vier

Weltgegenden blickend) dargestellt, mit Bogen und Füllhorn

(was beides auf den Regenbogen nach verschiedener Auffassung

desselben als Bogen oder Horn geht). Beim Erntefest wurde das Horn

mit Met gefüllt; aus dem Rest, welcher vom vorigen Jahr in

demselben übriggeblieben, schloß man auf gute oder

schlechte Ernte. Man hielt ihm auch heiige Pferde (zum Zweck der

Weissagung).

Swat (serb.), Hochzeitsgast.

Swat, kleiner Gebirgsstaat nordwestlich von Peschawar, an

der Grenze von Britisch-Indien, mit 100,000 Einw., Afghanen vom

Jusufzaistamm, die sich im 16. Jahrh. hier niederließen und

die ältern arischen Bewohner verdrängten, in einem der

äußern Thäler, die vom Hindukusch nach dem

Kabulfluß sich herabziehen, hat warmes Klima, dichte

Waldungen und trägt Reis, Olivenbäume etc. Europäern

ist das Bereisen des Thals nur in Verkleidung mit Lebensgefahr

möglich. Hauptort ist Allahdand. Alexander d. Gr. durchzog den

untern Teil des Thals. Zu einem gewissen Ruf gelangte S. durch

seinen Akhund (d. h. Lehrer) Namens Abd ul Ghafar, der in Indien,

Zentralasien, Arabien, ja bis Konstantinopel im Ruf eines Weisen

von übernatürlicher Begabung stand, von Privaten als

Schiedsrichter, von mohammedanischen Fürsten um Beirat in

politischen Fragen angegangen wurde und noch 1877 einen Gesandten

des Sultans der Türkei erhielt. Der Akhund verkehrte nicht mit

Europäern, drang auch in Afghanistan auf Abschließung

und bezeigte insbesondere England wie Rußland

gleichmäßig Mißtrauen. 1846 hatte er unter den

Afghanen, die damals vorübergehend Peschawars sich

bemächtigt hatten, den Glaubenskrieg gepredigt; seitdem aber

erkannte der Akhund rückhaltlos die Überlegenheit der

Europäer an und riet im russisch-türkischen Krieg 1877

sowohl seinen Landsleuten als dem Sultan der Türkei davon ab,

die Fahne des Propheten zu entfalten. Dieser einflußreiche

religiöse Führer der Moslems Zentralasiens starb Ende

1877.

Swatau (Schateu), dem europäischen Handel seit 1869

geöffnete Handelsstadt in der chines. Provinz Kuangtung, an

der Mündung des Han in die Fukienstraße, Sitz eines

deutschen Konsuls, einer katholischen und evangelischen Mission,

mit etwa 30,000 Einw.

Swatopluk (Zwentibold), Herzog von Mähren, kam zur

Herrschaft über dieses Land, nachdem er seinen Oheim Rastislaw

gefangen genommen und dem ostfränkischen König Ludwig dem

Deutschen ausgeausiefert hatte, und sicherte sich 871 durch einen

verräterischen Überfall des bayrischen Heers, welches

vernichtet wurde, seine Unabhängigkeit. Er breitete nun sein

Reich nach allen Seiten hin aus. Den Plan seines Oheims Rastislaw,

mit Hilfe des Methodius ein von Deutschland unabhängiges

slowenisches Kirchenwesen in Mähren zu begründen, gab er

später preis, indem er nach Methodius' Tod sich wieder der

bayrischen Kirche zuwandte. Er starb 894, und nach seinem Tod ging

sein Reich zu Grunde.

Sweaborg, Festung im finn. Gouvernement Nyland, am

Finnischen Meerbusen, 5 km südlich von Helsingförs,

dessen Hafen sie deckt, seit 1749 von dem schwedischen

Feldmarschall Grafen A. Ehrenswärd erbaut, liegt auf sieben

Felseninseln, hat ein Zeughaus, bombenfeste Magazine, 2

Schiffsdocks, Werften, ein Monument des Grafen Ehrenswärd etc.

und ohne die Garnison ca. 1000 Einw. - Am 7. April 1808 ging die

Festung durch verräterische Kapitulation des schwedischen

Kommandanten, Admirals Cronstedt, an die Russen über.

Während des Krimkriegs wurde S. von der

englisch-französischen Flotte 8.-11. Aug. 1855 bombardiert und

niedergebrannt.

Sweater (engl., spr. sswetter, "Schwitzer"), in England

Bezeichnung der Vermittler, welche Arbeiten von größern

Unternehmern übernehmen und dieselben unmittelbar an Arbeiter

gegen Lohn vergeben, um aus deren Schweiß (daher

Sweating-System) einen Gewinn herauszuschlagen. Der Ausdruck wird

besonders von Schneidern gebraucht, welche selbständig

für große Magazine arbeiten.

Swedenborg (eigentlich Swedberg), Emanuel von, schwed.

Gelehrter und Theosoph, geb. 29. Jan. 1688 zu Stockholm, Sohn

Jesper Swedbergs, Bischofs von Westgotland, studierte zu Upsala

Philologie und Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften,

daneben auch Theologie, bereiste 1710-14 England, Holland,

Frankreich und Deutschland und ward 1716 Assessor des

Bergwerkskollegiums zu Stockholm, in welcher Stellung er sich durch

mechanische Erfindungen hervorthat. Zur Belagerung von

Frederikshall schaffte er 1718 sieben Schiffe mittels Rollen

fünf Stunden weit über Berg und Thal. Dies sowie seine

Schriften über Algebra, Wert der Münzen, Planetenlauf,

Ebbe und Flut etc. hatten zur Folge, daß die Königin

Ulrike ihn 1719 unter dem Namen S. adelte. In den folgenden Jahren

bereiste er die schwedischen, sächsischen sowie später

auch die böhmischen und österreichischen Bergwerke. Seine

"Opera philosophica et mineralogica" (1734, 3 Bde. mit 155

Kupferstichen) gaben auf der Grundlage ausgedehnter Studien

über Gegenstände der Naturwissenschaft und der

angewandten Mathematik ein System der Natur, dessen Mittelpunkt die

Idee eines notendigen mechanischen und organischen Zusammenhangs

aller Dinge ist. Nach neuen Reisen (1736-1740) durch Deutschland,

Holland, Frankreich, Italien und England wendete er sein

Natursystem in den Schriften: "Oeconomia regni animalis" (Lond.

1740-41), "Regnum animale" (Bd. 1 u. 2, Haag 1744; Bd. 3, Lond.

1745) und "De cultu et amore

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.

29

450

Sweepstake - Swieten

Dei<< (das. 1740, 2 Bde.) auch auf die belebte

Schöpfung, namentlich den Menschen, an. Aber schon das

letztgenannte Werk war nicht mehr streng wissenschaftlich gehalten,

wie sich denn S. von jetzt an ausschließlich theosophischen

Studien hingab, um sich für seinen, wie er behauptete, von

Gott selbst ihm eingegebenen Beruf vorzubereiten, der in nichts

Geringerm bestand als in der Gründung der Neuen Kirche, wie

sie in der Offenbarung St. Johannis verheißen ist. S. glaubte

diese Mission zu erfüllen, indem er das Wort Gottes in der

(nach seinem Sinn) wahren Bedeutung auslegte, ein

vollständiges System einer neuen Religionslehre aufstellte und

die Natur des Geisterreichs und dessen Zusammenhang mit der

Menschenwelt in seltsamen Visionen enthüllte, von denen

mehrere die Aufmerksamkeit Kants erregten und denselben

veranlaßten, S. in seinen "Träumen eines Geistersehers"

(1766) für einen "Schwärmer" zu erklären (vgl. Rob.

Zimmermann, Kant und der Spiritismus, Wien 1879). Die

hauptsächlichsten Werke, welche diese Lehre behandelten,

waren: "Arcana coelestia" (Lond. 1749-56, 8 Bde.; hrsg. von Tafel,

Tübing. 1833-42, 13 Bde.; deutsch, das. 1842-70, 16 Bde.); "De

coelo et inferno" (Lond. 1758; deutsch von Tafel, 3. Aufl.,

Tübing. 1873); "De nova Hierosolyma et ejus doctrina" (Lond.

1758; deutsch von Tafel, Tübing. 1860); "Apocalypsis

explicata" (Lond. 1761; deutsch von Tafel, Tübing. 1824-31, 4

Bde.) und "Vera christiana religio" (Lond. 1771; hrsg. von Tafel,

Stuttg. 1857; deutsch von demselben, Tübing. 1855-58, 3 Bde.).

Um seinen religiösen Bestrebungen ungestört leben zu

können, hatte er schon 1747 seine amtliche Stellung

aufgegeben, bezog jedoch eine königliche Pension. Während

einer Reise, welche er 1771 im Interesse seiner Lehre unternommen

hatte, erkrankte er in London und starb daselbst 29. März

1772. Die Zahl seiner Anhänger (Swedenborgianer) nahm langsam

zu; sie verbreiteten sich, wenn auch nur sporadisch, über

Schweden, Polen, England und Deutschland; am meisten faßte

die "neue Kirche" oder das "neue Jerusalem" (New Jerusalem church)

in England festen Fuß, wo es jetzt 50 Gemeinden geben mag,

sowie in der neuern Zeit auch in Nordamerika. Vgl. Richer, La

nouvelle Jerusalem (Par. 1832-35, 8 Bde.); Tafel, Sammlung von

Urkunden über Swedenborgs Leben und Charakter (Tübing.

1839-42, 3 Bdchn.) ; Derselbe, Abriß von Swedenborgs Leben

(das. 1845); die Biographien von Schaarschmidt (Elberf. 1862),

Matter (Par. 1863) und White (2. Aufl., Lond. 1874), die anonyme

Schrift "E. Swedenborgs Leben und Lehre" (Frankf. 1880); Potts, S.

Concordance (Lond. 1889, Bd. 1).

Sweepstake (engl., spr. sswihp-stehk), Einsatzrennen,

dessen Preis nur aus den Einlagen und Reugeldern der Teilnehmer

(mindestens drei) besteht.

Sweersinsel, s. Wellesleyinseln.

Sweet, bei botan. Namen für R. Sweet,

Handelsgärtner in London, gest. 1839. Geraniaceen, Cistineen.

Flora australasica.

Swell (engl.), s. Dandy.

Swenigorod, Kreisstadt im russ. Gouvernement Moskau, an

der Moßkwa, mit (1885) 2288 Einw.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 130 / 302 段